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MUtag-Ausgave

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von denaturiertem Branntwein erwachsen. Aehn- liche Bewegungen zeigen sich im Auslande. Aber entsprechend der wirtschaftlichen Stellung des Brennereigewerbes hat Deutschland auch in der Herstellung von Spiritusapparaten die Führung. Der einheimische Verbrauch fast aller der ein­schlägigen GebrauchSgeaenstände, zumal der Lampen, Kocher, Bügeleisen, Oefen usw. nimmt die Industrie überwiegend bis zur vollen Höhe ihrer Leistungsfähigkeit in Anspruch; für einige Artikel kann die Produktion mit dem Bedarfs nicht immer Schritt halten. Darin liegt aber keineswegs ausgesprochen, daß man auf da» Ausfuhrgeschäft verzichten wollte oder könnte. Denn die Industrie leidet keineswegs an einem Mangel an Entwickelungsfähigkeit, und die Erzeugung ist ohne weiteres ausdehnungS- fähig. Es wird sich nur darum handeln, daß in den beteiligten Kreisen sich die Zuversicht in die Fortentwickelung der Industrie befestigt, und hierfür hat sich die Eröffnung eines aus­ländischen Absatzgebietes neben dem inländischen Markte noch immer als ein sehr geeignetes Mittel bewährt. Man kann dies in dem ver­hältnismäßig kleinen Kreise der beteiligten In­dustriellen selbst beobachten. Es fehlt schon heute nicht an regelmäßigen und wichtigen Be­ziehungen zum Auslande. Neben den deutschen Kolonien find Frankreich, Portugal, Süd­amerika, Indien regelmäßige Abnehmer für Spirituslampen, Spiritusöfen u. a. m. Bei den an dieser Ausfuhr beteiligten Werken ist eine stetige Ausdehnung ihrer Produktion zu be­obachten. Wird nun dieses Interesse des Aus­landes an dem Bezüge deutscher Erzeugnisse für die Verwendung von Spiritus verallgemeinert, so ist die Vorbedingung für eine Steigerung der Leistungsfähigkeit geschaffen, die sich gleich­zeitig in technischen Fortschritten und in einer Verbilligung der Herstellungskosten äußert und dann wieder anregend auf den Verbrauch im Jnlande und Auslande zurückwirkt.

Betätigung der warmherzigen Fürsorge des Kaisers für das Gewerbe dankbar anerkennen. Eine nicht geringere Tragweite wird man aber den Anregungen unseres Kaisers für die Ent­wickelung der einheimischen Industrie zur Her­stellung von Spiritusapparaten zusprechen können. Diese Industrie ist noch jung; sie ist zu einem selbständigen Zweige des deutschen Großgewerbes erst aus der durch Gesetzgebung und durch Ver­anstaltungen des Brennereigewerbes selbst syste­matisch betriebenen Förderung des Verbrauches

Eine neue niederländische subventionierte Schiffahrtslinie.

Die neue, mit einem Kapital von 6 Millionen Gulden begründete und für den Verkehr zwischen Java, China und Jovan bestimmte niederländische Schiffahrtslinie wird im September 1903, zunächst mit drei Dampfern von je 5000 t Deplazement, ihre Fabrten aufnebmen. Die Gesellschaft wird von der holländischen Regierung subventioniert und erhält ge» wäß einer kürzlich zum Abschluffe gelangten Ab­machung für Aufrechterhaltung eines vierwöchentlichen Dienstes in den ersten fünf Jahren je 300000, in den nächsten beiden Perioden von gleicher Dauer 250 000 bezw 200000 Gulden staatliche Beihülfe, wobei als Beginn dieses fünfzehnjährigen Zeitraumes das Datum der ersten Ausreise von Java in die oftafiatischen Ge­wässer angesehen wird. Unter den Plätzen, die die Dampfer der neuen Linie an laufen werden, find die wichtigsten die an der Nordküste der Sundainsel Java gelegenen, durch lebhaften Handelsverkehr ausgezeich­neten Hauptstädte der niederländiichen Residentschaften Batavia, Samarang und Surabaya, sodann Hongkong,

Mitteln um die Zurücknahme oder die Aufrecht­erhaltung der Annexion. Krüger reiste zweimal nach England und dem europäischen Kontinent, ohne indessen sein Ziel zu erreichen; eine nach vielen Schwierigkeiten 1878 zustande gekommene Volksabstimmung der Buren ergab 6600 Unter­schriften gegen und nur 590 für die Annexion. England dachte indessen nicht daran, seine Beute fahren zu lassen, die infolgedessen gereiztere Stimmung der Buren kam auf zwei Volks­versammlungen deutlich zum Ausdruck. Dies, sowie die ernstlichen Schwierigkeiten, die Seku» kuni und der Zulukönig Cetewaho machten, be­wogen England schließlich zu einer Art Kon­zession. Im Kapparlament sollte der Vorschlag zu einem Vereinigten Südafrika unter britischer Flagge zur Verhandlung kommen. Krüger und Joubert reisten infolgedessen nach Kapstadt, um sich diesem Plan zu widersetzen.

Auch das inzwischen in England ans Ruder gekommene Ministerium Gladstone wies die er­neuten Forderungen der Buren glatt zurück, und so sahen sich diese vor die Alternativer Unterwerfung oder gewaltsamer Widerstand, gestellt. Eine Ende 1880 berufene Volks­versammlung beschloß, das britische Joch abzu­werfen, und legte die Ausführung in die Hand eines Triumvirats, das aus Krüger, Joubert und dem früheren Präsidenten Pretorius be­stand. Mehr als 7000 Mann konnten die Buren nicht ins Feld stellen; man beschloß, alle englischen Garnisonen eng zu zernieren und ein Beobachtungskorps an der Grenze von Natal aufzustellen: der Plan glückte vollständig. Nach mehreren englischen Niederlagen, von denen die bedeutendste die am Majubaberge am 27. Febr.

folge seiner nachgiebigen Politik mußte Prä­sident Pretorius 1871 sein Amt niderlegen und an seiner Stelle wurde trotz Krügers Wider­spruch Thomas Francois Bürgers, aus der Kap- kolonie stammend, zum Präsidenten gewählt. Die Wahl erwies sich als ein Mißgriff; Bürgers war eine vielseitig begabte Persönlichkeit, hatte aber kein genügendes Verständnis für die Eigen­tümlichkeiten des Burenvolkes, auch war er wohl nicht frei von Charakterschwächen. Krüger ur­teilt : seine Pläne eilten der Zeit voraus. Ge­radezu verhängnisvoll wurde seine persönliche Beteiligung und Einmischung in den Krieg gegen den Kaffernkönig Sekukuni im Jahre 1876. Vergeblich hatte Krüger als militärischer Befehlshaber dagegen protestiert. Der Miß­erfolg, der die Folge von Bürgers' Beteiligung war, gab England den erwünschten Vorwand, sich einzumischen, indem eS der Republik »in­härente Schwäche" gegen die Koffern vorwarf, wodurch auch andere Kaffernstämme im britischen Gebiet zum Aufruhr gereizt wurden.

Die erste Annexion Transvaals war die nächste Folge.

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Schon in den siebziger Jahren hatte sich in Transvaal der Gegensatz von Stadt und Land entwickelt, zumal die fremden Zuzügler — Kaufleute, Gewerbetreibende und Auswanderer, darunter viele Engländer — fast ausschließlich in Pretoria, dem .Dorf", wie der Bur sagt, ihren Wohnsitz nahmen. Unter diesen regte sich, wie zwei Jahrzehnte später unter den Johannes­burgern, bei jeder Unbequemlichkeit der inneren Lage der Gedanke an eine englische Annexion. Zunächst begann der Krieg mit friedlichen

Der Zuluhäuptling Moselikatse war damals in dem Gebiete westlich der Lebombo- und Drakensberge südlich des Vaalflusses Herr und Meister. Alle Makatesen- und Matabelekaffern- stamme hatten sich ihm unterworfen. Moseli­katse behandelte seine Untertanen als Hunde und nannte sie auch so; und wenn z. B. Aas- vöqel über seine .Stadt" hinflogen, gab er Be­fehl, ein paar alte Frauen und Männer abzu­schlachten und sie den Aasvögeln, die er seine Kinder nannte, als Nahrung vorzuwerfen. Als er nun hörte, daß Menschen von weißer Ge­sichtsfarbe aus dem Süden gekommen wären, sandte er ein paar tausend seiner Krieger ab mit dem Befehl, die Eindringlinge niederzumetzeln. Viele der „Trekkers" lagerten längs des Rhe- noster- und des Vaalflusses. Sie waren in kleine Trupps verteilt, was um ihrer großen Herde willen nötig war. Unerwartet wurden diese armen Menschen von den Kriegern Mose- likatses überfallen, und viele von ihnen wurden ermordet.

Trotzdem hielt das wandernde Volk an der vereinbarten Bestimmung fest, weder Grund und Boden, noch sonst etwas den Eingeborenen mit Gewalt Wegzunehmen und in den erworbenen Ländereien keine Sklaverei zu dulden. Natürlich aber wurden Angriffe und Verrätereien der Eingeborenen durch Erpeditionen gestraft.

Das Jahr 1870 brachte die für ganz Süd­afrika wichtige Entdeckung der Diamantgruben im Westen der Burenstaaten. Obwohl die bett. Ländereien großenteils innerhalb der Grenzen von Transvaal lagen, säumte doch die britische Regierung nicht, unter falschen RechtSvorwändeu dieselben für sich in Anspruch zu nehmen. In-

sucht, die bei Tausenden die frohe Lebensfreude verdrängte, am Mark der rechten Kraft nagt. Und wir möchten nachdenklich gerade zu diesem Totensonntag eines schwer ernsten Jahres fragen, waS eine neue Zeit unter einem neuen Geschlecht dem neuen Vaterland bringen wird? Denn die alte Generation, sie nähert sich langsam dem Ende ihrer Tage. All' die Männer, welche 1870/71 sür deutsche Ehre eintraten, find heute Grauköpfe, und die Generation mit hellem Blondhaar, welche doch eigentlich die Früchte jener Taten erntete, zeigt nicht eben geringe Neigung, die Errungenschaften der neuesten Petft auf ihre Rechnung zu setzen. Es ist anders geworden in der Welt, meist anders geworden um uns herum, wir sahen eS am Besten, wenn wir zum Totenfest nachdenklich durch die Grabreihen schreiten, Kränze auf die Hügel unserer Entschlafenen niederlegen. Ein großes Buch ist der Friedhof, ein Buch der Lebens - Erinnerungen und Erfahrungen. Den Jüngeren winkt die Sonne neuer Tage, den Aelteren wird der Blick auf das finkende Himmelsgestirn zu einer stillen Gedächtnisfeier. Es war einmal! So klingt's in der Seele wieder am Totensonntag, es war einmal, waS volle frohe Lebenslust hieß für die, deren wir gedenken. Und das Gedenken wollen wir fest­halten, in ihm wurzeln die Kraft. Die Tätig­keit , unter all' dem Neuen deS Tages dre Standhaftigkeit einer großen Vergangenheit zu behaupten. Wir denken daran.

Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen. Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgab«.

Druck und Verlag: Joh. Ang. Loch, ttuiversitätS-Buchdruckers Marburg, Markt 21. — Telephon 55.

Im Kampf um Südafrika.

i.

In den unter diesem Titel zusammengefaßten Veröffentlichungen des Lehmann'schen Verlages nehmen die demnächst erscheinenden

Lebenserinnerungen

des Präsidenten Paul Krüger, von denen die „Gartenlaube" bereits Auszüge veröffentlichen durfte, einen hervorragenden Platz ein. Krügers Erinnerungen umfassen einen Zeitraum von nahezu 70 Jahren und enthalten die Geschichte des Burenvolkes von seinem Auszuge aus der Kapkolonie bis zu seiner neuerlichen Unterwerfung unter die eng­lische Herrschaft.

Krüger ist im Jahre 1825 auf einer Farm in der nördlichen Kapkolonie bei dem im letzten Kriege ost genannten Colesberg als Sohn ein­facher Bauersleute geboren. 1834 entzogen sich seine Eltern der als ungerecht empfundenen englischen Herrschaft und wanderten nordwärts über den Oranjefluß in die Wildnis, um sich eine neue Heimat zu suchen; zwei Jahre später folgte das Gros der Buren-„Trekker".

Mit 14 Jahren schoß Krüger seinen ersten Löwen, mit 17 Jahren wurde er Vizefeldkornet, mit 27 Feldkornet. Dann stieg er auf der militärischen Stufenleiter bis zum General­kommandanten auf und war vom Jahre 1883 an infolge stets erneuter Wiederwahl Präsident der Republik bis zu ihrem Untergange.

Von der farbigen Bevölkerung des Landes, das man durchzog, und den Gefahren, die von ihr drohten, mag folgende Schilderung einen Begriff geben:

Umschau.

Einheimische Industrie und Spiritusbrennapparate.

Zum Totenfest.

Der Totensonntag steht vor der Tür, ein schwermütiger Tag selbst in froher Zeit, ein doppelt ernster heute, wo manches Ringe», um die Existenz die Körper- und Geisteskräfte in früher ganz ungeahntem Maß; in Anspruch nimmt! Denken wir über ein Menschenalter zurück! Unseren Vätern fehl damals Manches, was wir heute als selbstverständlich voraus- setzen, der Flug des Unternehmungsgeistes war geringer, aber die Zufriedenheit war größer, und die Genügsamkeit schuf vielfach in Stadt, wie auf dem Lande ein partiarchalisches Zu­sammenleben. Die böse Krankheit der modernen Zeit, die Nervosität, wurde erst belächelt, daS Ueberhandnehmen einer rücksichtslosen Kon­kurrenz war noch so gut, wie unbekannt. Es war am Ende auch kein idyllischer Zustand, der Egoismus war, infolge der größeren Schlicht­heit, die von sich auf andere schloß, kaum ge­ringer, aber die sichere Existenz war in den allermeisten Fällen vorhanden. Nach dem großen Nationalkriege ist es dann anders und immer mehr anders geworden, erst im lang­samen Tempo, dann im Geschwindschritt. Staunenerregende Vervollkommnungen auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens find er­zielt, geschaffen ist anscheinend mühelos, aber doch nur durch Zusammenwirken von unendlich viel Einzelkräften, was früher ganz gewiß als Hexerei bezeichnet worden wäre, Industrie, Handel und Wandel haben eine kolossale Aus­dehnung gewonnen, das Geld ist eine gebietende Macht geworden. Dem hohen Glanz folgte überall in der Welt der Schatten; die Gegen? sähe verschärften sich, das freundschaftliche Sich- Verständigen ward immer schwerer, der Neid hob sein Haupt, und bei vielen redlichen Leuten erschien die Sorge als ungebetener Gast. Und die neuen Verhältnisse wurden besonders herb für alle die, die aus der alten Zeit in die neue hinübertraten, die sich nicht so ohne Weiteres in die Hast und den Trubel des neuen Zeitalters hineinfinden konnten. Das Geschlecht, das in dieser Zeit frisch heranwächst, athmet neue An­schauungen, und wenn alle alten der grüne Hügel deckt, wird vielleicht über diese und jene altväterliche Solidität und veralteten Anschau­ungen, die heute noch bestehen, gelächelt werden. Mag nur dann und überhaupt nie vergessen werden, was den Zug deutschen Wesens aus­macht : Gerade Treue und ein Besinnen auf sich selbst! Wir sehen, wie heute schon die harten Kämpfe um Existenz, Sicherung der Familie, rechte Ausbildung der Kinder an der Gesundheit zehren, wir erkennen auch, wie Genuß-

Auf Befehl des Kaisers wurden noch letzten Tage des kaiserlichen Besuches in Sand­ringham in Anwesenheit des deutschen und eng­lischen Monarchen und ihrer Gefolge durch einen nach dem Hoflager berufenen deutschen Fach­mann die hauptsächlichsten mit Spiritus be­dienten Gebrauchsgegenstände demonstriert und in Tätigkeit vorgeführt. Die Leistungen der deutschen Erzeugnisse fanden die uneingeschränkte Anerkennung. Das Brennereigewerbe wird in der Verpflanzung des Interesses an dem Ver­brauche von technischem Spiritus nach dem AuS- lande eine erneute, leicht auch fruchtbringende

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllnftrirtes Sonntagsblatt. _________________________

Schanghai, Kobe-Hiogo und Jokohama; auf der Rück­reise fit der Verkehr nicht an bestimmte Häfen ge­bunden, doch soll außer den genannten Hafenortm des chinesischen Ostmeeres und der japanischen Nordinf« Nippon in jedem Falle der an der Fokien-Straße ge­legene Hafen Amoy angelaufen werden. Ans bitte Bestimmung läßt sich annehmen, daß di« neue Schiff« fahrtsverbindnng in erster Linie ausersehen ist, bessere Verke^csverbindungen für die Ausfuhr aus Rieder» ländisch-Jndien zu schaffen. Auf den Erfolg der Unter­nehmen wird man umsomehr gespannt sein müssen, als die Wirtschaft-» und Produktionsverhältnisse auf den holländischen Sundainseln gegenwärtig nicht gerade günstig find und deshalb kaum die Inangriff­nahme eines mit fo hohen materiellen Anforderungen verbundenen VerkehrSprojektes rechtfertigen. Der Miß­erfolg mehrerer Bergwerks Unternehmungen in bat nied«läubisch-indischen Kolonien hat zahlreiche Kapi­talisten be8 Mutterlandes schwer geschädigt, die Zucker­krisis auf Java und die erhebliche Abnahme der Ein­fuhr deuten gleichfalls nicht auf eine besonders glückliche Lage der dortigen Wirtschaftsverhältniffe hin. Wenn trotzdem die holländische Regierung zu einer Bewilligung staatlicher Subventionsgelder sich hat bereit finden lassen, dürfte der Wunsch ausschlag­gebend gewesen sein, für die bereits erlittenen oder beispielsweise in den ihre eigene Zuckerproduktion all- jährlich steigernden Vereinigten Staaten noch in Aus­sicht stehenden Verluste der Zuckerausfuhr nach Mög­lichkeit durch Erschließung neuer Absatzgebiete iu Ostafien, zunächst in China und Japan, weiterhm auch in Britisch-Jndien und Australien Ersatz zu schaffen. Jedenfalls zeigt die Tatsache der staatlichen Subventionierung der projektierten Frachtdampfer­linie, daß Holland auch sehr erhebliche Opfer nicht scheut, um Wert und Bedeutung seiner Kolonien im indischen Ozean auf der bisherigen Höhe zu erhalten.

Das polnische Element in Westfalen.

Die jetzt beendete Personenstandsaufnahme gab für die Zusammensetzung der Bevölkerung in mancher Beziehung lehrreiche Beispiele. In einigen allerdings kleineren Orten des westfälischen Jnduftriebezirks hat das polnische Element die einheimische Bevölkerung überflügelt. Im Stadtbezirk Kastrop find 14447 Einwohner. Unter der Bevölkerung befinden sich 2307 inländische Polen, 260 Masuren, 255 Oesterreicher, 22 Holländer, 14 Italiener, 10 Belgier, 9 Böhmen, 7 Engländer, 3 Russen, zusammen also 2887 fremdsprachliche Personen. Das macht zusammen rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Weit schlimmer liegen die Verhältnisse im Amte Sodingen. das zum Landkreise Dortmund gehört. Hier beträgt die Gesamtbevölkerung 9719. Das zum Amte Sodingen gehörige Dors Börnig hat 2184, Holthausen 2044, Eiesenberg 1500 fremdsprachige Arbeiter, zusammen 3828, von denen natürlich das polnische Element wiederum den größten Prozentsatz ausmacht. Das fremdsprachige Element macht also mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung aus. Das gleichfalls zum Landkreise Dortmund gehörige Amt Rauxel zählt 10311 Einwohner, worunter auch beinahe ein Drittel Ausländer find, nämlich 2390 inländische Polen, 115 Masuren, 14 Wallonen, 444 Oesterreicher, 4 Belgier, 28 Holländer und 1 Franzose. Die Bevölkerungs- 1 Ziffern in den Kreisen Gelsenkirchen und Recklinghausen ergeben ähnliche Zahlen aus der Vermehrung des fremdsprachigen Elements. Daraus folgen sür die einheimische Bevölkerung unangenehme Ergebnisse. Plan braucht nur daran zu erinnern, daß in Bruch bei Recklinghausen und in Wanne bei den Kirchen­wahlen die ganze polnische Liste gewählt wurde, so­daß die Polen die Mehrheit in Händen haben. In Bruch wurden von 15 zu wählenden Gemeindever­tretern infolge polnischer Agitation 14 Polen gewählt.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., Warfütf/t

bei allen Postämtern 2L5 Mk. (excl. Bestellgeld).

Hy ^niertionsgebüh^di^gesi>alttm Z^°^eren Raum 10 Pfg. S0NMbeNd, 22. NoVeMbtt 1902,