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Marburg

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tarisches.

(Nachdruck verboten.)

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artig Anziehendes.

(Fortsetzung folgt.)

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Eine seltsame Enthüllung.

Ja einer Polemik gegen dieKrenzzeitung' plaudert dieWeser-Zeitung' recht interessante Dinge aus. Das Bremer Organ der Groß- SchiffahrtS-Jntereflenten schreibt nämlich:Wir haben die unheilvolle Politik der materiellen Interessen stets beklagt, haben stets die Uninter­essiertheit dem Staate gegenüber verkündet, auch als dem Seehande! und der Seeschiffahrt sehr bedeutsame Geschenke für ihren Umfall an­geboten wurden.'

Wer dieUninteressiertheit' der Rhederei- and Großhandels-Kreise kennt, wird ohne weiteres annehmen müssen, daß diesehr be­deutsamen' Geschenke, die für ihrenUm­fall' angeboten worden sein sollen, nichtbe­deutsam" genug gewesen sein dürften, um als Entgeld für einen Umfall angenommen zu werden. Das bedeutsamste Geschenk, daß diesen Erwerbsgruppen jemals dargeboten worden ist, waren aber die Caprivischen Handelsverträge auf Kosten der Landwirtschaft. Dieses Geschenk sich zu erhalten und womöglich nochbedeut- stuner' zu gestalten, ist ja das Hauptbestreben der Interessenten des Seehandels und der See­schiffahrt.

Aber eine wichtige Frage ist die: Wer hat die erwähnten Geschenke angeboten und auS welcher Tasche sollten sie bezahlt werden? Der Umstand, daß dieser Wohltäter einen so großen Wert auf denUmfall" einer an sich numerisch äußerst schwachen Erwerbs­gruppe legt, daß er ihn durchsehr bedeutsame" Geschenke erkaufen zu müssen glaubt, scheint unS ein sehr beachtenswerter Beweis dafür zu fein, daß jener kleinen Gruppe ein größerer Einfluß auf unsere Wirt­schaftspolitik innewohnt, als man ahnen sollte und als berechtigt und für unser Gemeinwohl ersprießlich wäre. WaS könnte eS denn sonst so fragen wir für einen politischen Wert haben, daß gerade diese vereinzelten Interessenten um­fallen? WaS spielen sie denn im Reichstage für eine Rolle? Nicht einmal der Freisinn würde sich mit ihnen identifizieren und ihre Direktiven befolgen.

Der letzte Sonntag in dem Kirchenjahr Ist dem Gedächtnis der Entschlafenen geweiht. Wie viel der Tod gefordert in dem Jahr? Wie viel er abrief in die lange Ewigkeit? Wer kann es sagen, außer Gott allein, t Der ist und war und der wird sein!

Wohl sank ins Grab so mancher GreiS, gar matt und lebensmüde, Er sand »ach Müh und Arbeit wohlverdiente Ruh, Doch, ach, auch manchen Mann und Jüngling in der Jahre Blüte Und manche holde Jungfrau, Vater, riesest Du

Ost noch so jung, so jugendfroh:

Run, Herr, es war Dein Wille fol

Zuerst den Toten in der eignen Stadt, Hm eignen Gaue und im Vaterland Sei heul' gewidmet ein Gedächtnisblatt, Sodann den wacker» Toten auch im Burenland:

Für Freiheü kämpfte» sie und eigne» Herd Und Heldentod ist der Erinnerung wert!

Ach, möchte doch das Beispiel dieser Helden Wir unser Volk nicht ohne ernste Mahnung sei«: Maß Glaub' und Treue bei uns noch WaS gelte», Maß wir für Freiheit trete» mit dem Leben ein!

8m Grab der Liebe» laßt nnS dies gelobe», ' Und (Sottim Himmel hör' uns gnädig droben k

Erscheint täglich außer an 6mm« und Feiertage». Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UmverfitätS Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Verspielt.

Roma» von F. Arnefeldt.

(Fortsetzung.)

Beide Herrn sprangen ihr zu Hülfe, aber schon kam sie wieder zu sich und furchtsam, als traue sie ihrem Gehör nicht, fragte sie:

Winhold, Sie fugten wirklich Winhold? Es war kein Anderer?"

Gewiß nicht," versicherte der Amtsrichter voll Mitleid mit der Seelenqual, deren Opfer die junge Dame unverkennbar seit längerer Zeit gewesen sein mußte. Um ihr Muße zu geben, sich einigermaßen zu fassen, teilte er ihr kurz, aber in sehr deutlicher Weise daS von Winhold abgelegte Geständnis mit.

Sie hörte ihm zu, mit weitgeöffneten Augen, als wollte sie ihm schon im Voraus jedes Wort von den Lippen lesen, mit halb offenem Munde und vor Erregung stoßweise und hörbar auS ihrer Brust kommenden Atem­zügen. Je weiter er sprach, desto mehr ver­änderte sich der Ausdruck ihres Gesichts, eine überirdische Freudigkeit, ein Glanz, der aus

Wir halten die Enthüllung derWeser- Seihmfl" für außerordentlich beachtenswert, sie wirft ein ganz eigenartiges Licht auf unsere wirtschaftspolitische Lage. DaS Bremer Blatt weist zwar auf die angebliche Uninteressiertheit' der Rheder und Groß­händler hin; aber daS ist dieselbeUninter­essiertheit', für die die Freihändler überhaupt schwärmen. Danach wird sür den Großhandel und die Großfinanzweiter nichts' als volle Bewegungsfreiheit verlangt, damit diese Erwerbsgruppen von ihrer Macht gegenüber kapitalschwachen Produzenten Gebrauch machen können. Ob diese Herren an dem Handel mit ausländischen Produkten oder an dem Einkauf nationaler unter ruinösem Preisdrucke stehender Erzeugnisse ihr Geld der- dienen, ist ihnen ja gleich. Daran find fie vollkommenuninteresfiert". IhreUninter- esfiertheit" hört erst auf, wenn wie von Siemens erklärt hatte, der Portemonnaie» Standpunkt in Frage kommt.

DieWeser-Zeitung" hält e8 natürlich für sittlich und wirtschaftlich vollkommen berechtigt, datz die Rheder und Außenhändler ihr Schäfchen scheeren, auch wenn dies aus Kosten der vaterländischen Pro­duktion geschieht und ist ungeheuer entrüstet darüber, daß die Landwirte sich dagegen wehren und verlangen, nicht fernerhin den Großhandelsinteressen aufge­opfert zu werden. Die Bemühungen, der Landwirtschaft eine wahrlich bescheidene Aufbesserung ihrer gedrückten Einnahmen zu verschaffen, nennt das Bremer Blatteinen Raubzug auf die Taschen der Unbemittelten". Schon aus diesem Schlagworte kann man ersehen, daßdiegroßkapitalistischeu Hanseaten sich nicht scheuen, in der niedrigsten Manier Seite an Seite mit den Sozialdemokraten gemeine Volksverhetzung zu treiben.

Wohl richtet dieWeser-Zeitung" den Vor­wurf bezüglich de8Raubzug" gegen die Konservativen; aber im Grunde genommen trifft er die Verbündeten Regierungen in erster Linie. Sollte daS etwa die Revanche sür die angebotenensehr wesentlichen", aber wohl noch nicht ausreichendenGeschenke" sein? Wir taten denn doch den hanseatischen Groß­kapitalisten, sich ein wenig mehr zu beherrschen und sich nicht vollständig auf das Niveau der Sozialdemokraten zu begeben. Wenn fie von Raubzügen sprechen, so sollten fie in erster Linie einmal an die eigene Brust schlagen. Wer hat denn beispielsweise bei der Einfuhr minderwertiger amerikanischer Lebensmitttel verdient? Der Außen­handel oder die Unbemittelten?

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expttnüo» 3 ML, all» Postamt«» 2,25 ML (excl. Bestellgeld).

Sie wissen nicht, was fie in dieser Stunde für mich getan haben! Sie haben eine unsäglich schwere Laß von mit genommen, eine Last, die nxidb öl JBobett hrflrffr» mit bk ftift mn ftphx»

s*»sertio»Sgeb»hr: di« gespaltene Zelle ob« berat fRaum 10 Pf^ Sonntag, 23. November 1902.

Reclamen: bte Zelle 2o Pfg. ö/

Zum Totenfest.

Ein Gedenkblatt den Heimgegangenen.

Bestellungen für de« Monat Dezember auf die

OverheNifche Zeit««-" nebst chren Beilage« werden von unserer Expüütiou (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- ß«« und Neustadt, sowie von allen Post» und Landbriefträgern entgegen» genommen. ________________________

habe mit seinem letzten Atemzuge ihm bekannt, er sei gefallen von der Hand seines Bruders.' Und was bezweckte er mit seinem abscheu­lichen Lügengewebe?" fragte Fleischmann.

Alice lachte kurz und heiser auf.O, das liegt für mich klar zu Tage. Die Herrschaft über Wiesenberg, den ungehinderten Gebrauch des von meinem Onkel hinterlassenen Vermögens. Darum mußten Frau und Kind von meinem Vater entfernt, darum mußte er mit feinem Jugendfreunde tätlich verfeindet werden. Mit seiner Lüge $at er Herrn Wolf von Rohr in den Tod getrieben, hat er ihn zur Abfassung des Testamentes, das ihn zum unbeschränkten Herrn von Wiesenberg machte, bestimmt; mit seiner Lüge hat er auch von mir erpreßt, daß ich ihn im unbestrittenen Besitz aller seiner Machtbefugnisse ließ!"

Sie atmete tief und sank erschöpft in ihren Stuhl zurück.

Der Amtsrichter schüttelte den Kopf.Er kann doch Herrn von Rohr nicht eingeredet hoben, daß dieser seinen Bruder erschossen habe?"

So hat er ihm etwas anderes eingeredet, was ihm die Herrschaft über ihn sicherte. Wie ich Herrn Hartung kennen gelernt habe, ist er zu allem fähig. O, Herr Amtsrichter, befreien Sie mich von diesem furchtbaren Menschen!" Sie hob bittend die weißen, schlanken Hände.

Des Amtsrichi^k ?chpen umspielte ein leise» Lächeln. Die hochge^'achsene Dame mit dem schönen, energischen Gesichte s . in diesem Ausbruch weiblicher Hilflosigkeit etwas eigen»

mochte fie fich nicht mehr zu halten.

sprang auf, ergriff des Amtsrichters Hand und sagte mit bewegter Stimme:

Ich danke Ihnen, ich danke Ihnen!

den Gefilden der Seligen zu kommen schien, breitete fich darüber aus, und endlich

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham Sonntagsbeilage: JllaftrirLes Sonntagsblatt.

raubte und die ich tragen zu müssen glaubte, so lange dieses Dasein währte!"

Fleischmann kämpfte noch immer mit feiner Scheu; er Überwand sie endlich so weit, um stockend zu fragen:Man hat Sie glauben lassen, gnädiges Fräulein, daß*

Daß mein Vater die Hand gegen feinen Bruder erhoben habe!" fiel ihm zu Hülfe kommend Alice ein. O, mein Gott, wie furcht­bar bin ich gepeinigt worden!" Sie schlug die Hände vor das Gesicht, ihr Körper erbebte in der Erinnerung an das, was sie gelitten.

Und wer hat das getan?

Von neuem schnellte Alice, die ihren Platz wieder eingenommen hatte, empor. Mit ihrem Gesichte war abermals eine große Veränderung vor gegangen. Alles Weiche, Freudige, Beglückte war daraus gewichen. Die dunklen Augen blickten zornig, der Mund hatte einen harten Zug, zwischen den Augenbrauen hatte sich auf der glatten Stirn eine tiefe Falte eingegraben.

Ein Mensch nein, ein Teufel in Men­schengestalt" murmelte fie.

Der Oberverwalter Hartung?" fragte der Amtsrichter.

Ja, er!" rief sie ganz lautEr hat meiner Mutter daS entsetzliche Geheimnis zu- geraunt und fie dadurch veranlaßt, den Gatten, den fie geliebt hat, für immer zu fliehen. Er hat mich um die Vaterliebe, meinen unglück­lichen Vater um Weib und Kind gebracht, und mir vor wenigen Tagen, als ich ihn um Wahr­heit anflehte, versichert, er habe «einen Vater mit der abgeschossenen Waffe in der Hand neben ^me» sterbend« Bruder setreSen und dieser

Deutsches »eich

Berlin, 22. November.

Wie aus Hallein bei Salzburg gemeldet toitb, bleibt der Kronprinz von Sachsen zunächst tm Jagd­bause Unterwald in Abtenau. Der Kronprinz trrgt Sonntag 11 Uhr vormittags auf dem Bahnhof Golling ein und reist mittelst Hofzuges nach Dresden weiter Das Befinden deS Kronprinzen rst de» Umständen entsprechsid zufriedenstellend.

Eine Abordnung der englischen Arbeiterrmtm» stützungsvereine wird sich unter Führung des Prast- deuten der Gesellschatt zur Bekämpfung der Lungen- fchwindsncht Dr. Hillier, nach Berlin beheben, um die von der deutschen staattich organisierte« Kranke». Versicherung gegen die Lungenschwindsucht getroffenen Vorbengungs. und Bekämpfungsmaßregeln z« studieren. Die Abordnung gebeult 10 bis 14 Tage in Deutschland zu verweile«.

liebet den Zummmenstoß, der vor einige« Tagen in Bollweiler (Oberelsaß) zwischen Jagd- Hütern und Wilderern vorkam, wobei ent Wilder« erschossen, ein anderer schwer verwundet wurde, wird in sranzöfischen Blättern eine Darstellung verbreitet, welche die Schuld den Jagdhütern zusLrerbt. Dem- gegenüber ist sestzustellen, daß die Staatsanwaltschaft zu Colmar das Verfahren gegen die Jagdhüter einge» stellt hat, nachdem erwiesen ist, daß bte Wilderer zuerst geschossen und somit die Jagdhüter m be- rechtigter Notwehr gehandelt haben.

Aus dem Zweckefsen beim Graken Ballestrem hatten so schreibt die .Köln Ztg." anscheinend offiziös, sich die dort vertretenen parlamentarischen Führer dahin geeinigt, daß jede bort vertretene Partei zwei Vertrauensmänner erwählen sollte mit der Aufgabe, mit der Reichsregierung über de» Zoll­tarif zu verhandeln; dementfprechend find schon heute einige Parteien zusammengetreten und haben je zwet Vertreter ernannt. Diese Vertreter haben lediglich bte Aufgabe, rein sachlich zu prüfen, unter welchen Um- stände eine sachliche Einigung mit der Staatsregierung möglich ist; die Frage, in welcher Weise man der Obstruttion begegnen tarnt, bleibt vorläufig aus der Beratung ausgeschlosten.

Nach einer Parlamentskorrefpondenz sind die Vertrauensmänner der Konservativen, die mit der Reichsregierung Über den Zolltarif verhandeln sollen, die Herren v. Normann und Graf Limburg-Stirum, die Vertrauensmänner der Reichspartei die Herren b Kardorff und Stockmann: Zentrum und Nationale liberale hätten noch keine Mitglieder zu diesem Zwecke gewählt.

Vorstellungen gegen die fortwährende Er- Höhung der Matrikularbeilräge an das Reich hat einer Münchener Meldung des .Rhein. Kür." zufolge Bayern im Bundesrat erhoben. Württemberg, Sachsen. Baden und die Hansaflädte sollen sich dem Proteste angeschlossen haben. Verdenken kann man es den Bundesstaaten nicht, wenn fie sich dagegen wenden, über ihre Leistunassähigkeit hinaus zu den Auf­wendungen des Reichs herangezogen zu werden. Angesichts dieses Protestes wird der Reichsregierung aber nichts anderes übrig bleiben als die Ausnahme einer Ergänzungsanleihe, oder, falls der Reichstag gegen eine folche wiederum Einspruch erhebt, die Ein­führung neuer Steuern, etwa auf Tabak und Bier.

Die Vorarbeiten für die Aufstellung des Reichs­haushaltsetats befinden sich noch so weit im Rück­stände, daß die Möglichkeit, die erste Etatslesung im Reichstage schon vor Weihnachten zu erledigen, bereits als ausgeschlosten bezeichnet wird. Dies wäre recht unangenehm, da sür die Einbringung des Etats nach Neujahr die Gefahr entstehen würde, daß die Verab­schiedung des Etatsentwurss durch de« Reichstag bis zum 1. April garnicht erfolgte.

Reichstag.

Berit«, 21. November. _

Die Beratung des ZolltarisgesetzeS wird furige», setzt beim § 11, welche die Zuwiderhandlungen gegen das Gesetz bet gegen bie zu seiner Ausführung et» lassenen Vorschriften, sofern nicht eine höhere Strafe verwirkt ist, mit Ordnungsstrafen biS 150 Mk. belegt. N» Antrag Albrecht (Soz.) will statt Ordnungsstrafe fagen .Strafe" und will statt erlastenen Vorschrift« sage« .dem Gesetz entsprechend erlassenen Vorschriften. Abg. Stadthagen (Soz.) empfiehlt den Antrag in seinen beide« Teilen. Der Antrag wird ohne wettete Debatte abgelehnt und der § 11 unverändert ange­nommen. § 11a, von bet Kommission neu eingefügt, will bie Mehrerttäge aus den erhöhten Getreide». Vieh-, Fleischzöllenfür R e l i k t e n v e r s 0 r g u n g s» zwecke verfügbar stellen und zu dem Behuf btl 1910 ausspeichern lassen. Kommt ein besonderer Reliktenversorgungs-Gesetz bis 1910 nicht zu stände, so sollen die Mehrerttäge denJnvaliden-Versicherungs- anstalten für bte gleichen Zwecke überwiesen werde». Ei» Antrag Rettich (Ron.) verfolgt, für den Fall bet Ablehnung oes § 11a, denselben Zwecke auf dem Wege bet Resolution. Ein Antrag Albrecht bezweckt, baß bie Reliktenversorgung nicht bis 1910 Vorbehalten bleibet^ sondern schon zugleich mit dem neuen Zolltarif in Kraft treten solle. Auch sollen für diesen Zweck nicht nur die Mehrerttäge gegen früher, sondern ausnahms­los alle künftigen Erträge aus Lebensmittelzölle Ver­wendung fatben. Abg. Xrimborn (3ent) tritt lebhaft für ben Grundgedanken des § 11a ein, beantragt aber zugleich eine Aenderung der von der Kommission vorgeschlagenen Fassung nach zwei Richtungen hm. Es sollen für Reliktenversorgungszwecke nur biene« bie Mehrerttäge aus Weizen-, Roggen-, Mehl- unb Fleischzöllen. Ferner sollen ausscheiden bie Mehrer- träge aus diesen Zöllen, insoweit sie sich ergeben au8 der künftigen Bevölkerungsvermehrung. Zur Be­gründung des § 11a an und sür fich weist Redner daraus hin, daß für ben Arbeiter nichts drückender als bie Sorge sei, was nach seinem Tode aus feinen Angehörigen werde. Abg. Roeficke-Dessau (Wildliberal) sympathisiert lebhaft mit dem Gedanken einer Witwen» und Waisenversorgung, hält es auch für dankenswert, daß bie Frage beim Zolltarif mit zur Sprache ge­bracht werde, befürchtet aber, daß auch das Zentrum nicht fest bleiben, sondern selber auf die Reliktenver- sorgung verzichten werde, wenn es den Zolltarif anders nicht abhalten könne.

Schatzsekretär Frhr. v. Thielmann: Die Verb. Regierungen behalten das Wohl der arbeitende« Klassen fest im Auge und sehen in der Reliktenver- sorgung das nächste Ziel. Wir wissen aber noch garnicht was für Erträge die Zollerhöhungen bringen werden. Schon dieser Unsicherheiten wegen ist der Gedanke des § 11a unmöglich. Selbst wenn man 60, 70, 80 Millionen annimmt, so ist darauf eine auskömmliche Versorgung der Invaliden nicht zu basieren. Ich hoffe ja, daß bie jetzige Periode tritt- schastlichen Niederganges bald werde abgelöst werden durch eine bessere Periode. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß der Etat, ben ich Ihnen nach Weihnachten Vorleben werde, einen Fehlbetrag von rund 150 Millionen Mark aufweist, der gedeckt werden muß, ein Teil voraussichtlich durch Anleihe. Auf die Dauer aber wird man nicht zu Anleihen greife» können, sondern für steigende Ausgaben durch Dauer» gesetze steigende Mittel beschaffen müssen. Ich habe schon s. Z. gesagt, daß Bier unb Tabak in erster Linie stehen. Noch eins: § 11a läßt auch de« Rechts- zustand der clausnlt Frankenstein unbeachtet; denn entgegen dieser Klausel verfügt er über bie Zollanträge zum Schaden der Einzelstaaten. Abg. Rettich (tont) befürwortet feine Resolution. Der überwiegende Teil seiner Freunde werde gegen den § 11a stimmen.