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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

.-/» nnj M »«erteli^hrlicher Bezugspreis: bei der Expedition 8 ML. Erscheint täglich außer au Sonn, und Feiertag«.

Oyl iC bei all« PoMnter« 2,25 ML (excl. Bestellgeld). nVlUl VUiy Sonnabends in Morgen, und Wend-Ausgabe. _ 37. Z-qrg-

< 10w- Somabmd, 29, November 1902. ">

Bestellungen für den Monat Dezember auf die

^Oberheffifche Zeitnng" nebst ihren Beilagen wecken von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain und Neustadt, sowie von allen Post­anstalten und Landbriesträgern entgegen­genommen.

Die Lehre von der Preisbildung Md die Orgmisation der Produzenten.

Man schreibt unS:

Die Kartelle beschäftigen zur Zeft in aus­gedehntestem Maße die öffentliche Diskussion. Ihr volkswirtschaftliches Wesen und ihre ökonomische Bedeutung zu ergründen, sowie ihre praktische Wirksamkeit zum Besten der Volkswohlfahrt zu regulieren, bildet heute gleicher Weise eine Aufgabe der Wiffenschaft und der Staatsgewalt, wie letzteres die deutsche Reichsregierung durch die von ihr veranlaßte Tätigkeit der Kartellenquete-Kommisfion beweist. Für und wider die Kartelle ist bislang schon viel gesprochen und geschrieben worden.

In seinemSystem der politischen Oekonomie" (Derlog von W. Jßleib, Berlin) widmet sich der Verfasser, Prof. Ruhland, ebenfalls dieser Auf­gabe. Indem er dort die volkswirtschaftlichen Fundamentallehren, auf denen das Freihandels- shstem sich aufbaut, streng wiffenschaftlich kritisiert, weiß er die Unhaltbarkeit der bis­lang herrschenden Anschauungen inbetreff der Preisgestaltung unwiderleglich darzutun und gewinnt dabei die Grundbegriffe für die neuen Anschauungen. Professor Ruhland sagt:

Ja nicht einmal bei der eigentlichen Ware konnte die Freihandelslehre ihre Anerkennung bis heute erhalten. Es klang doch so über­zeugend fest für jedermann: Der Preis der Ware wird am zweckmäßigsten bestimmt durch Angebot und Nachfrage aus dem freien Markte. Ist das Angebot zu groß, dann geht der Preis zurück und wirkt einschränkend aus die Produktion. Ist das Angebot zu klein, so steigt der Preis und wirkt anregend auf die Produktion. So wurde die Preisbildung auf dem freien Markte auch zum volkswirtschaft­lichen Regulator der Produktion. In der Praxis aber zeigt sich Folgendes:

Die Preisbildung des freien Marktes unter der Herrschaft des spekulativen Privatkapitals ist keine solche nach weiten, festen Gesichts­punkten, sondern in recht nervöser Weise an die tägliche und stündliche Marktfituation ge­bunden. Die Augenblikssituation des Marktes

52 (Nachdruck verboten.)

- Verspielt.

Roman von F. Arnefeldt.

(Fortsetzung.)

.Mutter, was hast Du vor?" fragte Hell­muth, sie verwundert anschauend.

Bestelle dem Kutscher, daß er anschirrt, ich kleide mich inzwischen zum Ausfahren an." ,Mutter, verstehe ich Dich recht!" rief der Sohn und es ging ein heller Sonneuglanz über seine Züge,Du wolltest"

Ich will nach Wiesenberg fahren, Alice von Rohr um Verzeihung bitten für lang­jähriges Unrecht, das ihrem Vater und ihr von den Erbachs angetan ist, und wenn sie es mir gestattet, Wolfs und Erikas Tochter mütterlich nn mein Herz zu schließen."

Hellmuth von Erbach vermochte nicht mehr an sich zu halten. Er sank vor der Majorin »uf8 Knie, drückte ihre Hände auf seine Lippen und stammelte, während in seinen Augen Thränen aufstiegen:O, Mutter, Mutter, Du ahnst nicht, wie glücklich Du mich machst."

Sie beugte sich tief zu ihm nieder, legte ihre Hand auf feinen Kopf und entgegnete mit vor Rührung bebender Stimme:Meinst Du das im Ernste? Eine Mutter weiß recht gut Bescheid im Herzen ihres Sohnes, wenn er sich auch noch so sehr zu verstecken glaubt. Ich habe sehr genau beobachtet, was in Dir vor­gegangen ist und schwer darunter gelitten. Jetzt aber find die Wolken hinweggezogen, es ist licht um uns geworden. Begleite mich nach -Wiesenberg, mein Sohn, zu neuen Ufern winkt

beherrscht den freihändlerischen Marktpreis. Und weil diese Situation außerordentlich wechselvoll sich gestaltet, ist die Preisbewegung auf den freien Märkten nie vor Ueberrasch- ungen sicher und deshalb eine fortwährend schwankende.

Bei den modernen Welttnärften für die ver­schiedenen Waren wird außerdem der Markt durchStimmungen" beherrscht, die sich auf den eingelaufenen Nachrichten von und über den Markt aufbauen. Weil und soweit aber dieser Nachrichtendienst mehr oder minder ausschließ­lich in der Hand des spekulativen Privatkapitals ruht, werden diese Nachrichten im Interesse großer Privats pekulationen immer wieder systematisch gefälscht. Damit wird dann natürlich auch immer die Preisbildung gefälscht. Und das schließliche Resultat ist eine Ver­schärfung der Preisschwankungen nach oben und unten, wodurch bald die Interessen der Produ­zenten, bald die der Konsumenten empsindlich geschädigt werden. Nur die reinen Preisspeku­lanten gewinnen am meisten, wenn die Preis­schwankungen am stärksten sind.

Der Konsument hat ein recht bedeutendes Interesse daran, schon im Voraus für eine möglichst lange Zeit zu wissen, was eine be­stimmte Ware ihn kosten wird. Jede Art von Haushaltung wird damit wesentlich erleichtert. Nicht minder verlangen die Interessen der Produzenten die gleiche möglichste Stabilität der Preise. Nur dann sind einschneidende Re­formen im Produktionsprozeß allgemein möglich und zu rechtfertigen. Weil nun die Schwank­ungen in der Tagessituation des Marktes hauptsächlich in der ungeordneten Ablieferung der Produzenten an den Markt und in den Fälschungen der Marktnachrichten durch das Spekulationsintereffe verursacht werden, beginnen neuerdings die Produzenten eine bessere Ordnung des Marttes in der Weise zu schaffen, daß sie sich an der Organisation des Nachrichtendienstes über und für den Markt wesentlich beteiligen, dadurch Nachrichtenfälsch­ungen bedeutend erschweren und endlich auf Grund dieses Nachrichtendienstes die Zufuhren zu dem Markte gemeinsam in der Weise regeln, daß in der Hand des Handels sich nicht mehr Ware ansammelt, als der Konsum in kurzer Zeit unmittelbar abnimmt. Durch diese bessere Regulierung des Zuflusses zum Markte regu­lieren sich bann auch die Preise auf mittlerer Höhe. Die weitere Entwickelung gestaltet sich in der Regel so, daß der solidere Teil des Warenhandels sich dieser Organisation der Pro­duzenten unmittelbar anschließt, um gemeinsam eine Verkaufsorganisation zu schaffen, bei der die Vernunft auf Grund besserer Einsicht die Preise reguliert an Stelle der rohen freihänd­lerischen Gewalten von Angebot und Nachfrage."

Wenn Prof. Ruhland sodann behauptet, daß ein dahingehender Entwickelungszug bei fast

ein neuer Tag!" Ihre Gestalt schien zu wachsen, ihr Gesicht trug einen begeisterten Ausdruck.

Du willst Wolf von Rohr die Schuld, die er wirklich auf sich geloben, nicht mehr an­rechnen?" fragte Hellmuth, sich von feinen Knien erhebend.

Er hat schwer darunter gelitten und wir haben viel gegen ihn gesündigt," sagte die Majorin,dennoch weiß ich nicht, was ich täte, wenn er zur Stelle wäre. Seine Tochter soll nicht darunter leiden. Huttig Hellmuth, daß der Kutscher anspannt."

Er hatte doch noch einen Einwand.Ist es nicht heute zu spät. Wollen wir die Fahrt nicht auf morgen verschieben? Soll ich nicht erst hinüberreften und Dich anmelden?" fragte er zögernd.

Frau von Erbach schüttelte den Kopf und erklärte mit Entschiedenheit:Es heißt, lastet die Sonne nicht über Euren Zorn untergehen! Vielmals ist das leuchtende Gestirn ins Fluten- bett gestiegen, seit Dein Vater in Groll und Zorn von seinem Freunde geschieden ist, es soll nicht noch eine Nacht vergehen, ohne daß ich meinen Frieden mit Wolfs Tochter gemacht habe. Mich dünkt, sie ist einsam und bedarf der Freude, wir wollen uns beeilen, sie ihr zu bringen."

Mit einem abermaligen Handkuß verab­schiedete sich Hellmuth von der Mutter und verließ schnellen Schrittes das Zimmer.

Keine halbe Stunde war vergangen, da fuhren Mutter und Sohn im leichten offenen Wagen den sich um Schloß Feldberg windenden Weg hinunter und am Ufer der Saale entlang,

allen Waren erkennbar wäre, so müßte man das gerade im Interesse der Landwirtschaft mit Freuden begrüßen, welche infolge der Zer­splitterung in unzählige Betriebe daran ge­hindert worden ist, die Vorteile der Produzenten- vereinigungen nach dem Vorbilds der Industrie für sich gebührend auszunutzen.

Umfdjait

Zum Tode Krupps.

Es war eine Tat, die unser Kaiser voll­brachte, als er nach der Beisetzung Alfred Friedrich Krupps im Wartesaale des Essener Bahnhofs seine flammenden Worte an die Beamten und Arbeiter des Verstorbenen richtete, den er seinen Freund nannte. Das war ein Freundschaftsdienst, wie die Geschichte ihn nur selten zu verzeichnen hatte. Als der Kaiser so sprach, da überragte das rein Menschliche in ihm die Majestät, da trat der Kaiser zurück hinter den Freund, der des Freundes Ehre zu der feinen macht und gegen boshafte Ver­leumder und Ehrenschänder des andern mit der­selben Entrüstung und dem gleichen Ingrimm zu Felde zieht, als hätten diese schändlichen Angriffe ihm selbst gegolten. Keinen Augen­blick schwankt der Monarch, er wartet nicht den Ausgang der Untersuchung ab, er breitet den Schild des deutschen Kaisers, ohne zu prüfen und ohne zu fragen, über das Andenken bef Freundes.Hab' ich des Menschen Kern erst recht erkannt, so kenn ich auch sein Trachten und sein Dichten." Und des Kaisers scharfer Blick hatte bis auf den Grund des HerzenS geschaut, und als er dieses edel und rein rote Gold befand, da hat er dem Verblichenen seine Freundschaft geschenkt. Und was für eine Freundschaft! Den Glauben an den Freund konnte hier keine Bosheit und Niedertracht der Verläumdung erschüttern.

Wer etwa noch an der Unschuld Krupps, den nun die kühle Erde deckt und dem der Kaiser die letzte Ehre erwies, gezweifelt haben sollte, der wird eines besseren belehrt durch Mitteilungen derFrankfurter Zeitung" aus Neapel, denen wir nachstehendes entnehmen: Krupp ist tatsächlich vollständig unschuldig. Von den ihm vorgeworfenen Missetaten ist auch nicht ein Schimmer wahr. Die behördlicherseits mit aller Strenge in Capri vorgenommene Untersuchung hat klar und deutlich ergeben, daß Herr Krupp das Opfer vonBriganten ist, von denen Italien wimmelt und die jede Woche einmal in eigens für ihre Zwecke geschaffenen Zeitungen ihr Handwerk ausüben. In Italien muß jede hervorragende Persönlichkeit auf Angriffe dieser Shmutzpresse gefaßt sein. Gewitzigte Leute kümmern sich einfach um diese Gaunereien nicht. Wer die Verschlagenheit der neapolitanischen Erpresser kennt, wird sich auch nicht darüber

bis der Wald sie aufnahm und sie an die Grenze von Wiesenberg geleitete.

Beide waren schweigsam. Hellmuth um* gaukelten froh und verheißungsvoll Bilder der Zukunft, die Blicke der Majorin richteten sich in die Vergangenheit. Wie oft war sie mit Wolf von Rohr, mit ihrem Gatten und Erika diesen Weg gefahren! Alle drei deckte das Grab, und auch der, der alles Urteil ver­schuldete, lag auf der Bahre. Von dem alten Geschlecht war sie allein noch übrig, um gut zu machen und zu versöhnen; aber eS blühte neues Leben aus den Ruinen. Aus der Ver­gangenheit war auch sie zur Zukunft gelangt, und warm und innig drückte sie die Hand des Sohnes.

20. Kapitel.

Alice von Rohr war frisch angekeidet auS ihrem Schlafzimmer hervorgekommen und nahm mit Frau Dr. Ehrentraut und Leonie im Speise­zimmer eine verspätete Mahlzeit ein. Aber trotz der vielen Stunden, die feit dem ersten Frühstück dahingegangen waren, und trotzdem Frau Eyffen eine ganz besondere Sorgfalt auf die Zubereitung der Speisen verwendet hatte, legten die drei Damen nur eine geringe Eßlust an den Tag.

Die Erschütterungen des Tages wirkten in Alice noch allzu mächtig nach. Sie glich einem Gefangenen, der Ketten getragen und der, nach­dem man sie ihm abgenommen, die Stellen, wo sie gesessen, noch immer wund und schmerzend empfindet. Sie konnte sich in die ihr zu Teil gewordene Lösung noch gar nicht hineinfinden, konnte nicht freudig aufatmen. Immer noch

wundern, daß Photopraphieen von Orgien mit den Bildnissen Krupps vorliegen. Die tünfb lische Herstellung von solchen Orgien ist ja eine Kleinigkeit, und Zeugen find billig in Neapel. _____

DaS Zwangsverfahren gegen Venezuela.

Es wird ernst mit dem Zwangsverfahren gegen Venezuela. Die deuschen K/euzer Amazone"Ariadne" undNiobe" haben be­reits Befehl erhalten, kriegsmäßig für Venezuela auszurüsten. Sie dürsten Mitte nächster Woche seeklar fein. Die deutsche Streitmacht in den amerikanischen Gewässern wird damit auf sieben Schiffe anwachsen, denn die KreuzerGazelle" Vineta" undFalke", sowie das Kanonenboot Panther" befinden sich schon an Ort und Stelle. Der KreuzerNiobe" ist 100 Meter lang und 11,8 Meter breit; er fährt mit 8000 Pferdekräften und zwei Schrauben 21 Seemeilen in der Stunde. Bestückt ist er mit zehn Geschützen mittleren und achtzehn leichteren Kalibers, sowie mit zwei Torpedo­rohren. Die Besatzung zählt 244 Mann. Die LondonerTimes" schreibt u. A.: Wenn Castro ein Staatsmann wäre, würde er die ge­rechten Ansprüche Englands und Deutschlands schleunigst befriedigen, da feine Berufung auf die Monroe - Doktrin (Verbot der Einmischung europäischer Mächte in amerikanische Verhält­nisse) von Nordamerika nicht beachtet werde. Es sei kein Grund, anzunehmen, daß Venezuela dies nicht könne, und Deutschland und England hätten mit Recht beschlossen, sich von Castro nicht länger mit Versprechungen vertrösten zu lassen. ____________

Die Gesellschaftsreise der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft durch Nord-Amerika im Jahre 1903.

Die Gesellschaftsreise der Deutschen Land­wirtschafts-Gesellschaft des Jahres 1903 wird durch die Vereinigten Staaten von Nord-Amer ka geführt werden. Die Reise wird im Frühjahr 1903, und zwar, soweit bis jetzt bestimmt, am 18. April mit dem DampferPretoria" von Hamburg ausgehen. Die Ankunft in New-Dork erfolgt in den letzten Tagen des April. Von hier wird der Weg im allgemeinen über Baltimore nach Washington gehen, sodann durch Westvirginia, Kentucky nach St. Louis, darauf nach Kansas City, Omaha, Denver, Große Salzsee, Kalifornien, St. Franzisko, Staat Washington, Montana, Nord-Dakota, Minnesota, Wiskonsin, Chikago, Michigan, den Niagarafall und zurück nach New-Dork. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der bezeichnete Weg noch im einzelnen eine Abänderung erfährt.

Die Rückkehr von der Reise wird voraus­sichtlich am 14. Juli in Hamburg stattfinden

sah sie das gräßlich verzerrte Gesicht des Ober« Verwalters vor sich, der schon vor Stunden au? dem Schlosse nach seiner Behausung geschafft worden war.

Frau Dr. Ehrentraut beobachtete still ihren Zögling und hielt es für das Beste, sich schweig« fam zu verhalten und Alice mit sich selbst zu rechtkommen zu lassen, mehr Besorgnisse al? diese flößte ihr Leonie ein, mit der eine groß, Veränderung vorgegangen war. Sie war seh: bleich und unterdrückte nur mit Mühe di, immer wieder in ihren Augen aussteigendev Tränen, schaute still und in sich gekehrt vor sich nieder und verfiel urplötzlich in eine Un­ruhe, die sie aus einem Zimmer in das ander? und durch'S Schloß und dessen Umgebung trieb. Während der Stunden, die Alice in ihrem Schlafzimmer zugebracht, war es bei ihr ein beständiges Kommen und Gehen gewesen und auch jetzt saß sie am Tische, hatte zum Schein ein paar Bissen von dem Teller genommen, ohne davon etwas zu Munde zu führen und fuhr bei jedem Geräusch nervös zusammen.

Seit sich die Kunde von dem plötzlichen Ende des Oberverwalters durch das Schloß verbreitet, hatte Leonie sich vergeblich bemüht, Edgar zu sehen und zu sprechen. Durch den Befehl des Amtsrichters an die Leiche seines Vaters ge­rufen, war er allerdings erschienen, hatte sich aber nur wenige Minuten aufgehalten und war dann verschwunden. Auf Wiesenberg befand er sich nicht, das hatte Leonie schon lange fest gestellt, und sie quälte sich mit den düstere» Vorstellungen, was aus ihm geworden sein könne

(Fortsetzung folgt)