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Umschau.

Personentarisreform.

Wie zu erwarten war, ist die Nachricht, daß die Königlich Sächsische Eisenbahnverwaltung die Durchführung einer Reform der Personen­tarife beschlossen habe, nach welcher unter Auf­hebung des Freigepäckes nur noch eine Einheits­fahrkarte zu dem halben Preise der Rückfahr­karte bestehen soll, alsbald widerrufen worden. Die sächsische Eisenbahnverwaltung stellt zwar Erwägungen über eine Reform der Personen- tarife an, ist indessen zu festen Beschlüssen noch nicht-gelangt. Auch in Preußen ist die Neuordnung der Personentarife in der oben angegebenen Art bereits Gegenstand der Erwägung gewesen. Es ist auch, als im vorigen Jahre die 45- tägigen Rückfahrkarten zur Einführung gelangten, nicht zweifelhaft gewesen, daß das Endziel der

Ach was!" tröstete er sich dann wieder, ansehen können wir uns ja, das kostet nichts und verpflichtet zu nichts. Die Schloßherrin von Wiesenberg und der. Sohn des Oberver­walters! Lächerlich!"

Schon lachte er wirklich wieder und stimmte von Neuem ein Studentenlied an.

Ist bas unsere Equipage, Herr Hartung?'

Alice von Rohr, die mit ihren Begleiterinnen auf dem Bahnhof des Städtchens Dornburg in Thüringen von Edgar Hartung empfangen und zu dem ihrer harrenden Wagen geleitet worden war, blieb beim Anblick des letzteren stehen und stellte die Frage in einem leicht spöttischem Tone, während ihre durch einen großen Stroh­hut beschattete schöne weiße Stirn sich unwill­kürlich in Falten zog.

Das Gefährt war allerdings wenig ge­eignet, den Ansprüchen einer jungen Dame zu genügen, die nach dem einfachen,, aber sehr ge­schmackvoll gewählten, tadellos fitzenden Reise­anzug und den mitgebrachten Gepäckstücken zu urteilen, verfeinerte Lebensgewohnheiten besaß.

Es war ein Kutschwagen, der vor Jahren elegant gewesen und gute Dienste geleistet haben mochte, aber gewiß schon längere Zeit in der Remise der wohlverdienten Ruhe gepflegt hatte, und jetzt wieder ans Tageslicht gezogen und notdürftig hergerichtet worden war. Die seine Bespannung bildenden zwei Pferde waren zwar jung, kräftig und gut genährt, aber augen­scheinlich von der Feldarbeit hinweggenommen. Darauf deutete auch ihr Geschirr, und dem Kutscher konnte man es unschwer ansehen, daß er in aller Eile in die verblaßte grüne Livree gesteckt und nicht gewohnt sei, eine solche zu tragen

(Fortsetzung folgt.)

mit dem Kreisblatt

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Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

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Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).

Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Rcclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Dienstag, 30. September 1902.

Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertage». Sonnabends in Morgen- und Wend-Ausgabe. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

37. Jahrg.^

Abonnements - Einladung.

Damit in der regelmäßigen Zustellung der Oberhessischen Zeitung" keine Unterbrechung Eintritt, ist es rötlich, dieselbe sofort zu bestellen. Denjenigen unserer Abonnenten, die unsere Zeitungnicht durch die Post erhalten, wird dieselbe, sofern sie nicht abbestellt wird, auch fernerhin ohne weiteres zugehen. Die .Oberhessische Zeitung" mit dem .Amtlichen KreiSblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain",dem Illustriert en Sonntagsblatt" und den .Ziehungslisten der Preußischen Klassenlotterie" kostet nach wie vor pro Quartal 2,25 Mk. Einesteils, um den Inserenten und andererseits, um den ländlichen Lesern entgegenzukommen, haben wir die Einrichtung getroffen, daß für Stadt und Land unsere Zeitung am Sonnabend in zwei Ausgaben und zwar morgens und nachmittags expediert wird.

Jeden, der etwas zu inserieren hat und in den Kreisen Marburg, Kirchhain, Franken­berg, Biedenkopf, Ziegenhain und Umgebung Jntereffenten sucht, bitten wir, einen Versuch mit einem Inserate in unserem Blatte und in anderen Zeitungen zu machen! Wir find überzeugt, daß er mit einem Inserate in der .Oberhesfischen Zeitung" den größten Erfolg haben wird! Denn dieOberhessische Zeitung" ist nicht in einzelnen verstreuten Nummern überdas gesamte deutsche Reich verbreitet, sondern mit ihrer ganzen großen Auflage in dem Landgerichtsbezirke Marburg, zu denen die obigen Kreise gehören und in denen die Zeitung auch wegen der aussührlichen Schwur- und Straskammer- berichte und der Mitteilungen über größere landwirtschastliche und sonstige Veran­staltungen u'w. überall gelesen wird.

Die .Oberhessische Zeitung" hat es sich in erster Reihe zur Aufgabe gestellt, einzutreten für die Macht und das Ansehen von Kaiser und Reich, für Tron, Vaterland und Altar! Sie orientiert kurz und erschöpfend über alle Fragen der inneren und äußeren Politik und vertritt eine kräftige Mittelstandspolitik nach dem Prinzip, daß jeder Arbeiter seines Lohnes wert ist. Außerdem strebt die Oberhesfische Zeitung" eine Förderung aller produ­zierenden Stände und Berufe an und will einen freien Bauernstand auf seinem eigenen Grund und Boden erhalten wissen.

Im Laufe dieses Vierteljahres beginnt der Reichs­tag seine Arbetten wieder und seine hauptsächlichste Tätigkeit wird in der Beratung der Zolltarif- Vorlage bestehen. Die Oberhessische Zeitung wird dieser Vorlage ganz besonders ihre ständige Aufmerk­samkeit widmen und sie nach allen Richtungen hin in Leit- und Umschau-Artikeln ausführlich er­örtern. Ihre Leser werden daher stets genau über den Stand der Beratungen dieser für die pro­duzierenden Stände so brennend wichtigen Vorlage orientiert sein. Die gleiche

Berücksichtigung werden aber auch alle anderen wichtigen Fragen erfahren.

Da die .Oberhessische Zeitung" in ständiger Ver­bindung mit dem größten deutschen, aus amtlichen Quellen bedienten telegraphischen Büreau steht und ein wettverzweigtes Netz von Korrespondenten in ihrem Verbreitungsbezirle und wett darüber hinaus unterhält, so ist sie in der Lage, bei der großen Zahl von interessanten, neuesten Nachrichten, die sie täglich veröffentlicht, sicher für jedermann etwas zu bringen, was besten Jntereste ganz besonders in Anspruch nimmt. Außerdem ist sie immer bemüht, die Zahl ihrer Nachrichten aus Stadt und Land zu vermehren, da der sich beständig vergrößernde Leserkreis der .Oberhesfischen Zeitung" dies erfordert und ermöglicht. Der Auswahl der zur Veröffent­lichung kommenden Romane und Erzählungen werden wir erhöhte Aufmerksamkeit widmen.

Zum Schlüsse bitten wir noch unsere zahlreichen Freunde und Leser, in ihrem Bekanntenkreise zum Abonnement auf unsere Zeitung aufzu- fordern! Diese Mühe kommt ihnen selbst wieder zu gute! Denn je mehr Abonnenten eine Zeitung hat, desto mehr kann sie im Interesse ihrer Leser sür die Ausgestaltung ihres redakttonellen Teiles aufwenden und diesen immer inhaltsreicher, belehrender und interessanter gestalten!

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Redaktion «nd Verlag ver..Oberheffische« Zeitung".

Eine deutsche National-Schule«

Vor kurzem ist zu Wertheim am Main ein eigenartiges aber sebr bedeutsames Unternehmen ins Leben getreten. Nach jahrelangen Vor­bereitungen ist in jenem freundlichen Städtchen eine deutsche National-Schule errichtet worden, die sich die Erhaltung des Deutschtums im Auslande, die Steigerung der kulturellen und wirtschaftlichen Auslandstätigkeit unserer Söhne zum Ziel gesetzt hat.

Der Gedanke, eine deutsche National-Schule ins Leben zu rufen, ist mit rühmlicher Opfer­willigkeit und großer Energie besonders von dem Major a. D. Nbert Kreßmann vertreten worden. Unermüdlich hat dieser in Wort und Schrift auf die Verwirklichung der Idee hin­gearbeitet und mit Genugtuung hat er wahr­nehmen können, daß der Kreis, welcher seinem vaterländischen Unternehmen hohen Beifall zollte, sich stetig vermehrt hat. Es ist auch gar nicht daran zu zweifeln, daß die Anstalt in der deutschen Nation immer'tiefer Boden fassen wird; denn ihre Ziele sind so beschaffen, öaß jeder Vaterlandsfreund ohne Unterschied des Standes, des Bekenntniffes oder der Partei sie billigen kann.

Nach Außen will die deutsche Nationalschule der Pflege der deutschen Sprache und Gesittung, sowie der Hochhaltung des Namens und der Ehre der deutschen Nation und im besonderen der Förderung der deutschen wirtschaftlichen Interessen dienen. Nach Innen will sie eine Lehranstalt sein, die nicht etwa nach der Art von Fachschulen nur zu einem Amte oder Ge­schäfte anlernt, sondern eine Schule, die Söhne von Deutsch-Ausländern wie von Reichsdeutschen zu dem hohen Berufe erzieht, die nationalen Ziele verwirklichen zu helfen. Die Erziehung zur Tugendhaftigkeit, Sittlichkeft und Frömmig­keit, zum Gemeinsinn, zur Arbeitstüchtigkeit, Mannhaftigkeit und Selbstvertrauen, verbunden mit weltmännischer Bildung, soll der Ausgangs­punkt des Unterrichts sein. Sodann soll der Schule das Wesen der für wirtschaftliche Sonder- zwecke errichteten Kolonialschulen zu eigen ge­macht werden und endl'ch wird sie dm Charakter der deutschen Auslandsschulen, die sich die Er­haltung des Deutschtums im Auslande ange­legen sein laffen, besitzen.

Das neue Unternehmen wird, sobald es aus­gebaut ist, eine Vollanstalt darstellen, die in ihrem Unterbau zweigliedrig, in ihrem Oberbau eingliedrig ist. Im ersteren bleiben die VolkS- schüler von den Mittelschülern nach Herkunft und Veranlagung der Zöglinge gesondert, im Oberbau aber erfolgt eine Verschmelzung des Unterrichts, wie sie der Einheitlichkeit der wesent­lichsten Bedürfnisse und Forderungen der Aus­landstätigkeit entspricht. Selbstverständlich er­leidet der Lehrplan der neuen Schule durch ihre eigenartigen Ziele eine Verengerung gegenüber den bestehenden Anstalten; aber diese Verengerung geht doch nicht so weit, wie die der Fach- und 'Kolonialschulen, die ihre Lehrzeit nur aus wenige Jahre und ihre Ausbildung nur sür beschränke Sonderzwecke beschränken.

Der Unterrichtsvlan schreibt sür die Volks­schüler, die mit dem 4. Schuljahr (9. und 10. Lebensjahr) eintreten, den vollen Unterricht ihrer Schule vor, nebenbei erfolgt noch Hand­fertigkeitsunterricht und Unterweisung im Zeichnen und Modellieren, sowie Hebungen nach der Methode des Amerikaners Liberty Tadd. Nach fünfjährigem Kursus erfolgt Er- gänzungsunterricht im Englischen und der Mathematik. Im oberen Kursus sollen folgende Fächer gelehrt werden: Die neueste Geschichte der europäischm Kulturvölker, insbesondere Deutschlands, Geograhie und Ethnologie, Siedelungskunde, deutsche Litreraturkunde, Naturlehre, Physik, Chemie usw., Mathematik, Wirtschaftskunde, Hygiene, neuere Sprachen, praktische Betätigung in den Anlagen, Werk­stätten und Laboratorien (in Landwirtschaft, Gärtnerei, Handwerk, Wirtschaftsbetrieb, kaufmännische Buchführung), sowie endlich

HUHI 3I llllflll Leibesübungen und Sport aller Arten. Auch für Privatunterricht in Musik usw. wird Für­sorge getroffen werden.

Für denOberbau" wird ein Internat mit strenger Hausordnung errichtet, für die Zöglinge desUnterbaues" wird dafür gesorgt, daß sie sorgsam ausgewählten Familien in Pflege ge­geben werden. Zunächst ist die Oberstufe mit Internat eröffnet worden. Blüht die Anstalt, die sich des Wohlwollens der badischen Regierung und der Schulbehörden erfreut, empor, fo wird sie den inzwischen klargestellten Bedürfniffen den Unterbau unpassen.

Die deutsche National-Schule hat sich fo bemerkt der um das Werk hochverdiente Major Kreßmann vor kurzem in einem seiner Vor­träge die nationale Idee zur Standarte er­wählt.Sie will die Jnlandssöhne geneigt und tüchtig machen für die Auslandstätigkeit und sie will die deutschen Auslandssöhne in die alte Stammesheimat wieder dauerhaft ein» deutschen. Aus der Mitte des letzteren sollen dann aber auch Lehrer herangebildet werden, welche Apostel und Werkleute des Deutschtums, welche echte und rechte Volksführer in der fernen neuen Heimat sein werden. Gelingt dies, so müffen die guten Folgen für das Ansehen der deutschen Nation in der Welt wie für die Erhaltung und Steigerung unserer , welt­wirtschaftlichen Erfolge mit Notwendigkeit ein­treten. Durchschlagende Erfolge können wir uns allerdings nur dann versprechen, wenn unser Beispiel Nachahmung findet, wenn eine Reihe von Anstalten, wie die unsrige, auf deutschem Boden entsteht. Daß dies ht Ansicht steht, darauf haben schon mehrere Artikel in Zeitungen und Zeitschriften hingewiesen." Wir können dem vaterländischen Unternehmen nur das beste Gedeihen wünschen.

S Nachdruck verboten.)

Verspielt.

Roman von F. Arneseldt.

(Fortsetzung.)

Hartung zuckte die Schultern.ES ist nicht bloß der Tod, der einen Umschwung der Dinge herbeiführen könnte. Große Veränderungen stehen bevor. Fräulein Alice von Rohr wird Morgen ihren Einzug in Schloß Wiefenburg halten."

Edgar prallte bei dieser Nachricht zurück, aber keine Spur von Mißvergnügen gab sich in Ton und Miene kund, als er ausrief:Die junge Schloßherin kommt!"

Ja, mit einem ganzen Schwanz von Weibern. Das scheint Dich ja zu freuen!"

Gewiß!" entgegnete Edgar und strich das Bärtchen auf der Oberlippe.Junge Mädchen im Hause, das bringt Abwechselung, Zer­streuung."

Ich dachte, die wüßtest Du Dir ohnehin zu verschaffen. Wann wirst Du endlich genügend vorbereitet für das Examen sein?"

Bald, bald, Vater ich büffele furchtbar."

Siehst nicht eben danach aus," brummte der Oberverwalter, ihn vom Kopf bis zu den Füßen musternd, hälft Dich weit mehr in den Ställen und im Walde als in Deinem Zimmer auf."

Ich mache praktische Studien, die mir sehr zu Statten kommen werden, man verlangt heut­zutage von Juristen Vielseitigkeit und Kenntnis des realen Lebens," erwiederte Edgar und wollte diesen Worten eine Erlärung beifügen; der Obervermalter gebot aber:

»Laß' das: ich habe heute mehr zu tun, als

Deinem Geschwätz zuzuhören. Wir müffen Vor­bereitungen sür den Empfang des Fräuleins treffen, dabei kannst Du helfen!"

Gern, gern! Was soll ich tun? fragte Edgar eifrig.

Na sorge für Guirlanden und Ehrenpforten und dergleichen. Mir find alle solche Narrens­poffen eigentlich in den Tod zuwider, aber sie lassen sich nicht vermeiden. Die Sache wird ein hübsches Stück Geld kosten."

Was schadet das?" lachte Edgar. Möcht nur wissen, weshalb Du immer in Fräulein von Rohrs Beutel sparen willst?"

Man kann doch nicht wissen, für wen ich das zuletzt getan haben dürfte, bemerkte der Oberverwalter mit so eigentümlicher Betonung, daß des Sohnes Aufmerksamkeit dadurch erregt werden mußte. Aufblickend fragte er:

Was willst Du damit sagen, Vater?"

Als gut kombinierender Jurist müßtest Du die Antwort selbst finden."

Edgar schlug ein Helles Lachen auf.Ver­stehe ich Dich recht? Du gedenkst aus mir und Fräulein Alice v. Rohr ein Paar zu machen? Lieber Alter, Du kannst doch nicht im Ernst daran denken, daß sie den etwas ver­bummelten Rechtskandidaten nimmt."

Edle Selbsterkenntnis! spottete der Ober- Verwalter. , Dicht vor den Sohn hintretend, fügte er hinzu:Ja, ich denke daran, und besitze die Macht, die Sache mit allem Nach­druck zu betreiben, und ich wüßte nicht, warum sie nicht gelingen sollte. Du spielst keine üble Figur," er ließ jetzt mit väterlichem Stolz die Blicke auf dem vor ihm stehenden Sohn ruhen, kannst Dich, wenn Du willst, recht gut be­nehmen , warum solltest Du nicht Eindruck machen?"

Es werden balo genug andere Bewerber in die Schranken treten," sagte Edgar kleinlaut.

Du bist doch sonst nicht so zaghaft und hast den Vorteil, der Erste auf dem Platze zu fein. Du wirst die Damen morgen am Bahn- Hofe empfangen.

Ich? Es klang sehr gedehnt.

Du wirst mich als unabkömmlich vom Hause entschuldigen."

Edgar steckte ein malftiöses Lächeln auf; er mochte der vielen Tage und Nächte gedenken, in denen der Vater sich vom Hause abkömmlich gehalten hatte und ihm fern geblieben war. Der Oberverwalter, der das sehr wohl bemerkte, mochte feine Gründe haben, sich zu stellen, als sähe er nichts davon. Er setzte dem Sohne noch weitläufig auseinander, was beim Empfang der Ankömmlinge zu geschehen habe, und dieser erklärte sich zu allem bereit. Aber die Freude, die er bei der ersten Nachricht vom bevorstehenden Eintreffen der jungen Schloß- herrin gefühlt hatte, war vorüber. Er wagte zwar nicht, es dem Vater gerade heraus zu fügen, aber dessen Pläne waren gar nicht nach feinem Geschmack und übten auf ihn einen niederdrückenden Einfluß aus. Als er das Zimmer verließ lag auf seinem Gesicht ein dort nur selten wahrnehmbarer Ernst und er murmelte:

Ob es nicht heftet wäre, ich packe meine sieben Sachen, ginge auf und davon, und setze mich in Weimar oder in einem kleineren Neste hin, um schleunigst mein Examen zu machen? Ich fürchte, der alte verrechnet sich gründlich, und ich habe es dann auszubaden. Gegen alle anderen Menschen ist er ja die personificierte Liebenswürdigkeit."