mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.
,,, fkjij Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 ÜRL, Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen.
[jö J, bei allen Postämter» 2,25 Ml. (excl. Bestellgeld). UtVUVlj Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe. , 37. I
Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg. cpitottäfrtrt 1ö ST^nnprrthpr 1 Qf)9 Druck und Verlag: Zoh. Aug. Koch, Univerfitäts»Buchdruckerei Reclamen: di- Zeile 25 Pfg. LAeilSMg, lö. JIUUCUIUCI -L»U4. Marburg, Markt 21. - Telephon 55.
Waffenstillstand.
»Die Waffen ruh'n, des Kampfes Stürme schweigen" im deutschen Reichstage bis zum Donnerstag dieser Woche. Diese Ruhe ist eine Wohltat, denn die Reichstagsverhandlungen der vergangenen Woche waren doch schon garnicht mehr schön und stellten die Geduld jedes Vaterlandsfreundes auf eine harte Probe. Kampf ist Leben. Wir wollen nicht, daß das deutsche Volk Hinterm Ofen hockt und wünschen auch nicht, daß seine Vertreter im Reichstage mit der Schlafmütze über den Ohren erscheinen. Wir haben unsere Freude daran, wenn die GersteSwaffen im Reichstage blitzen, daß es eine Art hat. Wir hören gern gedanken- und pointenreiche Reden und haben unsere Freude an einem flotten Redetournier. Aber was der Reichstag in der vergangenen Woche bot, daS war kein Kampf mehr, der erfreut hätte oder auch nur erlaubt gewesen wäre, das war öde und langweilige Verschleppung der Geschäfte, das war Zeitvergeudung, Vergeudung kostbarer Zeit. WaS die vergangene Woche an Vorgängen im Reichstage bot, das waren auch keine parlamentarischen Ereigniffe mehr, das waren Ver- gewaltigungsversuche schlimmster Arl, die das Fundament des Parlamentarismus überhaupt zu erschüttern drohen. DaS ist doch gerade bpt Sinn des Parlaments, der Mehrheit der Va.r-bi-eiN'eter eine Stimme zu verschaffen. Das Volk wählt seine Abgeordneten nach deren politischen Programmen und persönlichen Eigenschaften. Die Mehrheit der Volksvertreter ist naher als gleichbedeutend mit der Mehrheit des Volkes zu betrachten. Alle parlamentarischen Bande werden gelöst, wenn der Versuch angestellt und immer aufs neue wiederholt wird, das Mehrheitsprinzip totzumachen. Es muß nach Lage der Dinge angenommen werden, daß die Beschlüße der Reichstagsmehrheit den Wünschen der Dolksmehrheit entsprechen. Parteifragen aber rangieren unter allen Umständen hinter denen des Allgemeinwohls. Aus diesen Gründen hatte die Obstruktion der Zollvorlage durch die Socialdemokratie a'.'ch nicht den Schatten einer Berechtigung für sich; darum mußte auch ihrer Anmaßung, ihrem rechts- und verfassungswidrigen Treiben mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegengetreten werden. Darum war es durchaus notwendig, ein Exempel zu statuieren, das seinen Eindruck nicht verfehlen konnte.
Dieses Exempel ist statuiert worden. Die Mehrheit hat der aufsässigen Minderheit gezeigt, daß im deutschen Reichstage noch guter Ton und Recht herrschen und daß im deutschen Reichstage auch der Wille und die Kraft vorhanden ist, Angriffe auf die verfaffungsmäßigen Rechts des Hauses niederzuschlagen. In dieser
<3 iNachdiuck verboten !
Verspielt.
Roman von F. Arnefeldt.
(Fortsetzung.)
„Der Oberverwalter sprach doch von 15 Jahren Zuchthaus, die Dir heute noch sicher wären," bemerkte Trine furchtsam, und er entgegnete kopfschüttelnd:
„Ach, daS sagt er nur immer, wenn er sich den Anschein geben will, als glaube er doch, daß ich den Herrn absichtlich erschossen habe. Manchmal will mich's bedünken, er habe so was auch Herrn Wolf von Rohr eingeredet, den» er war plötzlich bei ihm Hahn im Korbe und hatte ihn doch vorher garnicht leiden mögen, und nun ist's bei seiner Tochter ebenso."
„Aber das kümmett uns nicht," fügte er mit einer wegwerfenden Handbewegung hinzu. „Mögen Fräulein Alice von Rohr und der Herr Oberverwalter tun, waS sie wollen, die Hauptsache ist, daß niemand erfährt, wie ich zu der Sache stehe. Du wirst doch reinen Mund halten, Trine?"
„Gewiß!" versicherte sie. „Fünfzehn Jahre sollen sie Dich nicht einsperren, wenn ich mich auch vor Dir fürchte."
„Du fürchtest Dich immer noch und weist doch, wie die Dinge liegen?" sagte er traurig.
Sie nickte. „Ja, da- kann mm einmal nichts helfen, fürchten muß ich mich doch. Erschossen hast Du doch deu Menschen, und meine Großmutter hat gesagt, wer das einmal getan hat, der muß eS wieder tun."
Davon war sie durch kein Zureden abzu- öringeu, und kam wieder auf ihre Absicht zurück, Hn zu verlassen. Rur mit großer Mühe ließ De sich überrede», nicht tu die Rächt hinaus zu
Thatsache beruht die Bedeutung der vorgenannten Geschäftsordnung. Heber die Zweckmäßigkeit des neuen Abstimmungsmodus kann man geteilter Meinung sein, man wird es aber unter allen Umständen mit Genugtuung zu begrüßen haben, daß der deutsche Reichstag sich nicht her- giebt zum Tummelplatz fanatischer Demagogen und Umstürzler von Ordnung Recht. „Wir sind hier im deutschen Reichstage", so rief der Präsident Graf Ballestrem einem Abgeordneten, der von Unwahrheit und Mogelei sprach, in sittlicher Entrüstung zu. Dem Präsidenten und den Mehrheitsparteien verdankt es das deutsche Volk, daß der Reichstag nicht in den Schmutz gezogen wird, sondern sein Ansehen und seine Würde rettete. Es war aber auch die höchste Zeit, daß die auf dem Boden der Verfassung und des Rechts stehenden Parteien darein schlugen und mit nerviger Faust der Hydra der Obstruktion die Kehle zuschnürten. Noch liegt sie nicht völlig geschlagen am Boden, aber ihrer schlimmsten Kraft ist sie beraubt und sie hat eS schmerzlich am eigenen Leibe empfunden, was ihr geschah; sie weiß nun, was sie von dem Versuche einer neuen Erhebung zu gewärtigen hätte.
Es ist gut, daß dem Kampfe einige Tage der Ruhe folgen, in welcher die heißen Köpfe abkühlen und die erregten Gemüter zur Ruhe kommen können. Werden gegen Ende der Woche die Zollverhandlungen von neuem ausgenommen, dann geht es vielleicht leidenschaftsloser und sachlicher zu als bisher. Sollten sich diese Hoffnungen und Wünsche nicht erfüllen, nun dann, wird es noch einen Tanz geben, hefttger und hitziger als her der Vorwoche noch, und dann wird die Ordnung hergestellt sein. Das Eis ist gebrochen, die prinzipielle Frage gelöst. Die Geschäftsordnung wird noch weiter zweckentsprechend abgeändett werden, wenn sich die Notwendigkeit zu solchen Maßnabmen Herausstellen sollte. Aber, gebrannt Kind scheut das Feuer, und wir glauben nicht, daß die skrupellose Minderheit weitere Experimente veranstalten wird.
Don dem gegenwättigen Waffenstillstand wird aber noch mehr erwattet, als nur die Bessei- nng des äußeren Ganges der parlamentarischen Verhandlungen, es werden auch sachliche Ergebnisse erfreulicher Art erwartet, es wird mit größter Bestimmtheit auf die Erreichung einer Verständigung zwischen Mehrheitsparteien und Regierung über den Zolltariftntwurf gerechnet. Der Reichskanzler hatte mit den Führern der Mehrheitsparteien wiederholte Unterredungen, er wohnte dem Diner bei, das der Präsident Graf Ballestrem am Sonnabend abend veranstaltete. Dort soll die Einigung perfeft geworden sein. Wie sich die Verständigung im einzelnen vollzogen hat, auf welcher Seite das
laufen, und mit banger Sorge fragte sich Winhold, waS sie am nächsten Tage beginnen würde.
Das arme Weib, das eigentlich nur ein großes Kind war, tat ihm so leid.
„Sie kann es nicht ertragen, sie kann e§ nicht ertragen!" murmelte er. „Ich hätte dies junge Leben nicht an das meine knüpfen dürfen, hätte mir sagen müssen, das Gespenst, daS ich so lange im Hintergrund lauern sah, wird hervorbrechen und sie an meiner Seite ergreifen.
Sie wird nicht schweigen können — und dann — dann bricht das Verderben herein. Hätte ich gleich gestanden, so würde man mir geglaubt haben, und ich wäre mit einer gelinden Strafe davongekommen! Aber jetzt — aber jetzt!"
Seine erregte Phantasie malte ihm Schreckbilder vor, in Schweiß gebadet, erhob er sich, sobald das Frühlicht des SommertageS durch die Fenster schien.
„Es liegt der Tau auf de» Gräsern der Nacht! sang Leonie Helbig während sie von Schloß Wiesenberg durch den Wald nach der Waldschenke schritt.
ES war noch früh am Tage und Leonie auf einem ihrer Morgenspaziergänge begriffen, die sie oft recht weit auSdehnte und und von denen sie sich nur durch sehr ungünstige« Wetter abhalt« ließ. Heute lachte die Sonne klar und warm vom wolkenlosen Himmel, ein frischer, kräftiger, würziger Dust stieg vom Waldboden auf und wehte von den Höhen herab, wie Diamant« funkelt« die Tautropfen auf den Blättern, Fichtennadel», Moos« und Gräsern und unwillkürlich war dem jung« Mädchm da» Lied auf die Lipp« getreten. e Sie verstummte jedoch gleich wieder, tob
größte Entgegenkommen gezeigt, und die weitest« Zugeständnisse gemacht worden sind, weiß man zwar nicht, aber die Einigung soll erreicht sein. Und ist sie noch nicht vollständig erreicht worden, so werden die wenigen Schritte, die zur vollkommenen Annäherung noch erforderlich sind, auch noch getan werden, weil sie getan werden müssen!
Uuffchau.
Don der Derständigungsaktion.
Die Derständigungsverhandliingen zwischen Regierung und Mehrheitsparteien des Reichstags in Sachen der Zolltarifftage find darauf gerichtet, das Tarifgesetz so zu gestalten, daß in dessen § 1 die wichtigsten Abmachungen über die Nahrungsmittelzölle nach einem Übereinkommen zwischen Mehrheitsparteien und Regierung enthalten find Dann würde, dieses Tarifgefetz als Grundlage gedacht, der Reichstag in einer Resolution der Regierung anheimgeben, damit und aufgrund des Zolltarifs in Handelsvertragsverhandlungen einzutreten, um die Verträge alsdann dem Reichstage vorzulegen. DaS sachliche Eutgegmkommen wird nicht auf dem Boden der reinen Regierungsvorlage erzielt werd«, daS soll wohl heißen, die Regierung werde den Gerstenzoll um 50 Pfg. erhöhen, und zwar mehr auS parteitakttschen als aus anderen Gründen. Wir geben nicht viel auf berartige Ankündigungen; da wir aber eine schließliche Verständigung für erwünscht halten, wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten, auf welcher Basis sich nach dem neueste» Stande der Wiffen- schaft die Dinge vollziehen — sollen! Daß noch etwas zustande kommen könnte, ist jedenfalls noch von keiner Seite aufgegeben worden. Die Vorlage ist aber gesichert, wenn zwisch« Regierung und MehrheitSparteien eine Einigung erzielt wird. Mit der Obstruktion, deren Praktiken denn nachgerade auch daS Erträgliche überboten, find die Mehrheitsparteien kurz urn- gesprungen und auch vor einer Aenderung der Geschäftsordnung zum Zweck ihrer Unterdrückung nicht zurückgeschreckt. Nach ruhiger Betrachtung, zu der ja die nächsten parlamentslosen Tage die beste Gelegenheit bieten, werden die Herren von der äußersten Linken doch noch zu der Erkenntnis gelangt sein, daß sie sich mit ihrem Treiben in§ eigene Fleisch geschnitten. Sie hab« geglaubt, den deutschen Reichstag auf das Niveau einiger parlamentarischer Vertretungen des Auslandes herabdrücken zu können. Ihnen ist bei diesem Versuche übel heimgeleuchtet worden. Die MehrheitSpatteien und der Präsident Graf Ballestrem haben sich ein nicht hoch genug zu veranschlagendes Verdienst erworben,
ihr hübscher roter Mund verzog sich zu einem recht wehmütigen Ausdruck.
Leonie war heute anders als sonst. Wohl sah sie frisch und duftig wie immer in ihrem Hellen Morgenkleide und mit dem weißen Strohhut aus, aber das liebliche Gesicht war bleicher als sonst und in den Augen lag ein feuchter Glanz wie von unlängst vergossenen Thränen.
Die Vorgänge des verflossenen Abends hatten dem jungen Mädchen eine sehr unruhige Nacht bereitet und übten auch jetzt noch eine andere Wirkung auf ihre Stimmung aus. Zuerst die Erklärung mit Edgar Hartung, die sie beglückte, ober durch die darauf folgende Unterredung mit Herrn von Erbach eine recht bittere Beimischung erhalten hatte. Nicht, daß ihr nur einen Augenblick ein Gefühl der Reue über das geschehene gekommen wäre. Fest und unlöslich fühlte sie sich mit dem Geliebten verbunden, treu und unentwegt wollte sie zu ihm halten, was auch über ihn hereinbrechen würde, und sie sah recht schwere Zeiten voraus. Das Truggebäude, bas bet Oberverwalter Hartung aufgeführt war ins Schwanken geraten, eS mußte über kurz ober lang zusammenstürzen, sie selbst hatte gelobt auS alle» Kräften babei mitzuwirk«.
Wie aber würbe Ebgar sich bazu stellen? Würbe er nicht bie Hand zurückstoßen, die ge- holf«, b« Sturz seines Vaters herbeizuführen? Würde er nicht zu stolz fein, bie Mittel zur Existenz auS ihrem Vermög« anzunehmen, ba er ihr so gar nichts, nicht einmal einen unbe= flekte» Nam« bieten konnte, nnb er wußte ja noch nicht einmal —
Sie unterbrach sich ht ihr« Gedanken. Ein Eichkätzch« kletterte pfeilgeschwind an ein« 1
baß sie b« deutschen Reichstag vor der Ver sumpfung bewahrten, daß sie seinAnsehen und seine Würde retteten. Denn der deutsche Reichstag wäre zum Gespött der ganzen Welt geworden, der Parlamentarismus im brutschen Reiche wäre in Frage gestellt worben, wenn bie Minberheit e8 burch Kniffe und Pfiffe unb b« schnöbest« Mißbrauch ber Geschäftsordnung zu einer Vergewaltigung der Mehrheit gebracht hätte. Der Antrag Aichbichl« allein ist noch nicht im Stande, einen ordnungsmäßigen Gang ber Geschäfte zu gewährleisten. Beanspruch« bie namentlichen Abstimmung« nach bem neuen Verfahren burchschnittlich auch nur je 10 Minute», gegen je 30 bei bem bisherigen System, so kann burch eine Häufung der Zollabstimmungen unb durch Dauerred« ä la Heine, Antrick und Stadthagen doch eine Verschleppung der Geschäfte herbeigefühtt werden, die die Erledigung ber Zolltarifvorlage bis zum Schluß ber Session am 15. Juni zur Unmöglichkeit macht. Aber auf ben erste» Streich wirb nötigenfalls sehr schnell ber zweite unb dritte niedersausen, so baß bie Geschäft«- orbnung bes Reichstag« für bie Minderheit, je länger diese ihr frivoles Treiben fottsetzt, um so ungünstiger wird. DaS werd« sich die Herren Sozialdemokraten während der sitzung«- freien Tage wohl überlegen unb es weislich unterlassen, bie Mehrheit zur Anwendung weiterer Kampfmittel herauSzuforbern.
Der anarchistische Anschlag aus König Leopolb von Belgien.
Der Anschlag, ber am Sonnabend in Brüssel nach der Totenmesse für bie Königin Marie Henriette gegen b« König Leopold ber Belgier unternommen würbe, hat sich tatsächlich als da« Werk eines Anarchist« herausgestellt. D« Attentäter heißt Hen»aco Rubino bi Rubini, ist 43 Jahre alt, ein stellenloser Arbeiter, der bes reit« ben italienischen Gesandt« und den Konsul wegen Beförderung in die Heimat angegangen unb von letzterem bare Unterstützung erhalten hatte. Er behauptete anfänglich, baß er nur aus Wut über ben Anblick so vielen Glanzes geschossen habe. Diese Ausrede erschien aber nicht glaubhaft, ba er auf den dritten Wagen zielte, in bem gewöhnlich ber König sitzt. Diesmal aber fuhr der König zufällig mit dem Grasen von Flandern, seinem Bruder, im ersten Wagen, während den dritten Oberhofmarschall Graf Oustremont innehatte; dieser war mit Glassplittern übersät und wurde im Gesicht leicht verletzt. Im Verlauf des Verhörs gab Rubini zu, daß er aus anarchistischen Beweggründen gehandelt habe; er bereue seine Tat nicht. Er habe schon in der Gudulakirche auf den König
schlauken Birke in die Höhe, das Lachen der wilden Taube drang an ihr Ohr, Bienen und Hummeln summt«, Schmetterlinge gaukelten auf unb ab, bie Stimmen des Waldes wurden laut; Axtschläge und das Rauchen eines Kohlenmeilers wiesen darauf hin, daß auch Menschen nicht allzu weit entfernt sein könnten.
Unb jetzt schimmerte, beschienen von ber Morgensonne, ba« mit Schindeln gedeckte Dach des Försterhause« durch die Bäume, sie daran mahnend, daß sie das Ziel ihres heutig« Spazierganges erreicht habe. Sie hatte die junge Försterin nicht selten um diese Tageszeit besucht und hatte sich bei ihr ein Glas ihrer vortrefflich« Ziegenmilch munden lassen, heute kam sie in der Absicht zu spähen und zu lauschen. Das Herz ward ihr schwerer und schwerer; je mehr sie sich dem Hause nähette, desto langsamer wurden ihre Schritte.
Jetzt war es erreicht. Ein Hund schlug an, Nero, bie gelbbraune Dogge stürzte aus dem Hause und sprang mit freudigem Gebell an ihr in die Höhe, aber bie junge Frau, bie sonst bem Hunbe auf dem Fuße zu folg« pflegte, blieb au«. Leonie toortete einige Minuten und rief bie Försterin bei Namen; ba keine Ant- wott «folgte, überschritt sie bie bie Schwelle, öffnete bie Tür bei Wohnstube unb schaute hinein. Sie war leer unb zu Leonies Verwunderung unaufgeräumt; auf dem Sopha lagen Bettstücke, al« ob jemand die Nacht dott zugebracht habe. —
Nochmals dm Namm „Frau Winhold" rufend, ging Leonie nach bei Küche. Dott fand sie die Frau, ab« in welch« Verfassung.
(Fortsetzung folgt.)