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Sonntagsbeilage: Jllnstrirtes Sonntagsblatt

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- Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., Erscheint täglich außer an Sonn-ur^ Feiertagen.

No 978 bei all«. Postamts 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld). ZWariHUfl Sonnabends m Morgen- und Abend-Ausgabe. 37. Jsthrg.

io *«. Mittwoch, 5. November 1902.

Die Mehrheitsparteien

leS Reichstages, welche für den Zolltarif in Form des Kompromißantrages gestimmt haben, find bekanntlich in der Hauptsache die Kon­servativen und das Zentrum, die fich hier in einer rein wirtschaftlichen Frage zusammenge­funden haben. Letzteren Umstand übersehen natürlich die Radikalen und die Sozialdemo­kraten gänzlich, wenn fie jetzt skrupelloser wie jenft gegew die angeblichen Reaktionsgelüste der konservativ-klerikalen Mehrheit" hetzen. Im übrigen ist, so meinen wir, diese Hetze nur ein Beweis, daß die sozialdemokratischen und radikalen Schreier die Politik der Konservativen ebenso zu fürchten haben, wie die des Zentrums. Beide verderben ihnen ja namentlich die Aus­powerung und Proletarisierung des Mittel­standes, und beide Parteien haben überhaupt so viel Heilsames in ihren politischen Zielen gemeinsam auf ihren Programmen, daß es nur wünschenswert erscheinen kann, wenn diese ge­meinsamen Ziele mehr und mehr verwirklicht werden könnten.

Vor allen Dingen ist es das gemeinsame Streben dieser beiden den Radikalen verhaßten Parteien, dem Volke die Religion zu erhalten. In dieser Hinsicht gerade kann heute bei den unterminierendenTendenzender radikalenParteien gar nicht genug geschehen. Es haben aus diesem Grunde die Konservativen von jeher den soge­nannten Kulturkampf beklagt und wir haben uns in neuester Zeit darüber freuen können, daß zu Erhaltung des konfessionellen Friedens die Synode für die Provinz Brandenburg einen Antrag mit sehr richtiger Begründung abgelehnt hat, der dahin ging, die Synode möge beschließen, den einzelnen evangelischen Kirchenregierungs- Vertretungen die offizielle Unterstützung der los von Rom"-Bewegungen in Oesterreich ans Herz zu legen. Nur zu richtig hat hierzu der Referent, auf deffen Vorschlag der Antrag ab­gelehnt wurde, bemerkt, daß solch eventueller Uebertritt doch rein individuelle Sache des Be­treffenden bleiben müsse, und daß es doch recht fraglich bleibe, ob wir eine Misfionspflicht gegenüber der katholischen Religion hätten. Das ist um so richtiger, als wir es von jeher als die verhaßteste Proselitenmacherei bezeichnen, wenn von katholischer Seite der Versuch ge­macht wird, Angehörige unserer Konfession zum Uebertritt zur römisch-katholischen Kirche zu bewegen.

Außer der Erhaltung der Religiosität haben aber auch Konservative und Zentrum in ihrem parlamentarischen Wirken zur Genüge bewiesen, daß fie beide ein warmes Herz für die Hand­werker und Gewerbetreibenden, wie für die Landwirtschaft haben, fie haben ferner die er­freulichste Konsequenz im Vorgehen gegen die Sozialdemokratie gezeigt und ebenso, daß sie de wahren Volksaussaugern, der Börse, dem inter-

83 (Nachdruck verboten.)

Verspielt.

Roman von F. Arnefeldt.

(Fortsetzung.)

Hartung stand auf und ging zu einem Nebentisch, aus dem ein Tablett mit einer Flasche Wein und Gläsern schon bereit gestellt war, er goß eins davon voll Wein, brachte es Alice und nötigte fie, zu trinken. Sie tat es Mechanisch, weil sie das dunkle Bewußtsein hatte, daß fie der Stärkung bedürfe. Der Oberverwalter stellte das Glas bei Seite, nahm seinen Platz wieder ein und sagte:

Ich sehe es ein, daß es so nicht geht; Sie sollen nicht sprechen, sondern hören, gnädiges Fräulein, o, könnte ich es Ihnen ersparen. Ihre Frau Mutter hat nicht im Fieberwahn gesprochen; alles, was fie gesagt hat, war schreckliche Wahrheit. Ihr Vater hat seinen Bruder"

O, halten Sie ein, halten Sie ein ! flehte Alice mit herzzerreißender Stimme, ich kann es nicht hören! Ich kann nicht!"

Und doch, ich muß!" fuhr fie nach einigen Minuten fort,sprechen Sie, doch machen Sie es kurz und erzählen Sie mir nur, waS not­wendig ist."

Hartung verbeugte sich zustimmend und be­gann bann:Ich weiß nicht, ob fie erfahren haben, daß zwischen den Brüdern eine lang­jährige Entfremdung geherrscht hat, und daß Herr Wilhelm von Rohr Jahre hindurch von Wiesenberg abwesend war. Er hatte fich in England verlobt, war zurückgekehrt, um das

nationalen Großhandel und dem entartesten Teile des Zwischenhandel so viel nur möglich zu Leibe zu gehen gewillt sind. Das find eminent volksfreundliche Sachen, und eine weitere gemeinsame Betätigung dieser politi­schen Ziele durch Konservative und Zentrum werden dem deutschen Volke sicher mehr zum Wohle gereichen, als die völlig irreführenden, nur Dolkselend nach fich ziehenden Hetzlehren der Sozialdemokratie und ihrer radikalen Schleppenträger! W.

Umjchau.

Liberale Treibereien.

In liberalen Blättern ist zu lesen :

Es wird uns bestätigt, daß seit einigen Tagen einflußreiche Mitglieder der konservativen, insbesondere auch der Reichspartei und der Zentrums-Seite ernstlich bemüht find, das zu finden, was als eine Verständigung zwischen der Reichsregierung und den sogenannten Mehr­heitsparteien ausgesprochen werden könnte* Der Glaube aber daran, daß eine solche Ver­ständigung erreicht und zur siegreichen Geltend­machung im Reichstage gebracht werden könnte, ist nicht besonders stark. Und zwar nicht nur um deswillen, weil im Zentrum die Strömungen noch mehr auseinandergeheu, wie bei den Konservativen (ausgenommen die Reichspartei), sondern hauptsächlich auch aus dem, Grunde, weil von einem Tag zum anderen nie darauf zu rechnen ist, wie viel Mitglieder der Parteien, auf die es wesentlich ankommt, im Reichstage anwesend sein werden."

Wer mag das wohl den Liberalenbestätigt" haben? Giebt eS irgend jemanden, der der Meinung wäre, konservative oder Zentrums- Abgeordnete würden sich einen Liberalen zum Vertrauten aussuchen? Das ist doch wohl ab­solut ausgeschlossen. Man wird fich ßlfo wohl, wie schon so ost, dieBestätigung" aus den Fingern gesogen haben, um eine etwa sich vor­bereitende Verständigung zu verhindern. Es wäre, wie aus allen hierauf bezüglichen Aus­lassungen der Liberalen hervorgeht, für diese äußerst unbequem, wenn tatsächlich eine Ver­ständigung unter den Mehrheitsparteien zu denen ja die Nationalliberalen fich selbst nicht mehr rechnen und mit der Negierung erzielt würde. Unter der jetzigen hervorragenden Parteiführung geraten dieEisenacher" aus einem Dilemma ins andere.

Schulbauten in Trakehnen.

Gegenüber den tendenziösen Schilderungen der Schulzustände in Trakehnen stellt die halb­amtlicheBerl. Corr." in einem Artikel u. a. folgendes fest: In einem großen Teil der Presse ist in letzter Zeit von Mißständen auf dem Gebiet der Schulbauten in Trakehnen die

Schloß für den Empfang der noch sehr jungen Frau Herrichten zu laffen und hatte sich in der Freude seines Herzens mit dem Bruder ausgesöhm. Er brachte ihn von Potsdam, wohin er gereist war, nach Wiesenberg und alles schien gut, ich wußte aber, daß zwischen den beiden Herren bereits wieder ein heftiger Austritt stattge­funden hatte.

Was hatte es gegeben?" fragte Alice leise und tonlos.

Herr Wols von Rohr hatte verlangt, fein Bruder, der durch seine erste Frau so reich war und jetzt wieder im Begriff war, eine reiche Erbin zu heiraten, solle ihm Wiesenberg ab­treten, was dieser aber entschieden verweigert hatte."

Er war in seinem Rechte!" bemerkte Alice mehr für fich und der Oberverwalter fuhr fort:

Herr Wolf von Rohr ließ fich ein Pferd satteln und sagte, er wolle nach Jena reiten, er ist dort auch gesehen worden."

Aber dann kann er doch nicht gleichzeitig im Park gewesen sein und dort" sie stockte; fie vermochte nun einmal nicht der ihr Leben verdüsternden Tatsache Wotte geben. Hartung kam ihr zu Hülfe.

Mit einem guten Pferde läßt fich vieles machen. Nach einiger Zeit, es war schon gegen Abend, ging Herr Wilhelm von Rohr in den Park, und wieder nach einer Weile verließ auch ich den Gutshof, ich wollte nach dem Förster­hause gehen und schlug einen schmalen Weg ein, der durch bett Park in den Forst führt. Zu meiner Verwunderung hötte ich das Wiehern eines Pferdes und fand, als ich dem Ton nach­

Rede gewesen, die dringend der Befferung und des Eingreifens der Schulaufsichtsbehörde be­dürften. Demgegenüber mögen folgende An­gaben über die tatsächlichen Verhältniffe zur Aufklärung bienen: Auf dem Hauptgestüt Trakehnen sind insgesammt fünf Schulen vor­handen. Dem baulichen Zustande dieser Schulen hat der jetzige Gestütsdirigent, Landstallmeister v. Dettingen, alsbald nach seinem Amtsantritt besondere Fürsorge zugewendet. In feinen Be­richten an die Aussichtsinstanz wies er zunächst darauf hin, daß das Schulgebäude in Danz- kehmen in keiner Weise den an eine Lehrer- wohnung zu stellenden Anforderungen genüge, und daß der eigentliche Schulraum zur Auf­nahme der vorhandenen Schulkinder unzureichend sei. Es erfolgte die Bereitstellung beS Betrages von 22050 Mk. für ben Neubau einer zwei- klassigen Schule in Danzkehmen durch den Ge­stütsetat für 1899. In der Zwischenzeit war auch die Unzulänglichkeit bes Schullehrer­wohnungen und Schulräume bei den Schulen in Trakehnen, Mattischkehmen und Jonasthal seitens des Gestütsdirigenten festgestellt, worden. Insgesammt wurden 104 050 Mk. bereitgestellt, um nach allen Richtungen hin befriedigende Schulzustände auf dem Hauptgestüt Trakehnen zu schaffen. Die in Trakehnen erforderlichen Schulneubauten werden mit dem Schluß beS Jahres 1902 voraussichtlich fettiggestellt sein.

Deutsches Reich

Berlin, 4. November.

Der Kaiser fähtt Mittwoch Spätabend von Potsdam nach Kiel, wo er am Donnerstag an der Vereidigung der Mattnerekruten teilnimmt. Dann begiebt der Monarch fich an Bord seiner Jacht HohenzoLern", die im Lause des Nachmittags die Fahrt nach England durch den Kaiser Wilhelm-Kanal antritt, begleitet von dem kleinen KreuzerNymphe und dem DepeschenbortSleipner". Die Rückfahrt erfolgt voraussichtlich am 20 November. Wie die londonerDaily Mail' erfährt, wird des Kaisers Besuch in Sandttngham auf Wunsch der beiden Fürsten streng privater und persönlicher Natur sein. Es wird indeß eine ungewöhnlich große Anzahl Minister eingeladen, darunter auch Chamberlain. Ferner wird der Prinz von Wales in Sandringham anwesend sein und desgleichen der deutsche Botschafter Graf Metternich. Eine Woche wird der Kaiser dem Jagdvergnügen widmen.

Der Reichstagsabqeordneie Heinrich Rickert ist den Folgen des Schlaganfalls erlegen, der ihn vor 14 Tagen betraf. Die freisinnige Vereinigung verliert in dem Verstorbenen ihren Nestor und be­währten Führer. Im nächsten Monat hätte Rickert sein 69. Lebensjahr vollendet.

Die Zolltariffrage bildet ja überhaupt z. Z. nicht nur innerhalb des deutschen Reichs, sondern auch in den Staaten des Auslandes, mit denen wir Handelsverträge abschließen wollen, daS wichtigste und wesentlichste Gesprächsthema Am heutigen Dienstag befaßt sich der deutsche Reichstag wieder mit der Angelegenheit, um sie, aller Voraussicht nach,, bis zur Einbringung des Etats nicht wieder zu verlassen. Es ist möglich, daß man dann auch bald von dem Ergebnis der Unterhandlungen zwischen den Regier-

ging, das Pferd mit dem Herrn Wolf von Rohr fottgerittcn, im Dickicht angebunden. Während ich noch diesem Umstande nachsann, fielen zwei Schüffe schnell hintereinander. Nichts Gutes ahnend, eilte ich vorwärts und und"

Er hielt einen Augenblick inne, als sträubte feine Zunge sich, das schreckliche Schauspiel, das sich ihm dargeboten, zu schildern.

Weiter! Weiter!" hauchte Alice.

Und sah Wilhelm von Rohr röchelnd am Boden liegen. Neben ihm stand sein Bruder, die abgeschossrne, noch rauchende Büchse in der Hand.

Als er mich erblickte, stieß er einen Schrei des Schreckens aus, ließ die Waffe fallen und stürzte davon. Gleichzeittg öffnete der Erschossene die Augen, winkte mich heran und bedeutete mir, ich sollte das Ohr dicht an seinen Mund legen. Kaum verständlich flüsterte er mir zu:

Hartung, ich bin gefallen durch die Hand meines Bruders, aber das darf niemand er­fahren. Ich will nicht, daß der Name Rohr vor Gericht kommt. Halten Sie fich nicht bei mir auf, mir ist nicht mehr zu helfen. Sorgen Sie nur, daß der Täter unendeckt bleibt."

Ich wollte mich doch zu ihm niederbeugen, aber mit Aufbietung seiner letzten Kraft wies er mich zurück; es blieb mir nichts übrig, als ihm zu gehorchen.

Ohne Hoffnung, Herrn Wolf von Rohr auf­zufinden, eilte ich ihm nach; zu meiner Ver­wunderung fand ich ihn noch bei seinem Pferde stehen, er hatte die Arme um dessen Hals ge­legt und schluchzte bitterlich."

ungen und den Mehrheitspatteien des Reichstags genaueres hört. ,, _ . ___

Der ehemalige englische Botschafter m Wie» Sir Howaie Rumbold hat mit feinen gehässigen An­griffen gegen Deuffchland gerade dott die schroffste Zurückweisung gefunden, wo er auf Zustimmung gerechnet hatte, nämlich in Oesterreich. Die wiener Blätter erklären dem englischen Herren, daß er Oesterreich während seiner Tätigkeit daselbst nicht kennen gelernt habe, da er andernfalls wüßte, daß seine Hetze gegen Deutschland in Oesterreich nicht ans fruchtbaren Boden fallen würde.

Bei der Einweihung der neuen berliner Hochschulen sür Kunst und Musik verlieh der Kaiser u. A. dem Pros. Anton v. Werner den Kronenordeu 1. Klaffe, dem Prof. Joseph Joachim den Stern zum Kronenorden 2. Klaffe, dem Prof. Heckel den Adler- und dem Pros. Bruch den Kronenorden 3. Klaffe. Die Gesangsmeistettn Frau Schnitzen »Asten erhielt den Profeffortitel.

DieDeutsche Tageszeitung" schreibt: In einer sozialdemokratischen Versammlung hat ein Führer der Pattei kürzlich gesagt, in sonst sehr nüchternen Kreise« der Sozialdemokratie glaube man, daß fie bet den nächsten Wahlen 80 Sitze im Reichstage erringe» werde. Wir halten diese Ermattungen sür nicht z» hoch gespannt, da bekanntlich die Sozialdemokratie so ziemlich alle bedeutenden Zentren des Großhandels und der Großindusttte beherrscht. Sollte die jetzige htzpettropische Jndustrieentwickelung andauern, so würde die Sozialdemokratie in nicht zu langer Zeit die Mehrheit im deut­schen Reichstage voraussichtlich ge­winnen müssen. .

Die deutsche Ansiedelungskommiffion hat m letzter Zeit 22 Güter und 25 bäuerliche Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 13625 Hektar m Posen und Westpreußen angekauft, woraus 800 Anfiedler­stellen geschaffen werden sollen. Der Andrang von Kauflustigen ist erheblich. r , ,,L .

Posen wird Residenz, so berichten dortige Blätter, indem sie erzählen, der Kaffer habe in ben Tagen seines Aufenthalts in Posen den Gedanken m ernste Erwägung gezogen, in der Stadt einckonigtiches Refidenzfchloß zu errichten und es seren mit den be­teiligten Ressorts bereits seit einiger Zeit Verhäng lungen betreffs der Stelle, auf welcher das Schloß zu erttchten fei, im Gange. Die Angaben klingen noch so hypothetisch, daß man bezüglich der Erhebung Posens zur Residenz doch noch weitere Mitteilungen abzuwarten haben wird.

Ausland

Oesterreich-Ungarn. Unter bern Vorsitz des Kaisers Franz Joseph hatte in Wien etn Kronrat stattgesunden, dessen Zusammensetzung schon darauf hinbeutete, baß es sich bei ihm um eine militärische Angelegenheit gehandelt habe. So ist es denn auch tatsächlich gewesen. Wie dieU. fr. Pr." melden kann, wurde in dem betr. Kronrat beschlossen, die Wehrvorlage zurückzuziehen und den Parlamenten eine neue Vorlage zu unterbreiten, durch welche für baS nächste Jahr bas Rekrutenkontingent um 20000 Mann erhöht wird. Die Zurückziehung der Vorlage erfolgte auf das Drängen der ungaru scheu Regierung hin, die sich gegen eine Jo starke Erhöhung der Aufwendungen für baS Heer, wie fie bet Entwurf vorsah, entschieden sträubte. An der geplanten Einberufung der 6000 Ersatzreservisten zur Bedienung der Feld-

Die Reue war sofort bei ihm nach voll- brachter Tat eingekehrt!" stöhnte Alice.

Kann wohl sein," nickte Hartung. Als er mich erblickte, rief er mir entgegen:Sie wollen mich festnehmen, mich den Gerichten überliefern. Kommen Sie, ich bin bereit." ,

Ich überbrachte ihm den Befehl des Sterben­den und sagte ihm, es sei seine Pflicht danach zu handeln. Er müsse jetzt nach Jena retten, sich dott sehen lassen und dürste erst nach etn paar Stunden nach Wiesenberg zurückkehren. Er wollte zuerst nichts davon hören,, aber ich zwang ihn; höchste Eile war geboten, ich mußte zu dem Verwundeten zurückkehren. Dre Waffe, mit der er den tödttichen Schuß getan, nahm ich mit mir und wandte mich erst um, als ich ihn aufsitzen und in der Richtung nach Jena davonsprengen gesehen hatte.

Ich kehrte zu dem Verwundeten zurück und fand ihn bewußtlos; nun eilte ich nach dem Schlosse, verkündete, daß ich den Herrn im Walde erschossen aufgefunden habe, und nahm Leute mit einer Bahre mit, die ihn nach seiner damaligen Wohnung im Jnspektorhause trugen. Ebe der herbeigerufene Arzt eintraf, war er schon verschieden, ohne das Bewußtsein noch einmal wieder erlangt zu haben. Das Gewehr habe ich unterwegs in den kleinen, ober sehr tiefen See geworfen, damit es nicht gegen den Täter zeugen konnte. ,

Herr Wolf von Rohr kehrte erst zurück, alS alles längst vorüber war und ich schon ge­fürchtet hatte, daß er gar nicht kommen werde.

(Fottsetzung folgt.)