mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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GormtagSbrilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.
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Marburg
Mittwoch, 19. November 1902.
Erscheint täglich außer au Sonn- und Feiertag«. Sonnabends in Morgen- und Abeud-LuSgabe.
Druck und Verlag: Joh. Ang. Loch, UniverMtS-Buchdruckern Marburg, Markt 21. — Telephon 56.
37. Jahrg.
Erstes Blatt.
Bf* Des Bntztages wege» gelaugt Ute nächste Nummer unserer Zeitung am Donnerstag zur Ausgabe.
Die liberalen Grundlagen des Reichs. f Man kann in der freifinnig-liberale« Preffe -st genug die beharrlich ausrechterhaltene Behauung lesen, da« Reich fei auf liberaler Grundlage errichtet worden, folglich sei «8 nötig, behufs Erhaltung des Reichs und der Pflege de« Reichsgedankens in liberalem Sinne das Reich auszubauen. Solchen Ansprüchen gegenüber muß aber die Vorfrage gestellt worden, ob fich denn diese liberalen Grundlagen, aus denen da« Reich aufgerichtet ist, derart bewährt haben, daß eS geraten wäre, den liberalen Ein- Püffe«, die auf die Herstellung dieser Grundlagen mitgewirkt, auch für den weiteren Ausbau des Reichs maßgebende Geltung zu verschaffen.
Diese Frage hat aber bereit« der große Reichsbaumeister, Fürst Bismarck, verneint, indem er diesen sich vordrängenden Einflüffen gewehrt hat. Auch hat der Eiserne Kanzler «och immer zu verhindern gewußt, daß der Liberalismus die Grundlagen des Reichs ganz «ach seinem Geschmack« einrichtete. WaS aber trotzdem an spezifisch liberalem Einfluß dabei zum Ausdruck gekommen war, hat im Lause der Zest fich nicht gerade als segensreich erwiesen; der Anspruch deS Liberalismus auf größeren Einfluß in der Rerchspolftik kann demnach als berechtigt nicht anerkannt werden.
Auf liberalem Einflüße beruht beispielsweise die Einführung der geheimen Stimmabgabe bei den Reichstagswahlen. Gegen den Einspruch der Regierung ist diese Maßregel in die Ver- faffung hineingebracht. Hat sie fich bewährt? Selbst in liberalen Kreise« — wir erinnern an verschiedene Auslastungen in der „Kölnischen Zeitung" über die Notwendigkeit einer Wahlrechtsreform — verneint man diese Frage. Und das geschieht mit vollem Recht. Der übergroße Einfluß einer übelgeleiteten, aufgehetzten Maste auf die Reichsgesetzgebung hat fich mehr und mehr als ein großes Uebel gezeigt. DaS Gefühl der persönlichen Verantwortung bei dem wichtigen Wahlakt ist abhanden gekommen; der Stimmzettel hat sich geradezu als die wichtigste Waffe derjenigen Elemente erwiesen, die sich die Zersetzung der ReichSgrundlage« zum Ziel gefetzt haben.
Auf liberalem Einflüsse beruht ferner die Geschäftsordnung für den Reichstag. Noch heute wird sie von der Preffe der Linken als die liberalste aller parlamentarischen Geschäfts-
44 «Nachdruck verboten.!
Verspielt.
Stoma« vo« F. ArnefeldL (Fortsetzung^
Das Geschirr, daS zum Frühstück gebraucht sein mochte, stand unordentlich umher, der Fußboden war nicht gewaschen und die sonst peinlich saubere und rastlos tätige Försterin saß mit hängendem Haar und nachläsfig überworfenen Röcken auf einem Schemel und starrte müßig tu bo« erlöschende Herdfeuer.
Als Leonie auf die Schwelle trat, fuhr sie empor, stieß einen Schreckensschrei aus und machte eine Bewegung, als ob fie aufspringe« und davonlaufen wolle. Da« junge Mädchen eilte aus fie zu, ergriff fie bei der Hand und sagte begütigend:
„Aber liebe Frau Winhold, warum er- schrecken Sie denn so? Ich bin eS ja. Wick fehlt Ihnen denn nur? Und wie sehen Sie aus! Ganz verstört, und es ist auch gar nicht so ordentlich, wie man eS sonst bei Ihne« findet. D>a kann ich wohl mein Glas Milch heute auch nicht bekommen?"
Die Försterin war jetzt auS ihrem Traum- zustande so weit aufgerüttelt, daß sie fich die von vergossenen Träne« dick verschwollene« Äugen rieb und sagte:
„Ach, Sie find eS, liebe« Fräuleinchen, ja, heute könne« Sie «och ein GlaS Milch kriegen."
„Und morgen nicht mehr? fragte Leonie 2st der Ziege etwas zugestoßen?"
Frau Winhold schüttelte den Kopf.
.Wollen Sie fie verkaufe»? Oder $ fie MrflwAt tfmn tprt 2*
ordnungen gerühmt. Hat fich diese liberale Errungenschaft bewährt? Nur die extreme Linke vertritt diese Anficht. ES heißt, die Geschäftsordnung sei dazu da, daS Recht der Minderheit zu gewährleisten. DaS ist aber die Aufgabe der Geschäftsordnung nur zu einem Teile. In der Hauptsache soll sie verfassungsmäßig „den Geschäftsgang und die Disziplin" deS Reichstages ordnen. Man kann jetzt jeden Tag beobachten, daß die liberale Geschäftsordnung diesen Hauptzweck nicht erfüllt. Die Geschäftsordnung gilt der Sozialdemokratie als wirksamste Waffe, den Geschäftsgang des Parlament« zu stören, die Disziplin und da« Ansehen der Volksvertretung zu untergraben und fich al« Minderheit eine Macht beizulegen, die tatsächlich unberechtigt ist.
Nicht nur eine in ihrem „R'cht" geschützte Minderheit, — nein, jeder einzelne Abgeordnete hat eS in der Hand, die Arbeiten des Reichstag« ück Nngemeffene aufzuhalten und die Volksvertretung an der Erfüllung ihrer verfassungsmäßigen Aufgaben zu hindern. DaS mag „liberal" fein; ersprießlich für das Reich ist eö nicht. Wir haben hier zwei liberale Errungenschaften, die zu den Grundlagen deS Reichs gehören, hervorgehoben, um daran zu zeigen, wie wenig rühmlich bei der Prüfung auf deren Wirkung der Liberalismus abschneidet. Wir bezweifeln, daß die Bevölkerung da« Verlangen haben könnte, jenen liberalen Errungenschaften noch weitere hinzugefügt zu sehen; denn diese würden ebenso fast ausschließlich der Sozialdemokratie zu gute kommen, wie eS bei jenen der Fall ist.
Umschau.
Ei« Raubmord an Bord eines deutschen Kriegsschiffes.
Ein Raubmord wurde in Athen an Bord deS deutschen Stationsfch'ffeS „Loreley" verübt. DaS Kriegsschiff, dessen Liegestelle sonst Konstantinopel ist, befindet fich augenblicklich zur Ausbesserung im PiräuS, dem Hafen von Athen. Die Mannschaft bewohnte während der Dauer der Reparaturen ein eigenes, gemietetes Haus. Den Wachtdienst versahen fich ablösende Mannschaften. Als der inspizierende Offizier in der Nacht zum Sonntag zwischen 8 und 4 Uhr mit zwei Matrosen das Verdeck der „Loreley" betrat, fand er keine Wache vor, und die Laterne warf ihren flackernden Schein auf Blutlachen Im Rauchzimmer deS Kapitäns, wo provisorisch der wachthabende Unteroffizier Biedritzki (oder Bideritzki) schlief, war das zerwühlte Bett leer und mit Blut besudelt. Der große eiserne Schrank an der gegenüberliegenden Wand, der Geld und geheime Papiere enthielt, fehlte, ebenso die Barkasse der „Loreley". Außer dem Unteroffizier war noch der Matrose Köhler ermordet, der in der ebenfalls Blutfpuren aufweisenden
Abermaliges Kopfschütteln, dann murmelte die Frau:
„Die Ziege nicht, aber ich muß fort, ach, und ich wäre doch so gerne hier geblieben!
„Aber warum müssen Sie denn sort?" rief Leonie sehr erstaunt. „Wo ist denn ihr Mann?"
„Im Wald. Ich hab ihn heute noch gar nicht gesehen. Er wird wohl zu den Holzschlägern gegangen sein und erst gegen Abend wiederkommen, vorher muß ich aber fort sein." Sie hantirte dabei mit dem Geschirr, als habe fie fich jetzt erst besonnen, daß fie vor dem be- abfichtigten Aufbruch noch mancherlei zu besorgen habe. „Hat er Ihnen etwa« zu Leide getan?" forschte Leonie; er war doch sonst sehr gut gegen Sie ?' , Da« ist er auch noch, ich hab'S mein Lebtag nicht so gut gehabt, wie bei ihm!" schluchzte die junge Fran, aber e« geht doch nicht, daß ich da bleibe, denn über mrz oder lang wird er mich doch umbringen!"
Leonie fuhr entsetzt auf. Sollte die Försterin von plötzlichemJrrfüm befallen fein? Ihre ganze Erscheinung ließ eine solche Vermutung zu.
„Ihr Mann wird Sie umbringen!" wiederholte fie. „Aber liebe Fra«, wer hat ihnen denn einen solchen Unsinn in den Kopf gesetzt?"
„Meine Großmutter hat'S gesagt —'
„Ihre Großmutter?" unterbrach fie Leonie, die früher auS Trine« eigenem Munde gehört hatte, sie sei ein Waisenkind und besitze keine Verwandten. Ich denke, die ist schon lange tobt."
„Da« ist fie auch!" nickte die Försterin und starrte blöde vor fich hin, „darum hat fie'« aber doch gesagt."
„WaS denn? Warm denn?" fragte Leonie, der eS immer unheimlicher wurde.
Küche gesessen hatte. Nach der Durchforschung des Hafens durch Taucher wurde in unmittelbare Nähe der „Loreley" zunächst der Leichnam des Unteroffiziers mit einer tiefen, von einem Dolch herrührenden Stichwunde gefunden. Der eiserne Schrank, den die Verbrecher vergeben« zu öffnen versucht hatten, wurde bei dem Leucht» tum beschädigt, aber mit unversehrtem Inhalt gefunden. Nahebei war die Barkasse anS felsige User getrieben worden. Werftarbeiter erscheinen der Tat verdächtig. Die griechischen Behördm zeigen großen Eifer. Hoffentlich werden die Täter bald gefaßt, damit der Mord seine gerechte Sühne finden kann.
Kreuzzeitung und Zolltarifentwurf.
Die konservative „Kreuzztg." schreibt: Man vergesse doch nie, daß ein Scheitern des Zolltarifentwurfs, ganz abgesehen von den schweren wirtschaftlichen Folgen, zu einem Wahlkampfe führen würde, der an Verhetzung nicht feine« Gleichen hätte. Wir find allerdings die letzten, welche die Meinung vertreten, daß allein die Reichstagsmehrheft verpflichtet sei, durch „Umfallen" diese verhängnisvollen Folgen zu vermeiden. Eine weit größere Verantwortung in dieser Hinsicht tragen die verbündeten Regierungen. Deshalb darf auch die VerständigungS- aktion keinesfalls vom Standpunkt des Kuhhandels angesehen werden, wobei derjenige Teil am besten daran ist, der von dem Gegenpart am meisten herausgeschlagen hat, sondern hier ist der Standpunkt der Staatsraison maßgebend. Unterwerfen wird fich die Reichstagsmehrheft nicht. Zu einer Verständigung aber auf dem Wege wechselseitigen Entgegenkommens wird die Reichstagsmehrheit, ungeachtet allen _ Spottes und Hohnes wegen des „Umsalles" seitens der freihändler'.schen Parteien, nach wie vor bereit fein. — Wir nehmen mit besonderer Genugtuung heute von dieser Auslassung der auf dem äußersten rechten Flügel der Deutsch-Konservativen marschierenden „Kreuzzeitung" Notiz, da fie fich mit unseren jüngst verschiedentlich geäußerten Anschauungen der gegenwärtigen innerpolittschen Lage in allen Punkten genau deckt. Einen extremeren Standpunkt bei der augenblicklichen Korstellation im Reichstage einzunehmen, würde nach unserer Ansicht von einem sehr geringen politischen Verständnis zeugen.
Im Reichstage
ist eine kurze Ruhepause eingetreten. So sehr den gewissenhaften Abgeordneten der Mehrheit, die durch lange Wochen täglich viele Stunden lang die Schikanen der Obstruktionsparteien über fich ergehen lasten mutzten, diese Tage der Ruhe zu gönnen find, so sehr ist der Zeirve tust zu bebauern. Am Sonnabend lag dem Reichstage — das ist bezeichnend für die heutige varl imentarische Leistungssähigkeit — wörtlich dieselbe Tagesordnung vor, die bereits am 14. Oktob.r, am ersten Tage des Wiederzusamrnentritts des Reichstags
„Wer einmal einen Mensche« tot gemacht hat der muß es wieder tun, er mag wollen oder nicht!" platzte Trine heraus, eS war, als wenn fie gar nicht selbst spreche, sonder« eine Gewalt, der fie fich wiederstandslos fügen müsse.
Leonie horchte hoch auf. War hier die Spur, der fie zu folgen hatte?
„Soll daS etwa so diel heißen, als Ihr Mann habe einen Menschen tot gemacht?" fragte fie. „Wer hat Ihnen denn solchen Unsinn in den Kopf gesetzt, Trine? Daran ist ja kein Sterbenswörtchen wahr."
„Doch, doch," beharrte die Frau, er hat e« mir ja selbst gesagt."
„Nun merke ich, wie es steht. Sie haben die ganze Geschichte geträumt, liebe Frau Winhold, und ängstigen fich nun ganz unnütz ab," redete ihr Leonie zu. „Wen sollte denn Ihr ruhiger, friedlicher Mann tot gemacht haben?"
Trine stieß einen tiefen Seufzer auS, es war als löse fich von ihrer Seele eine schwere Last. „ Meinen Sie wirklich, ich hätts geträumt ?' fragte fie. „Aber warum hätte ich den« in der Nacht aus dem Sopha in der Wohnstube und nicht im Bett geschlafen?"
„Das werden Sie wohl ebenfalls im Traum getan haben; man macht da zuweilen ganz tolles Zeug," redete ihr Leonie zu. „Ihr Mann ist wohl heute sehr früh fottgegangen?"
„Ja ich hab' ihn oar nicht gehört; er hat fich auch seinen Kaffee selbst gekocht," entgegnete Frau Winhold «nd lebhaft tief Leonie:
„Da haben toi?« ja. Nachdem er fort war, hat fie der Traum gepackt, da« kommt gerade am Morgen recht häufig t»r," behauptete Leonie. .Mir ist'« auch schon fe ergangen."
vorlag und unerledigt blieb. Auch am Eonnaback ist «ur einer der neuuundbreitzig Petittonsberichte erledigt worden Wie vor vier und einer halben Woch^ so schwatzte auch diesmal die Linke lang und breil über Berstunmlungsrecht und trug „Fälle" vor, di« „ganz haarsträubend" sein sollten, im Grunde genommen aber recht unwesentlich waren.
ES handelt fich dabei um nichts als um Herbeiführung eines Zwanges auf die Einzelstaaten von reichswegen. dahingehend, datz bort die sozialdemokratischen Hetzer nach dem Grundsätze der Gleich- berechtigurm behandelt werden sollen. Die freifinnig« Schrittmacher der Sozialdemokratie, besonders die in thüringischen Landen gewählten Abgeordneten, traten auf das wärmste für ihre sozialdemokratischen Brüder ein. Dabei verwahrte fich einer von ihnen, der angeblich ^wild-liberale" Abgeordnete Roeficke, mit ernsthafter Miene gegen den Borwurf, Schrittmacher bet Sozialdemokratie zu sein, obwohl die Druckerschwärze, vermittels welcher die anhalttschen „Genossen" den verschämten Wabelstrümpfler als Helfershelfer gepriesen haben, kau« getrocknet ist. Auch der „Ehren- Genoffe" Dr. Barth produzierte fich als Beschützer bet Frauen — das find aber alles Beweise dafür, baß bie bisherige Praxis gut ist.
Die Linke war übrigens am Sonnabend so ziemlich unter fich. Herr Singer hätte ganz gut bie sozial« Rrpublik proklamieren können, Wenn er nur gewollt hätte. Dir Sozialbemokraten fühlen fich aber recht unheimlich, wenn fie fo vereinsamt find. Sie ließen bittere Klagen über bie leeren Bänke ber RegierungS- vettretrr unb ber Rechten erschallen, ja Singer führt« burch Bezweiflung ber unzweifelhaft m Beschluß« Unfähigkeit das Lude ber Wohl r langweilig« freifinnig-fozialbemokratischen Monologe herbei.
Das Pathos, womit ber Obstruktionsführer anf- trat unb ber Rechten Mangel an Mittelstandsfürsorge vorwarf, wirkte überaus komisch. Man weih aber im Lande, baß bie Verhandlungen über die Petittonen im Plenum nur mehr Formensache find. Di« Kommission pflegt bie Bittschriften ausführlich unb tn Anwesenheit von Regierung svertretern zu erlebige»; bort empfangen auch bie Regierungs- Vertreter bie erforderlichenAnreguvgen unb bort geb en sie bie nötigen Aus schlüsf«. Wenn bas Plenum herüber noch lange Debatten veranlaßt, soistdas zwecklos; dadurch wirb nur bie formelle lleberwklsuna der Bitt- fchristen an den Bundesrat verzögert oder verhindert
Sechsundvrerzig namentliche Abstimmungen
nach dem alten Verfahren haben während der zweiten Lesung des Zolltarifgesetzentwurfes stattgefunden. Da jede Abstimmung minbeften« eine halbe Stunde in Anspruch genommen hat, kann man ersehen, welche Zeitvertrödelung durch die Obstruktionsparteien bis jetzt herbeigeführt worden ist. Das neue Verfahren spatt mindestens zwei Drittel an Zeit, ist aber ebenso sicher wie der Namensaufruf. W?nn man nun die Zahl der bei den verschiedenen Abstimmungen zugegen gewesenen Abgeordneten näher betrachtet, so fällt der Umstand aus, daß die Präsenz von dem ersten Abstimmungstage an in immer rapider werdendem Tempo abgenvmme« hat. Am 21. Oktober stimmten noch 344, am 24. nur noch 239 Abgeordnete. Am 7. unb 10. November sank die Präsenzziffer infolge der Saalflucht der Obstruktionshelden auf 183 bezw.
Frau Winhold starrte fie verblüfft an. E« schien ihr zwar, als habe fie alles, was fti ängstigte und quälte, seit gestern Abend erlebt, aber fie wünschte ja so lebhaft, es möchte nur ein Traum gewesen sein, und das Fräulein, daS so klug und gut war, mußte es am End« doch besser wiffen al« fie.
Leonie ließ ihr keine Zett zum langen Besinnen, eifrig fuhr fie fort: Wissen Sie too«, Frau Winhold, erzählen Sie mit Ihren Traum, man wird solch Zeug nicht eher loS, als bis man'S fich vorn Herzen geredet hat."
Sie zog einen Küchenschemel herbei, drückte die Försterin nieder auf ihren Platz, setzte fich neben fie unb sagte scherzend: „Nun los!"
„Ach Gott, ach Gott, ich hab' aber doch meinem Mann versprochen, keinem Mensche« zu erzähle«, WaS er mir gesagt hat!" stöhnte die Försterin und laut lachend erwiderte Leonie:
„DaS haben Sie eben im Traume getan! Der' Herr Förster weiß ja garnichtS von der Geschichte und wird große Augen machen, wenn er erfährt, daß Sie ihn im Traume zum Mörder gemacht habe« und beinahe Don ihm fortgelaufen wären, wenn ich nicht dazu gekommen wäre und eS verhindert hätte. Aber nun erzähl« Eie auch."
TrineS letzter Widerstand war gebrochen. Sie begann mit der Erzählung ihres merkwürdigen Traumes von dem Augenblick an, wo fie, von Dornburg heimkehrend, den Oberverwalter Hartung zu ihrem Manne hatte in« Hau« gehen sehen, bi« zu dem Punkte, wo er ihr da« unglückliche Zusammentreffen geschildert,' durch da« Wfthelm von Rohr seinen To» gefunden hatte. lIvrtfetzung Mat)