S-nnt-gsdeU-,«: IlluftrirteS S»«»t-gsblatt.
37. Jahrg.
an
bestellt.
(Fortsetzung folgt.)
Märkte Mesopotamiens öffnet, tue so reich an Getreide und anderen Naturprodukten sind.
Die Russen, welche jene heute noch türkischen Gebiete als ihr natürliches Erbe betrachen, dürften über die Produktionsfähigkeit derselben ganz gut unterrichtet sein. Wenn sie fürchten, daß das mesopotamische Getreide und die anderen Naturprodukte nach Vollendung der Bagdadbahn ihrem eigenen Agrarexport gefährliche und schädliche Konkurrenz auf den europäischen Märkten machen würden, dann müflen sie doch die Ueberzeugung hegen:
1. Daß die Lieferung dieser Agrarprodukte Mesopotamiens zu noch billigeren Preisen nach dort würde erfolgen können, als diejenige ihrer eigenen Landwirtschaftserzeugniffe.
2. Daß die in Mesopotamien und den benachbarten Landstrichen zu produzierenden Mengen bedeutend genug sein werden, um einen sehr fühlbaren Einfluß auf die Preisgestaltung der westeuropäischen Märkte zu gewinnen.
Das sind diesttben Anschauungen, welche auch wir stets von der durch die Bagdadbahn zu erschließenden asiatischen Agrarkonkurrenz gehabt haben. Die deutschen Landwirte haben ebenso tote die französischen sicher alle Ursache, jene mesopotamische Konkurrenzgefahr als sehr bedeutend und schwerwiegend im Atage zu behalten.
unserer Landeskirche wahren und schützen — immer wieder prinzipielle Gegner der lutherischen Bekenntniffe an unserer Landesuniversität an gestellt find. Wir stehen jetzt vor der Frage, ob wir dazu schweigen dürfen, daß die moderne Theologie uns die letzten Fundamente unseres Glaubens — die Heilstatsachen, auf welchen unsere Erlösung beruht — antastet und umzu
stürzen sucht. Wir bitten Ew. Exzellenz, die Gefahren der kirchlichen Lage nicht zu unterschätzen: — die Abbröckelung der kirchlich gläubigen Kreise, welche bisher daS Salz der der Kirche waren, die Propaganda des Katholizismus einem bekennenslosen Protestantismus gegenüber, die Zunahme einer sozialistischen Glaubens- und Bekenntnislofigkeit bei den Massen! — Wahrlich diese handgreiflichen Notstände reden eine deutliche Sprache. Wir sprechen daher die vertrauensvolle Erwartung aus, daß die in unserer Eingabe vom 8. Dezbr. 1890 ausgesprochene Bitte, „bei den Besetzungen der akademischen Lehrstühle der theologischen Fakultät in Kiel mehr als bisher den kon- fesfionellen Charakter der schleswig-holsteinischen Landeskirche zu berücksichtigen", nunmehr Gehör finden werde, und daß insbesondere die Professur für praktische Theologie nicht ferner einem Manne anvertraut bleibe, der dem Bekenntnisse unserer Kirche feindselig gegenübersteht." ____________
Die Zolltarifkommission arbeitet in zweiter Lesung mit überraschender Schnelligkeit. In drei Sitzungstagen hat fie nunmehr den ganzen ersten Hauptabschnitt des Tarifs betreffend die Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft, deS Gartenbaues und anderer landwirtschaftlicher Neben gewerbe erledigt. Damit ist fast der vierte Teil des ganzen Tarifs in zweiter Kommisfionsberatung fertig gestellt. Nach dem Verlaufe der ersten Sitzung hatte man auf ein so rasches Fottschteiten nicht gerechnet; aber die angedrohten Dauerreden Stadthagens und anderer Tarifgegner unterblieben vernünftigerweise, und damit fiel das Haupthemmnis fort. Es wird nun Wohl dem Plan, schon in der nächsten Woche die zgveite Lesung des Tarifs zu beenden und am 7. Oktober das Tarifgesetz in Angriff zu nehmen, nichts mehr im Wege stehen, so daß daS kaum für möglich gehaltene Ergebnis erzielt wird, dem Reichstagsplenum für den Fall deS Wiederzusammen- tritts am 14. k. M. wenn nicht die vollständigen Zolltarifvorlagen, so doch den Zolltarifentwurf fertig durchberaten übergeben zu können. Die Entscheidung über das wichtige Reformwerk wird demgemäß im Plenum und zwar in nicht zu langer Zeit fallen, — wenn nicht etwa die Linke zu ihrem eigenen Schaden mit der Verwirklichung ihrer Obstruktionsdrohungen ernst macht.
Der Freisinn im Dienst deS Großkapitals.
Wir haben bereis mitgeteilt, daß der Abg. Dr. Heim in der Kommission festgestellt hat, daß die großen Münchener Brauereien Union, Sedlmayr, Pschorr, Salvator, Münchener Kindl,
gebildet und die klemm dunklen Augen hatten einen stechenden Blick, leise, wie im Selbstgespräch bewegten fich feine Appen.
In feinem «nrrchigm Hirn begannm bereits Ke Gedanken eifrig au dm Plänen zu arbeitm,
Umschau.
Eine Eingabe der schleswig-hol- steinisa-en Geistlichen.
Die liberale „Kölnische Ztg." veröffentlicht
tat Hand zu behalten und womöglich noch zn vermehren hoffte.
Wieder an dm in der Mitte des Zimmers । mit Zeitungen, Geschäftsbüchern
aller Grimm und Hohn wie weggewischt, in seinem Gefichte waren die Falten geglättet, ein freundliches Lächttn umspielte seinen Mund, während er „Herein" rief.
Er setzte sich auf einen in der tiefen Fensternische stehenden Lehnstuhl, wobei er es seiner Gewohnheit gemäß so einrichtete, daß sein Gesicht im Schatten blieb, während das der Person, mit der er sprach, beleuchtet wurde.
„Bitte, kommen Sie näher, Frau Eyffm, und setzen Sie sich," sagte er mit gewinnender Freundlichkeit, die aber ein wenig unsicher war, und deutete mit der Hand auf einen ihm gegen- über stehenden Stuhl.
Die Eingetretene ging mit festen, ruhigen Schritten darauf zu und nahm mit einem kurzm, höflichen „Gutm Morgen, Herr Oberverwalter" ohne Umstände Platz. Sie war eine Frau im Anfang der Fünfzig und bekleidete auf Schloß Wiesenberg das Amt der Haushälterin. Ihr Körper zeigte eine behagliche Fülle, die Gestalt war mittelgroß, das Gesicht noch glatt und rosig. Unter dem schneeweiße« Häubchen lag ein Streifen Haar, in dessen Schwärze sich noch kein weißes Fädchen mischte. Auch an den Zähnen, die Kein und spitz in zwei Reihen im Munde standen, schien fie noch keine Einbuße erlitten zu haben. Ihre einfache HauSkleidung war tadellos sauber.
„Es tut mir leid, daß ich Sie von der Arbeit rufen muß, Frau Ehffen", begann Hartung mit der Höflichkeit und Geschmeidigkeit, die er nicht leicht gegen Jemand vergaß, und zu der er fich gegen die Haushälterin noch für besonders verpflichtet hielt. „Ich weiß, es giebt jetzt viel zu tun, aber es geht nicht anders."
„Na, Herr Oberverwalter, was sein muß, muß sei«. WaS gibt es denn?" antwortete
___ erster Stelle eine Eingabe von 193 schleswig-holsteinischen Geistlichen au den Kultusminister, in der es heißt:
„Wir wenden uns jetzt aufs neue an die entscheidende und verantwortliche Instanz des Kultusministeriums mit einer erneuten und dringlichen Vorstellung und Beschwerde. Sie ist heute begründet durch dir agitatorische Polemik des Professors der praktischen Theologie Dr. Baumgarten in Kiel gegen die Fundamentalartikel unseres christlichen Glaubens, gegen die Autorität der heiligen Schrift und die kon- fesfionelle Grundlage des Religionsunterrichts der Jugend, de« lutherischen Katechismus. Wir haben bislang es schweigend ertragen, daß — trotz aller Verficherung von hoher und höchster Stelle, man wolle den konfessionellen Charakter
Frau Eyffen mit einem leichten Anfluge von süddeutschem Dialekt, wobei die noch recht lebhaften schwarzen Beerenaugen sich verwundert und neugierig auf das Gesicht des Oberverwalters richteten. „Hoffentlich ists was gutes."
„Etwas sehr gutes!" erwiderte Hartung mit Nachdruck. „DaS gnädige Fräulein kommt und —"
„Das gnädige Fräulein kommt!" unterbrach ihn auffahrend die Haushälterin, und es war, als habe der goldige Sonnenschein, der draußen auf Garten und Feld lag, fich ganz unvermittelt auf das Gesicht der Frau ergossen. „DaS gnädige Fräulein kommt, aber warum sagten Sie denn das nicht gleich, Herr Oberverwalter?"
Hartung lächelte wohlwollend. „Ich bin ja soeben dabei, liebe Frau Ehffen. Ich wußte, daß Ihnen die Nachricht eine ebenso große Freude bereiten würde, wie mir selbst."
Die Haushälterin lächelte still vor fich hi«, erwiderte aber nichts darauf, sondern bemerkte: „Ich habe immer gehofft, daß nach dem Tode der gnädigen Frau —Sie brach ab, als fei ihr eine ungehörige Aeußerung entschlüpft und fragte: „SBtrb fie lange hier bleiben?"
„DaS weiß ich nicht, aber es scheint so," erwiderte Hartung, den die sichtliche Freude der Haushälterin im Inneren verdroß, nicht ganz so freundlich wie zuvor; schnell nahm er fich jedoch wieder zusammen und setzte händereibend hinzu: „Aber es hat den Anschein, als solltm wir fie für längere Zeit hier haben, denn fie hat einen großen Wagen für das Gepäck und eine Kutsche für vier Personen au die Bah«
Vergessen Sie nicht die „OHerhesfifche Zeitung" in Marburg, die rutlchiedenfte Vertreterin deS Mittelstandes in Stadt und Land für das IV. Quartal 1902 zu bestellen!
3 * Marburg
bet allen Postämtern 2,25 Mr. (erd. Bestellgeld). u a , _ ’ - . „ sn.,
Snserti-nSgebnhr- die SesMe^iftoto deren Raum 10 Psg. S0MlübeNd, 27. SeptemLN 1902. Stof 2Rarft 8t - ’M?? 55.'
Reclameu: t*e Zeile 25 Pfg. _______________________________________
iRaÄdruck verboten.)
«erspielt.
Roman von F. Arnefeldt.
1. Kapitel.
„Hm, hm! Sie will also doch kommen! Tnt nichts. Wir wollen schon fertig werden und fie wird auch nach meiner Pfeift tanzen lernen, so gut wie ihr lieber Vater."
Mft einem selbgefälligeu, hämischen Grinsen um den von einem sorgfältig gepflegten, aus- aezogenen Schnurrbart bedeckten Dwnd legte ;oet Oberverwalter Christoph Hartung den Brief aus der Hand, den er soeben «halten und unwMg und mit runzeln voller Stirn gelesen hatte.
Der etwa sechzig Jahre alte, ungewöhnlich Sße Mann, der, trotzdem eS noch früh am ft war und er fich arft dem Lande befand, ; schon mit einer leichten Stutzerhastigkeit gekleidet war, Wanderft mit laugen Schritte« tack» noch immer aufgeregt in dem großen, bequem eingerichteftn Zimmer, durch dessen Fenster hell dft Morgensvnne schien, auf und ab.
Hackerbräu, Eberlbräu und andere einen Aufruf erlassen haben, fie möchftn der freisinnigen Volkspattei einen größeren Geldbetrag zuwenden, um diese Partei im Kampse gegen die Zölle zu unterstützen.
Die „Kreuzztg." bemerkt hierzu folgendes: „Etwas Skandalöseres hat der politische Kampf in Deutschland Wohl noch nicht gezeitigt. Wir wollen von den Privatfirmen der Pschorr und Sedlmayr absehen. Diese Herren Kommerzienräte mögen die Sache mit ihrer nicht freisinnigen Kundschaft abmachen. Wenn aber Direktoren und AufsichtS- räte von Aktiengesellschaften in dieser ihrer Eigenschaft für eine politische Partei sammeln und zahlen, so muß man vermuten, daß fie nicht ihr eigener Geld, sondern daS ihrer Aktionäre in die freisinnige Parteikasse legen. Hierüber sollten fich die Aktionäre der Gesellschaften Hackerbräu, Eberl-Faber, Münchener Kindl u. s. w. Gewißheit verschaffen. Die Aktionäre haben also alle Ursache, ihren Direktoren die Konsequenzen ihres Verhaltens vor Augen zu führen.
Die freisinnige Presse übergeht die dankenswerte Mitteilung des Abg. Dr. Heim mit ein paar nichtssagenden Motten; der „Vorwärts" schweigt fie ganz tobt. Sollte vielleicht auch ein Bettelbrief zu Gunsten deS sozialdemokratischen Wahl- und AgitationsfondS im Umlauf sein?"
Echt freisinnig-fortschrittlichl
In der „Freifinnigen Zeitung" wird die Notwendigkeit der Zolltattfteform natürlich „unentwegt" bestritten. Neu ist aber das Argument, welches das Richter'sche Organ in seiner Mittwoch-Nummer beibringt: „Man ist — so heißt es — mit der bisherigen Konstruktion des Tarifs 80 Jahre hindurch ausgekommen." Diesen Satz sollte man auf die „ruhmreiche" Fottschrittsfahne schreiben! Ein netter Grundsatz ist es fürwahr, daß das, waS achtzig Jahre hindurch auskömmlich gewesen sei, auch noch fernerhin genüge. Man könnte diesen Grundsatz mit vollem Recht „reattionär" nennen, wenn man nicht wüßte, daß ohnedies der Freisinn im Grunde genommen eine reaktionäre Partei ist, die über ihre veralteten abgewirtschafteten Anschauungen nicht hinauSkommen kann.
Zwei Dementisk
In der „Norddeutschen Allgemeinen Ztg." finden wir heute zwei Dementis, die fich auf den Minimalzoll für Getreide beziehen. Sie lauten nacheinander wie folgt:
Die „Frankfutter Zeitung" will neuerdings „von ernsthafter Seite" gehört haben, daß fich
Die wirtschaftliche Bedeutung der Bagdadbahn.
Von unserer Seite ist wiederholt darauf Angewiesen worden, daß der von deutschen Großkapitalisten angeregte Bau der Bagdadbahn in poliüscher Hinficht eine Verschlechterung unserer Beziehungen zu Rußland, in witt- schastlicher eine schwere Schädigung der deutschen landwittschaftlichen Interessen herbeizuführen geeignet sein würde. Don den Jnteressenver- treftrn der Börse und des Großhandels werden diese Befürchtungen als völlig hinfällig oder wenigstens stark übertrieben hingestellt, dagegen werden die Dotteile, welche unferm industriellen Ettiott aus jenem Bahnbau erwachsen sollen, in glänzendstem Lichte vorgeführt. Wie weit die Herren Morgan, Schwab und Konsorten in den Vereinigten Staaten diese für unsere Jndusttte gehegten Hoffnungen in Erfüllung gehen lassen werden, möge dahingestellt bleiben; wir wollten heute nut an einer neuerlichen Kundgebung der russischen Presse konstatieren, wie sehr berechtigt unsere vorher noch einmal erwähnten Befürchtungen bezüglich des Bagdadbahnbaues find.
Der pariser „Figaro" hatte, wahrscheinlich tat Auftrage der französischen an der Finan- xierung jenes Baues mitbeteiligten Börsenkreise uachzuweifen versucht, daß derselbe die Interessen durchaus nicht schädige, daß vielmehr dieses „deutsche" Unternehmen auf die so eng verbundenen russisch-französischen Interessen einen Wvhttätigen Einfluß haben würde.
Wegen dieser Beschwichtigungsversuche ist, selbst nach Mitteilungen unserer großhandelsliberalen Presse, der „Figaro" besonders von der „Nowoje Wremje" auf das heftigste angegriffen worden. Man wirft dem französischen Blatte vor, daß eS seine Landsleute mit der Anregung zur Hergave von Geldern für den Bagdadbahnbau zu einer den politischen, wie wittschastlichen Interessen des verbündeten Rußland durchaus feindseligen und schädlichen Handlung verleiten wolle. Bezüglich der leiteten Interessen heißt es da:
„Bom wittschastlichen Gesichtspunkt auS wird die Bahn für den russischen Handel außerordentlich schädlich fein, weil sie Europa die
und Papieren bedeckten Tisch treftnd, nahm er den Brief, den er darauf geworfen, von Neuem auf und laS halblaut:
„Wagen schicken, einen für die Damen, einen für das Gepäck; Zimmer in Stand setzen lassen. Das Fräulein kommandiert ja, daß eS nur so eine Art hat! Und gar drei Mann hoch rücken fie ein, das Kammerkätzchen noch nicht einmal mitgerechnet. Eine hübsche Bescheerung! Weiberregiment auf Schloß Wiesenberg! Ich danke!"
Er lachte ingrimmig und ballte die große, knochige Hand mit den langen Fingern, die aber sehr sauber gehasten war und auf deren Nägtt eine große Aufmerksamkeit verwendet zu sein schien, zu einet Faust. Sich selbst beruhigend, fügte et dann hinzu:
„Na, lange wird die Herttichkeit hier nicht währen, dafür wird der Christoph Hartung schon sorgen — so oder so. Ich muß das Hest in den Händen behalten!"
Abermals begann er feine Wanderung durch daS Zimmer, immer neue Pläne fchienen in feinem Geiste aufzutauchen ; einmal trat er vor den Spiegel und besah sein Geficht und seine zwar etwas gebeugte, aber immer noch sttalliche Figur, wandft fich bann aber mit einem bitteren Lächeln und einem Seufzer ab. Endlich ging er zur Tüt, drückte mit- der Hand zweiuuck auf einen neben derselben befindlichen Knopf und murmelte gleichzeitig:
„68 ist besser, sie findet hier alles, tote fie eS wünscht. Sie soll nicht gleich tat Anfang Ursache zu Nagen haben. Ach, fie werden ja doch, ohne daß ich es hindern kann, das Unterste zu obetst kehren und —"
Ein Klopfen an bet Mr unterbrach ihn in seinem Selbstgespräch. Sofort war aller Aerget,