MchM Jeilung
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jllnstrirtes Sonntagsblatt.
M 258
Biertcljehrlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 ML, bei ollen Postämter« 2,25 ML (excl. Bestellgeld).
Marburg
«- Donnerstag, 16. Ottober 1902.
Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen. Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts - Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
37. Jahrg.
Zweites Blatt.
Umschau.
Zwei Interpellationen über bte Fleischteuerung !
find von dem Freisinn und der Sozialdemokratie dem Reichstage zugegangen. Die sozialdemokratische Interpellation wegen der Fleischnot hat folgenden Wortlaut: „Die Abgg. Albrecht und Genoffen richten an den Herrn Reichskanzler die Anfrage, welche Maßregeln gedenkt der Herr Reichskanzler zu ergreifen, um der Steigerung der Fleischpreise, die seit geraumer Zeit eingetreten ist und in steigendem Maße eine Kalamität für immer weitere Schichten der Bevölkerung wird, entgegenzuwirken ?" — Die freisinnige Interpellation lautet: „Welche Maßnahmen gedenken der Herr Reichskanzler bezw. die verbündeten Regierungen angesichts der herrschenden Fleischteuerung zu treffen, insbesondere in Bezug auf die Grenzsperre und die schleunige Beseitigung oder Herabsetzung von Futtermittelpreisen ?"
Diese Interpellationen haben offenbar den Hauptzweck, den Beginn der Zoll- tarisverhandlungen hinaus zu schieben; denn das weiß man ja doch auch in der Freisinnigen Dolkspartei, daß in den Einzelstaaten bereits Erhebungen über die angebliche Fleischnot und die Ursachen der Fleischteuerung schweben. Daß aber der Freisinn beabsichtigen sollte, die Ergreifung von Maßregeln gegen die Mißstände im Zwischenhandel, besonders unter den Händlerringen und, unter den Kommissionären anzuregen, ist doch wahrlich nicht anzunehmen. Man will eine agrarische Debatte Hervorrufen, da8 ist alles. Zu Demonstrationen behufs Oeff- nung der Grenzen für unbeschränkte Vieheinfuhr wäre ohnedies der Zeitpunkt so schlecht wie möglich gewählt, da erst kürzlich. durch eingeführtes österreichisches Vieh zu Mannheim die Seuche eingeschleppt worden ist. — Indessen hat es den Anschein, als ob die Herren Drahtzieher vom Freisinn und der Sozialdemokratie ihren Zweck nicht erreichen werden. Wie bestimmt verlautet, wird der Reichskanzler die Interpellation über die Fleischnot am Donnerstag nicht beantworten, so daß an diesem Tage bereits die zweite Beratung des Zolltarifs beginnen dürfte.
Freisinnige Theorie und freisinnige Praxis.
„Sonst gilt es" — so schreibt die „Freisinnige Zeitung" — „allerwärts als Grundsatz der Demokratie, daß sich eine Minderheit den Beschlüflen der Mehrheit unterwirft." Zu diesem Hinweise sieht sich das Organ des Abgeordneten Richter genötigt, um die aus „befteundeten" Kreisen gegen den Hamburger Parteitag gerichteten Vorwürfe zurückzuweisen. Für sich
Turnvater Jahn.
50 Jahre find es her, seit am 15. Oft. 1852 zu Freiburg a. 11. der volkstümliche Alte von uns ging. Geb. 1778 zu Lanz in der Priegnitz, 1809 Lehrer an der Plamannschen Erziehungsanstalt in Berlin, eröffnete er 1811 eine Turnanstalt auf der Hasenhaide, schürte mit Wort und Tat die große Erhebung von 1813, war Volontair- Osfizier in dem Lützowschen Freikorps und zog nach dem Feldzug von 1813/14, 1815 mit in Paris ein. Infolge seiner Vorlesungen über deutsches Volkstum in Berlin und der unheilvollen Nachwehen des Wartburgfestes, wurde er 1819 als Demagoge verhaftet, bis zur Aburteilung in Kolberg als Krieggefangener unter Aufsicht gestellt, 1824 zu zweijähriger Festungsstrafe verurteilt und endlich erst 1825 freigesprochen. Doch mußte er sich noch eine Beschränkung des Ausenthaltsrechtes gefallen lassen und verbrachte seine letzten Lebensjahre zu Freiburg a. ll. und Kölleda. 1848 in die Nationalversammlung gewählt, wo er sich der äußersten Rechten anschloß, starb er, wie oben erwähnt, vor nunmehr 50 Jahren. Seine Schriften „Das deutsche Volkstum" (1810), „Runenblätter" (1814), „Neue Runenblätter" (1828), „Merke zum deutschen Volkstum" (1883), „Denkniffe eines Deutschen" (1835), „Die deutsche Turnkunst" in Gemeinschaft mit Eiselen (1816) sind bis auf das letzte wohl ziemlich in Ver- geffenhett geraten, ihr Geist aber lebt fort in
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selbst also proklamiert der Freisinn die Giftigkeit des demokratischen Mehrheitsprinzips — wenn er es brauchen kann. Allerdings schränkt auch die „Freisinnige Zeitung" dieses „heilige" Prinzip ein, indem sie schreibt, dasselbe gelte allerwärts, „zumal wenn es sich nicht um eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung, sondern nur um eine Formsrage der Zweckmäßigkeit handle". Das ist also die bekannte Hintertür, die für den Freisinn in der Praxis stets geöffnet ist, um vom Boden seiner „heiligen Grundsätze" abweichen zu können. Wa8 „grundsätzlich bedeutend" und was nur „formal oder zweckmäßig" sei, entscheidet natürlich die Parteileitung. Wo aber sollen Fragen von grundsätzlicher Bedeutung unter Aufrechterhaltung des parlamentarischen Prinzips überhaupt entschieden werden, wenn nicht durch Mehrheitsbeschluß? Die Demokratie handelt tatsächlich nach dem Spottverse: „Und der Reichstag absolut, wenn er uns den Willen tut!"
Auch eine Liebesgabe.
An Zollkrediten find dem deutschen Außenhandel im Jahre 1900 insgesamt über 238 Millionen Mark gewährt worden. Das stellt einen sehr erheblichen Vorteil, oder wie man in Handelskreisen sich auszudrücken liebt, eine sehr opulente Liebesgabe dar, an deren Genuß namentlich die kapitalstarken Importeure beteiligt sind. Für Getreide betrug der Zollkredit im Jahre 1900 über 57,3 Millionen, der zins- fteie Staatskredit wurde zum Teil benutzt, um der deutschen Landwirtschaft die Preise herabzudrücken; die Aufrechterhaltung dieser gemeinschädlichen Liebesgabe ist also ausgeschlossen.
Deutsches Reich
Berlin, 15. Oktober.
— Die deutsche Regierung hat bekanntlich eine Einladung zu einer internationalen Konserenz über drahtlose Telegraphie erlassen. Von London aus sucht man nun, in dieser Frage flau zu machen. Nach einer römischen Depesche des .Daily Cbronicle" würde die von Deutschland vorgeschlagene Konferenz über drahtlose Telegraphie nicht zu Stande kommen, da England, Frankreich, Italien und Rußland noch nicht auf den Vorschlag geantwortet hätten. Vorläufig darf wohl der Wunsch als der Vater dieser londoner Nachricht gelten.
— Ein Erlaß des Ministers des Innern fordert ausdrücklich, daß bei Vollziehung amtlicher Schrift- stücke die Namensunterschrist in deutlicher und lesbarer Form zu geschehen habe.
— Sultan Abdul Hamid hat allen Matrosen vom deutschen Schulschiff „Charlotte", die sich seiner Zeit bei der Löschung eines Brandes in Konstantinopel beteiligt haben, die türkische Rettungsmedaille verliehen.
— Der Führer der konservativen Reichstags- fraktion, Abg. v. Levehow, befindet sich erfreulicher Weise auf dem Wege der Besserung. Der Zentrumsabgeordnete Rintelen hat sich von feinem neulichen Unfall leider noch nicht so weit erholen können, daß er in absehbarer Zeit an den parlamentarischen Verhandlungen teilnehmen könnte. Aon den sämtlichen 397 Mandaten war zu Beginn dieses letzten Sesfions- abschnittes nur ein einziges, und zwar des freisinnigen Abg. Kauffmann, des berliner Bürgermeisterkandidaten, erledigt.
aller deutschen Turner und Patrioten Herz. Dies wäre in kurzem die Biographie des Mannes, welcher trotz aller Anfeindungen und Verkleinerungsversuche uns als Vorbild deutscher Kraft und Vaterlandsliebe für alle Zeit gilt.
Wenden wir uns nun von den trockenen Zahlen zu einer Würdigung seines Charakters und Menschentums. Stets ein begeisterter Förderer Deutschlands und glühender Verehrer des HohenzollernhauseS, steckte doch in ihm ein so starker Oppositionsgeist, führte er eine so scharfe Feder und Zunge, daß er, als „Räsoneur" verschrieen, in den Zeiten Metternichs wohl oder übel nach oben und unten Anstoß erregen mußte. Schon als Schüler brachte ihm sein selbständiges Auftreten und die ihm eigentümliche Schroffheft des CharakerS heftige Konflikte und zwang ihn das Gymnasium zu Salzwedel und das berlinisch-köllnische zu verlassen, oder vielmehr verschwand er von diesem urplötzlich und gab sich den Anschein, beim Baden verunglückt zu sein. Dergleichen kleine Eulenspiegeleien, wie Jahns treuester Freund E. M. Arndt seine lustigen Streiche nannte, waren beim „tollen Fritz" nachgerade nicht Seltenes und vollends Äs Student ließ er seinem jugendlichen Ueber- mute die Zügel schießen. So kam es, daß er 7 Universitäten, darunter vornehmlich Greifswald und Halle, besucht haben soll, ohne indessen , nach dem Urteil damals maßgebender Gelehrter, wie Schleiermacher, sich wirklich volle akademische Reife erworben zu haben. „Genua,"
— Weitere Erwerbungen von Bergwerkseiaentum durch den preußische« Staat find nicht beabsichtigt. Bei der gegenwärtigen gedrückten Lage des Bergbaues würde es, wie von halbamtlicher Seite verlautet, manchem Bergwerkseigentümer wohl als sehr erwünscht erscheinen, wenn der Staat ihm seinen Besitz abnähme. Aber die Absicht einer Erweiterung des siskalischen Besitzes in dem rheinisch-westfälische« Bergwerksrevier besteht nicht, da die bisherigen Erwerbungen in Verbindung mit dem übrigen fiskalischen Bergbesitz vollständig für die Zwecke ausreichen, um deren willen, sie erworben wurden.
— Das preußische Staatsbahnnetz soll weiter ausgedehnt werden. Im „Reichsanzeiger" vom Dienstag Abend werden nämlich die Anerbietungen bekannt gegeben, die die preußische Regierung der Ostpreußischen Südbahn», der Marienburg-Mlawkaer, der Ältdamm-Kolberger, der Stargard-Kustriner, der Kiel - Eckernförde - Flensburger und der Breslau- Warschauer Eisenbahngesellfchaft für die Abtretung ihrer Unternehmungen an den Staat gemacht haL
— Ein Komitee, aus Posener Arbeitern bestehend, will in Posin eine Genoffenschaftsväckerei begründen. Genoffenschafter sollen nur Mitglieder der arbeitenden Klaffe werden dürfe«. Der Anteilschein beträgt 5 ML, das Eintrittsgeld 50 Pfg. Die Genossenschaft will bei der Backwarenzubereitung nur Maschinen in Anwendung bringen, so daß die Leute mit dem Teig überhaupt nicht mehr in Berührung kommen.
— Wie der Gardelegener „Kreis-Anz." erfährt, ist seitens der konservativen Partei des Wahlkreises Salzwedel-Gardelegen an Stelle deS verstorbenen Landtagsabgeordneten von Biendel-Steinfels für die demnächst statt- fiudende Ersatzwahl Landrat a. D. v. Davier» Seggerde als Kandidat aufgrstellt worden.
— Aus Klein-Tschirne wird berichtet: Die Nachricht, daß Graf Pückler den Revifionsantrag gegen seine Verurteilung beim glogauer Landgericht zurückgezogen habe, wird vom Grafen für unrichtig erklärt.
— Ein neuer Landesverratsprozeß gegen 4 An- Beklagte ist auf den 6. November vor dem vereinigten . und 3. Strafsenat des Reichsgerichts zu Leipzig zur Verhandlung anöeraumt. Die Anklage lautet gleichfalls auf Verrat militärischer Geheimnisse. Die Verhandlung wird 3 Tage in Anspruch nehmen.
— Wie man aus Bremerhaven meldet, ist durch Abschluß eines Kompromisses der Ausstand der dortigen und geestemünder Hafenarbeiter beendet.
— Mit gestern trat die Handelshochschule in Köln in ihr viertes Semester. In der kurzen Zeit ihres Bestehens hat der Gedanke, der deutsche Kaufmann müsse eine auf seine besondern Bedürfnisse zu- geschnittene Bildung erhalten, die an Wert hinter der Bildung keines andern Standes zurückstehe, erstaunliche Fortschritte in weitesten Kreisen von Handel und Industrie gemacht.
— Die überseeische Auswanderung über die deutschen Hastnplatze war in diesem Jahre fast dreimal so stark als im Jahre 1898.
— Aus Bochum wird gemeldet: Der Vorstand des Deutschen Bergarbeiter-Verbandes erläßt in der „Deutschen Bergarbeiterzeitung' einen Aufruf an die Bergleute zur Unterstützung der streikenden französischen Kameraden.
Ausland
Oesterreick-Ungar«. Die Grundsätze zur Regelung der Sprachenfrage, die Körber heute den Parteiführern unterbreitete, umschreiben genau die Stellung und daß Gebiet der deutschen Sprache, wobei besonders auf Einheitlichkeit der Verwaltung Rücksicht genommen wird. Böhmen wird in drei Sprachengebiete geteilt, einheitlich deutsch, einheitlich tschechisch und zweisprachig. Die sprachliche
jedoch sagt Shakesspeare, „wenn Fehler sich durch größ're Tugend decken; die Sonne zeugt das Licht und hat doch selber Flecken." Und tatsächlich, Jahn war eine solche Sonne am Firmament des emporstrebenden Deutschlands. Auf des Vaterlandes Einheit richtete sich sein ganzes Denken, und Fühlen und um diesen Zusammenschluß zu ermöglichen, wandte er sich vor allen anderen an die deutsche Jugend. Sie zu stählen und zu Härten zur Wahrung deutscher Ehre, stellte er sich als höchste Lebensaufgabe. Darum begründete er den Turnunterricht in unseren Schulen, darum gab es für ihn keinen erhebenderen Anblick, als die frischen Gestalten der Nachwuchses in elastischem Sprunge dahin- fchnellen, am Reck und Barren die Brust sich dehnen und recken, an Seil oder Kletterstange die Kleinen hurttg hinauf huschen zu sehen. Nachdem 1841 Friedrich Wilhelm IV. von Preußen nach längerem Verbot das Turnen wieder zuließ, ist es eine dauernde Einrichtung im deutschen Volksleben und Unterricht geblieben. Als Turner feiern wir heute das Gedächtnis deS Graubartes, der so marftg von sich sagte: „Ich heiße Jahn, stehe in preußischen Diensten und führe drei Waffen zugleich, die Zunge, die Feder und das Schwert." Denn als Turnlehrer eben hat er Preußen und ganz Deutschland die größten Dienste geleistet. Nicht nur Arndt und Blücher erkannten dieses nach 1814 in wiederholten ehrenden Besuchen an. sondern auch der da
Abgrenzung der Gerichts- und Verwaltungsbezirke ist dabei im Auge behalten. Was die innere Amtssprache anbelangt, haben die einsprachigen Behörden ihre Amtssprache zu gebrauchen, bis aus jene Dienstzweige, die btt deutschen Dienstsprache Vorbehalten find. Zweisprachige Behörden gebrauchen im inner» Dienste die Sprache der einschreitenden Partei.
Grundzüge für Mähren gehen von der Doppel- sprachigkeit der Behörden aus. Die Sprache des Einschreitenden entscheidet für den Gebrauch der Sprache im äußern und innern Dienste, doch flilt auch hier das früher erwähnte ausschließliche Geltungsgebiet der deutschen Sprache für gewisse Zweige der Verwaltung. Die Tschechen erklären die Grundzüge für unerörter» bar, die Deutschen meinen, es müßten viele Abänderungen vorgenouunen werden, wenn die Grundzüge den Bedürfnissen der Deutschen entsprechen sollen.
— Die Vertreter der Jungtschechen, deS konservativen Großgrundbefitzes und der Agrarier haben gestern nach mehrstündiger Beratung einstimmig den Entwurf einer ablehnenden Beantwortung der Sprachengrundsätze beschlossen. Der Entwurf wird den einzelnen Klubs am Donnerstag zur Genehmigung vorgelegt und dem Ministerpräsidenten übergeben werden.
Schweiz. Aus Genf wird gemeldet: Der Streik der Trambahner ist beendigt. Von 300 Streikenden sind ungefähr 130 gegen Entschädigung entlassen. Gestern abend wurde gerüchtweise ein Tramwagen auf der Place Chante- poulet von Passanten attakiert. Darauf folgte ein kleinerer Zusammenstoß mit dem herbeigeeilten Militär.
Frankreich. Der „Fran^ais" weist aus die Meldung eines hiesigen Blattes, wonach man sich in Kiel angeblich die Modelle aller fremde« Unterseeboote, auch die der französischen, verschafft habe, und greift den Kabinetsdireftor des Marineministeriums sehr heftig an, weil derselbe den Schweizer Ingenieur Wctet beauftragt habe, den Plan für ein neuartiges Unterseeboot auszuarbeiten. Die Herren Franzosen können beruhigt sein. Wir machen ihnen ihre Unterseeboote ganz gewiß nicht nach.
Niederlande. In einer ziemlich unwesentlichen Angelegenheit fällte gestern das Haager Schiedsgericht den ersten Urteilsspruch. Einstimmig wurde den Vereinigten Staaten vo« Amerika gegenüber Mexiko in der Kirchenschatzfrage Recht gegeben und Mexiko zur nachträglichen Zahlung von 1067 050 Dollars a» die Bischöfe von San Franzisko und Monterey, verurteilt.
England. lieber Montröal (Canada) kommt die Nachricht, daß ein Versuch, mittelst drahtloser Telegraphie eine Verbindung mit einem fahrenden Eisenbahnzug herzustellen, gelang. Der Zug fuhr 60 englische Meilen in der Stunde. Die Verbindung wurde auf eine Entfernung von 8 englischen Meilen eröffnet und während der ganzen Fahrt ohne Stockung aufrechterhalten.
malige Kronprinz von Preußen und Kinder des höchsten Adels, darunter die Söhne des Fürsten Radzewill, ließen sich den Reihen der Turner einverleiben. Daß er neben der Einführung der edlen Turnerei im engen Zusammenhang damit der Regelung und Hebung von studentischer Sitte und Tugend seine Sorgfalt angedeihen ließ und mit Friesen als eigentlicher Urheber der formell erst am 12. Juni 1815 zu Jena gestifteten „Deutschen Burschenschaft" gilt, ist nicht weniger allgemein bekannt. Welche Freude aber würde wohl Jahn erleben, wenn er in den letzten Jahren in der akademischen Jugend immer mehr die „Turner- schaften", Vereinigungen, die wirklich gesunde und stärkende Leibesübungen an die Spitze ihrer Bestrebungen stellen, an Boden gewinnen, wenn er dazu die in allen Städten und Otten aus allen Schichten und Berufen sich zusammeu- setzenden Vereine und Bünde heute fein Werk und sein Andenken feiern sehen könnte! Mit fröhlicher Genugtuung erinnerte er sich wohl der Worte, welche er einst beim hundertjährigen Jubelfest des Gymnasiums zu Salzwedel als stolze Verheißung der deutschen Jugend zuttef: „Das Turnen, aus kleiner Quelle entsprungen, wallt jetzt als ein mächtiger Strom durch Deutschlands Gauen. Es wird künftig eine verbindende See werden, ein gewaltiges Meer, das schirmend die heilige Grenzmark des Vaterlandes umwogt." -B-