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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllrrstrtrtes Sonntagsblatt.

Erscheint täglich außer <m Sonn- mck Feiertage». Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe.

Druck unb Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitatS-Buchdruckerei Marburg, Mark 21. Telephon 55.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Ml., bei allen Postämtern 2,25 Ml. (ejd. Bestellgeld).

Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Mittwoch, 1. Oktober 1902.

Vergessen Sie nicht die .Oberhefsische Zeitung" in Marburg, die entfchiedenfte Vertreteri« des ,ttelffnttbe8 in Stadt und Land für das IV. Quartal 1902 zu bestellen!

Aus dem Kreise Kirchhain.

Wiederholt ist auch in dieser Zeitung darüber geklagt worden, daß keine direkten Fahr­karten zwischen den Stationen der Ohmtalbahn rnerseits und Stationen der Main-Weser-Bahn Andererseits ausgegeben werden, sondern für die Strecke der Ohmtalbahn in allen Fällen «sondere Fahrkarten gelöst werden müflen. Ind doch spielt sich erfahrungsgemäß wohl der größte Teil des Personenverkehrs soweit er für die Ohmtalbahn in Betracht kommt zwischen den beiderseitigen Stationen ab, mit anderen Worten: die meisten Reisenden der Ohmtalbahn (nördlicher Teil) kommen in Kirchhain von der Main-Weser-Bahn oder gehen auf dieselben über. Diese Reisenden muffen stets zweimal Fahrkarten lösen, auch wenn die Entfernungen noch so kurz sind auf beiden Seiten. Ganz besonders macht sich dies in dem regen Verkehr, namentlich des unteren Ohmtals, mit der nahegelenen mächtig wachsenden Universitäts- und Marktstadt Marburg recht unangehm fühlbar und zwar je länger, desto mehr. Haben die Fahrgäste Reisegepäck, dann kommt noch die doppelte Abfertigung des Gepäcks mit ihrer Mühe dazu! Der Mangel an durch­gehenden Fahrkarten besteht von den Stationen der Ohmtalbahn aus, obwohl die Ohmtalbahn an ihren beiden Enden, also an die Main-Weser- Bahn und an die Oberhessische Linie (Gießen- Fulda) in Kirchhain bezw. Rieder-Gemünden unmittelbar anschließt, also eine Ver­bindungslinie zwischen jenen Strecken darstellt. Außer im Verkehr zwischen der Ohmtalbahn und der Main-Weser-Dahn mangelt es aber auch an direkten Fahrkarten über die Ohmtalbahn, welche doch abgesehen von der ganz in der Nähe von Gießen befindlichen Nebenbahn Grünberg - Londorf - Lollar die einzige Verbindungslinie zwischen der Main - Weser Bahn und der Frankfurt- Bebraerbahn auf der gewiß großen Entfernung zwischen Gießen einerseits und Bebra-Malsfeld anderseits bildet. Wer also von Alsfeld oder Fulda usw. nach Marburg, Cölbe, Neustadt, Treysa usw., oder umgekehrt, reisen will, und als sparsamer Haushalter den natürlichen und nächsten Weg über die Ohmtalbahn einschlägt, muß stets drei Fahrkarten lösen und hat, beim Vorhandensein von Reisegepäck, selbstver­ständlich die mehrfache Abfertigung feines Ge­päckes für jede Fahrkartenstrecke besonders noch als unangenehme Beigabe. Was das heißt, wissen Leute, die viel reisen, zu beurteilen. Dieser gewiß recht mißliche Uebelstand, welcher auch der Ohmtalbahn und ihrem Verkehr zweifel-

4 «Nachdruck verboten.)

Verspielt.

Roman von F. Arnefeldt.

(Fortsetzung.)

Edgar Hartung, der im Gegenteil dazu seinen äußeren Menschen recht hübsch heraus­staffiert und bisher ganz zur Zufriedenheit der Damen den Kavalier gespielt hatte, ge­riet bei diesem mehr durch Geberden als Worte ausgesprochenen Tadel in Verlegenheit und wußte nicht sogleich zu antworten. Er faßte sich jedoch und erklärte, obwohl mit etwas zaghafter Stimme, Wiesenberg sei seit so langen Jahren nicht von der Herrschaft be­wohnt gewesen. Sem Vater hätte sich mit Neuanschaffungen stets auf das Notwendigste und Nützlichste beschränkt und ein neuer Wagen mit dem dazu gehörigen Gespann sei nie gebraucht worden.

Hätte das gnädige Fräulein ihm nur Zeit für Vorbereitungen gelassen, so würde manches anders geworden sein, jetzt müssen wir um Nachsicht bitten!" fügte er hinzu.

Habe ich Dir's nicht gleich gesagt, liebe Alice?" mischte sich hier eine ältere, stattliche Dame, die Fräulein von Rohr dem jungen Hartung als ihre mütterliche Freundin, Frau Doktor Ehrentraut, vorgestellt hatte, in« Ge­spräch. Ich warnte Dich, nach so langer Zeit

los von Nachteil ist, soll dem Vernehmen nach, wie mancher andere auch darin seinen Grund haben, daß die Ohmtalbahnstrecke Kirchhain Schweinsberg (Landesgrenze), Kreisbahn, also Privatbahn ist, dann aber auch, daß die Züge der Ohmtalbahn in Kirchhain nicht direkt in den Main-Weserbahnhof, sondern einige hundert Meter davon entfernt einfahren. Nun, der letzte Grund wird mit der bereits in flotter Arbeit befindlichen direkten Einführung der Ohmtalbahn in den Hauptbahnhof Kirchhain, dessen Fertigstellung wohl zum kommenden Frühjahr zu erwarten steht, beseitigt. Alsdann werden die Ohmtalbahnzüge , zur Freude der Ohmtalbewohner in den Main - Weserbahnhof Kirchhain einlaufen und auch von da abfahren. Dann wird nur der erste Grund: die zwischen- liegende Kreis- (Privat)-Bahnstrecke noch be­stehen. Dieser Grund sollte und kann doch nicht wohl auf die Dauer die tatsächlich not­wendige Einführung direkter und durchgehender Fahrkarten hindern, zumal mit der jetzigen Einrichtung so viel Umständlichkeiten und auch Mißlichkeiten für die die Ohmtalbahn benutzenden Reisenden verbunden find. Dabei wird aber auch nicht außer Betracht zu lassen sein, daß mit der Einführung durchgehender Fahrkarten doch eine erhebliche Verminderung des Fahr­kartenverkaufes auf den Uebergangs- und anderen Stationen eintritt, ai|o, anstatt der obenerwähnten zwei und drei Fahrkarten nur eine solche verkauft zu werden braucht, wodurch wieder Arbeitskräfte erspart oder doch wenigstens entlastet werden. Zieht man nun noch in Betracht, daß namentlich in früherer Zeit über so manche Privarbahnstrecken hin durchgehende bezw. direkte Fahrkarten be­standen, und auch heute noch solche Einrichtungen als wertvolle Vereinfachungen fast überall be­stehen, und man außerdem heute dem Verkehr mehr wie je entgegen kommt, so sollte man meinen, die Einführung direkter Fahrkarten müsse spätestens mit der Einführung der Ohmtalbahnzüge in den Main-Weserbahnhof Kirchhain erfolgen. Ersehnt ist sie schon lange genug worden. Freilich, entgültig beseitigt können alle die schon so ost beklagten Mängel und Uebelstände im Bahnverkehr unseres Ohm­tals man denke nur an die durchgehende Frachtberechnung, den Durchgangsverkehr für Gütersendungen u. s. w. erst mit dem längst erfthnten Uebergang der dem Kreis gehörigen Strecken auf den Staat erfolgen, dessen Ver­wirklichung baldigst und mit Nachdruck erstrebt werden müßte, Wei! sie unbedingt notwendig ist. Hoffentlich lassen es sich die beteiligten Stellen angesichts der Wichtigkeit der Fragen für die Bevölkerung unseres Ohmtake?,- wie auch der Bahn selbst und des Kreises, angelegen sein, daß die dringend erforderlichen Verbesserungen recht bald eintreten. Tie Anerkennung und die Dankbarkeit dafür würden sicher nicht ansbleiben. Außerdem wurde aber ein gutes und nützliches Werk geschehen fein, welches dem gesamten Verkehr in unserem Oberheffen zu gute kommen würde.

plötzlich nach Wiesenberg zu reisen, und fürchte, es wird für Tein Behagen nicht allzu gut ge­sorgt sein können."

So werden wir uns bescheiden müssen, liebe Tante," erwiderte Alice von Rohrs tiefe, wohllautende Stimme,bis neue Anschaffungen gemacht sind." Sie wollte noch etwas hinzu­fügen, aber die dritte der angekommenvn Damen, Leonie Helbing, legte ihr die in feinem dänischen Handschuh steckende kleine Hand leicht auf die Schulter und sagte mit einer an das Zwitschern eines Waldvogels erinnernden Stimme:

Laß es doch gut sein! Für mich ist es gerade ein köstlicher Spaß, in einem so alt­väterlichen Kasten zu fahren. Ich wünschte Wiesenberg und seine Einrichtungen entsprächen ihm.'

.Das haben das gnädige Fräulein nicht zu befürchten, das Schloß befindet sich im besten baulichen Zustande und ist' durch Frau Ehffen, die Haushälterin, in musterhafter Ordnung ge­halten worden. Mein Vater hat seine Wohn­ung im Jnspektorhause." Er warf dabei einen dankbaren Blick auf das junge Mädchen, das ihm so anmutig zu Hilfe gekommen war, und es klang so drollig, als sie mit einem be­trübten Ausdruck auf dem schmalen, unregel­mäßigen, aber nicht pikanten Gesicht rief:

Schade! Das bringt mich um mein Haupt­vergnügen l" Schon hatte sich ihre Miene aber

Umschau.

Oberpräsident v. Goßler t-

Aus Danzig kommt die Trauerkunde, daß der Oberpräsident der Provinz Westpreußen, Staatsminister von Goßler in der verflossenen Nacht ge­storben ist. Gustav von Goßler wurde 1838 zu Naumburg a. S. als ältester Sohn des 1885 verstorbenen Kanzlers des Königreichs Preußen und des Oberlandesgerichtspräfidenten v. Goßler geboren, studierte die Rechte, trat in den preußischen Justizdienst und wurde nach mancherlei Aenderungen seines Weges 1879 als Unterstaatssekretär ins Kultusministerium be­rufen. Inzwischen war er auch ReichstagS- abgeordneter, konservativ, und Präsident des Reichstags. Am 17. Juni 1881 wurde er an Stelle Pnttkamers zum Kultusminister ernannt.

Er nahm die schon von seinem Vorgänger verfolgten Bestrebungen zur Herbeiführung eines Ausgleichs des kirchenpolitischen Konstiktes mit Eifer auf. Es gelang ihm, mehrere wichtige Bestimmungen der Maigesetze aufzuheben. Er hielt fest an dem Prinzips des staatlichen Ein­flusses auf die Volksschule, aber auch zugleich an der Erhaltung der religiösen Grundlage derselben. Ter politischen Bewegung in Posen trat er energisch entgegen, die einschneidendste Maßregel war die Aushebung des polnischen Sprachunterrichts in den Volksschulen. Gegen Ende 1890 brachte er den Entwurf eines Volks­schulgesetzes ein, der aber unter den damals herrschenden politischen Verhältnissen leider keine Aussicht auf Annahme hatte. Er erbat des­wegen seine Entlassung und wurde am 7. Juli 1891 zum Oberpräsidenten von Westpreußen ernannt. Auch auf diesem Posten bewies von Goßler sein politisches Talent sowie seine her­vorragenden staatsmännischen Fähigkeiten, die ihn einst einem Bismarck als Mitarbeiter so wert gemacht hatten.

Sozialdemokratie und Bauernstand.

DerVorwärts" behauptet, die auch kürzlich von uns besprochene, nebenbei bemerkt ans einem mit 8. und H. (eine bekannte berliner Korrespondenz) gezeichneten Berichte ent­nommene Stelle der Bebelschen Parteitagsrede, in der es heißt:es gebe keinen egoist- tifcheren, brutaleren u. s. w. Menschen­schlag als die bäuerliche Klasse" sei absichtlich gefälscht".

Gegen diesen Vorwurf mag sich die auch von uns benutzte Quelle verteidigen. Da kein beglaubigter stenographischer Bericht vorliegt, muß die Presse natürlich das Gebotene benutzen und die verschiedenen Berichte vergleichen, um den anscheinend zuverlässigsten zu ermitteln. DerVorwärts" behauptet nun, Bebel habe nicht von Bauern sondern von Agrariern gesprochen. Das ist unrichtig. Nach dem Berichte derBerliner Zeitung" gezeichnet Hg., bemerkte Bebel:

Der Stamm und die Stütze des Zentrums ist der Bauernstand. In seiner Stellung zum Zolltarif ist, ob es der polnische Schlacht-

wieder verändert, und die nicht großen, aber wunderbaren klaren, von goldenen Wimpern umsäumten graublauen Augen bittend auf Edgar richtend, fügte sie hinzu: Geht es nicht an, den Wagen aufzuschlagen?"

Ich hoffe wohl, gnädiges Fräulein," be­eilte sich Hartung zu antworten, befragte aber zugleich mit den Augen Alice. Als diese durch ein Nicken des auf dem schlanken Halse schön und frei getragenen Kopfes ihre Zustimmung erteilt hatte, gab er dem Kutscher einen Wink. Schwerfällig kletterte dieser vom Bock und seinen und Hartungs Anstrengungen gelang es nach einigen vergeblichen Versuchen, den geschlossenen Wagen in einen offenen zu verwandeln.

Inzwischen war auch durch Bedienstete der Eisenbahn das aus mehreren kleineren und größeren Koffern und Schachteln unb Taschen bestehende Gepäck herbeigeschleppt worden und wurde auf den dafür bestimmten Leiterwagen geladen, auf dem trotz allen Nasenrümpfens und Sträubens auch die Kammerjungfer des Fräu­leins Platz nehmen mußte.

Edgar Hartung wollte Fräulein von Rohr beim Einsteigen behilflich sein, aber sie wies mit entschiedener, wenn auch nicht unfreund­licher Bewegung feine Hand zurück und ehe er sie noch nach Leonie ausstrecken konnte, hatte diese sich leicht wie ein Vogel aus das Trittbrett und dann in den Wagen geschwungen. Nur

zize inOberschlefien ober bet ostpreußische Bauer ober bet christliche Bauernbünbler ist, alles ein unb betfelben Kouleur. (Beifall.) Unb bet christliche Bauernvereinler am Rhein unb in Süddeutschland sucht noch bie unverschämtesten Forderungen des Bauern­bundes zu übertreffen. Daraus folgt: die oben­erwähnte Stelle, in der allerdings die Wotte bäuerische Klasse durch das Wott Agrarier ersetzt ist.

Im offiziellen sozialdemokratischen Berichte heißt diese Stelle:

Der Stamm der Zentrumsanhänget, das Bauettum, die landwittschaftlichen Berufsschichten sind sich Aber die Frage des Zolltarifs in ganz Deutschland vollkommen einig. Ob schlesischer Magnat oder polnischer Schlachtzize oder w e st - preußischer Bauer oder der christliche Bauernverein am Rhein und in Süddeutsch­land, in dieser Frage find fie fich einig, da ist alles dieselbe Kouleur. Ja, noch mehr: Wir haben bei den Eingaben an den deutschen Reichstag anläßlich der Beratung des Zolltarif» entwurfs aus landwirtschaftlichen Kreisen aus allen Gegenden Deutschlands die überraschende Tatsache erlebt, daß in Bezug auf die Forder­ungen die christlichen Bauernvereine am Rheim und in Süddeutschland die Unverschämtheit deS Bundes der Landwirte noch übersteigen." (Hört, hört!) Weiterhin heißt es auch hier statt Bauer: Agrarier.

Es kann nach Vorstehendem gar keinem Zweifel unterliegen, daß sofern Bebel tatsächlich zuletzt auch nur von Agrariern gesprochen, die landwirtschaftlichen Kreise in ihrer Gesamtheit geschmäht haben sollte, er doch den Bauernstand bann ebenfalls gemeint haben müßte. Im übrigen ist die Kunst, womit sozialdemokrattsche Parteitagsberichte namentlich in Bezug aus unvorsichtige" Auslassungen Bebels schon nach­weisbarkorrigiert" worden sind, bekannt. Wir haben also vor der Hand keinen Anlaß, an der Zuverlässigkeit des von uns benutztenbürger­lichen" Berichts zu zweifeln.

Ueber dieUebernahme" der Waisen« gelder durch die englische Regierung, von der wir bereits berichteten, urteilt der Reichsbote":

.Es heißt in der Depesche ausdrücklich, daß es sich nicht um staatliche Waisenverwaltungsgelder, sondern nur ein privates Besitztum Minderjähriger handelt, das bei dem Kommissar hinterlegt war. Wie kann ohne einen neuen Gewaltakt England es rechtfertigen, daß es diese Privatgelder, die an eine bestimmte Vertrauensperson gegeben waren, an sich nimmt? Denn der Vorwand, die Gelder wären nicht genügend sicher angelegt gewesen, wofür die Kriegs­läufe verantwortlich sein dürften, ist doch nur mit feiner charakteristischen .Berichtigung" gewählt, um die Gelder und damit auch die Erziehung der Waisen in bie Hand zu bekommen. In einem Augenblick wo bie Buren also um Hülfe in ihrem Elend tuten, nehmen ihnen die Engländer noch die freie Ver­wendung eines Waisenfonds von 283000 Pfd. Sterh, also von 5600000 Mk. Das ist doch unerhört uni zeigt die englische Skrupellosigkeit im schärfsten Lichte Wo würde sonst in irgend einem Lande der Well eineRegierung, wagen Waisengelber, bie von Testatoren ober Waisenfreunben unter bestimmten Voraussetzungen unb an bestimmte Vettrauenspersonen gegeben siub,

Frau Doktor Ehrentraut die fich neben Alice auf ben Vordersitz niederließ, nahm seinen Arm an; aber bie Abfahrt verzögerte fich noch um einige Minuten. Es bedurfte wiederholter Mahnungen des Kutschers, bis bie Pserbe fich entschlossen, ihre Schuldigkeit zu thun.

Der Wagen verfolgte vom Bahnhof aus an­fänglich eine gerade Straße, gelangte aber bald in einen sehr schönen Wald, durch den der Weg in Windungen allmählig anstieg; durch bie Lichtungen hatte man reizvolle Ausblicke auf das wohlangebaute Thal, das durch die wie Silber glänzende Saale bespült ward. AuS dunklem unb Hellem Grün leuchteten bie roten Ziegeldächer kleinerer und größerer Ortschaften. Wiesen, Getreidefelder und Gärten wechselten mit Waldparzellen ab, mehr im Hintergründe zeigten sich Bergkuppen.

Anfänglich herrschte völliges Stillschweigen zwischen den Jnsafsen des Wagens. Goldene« Sonnenlicht lag über der Landschaft, ein be­rauschender Duft erfüllte die Atmosphäre, denn es war die Zeit der Heuernte, und toirfte im Verein mit der herrschenden Wärme einschläfernd. Aber es war nicht Müdigkeit, was die Zungen gefesselt hielt, sondern das Beispiel der jungen Schloßherrin, die in* Begriffe stand, den Ein­zug in ihr noch nie gesehenes Vaterhaus zu halt«z.

(Fortsetzung folgt.)