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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllnftrirtes Sonntagsblatt.

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Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 ML, bei alle» Postämter« 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).

Jnjertion-gebühr: die gespaltene Zeil- oder deren Raum 10 Pfg.

Reclara.n: die Zeile 25 Psg.

Marburg

Sonnabend, 18. Oktober 1902.

Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertag«. Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe. Druck und Berlag: J oh. Aug. Koch, Nniversitäts - Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

37. Jahrg.

Zm wirtschaftlichenErschließung" Patagoniens.

Unter der Spitzmarke «Wie ist noch eine deutsche Großkolonisation möglich", bringt die Münch. Allg. Ztg." auszugsweise einen Artikel au§ der dem Deutschen Kolonialkongreß gewid­meten Sonderausgabe des Argentinischen Wochen- und Tageblattes, der die Auswanderungsfrage behandelt. Die Kernfrage aller deutschen Ans- wanderungs- und Kolonialpolitik lasse ^fich in die Worte zufammenfaffen:Wo finden fich noch ausgedehnte Ländereien, die es dem deutschen Auswanderer ermöglichen, fich in größerer Zahl anzufiedeln, ohne tn der zweiten und dritten Generation dem Deutschtum total verloren zu gehen?" Als ein solches, für eine deutsche Anfiedelungspolitik im Großen durchaus geeig­netes Land wird dann das zur argentinischen Republik gehörige Patagonien in allen Ton­arten gepriesen, und den leitenden deutschen Kolonialkreisen nahe gelegt, fich dieserEr­schließung" Patagoniens anzunehmen und den Strom der Menschen- und Kapitalskrast, bie es, aus was für Gründen es auch immer sei, über die Grenzen ihres Vaterlandes hinaus unauf­haltsam in die Ferne zieht, planmäßig dorthin zu lenken. Das neue Kolonialgebiet bete Ge­währ zur Erhaltung der Sprache und Gesittunng der Einwanderer, sowie dafür, daß der Handel und Verkehr des alten Vaterlandes davon großen und dauernden Nutzen ziehe. (?) Auch die klimatischen Verhältnisse seien denen der Heimat möglichst ähnlich, die Bodenverhältnifie für die landwirtschaftliche Betätigung die denkbar gün­stigsten. Ob es sich hierbei, tote Ende der achtziger Jahre bei derErschließung" Argen­tiniens abermals um einen planmäßigen großen Fischzug" des internationalen Großkapitals gegen die Ersparnisse des deutschen Volkes, oder um die ernstliche Absicht Argentiniens handelt, die weiten fruchtbaren, aber bisher noch zum weitaus größten Teil brachliegenden Gefilde Patagoniens mit Hilfe des Geldes und und des zähen Fleißes deutscher Auswanderer kulturell zu erschließen und damit die Steuer­kraft des Landes zu heben, ist völlig gleich- giltig. In keinem Falle wird sich eine einsichtige deutsche Kolonialpolitik auf die Unterstützung derartiger Pläne einlasfen können. Argentinien, das noch in den siebziger Jahren kaum seinen eigenen Getreidebedars deckte, ist inzwischen in­folge der Einwanderung europäischer Arbeits­kräfte und europäischen Kapitals in die erste Reihe der Getreideexportstaaten aufgerückt. Die Weizenproduktion Argentiniens betrug abgesehen von der für die Aussaat reservierten Menge 1897/98 2000 000 Tonnen, 1898 99 2400000 Tonnen, 1899/1900 2 700000 Tonnen, 1900/01 2500000 Tonnen. Im Jahre 1900 war Ar- gentimen am Weizenimport nach Deutschland

19 Nachdruck verboten.)

Verspielt.

Roman von F. Arnefeldt.

(Fortsetzung.)

Das sieht doch nicht tote Schuld aus."

Wieder hatte die Mutter ein bitteres, ver­ächtliches Lächeln.Er hat e8 nachher hübsch bleiben laffen, als er fich als Herr auf Wiesen­berg fühlte und auch in den Besitz de8 großen Baarvermögens seines Bruders gelangt war," sagte sie.

Wilhelm von Rohr war ohne Testament gestorben?" fragte Hellmuth.

Ja; es hat fich wenigstens keines gesunden." Aber ist das nicht verwunderlich?"

Doch nicht. Der noch sehr kräftige, frische Mann dachte nicht an einen nahen Tod und hatte doch die Absicht, fich wieder zu verheiraten," erwiderte die Majorin.In dieser Beziehung ist wohl alles mit rechten Dingen zugegangen. Aber Wolf hatte fich lange mit der Hoffnung gewiegt, seines Bruders Erbe zu werden, er hatte seine Gläubiger darauf vertröstet, und nun war die Enttäuschung gekommen, da"

Aber Du hast mir doch erzählt, daß Wil­helm großmütig des Bruders Schulden bezahlt, sein Jahreseinkommen vergrößert hatte!" fiel Hellmuth ein.

Ein Tropfen auf einen heißen Stein," lächelte Frau von Erbach,Wolf wußte selbst am besten, daß dies nicht lange vorhalten würde. Mit einer solchen Teilzahlung war ihm nicht ge­dient, er mußte das Ganze haben, und darum"

O Mutter, Mutter, das ist ein voreiliger Schluß!" tief Hellmuth.Wie konntest Du,

mit 479 929 Tonnen im Werte von 63 350000 Mark beteiligt, während die Weizenein.fuhr aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika nur 455 934 Tonnen im Werte von 60 639 000 Mk., die aus Rußland nur 278196 im Werte von 36 443 000 Mk. betrug. Durch die preissenkende Wirkung dieses zum Teil nur zu Spekulationszwecken erfolgten forcierten Imports argentinischen Weizens ist der deutschen Landwirtschaft und damit dem ge­samten Volkwohlstand unermeßlicher Schaden zugefügt worden. Eine Konkurrenz der deutschen Landwirte mit der unter weit günstigeren Ver­hältnissen arbeitenden argentinischen ist völlig ausgeschlossen. Während der deutsche Landwirt nur bei intensivster Wirtschaftsweise, d. h. unter Aufwendung großer Intelligenz und bedeutender Geldmittel vorwärts kommen kann, führt nach Professor Kärger (Landwirtschaft und Koloni­sation im spanischen Amerika") die allgemein als Raubbau bezeichnete landwirtschaftliche Ausnutzung des Bodens, also die denkbar extensivste und billigste Wirtschaftsweise, zufolge den klimatischen Verhältnissen zu günstigeren Resultaten als eine intensive Kultur. Minder Besiedelung Patagoniens im großen Stile würden weitere ungeheuere Länderstrecken an­gebaut und damit für die heimische landwirt­schaftliche Produktion eine weitere empfindliche Konkurrenz geschossen werden. Unserer An­sicht nach können die berufenen kolonialpolitischen Kreise niemals zu einem derartigen Beginnen hilfreiche Hand bieten. Umsoweniger als die nach Patagonien übergesiedelten Deutschen, wenn auch vielleicht einige Generationen hin­durch, ihrer Sprache und Gesittung treu bleiben würden, so doch zweifelsohne sofort argentinische Bürger werden müßten. Ein weit dank­bareres Feld für kolonialpolitische Betätigung ist in unseren eigenen Kolonien gegeben, für deren gesunde, planmäßige wirtschaftliche Er­schließung bisher so gut wie nichts oder jeden­falls nicht ba8 Erforderliche geschehen ist. Kolonien, die dem Mutterlands dauernden Nutzen bringen sollen, müssen letzteres wirt­schaftlich ergänzen, nicht aber ihm eine emp­findliche Konkurrenz bereiten. Wenn der deutsche Kolonialkongreß diese seine nationale Aufgabe richtig erkennt, wird er auch entschiedm zu einem ablehnenden Standpunkt in der besprochenen Angelegenheit kommen müssen. Auch in der Kolonialpolitik, solange eine Uebervölkerung unserer Kolonien noch nicht zu befürchten ist und das hat gute Wege muß es heißen: Deutsche Arbeitskraft und deutsches Kapital in die deutschen Kolonien!"

Umjdiau.

Ein bedeutungsv oller Tag.

Der Reichstag hat bereits einengroßen Tag" gehabt, das war gestern, als beim Eintritt

wie konnte mein Vater, die Ihr seine guten Eigenschaften kanntet und schätztet, zu einem solchen kommen?"

Wir haben uns sehr lange dagegen ge­sträubt bis wir Bestätigung der schweren An­klage von einer unanfechtbaren Seite erhielten," sagte die Majorin.Leichtsinn und schlechtes Haushalten find Fehler, die die glänzendsten Eigenschaften verdunkeln und den Menschen von Stufe zu Stufe sinken lassen. So war e8 mit Wolf geschehen."

Hellmuth schüttelte den Kopf. Alles, was die Mutter sagte, konnte ihn nicht an bie Schuld des Herrn von Rohr glauben lassen.Du sggst, Wolf fei nach Jena geritten gewesen," begann er nach einer kurzen Pause wieder,konnte er denn nicht sein Alibi nachweisen?"

Alibi?" wiederholte Frau von Erbach. Das heißt ja wohl so viel, daß jemand vor Gericht nachweist, er habe sich zu einer be­stimmten Seit an einem bestimmten Orte be­funden?"

Hellmuth bejahte.

Nun, Wolf von Rohr ist nie in bie Lage gekommen, ein solches Alibi nachweisen zu müssen; man hat ihn nie vor Gericht angeklagt. Die Dolksstimme hat ihn als Täter bezeichnet, weil ihm bet Vorteil vom Tode des armen Wilhelm zufiel, aber Niemand hat gewagt, ihn laut zu beschuldigen, und wo kein Kläger, da ist kein Richter."

Wen verfolgte man denn aber als bett Schuldigen?"

Man hat eben keinen gefunden. Es wurde angenommen, Wilhelm von Rohr fei auf einen Wilderer gestoßen, habe ibn zur Rede aestellt.

in die zweite Lesung der Zolltarifvorlage der Reichskanzler Graf Bülow eine einstündige Rede über die Stellungnahme der Regierung zu den Beschlüssen der Zolltarifkommisfion hielt. Der Reichskanzler, der fich das Zitieren gänzlich abgewöhnt zu haben scheint, brachte mit seinen Ausführungen, bie ruhig unb klar zum Vortrag gebracht wurden, tm großen und ganzen wenig Neues. Man wußte schon aus dem Munde der Staatssekretäre und Minister sowie der Ver­treter der verschiedensten Bundesstaaten, daß die verbündeten Regierungen ihre Zolltarifvor­lage als die mittlere Linie betrachten, von der sie sich weder durch Angriffe von rechts noch von links her abdrängen laffen würden. Genau dasselbe erklärte auch der Reichskanzler; aber indem er seine Erklärung beim Beginn der entscheidenden zweiten Lesung der Zolltarif­vorlage abgab, indem er darin auch zusammen­faßte. was von den übrigen Regierungsvertretern im Laufe der ausgedehnten KommisfionSver- handlungen stückweise und zerstreut vorgetragen ward, gewann diese Erklärung die Bedeutung eines letzten, entscheidenden und unabänderlichen Wortes. Indem der Reichskanzler auch seine Mutmaßungen über das Schicksal der Handels- vetträge für den Fall des Scheiterns der Re­gierungsvorlage mitteilte, bewies er, daß die Regierung für jede Alternation vorbereitet fei. Unerwartet kam dagegen der Appell des Kanzlers an den Reichstag, bei einer so wichtigen Frage von dem Kampfmittel bet Obstruktion unter allen Umständen abzusehen, da der Reichstag durch deren Anwendung die Axt an die Wurzeln des Parlamentarismus überhaupt anlegen würde. Diesen Appell mußte sowohl die äußerste Linke wie der Bund der Landwirte auf sich beziehen. Doch dies ist weniger brennend, die Ob- struktionssrage ist weniger wichtig, bie Haupt­sache für heute bleibt die Gewißheit, daß die Regierung an keiner wichtigen Bestimmung ihrer Vorlage eine Aenderung zuläßt. Zentrum, Konservative und Freikonservattve hielten vor Beginn der Plenarversammlung Fraktions­sitzungen, in denen sie übereinstimmend be­schlossen, an den Kompromißbefchlüffen der Kommission festzuhalten, die bekanntlich er­heblich über die Regierungsvorlage hinausgehen. Diesen Beschluß teilte der freikonservative Abg. v. Kardorsf bereits in seinen Ausführungen am Schluffe der gestrigen Sitzung dem Reichs­tage mit, indem er erklätte: Die kleine Preis- Verteuerung durch die Zölle wird reichlich aus­geglichen durch bie vermehrte Arbeits- gelegenhsit unb die sicheren Löhne. Es ist besser, teures Brot kaufen zu können, als kein Gelb zu haben, um billiges zu kaufen. Im Auftrage meiner Partei erkläre ich, baß wir bei bett Be­schlüssen bet Kommission stehen bleiben werben, für bie Anträge beS Bundes der Landwirte aber nicht ftimmen

mit einer Anzeige gedroht und sei von ihm er­schossen worden. Aus diese Fährte haben bie Aussagen beS Oberverwalters Hartung und des gesamten Dienstpersonals gebracht, sie hat man verfolgt, aber nichts herausgebracht. Was giebt's?"

Die letzten Worte waren gegen die Tür des Gartensaals gerichtet, von wo man leise Schritte vernahm. Der Diener erschien mit einer Hülle über dem Arm und entschädigte fich, daß et störe. Es werde kühle und da möchte et bet gnädigen Frau den Umhang bringen.

Mit flüchtigem Dank ließ Frau von Erbach fich das kleine Mäntelchen um die Schuller legen und entließ den Diener hastig wieder.

Mehrere Minuten herrschte zwischen Mutter und Sohn tiefes Stillschweigen; man vernahm nichts als das durch bie Stille bet Nacht herauf­tönende Plätschern des Flusses und das leise Flattern der durch die Windlichter angezogenen und sie umkreise- den Insekten. Der Majorin schien es schwer zu werden, in ihrer Erzählung fortzufahren und Hellmuth gebrach es an Muth, sie aufzufordern. Zuletzt war ihm aber das Schweigen unerträglich und er bat:

Willst Du nicht weiter erzählen, liebe Mutter? Oder wird es Dir heute zu schwer und willst Du lieber die Fortsetzung auf Morgen verschieben?"

Frau von Erbach fuhr auf.Du hast Recht, es wir sehr schwer; bie Erzählung all dieser Dinge greift mich mehr an, als ich gedacht habe, aber eben deshalb muß ich heute noch damit zu Ende kommen. Rücke mir bie Wind- lichter ein toenia seitwärts, es stört mich, wenn

werben. Dem Herrn Reichskanzler bemerk ich. baß bas Ansehen bes Parlaments auch nicht gewinnen kann, wenn s8 heißt: friß Dogtt, ober stirb. Hoffentlich geben bie Regierungen noch etwas nach! Damit ist bet Konflikt ge­geben und ba nicht anzunehmen ist, baß bie Mehrheitsparteien fich über Nacht baS Rückgrat brechen lassen, so wird die jetzige Zoll» tat (Vorlage fallen unb mit ihr vielleicht! der Reichstag!

Die Burengenerale in Berlin.

Zur festgesetzten Stunde trafen bie Buren- generale Botha, Delareh und Dewet am gestrigen Nachmittag aus bem Bahnhof Zoolo­gischer Gatten in Berlin ein, wo ihnen ein ungemein herzlicher Empfang seitens des offi­ziellen Komitees wie der zahlreichen Anwesenden bargebracht wurde. Abg. Lückhoff hielt auf bem Bahnhof eine kurze Ansprache an die Generale, die Pastor a. D. Schowalter in die Burensprach« übersetzte. Nach einer herzlichen Erwiderung der Generale schritten die Herren zu den harrenden Wagen, um die Fahrt zumPrinz Albrecht-Hotel" in der gleichnamigen Straße an­zutreten. Auf ihrem Wege durch die Friedrich- Wilhelm-, Tiergarten-, Linnö-, Voß- und Wilhelmstraße wurden die Helden aus Südafrika von der dicht gedrängten Menge mit begeisterten Zurufen willkommen geheißen. Die Generale lüfteten unausgesetzt ihre Hüte, sichtlich bewegt von dem über alles Erwarten herzlichen Empfang des Publikums. Auf bem Hotel, das den Generalen zum Absteigequattier dient, waren Fahnen gehißt worben. Die Ankunft der Buren- generale in ihrem Hotel erfolgte kurz vor */37 Uhr. In drei stattlichen Equipagen, deren jede von 4 Herren besetzt war, erfolgte die Einfahrt. Im erstenWagen befand fichBotha mit Begleitern, im zweiten Dewet, im dritten Delareh. Dir Generale saßen aber nicht, sie standen aufrecht den Chlinderhut in der Rechten unb unausge­setzt für bie begeisterten unb stürmischen Huldigungen der unabsehbaren Menge bankend. Um das Hotel war eine doppelte geschlossene Schutzmannskette gezogen, sie wurde aber im Sturm gebrochen und die Tausende drängten sich in bie unmittelbare Nähe der Generale. Solche spontanen Ausbrüche der Begeisterung der großen Massen, wie am gestrigen Tage, hat Berlin überhaupt noch nicht gesehen. Bis tief in die Nacht hinein durchbrausten di« Hurrahrufe bet Menge wie Sturmgebraus die Straßen vor dem Burenhotel. Im Hotel selbst wurden die Generale vom gesamten EmpfangS- komitee erwartet und bewillkommnet. Im Namen des Gesamtkomitees ergriff hier der Schriftsteller Johannes Trojan zu einer . er­greifenden Ansprache das Wort, die von den drei Burengeneralen mit Worten der Rührung und des Dankes erwidett wurde.

Nacht,

(Fortsetzung folgt)

ich bem Todtentanz bet armen Motten und Schme: dinge zuschauen muß.

Hellmuth erfüllte ihren Wunsch und sie be­gann nun:

Auf bie Kunde von Wilhelms jähem Tode wat Erika von Rohr, ihre kleine Obhut einer zuverlässigen Wätterin zurücklaffend. hier an­gekommen. Wir sahen sie bei bem Leichenbe» gängniß. Sie war tief erschüttert durch ben gewaltsamen Tod des Mannes, bem sie einst so tiefes Weh bereitet unb bet eine so edel­mütige Rache an ihr genommen hatte, und schien gar nicht daran zu denken, baß dadurch in ihren äußeren Verhältnissen eine bedeutsame Veränderung herbeigeführt würde. Wolf hatte trotz des großen Schmerzes, den er zur Schau trag, diesen Umstand doch bereits ins Auge ge­faßt unb gegen Deinen Vater geäußert, et ge­denke nur nach Potsdam zurückzukehren, um seinen Abschied zu nehmen unb bann bauernd in Wiesenberg zu wohnen. Er wolle die nötigsten Anordnungen treffen und dann mit seiner Frau abreifen.

Wir verabschiedeten uns von Ettka und waren nicht wenig vetwundett, als sie am Abend des nächsten Tages bei uns anlangte. Unsere Verwunde.ung verwandelte fich aber tn Schrecken unb Entsetzen, als wir gewahrten, in welchem Zustande bie arme Frau bei uns ange­kommen war. Sie hatte ben weiten Weg von Wiesenberg nach Feldberg zu Fuß gemacht, wat burchnäßt, erfroren und in einer furcht­baren Niedergeschlagenheit. Ihr erstes Alott wat die Bitte um ein Unterkommen für die