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Marburg

37. Jahrg.

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«Nachdruck verboten.)

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Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).

Jusertiousgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg. Dienstag, 23. September 1902.

Reclamen: bte Zeile 25 Pzg. ö' v

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Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen. Sonnabends in Morgen- und Wend-Ausgabe.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Berücksichtigung werden aber auch alle anderen wichtigen Fragen erfahren.

Da die .Oberhefsische Zeitung' in ständiger Ver­bindung mit dem größten deutschen, aus amtlichen Quellen bedienten telegraphischen Büreau steht und ein weitverzweigtes Netz von Korrespondenten in ihrem Verbreitungsbezirke und weit darüber hinaus unterhält, so ist sie in der Lage, bei der großen Zahl von interessanten, neuesten Nachrichten, die sie täglich veröffentlicht, sicher für jedermann etwas zu bringen, was dessen Interesse ganz besonders in Anspruch nimmt. Außerdem ist sie immer bemüht, die Zahl ihrer Nachrichten aus Stadt und Land zu vermehren, da der sich beständig vergrößernde Leserkreis derOberhessischen Zeitung' dies erfordert und ermöglicht. Der Auswahl der zur Veröffent­lichung kommenden Romane und Erzählungen werden wir erhöhte Aufmerksamkeit widmen.

Zum Schluffe bitten wir noch unsere zahlreichen Freunde und Leser, in ihrem Bekanntenkreise zum Abonnement auf unsere Zeitung aufzu­fordern! Diese Mühe kommt ihnen selbst wieder zu gute! Denn je'mehr Abonnenten eine Zeitung hat, desto mehr kann sie im Interesse ihrer Leser für die Ausgestaltung ihres redaktionellen Teiles aufwenden und diesen immer inhaltsreicher, belehrender und interessanter gestalten!

Ne« z«tretende Poft>Abouueuteu erhalte« a«f Ausordern a« «usere Expedition die Zeit««« scho« vo« jetzt ab gratis und franko zngesandt.

Redaktion und Verlag derOberhesfischen Zeitung".

Gerichtsgefängniffe in Mhslowitz durch Polizei­beamte auf diejenige Brücke gebracht, welche lediglich an das russische Zoll- bezw. Polizeiamt führt, so dasi also Kalajew, nachdem ihn di- preußischen Polizeibeamten aus ihren Händen entließen, nur auf russisches Gebiet übertreten konnte. Daß er alsdann in Rußland, wo man schon längst auf ihn fahndete, verhaftet wurden kann uns Deutschen nicht als etwas so Ent­setzliches erscheinen. Denn gegen Kalajew schwebt auch in Rußland ein Verfahren wegen eines versuchten Verbrechens gegen das Bestehe» des russischen Reiches, also wegen Hochverrat. Als eine Auslieferung des Kalajew an Rußlarck kann deshalb seine Ausweisung in keinem Falle betrachtet werden, obwohl sie tatsächlich dieselbe Wirkung gehabt hat.

Anders läge vom rein menschlichen Stand­punkte aus die Sache, wenn sich Kalajew i» Deutschland keiner strafbaren Handlung schuld^ gemacht hätte.

Der gegen die deutschen Behörden so vick» fach erhobene Vorwurf, gegen Kalajew grausam oder gar ungesetzlich gehandelt zu haben, ent» behrt sonach jeder Begründung.

Die Staatsanwaltschaft isi befugt, die Er­hebung einer Anklage auch auS Nützlichkeits­gründen anderer Art zu unterlaffen. Der Staats­anwalt kann fest von der Schuld desAnge- zeigten" überzeugt sein, kann sich aber der Auffassung nicht verschließen, daß kein aus­reichendes tatsächliches Ueberführungsmaterial vorhanden ist. In einem solchen Falle wird der Staatsanwalt zweckmäßigerweise die Anklage nicht erheben, er wird vielmehr entweder die Sache überhaupt bei Seite legen, oder, falls eine Möglichkeit dazu besteht, weitere Er­mittelungen vornehmen, selbst wenn dieselben bis an die Grenze der Verjährungsfrist der Strafverfolgung reichen, um event. noch in einem späteren Zeitpunkt die Anklage zu erheben.

Wenn aber der durch die strafbare Hand- lm.z eines Andern Verletzte sich an dem Straf­verfahren beteiligt, so ist die Staatsanwaltschaft nicht immer in der Lage, von ihrer diskretionären Befugnis, die Anklage nicht zu erheben, Ge­brauch zu machen. Wenn z. B. die Staats­anwaltschaft 1. Instanz den Antrag des nach seiner Meinung durch Leistung eines Eides in einem Zivilprozeß geschädigten Klägers, den zum Eide verstatteten Be­klagten wegen wissentlichen Meineids zu be­strafen, zurückweist und der vorgesetzte Ober­staatsanwalt in der Beschwerdeinstanz diesen zurückweisenden Bescheid bestätigt, ro kann der Antagsteller bei dem zuständigen Oberlandes­gericht den Antrag auf gerichtliche Entscheidung darüber stellen, ob die Anklage zu erheben ist oder nicht. Beschließt das Oberlandes­gericht die Erhebung der Anklage, so ist

mehr find die Staatsanwälte Berwaltungs- beamte, welche dm Anweisungen ihrer vorge­setzten Dienstbehörde unbedingte Folge zu leisten haben, gleichviel ob sie mit diesen Anweisungen einverstanden sind oder nicht. Sämtliche Staats­anwälte, auch die Oberstaatsanwälte an den Oberlandesgerichten stehen unter der Aufsicht der Landesjustiz-Verwaltungsbehörde; diese hat in Preußen ihre Spitze in dem Justizminister; ebenso in den andern deutschen Bundesstaaten, insofern dieselben ein kollegiales Ministerium besitzen, während in kleineren Bundesstaaten der betr. Staatsminister oder der Chef der Landesver­waltung überhaupt der höchste Vorgesetzte der Staatsanwaltschaften ist und schließlich die Staatsanwälte endgiltig mit Anweisungen zu versehen hat. Es ist deshalb wohl denkbar, daß die Landesjustiz-Verwaltungsbehörde aus Nützlichkeitsgründen die Erhebung einer im übrigen begründeten Anklage verbietet. Dies wird in der Regel nur dann der Fall sein, wenn das Staatswohl dies erheischt, insbesondere können dabei Gründe völkerrechtlicher Natur maßgebend fein. Es ist aber nach dem Buch­staben des Gesetzes immerhin möglich, daß die Verfolgung eines gemeinen Verbrechens, d. h. einer solchen strafbaren Handlung, deren Aus­übung von vornherein Ehrlosigkeit der Gesinnung des Täters zur Voraussetzung hat, unterbleibt. Den wirksamen Schutz gegen derartige Rechts­brüche gewährt die Kontrolle der Verwaltung, welche durch die Landtage und eventl. auch durch den Reichstag, insofern es sich um Ver­letzung von Reichsgesetzen handelt, bei den Etats­beratungen ausgeübt wird.

In den letzten Wochen hat in den Zcstungen der Fall Kalajew sehr erhebliches Aufsehen erregt, aber fast überall eine falsche Beurteilung mangels der Kenntnis der Befugnisse der Staatsanwalt­schaft erfahren. Kalajew, ein russischer Staats­angehöriger und Student, wurde in Mhslowitz verhaftet, weil er angeblich anarchistische Schriften, welche Aufreizungen zur Gewalttätigkeit ent­hielten, zu vertreiben versucht habe. Dieses Verhalten des Kalajew, ob es wirklich so gewesen ist oder nicht, muß dahingestellt bleiben stellt aber nach preußischem, bezw. deutschem Recht eine strafbare Handlung dar. Da Kalajew russischer Untertan ist, so lag von vornherein Fluchtverdacht vor, und es war daher seine Verhaftung in Mhslowitz durchaus gerechtfertigt. Es ist in Deutschland nicht zu einer strafrecht­lichen Verfolgung des Kalajew gekommen, weil offenbar die Staatsanwaltschaft oder ihr höchster Vorgesetzter die strafrechtliche Verfolgung in diesem Falle für unzweckmüßig erklärte, und es für richtiger hielt, den Kalajew als lästigen Ausländer einfach auszuweisen. Die Form dieser Ausweisung kann ja nicht unbedenklich erscheinen. Denn Kalajew wurde von dem

Warten wir das doch ab! Es wird sich eben zeigen, ob seine Liebe in der Tat so groß und selbstlos ist oder oder" er zuckte die Achseln.

Außerdem kommt es darauf an," sagte Ella Dorn langsam,ob Käthe überhaupt ge­willt ist, dem Doktor diesen Vorschlag zu machen, ich meine, ob sie die Kinder mit in ihre neue Ehe hinübernehmen will, gesetzt auch, ihr künftiger Mann hätte nichts dagegen!"

Dies Bedenken scheint mir ganz ausge­schloffen!" erklärte der Baumeister peremptorisch. Daß Käthe die Kinder bei sich behalten will, darauf möchte ich schwören!"

Ich nicht!" entgegnete Ella gelaffen. Die Tür öffnete sich, und Walter lief herein. Tante Käthe kommt!" rief er vergnügt. Eben habe ich sie durch unfern Fensterspiegel gesehen. Und Liddh muß auch in jeder Minute da fein. Was blos die beiden für Augen machen werden, daß Papa gekommen ist!"

Der Baumeister nickte ihm zu, und Ella sagte ein paar freundliche Worte. Aber schon in dem kleinen Walter hatte ein guter Be­obachter gesteckt, und der fast elfjährige Junge hatte von dieser Begabung nichts eingebüßt. Mit einem nachdenkliche» Blick sah er von Einem zum Andern, dann, da er seinen Vater zum Fenster schreiten und gleichfalls hinausschauen sah, drängte er sich dicht an Tante Ella heran, umfaßte sie und flüsterte ihr die angstvolle Frage ins Ohr:Um Gotteswillen, Du, Tante Ella wir sollen doch nicht fort?"

Sie sah in das gute, treuherzige Kinder­gesicht, in die aufgeregt gespannten Züge und sagte beruhigend:Nein, nein, Walterchen!"

Abonuewents - Einladung.

Damit in der regelmäßigen Zustellung der Oberhesfischen Zeitung' keine Unterbrechung eintritt, ist es rötlich, dieselbe sofort zu bestellen. Denjenigen unserer Abonnenten, die unsere Zeitungnicht durch die Post erhalten, wird dieselbe, sofern sie nicht abbestellt wird, auch fernerhin ohne weiteres zugehen. Die .Oberhessische Zeitung' mit dem .Amtlichen Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain', .demIllustrierten Sonntagsblatt' und den .Ziehungslisten der Preußischen Klassenlotterie' kostet nach wie vor pro Quartal 2,25 Mk. Einesteils, um den Inserenten und andererseits, um den ländlichen Lesern entgegenzukommen, haben wir die Einrichtung getroffen, daß für Stadt und Land unsere Zeitung am Sonnabend in zwei Ausgaben und zwar morgens und nachmittags expediert wird.

Jeden, der etwas zu inserieren hat und in den Kreisen Marburg, Kirchhain, Franken­berg, Biedenkopf, Ziegenhain und Umgebung Jntereffenten sucht, bitten wir, einen Versuch mit einem Inserate in unserem Blatte und in anderen Zeitungen zu machen! Wir find überzeugt, daß er mit einem Inserate in der .Oberhessischen Zeitung' den größten Erfolg haben wird! Denn die .Oberhesfische Zeitung' ist nicht in einzelnen verstreuten Nummern überdas gesamte deutsche Reich verbreitet, sondern mit ihrer ganzen großen Auflage in dem Landgerichtsbezirke Marburg, zu denen die obigen Kreise gehören und in denen die Zeitung auch wegen der ausführlichen Schwur- und Strafkammer­berichte und der Mitteilungen über größere landwirtschaftliche und sonstige Veran­staltungen usw. überall gelesen wird.

Die .Oberhefsische Zeitung' hat es sich in erster Reihe zur Ausgabe gest-llt, einzutreten für die Macht und das Ansehen von Kaiser und Reich, sür Tron, Vaterland und Altar! Sie orientiert kurz und erschöpfend über alle Fragen der inneren und äußeren Polittk und vertritt eine kräftige Mittelstandspolitik nach dem Prinzip, daß jeder Arbeiter seines Lohnes wert ist. Außerdem strebt die .Oberhefsische Zeitung' eine Förderung aller produ­zierenden Stände und Berufe an und will einen reien Bauernstand auf fein em eigenen Grund und Boden erhalten wissen.

Im Laufe dieses Vierteljahres beginnt der Reichs­tag seine Arbeiten wieder und seine hauptsächlichste Tätigkeit wird in der Beratung der Zolltarif­vorlage bestehen. Die Oberhessische Zeitung wird dieser Vorlage ganz besonders ihre ständige Aufmerk­samkeit widmen und sie nach allen Richtungen hin in Leit- und Umschau-Artikeln ausführlich er­örtern. Ihre Leser werden daher stets genau über den Stand der Beratungen dieser für die pro­duzierenden Stände so brennend wichtigen Vorlage orientiert sein. Die gleiche

(Nachdruck verboten.)

Die Staatsanwaltschaft und das Opportunitätsprinzip.

(Von unserem juristischen Mitarbefter)

Die Verfolgung strafbarer Handlungen ge­schieht in Deutschland durch die Staatsanwalt­schaft, welche durch die Strafprozeßordnung zur Erhebung der öffentlichen Klage berufen ist. Dieselbe ist, soweit nicht das Gesetz ein anderes bestimmt, gemäß der Strafprozeßordnung ver­pflichtet, wegen aller gerichtlich strafbarer und verfolgbaren Handlungen einzuschreiten, sofern zureichende tatsächliche Anhaltspunfte vor­handen sind.

Der Inhalt dieser gesetzlichen Bestimmungen ist viel weitergehender, als sich der Laie von vornherein klar zu machen im Stande ist. Nach der gewöhnlichen Auffaffung nimmt man an, daß alle strafbaren Handlungen, welche zur Kenntnis der Staatsanwaltschaft oder der als ihre Gehilfin fungierenden Polizei kommen, auch eine strafrechtliche Sühne finden müffen. Diese weitverbreitete Anficht ist jedoch unrichtig. Die Staatsanwaltschaft ist keine unabhängige Behörde wie fie die Richter repräsentieren, viel-

Eben trat Käthe und von der anderen Seite Liddh ein, beide wie bestellt, recht, wie auf der Bühne.

Hermann, Hermann!"

Die Schwester hielt den Bruder umfaßt, die Augen gingen ihr über. Sein Egoismus, feine ungleiche Behandlungsweise der Kinder, die rücksichtslose Art, mit der er fie aus seinem Hause entfernt, in diesem Augenblick erschien das alles ausgelöscht in ihr. All die frohen und gemütlichen Stunden, die fie mit ihm verbracht, mit ihm, der ihr in seinem Hause eine Heimat geboten hatte, die lebten in ihr auf, die machten ihr das Herz warm und leicht, und wie er sie fest im Arm hielt und mit seiner vertrauten Stimme:Käthe, liebe alte Käthe!" sagte, da fühlte sie wieder, wie lieb fie ihn hatte.

Aber Papa! Du, Papa, ich bin auch noch auf der Welt!" rief Liddh von der anderen Seite in vorwurfsvollem Ton.

Bist Du wirklich, Du Unkraut Gold­käfer Du?" Er wandte sich um, mit der un­willkürlichen Bewegung, mit welcher er sonst seinewilde Katze" aufgegriffen und in die Luft gehoben hatte und es war unendlich kornisch anzusehen, wie er vor dem groß auf- geschoffenen Mädchen stutzte, die Arme finken ließ und seine Tochter von oben bis unten mit einem verdutzten Blick maß. Sie mußten alle lachen, am meisten Liddh selbst, die fich neben ihn stellte, ihm bewies, daß fie ihm bis zur Schulter reichte und ihr hübsches Köpfchen mit schelmischer Koketterie hin- und herdrehte:Ja, so bin ich inzwischen geworden!"--

Das gute Verhältnis zwischen Vater und Tochter, das eine zeitlang unter Frau Margots Einfluß stark getrübt worden war, wurde heute

Novelle von Marie Bernhard.

lFortsehung.)

Fremde Leute," fuhr der Baumeister fort, könnten die Kinder für den Betrag nicht nehmen. Ich aber bin nicht imstande, mehr für sie zu zahlen, mein Ehrenwort darauf! Ich weiß ohnehin oft nicht, wo mit der Kopf steht vor Sorgen. Das alles muß Käthe doch einsehen, fie ist ja so klug und gut und verständig, Sie werden mir das zugeben"

Ohne weiteres gebe ich das zu!"

Nun also, sehen Sie, ich meine, wenn man es ihr so recht vorstellt"

Ja, Herr Baumeister, wie denken Sie sich denn den Verlauf dieser Sache?"

Mein Gott den Verlauf?" Er ging von neuem hin und her.Wenn zum Beispiel," begann er unsicher,wenn zum Beispiel Rothe für die Idee gewonnen würde, die Kinder in Vine Ehe gleich mit hineinzunehmen"

Entschuldigen Sie!" unterbrach Ella Dorn ihn in scharfem Tone.Was würden Sie ge­sagt haben, wenn man Ihnen die Zumutung gestellt hätte, zugleich mit Ihrer Braut zwei Heranwachsende, schwer zu behandelnde Kinder mit ins Haus zu bekommen?"

Ach, ich!" machte der Baumeister unmutig. Darum handelt fich's ja nicht! Rothe und ich, das ist zweierlei! Die Auffassungen jrnd Ansichten der Menschen sind verschieden, «ind wenn er Käthe wirklich so liebt, und fie teilt ihm das alles recht vor"

»Wie aber, wenn er fich weigert?"

sofort wieder hergestellt, die beiden neckten ein­ander nach Herzenslust, und das Mittagsmahl, zu dem eine Flasche Wein und ein süßer Creme als Nachtisch erschien, verlief überaus heiter. Der Baumeister kam aus dem Erstaunen und Freuen über seine Kinder kaum heraus. ES war doch schön, dies reizende, Heranwachsende Töchterchen, diesen liebenswürdigen Jungen sein eigen zu nennen!

WÄterS Zeichnungen erregten seine Be­wunderung, wie hatte der Junge sich vervoll­kommnet, welch' eine ungewöhnliche Begabung sprach aus feinen Arbeiten! Und wie KätheS Augen leuchteten, als ihr Bruder das jetzt rückhaltslos anerkannte! Ja, Hermann Frehtag bekam es recht zu sehen, welch' eine Stellung fie den Kindern gegenüber einnahm. Bei aller Liebe und Sorgfalt für die ihr anvertrauten jungen Wesen war fie ersichtlich viel strenger mit ihnen, als früher. Beide Kinder hatten unbedingt zunächst zu gehorchen hielt sie es für nötig, ihnen die Gründe im betreffenden Fall auseinanderzusetzen, so tat sie das, fand sie es überflüssig, so genügte ein einfaches:Es hat zu geschehen, ich wünsche es!" Käthe hatte offenbardie Zügel viel kürzer gefaßt", wie ihr Bruder das in seinem Innern nannte, und er konnte fich und) erklären, warum fie dies getan: sie hatte Bange, daß unter ihrer weiblichen Hand die Kinder leicht verweichlicht werden könnten, und wollte dem Vorbeugen. Dann auch wuchsen Liddh und Walter heran, ihre Charaftere begannen fich auszuprägen, es gab die kleinen, kindischen Unarten und Ange­wohnheiten nicht mehr an ihnen zu strafen, für die man fie früher in den Winkel gestellt oder ihnen ein Spielzeug versagt hatte.

(Fortsetzung folgt)

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Sonntagsbeilage: Jllnstrirtes Sonntagsblatt.