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mit -em Krrisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Illnftrirtes Sonntagsblatt.

M 23:

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 DL, bei allen Postämtern 2,25 DL (excl. Bestellgeld).

JnsertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder beten Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Donnerstag, 25. September 1902.

Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertag«. Sonnabend- in Morgen- und Abend-Ausgabe.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Loch, UmverfitätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 56.

N. Jahrg.

Erstes Blatt.

Der sozialdemokratische Parteitag

ist wieder einmal zu Ende gegangen, damit die Genossen" sich wegen der angeblich darauf er­zielten Erfolge beweihräucherten. Wenn man näher zufieht, so beruhen diese Erfolge aus nichts anderem, als auf der Vertiefung und Ver­hetzung der Masten. Der©enoffe" Bebel schießt dabei stets den Vogel ab. So hat er bei einer Betrachtung über die nächsten Reichs­tagswahlen wieder ein Bild von den Zuständen im Deutschen Reiche, diesmal nach der finanz­politische» Seite hin, entrollt, daß jedem, der die Derhältniffe nicht kennt, darüber die Haare zu Berge stehen müssen. DaS Ende des Reiches ist danach nicht fern. Der.Genosse' Bebel hat solche Schilderungen der bestehenden Staats­und Gesellschaftsordnung schon Jahr für Jahr seit den siebziger Jahren des vorigen Jahr­hunderts gegeben, er hat dengroßen Klad­deradatsch' schon mehrfach prophezeit, daS deutsche Reich aber besteht, obschon es von der sozial­demokratischen Staatsform nichts wissen will, immer noch, ja es mehrt sein Ansehen von Jahr zu Jahr, hebt sich im Wohlstände, erfreut fich der größten kulturellen Errungenschaften und sorgt für die Arbeiterschaft durch Talen, während die Sozialdemokratie für dieselbe nur Phrasen hat. Für jeden denkenden Menschen ist damit doch das Urteil über die immer wieder­kehrenden Bebelschen Fanfaronaden gesprochen. DaS deutsche Reich wird so leicht, wie es Bebel meint, nicht untergehen. Es hat sogar die Genugtuung, daß die Sozialdemokratie fich auf ihrem letzten Parteitage mit der von ihm ins Leben gerufenen Arbeiterverficherung zum erstenmale eingehend beschäftigt hat. Früher hatte die Sozialdemokratie für die Arbeiterver­ficherung nur Spott und Hohn. Jetzt muß fie fich mit ihr beschäftigen, weil fie merkt, daß die Segnungen dieser Verficherung in den Arbeiterkreisen immer mehr Anerkennung finden. Ja, ja das viel verlästerte deutsche Reich hat die sozialdemokratischen Führer gezwungen, fich mit der Arbeiterverficherung eingehend zu be­fassen, weil fie sonst ihren Einfluß in der Arbeiterschaft verschwinden sehen würden. Im Uebrigen bot der Parteitag einen Wust von allen möglichen Erörterungen. Zu besonders krasser Erscheinung gelangte die Anficht, daß man, um zu weiteren Reichstagsmandaten zu gelangen, dem Centrum zu Leibe gehen müsse. Ob nach dieser Parole in Mrklichkeit gehandelt werden wird, bleibt abzuwarten. Bekanntlich ist auch in dieser Beziehung die Praxis der

Sozialdemokratie von der Theorie schon vielfach verschieden gewesen. Daß aber schließlich die Einigkeit der Partei in der Verfolgung der letzten Ziele betont wurde, war für die Kenner der Verhältnisse nicht überraschend. Nur die ewig optimistischen sozialpolitischen Ideologen einzelner bürgerlicher Parteien, die immer noch auf einen Zerfall der Sozialdemokratie hoffen, find wieder einmal enttäuscht worden. Die Sozialdemokratie hält in größerer Einmütigkeit an ihrem Programm fest. In diesem ist der Leitsatz der, daß alles Privateigentum an Produktionsmitteln zu Kollektiveigentum um­gewandelt werden soll. Dieser Programmsatz könnte nur mit Gewalt durchgeführt werden. Folglich war, ist und bleibt dir Sozialdemo­kratie eine revolutionäre Partei. Alle An­schauungen von einer Annäherung der sozial- demokrattschen Ideen an die der bürgerlichen Gesellschaft sind bestenfalls Illusionen. Die sozialdemokratische Pattei stellt fich heute wie ftüher außerhalb der Grenzen des gemeinen Rechts und will man ihr nicht ebenso entgegen- tteten, wird man am Ende die Gefahr nicht mehr bannen können!

Umschau.

Eine liberale Phrase!

Wehe dem Lande, in dem das Brot teuer ist!" So rief dieser Tage dieVoss. Ztg." am Schluffe einer grobkörnigen Polemik gegen den angeblichstreng großagrarischen Charakter" des Zolltarifentwurfs. Wären niedttge Korn- preise ein Glück für das Land und bekundeten fie dessen Blüte, so müßten die Länder im Osten, die die wohlfeilsten Getreidepreise haben, vor allem Rußland, Rumänien usw. in wirtschaftlicher Beziehung die glücklichsten, wohlhabendsten und am kräftigsten ent­wickelten Länder Europas sein, dann müßten andererseits jene Länder, in denen die Korn­preise höher find, wie vor allem Deutschland, aber auch Frankreich, Holland, Belgien usw. die unglücksten, ärmsten und am wenigsten ent­wickelten Völker Europas umfassen. In Wirk­lichkeit verhält fich die Sache wie dieKrzztg." sehr richtig bemerkt, umgekehrt. Darauf hat in den fiebziger und achtziger Jahren, als er für Getreidezölle eintrat, Bismarck wiederholt hingewiesen. Aus der Tatsache, daß höhere Getteidepreise in den höher entwickelten Ländern, niedttge Getteidepreise aber bei den minder entwickelten Ländern anzutreffen find, ergiebt fich zunächst, daß die besseren Einnahmen des Landwirts einen belebenden Einfluß auf die Tätigkeit des ganzen gewerblichen Lebens ausüben.

Was die Industrie für fich beansprucht, ver­langt mit gleichem Recht auch die Landwirt­

schaft, daß ihre Erzeugnisse auf dem heimischen Markt zu Preisen Abnahme finden, die es er­möglichen, daß fie im Lande überhaupt noch hergestellt werden können. Auch die Jndusttte will sich ja durch den Schutzzoll für den heimischen Markt Preise von einer gewissen Höhe sichern, so daß sie dabtt bestehen kann. Wenn die Jndusttte diese Fütterung nicht durchzusetzen vermag, dann find schwere Krisen für das Gewerbe und schließlich auch für die Landwitt- schaft zu besorgen. Ist aber die deutsche Landwirtschaft nicht mehr bestand­fähig, weil daS Getreide auf einen Preis ge­drückt wird, zu dem eS in Deutschland nach den Verhältnissen der Abgaben der Lebenskosten, und der Verschuldung nicht mehr erzeugt werden kann, dann, sagte Bismarck, am 21. Mai 1879 im Reichtage, geht dabei nicht bloß die Landwirtschaft zu Grunde, dann geht der preußische Staat, daS Deutsche Reich zuGrunde."

Religion Privatsache.

Auf dem münchener Patttttage hat die Harmlofigkttt ttneS Delegierten der vorfichttgen Taktik der Patteitung einen argen Stoß versetzt. Genosse" Welker-WieSbaden verlangte nämlich, die Pattei solle fich auf religiöse Aufklärungs­arbeit verlegen. Da die Kirche das Bollwerk des Alten fei, müsse man den Kirchenglaubm erschüttern. Infolge dieserunkommentmäßigen" Auslassung ist den Delegietten der Schreck in alle Glieder gefahren und tosend schnitten fie demGenossen", der ja nur aussprach, waS alle andern dachten, das Wort ab. Hat denn nicht aber Bebel selbst ganz genau in diesem Sinne gesprochen? Versteht sich! Aber der charakter­feste Führer der Sozialdemokratie wendete sich entrüstet" gegen den Wiesbadener Unvor- fichtigen und erklätte, die Pattei verhalte fich jeder religiösen Ueberzeugung gegenüber voll­kommen neutral. Die Pattei und auf dem Papiere des Programms allenfalls! Aber die Mitglieder und die Ztttungen vettreten ungeniert wo es taktisch angebracht erscheint das Gegenteil. Abgeordneter von Dollmar war schon ehrlicher als Bebel, er erklätte: in Bezug auf diese Frage müsse die Sozialdemo­kratie zurückhaltend sein, undGenosse" Adolf Hofmannn - Berlin bemerkte:Welker hätte erst in der Patttt lernen sollen, ehe er auf Parteitagen austrete." Die Sache ist nämlich diese: Die sozialdemokratischen Patttttage sind öffentlich, wie also dieGenossen" dott aufzutreten haben, mußgelernt" werden. Man spricht fich deutlich aus nur in den ge­schloffenen Kreisen, in den öffentlichen Ver­sammlungen ist manzurückhaltend".Genoffe" Welker wird jedenfalls künftig wissen, wie er zu Verfahren hat und in der Oeffentlichkeit

rttigiöse Neuttalitüt prollamieren, dafür ab« mit allen anderen Sozialdemokraten tatkräftig an derErschütterung des Kirchenglaubens* * arbeiten.

Deutsches Reich

Berlttt, 24. Septbr.

Der Kaiser und die Kaisettn sind heute vor­mittag in Rominten ein getroffen und von dem Land­rat Jachmaun empfangen worden. Der Bahnhof war prächtig geschmückt, ebenso die Ortschasten Szeldkehmen und Rominten. Die Ortsbewohner und Schulkind« bildet« Spalier.

Der deutsche Kais« hat an den Kapitän Sverdrup folgende Depesche gettchtet:

Aus vollem Seemannsherzen ein freudiger Grub mit Willkommen zur Heimkehr! Ich Preise Gott ntfi Ihnen, daß er Sie, das Schiff und die tapfere Man» fchaft zu den Ihrigen glücklich zurückgeführt hat.

Der zur Zett auf Urlaub in Deutschland 6* stndliche Gesandte in Peking v. Mumm ist heute zum Bortrag bei dem Reichskanzler Grasen v. Bülow hi« eingettosten.

Präsident Roosevelt ist auf einer neuen Red», reise, diesmal nach dem Westen, begttffen. In Cincinnatt hat er wieder über die Trusts gesprochen und dabei bestätigt, was bereüs gemeldet wurde, daß an eine Tarifrevision nicht zu denken seb Rach dieser Erklärung ist alles, was über ein Bo» gehen gegen die Trusts gesagt wird, lediglich Phrase. Die republikanische Pattei bleibt dem Hochschutz» zoll, und damit auch den Trusts, tteu, und Präsident Roosevelt mit ihr. Das hat auch d« Schatzsekretär Shaw in einer Rede in Chicago be­stätigt, der nur geringe Handelskonzessionen an solche Länd« in Aussicht stellte, welche dieselben zu er­zwingen wisien.

Zwei Dementts, welche die krankhafte Sucht der englifchen Presie, Erfindungen über den Deutschen Kaiser und andere Mitglieder unseres Kaiserhauses in die Welt zu sehen, drastisch beleuchten, werden heute von der .Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht. Das offiziöse Blatt schreibt:

.Der londoner Korrespondent der .Birmingham Post" hat, wie in deutschen Blättern mitgeteilt wurde erfahren, daß der Kaiser den britischen Feldmarschall Lord Roberts und den amerikanischen General Corbui ersucht habe, ihm in schriftlichen Berichten ihre A» ficht über den Verlauf der deutschen Herbstmanövei auszudrücken." An dieser Erzählung ist kein wahre- Wort. Das Gleiche gilt von der aus Simla ver­breiteten Meldung, daß der Kronprinz den Herzog von Connaught auf besten Reife nach Indien begleiten werde. Wir haben jene englischen Meldung« gleich nicht geglaubt!

Das Ergebnis der FrakttonSberatungen d« konservativ« Pattei« und des Zenttums kann nach Ansicht der .Kreuzztg." zweifellos dahin zusammeu- gesaßt werden, daß auf eine Zustimmung des Reichs­tags zu der Vorlage der verbündeten Regierung« in den wichtigsten und deshalb am meist« umstrittenen Tarifsätzen nicht gerechnet werden kann.

Von dem königl. Bibliothekar Dr. Oskar Mann, der im Auftrage der Berliner Akademie bex Wissenschaften und mit Unterstützung des Kaisers eine auf mehrere Jahre berechnete Studienreise nach Kurdistan unternommen hat, liegen jetzt die ersten Nachrichten vor. Dr. Mann hat in Persepolis die ge­samt« Pählevi - Inschriften in der Umgebung von Schiras abgeklatscht und photographiert.

88 Nachdruck verboten!

Die Kinder.

Novelle von Marie Bernhard.

kFottsehung.)

Der Doftor und ich," fuhr Käthe fott, find ungeheuer stolz auf Walter, daß er unS solche Ehre eingelegt. In der Schule ge­hört er zur guten Mittelsotte, aber das Lernen wird ihm jetzt natüttich auch leichter, und waS sein Zeichentalent betrifft, ... ich laß es mir nicht ausreden, daß der Junge da eine Zukunft vor fich hat!"

Ja, Käthe, ja!" entgegnete der Baumeister freudig.Ich glaub' eS jetzt selbst, der Junge wird werden, daS heißt wenn Du ihn behälst

Warum sollte ich ihn nicht behalten?" gab fie verwundert zurück. Ich kann mir ein Leben ohne die Kinder garuicht mehr vorstellen!"

Die Geschwister konnten das bedenkliche Thema nicht weiter verfolgen, den LiddH kam dazu, hängte sich in ihres Papas Arm und erzählte ihm von ihren Lieblingslehrern. Der Tag ging mit Fragen und Erzählen, mit Er­innern, Lachen und Plaudern hin,--daß

Ella Dorn stiller und ernster war als sonst, und daß über des Baumeisters Gesicht oft ein Schatten flog, fiel Käthe nicht besonders auf; fie wußte, Ella hatte ihren, Käthes, Bruder nie besonders gern gehabt, und sie wußte auch, Hermann hatte seine mancherlei Sorgen, die ihm das Behagen de? Augenblicks stötten.

Bis elf Uhr blieb heute ausnahmsweise alles auf und brachte den Gast zur Bahn. Der Baumeister nahm einen sehr innigen Ab­schied von seinen Kindern, es schien, als könne

er fie beide nicht aus seinen Armen lassen. Warme und herzliche Worte kamen ihm direkt von Herzen, wirklich, er hatte fie sehr lieb, diese beiden, und eben wttl er fie liebte, wünschte er ihr Los gesichert zu sehen!

Als er Käthe umfaßt hielt, fühlte er fich sehr versucht, ihr, wie seine erste Gattin es getan, das Versprechen abzunehmen:Käthe, verlaß meine Kinder nicht! Versprich mir, btt meinen Kindern zu blttbm!" Aber nein, nein! Er, der wußte, welche Entscheidung ihr bevorstand, durfte fie nicht beeinflussen! Sie, und fie allein, mußte den Weg finden, den fie zu gehen hatte!

Und so sah er auf das zarte, liebliche, blonde Geschöpf nieder, daS seines Hauses Segen ge­wesen war, mit Sorge und Zweifel im Herzen: Wirst Du auch jetzt noch, wenn es fich um das Glück Deines Lebens handelt, sagen: Die Kinder! Die Kinder!??"--

* * *

X.

Und die Entscheidung, vor welcher der Bau­meister gezittett hatte, war rasch gekommen, schon am Tage nach feinem unerwarteten Besuch in P.

Es hatte Erwin Rothe feine Ruhe gelassen. Er hatte angefangen gehabt, an Käthe zu schreiben. Nein, schreiben konnte er nicht. Es litt ihn nicht, hier in H. mit der Feder in der Hand zu fitzen und das zu Papier zu bttngen, waS fein sehnsüchtiges, ungeduldig klopfendes Herz ihm vorsagte. Dies Herz verlangte nach ibr, nach ihr selbst, und ob er fich lttcht- finnig schalt und fich sagte, ein Mann, der eine Familie gründen wolle und von Haus aus arm fei, der muffe fein Geld besser zu Rate halten,

als es auf Reisen auszugeben, er ertrug es nicht! Sie sollte sein Glück, ihrer beiden Glück, durch ihn selbst erfahren, und so setzte er fich in die Eisenbahn dtttte Klaffe natürlich! und fuhr hinüber nach P.

An die Kinder des Bruders dachte er gar- nicht, oder doch nur ganz vorübergehend. Er wußte, daß fie fich im Pensionat nicht wohl gefühlt hatten, daß Käthe fie vor mehr als anderthalb Jahren zu fich genommen hatte und daß es ihnen bei ihr außerordentlich gut be- hagte, . . . selbstverständlich! Er hatte den Keinen Walter, als er Käthe im Juli zwei Tage im Seebade besuchte, erstaunlich zu seinem Votteil verändett gefunden, körper­lich wie geistig, und natürlich war auch das Käthes alleiniges Verdienst. Es sich ihrer Opferfreudigkett ganz ähnlich, fich die Kinder ihres Bruders für verhältnismäßig geringes Geld ins Haus zu nehmen und so liebevoll zu pflegen. Wenn fie httrattte, so hatte eS natürlich ein Ende damit; der Bau­meister würde seine Kinder wieder nach Hause nehmen und könnte seiner Schwester lebens­länglich dank« für die Mühe, die fie mit ihnen gehabt!

Nun stand er vor Käthe, hielt ihre beiden Hände gefaßt und tebete mit ihr. Nicht viel. Sie wußten e8 ja bttde, wie fie mit einander standen und daß sie zusammen gehötten. Nun eS endlich und endlich so weit war, waS bedurfte eS da vieler Worte?

Wir werden fein reichliches Auskommen haben, liebe Käthe, so ein Anfangsgehalt ist ein bischen knapp, und meine alte Mutter, Gott fie ist rührend bescheiden und braucht so wenig, aber am Ende, zu leben muß fie doch haben und hat's wohl mit all ihre« Darben

und Sparen um mich verdient, daß ich ihr jetzt gebe, waS sie braucht. Ich werde mich noch nach Privatstunden umsehen, und dann muß eS schon gehen. Nicht wahr, Sie haben guten Mut? Und wenn man einander lieb hat, kann man alles. Sie find ja so geschickt, so praktisch, Käthe, wissen fich auch mit Wenigem einzurichten. Wir nehmen natürlich eine kleine, billige Wohnung"

Wird denn Ihre Mutter nicht btt uni leben?" fragte Käthe stockend.

Bei uns im Hause? Nein! Sie will daS selbst nicht und auch ich hab's nicht gewollt. Sie wird unS natürlich oft besuchen, aber ein anderes Element im Hanse, und wär' es auch die nächste Verwandte, das giebt schon etwas Gutes ab. Ihren jungen Hausstand müffen zwei fttschverrnählte Eheleute allein an­fangen."

Und und die Kinder?" warf fie leise ein.

Deines Bruders Kinder?" wiederholte ei leichthin und lächelte über dasNa", das ihm so ohne wtttereS über die Lippen gegangen war.Die gehen natürlich zu ihm zurück. Das wird wohl eine schwere Trennung geben, was, Liebchen?"

Sie saß ihm gegenüber am Fenster, bii Hände auf den Knieen inttnander gelegt. Jetzt preßte sie die Handflächen mit einer hilflosen Bewegung zusammen.

ES würde--eS kann--Erwin,

ach, es darf überhaupt feine Trennung geben zwischen mir und den Kindern!"

Er starrte fie an, als spräche fie eine ihm unverständliche Sprache.

(Fortsetzung folgt.)