fl
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
So»ntaasbeilag<: Jlluftrirtes S-nntagsbla«.
M 221
Biertelj:.hrlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämter« 2,2» Mk. (excl. Bestellgeld).
Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Reclamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Dienstag, 9. September 1902.
Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen. Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Loch, Universitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
37. Jahrg.
Der ausländische Handel der Vereinigten Staaten.
Der ausländische Handel der Vereinigten Staaten im Jahre 1901/02 zeigt zum ersten Male seit einer langen Reihe von Jahren eine nicht unbeträchtliche Abnahme seines Exportverkehrs, ein Beweis dafür, daß auch die nordamerikanische Republik von der ungünstigen Gestaltung der Wirtschastsverhältnifse, die seit 1901 allenthalben eingetreten sind, nicht unberührt geblieben ist. Gegenüber einem Exportverkehr im Werte von 1370 und 1460 Millionen Dollars in den Jahren 1899/1900 und 1900/01 belief sich im letzten Jahre der Wert der Ausfuhr amerikanischer Erzeugnifle nur auf 1355 Millionen Dollars. Den größten Faktor dieses Verlustes stellte der Maisexport, der infolge der ungünstigen Ernte im Jahre 1901 von 176 Millionen Scheffel im Vorjahre auf 26 Millionen Scheffel zurückging und dadurch eine Abnahme des gesamten Ausfuhrwertes um 66 Millionen Dollars herbeiführte. Ferner fiel der Viehexport um 7, dir Ausfuhr von Rohbaumwolle um 23 Millionen Dollars, sodaß die landwirtschaftlichen Produkte an dem Gesamtausfall des letztjährigen Exports mit 96 Millionen Dollars beteiligt find. Dagegen ist die ausländische Einfuhr nach den Vereinigten Staaten auch im Jahre 1901/02 und zwar sehr bedeutend gestiegen. Nachdem innerhalb der Jahre 1899/1900 und 1900/01 der Betrag der Importwerte von 850 auf 823 Millionen Dollars gefallen war, find im letzten Jahre ausländische Waren im Werte von 902 Millionen Dollars in die Häfen der Vereinigten Staaten eingeführt worden. Der Mehrbedarf an ausländischen Erzeugniffen betrifft hauptsächlich Rohstoffe, die zur industriellen Verarbeitung benötigt werden. So haben namentlich die Metallfabrikation und ihr verwandte industrielle Unternehmungen sehr bedeutende Mehrlieferungen, an Stahl und Blech beansprucht, ein Beweis für die außerordentliche und noch immer im Steigen begriffene Bedeutung dieser Seite des industriellen Lebens in den Vereinigten Staaten. Von der fast 80 Millionen betragenden Zunahme der letztjährigen Einfuhr entfallen, sowest über die Verteilung der einzelnen Warengruppen statistische Ergebniffe Vorlagen, allein 66 Millionen Dollars auf Rohstoffe und 18 Millionen auf Manufakturwaren. Dagegen ist die Einfuhr von Konsumartikeln um 19 Mill. Dollars gefallen. Der in diesen Angaben nicht berücksichtigte Metallverkehr gestaltete sich so, daß die Goldeinfuhr in Barren und Stücken den Ausfuhrbetrag um 800 000 Dollars überschritt, während andererseits für 21 Millionen Dollars Silber mehr aus- als eingeführt wurden. Trotz der ungünstigeren Gestaltung der amerikani-
24 iRachdruck verboten.)
Die Kinder.
Novelle von Marie Bernhard.
Fortsetzung.)
Margot gab Verbefferungen und Veränderungen an allen Ecken und Enden an, fragte sie nach den Preisen, feilschte nie um eine Sache, die ihr gefiel, sprach von Reisen, kostbaren Toiletten, teuren Schmuckstücken, als von Dingen, an die sie durchaus gewöhnt sei, die sie absolut haben muffe . . . ganz gut und schön, wenn sie nur selbst das notwendige Geld zu all diesen Anschaffungen mitbrachte, denn er, der Baumeister, hatte es nicht, das sah er schon jetzt! Sein Gehalt würde nicht reichen, solche Ansprüche zu befriedigen!
Diese Gedanken waren ihm sehr ungemütlich, — er war aber verliebt in Margot und gewann es nicht über sich, ein so heikles Thema, wie den Geldpunkt, in ihrer Gegenwart auch nur zu streifen. Das wäre unnobel und berechnend erschienen, und in solchem Licht wollte er vor niemand dastehen, am wenigsten Margot gegenüber. Außerdem imponierte ihm, halb wider seinen Willen, die souveräne Art der Dame in Geldangelegenheiten, und er verscheuchte seine immer wieder aufsteigenden Bedenken gern mit dem Trost: „Sie muß doch daran gewöhnt sein, viel Geld auszugeben, und muß es doch auch können, sonst täte sie es sicher nicht! Das ihrige, mit dem meinigen zusammengetan, wird ganz gewiß ausreichen, uns eine Existenz zu schaffen, wie sie sie sich wünscht!"
Daß ihre Arrangements Geschmack hatten und seinen Beifall fanden, gab er gern und freudig zu. Seine Häuslichkeit bekam nach einigen unruhigen Wochen, ein neues Gesicht,
scheu Ausfuhr muß die kommerzielle Lage der Vereinigten Staaten noch immer als außerordentlich günstig bezeichnet werden, da der Exportverkehr den Umfang der Einfuhr noch um einen Betrag von 450 Millionen Dollars überschritt: allerdings belief sich der Mehrbetrag des Ausfuhrhandels im Vorjahre auf 635 Millionen Dollars, es find also rund 185 Millionen Dollars dem letztjährigen Handelsverkehr der Vereinigten Staaten verloren gegangen.
Umschau.
Noch einmal der Fall Hildebrandt!
Zum Fall Hildebrandt schreibt ganz in unserem Sinne die „Ostpreußische Zeitung": Im Verlauf der höchst unerquicklichen Erörterungen über das Abschiedsgeleit für Leutnant Hildebrandt, das von fteisinniger Seite zu einer „empörenden Demonstration" aufgebauscht wurde, mußte es mehrfach auffallen, daß liberale Blätter an Stelle der amtlichen Publikationsorgane zur Mitteilung der vorgenommenen Personalveränderungen benutzt wurden. Dadurch wurde der Eindruck hervorgerufen, daß unsere Heeresleitung bei ihren Entschließungen sich durch eine sachlich unbegründete Rücksichtnahme auf die „öffentliche Meinung" in liberalem Sinne beeinflussen laffe. Diese peinliche Empfindung wird verstärkt, indem jetzt wieder in liberalen Blättern neben der Richtigstellung, daß Leutnant Hildebrandt selbst nicht zur Disposition gestellt worden sei,, aus anscheinend offiziöser Quelle darauf hingewiesen wird, daß die bestraften Offiziere nicht verabschiedet, sondern zur Disposition gestellt worden seien, daß ihre Wiederverwendung in absehbarer Zeit erfolgen dürfte. Wenn die in unbesorgter Weinlaune veranstaltete Eskorte im Verfolg der Untersuchung sich wirklich als eine „Demonstration" in freisinniger Ausdeutung dargestellt hat, so war die Bestrafung nur gerechtfertigt, so daß eine Wiederaufhebung unverständlich erscheinen müßte. Die so unerwartet umfangreichen Perfonalveränderungen aber scheinen darauf hinzudeuten, daß eine solche Auffassung tatsächlich maßgebend gewesen ist und es wäre dringend zu bedauern, wenn die Entrüstungsartikel einer nach oberflächlichem Augenschein urteilenden Presse für diese Auffassung mitbestimmend gewesen fein sollten, denn den sämtlichen beteiligten Offizieren hat eine Absicht zu demonstrieren, jedenfalls ferngelegen. Wurde doch seinerzeit Leutnant Balla bei seinem Abschiede von dem gleichen Truppenteile in ganz derselben Weise zur Bahn geleitet! Man hatte nichts anderes im Sinne, als bei
die Möbelstoffe, die Bilder, Teppiche, Draperieen und Prunkstücke, es war alles gediegen und schön und hatte nichts Ausdringliches, das irgendwie fein kunstgewöhntes Auge beleidigte. Sie freute sich sehr, wenn er ihr dies sagte, wenn fein Geschmack mit dem ihrigen wieder einmal zusammentraf, sie konnte dann so glücklich und herausfordernd fragen: „Nicht wahr, das ist doch schön?" daß er sich innerlich schämte, daran gedacht zu haben, wer das wohl alles bezahlen werde! —
Aehnliche Gedanken, wie die feinigen, hatte auch sie, nur daß sie sich durchaus nicht deshalb vor sich selber ausschalt und schämte. Ihr war der Geldpunkt eine sehr wichtige Sache, sie wußte, wieviel sie mit ihrer Mutter insgeheim in ihrem Haushalt hatte entbehren müssen, um nur den äußeren Schein zu wahren, mithalten zu können mit den Freunden und Bekannten . . . und diese Entbehrungen sollten jetzt ganz und für immer ihr Ende haben. Margot hatte sich von dem flüssigen Gelde, das noch vorhanden war, eine luxuriöse Garderobe gekauft und einen Teil der von ihr gewünschten Veränderungen in ihrem neuen Heim bestritten; was übrig blieb, gehörte ihrer Mutter zu deren Lebensunterhalt, mußte ihr unverkürzt bleiben, sollte sie nicht Mangel leiden. Konnte Fräulein von Reicher schon nicht die einst so heißbegehtte, glänzende Partie machen, so mußte sie wenigstens einen wohlhabenden Mann bekommen, und als solchen sah sie den Baumeister Frehtag an. Sie wußte, seine erste Frau hatte Vermögen gehabt, — freilich, wieviel dies gewesen und wieviel davon den Kindern giftel, das wußte sie nicht und es konnte ihr auch niemand sagen. Ob er selbst außer seinem Einkommen noch Geld hatte, wußte Margot ebenfalls nicht.
dem Kameraden Hildebrandt denselben Brauch walten zu lassen. Es lag also lediglich eine Unbesonnenheit vor, weil man nicht bedachte, daß in diesem Fall von Uebelwollenden eine andere Auslegung unterschoben werden könnte. Es muß also zugegeben werden, daß eS taktvoller gewesen wäre, es diesmal nicht zu machen, Aber dazu muß wieder erwähnt werden, daß es sich, wie schon öfters bemerkt, um einen bei Offizieren wie Mannschaften ganz besonders beliebten Offizier handelte, der zudem durch sein Unglück in der allgemeinen Sympathie gestiegen war. Man wollte doch den armen Hildebrandt nicht schlechter behandeln! So kam jene Ovation zustande, aus der Stimmung der Augenblicks geboren und keineswegs langer Hand vorbereitet. Es waren keine ersten Garnituren ausgegeben re., lediglich die Helmbüschel, um dem Aufzuge ein parademäßiges Aeußeres zu verleihen. Hoffentlich geben kompetente Aufschlüsse über diese so vielbesprochenen Vorfälle roch nachträglich erwünschte Klarheit, damit ein für allemal der peinigende Verdacht beseitigt wird, als könnten für Maßnahmen der preußischen Armee jemals Rücksichten auf demokratische Sentiments und nicht ganz allein die Vorschriften und die Traditionen unseres ruhmreichen Heeres maßgebend sein.
Vom Hofla ger des Kaisers.
Ans Frankfurt a. O., wohin das Kaiserpaar sich am Sonnabend früh begeben hatte, wird gemeldet:
Der Kaiser nahm Sonnabend Vormittag die Parade über das 3. Armeekorps bei Markendorf in Gegenwart der Kaiserin und des Kronprinzen ab. Anwesend waren ferner die Prinzen Heinrich, Albrecht und Friedrich Leopold von Preußen, die Prinzen Ludwig, Leopold und Arnulf von Bayern, Herzog Ernst Günther zu Schleswig Holstein, Prinz Ferdinand von Rumänien, ferner Lord Roberts, der englische Staatssekretär des Kriegsaw.ts Brodrick, General Kelly-Kenny, die amerikanischen Generale Corbin, Doung und Wood, sowie der italienische Generalleutnant Saletta, Earl Lonsdale und die Militärattaches der berliner Botschaften. Es fanden zwei Vorbeimärsche statt. Beim zweiten führte der Kaiser das Leib - Grenadierregiment (1. Brandenburgisches) Nr. 8 vor; die Prinzen Heinrich und Albrecht von Preußen, Prinz Arnulf von Bayern und Generaloberst von Hanke führten ibre Regimenter vor. Nach dem Vorbeimarsch besichttgten die Kaiserin im Wagen, der Kaiser zu Pferde die auf dem Paradefeld aufgestellten Kriegervereine.
Vom Paradefeld kommend, durchritt der Kaiser die Stadt Frankfurt a. O. und wurde auf dem Wilhelmsplatze vom Oberbürgermeister mit einer die Verdienste der Hohenzollern um
Eines hatte ihr allerdings zu denken gegeben. Sie fand es selbstverständlich, daß Käthe aus dem Hanse ging, sobald sie, die neue Herrin, in dasselbe einzog. Aber es befremdete sie doch, daß das junge Mädchen sich sofort mit aller Energie eine Stelle suchte, und sie hätte sehr gern gewußt, ob dies eine Art Eigensinn, ein unabweisbarer Tätigkeitstrieb von dem Mädchen oder ob es nackte Notwendigkeit war. Einmal hatte Hermann gesprächsweise geäußert: „Käthe hat kein Vermögen, oder doch so gut wie keines. Don den paar Groschen Zinsen, die sie hat, kann sie unmöglich leben!" Und auf Margots Bemerkung, es dürfe Käthe doch nicht peinlich fein, von ihrem Bruder das übrige zu ihrem Lebensunterhalt anzunehmen, hatte der Baumeister erwidett: „Dazu würde sie zu stolz fein, selbst wenn ich . . ." Er hatte den Satz nicht vollendet, und sein Gefichtsausdruck war verlegen gewesen.--
Das neuvermählte Paar konnte nicht gleich die übliche Hochzeitsreise unternehmen, da Frehtag verschiedener wichtiger Bauten wegen jetzt keinen Uttaub nehmen durfte. Er hatte seine Braut, die dies Faktum als ein spezielles Mißgeschick ansah, damit getröstet, daß es viel beffer sein würde, sie reiften im Herbst: bis dahin hätten sie sich mit einander eingelebt, sie habe Zeit gehabt, die Kinder kennen zu lernen, und diese wiederum würden sich an die neue Mama gewöhnt haben. Wer aber, fragte sich Margot, würde während ihrer Abwesenheft bei den Kindern bleiben? Ihre Mutter eignete sich nicht im mindesten dafür, hätte auch keine Lust gehabt, sich irgend welche Verantwortung aufzubürden, und Käthes Herbstferien fielen sehr spät, währten überdies nur vierzehn Tage, und sie wollten doch länger unterwegs fein! Das junge Mädchen
Frankfurt würdigenden Ansprache begrüßt, au! bte der Kaiser tote folgt erwiderte:
Aus Meinem Wege zu Meinen Grenadieren durchreite Ich die Stadt Frankfurt und entbiete ihr Meinen kaiserlichen Gruß. Ich danke bet Stadt für den Empfang, den sie Mir bereitet hat, Ich danke der Stadt für die Gesinnungen, die Mir aus den frohen Gesichtern der Bürger, Kinder und Vereine entgegenstrahlten, Ich dank der Stadt für die Treue, mit der sie an Meinem Hause festgehalten hat und hoffe zu Gott, daß unter Meiner Regierung und unter derjenigen Meiner Nachfolger die Stadt sich immer weiter und blühender entwickeln möge. Darauf leere Ich diesen Becher.
Der Oberbürgermeister brachte ein Hoch aus den Kaiser aus. Dann ritt der Kaiser zum Frühstück beim Osfizierkorps des Leibgrenadierregiments in dessen Kasino.
Die Kaiserin besuchte die Lutherstistung in Frankfurt a. O. Um 3 Uhr nachmittags reiften die Majestäten ">ft dem Kronprinzen, vom Publikum mit herzlichen Zurufen begrüßt, nach dem Neuen Palais ab, wo sie nach 5% Uhr eintrafen, um bis heute dort Aufenthalt zu nehmen. _______
Jngrundbohrung eine» haitianischen Kanonenboots.
Wie uns in einer Privatdepesche mitgeteilt wird, hat das deutsche Kriegsschiff Panther an der Hafeneinfahrt der Stadt Gonaivos das haitianische Rebellenkanonenboot Crete-ä-pierrot in den Grund gebohrt. Der Besatzung gelang es sich zu retten.
Vor einigen Tagen hatte sich bekanntlich in Port au Prince ein die Flagge des Präsidenten Firmin führendes Kanonenboot unterstanden, den Hamburger Dampfer „Marcomannia* ohne jede Veranlaffung zu durchsuchen und die an Bord vorgefundenen Waffen und Munitton mit Beschlag zu belegen. Freilich mußte der Kommandant des Kanonenbootes später den Dampfer wieder freigeben und ihn feine Reise fortsetzen lassen. Diese Selbstverständlichkeit ändert indeß nichts an der Tatsache, daß bil haitianischen Aufständigen sich mit dieser Tai einen unerhörten Uebergtiff erlaubt haben, dem jetzt die Strafe auf dem Fuße gefolgt ist. Mit Recht hat man die Durchsuchung des Dampfer- und die Wegnahme von Waffen und Munition von deutscher Seite als Seeraub angesehen und wie sehr man damit den allgemeinen An- schaungen von Recht und Sitte entsprochen hat, beweist der Umstand, daß die Vettreter aller Mächte in Pott au Prince diese Auffassung vollkommen teilten. So konnte es uns nur mit Genugtuung erfüllen, als sofott auf den achtungs- verletzenden Vorfall der Kreuzer „Panther" zu Schutz und Wahrung der deutschen Jntereffen
hatte auch, auf eine Anspielung Margots hin, erklärt, sie könne zu den Herbstserien keinesfalls schon nach H. hinüberkommen, — man müsse neun Stunden fahren, die Reise sei teuer und ihr Gehalt gering, — vielleicht käme sie zu Weihnachten, wenn man sie im Hause ihres Bruders haben wolle!
Baumeister Frehtag, der allen Erörterungen, die keinen ganz glatten Dettauf zu nehmen drohten, so gern aus dem Wege ging, hatte sich lachend „solch' weitaussehende Pläne" verbeten! Wer könnte denn jetzt schon sagen, waS man um die Weinachtszeit tun würde, und mit dem Herbst hatte es auch noch gute Wege . . . mein Himmel, man lebte im Mai, das sollten doch die Damen nicht bergeff en! Das würde sich alles finden, — fein Wahlspruch fei stets gewesen: „Irgendwie muß es doch werben!" unb siehe ba! ° irgendwie war es in der Tat stets geworden! —
Also hatte Margot von Reicher, aus der jetzt Margot Frehtag geworden war, sich fürs erste häuslich einzuttchten und einstweilen die liebende Gatttn unb Mutter zu spielen, — kein erbaulicher Gebanke für sie! Namentlich bie letzgenamfte Rolle würbe ihr entfliehen „schlecht liegen". Sie war von rascher Beobachtungsgabe unb hatte sehr bald herausgefunben, baß Libbh, so hübsch und gescheit sie war und so liebenswürdig sie fein konnte, durch ihren Vater arg verwöhnt worden war, Launen hatte unb überhaupt nicht als bas angesehen werben konnte, was man ein „bequemes Kind" nennt Käthe steuerte beständig dagegen, sie setzte auch zuweilen ihren Willen durch, da das Kind sie liebte und sich ihr schließlich, wenn auch oft widerstrebend, fügte. . . das war aber eine schwere, und undankbare Aufgabe. (Fotts. f.)