mit dem KreisbLatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.
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Marburg
Sonntag, 9. November 1902.
Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertage». Sonnabends in Morgen- und Abend-AuSgabe.
Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
37. Jahrg.
Zweites Blatt.
Umschau.
Der Antrag auf Abänderung der Geschäftsordnung des Reichstags.
Der von Mitgliedern des Zentrums, der Konservativen, der Reichspartei und der Anti- femtten gestellte Antrag auf Abänderung der Geschäftsordnung liegt nunmehr als Antrag Aichbichler und Gen. im Wortlaut vor und besagt:
§ 58 der Geschäftsordnung soll also gefaßt werden: Die namentliche Abstimmung erfolgt in folgender Weise: Der Präsident fordert die Mitglieder auf, ihre Plätze einzunehmen. Die Schriftführer haben alsdann von den einzelnen Mitgliedern die Abstimmungskarten entgegenzunehmen und in Urnen zu sammeln. Die Abstimmungskarten tragen den Namen des Abstimmenden und die Bezeichnung , »Ja, Nein", oder »Enthalte mich". Nach Beendigung der Sammlung erklärt der Präsident die Abstimmung für geschloffen. Die Zählung der Stimmen geschieht durch die Schriftführer. Die Namen der Abstimmenden und ihre Abstimmung werden in den stenographischen Bericht der Sitzung ausgenommen.
Der 8 59 soll dementsprechend redaktionell dahin geändert werden, daß statt „durch Namensaufruf erfolgten Abstimmungen" gesetzt wird »namentlichen Abstimmungen". Der Antrag trägt bis jetzt 146 Unterschriften. Ob noch weitergehende Abänderungsvorschläge zu erwarten find, steht zur Zeit noch nicht fest. Es fehlt an solchen natürlich nicht.
„Was uns not tut."
Der „Hamburgische Korrespondent", der bisher in schroffer Opposition zur Zolltarifvorlage stand, schreibt neuerdings unter der vorstehenden Ueberschrist:
„Was uns sehr nötig erscheint, was in dem Wirrwarr unverrückt bleiben muß, das ist das Beharren auf dem Standpunkt der Handelsverträge — nicht der Verträge schlechtweg, denn es kann Abmachungen geben, die einer hohlen Nuß gleichen, sondern langfristiger und günstiger Verträge, die unserer Industrie lehnenden Absatz, unserem Handel Sicherheit und Bewegungsfreiheit, unserer Landwirtschaft Befferung und Hilfe verheißen. Diesen festen Grundakkord mitten in den Dissonanzen angeschlagen zu haben, ist das Verdienst des Handelsvertragsvereins, und wir hoffen, daß er von nun ab das beherrschende Leitmotiv in der handelspolitischen Situation wird."
Danach scheint der „Handelsvertragsverein" eingesehen zu haben, daß er sich mit dem Einstimmen in das sozialdemokratische Brotwuchergeschrei in» eigene Fleisch schneidet. Ob diese Umkehr nicht zu spät kommt, muß freilich erst die Zukunft zeigen. Bis jetzt machen die
Eine Vormstruttion.
Von Freiherr von Wangenher«.
(Schluß.)
„Zu Befehl, Herr Oberleutnant, schon vor einer Stunde, unmittelbar nachdem mich der Herr Hauvtmau» benachrichtigt hatte, habe ich überall ansageu lassen, daß um 11 Uhr Vorinstruktion der alten Mannschaften vor dem Herm Oberst sei. Als Uniform habe ich vierten Tuchanzug befohlen, der ist in gutem Zustande, denn ich habe ihn gestern schon — als ob ich alles gewußt hätte! — in Stand setzen lassen. Und jetzt putzen die Leut« auch schon seit fast einer Stunde daran unter Aufsicht der Unteroffiziere. Aber was wird es helfen, wenn der Herr Oberst etwas finde» will, um eine Ausstellung ,u mach«, da findet er doch was, und wenn ich gleich am Anzuge putz« und reinigen Lasse, bis dir Kirsch« blühen!"
„Das wird wahrscheinlich richtig sein! Doch, was ich sagen wollte, Feldwebel, find vielleicht welche von dm alt« Mannschaften abkommandiert oder krank im Lazarett?"
„Ach, Herr Oberleutnant, das iftS ja ebm! Halt' ich uur vorher eine Ahnung gehabt, so hätte ich schon die paar Dümmsten irgendwo untergebracht! Aber jetzt ist das nicht «ehr zu machen, denn wenn dem Herm Oberst Leute als krank oder abkommandiert gemeldet werde», läßt er sich immer gleich die Bücher vorlegm, um zu sehen, von welchem Tage die betreffend« Eintragung datiert. Der Herr Ob«st find zu rnrßttanisch!"
„Also damit wäre «S nischt!"
„Rä!" antwortete kläglich der Feldwebü. — „Wenn wir wenigstens nur den „SchabowSki" versteck« könnt« . . .!"
Der Musketier SchabowSki war nämlich der anerkannt dümmste Mann in der Kompagnie. Er war ein echter Wasserpolack aus der Konitzer Gegend uuo konnte, als mau fbn vor Jahresfrist in die Kompagnie cinstelltc, auch nicht «in einziges Wort Deutsch. Sämtlich« erdmkbaren Unterrichtsmethoden waren von den bewähttestea Instrukteur« a» ihm erprobt worden, aber ohne jeden uur einigermaßen erwähnenswert« Erfolg. Die Kommandos hatte er mit
parlamentarischen Vertreter des Handelsvertragsvereins keine Miene, eine positive Stellung einzunehmen. Wer könnte das auch von Ob- struktionisten wie Barth und Gothein erwarten!
Gerüchte!
Der londoner „Standard" meldet, die Gouverneure der deutschen Kolonien in Süd- aftika seien vertraulich angewiesen worden, die Einwanderung von Buren in die deutschen Kolonien zu verhindern, da die Buren als ein sehr gefährliches Element anzusehen seien, aus dessen Ansiedelung sich in Zukunft Schwierigkeiten ergeben könnten! — Wir können einstweilen nicht glauben, daß diese Nachricht des gen. londoner Blattes zutrifft. Ist doch von deutscher Regierungsstelle wiederholt erklärt worden, daß die Buren, falls sie sich naturalisieren ließen, gerade ein sehr wertvoller Faktor für die gedeihliche Entwickelung unserer Kolonien sein würden. Es bleibt daher auch die Bestätigung der anderen Meldung abzuwarten, daß die deutsche Regierung bereits ein Gesuch von 30 Burenfamilien um Niederlassung in Deutsch - Südwestafrika zurückgewiesen habe. Die „Dtsch. Tageszeitung" knüpft an diese Angaben den Ausdruck der Befürchtung, unsere Kolonie könnte an England verloren gehen. Sie hielt eine schleunige Aufklärung darüber für erwünscht, ob unsere Regierung Deutsch - Südwestafrika noch als für immer zu Deutschland gehörig, der nunmehr als Compensations- object für eine etwa zu gewinnende englische Freundschaft betrachtet. Von dem im Januar 1898 abgeschlossenen noch geheim gehaltenen Eventualvertrage zwischen Deutschland und England will die „Königsberger Hart. Zeitung" wissen, daß im Falle drängender Finanznöte Portugals England und Deutschland vereint ein Darlehen bieten sollten, wofür sie dann bestimmte Gebiete der portugiesischen Besitzungen in Südafrika als Sicherheitspfand erhalten sollten. Auch hier handelt es sich aber wohl nur um wage Kombinationen, die der tatsächlichen Unterlage entbehren.
Aus dem Kreise Marburg.
Marburg, 8. November.
Dem vor einigen Wochen erschienenen Vcr- waltungsbericht des Kreisausschufses des Kreises Marburg über die Verwaltung und den Stand der KreiS-Kommunalangelegenheiten im Jahre 1901 entnehmen wir folgendes: Es gibt im ganzen Kreise 6984 bewohnte Häuser, davon entfallen auf die Stadt Marburg 1328, aus Wetter 202 und auf die Landgemeinden 5454; unbewohnt find in Marburg 41, in den Landgemeinden 58 Häuser. Haushaltungen wurden gezählt im Kreise 3698, davon in Marburg 3425, in Wetter 279 und in den Landgemeinden 3698. Anstalten waren vorhanden in Marburg 56, in Wetter 1 und in den Landgemeinden
der Zett gelernt, a»Ä die Ausdrücke für „Geld, effen, trink« und ähnliche materielle Sorgen" beherrschte er leidlich. aber damtt war auch die Aufnahmefähigkeit seines Ge- hirnS erschöpft. Als man ihm dann nach unendlicber Mühe noch auf die Frage: „Wer kommandiert unser Regiment?" die Antwort: „der Herr Oberst von Trcx" cin- gebläut hatte, damit SchabowSki wmigstens dem Zivil gegenüber diese nach milttärffchen Begriffen hochwichttge Antwort geb« könne, hatte man fich allgemein mit dem erreichten Resultat zufried« gegeben und war sttllschweigend dahin überriogekommen, bat Musketier SchabowSki bei Besichtigungen, Vorinstruktionen und der- gleichm in die Mannschaftsküche oder zu sonst einer nutzbringend« Beschäftigung abzukommandier«, bei der er durch seine Dummheit d« guten Eirsi>rnck, den mut einmal die besichtigte Truppt hiuterlaffen muß, nicht weiter trüb« konnte. Diesmal aber hatte niemand an dergleich« gedacht und der Feldwebel hatte fich bei Erwähnung deS Namms „Schabowsü" schon auf ein kräftiges Donnerwetter ans dem Munde des Oberleutnant gefaßt gemacht. Ader es folgte nichts dergleichen.
„Hm! Der SchabowSki! Ganz recht! Dm möchte ich grade heute nicht entbehren. UebrigmS glaube ich, daß cS Zett ist, um die Leute zur Jnstmktton cmtretm zu laffen!"
„Zu Befehl! R—R—R—R—R—austreten zur Instruktion!" — schallte es langgczogm aus dem Munde des Feldwebels durch dm Korridor, und im Nu stürzt« aus bat Türen der Manuschastsftnbm polternd die Soldat« hervor und eiltm nach dem Justruktionssaale.
Dorthin begab sich mit ihnen zugleich der Offizier in Begleitung deS Feldwebels, ließ sich von den Unteroffizieren die Anzahl der zur Stelle befindlichen Leute angeben und begann, während die niedriger« Chargen nochmals den Anzug einer eingehenden Besichtigung unterzogen, die Abteilung zur Jnstruktton so aufzustellen, wie eS ihm zweckentsprechend erschi«. Kaum war er damit zu Ende, als auch schon der am Fenster als Ausguck versteckt aufgestellte Schnarr- Posten ihm daS Nahm be8 Oberst« mit seiner Sutte verkündigte.
71. Die Bevölkerungsziffer stellte fich wie folgt: Gesamtzahl 49 918, davon entfallen auf die Stadt Marburg 17531, auf Wetter 1162, auf die Landgemeinden 31080. Männliche Einwohner waren davon 5659 in Marburg, 530 in Wetter, 14 662 im Kreise, zusammen 23 926. Weibliche Einwohner waren 8872 in Marburg, 279 in Wetter, 6026 in den Landgemeinden, zusammen 25 992. Attive Militärpersonen zählte man 675. Die Religionsver- hältniffe find wie folgt: Evangelische 45 554 im Kreise, davon 15109 in Marburg, 1066 in Wetter, 22 245 in den Landgemeinden. Katholische 2978 im Kreise, 1789 in Marburg, 16 in Wetter, 1162 in den Landgemeinden. Andere Christen 640 im Kreise, darunter 240 in Marburg, 2 in Wetter, 398 in den Landgemeinden. Juden 735 im Kreise, darunter 382 in Marburg, 78 in Wetter, 275 in den Landgemeinden. Sonstige Religionen 11.
Der Kreis besitzt an Kapitalvermögen 153 390,36 Mark. Die KreiS-Kommunalkaffen- rechnung für 1901 schließt ab in Einnahme mit 145 719,69 Mk., in Ausgabe mit 137097,20 Mark, Bestand 8622,49 Mk. Der Kreishaushaltsvoranschlag für 1902 schließt mit 164968 Mark ab.
Im vergangenen Jahre traten an vielen Orten des Kreises Influenza, Masern und Diphtheritis aus. An hilfsbedürftigen Kranken sind 35 männliche und 36 weibliche Personen in Anstalten untergebracht. An Pflegekosten wurden vom Kreise 16 047 Mk. dafür bezahlt und hiervon 5222 Mk. von den Armenverbänden zuräckerstattet.
Jntereffant ist die Statistik über die Vieh- und Fleischbeschau:
So wurden im Schlachthause zu Marburg 1434 Ochsen und Bullen, 1545 Kühe und Rinder, 5035 Kälber unter 6 Wochen, 1095 Schafe und Hämmel, 24 Zie-en, 6943 Schweine und 1 Spanferkel geschlachtet. Tuberkulös waren davon 146 Stück Rindvieh und 24 Schweine. Als zur menschlichen Nahrung ungeeignet wurden 13 Stück Rindvieh und 8 Schweine verworfen. Im Schlachthause zu Wetter wurden 63 Bullen und Stiere, 161 Kühe und Rinder, 111 Kälber, 61 Schafe, 8 Ziegen und 262 Schweine geschlachtet.
Von den 105 Trichinenbesch auern find im Jahre 1901 untersucht 17 844 Schweine, davon waren trichinös 1, finnig 3.
Zum Titel Feuerlöschwesen ist bemerkenswert, daß die Brandversicherungsbeiträge der Stadt Marburg 45129 Mk. betrugen und 566 Mk. für Brandentschädigungen ausgezahft wurden. Die Landgemeinde inkl. der Stadt Wetter brachten 75 341 Mk. Brandsteuer auf und erhielten 29 855 Mk. für Brandentschädigungen ausbezahlt.
Der Kreiskrankenkaffe gehörten am Schluffe deS Jahres 1901 an 690 Mitglieder gegen 615 im Vorjahre und 572 in 1899 an.
An Beiträgen waren von den 4566 land- und forstwirtschaftlichen Betriebsunternehmen
„Die Unteroffiziere vor dem rechten Flügel — richf Euch!"
Auf dem Korridore raffeln Säbel und tramvelnde und klirrende Schritte nähe« sich rasch.
„Stillgestanden! richt' Euch! Augen gerade—aus!" Der Oberst tritt ein.
„Aug« rechts!" — Der Oberleutnant nimmt den Säbel vorschriftsmäßig und meldet: „7 Unteroffiziere und 72 Mann zur Instruktion angetretm!"
„Ich danke Ihn«, Herr Oberleutnant von Sä ki, laff« Sie die Unteroffiziere wegtreten und die lu..^« rühr«!"
„Augen gerade—ans! Unteroffiziere tretet — weg! Rührt Euch!"
„Herr von Schirowski, Sie wiffm ja, wie ich die Instruktion gehandhabt haben will. Neimen Stt bei jeder Frage zuerst den Nam« des Mannes und laffen Sie fich in ordenttichen Sätzen laut antwort«! — Und mm beginnen Sie!"
„Zu Befthll" —
„Müller, welche Bezeichnung führt dtt Schietzoaffe, mit der Sie ausgerüstet find?"
„Die Schießwaffe heißt Jnfauterie-Gewchr M. 88!"
„Meyer, was brauch« Sie weiter, um mit dem Gewehr schieß« zu körnten?"
„Ich brauche Patron«!"
„Schmidt, aus welchen Teilen besteht eine scharfe Patrone?"
Die Antwort erfolgt laut n»d prompt tote dtt früheren.
„Janssen, ist das Pulver noch dasselbe, wie zur Zett des Krieges von 1870?"
„Nein, damals waren bit Patronen mit Schwarzpulver gefüllt, während sie jetzt Gewehrplättchen- pnlver mthalten!"
Der nächste Mann ist SchabowSki. Di« Angst steht ihm deuüich auf dem Gefichte grschricbm und mtt auf- geriffenen Augen starrt er den instruierend« Offizier an, der jetzt gerade vor ihm steht.
„SchabowSki, wer Hai das Schwarzpulver erfunden?"
für die landwirtschaftliche Berufsgenoffenschast im Jahr 1901 42831 Mk. aufzubringen.
Bei den Standesämtern wurden 842 männliche und 759 weibliche Geburten angemeldet; davon entfallen auf Marburg zusammen 698, auf Wetter 86 und auf die Landgemeinden 817.
Bon den Schulverbänden waren zu zahlen zur Alterszulagenkaffe 24 871 Mk., zur Ruhe- gehaltskaffe 18030 Mk. und zur Lehrer-Witwen» und Waisenkaffe 495 Mk.
Ländliche Fortbildungsschulen bestanden 17 im Kreise mit 238 Schülern.
Das Steuersoll im Kreise betrug in 1901 zusammen 410 516 Mk., dazu 66309 Mk. Ergänzungssteuer — 476825 Mk.
An Kreissteuern wurden nach einem kommunalabgabenpflichtigen Steuersoll von 359049 Mk. 6 % = 21542 Mk erhoben.
Der Bericht enthält ferner die von unS früher schon in ausführlicher Weise behandelten Ergebniffe der Vieh- und Obstbaumzahlung in 1900 und den Voranschlag über die Einnahmen und Ausgaben für das Rechnungsjahr 1902.
Hessen-Nassau und Nachbargebiete
* Schrecksbach, 7. Nov. Gestern brannte im sog. „Waldhof" eine gefüllte Scheune nieder.
Gemünden, 5. Nov. In vergangener Nacht wurden dem Landwirt Christ in Schiffel- bach ein neues Pferdegeschirr, Putzgeschirr und noch verschiedene andere Gegenstände gestohlen. Zigeuner, welche den Ort passierten, waren deS Diebstahls verdächtig, und man setzte ihnen nach, doch konnte nichts bei ihnen gefunden werden.
Elsoff, 6. Nov. In der Nacht vorn 5. auf den 6. d. Mts. ist das dem Georg Bätzel im Wolpfad gehörige Haus niedergebrannt.
Laasphe, 7. Nov. Der bisherige kom- miffarijche Oberlandmesser Herr Skrodzki hier- selbst ist zum König!. Oberlandmeffer ernannt worden.
Fulda, 6. November. Die hiesigen Stadtverordneten haben mit 17 gegen 10 Stimmen den Erlaß eines Ortsstatuts betreffend die Einführung der Prüfung der Bedürfnisfrage bei Errichtungen von Wirtschaften abgelehnt.
RiUtklU, 6. Nov. Hier wurde das nach dem Muster anderer hessischer Städte für unsere Lehrlinge eingerichtete „Lehrlingsheim" eröffnet. Die Stadt hat den kleinen Rathaussaal zur Verfügung gestellt und Geldmittel zur Beschaffung von Spielen und insbesondere einer Bibliothek gegeben.
Vermischtes
Schwere Brrurtriluvg von Motorjahrrr». Der „Daily Mail" wird nach dem „Hann. C." aus New Jork telegraphiert, daß man dort energisch gegen das zu schnelle Fahren der Motorwagen einschreitet. Bisher beschränkte man sich darauf, schwere Geldstrafen zu verhängen. Jetzt ist aber ein wohlhabender Motorfahrer zu 6
Das Gesicht des Pol« nimmt einen unbeschreiblich geistloi« Ausdruck an. Er fängt an zu würgen und zu drücken, die Lippen bewegen sich auf und nieder, aber ein Ton kommt nicht zum Vorschein. Dem Oberst fällt dies Gcbabren auf, er hast es für Angst, die den Musketier beim Anblick des gefürchteten nnd selten gesehenen Vorgesetzte» erfaßt hat. Er tritt deshalb an ihn heran, klopft ihn lent- selig auf die Schulter und wiederholt seinerseits die Frage:
„Nun, Schadowski, nur nicht ängstlich; „wer hat also das Pulver erfunden?"
Ein« Augenblick läßt der Mann feine Blicke zwischen dem Oberst und seinem Jnsttuktionsosfizier umherschweis«. Damt schreit er dem Oberst ins Gesicht:
„Der Herr Oberst von Trex!"
Nun ists heraus und SchabowSki atmet sichtlich auf. Der Oberst aber ist einen Schritt zurückgeprallt und starrt bm Musketier sprachlos an. Aber ehe er noch eine Antwort fhtben kann, ertönt ruhig und gleichmäßig die Stimme deS Oberleutnants von Schirowski neben ihm:
„Nein, SchabowSki, der HerrOberst hat das Pulver nicht erfunden!"
Das ist zu viel für den mühsam aufrecht erhalten« @rnft der den Oberst begleüend« Offiziere. Ein paar SeutnantS, die nach alter, bewährter Gewohnheit fich im Hintergründe gehalten hab«, verschwind« blitzschnell hinter ihr« Sorberleuten, ein Hauptmann fängt sogar an so schrecklich zu hust«, daß ihn ein anderer schnell in d« Rücken klopf« muß. Der Oberst aber ist starr und nut seine Ang« verrat« noch Leben. Doch hier galt eS wohlweislich pute Mene zum bös« Spiel zu mach«
„Meine Hern»", redete er deshalb feine Offiziere so ruhig wie möglich an, „ich weiß nicht, wie man über die Dummheit eines Marnies lach« kann; Sie sollte» lieber weinen! Für eine wettere Fortsetzung der Instruktion danke ich; ich habe gerade genug gehört."
Damtt griff der Oberst kurz nach der Mütze und ver» lttß, ohne von dem Offizierkorps weiter Nottz zu nehmen da? Zimmer und die Kaserne. — Eine halbe Stunde später war er abgereift