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Erstes Blatt.

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Der 27. November!

Eine Sitzung, in der alle Bande parlamen­tarischen Anstands und gesellschaftlichen Taktes ko vollkommen aufgelöst waren, wie in denjenigen, m wÄchen die Mehrheitsparteien am vergangenen Donnerstag ihren Antrag auf en dloo-Annahme des ganzen Zolltarifentwurfs einbrachten, hat der deutsche Reichstag glücklicherweise noch nie­mals zu verzeichnen gehabt. In der Geschichte des deutschen Parlamentarismus wird daher der 27. November 1902 als ein kritischer Tag erster Ordnung unvergeßlich fortleben. Wir wollen hoffen, daß der Sturm seine stärkste Kraft bereits Verblasen hat, daß die orkan­artigen Erscheinungen nicht wiederkehren werden. Für derartige Vergnügen, wie sie sich am 27. im Reichstagshause abspielte, hat die Geschäfts­ordnung überhaupt keine Maßnahmer getroffen. Außer dem Ordnungsruf und im schlimmsten Falle der Aussetzung der Verhandlung auf eine Stunde stehen dem Präsidenten keine Mittel zur Verfügung, die Ordnung aufrecht zu er­halten. Er kann auch den Erreger des stärkste« LärmS nicht nötigen, den Sitzungssaal zu ver- laffen, um die für die Beratungen erforderliche Ruhe zu verschaffen. Aber wie gesagt, der Sturm scheint seine stärkste Kraft verpufft zu haben, so daß eine Erweiterung der Machtbe» fugnisie deS Präsidenten sür die Zolltarifver­handlungen hoffentlich nicht erforderlich wird. Ehe daS große Gesetzeswerk in den sicheren Hafen landet, wird es der Stürme freilich noch viele zu bestehen haben.

Zu der Sturmsitzung im Reichstage schreibt die .Kreuzztg.: Die bisherigen Zusammenstöße waren im Vergleich zu den Vorgängen in der DonnerStagS-Sitzung nur Vorpvstengefechte: Die Mehrheitsparteien bekundeten, daß sie nicht länger gewillt seien, sich von der obstruierenden Linken mutwillig führen und hinziehen zu lasten, während andererseits die Sozialdemokraten mit ihrer Gefolgschaft auS dem freisinnigen Lager über das Vorgehen der Mehrheitsparteien in eine wahre Tobsucht verfielen und Szenen her­beiführten, wie sie sich im Reichstage sowohl wie im deutschen Parlamente überhaupt noch nicht ereignet haben. Im weiteren Verlauf ihrer Ausführungen bemerkt die ,Kreuz-Ztg/ noch: Wenn jetzt viele von den Konservativen, die bisher der Zolltarifvorlage nicht beistimmen wachten, für ihre Annahme mit den vorge­schlagenen Aenderungen find, so ist dieser Um­schwung der Meinungen lediglich dem Verhalten der Sozialdemokraten und deren Genoffen auf daS Conto zu setzen. — Die »Post' bemerkt in ihrer Besprechung der Vorgänge u. a.: Die Anmaßlichkeit, Rücksichtslosigkeit und GefinnungS- roheit der parlamentarischen Vertreter der Po­litik, welche auf der Straße liegt, wohlver­standen im schlechte« Sinne des Wortes, hat sich nie im Reichstage so abstoßend enthüllt wie am Donnerstag. Die ConventSgelüste einer solchen ochlokratischen Genossenschaft aber kenn­zeichnete sfth am besten durch die Art, wie einer der Herren den Präsidenten zur Ordnung rufen zu muffen glaubte, weil er nicht von vornherein Partei gegen die Mehrheitsparteien nahm. — Dagegen schreibt z. B. die »Rat. Zig.': Der Antrag Kardorff u. Genossen bedeutet, wenn er durch- oesetzt wird, daS Ende der parlamentarischen Beratungssreiheit im Reichstage, und er ge­fährdet vermöge der Anregung zur Nachfolge in den einzelstaatlichen Landtagen, auch in diesen die bisherige konstitutionelle Ordnung, kann im Reichstage nach der Absicht deS An­trag« Kardorff die Spezialberatung eines Zoll­tarif« erdrosselt werden, so kann im preußische« Abgeordnetenhaus« dasselbe bei einem reaktionären Schulgesetz geschehen. — Die »Voss. Zig." führt au«: Sehnliche Szenen wie nach der Ein­bringung deS Guillotineantrags hat der deutsche Reichstag noch nicht erlebt, so lange er besteht. Die Leidenschaften waren entfesselt und entluden sich zeitweilig mit solcher Gewalt, daß man erwarten mußte, alsbald werde von den groben Beleidigungen zu schallenden Tätlichkeiten über­gegangen werden. . . . Der Antrag v. Kardorff enthält einen flagranten Bruch der Geschäfts­ordnung, der Grundverfaffunq des Reichstags, einen offenen Bruch in der beschönigenden Form der Auslegung. Damit verläßt die Mehrheit den Boden deS Rechts und macht sich der LMinderb^t aeaenüber einer schnöden Verge­

Ptertelj^ hrlicher Bezugspreis: bei der Expckitw» S ML, bei alle» Postämter» 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld). *'-*’*v**^U

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waltigung schuldig. Sie hat damit die leiden­schaftliche Abwehr, so beklagenswert die Ausschreitungen auch waren, herauSgefordert. — Der .Vorwärts" endlich überschreibt seinen Artikel .Halbbriganten" und bemerkt darin: Die Mehrheft des Reichstags hat den Versuch unternommen, die Minderheit auS dem Hinter­halte niederzuschlagen und die Milliardenleute gewaltsam an sich zu reißen. Die Herren von der Regierung hatten sich versteckt; sie kannten den Anschlag. Der Antrag Kardorff bedeutet einfach die Zerstörung des Parlamentarismus und die Aufrichtung der diktatorischen Gewalt­herrschaft. — Das ist allerdings wieder so ein kleines Verdrehungskunststückchen, wie es der sozialistischen Presse eigen ist. Nicht der Antrag Kardoff bedeutet die Z e r st ö r u n g deS Parlamentarismus, sondern die Obstruktion der Sozialdemokratie und ihrer .jungen Männer", der beiden Freisinnsparteien, und nicht jener bedeutet die Aufrichtung der diktatorischen Gewalt, sondern die bewußte Absicht der Sozialdemokratie und ihrer Freunde, die Reichstagsmehrheit an jeder ersprießlichen Arbeit zu hindern und sie unter allen Umständen zu vergewaltigen, verrät daS Gelüste der Sozialdemokratie nach dik­tatorischer, revolutionärer Gewalt­herrschaft!

Erscheint täglich außer a» Sonn- imb Friertag«.

Sonnabends in Morgen- und Abend-LuSgade.

Druck und Verlag: Joh. ®ug. Loch, Universität-• Buchdruckers

Marburg, MarÜ 2L — Telephon 55.

soll zur Errichtung einer Penfionökaffe füP invalid« Arbeiter verwendet werden.

England. Der König von Portugal begcck sich heute nach Chatham, wo er daS erste Bataillon der Oxfordshire Light Jnfantrh, deren Ehrenoberst er ist, besichtigte. Der König sprach seine Anerkennung über daS vortrefflich« Aussehen au« und gedachte der Leistungen in dem schweren Feldzug in Südafrika. Später kehrte der König nach London zurück.

— Die .Westminster Gazette" veröffentlicht eine Verordnung deS LandwirtfchaftS» und Ackerbauamts, welche die Einführung von Vieh jeder Art auS den amerikanischen Staaten Maine, Newhampshire, Vermont, Massachusetts, Connecticut und RhodeiSland vom 5. Dezember ab verbietet.

Rußland. Der .Regierungsbote" bespricht in längerer Ausführung die Absicht Englands, russischen Zucker mit Strafzoll zu belege« und führt auS, eine solche Maßnahme bedeute ein« Verletzung deS Handelsvertrages, wobei ed gleichgiltig sei, daß alle der Brüsseler Kon­vention nicht beigetretene« Staate« gleich un» billig behandelt würdee«. Rußland sei geneigt, ein internationales Schiedsgericht anzunehmen,- welches sämtliche, den internationalen Waren­austausch betreffenden Fragen behandeln solle.

Rumänien. Die Session de« Parlament« wurde gestern mit einer vom Könige verlesenen Thronrede eröffnet, die mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde.

Vereinigte Staate« von Amerika. Der Generalpostmeister der Vereinigten Staaten empfiehlt in einem amtlichen Bericht, Verhand­lungen mit Deutschland, Großbritannien und Frankreich zwecks Ermäßigung der postalischen Gebühren anzuknüpfen.

Umschau.

Genossenschaftsstatistik für da« Deutsche Reich.

Zum ersten Male liegt in den von der preußischen Zentralgenossenschaftskaffe heraus­gegebenen Mitteilungen zur deutschen Genoffen­schaftsstatistik für 1901 eine gemeinsame Gencffen- schaftsstatistik für daS Deutsche Reich mit Ausschluß von Bayern, Württemberg und Heffen vor. Ter Zeitpunkt sür welchen die Statistik gilt, der 31. Dezember l 900, liegt allerdings etwas weit zurück, indessen wird sie für rückwärtige Vergleichungen ihren dauern­den Wert behalten. Nach dieser Statistik be­trug die Zahl der mn Jahresschluß 1900 in dem Gebiete der gemeinsamen Genoffenschafts­statistik bestehenden Genossenschaften 12 836 und die ihrer Mitglieder 2070 661. Davon kamen auf Preußen allein 9856 Genossenschaften mit 1439 335 Genossen. Am 39. Juni 1898 waren eS in Preußen 8242 Genossenschaften mit 1 113 065 Genossen. Das zentrale Kredit­institut der Preußenkasse hat danach unzweifel­haft einen belebenden Einfluß auf die Bildung der Genossenschaften gehabt. In dem ganzen Gebiet der gemeinsamen Genossenschaftsffatistik waren von der Gesamtzahl 8777 Genossenschaften mit 1093140 Mitgliedern Genossenschaften mit unbeschränkter Haftpflicht, 135 mit 20 854 solche mit unbeschränkter Nachschußpflicht und 3924 mit 956 667 solche mit beschränkter Haft­pflicht. Dje Gesamthastsumme aller Genossen in der letzteren Kategorie betrug 285 3 Mill. Mark. Bekanntlich iss auch die Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht erst durch da« Erwerbs- und Wirtschaft« - Genoffenschafts­gesetz vorn Jahre 1889 inS Leben gerufen. Sie hatte sich demgemäß in den 11 Jahren ihre« Bestehens bedeutend entwickelt. Nach dem Gegenstände deS Unternehmen« ge­ordnet gab e« 7773 Kreditgenossenschaften mit 1152 857 Mitgliedern, 78 gewerbliche Rohstoff- genoffenschasten mit 3518 und 697 landwirt- schastliche mit 60575 Mitgliedern, 18 Waren­einkaufsvereine mit 692 Mitgliedern, 62 ge­werbliche Werkgenoffenschaften mit 9026 und 245 landwirtschaftliche mit 14213 Mitgliedern, 28 gewerbliche Magazingenoffenschaften mit 490 uud 102 landwirtschaftliche mit 14241 Genossen, 48 gewerbliche Rohstoff- und Magazin­genoffenschaften mit 1836 und 7 landwirtschaft­liche mit 311 Genossen, 118 gewerbliche Produktivgenoffenschaften mit 14068 und 2004 landwirtschaftliche mit 137 943 Genossen, 1118 Konsumvereine mit 570 880 Genossen, 321 eigentliche WohnungS- und Baugenossenschaften mit 63128 und 37 Vereinshaus Genossenschaften mit 2958 Genossen, sowie 185 sonstige Genossen­schaften mit 23 072 Mitgliedern.

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^»sertiousgebühr: die gespaltene Zeile oder der« Raum 10 Pßp Sonntag, 30. November 1902.

Reclamen: bte Zeile 25 Pfg.

Ausland

Frankreich. In der Budgetkommisfiou verwies Ministerpräsident CombeS im Laufe der Debatte bezüglich deS Berichts de« Generals Dohron auf die Angelegenheiten hin, die der Beschluß der Kommisfion, üou dem gedachten Berichte Kenntnis zu nehmen, der Regierung bereiten könnte, denn kein Beamter würde mehr vertrauliche Berichte erstatten wolle«. Nachdem CombeS die Sitzung verlasse«, wurde der Be­richt deS Generals Vohron verlese«. Dir Kommisfion beschloß daraus, den Bericht nicht zu veröffentlichen, die Mitglieder aber von der Pflicht der Geheimhaltung zu entbinden. Mehrere Mitglieder der Budgetkommission erklären, sie seien von dem Inhalt deS Berichts enttäuscht und hätten sensationelle Enthüllungen erwartet, der Bericht könne aber unbedenklich veröffent­licht werden, da deffen Jnhaft dem Expeditions­korps und dem General Vohron nur zur Ehre gereiche. Bezüglich der Missionare sage der Bericht nicht mehr, als daS, was schon im letzte« Jahre mitgeteilt worden sei. Sembat, Pelleta« und Viviani verlangt« die Veröffentlichung deS Berichts.

— Die Kammer überweist bet Antrag Cadenat, betreffend Besteuerung des Tragen« ftanzöfischer und fremder OrdensauSzeichnunget, an eine Kommission. Der Ertrag der Steuer

mit dem Kreisblatt für dir Kreise Marburg und Kirchhain.

SointtagsbeUage: Jüustrirtes Sonntagsblatt.’

Marburg und Umgegend

Marburg, 29. November.

* Miss «schastliche verlrsunge« für Lehre« und Lehrerinnen. Der Oberhesfische Lehrerbund hat in der Oktoberversammlung bi^e Fortsetzung der Kurse der wissenschaftlichen Vorlesungen beschlossen und für den 3. Kursus die Monat» Januar bis April 1903 bestimmt. Der vor­bereitende Ausschuß hat die Angelegenheit in die Wege geleitet und fordert zur regen Be­teiligung auf. Der neue Kursus, an dem auch Nichtlehrer teilnehmen können, wird wie der vorige 2 Vorlesungen wöchentlich bieten, und find hierzu die Herren UniverfitätSprosefforen Dr. Kohl und Dr. Kayser gewonnen worden. Der erstgenannte Herr wird den II. Teil der Pflanzenphhsiologie und Systematik vortragen. Diese Vorlesungen find so angelegt, daß auch neu eintretende Kurfisten mit Erfolg und großem Interesse daran teilnehmen werde«. Herrn Prof. Dr. KayserS Vorlesungen werden sich über die Geologie Oberhessen« und einiger angrenzenden Gebiete erstrecke«. — Die Vor­lesungen finden vom 14. Januar bi« zum 1. April 1903, jeden Mittwoch von 43/4—61/# Uhr, im Saale der Seebode'schen Restauration (Reitgaffe) statt. DaS Honorar beträgt für jeden Teilnehmer 5 Mark. Die Anmeldungen zur Teilnahme am 3. Kursus find bi« zum 1. Januar 1903 an Herrn Lehrer Corel! zu Marburg, Frankfurterstraße 2a, zu richten. Nähere Mitteftungen werden den Teilnehmer« noch zugehen.

* Par»lkW«sik findet morgen bei günstiger Witterung von 12.30 bi« 1.30 Uhr vor Pfeifer« Garte« statt. Programm: 1. .Dianas Jagd­ruf", Marsch v. Reckling. 2. Ouvertüre z. Op. ,Zaar und Zimmermann" von Lortzing. 3. a) Monatsrose, Lied v. Ph. z« Eulenburg, b) Wilde Rose, Lted v. PH. zu Eulenburg. 4. .Nachtschwärmer", Walzer v. Ziehrer. 5. Se­lektion a. The Geisha v. JoneL. 6. Deserteur- Marsch v. Görisch.

8 Militiirkrntzert. Am nächsten Dienstag abend findet im Museumssaal ein Konzett der Ngerkapelle statt.

8 Lers«nml«ngeR. Der landwirtschaftliche Kreisverein und der Tierschuhverein halten am nächsten Mittwoch, de« 3. Dezember, im Restaurant Schweinsberg Versammlungen ab. Di« erstere beninnt um ll1/* und die letzter» bereit« um IO1/, Uhr.

8 vletziihl«itz. Die Diehbesitzer werden ge­beten, bei der am 1. Dezember stattfindende» Viehzählung den Zählern durch tatkräftig« Unterstützung ihr Amt au erleichtern.

Versammlung Potsdamer Patrioten wurde eine Adresse an den Kaiser beschlossen, in der die effener Rede al« eine tiefernste und ergreifende Mahnung zum Zu­sammenschlüsse aller deutschen Männer fregrüfct und die Erwartung ausgesprochen wird, daß der Tag einen Wendepunkt in der Bekämpfung der Sozial­demokratie bilden werde.

— Bei der Feier in der RuhmeShalle zu Görlitz dankte der Kaiser auf die Ansprache des Oberbürger. Meisters in länaerer Rede und trank auf das Wohl der Stadt Görlitz und der Lausttz. Hiera« schloß sich ein Rundgang durch das Gebäude.

— Die Freisinnige Volkspartei brachte einen An­trag Bargmann ein. nachdem für den Fall der An­nahme des Antrags Kardorff die Zollsätze für eine Reihe von Positionen herabgesetzt, für eine Reihe anderer, darunter Saaten, Kartoffeln, Obst, Federvieh und Pflastersteine Zollfreiheit gelten soll.

— Der .Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ver­ordnung über die Jukraftsetznng des Gesetzes betr. die Unfallfürsorge für Gefangene vom 30. Juni. DaS Gesetz tritt mit dem 1. April 1903 in vollem Um- sauge in Kraft.

— Zu Testamentsvollstreckern des verstorbene« Alfred Krupp sind Hartmann. Vorsitzender des Auf- fichtsrats der Sächsischen Maschiuensabrik in Chemnitz und Direktor Hank, Mitglied der Direktio« der Firma Krupp ernannt worden.

— Eine neue Großstadt wird binnen kurzem in Deutschland entstanden sein. Durch Einverleibung von 6 Gemeinden wird die Stadt Gelsenkirchen, die heute ca. 37000 Einwohner zählt, zu einer Großstadt mit 134000 Einwohnern.

— Bei der gestrigen Landtagsersatzwahl für bea Wahlkreis I Magdeburg (Salzwedel - Gardelegen) wurde Rittergutsbesitzer von Davier-Seggerde (konf.) mit sämtlichen 252 Stimmen gewählt. Ein Gegen­kandidat war nicht aufgestellt.

— Ter braunschweigische Landtag genehmigte daS Gesetz betr. die authentische Auslegung des Regent- schastsgesetzes mit allen gegen drei Stimmen.

— In dem Handschreiben, in welchem der Prinz- rcßcnt von Boyern das Rücktrittsgesuch des Justtz- ministers Leonrod unter gleichzeitiger llebersendung semes Reliefporträts genehmigt, spricht der Prinz- rezent dem Minister in wärmsten Worten seine« Dank aus. — Tie Ernennung des R ichsgerichtsrates Miltner zum Justizminister vom 1. Dezember ab ist heute amtlich bekannt gegeben worden.

Der .Pol. Rott' wird aus Rom bestätigt, daß in der Angelegenheit der Errichtung einer katho­lischen theologischen Fakultät an der Universität Straßburg nunmehr eine prinzipielle Verständigung erzielt worden ist Der heilige Stuhl erteilt seine Zustimmung zur Errichtung dieser Fakultät, welche die Aushebung des dortigen großen Seminars zur Folge haben wird Die deutsche Regierung machte dem Vatikan das bedeutende Zugeständniß, daß die Ernennung der Profefforen an der neuen Fakultät immer auf Grund einer Verständigung mit dem Bischof von Straßburg vollzogen werden und letzterem das Recht zustehen soll, Kandidaten, bereit An­schauungen und Sehren ihm hinsichtlich der Recht­gläubigleit keine genügenden Garantie« bieten, abzu- tehnen.

— Die Goldfunde in Deutsch-Ostafrika übertreffen, wie die Koloniale Zeitschrift auf Grund bester Er­kundigungen mitteilt, die Anfangs gehegten Erwar­tungen bedeutend. Es sollen fünf abbauwürdige Goldriffe mit sehr hohem Goldgehalt gefunden unb untersucht worden sein Da der Goldgehalt in de» Riffen durchschnittlich zwischen 3- bis 400 Gramm für die Tonne schwanken soll, so hätten wir hier ein Gold­vorkommen, welches das der besten Transvaalminen etwa um das Sechsfache übersteigt!

— Der Vorstand des Westfälischen Koksshndikats teilt der .Rheinisch-Westsälischen Zeitung' mit, daß für Dezember nach den vorliegenden Aufträgen eine Produktionsemschränkung von 17 pCt. gegen die vor­gesehene Einschränkung von 19 pCt im November ersorderlich ist. Der formelle Beschluß soll in der nächsten Versammlung eingeholt werden.

Deutsches «eich

Berlin, 29. November.

— Die Kruppschen Arbeiter wollen dem Kaiser für seine ihrem verstorbenen Ches gewidmeten Worte durch eins besondere Kundaebuna danke«. — fta einer