mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und
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Kirchhain.
Tonntagsbeil-,e: Illnftrirtes S-nnl-KSblatt.
JK 280
Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 ML, bei allen Postämtern 2,25 ML (excl. Bestellgelds
JnsertiouSgebühr: die gefpaltme Zeile oder deren Ramn 10 Pfg.
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Marburg
Freitag, 7. November 1902.
Erscheint tägllch außer an Sonn- und Feiertag«. Sonnabends in Morgen- und Wend-Ausgabe.
Druck imb Verlag: Joch. Aug. Koch, llniverfitatS-Bnchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
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Wien.
Es giebt Herrschersorgen, von denen nie die Rede sein darf, wenn aus den Sorgen nicht Latsachen erwachsen sollen! Das galt in früheren Zeiten als eine unbedingte Notwendigkeit, aber mit den Jahren hat sich auch hierin vieles geändert, und Verhältnisse werden heute aus den intimen Räumen fürstlicher Hofhaltungen in die Zeitungsspalten gezogen, die früher über jede Erörterung erhaben waren. Es sei nur an den bekannten Gegensatz zwischen König Leopold von Belgien und seiner Tochter Stephanie, Gräfin Lonyah, erinnert, der sehr peinliches Aufsehen erregt hat. So ist es denn auch wohl kaum zu bezweifeln, daß die politische Harmonie, die heute noch die habsburgische Monarchie mit Deutschland und Italien verbin- et, zum Mindesten eine etwas andere Austastung bei dem Erzherzog Franz Ferdinand, dem Thronfolger, findet, wie bei seinem Oheim, dem regierenden Kaiser Franz Joseph. Der greise Herr, der ein so überaus treuer Freund Deutschlands ist, hat in seinem langen Leben zu Vieles und zu Schweres erfahren, als daß er sich irgend welchen Täuschungen über allerlei Möglichkeiten hingeben sollte. Daß sein einziger Sohn, Kronprinz Rudolph, so früh starb, ist von dem Kaiser wohl nie schwerer empfunden, wie jetzt, wo er sich im höheren Greisenalter befindet und trotz aller persönlichen Rüstigkeit doch damit rechnen muß, in absehbarer Zeit der Natur seinen letzten Tribut zu zollen.
Es waren letzthin aus Wien wieder einmal allerlei Klatschgeschichten über die Beziehungen des österreichischen Thronfolgers zum deutschen Kronprinzen verbreitet, die sofort für unbegründet erklärt find. Von solchen Zwischen- trägereien, selbst wenn ihnen einmal ein leises Körnchen Wahrheit anhaften sollte, hängen Wohl und Wehe der Staaten nicht ab, es kommt aus den Charakter der Monarchen an und auf die Freundwilligkeit der Regierungen und der Völker. ' Aber damit könnte es eben in Zukunft etwas hapern, und wenn dies von Wien aus von geschäftigen Federn bestrftten wird, so beweist das noch nichts. Ueber die Tragödie des Kronprinzen Rudolph wurden schon mehrere Wochen vor der Katastrophe ganz bestimmte Andeutungen in den Zeitungen laut, deren Zuverlässigkeit mit sehr derben Worten abgefertigt wurde. Und hinterher stimmte es dann doch. Wir behaupten auch nicht, daß der künftige österreichische Kaiser und seine Regierung einmal Gegner Deutschlands sein würden, wir befürchten nur die Möglichkeit einer Aenderung der Austastung.
So hoch wir das Bündnis mit Oesterreich- Ungarn halten, es wäre doch mehr wie fraglich gewesen, ob es zustande gekommen wäre, wenn nicht die großen Staatsmänner Bismarck und Andrasth die Fäden klug geschlungen und in
35 (Rachdruck verboten.)
Verspielt.
Roman von F. ArnefeldL
(Fortsetzung.)
.Tagelang brachte Ihr Vater brütend in {einem Zimmer zu", fuhr Hartung fort, „oder rrte im Waide umher; mehrmals war erbraus und dran, sich selbst anzugeben, mit Gewalt habe ich ihn davon zurückgehalten. Um die Bewirtschaftung des Gutes kümmerte er sich gar nicht, er hatte alles in meine Hände gelegt."
„Und hat dies durch sein Testament auch für den Fall feines Todes getan", fügte Alice nicht ohne Bitterkeit hinzu, Hartung schien das aber nicht zu beachten, sondern entgegnete mit Salbung:
„Herrn von Rohr wußte, daß er keinen teueren Freund und Diener besaß; außer seinem geschriebenen Testament hat er mich auch zum Vollstrecker eineS^mündlichen gemacht, und ich habe mich dieses AufttageS soeben entledigt. Ich kllte seiner Tochter an dem Tage, wo sie den Besitz von Wiesenberg faktisch antreten würde, von seinen Verwirrungen und von seiner bitteren Reue und Buße erzählen."
„Damit ich sühnen soll, soweit dies möglich ist!" sagte Alice von Rohr, sich erhebend. „So hören sie an, Herr Oberverwalter, was ich meiner Mutter versprochen habe, als sie mir die traurige Geschichte erzählt hat, was ich mir selbst gelobt habe.
Wiesenberg ist alter Rohr'scher Besitz, das Gut würde durch Erbgang an uns gefallen sein, wenn mein Onkel kinderlos eines natür-
dem Kaiser Franz Josef euren geprüften und darum vourtmlsfreien Regenten gefunden hätten. Denn e« giebt auch heute noch einen einflußreichen Kreis in Wien, der von der engen Bundesfreundfchaft mit dem Deutschen Reiche keineswegs so erbaut ist, wenn er auch die Notwendigkeit dieses Bundes nicht verkennen kann. Das Wort „der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe" findet hier seine volle Anwendung. Wir sagen nicht, daß der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand diesem Kreise zugehört, aber klar ist für jeden, der sehen will, daß er persönlicher Stimmung vor der politischen Notwendigkett zuweilen den Vorzug giebt. Diese persönliche Stimmung ist gewiß der Ausfluß gerechter Ueberzeugung, aber ein Monarch, auch ein Thronfolger dürfen sich nicht immer gestalten, was ihrer Neigung entspringt. Es kann heute niemand behauptest, daß die Gräfin Chotek, die Gemahlin des Erzherzogs, auf diesen einen unerwünschten politischen Einfluß ausüben könnte, erst recht aber kann niemand anführen, daß die Gemahlin des Thronfolgers, wie dessen Umgebung sich durch die Erkenntnis der klaren politischen Notwendigkeit auszeichnen. Und daß bei der so verschiedenattigen Zusammensetzung der habsburgischen Monarchie hinsichtlich der Nattonaliiät der Bevölkerung nicht einmütige Freundschaft für Deutschland besteht, weiß man heute sicher.
ES steht in Wien mit Bezug auf die Zukunft heute nicht alles mehr so, wie es wohl sein sollte. Es liegt kein erheblicher Grund zur Besorgnis vor, es ist keine dirette Gefahr in Aussicht zu nehmen, aber die deutsch-österreichischen Beziehungen sind lange Jahre so überaus Herzlich gewesen, daß wir mit stiller Wehmut nur daran denken können, wie andere TStiTErr neue öltiHIUuTiyeit vTlngVIT vuTjicn.
ist keine Garantie dafür gegeben, daß die alten, sicheren Geleise unbedingt innegehalten werden, wir haben seit Fürst Bismarck's Rücktritt aus seinem Dienst zum Wohle des europäischen Friedens schon so manche Aenderungen und Schwenkungen gesehen, daß man über keine Neuerung mehr erstaunt sein kann. Die Diplomatie der neuesten Zeit bietet manches effektvolle Bild, aber es fehlt ihr der charakteristische Zug des gegenseittgen Vettrauens, der in den Tagen des Fürsten Bisv arck der hervorragende war. Heute kommen schon Sonder- Jntereffen und Heimlichkeiten in Betracht, Tatsachen, die an sich nichts Auffälliges darstellen, die aber bedenklich werden, wenn man das Heute mit dem Früher vergleicht.
Umschau.
Die Aussichten der Zollvorlage.
Mft den Aussichten der Zollvorlage beschäftigen sich die Blätter sämtlicher Patteien begreiflicherweise fottgesetzt in eingehendster
lichen Todes gestorben wäre, ich darf mich seiner nicht entäußern, sondern will es behalten und bewirtschaften, so gut ich vermag. Anders ist es aber mit dem großen Baarvermögen, das der Onkel hinterlassen hat und das sich noch sehr bedeutend vermehrt haben muß, da meine Mutter nie einen Pfennig von deffen Zinsen oder von den Einkünften Wiesenbergs genommen hat. Ich werde von diesem Kapital nichts anrühren; es soll ganz und gar für milde Stiftungen verwendet werden. Ich gedenke, ein Waisenhaus zu bauen und —"
„Meinen Sie wirklich, mein Fräulein in dieser Weise mit mir umspringen zu können?" unterbrach sie hier mit lauter zorniger Stimme der Oberverwalter, und mit Staunen und Schrecken gewahrte Alice, welche Veränderung mit dem Manne vorgegangen war, der sich ihr bis jetzt immer nur bescheiden als ergebener Diener genähett hatte. Hoch aufgerichtet mit verschränkten Armen stand er vor ihr, sein Gesicht war düster und drohend, er gemahnte Alice an ein Bild des Luzifer, das sie kürzlich in einer Ausstellung gesehen hatte. Sie wollen mich bei Seite schieben," fuhr er fort. „Sie denken, der Mohr hat seine Arbeit nun getan, der Dtohr kann gehen. Sie dürsten sich verrechnet haben, meine Gnädigste. Ich bin nicht nur der Verwalter Ihres Vermögens! Ich bin Mitbesitzer."
„Herr Hartung!"
Er winkte ihr mit der Hand schr gebieterisch zu nnd sprach weiter: Ich bin Mitbesitzer durch die Wahrung des Geheimniffes. Bedenken Sie, daß die Ehre des Stammes Rohr, die Ihnen so viel gilt, daß das Andenken ihres Vaters
Weise. Während die „Kreuz-Ztg." in ihrer jüngsten Ausgabe alle Mitteilungen über ei« mögliches Umfallen der Mehrheitspcvcteien zu Gunsten der Regierungsvorlage als völlig grundlos bezeichnet, bestehen nach einer Zuschrift des „B. T." Verhandlungen und Erwägungen nach der Richtung hin fort, daß, die Verb. Regierungen die Minimalzölle in ihrer Vorlage ganz fallen laffen und dafür die Getreide- und Diehzölle im autonomen Tarif erhöhen. Ob diese Angaben über die Basis einer Verständigung richtig find, wiffen wir nicht und wollen wir noch weniger hoffen. Denn dadurch würde jeder Schutz der Landwirtschaft illusorisch werden. Daß aber das Zentrum nach wie vor eifrig bemüht ist, eine Forderung nach der anderen der Regierung zuliebe fallen zu laffen, ist eine nicht mehr bestreitbare Tatsache. Aber auch die Konservattven find nach wie vor zu einer Verständigung mit der Regierung bereit und wünschen den Zolltarif rasch zu erledigen. Dagegen können sie unter keinen Umständen auf den geringen Zollschutz für die Landwirtschaft und Gärtnerei verzichten, auf den sie sich mit dem Zentrum in den sogen. Kompromißbeschlüssen geeinigt haben. Aber bei der Geringfügigkeit der Aenderung, die dadurch an der Zolltarifvorlage bewirkt werden müßte, wäre es nicht zu verstehen, wie die Regierung deswegen sich der Unterstützung der Mehrheitsparteien für ihre Vorlage nicht bedienen und ihr damft ein sicheres Ende zum Schaden unseres gesamten Wirtschaftslebens bereiten wollte. Denn ohne das energischste Eintreten der Mehrheit für die Vorlage ist bei der sich täglich stärker bemerkbar machenden Obstruktion der Linken an eine Erledigung des Entwurfs vor den Neuwahlen nicht -zu-denken. Nur durch rücksichtslosen Gebrauch ihrer Macht kann die Majorität der Zolltarifvorlage noch zur Annahme verhelfen. Und deshalb ist keine Zeit zu verlieren, daß, bei der zweifellosen Bereitwilligkeit der Rechten und des Zentrums zur Verständigung, auch die Regierung schnell die Hand ergreift, die ihr geboten wird.
Erlaß der Minister für Landwirtschaft und für Handel und Gewerbe betr. Wagen in landwirtschaftlichen Betrieben.
Die Minister für Landwirtschaft sowie für Handel und Gewerbe haben an die Regierungspräsidenten folgende Verfügung betreffs Wagen in landwirtschaftlichen Betrieben erlassen:
Die infolge unseres Erlasses vom 3. Oktober 1900 angestellten Ermittelungen, betreffend die größeren in landwirtschaftlichen Bettteben benutzten Wagen, haben ergeben, daß die Klagen des Deutschen Fleischerverbandes über den mangelhaften Zustand dieser Wägemittel berechtigt erscheinen. Mehr als die Hälfte der
auf meinen Lippen ruht. Ein Wort von mir und er ist gebrandmark und sie mit ihm —"
„Herr Hartung —"
Er ließ sie nicht sprechen, sondern fetzte hinzu: „Ich werde dieses Wort sprechen, ..fern Sie nicht tun, was ich Ihnen vorschreibe. Doch hören Sie was ich Ihnen weiter zu sagen habe."
Die letzten Worte wurden mit der bezeichnenden Handbewegung und in leichterem Tone gesprochen, klangen aber noch schneidend genug. Alice gehorchte ihnen, weil ihre physische Kräfte versagten, die Beine trugen sie nicht mehr, sie sank in den Stuhl zurück. Hartung, der inzwischen Bücher und Rechnungsbündel herbeigefchleppt hatte, sagte mit einem grimmigen Lächeln: Ich habe mich als Mitbesitzer betrachtet und die gesamten Einkünfte Wie^nbergS, wie die Zinsen Ihres Vermögens verbraucht, ja von dem letzteren auch noch etwas mit aufgehen laffen. Wozu ich dieses Geld bedurfte, geht Sie nichts an, das ist meine Sache. Genug, ich habe bisher mit Ihrem sogenannten Eigentum geschaltet, wie es mir beliebte, und werde das auch ferner tun. Gehen Sie hin und klagen Eie mich an als ungetreuen Haushalter; verweigern Sie die Unterschrift unter diesen Vertrag durch den Sie mich in allen Rechten, die ich Ihrem Vater und durch deffen Testament besessen habe, bestätigen, wagen Sie es, in die Verwaltung Wiesenbergs einzugreifen oder gar über die von Ihrem Onkel ererbten Millionen in Ihrer überspannten Weise verfügen zu wollen, so mögen Sie sich selbst zuschreiben, was daraus entsteht."
6ine lange Pause entstand nach diesen Worten» Hartung wartete nicht unähnlich einer
bisher den laufenden Revisionen nicht unter» worfenen Waagen wurden unrichtig befunden. Die Gewichte tonnten nur in wenigen Fällen nachgeprüft werden; in diesen erwiesen sich erbet nur 13 pCt. als richtig und vorschriftsmäßig. Die Befunde der Waagen- und GewichtSrevifiou zusammengenommen, ergeben demnach ein sehr ungünstiges Bild von der Zuverlässigkeit da Wägemittel in landwirtschaftlichen Betrieben, soweit sie bisher den laufenden Revisionen nicht unterworfen wurden. Es besteht kein Zweifel darüber, daß, sofern Landwirte im Sinne be8 § 369 des Strafgesetzbuches als Gewerbetreibende angesehen werden, tote es neuerdings die Erkenntnisse mehrerer Oberlandesgerichte tun, schon der Besitz unrichtiger Wägemittel strafbar ift Wenn zwar Jein öffentliches Interesse vorliegt, diesem Grundsätze durch Verwaltungs-Maßnahmen auch in Fällen Geltung zu verschaffe«, wo die Wagen tatsächlich ausschließlich dem inneren Betriebe der Landwirtschaft dienen, so erheischt esandererfeftsdaS Interesse des Verkehrs, daß die Wagen, beten Wägungsergebnisse irgendwie für den Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten oder von Vieh benutzt werden, den durch § 68 der Aich» ordnung vorgeschriebenen Nachprüfungen oder den technisch polizeilichen Revisionen unterzogen werden und gegen Besitzer, die sich der Prüfung widersetzen, unnachsichtlich mit polizeiliche« Zwangsmitteln vorgegangen wird. Sie wollen uamenrlich in den Fällen, in denen die größeren Wagen der Landwirte von 2000 kg Tragfähigkeit und mehr angeblich nur dem inneren Verkehr dienen, eingehend prüfen, ob diese An» gaben zutreffen und überall, wo eine auch nur geringe Benutzung im öffentlichen Verkehr statt» findet, die Nachrevifion durchführen.
Deutsches Reich
Berlin, 6. November.
— Reichskonnnifsar Lewald reist am brütige« Donnerstag nach Nordamerika, um die Vorbereitungen für die Beteiligung Deutschlands an der Weltausstellung in St. Louis zu treffen
— König Georg von Sachsen, besucht in diesen Tagen, zum ersten Male nach seinem Regierungsantritt, Leipzig. Am Mittwoch besichtigte der Monarch die Garnison; ferner beehrte er den an einem Fuß» leiden erkrankten Präsidenten des Reichsgerichts von Oehlschläger mit einem Besuch.
— Der König von Sachsen besuchte gestern nachmittag 2 Uhr zum ersten Mal als Kector magni- ficentiasimps die leipziger Universität und hörte die Vorlesungen der Profestoren Wach, Wundt und Hauck.
— Vor dem Reichsgericht in Leipzig begann am Mittwoch der Landesverratsprozeß gegen den Geschäftsreisenden Becker aus Wolfenbüttel. Der Angeklagte ist im Wesentlichen geständig, einem französischen Spion Namens Meunier militärische Schriftstücke und photographische Aufnahmen der metzer Festen .Lothringen" und .Graf Häseler" geliefert z« haben.
— Die deutsche Eisenbahn in Schantung, dem Hinterlande von Kiauttchau, besprach Geh. Rat Dr.
Spinne, die eine Fliege in ihre Netze gefangen hat, auf eine Antwort Alices, und diese saß, in sich zusammengesunken, die Hände vor daS Gesicht geschlagen, stumm und regungslos.
Desto lebhafter arbettete es in ihrem Hirn, ihrem Herzen. Sollte sie dem Manne, der sie ganz in seiner Gewalt zu haben glaubte, antworten: „Thue Dein Schlimmes. Bestätige, was man doch seit vielen Jahren geglaubt; ich werde einen Verwalter für Wiesenberg bestellen, und weit forrgehen, dahin, wo mich Niemand kennt, wo man nichts von der Untat meines Vaters weiß!"
Dann kam aber wieder der Stolz, dann kam die Pietät, dann kam die Erinnerung an das heilige Versprechen, daS sie der Mutter gegeben, das Geheimnis zu wahren, koste es, waS es wolle, und dann kam ein Gefühl, für daS sie keinen Namen hatte, das bang und süß zugleich war und sie an Wiesenberg feffefte. ES half nichts, sie mußtefichHartungsDerlangenfügen.
„Wollen Sie unterschreiben? Ja oder nein?" unterbrach die harte Stimme des Oberverwalters die tiefe Stille. Alice fuhr empor wie aus einem schweren Traum. Noch immer zögerte fis^ Ach sie wußte ja, daß sie Wiesenberg, daß sie die Leute, die ihrer Obhut anvertraut waren, mit diesem Federzuge dem Manne auS» lieferte, dessen wahrer Charakter sich in dieser verhängnisvollen Stunde rückhaltlos enthüllt hatte. Und doch, sie konnte nicht anders. Sis durfte ihren Vater nicht blosstellen, den Namm v. Rohr nicht verunglimpfen lassen.
(Fortsetzung folgt)