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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllnstrivtes Sonntagsblatt.

»ierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 ML, Erscheint tägvch außer « Sonn- und Feiertag«.

Jto 290 M ata Postämtml 2^5 Mk. (excl. Beneid). JWulVUrfl Sonnabends in Morgen- und Wend-AuSgab«. 37. Jghkg.

- «Ei»«, gontrtag, 16. November 1902. -»

Die winterliche Arbetslofigkett.

Seit in der Industrie der große Umschwung eingetreten ist, bildet die ernste Frage der Arbeitslosigkeit, namentlich während der Winter­monate, ein vielfach erörtertes Kapitel. Vor­nehmlich find die großen Städte und reinen Jndustriebezirke in Mitleidenschaft gezogen, die während der Höheperiode der industriellen Kon­junktur Tausende und Abertausende magnetisch an fich g^ogen haben. Aus der Tatsache, daß aus diesen Bezirken die Klagen am lautesten erschallen, darf freilich, wie schon mehrfach hervorgehoben, nicht gefolgert werden, daß nun überall die winterliche Derdienstlofigkeit das natürlicherweise finkende Angebot von Arbeit in außerordentlicher Weise überschritten habe. In sehr vielen Bezirken, in welchen die Arbeits- entwicklnna in normaler Weise in den letzten Jahren sorrgefchritten ist, ist die Brotlosigkeit von Familienvätern nicht schlimmer, als sie sonst um diese Zeit in der Regel zu sein pflegt. Ziemlich allenthalben hat wohl die Baulust etwas gelitten, aber die dadurch be­schäftigungslos gewordenen Leute haben in verwandten Betrieben meistenteils Ausnahme gefunden. So hat sich also in den Bezirken, in welchen in den betroffenen Jahren das Ge schäft nicht ganz so hoch ging, wie anderswo, doch der Nutzen ergeben, daß der harte Schlag des Geschäftsumschwunges weniger scharf ver­spürt worden ist.

Die arbeitende Bevölkerung der Großstädte und der vorwiegend auf flotten Absatz in­dustrieller Artikel angewiesenen Gegenden ist freilich zum Teil übel dran; es muß ausdrück­lich gesagt werden: zum Teil, denn neben den Brotlosen, die unsere Teilnahme erwecken, finden wir doch auch wieder Andere, die ihren Erwerbsposten, den sie vielleicht schon manches Jahr inne haben, unverändert behaupten. Es wird in den Zeitungen der von der Arbeits- lohgkeit am meisten betroffenen Plätze zur Vor­nahme von öffentlichen Arbeiten aufgefordert, und diesen Anregungen ist entweder schon ent­sprochen oder wird noch entsprochen werden, so daß die härtesten Notstandsverhältnisse gelindert werden. Immerhin dürste manche städtische Verwastung, welcher die Brotlosigkeit erhöhte Ausgaben zum Besten der davon Betroffenen und verminderte Einnahmen infolge der ge­sunkenen Steuererträge bringt, den Wunsch hegen, den Zustrom zur Arbeit für künftig ruhiger fich gestalten zu sehen. Ein Hebet» maß an wenig bemittelten Zuzügletn bringt in kritischen Zeiten jenen Leuten selbst schwere Drangsal und den Gemeinden, die sie fich zum Wohnfitz ausgesucht, verstärkte Armen- und sonstige Lasten, die leicht reichlich den Gewinn besserer Monate verzehren können. Im vorigen

42 «Nachdruck verboten)

Verspielt.

Roman von F. Arnefeldt.

(Fortsetzung)

Er wollte den Arm um sie legen und sie nach ihrem Prachtstück, dem Sopha führen, aber fie wich ihm aus, und es bedurfte langen Zu­redens, bis er fie dahin brachte, daß fie dort Platz nahm; sie bestand aber darauf, daß er soweit wie möglich von ihr fich auf einen Stuhl setzte.

„Herr Wilhelm von Rohr war ein großer Jagdliebhaber*, begann er seine Erzählung, „und als er nach langer Abwesenheit wieder nach Wiesenberg gekommen war, fragte er gleich bei mit an, wie's mit den Hirschen und Wild- chweinen stände und ob ich ihm nicht was auf- püren könne. Er reiste dann wieder auf ein war Tage fort und als er zurückkam, meldete ch ihm ich hätte einen prachtvollen Sechzehn- euder aufgespürt, und ich müsse genau die Stelle, wo er zum Wechsel komme.

Der gnädige Herr war Feuer und Flamme unb gebot mit gegen Jeden von bet Sache zu schweigen, auch gegen seinen Stuber, der mit nach Wiesenberg gekommen war, er wollte daS Vergnügen allein haben. Wir verabredeten die Stelle, wo wir uns treffen wollten und Herr von Rohr gab feinem Bruder einen Auf­trag, daß et nach Jena ritt und aus dem Wege war.

Es war Ende September, das Wetter recht schlecht, aber Herr von Rohr ließ fich nicht ab­halten und kam in der Dämmerung heraus, wir nahmen Aufstellung unter dem Eichenkamp, nicht west vom Parkgitter.

Eine ganze Weile wartet« wir vergeblich.

Winter ist das schon recht anerkannt und in diesem wird es von neuem bemerkt werden, wenn auch wohl die Brotlosigkeit heute nicht mehr so groß ist, wie vor einem Jahre.

Seit dem Bestehen des neuen Deutschen Reiches ist die gegenwärtige Periode der Arbeits­losigkeit die dritte große. Die erste fiel in die siebziger Jahre nach dem großen GründungS- krach, dessen Verluste in ihrer ganzen schreck­lichen Höhe hoffentlich nie sich wieder zeigen werden. Die zweite Periode bildeten die Jahre vor und nach dem Jahre 1890; die gewaltige GeschSstSflaue, die damals Platz gegriffen hatte, war nicht zum Wenigsten Folge des Streik- taumels, der von den großen bis in die kleinsten Städte zog, den man überall mal mitgemacht haben mußte. Das Erwachen aus diesem Taumel war bitter, und die damaligen, heute noch nicht ganz vergessenen Krawalle des Jan­hagels, der sich in die Reihen der Arbeitslosen mischte, verschärften die Situation nur. Erst allmählich kam in den neunziger Jahren das Vertrauen wieder; dann grünte und blühte die Unternehmungslust aber auch mit einem Male derartig, daß fie bei nicht Wenigen in lieber» Hebung ausartete und leidige Vorkommnisse zeitigte, welche die schwindelnd hoch geschossene Vertrauensseligkeit auf ein überaus niedriges Maß herunterdrückten. Dieser Umstand und dann die durch die wilde Ueberproduttion des Caprivischen Handelsvertragszeitalters herbei- gefühtte Uebersüllung des Marktes an Jndustrie- produtten find die hauptsächlichsten Ursachen der heutigen Arbeitslosigkeit, die nicht eher völlig zu Ende gehen wird, bis neue Handelsverträge, die die nationale Arbeit in ganz anderem Maße schützen wie bisher, abgeschlossen worden find. Der Arbeiter hat demnach ein ganz be­sonderes Interesse daran, daß die Zolltarifvor- lage im Reistage rasch erledigt wird, denn durch die demokratische Obstruktion wird er nur aus Hungertuch geliefert.

Umschau.

Enquete betreffend Kartellwesen.

Gestern vormittag 11 Uhr hat im Reichs­amt des Innern unter Vorsitz des Staats­sekretärs des Innern, Dr. Grafen v. Posadowskh- Wehner, die Besprechung mit Sachverständigen über die Einleitung einer Enquste in Betreff des Kattellwesens begonnen. Es nahmen an ihr außer Vertretern des Reichsamts des Innern, des AuSwättigen Amts, des Reichs Justizamts, der Königlich Preußischen Ministerien für Handel und Gewerbe, des Innern und der Justiz, viele Sachverständige teil. Die Sitzung wurde mit einer längeren Dar­legung des Vorsitzenden Grafen von Posa-

eine Stunde und darüber mochte vergangen sein, kein Hirsch ließ fich blicken. Schon ein paar Mal hatte Herr von Rohr mir zugeraumt, ich hätte ihn irre geführt, e8 komme kein Hirsch, er werde wieder zurück in8 Schloß gehen, und immer war er auf mein Zureden noch gebliben, da hätten wir es in den Zweigen knacken. Herr von Rohr stellte fich schußgerecht, in seinem Eifer ging et aber etwas zu wett vor und stellte fich dem Hirsch, der ein sehr großes starkes Tier war und ein völlig ausgewachsenes Geweih hatte, in den Weg. Der nahm ihn auf und rannte mit aller Macht gegen ihn an. In meinem Schreck riß ich die Büchse von bet Schütter, legte an und schoß. Ein lauter Schrei ertönte; Herr von Rohr brach zusammen; der Hirsch setzte Aber ihn weg und verschwand im Dickicht; ich hatte statt seiner den Herrn ge­troffen/

Winhold hatte mit Vermeidung aller Jäger- ausdtücke, um die Sache feiner Frau so Bat wie irgend möglich zu machen, erzählt, jetzt hielt er einige Minuten inne, erschöpft von der Erinnerung und Tttne fragte in ihrer Dumm- pfiffigkeit:

„War er denn gleich tot?'

„Ich stand wie gelähmt,' fuhr bet Förster fort, „unb traute muh ein paar Minuten gar nicht an den armen Herrn heran, als ich's endlich tat unb ihm bie Kleider öffnete, sah ich, baff njchtS mehr zu machen war, vom Feldzug her verstand ich mich darauf, der Schuß wat ins Herz gegangen. Er lebte zwar noch, aber eS mußte bald vorbei sein.

Während ich noch ganz ratlos bei dem Sterbenden stand unb nicht wußte, was ich! anfangen sollte, fühlte ich mich mtt einem Mals bei bet Schulter gepackt, Oberverwalter Hartungs

dowLky eröffnet, in welcher er besonders hervor­hob, daß die Reichsverwaltung in vollkommen objektiver und sachlicher Weise für eine Reihe der wichtigsten Kattelle eine kontradiktorische Verhandlung über die von den verschiedenen Seiten vorgebrachten Tatsachen zu veranstalten wünsche und daß fie den Beirat der verschie­denen Sachverständigen über die zweckmäßigsten Formen einer solchen Untersuchung erbitte, um auf Grund der Ergebnisse dieser Erörterung zunächst mit den übrigen beteiligten Reichs­stellen und den Bundesregierungen ins Be­nehmen zu treten zwecks Herbeiführung der eigentlichen einzelnen Verhandlungen. Als die hauptsächlichsten Gegenstände der heutigen Vor­besprechung bezeichnete der Staatssekretär die Fragen, welche Kattelle in die Untersuchung einzubeziehen, welche Fragen bei den kontra- dikwttschen Verhandlungen zu erörtern und welche Formen für letztere festzulegen seien. Die Versammlung trat alsbald in die Be­ratung dieser Fragen ein. Hebet den Verlauf und daS Ergebnis der Verhandlungen wird demnächst eine ausführliche öffentliche Bericht­erstattung erfolgen.

Kämpfe in Deutschostafrika.

In Deutsch-Ostafrika mußte im August eine neue militärische Expedition unternommen werden, und zwar gegen die räubettschen Eingeborenen in den Landschaften Jssansu, Jhambi und Jramba. Führer der Expedition war Oberleutnant Frhr. v. Reitzenstein. Es sanden täglich Gefechte statt, in denen die Aufrührer große Verluste erlitten und der einflußreiche Häuptling Kaula fiel. Das schwiettge Berg- und Felsengeländr, sowie die Kampfatt der Eingeborenen, fich nach dem ersten Angttff in unzulängliche Berggebiete zurückzuziehen und auf die Verfolger Steine und Felsftücke herabzurollen, stellten an die Leistungsfähigkeit und Ausdauer der Europäer und Askaris die höchsten Anforderungen. Hm den Eingeborenen den Glauben an ihre Hnbe- fiegbarkeit und den unüberwindlichen Schutz der Felsen zu nehmen, wurde keine Mühe gescheut, den Gegner bis in die abgelegensten Felswinkel und die zahlreichen Höhlen zu verfolgen. Eine Anzahl mit äußerster Erbitterung gefühtter Höhkenkämpfe brachten den Eingeborenen schwere Verluste bei. Auf deutscher Seite erhielt Hnter- osfizier Kühn einen Pfeilschuß, über 50 As­karis und Hilfträger wurden verwundet. Der Widerstand der Aufrührer ist aber vollständig gebrochen worden. Die deutschen Militärposten in jenen Landschaften wurden vorsichtshalber verstärkt.

der auf dem weichen Waldboden unhörbar herangekommen war, stand hinter mir unb schrie mir ins Ohr, ich sei ein Mörder.'

„Siehst Du! Siehst Du, der hattS boch auch gleich gesagt,' stöhnte Trine.

„Ich erzählte ihm, wie die Sache zuge­gangen sei', sprach ohne auf ihre Bemerkung zu achten, der Förster weiter, „aber da kam ich schön an, er lachte mich aus und sagte, das möchte ich einem Anderen einreden, aber nicht ihm. Ich hätte den Herrn von Rohr auf Ge­heiß seines Bruders erschossen, der ihn beerben wolle, um zu verhindern, daß er fich ver­heirate.'

„Unb ist's so gewesen?' fragte bie Frau.

„Aber Tttne, ich hab' Dir doch erzähtt, wie's gewesen ist, Herr Wolf von Rohr habe ich nicht mit Augen gesehen, während er in Wiesenberg war; ich würde mich zu einer solchen Schlechtigkeit nicht hergegeben haben, und ich glaube auch gar nicht, daß er fie mir zugemutet hätte!' rief Winhold schmerzlich. „DaS be­teuerte ich auch dem Oberverwalter, und zuletzt war eS, als ob er mit Glauben schenkte, er sagte aber, außer ihm werde daS kein Mensch tun, überall würde man die Sache ansehen, wie fie ihm erschienen fei. Bekannte ich mich zu bet Tat, so fei mir bie Anklage unb eine lang­jährige Zuchthausstrafe sicher. Ich tue ihm leib unb er wolle mir helfen, baß man allgemein in bet Umgegend glaube, bet Schuß auf ben Herrn sei von einem Wilderer abgegeben wor­den. Ich müsse aber genau tun und sagen, was er wolle. In meiner Angst versprach ich alles.'

„Aber Du sagtest boch, Herr von Rohr fei noch nicht tot gewesen,' toanbte hier Tttne ein. ft hörte und sah nichts mehr unb war fo

gut wie schon tot," entgegnete Winhold, fühlte sich aber durch die von feiner Frau in ihrer Einfalt gemachte Bemerkung schwer getroffen. Seit langen Iahten hatte er sich diese Ver­handlung mit Hartung im Angesichte des Ver­wundeten zum harten Vorwurf gemacht und fich immer gefragt, ob er nicht doch zu retten ge­wesen wäre, wenn man ihm safott bttgesprungen fein würde.

„Hartung befahl mir nun, schleunigst nach meinem Hause zu gehen, mich nicht blicken zu lassen unb gegen keinen Menschen zu tun, als ab ich von der Sache etwas wisse,' erzählte Winholb weiter. „Er nahm Herrn von Rohr die Büchse weg und ging damit nach dem Schlosse, nicht lange daraus kamen Leute, die den Herrn aufhoben unb forttrugen, ich hab's mit angesehen, benn ich konnt'S doch nicht übet'S Herz bringen, ihn allein liegen zu lassen, sondern hatte mich in der Nähe versteckt/

„Und wie kam's dann wettet?" fragte Tttne, immer noch sehr verschüchtert, aber doch ein wenig beruhigter.

„Es hieß, der arme Herr, der kaum, daß sie ihn in Schloß gebracht hatten, starb, sei von Wilddieben erschossen worden, man hat aber keinen ausfindig machen können. An mich hat niemand gedacht. Man wollte auch nicht so scharf nachsuchen, denn eS ging daS Gerücht, Herr Wolf von Rohr habe den Bruder bet Erbschaft wegen erschossen. Seine Frau soll deswegen von ihm gegangen sein unb bte Feinbschaft zwischen ihm unb bem Major von Erbach hätte auch bähet gerühtt. Manchmal hab' ich schon gedacht, ich hätte besser getan, sogleich zu gestehen, wie fich bie Sache zuge­tragen hat, allzu viel Hütten fie mir ja boch nicht anhaben können/ (Fvttsetzung folgt)

Deutsches Reich

Bertt«, 15. November.

— Die Kaiserin ist gestern abend 7 Uhr 30 Mi«, in Pkoen einQetr offen.

— Prinz-Admiral Heinrich von Preußen ist nach Beendigung seines 45 tägigen Urlaubs nach Kiel zurückgekebrt, um das Kommando über das erste heimische Geschwader wieder zu übernehmen.

— Papst Leo empfing dieser Tage den Bischof Benzler von Metz, der den Peterspsennig überbrachte. Der hl. Vater, der etwas ermüdet schien, sagte n. tt, er wünsche Kaiser Wilhelm wiederzusehen. Vielleicht im nächsten Jahre beim Papstjubiläum?

— Am Freitag Abend fand beim Präsidenten deS Reichstags Grafen Ballestrem ein Diner statt, zu dem außer den Führern der Mehrheitsparteien auch der Reichskanzler sein Erscheinen in Aussicht gestellt hatte.

— In Deutsch - Ostafttka hat der Ueberlandtele» zraph die Kilimalinie erreicht. Die Hälfte des Tele­graphenbaues von Dar-es-Salaam biS zum Tangantz- Hafen ist jetzt ausgeführt.

— Die Reichstags-Minderheit, die den Kamps bis aufs Mester angekündigt hat, haben die Vorgänge der ablaufenden Woche schweren Schaden zugefügt. Durch ihre maßlose Obstruktion haben fie die Mehr­heit genötigt, Gleiches mit Gleichem zu vergelten und der Gewalt die Gewalt entgegenzufetzen. Es kann schon heute als seststehend gelte«, daß die Mehrheits- Parteien es nicht bei dem Anttage Aichbichler bewend« lasten, sondern noch weitere Maßnahmen tteffen werden, um die Gefahren, die dem Parlamentarismus drohen, zu beseitigen. Dann werden die Verhandlungen ein« sachlicheren Verlauf nehmen.

— Gestern nachmittag fand in Posen die feier­liche Einweihung der Kaiser-Wilhelmsbibliothek statt in Anwesenheit des Finanzministers v. Rheinbaben, des Kultusministers Studt, der Spitzen der Militär-, Zivil- und Kommunalbehörden und zahlreicher Ver­treter der Wistenschast aus dem gesamten Vater- lande. Minister Studt übergab mit einer Ansprache die Bibliothek an die Provinzialverwaltung. Landes­hauptmann v. Dziembowski übernahm die Biblwthek Namens der Provinz. Die Festrede hielt der Direktor der Bibliothek, Focke.

Parlamentarisches.

Reichstag.

Berlin, 14. November.

Am Donnerstag sprachen die Herren nicht weniger als zehn Stunden, so lange, bis Präsident Graf Ballestrem unter großer Heiterkeit des ganzen HauseS verkündete, daß noch einer Meldung der Hausver­waltung die elektrische Beleuchtung nicht mehr länger ausreichen werde. Wie lange wird es heute gehen, fragte man sich zu Beginn der Freitagsitzung, in der zunächst die Tags vorher begonnene Beratung deS Antrages Aichbickler iZtr.) auf Vereinfachung der namentlichen Abstimmungen fortgesetzt wurde. Abg. v. Normann skonf.s beantragte Uebergang zur Tages­ordnung über die vorliegenden 21 sozialdemokratischen Unteranträqe, die Abg. v. Tiedemann (frkonfs alS eine Verhöhnung der Mehrheit bezeichnete. Während dieser Rede herrschte bei den Sozialdemokraten die größte Unruhe. Abg. Südekum (Soz) erwiderte, seine Partei fürchte den Kampf nicht. Der Donnerstag sei, man könne darauf einen Hosenknopf gegen ein Zwanzigmarkstück wetten, eine Blamage für die Mehr­heit gewesen. Hierauf wurde der Antrag Norman» mit 194 Stimmen angenommen, ein neuer sozial­demokratischer auf Uebergang zur Tagesordnung üb«