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behauptet! Dem Bauer geht es vor Beginn der Ernte genau fo, wie dem Studenten vorm Ersten: er hat kein Geld und hat für sein Lieh keine Futtermittel znw mästen. »erkauft er um diese Zeit Vieh, so ist eS in den meisten Mllen mager oder doch nur migemästet und er veräuhert e» nur, falls ihm kein cmÄLichender Preis geboten wird, aus Rot. Denn sein Bestreben P, et zur Mast für den Winter auf­zustellen, um dann für das gemästete Lier einen höheren, dem Werte mehr entsprechenden Preis zu erzielen. Denn für ein mageres Stück bekommt er vom Händler nur wenig ge- zahlt. Trrotzdem haben sich bisher in d« Hoch­sommermonaten, wo «eist billigeres Magervieh geschlachtet wurde, die Fleischpreise immer auf ähnlicher Höhe gehalten, wie in den äbiigen Teilen deL Jechre«. Denn während der heißen Zeit ist die Nachfrage nach magerem Fleisch bekanntlich stets größer als »ach fettem, und die Nachfrage ist ei« Haupts regulator jedes Preises! Während dieser Zeit haben also die Händler in den meisten früheren Zähren das Vieh billiger ein­gekauft wie heute, da sie Magervieh aus den oben erwähnten ©tunten haben konnten und seltener auf F e t t v i e h zurückgreifeu mußten, was immer einigermaßen den Preis Wt, da eS der Konsument in der heißen Zeit weniger verlangt. 3« diesem Jahre nun stand tatsächlich wegen der aussichtsreicheren Ernte wenig mageres oder doch nurange­mästetes Vieh zum Verkauf, und um ihren Bedarf zu decken, mußten teilweise Händler nach Fettvieh greifen. Dies giebt es aber um diese Zeit aus den oben erwähnten Gründen hüt wenig, da nur gewerbsmäßige Fettviehzüchter «S vorrätig haben, und dies ist der eine Grund, weshalb augen­blicklich das Schlachtvieh etwas knapper ist und höher im Preise steht, wie sonst. W.

Umschau.

Mehrheitsentscheidung oder Verständigung?

Die »Münchener Mg. Ztg.' bespricht eine Ueußerung derKrz. Ztg." über die Be- ziehungen zwischen Reichstag und Bundesrat und meint, die konservative Partei werde doch wohl Verständnis dafür haben, daß die Frage bet Zollethöhung für landwirtschaftliche Er­zeugnisse in den verschiedenen Bundesstaaten ab­weichend beurteilt werde, und daß deshalb auf diesem Gebiete eine Verständigung nötig ge­worden sei, um ein Niederstimmen der Minder­heit zu vÄchiudern, daS als rücksichtsloser Ge­brauch der Ueberlegenheit erscheinen würde. »Wir können uns nicht denken/ fährt das BUttt fort, daß die konservative Partei diesen Weg in einer so schwierigen Wohlfahrtsfrage deS Reichs empfehlen toürbe." Empfehlen würde sie ihn allerdings nicht, solcmge eine andere Lösung übrig bliebe, und sie würde «S unter allen Umständen vorziehen, durch freundschaftliches Ueberemkommen zum Ziel zu gda*gen. Andererseits ober könnte sie es auch nicht für ein so schreckliches Unheil ansehen, wenn in einem Falle, der als Lebensfrage der dorische« Landwirtschaft erscheint, im Bundes­rat von dem verfaflungLmäßigen Rechte der MehrheitSentscheidung Gebrauch gemacht würde. Da diese Möglichkeit vorgeschen ist, so ist da­mit doch wohl gesagt, daß die Anwendung des formalen Rechts an sich kein Unrecht bedeutet, wenn es auch dringend wünschenswert ist, daß dies nur ausnahmsweise geschehe. Wer dies

(Nachdruck verboten.) Das MWorrsfest auf dem Christenberg.

(Originalbericht.)

Dienstag, 16. Sept. 1902.

Wenn nach der strotzenden Kraft des Sommers, der Hauch be§ Herbstes dem alternden Gesellen vorherweht und die Blätter des Laub­waldes eins nach dem andern langsam, fast stmtloS niederfallen, nur wie ein leifes Aechzen ein demütiges Rascheln ertönen lastend, dann drängt sich wohl mchr denn je dem Menschen der ernste Gedanke auf, daß auch seines Daseins fröhliche Jahreszeiten vorübergehen wüsten, sein Leben vom Stamm der Menschheit sich ebenso plötzlich, unbeachtet loÄösen wird wie daS dürre Zweiglein und Blättlein von der Buche oder Eiche. Der Odem Gottes, die all­durchdringende Macht seines Geistes erfüllt des Gläubigen Herz und wie unter einem un­widerstehlichen Zwang fühlt er sich hin gezogen zum gütigen Later und nimmt jede Gelegen- heit wahr, dem Herrn zu dienen mit Lat und Wort.

Dieser Trieb, toddjer so gewaltig im Hoch­sommer in uns Menschen sich regt, mochte auch die enblofen Scharen gestern zum Christenberg Ien6*, sie des Vaters Botschaft vernchmen zu lasten, trotz der verspäteten Ernte und der bringenden Arbeit, welche vielleicht ein Fern­bleiben hätte entschuldigen können. Schon im Zuge, mit bem auch eine stattliche Za^l tum Gastlichen und ihre« Angehörigen auS bei ganze« Provinz Hessen-Nassau dem weihevolle« Fest zuströmte, machte sich bald die Mut der Teilnehmer deutlich bemerkbar nnd Wage« mußten ein geschoben werden, den Andrang zu bewältigen. Bei der bomit unvermeid­liche« Verspätung sprach mancher bereits die bange Frage auS »werben wir nicht zu spät kommen zur Predigt?'', als in Wetter die er­freuliche Kunde durch alle Wage« eilte, man hätte soeben Herrn Stöcker geschaut und den ehrwürdige« Herr« elnsteigm sehen. So fuhr

nicht gelten lasten will, .muß sich grundsätzlich zum Standpunkte des liberum veto belennen, an dem das polnische Reich zu Grunde ge­gangen ist. ____________

Englische» Bordringen auf der Halbinsel Malakka.

Erst vor kurzem reiste der Kronprinz von Siam durch Europa, um für Sympathie und Jntereste für daS Reich deS weißen Elephante« zu werben. Und daß er es nötig hat, beweist die politische Lage seines Landes. Eingeklemmt zwischen Französisch- und Englisch-Hinterindien ist da» Reich Schulalcmgkores schon «« eia Stück nach bem andern durch die liebenswürdige« Nachbarn verkleinert worden jetzt kommt die Nachricht, daß England sich anschickt, einen weiteren Bisten zum Munde führen:

Saigon (franz. Hinterindien), 15. Sept. §00 englische Soldaten haben auf Ansuchen des Sultans von Kelantan sein Fürstentum, daS Siam zinspflichtig ist, besetzt. Dies ver­ursachte eine erhebliche Unruhe in Siam, da man hier eit« Ausdehnung des britischen Protektorats über die ganze malayische Halb­insel befürchtet. Der Aufruhr im südlichen Siam scheint jetzt unterdrückt zu fein.

Trotz der Erregung in Siam wird es sich wohl diese Amputation gefallen lasten müffm, zumal eS auf eine Unterstützung seitens einer anderen Macht nicht rechnen kann.

Zur deutsch«« Ausfuhr «ach Süd­afrika.

Wie gewaltig der Rückgang des deutschen Au8- fwhrhandeE nach den Burenstaat m während der letzten zwei Hchre gewesen ist, geht aus der jetzt vev» öffeutlichten Statist« über den deutschen Handel «ft Südafrika hervor. Nach Transvaal, dem Oranje- Freistaat und Portugiefisch-Ostaftika gingen im Jahre 1897 für 14,5, 1898 für 11,2, 1899 für Hl, 1900 für 7,7 und 1901 für 2,6 Mill. Mark deutsche Waren. Wir haben Portugiefisch-Ostafrika hier mit ausgesührt, weil die dorthin verschifften Waren wohl größtenteils für die Burenstaaten bestimmt waren. Im letzten Jahre war die Ausfuhr auf 2,6 Will. Mark herab- geaangeu, ein SRüdgang, der durch eine vorüber­gehende Steigerung des Exports nach Kapland und Natal nur zum Teil ausgeglichen wurde. Jetzt, nach Beendigung des Krieges, wird ja voraussichtlich bie Ausfuhr wieder etwas zunehme«; schr zweifelhaft dürste es aber sein, ob der frühere Umfang wieder erreicht werden wird. Es kommt dabei namentlich in Betracht, daß ein sehr großer Teil unserer früheren Ausfuhren nach de» Burenrepubliken in Material für den Eifenbahubau, sowie in Lokomotiven, Eisen­bahnwagen u. dgl. bestanden hat, und daß Deutsch, land früher auch an der Lieferung von Waffen, Munition usw. nach Transvaal und dem Oranje- Freistaat beteiligt war. Nach der Annexion der beiden Republiken durch die Engländer fallen natürlich alle derartigen Lieferungen der englischen Industrie zu.

Deutschss Reich

Berlin, 17. Septbr.

Die .Nvrdd. Allg. Ztg.' schreibt: , Daist, Expreß' hat kürzlich über Aeußerungen berichtet, die der Kaiser unlängst zur britischen Heeresreform in einer Unterredung um einem Spezialkorrespondenten gemacht haben soll. Wir stellen sest, daß der Kaiser einen derartigen Herrn niemals empfangen hcft. Die gegenteiligen Angaben desDaily Expreß' find er­funden

In einer von der schlesischen Gruppe des Ver­bandes deutscher Handelsgärtner in Breslau abge­haltenen Protestvertammluug wurde, dem ,B. G.-Ä.' zufolge, folgende Resolution einstimmig und debatte­los angenommen:

Die heute in Breslau versammelten schlesischen Gärtner sprechen ihr Bedauern und ihre Entrüstung über die Beschlüsse der Zolltarifkommisfion des Reichstages aus, da dieselbe die ebenso bescheidenen als berechtigten Forderungen des deutschen Garten­baues, betreffend Verzollung ausländischer Garten­produkte, unberücksichtigt gelassen hat. Wir erwarten indessen vom Gerechtigkeitssinn der Kommission, daß

man denn guter Hoffnung und frohen MuteS bem Snbjiel Münchhaufe« entgegen, wo man beim Verlassen deS Zuges erst bie endlose Menge von Ankommenbe« in ihrer imposanten Stärke gewahr werden konnte. Wie eine bunte Schlange gleichsam mit ihren malerischen farbenfreudigen Trachten schob sich unaufhaltsam der Schwarm der Gäste vorwärts ber Haupt- ßraße zu. DaS schmucke Dorf, welches mit seinem vorzüglichen, sauberen Pflaster mancher größeren Provinzstadt zmn Muster bienen könnte, hatte es sich nicht nehmen kaffen, die Fremde« in festlichem Gewand zu begrüßen. Schwere Gnirlanden überzogen die ganze Breite der Straße tmd in ber Mitte deL saftigen Tannengrüns war jedeLma! ein freundlich winkendes »Willkommen" eingefügt. Kaum hatte man den schmucken Ort im Rücken und näherte sich bem reich bewaldeten Abhang des stolzen Christenberges, als von allen anderen Seite« und Straßen neue Scharen sich anschloffen, um auf berfdjiebenen Wegen den Gipfri zu er­klimmen. Im sonntäglichen Kleid, die Bauern im blauleinenen Kittel, die Frauen im schwarzen Gewand, bie Mädchen in oft prächtig gesticktem Kostüm zog die Landbevölkerung daher. Man sah es den kernigen Gestatten, den gefunbfarbenen Gesichtern und bett stark und munter blick­enden Augen an, daß hier nach Mut und Kraft sich paarte mit Gottesfurcht und Königs­treue, daß diese chrlichen Leute sich noch rein erhallen haben von der innerlichen und äußer­lichen Derderbtheit der Städte. Freundlich grüßend zogen bie Männer ihre Kappen und ein herzliches »Grüß Gott" sprach den Fremde« an, tote ein Ton au8 anderer und besserer Welt. Hier herrscht doch noch Glaube und Treue. Man sieht nicht finsterblickend hämisch zu iebem Mitmenschen empor, als erspähte man in jedermann einen Feind voll Bosheit und Tücke. Sine leichte Wehmut packt ben Städter, sieht er bie» Bild alter guter Seit, von denen er selbst auSgefdjlogen ist in seinem alltägliche« Leben.

diefekbe ihre Fürsorge fo wie allen anderen Bernsen auch dem deutschen Gartenbau angedeihen taffen wird. Insbesondere erwarten wir, daß Schnittbluwen, Blätter, Dindegrün imb Treibgemüse mit einem mäßigen Zoll briastet werden, da gerade durch die Mafivreiufuhr dieser Artikel der Lebensnerv des deutschen Gartenbaues unterbunden wird. Diese Resiüutioa soll sowohl au dir Zolltarifkommisfioa als auch an bie schlesischen Rcichstagsabgevrtmrten, mit AuSmchme der sozialdemokratischen, gesandt werden.

Ein offizielles Dementi veröffentlicht die .Corr.': Unter der Ueberfchrist , Zurückgezogene Gardelltzen' ist in der Abendausgabe der »Deutschen Warte' vom 12 September 1902 die Mitteilung enthalten, e§ wäre beabsichtigt gewesen, das Grenadier-Regiment Nr. 6 gelegentlich der diesjährigen Kaiserparade bei Posen durch Derknhimtz der Gardelitze, auszuzeichne*. Die öattung beS Offinerkorps des Regiments tu der Löhnina-Affäre solle indeß an Allerhöchster Stelle solchen Anstoß erregt haben, daß der die Auszeichnung anordnende Befehl, bet schon zur Unterschrift vorlag, zurückgezogeu wurde. Diese Mitteilung beruht in allen Teilen aus sreier Erfindung.

In der .Köln Volksztg.' finden wir solgende beachtenswerte und ersreulrche Ausführung: .Auch wer die gegenwärtige preußische Polenpolitik als einen schweren Fehler ansieht, kann doch nur die Achsel über die große Farce zucke«, die die Ruffen aufführen, wenn sie sich im Vergleich zu Preußen als die Freunde der Polen aufspielen. Der uimmersatt« russischen Polllik mag eS ja erwünscht sein, für ihre weiteren eigennützigen Pläne das flavrsche Gemem- grfühl unter den Polen zu wecken, aber mit diesem Wunsche und de« kleinen von ihr ergriffenen Mittel­che« wird sie die Gelchichte ibrer Gew ist enMvnanuei nicht auslöfchr«."

Die müucheuer Burencentrale will nach Rück­sprache mit den Burengeueralen ihre Tätigest zur Linderung der Burennot auch unter bet Herrschaft Englands rn Südafrika fortfetzen. Sie veröffentlicht einen dahingehenden Aufruf.

Der schon angekündigte Rücktritt des Hofrats Dr. Lauser von der Leitung derNordd. Allg. Ztg. ist nunmehr vollzogen. Einstweilen zeichnet Graf Westarp in Vertretung.

Das deutsche Kanonenboot .Panther" hat, wie gestern gemeldll wurde, seine erste Rundfahrt in haitianischen Gewässern vollendet. Irgend welche weitere Beeinträchtigung der deutschen Handels- intereffen, welche ein Einschreiten des Schiffes nötig gemacht hätte, ist nicht gemeldet worden.

Die berliner Königliche Wiffeuschastlrche putation für das Medizinalwesen hat den Wunsch ausgesprochen, daß die Zuziehung ihrer medizinischen Mitglieder als Sachverständige in gerichtliche» Ange­legenheiten, wenn nicht ganz beseittgt, doch mögltchft eingeschränkt werde.

Aus Posen schreibt man uiie: Das Herz des verstorbenen Kardinals Ledochowski ist hier ebtee* troffen. Es ruht in einem silbernen Kästchen, In diesen Tagen findet, wie der .Kuryrr Pvznauski meldet, seine seierliche Beisetzung im Posener Dome statt.

Wie aus Hof in Franken gemeldet wird, find int Obermaingebiet starke Erderschütterungen aufgetreten. Diefe wiederholen sich bei sechssekuudiger Dauer mehrfach unter hefttgen Stößen. Die Temperatur ist aus em Grad gesunken.

Eine Drahtmeldung des Gouverneurs von Kiautschau besagt: Die Cholera ist im allgemeiven nachlaffeud, in den Nachbardörfern find nur, noch vereinzelte Fälle; in Tfiugtau ist der Krankheftsbe- stcmd acht Chinesen, in den Nachbardörsern find zwei Seesoldateu Rekouvaleszenten.

Die kurze Pause in der parlamentarischeu Tätigkeit nähert sich ihrem Ende. Gestern bereits begannen die Fraktionen neue Stellutw zu uehmNt zu ben Beschlüßen der Zolltarifkommisfiou. to 18. tritt die Unterkommisfiou, am 22, die ganze Jolltarif- kommission zusammen. .

Eine Versammlung von Glaceleder-Jndustrrellen Deutschlands beschloß, bei bet Fortdauer des Streiks in Brandenburg und seinem Uebergreifen auf Berlin die allgemeine Enttaffung der dem Lederarbetter- Verbande angehörenden Arbeitnehmer.

Im Kultusministerium sanden vorgestern und gestern Besprechungen über die Verwirklichung der Kulturbestrebungen für die Provinz Posen statt Es wurde mitgeteilt, daß sich der Kaiser bei seiner neu­lichen Anwesenheit in Posen unter Ablehnung enter eigentlichen Hochschule für die Einrichtung fester aka­demischer Kurse in Posen entschieden hat. Jmolge- deffev wurde et« weiteres Vorgehen in diesem Sinne beschlossen." . r

Der .Staatsanzeiger" veröffentlicht ent Gesetz, betreffend die Vorausleistungen zum Wegebau.

Die .Rat. Korresp.' berichtet: In der nächsten Woche wttd der Bundesrat über die Ausführungs-

Der frohe Glanz beS TageS lag auf aller Antlitz. Heiterer frenbiger Ernst sprach sich auS in bem ganzen Weben unb Tun beS Volkes. Selbst baS verlockende Treiben oben auf des Berges höchster Spitze «eben der alten, eigen­artigen Kirche mit ihrem niedrigen Eingang, die Pfefferkuchen-, Bier- unb Ueischerbuben ver­mochten ber Stimmung ihr würdiges Gepräge nicht zu nehmen. Wohl drängte es bie vorn anstrengenden Aufstieg durstige« Kehlen zum frifchen Tropfe« unb staunend und verlangend zugleich blichen bie Kinder nach ben bunten Kuchen und Zuckerwerk, doch fein Gestoße unb kein Gedränge entstand. An langen Tafeln hatten die Bauernfrauen Platz genommen unb tauschten bei riesige« Kaffeekessel« unb buftenbem Backwerk Neuigkeiten aus. Mit kräftigem Hänbebruck begrüßten fich bie Männer unb sprachen über Freuden unb Leiben ber Ernte, beS Wetters unb ber Viehpreise.

Inzwischen war es 11 Uhr geworben. DaS Ernsthausener Posaunenkorps gab bas Signal zum Aufbruch nach bem fett lange« Jahre« für btefe Gelegenheit bestimmten Platz, wo auf langen Reihen einfacher Bänke aus jungen Kieserstärnmen schon viele von anderen Richtungen Herbeigeeilten des Gottesdienstes harrten. Kein Plätzchen blieb leer. Weit über tcuifenb Personen mochten sich versammelt haben. Z« Seiten ber aus Laub unb Zweigen errichteten Kanzel, der eine blaue Altardecke mit silbernem Kreuz zu malerischem Schmuck biente, hatte« sich unter Leitung ihrer Lehrer die Münchhäuser Schüler teils auf Bänken teils auf grünem Walbeß- grunb, bie Knaben zur Rechten «nb bie Mäbchen zur Linken, mebergelaffen. Dahinter spiette bie Kapelle ihre kirchliche» Weisen, beten feierlicher Klang in bem freien WaldeStempel Gottes Allmacht verküvbete. Nachdem Herr Pfarrer Schütte auS Münchhausen ben GoüeS- bienst eingeleitet hatte, sprach Herr Hofprebiger a, D. Stöcker in seiner volfetümliche« Weise über äußere Mission unb wies in zu Herzen gehenden Worten auf dir großen unb schweren

bestimmimaen zum Branuiweiustruergefetz Beschluß saffen; diese fiud im Rrichsamt des Innern jetzt fertig auSgearbellet worden.

lieber ben Verlauf der letzten Sitzung bei sozialdemokratischen Parteitages in München ist zq melden: Die leidenschaftliche Debatte flbtt bij .Monatshefte" und die.Reu« Zett' toetbe fortgesetzt, Höchst erregt wurde btt Szene burch das Auftreten Stadthagens, der de« Redakteur der »Monats­hefte' Bloch persönlich angriff, worauf tiefer beff Zwischenruf .Gelogen" 1 «acht«. Stadthagen nannte dai .Unverschämt", Singer rief Bloch zur Ordnung und verbat fich solchen Mißbrauch des Gastrechts. Den Höhepuntt der Erörterung bildete eine glänzend« Rede Voll mar 8 sür Meinungsfreiheit. Für di« Neue Zeit" sprachen Kautsky unb Frau Zetkin, gegen sie Wrich unb Heine.

Der sozialdemokratische Parteitag nahm ein« Resolution Luxemburg an, welche die endgiltia« Trennung der Partei von berpoluisch- sozialistischen Partei fordert, die al8 Emrdergruppe eigen« Reichstagskaudidat ureu taOfet» fchlefiev ausgestellt habe. Zusammen mit der Resolution wurde ein Ämenbratent Bebel angenommen, wonach noch einmal eine Verständigung versucht werd« s«l. Im Laufe der Debatte »«urteilte Bebel das Vorgehen der polnischen Gruppe schars.

Ausland

Oesterreich-Ungar«. Der Kaiser und ber beutsche Kronprinz, welche gestern von ver­schobenen Standorte« ben spannende« Kamps im Manövergelände verfolgten, waren in allen Ortschaften, welche sie durchritte« namentlich aber i« Szviicz, wo fich bie Bevölkerung in großer Zahl angesammrit hlllte ber Gegenstand begeisterter Huldigungen. Mit bem Manöver von gestern vormittag finb bie diesjährige« großen Herbstmanöver beenbet Kaiser Franz Joses unb der beutsche Kronprinz kehrte« um 1 Uhr mittags auB bem Manöverfrib nach Sasvar zurück.

Niederlande. Ans Arnsterbam wirb ge­meldet daß ber Bruch zwischen Krüger, Reitz unb Lehds sowie ben Burengeneralen sich derart vertieft habe, daß diese entschlossen find, ihren europäischen Aufenthalt abzukürzen und noch Afrika zurückzukehren, wo bas Burenvolk wegen ihres bischerigen, sowie fernere» Verhaltens fÄbst urteile: solle. Die Generale haben mit ihnen keinerlei Fühlung mehr. Reitz erklärte, er unterscheide fich von ben Burengeneralen bann, daß er nicht schweigend die Winkelzüge der englischet Pviitik hiunehme, sonder» bie Wahrheit sage. Die Generale werbe» erneut von ber holländischen Regierung ungehalten, in bat bisherigen Bahnen zu verharren unb unter keinen UmMnde« fich in Gegensatz zu England zu bringen. Die nächste Zeit musst bie Ent­scheidung bringen, ob baß Burenvolk sich zur Richtung Krügers ober BothoS bekenne.

Frankreich. Pariser Zeittmgm ver­öffentlichen einen vom 15. August datierten Brief deS BurevgeneralS Cnmje an feine Freunde in Europa. Cronje spricht barm mit großer Wärme feinen Dank für die manvig- fachen Dienste auS, welche ihm imb seiner Familie während der Gefangenschaft erwiese« wurden. Dm Friebensschluß streift er nur mit folgenden SBorten:2Baß unß immer koste« unb wie schwer es unS immer scheinen mag, wir können in bem Geschehenen nur ben unerforschlichen Willen und bie leitenbe Hanb des Allmächtigen erbtitfen. Uns atmen Menschen kommt nur zu, unß zu resignieren und mit in ben Tob betrübter Serie unb mit zitternd« Lippen zu sage«:Der Wille beß Herrn geschehe!" .

Belgien. Der Alstanb ber Königin bem Belgien ist hoffnungslos. Der in ben Pyrenäen weilende König wurde telegraphisch hiervon unterrichtet.

Aufgaben berfriben hin. Nach Schluß der fast zwei­stündige» Rede ließ «tan eine Pause eintreten, imb bie ganze Schar strömte wieder nach bem etwas höher gelegene» Platz am Friedhöfe, nm ein Täßchen Kaffee oder sonst etwas zur Stärkung zu erlangen, was indeffen, in dem Küsterhäuschen namentlich, vielen vergebliche Mühe kostete. Etwas vor 2 Uhr nahm bann bie Feier ihren Fortgang. In Münzendem, von ttesstem inneren Fühlen unb Denken durch­drungenen Vortrag mahnte Herr Superintendent Happich aus Marburg die andächtige Menge, die Schäden im deutschen Volke und der Christen­heit selbst zu heile», worauf Herr Stöcker nochmal« kurz auf bie innere Mission einging. Unter bem mächtig anschwellende« Gesang des herrlichen KirchenliebesNun bautet alle Gott", enbigte nach 33/4 Uhr bie würdige, bestgelnngene Feier. Ergriffen von den trefflichen Worten ber begabten Redner bedurfte keiner Mahn­ung, die frommen Gäste zu reichlichem Spende« in bie aufgestellte« Sammelteller zu bewegen. Gerne und freudigen Herzens steuerte jeder nach besten Kräften sei« Scherflein bei, sodaß manch dunkles Heidenherz, manch verlorener Stammes­brüder dadurch zn Gottes Huld unb ©nabe hinaefübrt werden mag.

Allmählich verlor sich bie Menge; bie eine« wandten fich sogleich »achHause, während deSTageS Rch rri>lich beim Einbringen der Ernte zu schaffe«, die andern tummelte« fich noch eine Weile an de« aufgestellten Buden umher, fudjten in ben aus- liegenden MisfionSwerken ein Buch zur bleiben» beu Erinnerung an bie schönen (Stauben oder lauschten bem unter Leitung einer Schwester von bem münchhausener Jungfrauenverei» sorg­sam ein studierten Chorälen. Doch wo mwi fich auch hinwenben mochte, ob heuuw^tS Wanbern oder mit guten Freunde« und 2t» kannten «och ei» gemütliches Stündchen ver­bringen, auf aller Gesichter lag gleiche Zu- friedenheit unb milder Frohsinn, die fonmgl Gewißheit, uut eine* weihevolle« wb erhebende« Tag in feinen» Leben reicher zu fei«.