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Handel auszufchalte», sondern fie soll kärglich ««berechtigten Uebergriffen des Handels ent- oegentreten. Dies hat fie in Posen getan, dies wird fie auch dort tu», wo Händlerringe den »in^lnen Landwirte« die Preise diktiere« tooUen.

Ursprungszeugnisse.

Kor einigen Tagen wurde gemeldet, daß die Hamburger Zollbehörden bei der Verzollung deS eingehenden ausländischen Getreides Ur= sprungszeugniffe verlangten. Jetzt liegt ein Schreiben der Generalzolldirektion vor, das sich über die Gründe jener Maßregel ausspricht. Es heißt darin, daß im vorigen Winter erheb­liche Mengen von Weizen kanadischen Ursprungs, vielfach mit Weizen aus der Union gemischt, über Newhork nach Hamburg gelangt find, und der in Newhork ansässige Verkäufer die Ham­burger Empfänger über den Ursprung des Weizens im Dunkeln gelassen hat. Es ist daher die Bestimmung getroffen worden, daß in Zu­kunst bei allen Sendungen von Weizen, Roggen, Hafer, Gerste und Erbsen, die direkt aus den nordatlantischen Häfen Amerikas bis Phila­delphia herunter, mit Einschluß der an den großen Seen des St. Lorenz - Stromgebiets ge­legenen Hafenplätze, kommen und in Hamburg zur Zolleingangsrevifion gelangen, nachgewiesen werden muß, daß fie nicht aus Kanada stammen. Von dieser Bestimmung werden auch bereits die zur Zeit noch unterwegs befindlichen Lad­ungen betroffen. Der Nachweis soll nicht allein durch amerikanische Ursprungszeugnisse, die vor der Verschiffung ausgestellt werden, sondern auch durch in Hamburg zu beschaffende Nach­weise aller Art zwecks Glaubhaftmachung des nicht kanadischen Ursprungs erbracht werden neu. (Vorlegung von Schiffspapieren, Fak­turen, Frachtbriefen, kaufmännischer Korre­spondenz usw.)

Sozialdemokratischer Patrio­tismus.

Unter der Ueberschrist:So'n bischen Fran­zösisch' erzählt derVorwärts' eine amüsante Geschichte von einer berliner jungen Dame, die den König Humbert italienisch begrüßte, ohne der Sprache mächtig zu sein. DerVorwärts' bemerkt dann dazu:

Die arme Ehrenjungfrau, die sich so blamieren muhte, ist Wohl am unschuldigste» an dieser peinlichen Affäre In sie wird die italienische Ansprache ebenso bmeingetrichtet worden sein, wie man dieKloster- 6odcn* in unsere, im Klavierspiel talentlosen höheren Töchter hiueintrichtert. Aber der hurrahpatriotische Vater dieses jungen Mädchens hätte sich vor Augen führen tollen, daß in dem Dressurstück, das er an seiner Tochter verrichten ließ, sich eine schimpfliche Mißachtung unserer eigenen schönen Muttersprache « damit ein bedenklicher Mangel an wirklichem Patriotismus kundgiebt. Wir glauben nicht, daß ein ftan höfischer oder italienischer Staatsbürger einer Albernheit, tote der hier mitgeteilten, fähig wäre; das kann nur deutschen Patrioten passieren.'

Sehr gut. Aber wo bleibt die Nutzan­wendung auf die internationale Sozial­demokratie?

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Deutsches Reich

BerN«, 3 Septbr.

Der Kaiser unternahm gestern früh mit dem Kronprinzen einen Ritt in die Umgegend des Neuen Palais. Von 9 Uhr an hörte Seine Majestät die Vorträge des Chefs des Generalstabes der Armee, des Ehels des Militärkabinetts und des Vertreters des Cl os des Marinekabinetts, Kapitäns z. S. v. Müller. Um 12«fc Uhr nachm. trat der Monarch dann in Be­gleitung seiner Gemahlin mittels Sonderzuges die Reise von Wildstation nach Posen an.

Die kaiserlichen Prinzen Adalbert, August Wilhelm und Oskar befinden sich gegenwärtig auf einer Befichtigungsreise nach dem preußisch-dänischen Kriegsschauplätze von 1864. Zu diesem Behufe trafen die 'Prinzen August Wilhelm und Oskar, von Plön koinmend, in Kiel ein und wurden am dorttgen Bahnhof von ihrem Bruder, dem Prinzen Adalbert von Preußen, empfangen. Hierauf begaben fich die drei kaiserlichen Prinzen an Bord der Kaiserin- JachtIduna', um zunächst nach Alsen in See zu gehe».

Der Geschästsausschuß des Deutschen Aerzte- vcieiusbundes hat folgende ausführlich begründete Petiüon an den Bundesrat gerichtet: 1) Personen mit dem schweizerische« Maturitätszeugnis, der soge­nannten nur für Aerzte, Tierärzte und Apotheker geltenden Fremdenmaturität, möchten auch nicht aus­nahmsweise zum Studium der Medizin und Ablegung der Staatsprüfung in Deutschland zugelassen werden; 2) ebenso wenig sollten nicht immatrikulattonsfähige Personen zum Besuche der Kliniken zugelafien werden, da hierdurch der Unterricht gestört und der immer mehr anwachfenden Kurpfuscherei Vorschub geleistet wird.

Auf Anordnung des Justizministers haben die Justizbehörden ihren gesamten Bedarf an Briefum- «aus dem Strafgefängnis in Tegel zu beziehen.

rttäge mit den bisherigen Lieferanten mutzten gelöst werden; die geschädigten Papierfabrikanten richteten, wie dieVolksztg.' hört, an den Justiz. Minister eine Eingabe in dieser Angelegenheit. Ihre Beschwerde wurde jedoch vom Minister zurückgewiesen.

Die Beschlagnahme der Posener Zeitung Praca' und die Verhaftung ihres Redakteurs if: wegen der Wiedergabe eines im Rathaussaale zu Lemberg befindlichen Bildes erfolgt, welches das an einen Felsen gefesselte Posen darstellt, zu deffen Be­freiung Sensenmänner unter Anführung von Edel- leuten und Priestern anstürmen. In dem auf das Bild folgenden Gedicht wird der Inhalt deS Bildes zum Kaiserbesuch in Beziehung gebracht

Landesdirektor Frhr. v. ManteuM, der frühere Führer der Konservativen im Reichstage, ver­zichtete bekanntlich 1898 auf sein Mandat. 6t soll nun beabsichtigen, im nächsten Jahre sich in seinem früheren Wahlkreise Kalau-Luckau, den jetzt der Konservative Henning vertritt, wieder aufstellen zu IdffcR.

Der Gouverneur von Dentsch-Sübwestafrika, Major Leutwein, hat mich seiner Ankunft bem Aus- wärtige» Amt einen Besuch abgestattet.

Wie derHamburgische Korrespondent' meldet, wird die Hamburg-Amerika-Linie in nächster Zett ihre aufgelegenen Echtste zur Detoälttgung eines em- tretenden FrachtenavdraugeS, bei dem namentlich große Getreidemenaen in Frage kommen, wieder in Dienst stellen. Da körn«» sich unsere deutschen Bauern Gratuliereul

Der sozicSdemotratische Arbeiterverein zu Frankfurt a. O. hat einen vom.Vorwärts' veröffent- tchten Beschluß gefaßt, in dem dem sozialistischen Abg. Stadthagen Leichtfertigkeit und Schädigung der Partei vorgeworfen wird, wett erAnschuldigungen in die Wett geschleudert habe, ohne vorher auch nur den Versuch zu machen, fich über die Berechtigung der Vorwürfe zu erkundigen'.

Der Kaiser hat betreffs des Verhaltens der Schiffe bei Begegnungen mit ihm auf See befohlen: Schiffe und Schiffsverbände, die Seiner Majestät auf See begegnen, hoben über die Aufgabe, in der sie be­griffen find, sogleich durch Signal Meldung zu machen. Seine Majestät werden, wenn eine Hebung nicht unterbrochen werden, mithin das Zeremoniell aus­fallen soll, bei Tage die Flagge Y des internationalen Signalbuches unter der Kaiserstandarte setzen, bei Nacht drei hinter einander zu feuernde weiße Doppel- sterne abgehen kaffem'

Am 1. Oktober d. 3?. wird durch bte Auf. stelluna einer 2. sächsischen Eskadron Jäger zu Pferde beim XIX. Armeekorps (2. sächs.f die Militärvorlage von 1899 in allen ihren Teilen durchgeführt seim

Während des bevorstehenden Aufenthalts Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin in Posen find zum außerordenllichen Kammerherrndienst bei Aller­höchst derselben befohlen worden: der Kammerherr Dzierzykraj von Morawski auf Lubania bei Punitz und der Kammerherr von Bvrn-Fallois aus Stenuo bei Mahrheim. t

Degradation von Unteroffizieren der Reserve. Die Militärbehörden halten in letzter Zeit ftienß darauf, daß das Unteroffizierkorps deS preußischen Heeres nur Elemente enthält, welche in jeder Be­ziehung tadelfrei dastehen. So hat jetzt das Kriegs­gericht der 10. Division (Posen) zwei Unteroffiziere zur Degradation verurteilt, welche, zur Reserve ent» lassen, in ihrem bürgerlichen Beruf sich Verfehlungen hatten zu schulden kommen laffem Das Kriegsgericht ging von dem Standpunkt aus, daß die Genannten infolge dieser Verurteilung nicht mehr würdig seien, Stellungen als Vorgesetzte im Heere z« bekleiden.

In der vergangenen Rächt feuerte in München ein auf einer Wiese außerhalb der Stadt in Be­gleitung eines Mädchens befindlicher Soldat au8 Mutwillen einen Revolverschutz ab. Als darauf ein Schutzmann herbeieilte, feuerte der Soldat auch auf diesen, worauf der Schutzmann den Soldaten durch zwei Schüsse, von denen einer in den Kopf, der andere in das Herz drang, auf der Stelle tötete. Das Mäd­chen ergriff die Flucht und konnte bis jetzt nicht er­mittelt werden.

In Zentrumskreisen taucht der Gedanke zur Dezentralisation bet . Generalversammlungen bet deutschen Katholiken' (deutscher Katholikentage) aus: man will Provinzialversammlungen ins Leben rufen. Der Plau läuft auf eine noch intensivere Propaganda und noch straffere Organisatton als bisher hinaus.

Einer der wenigen links - »attonalliberaleu Reichstags-Abgeordneten, Dr. Esche, wird bei den nächsten Reichstagswahlen nicht wieder kandidieren. Wegen seiner antiagrarischen Haltung ist er von seinen eigenen Parteigenossen fallen gelassen wotdem

Das Staatsministerium trat gestern zu einer Sitzung zusammen DerReichsanzeiger' veröffent- licht eine Verfügung bett, das Paßwesen in den deutschen Schutzgebieten Afrikas und der Südsee.

Professor Rudolf Virchow hat gestern eine ruhige Nacht verbracht. Von den erschlaffenden Folgen, die der Transport nach Berlin trotz aller Bemühungen, ihn so bequem wie möglich zu gestalten, für den greisen Gelehrten gehabt hat, scheint der Patient fich langsam zu erholen, und sein Befinden war heute so gut, wie es die Umstände gestatten.

Wegenunbefugter Ausübung der Vivi­sektion' ist gegen den berliner Arzt Dr. Vogt eine Anzeige erffattet worden.

In denB. N N.' liest man: Die bayerische Gesandtschaft in Berlin flaggt am Sedantage nicht mehr. Wit haben die gleiche Wahrnehmung bereits im vorigen Jahre gemacht. Heute haben wir n«8 überzeugt, daß die Gesandtschaft den nationalen Festtag wiederum unbeachtet läßt. Hiernach ist anzuuehmen, daß das eigentümliche Verhalten der bayerischen Gesandtschaft auf generelle Weisung zurückzuführen ist.

Nach einer Aufstellung derKrenzztg. find seit dem 1. März d. I. 91 höhere Offiziere, d. h. Generale, Generalleutnants, Generalmajore, Obersten und Oberstleutnants, verabschiedet oder zur Dispo» sstton gestellt; im gleichen Zeitraum find 12 höhere Offiziere gestorben.

Ausland

Italien. Eingeweihte römische Kreise ver­sichern, der König und Prinetti haben sich höchst befriedigt über den Empfang in Berlin ausge­sprochen. Es scheinen in Berlin auch be­ruhigende Erklärungen über die Erneuerung der Handelsverträge abgegeben worden zu sein, derart, daß Italien versichert wurde, die deutschen leitenden Kreise würden den berechtigten Wünschen Italien« mit allem Eifer entgegenzukommen bemüht sein.

Frankreich. Die französische Presse, ins­besondere die Sportblätter, konstatieren mit Genugtuung den Sieg der Pariser Rudererer in Frankfurt, und den ungemein sympathischen Empfang, welchen die Frankfurter Bevölkerung überall den französischen Gästen bereitet. DaS Petit Bleu', welches bereits die Bilder der beiden Mannschaften wiedergiebt, ließ fich sogar die Liste der Festgäste und daS Mufikprogramm des Banketts im Palmengarten telegraphieren. Der Berichterstatter desBelo" versichert, daß dieser Frankfurter Tag unvergeßlich bleiben werde. UebrigenS haben ihm die Frankfurter versprochen, das nächste Jahr wieder nach Paris zu kommen, aber dannmit einer wirklich furchtbaren Mannschaft'.

Rtttzlnnd. Zur Parade in Posen schreibt Fürst MeschtfcherSki imGrashdcmin' u. a.: Kaiser Wilhelm halte es für nötig, sein Streben nach Annäherung an Rußland kundzugeben. Diesen Charakter trage die von ihm an den Generalgouverneur von Warschau und an das Offizierkorps zweier in Warschau stehenden Regimenter gesandte Einladung, der Parade in Posen beizuwohnen. Fürst MeschtfcherSki findet, die Annäherung an Rußland sei für Deutsch­land daS beste Gegengewicht gegen den Zwei­bund. DerGrashdanin' ist bisher das ein­zige russische Blatt, daS fich über die Posener Parade geäußert hat.

Amerika. Die amerikanische Preffe druckt nicht ohne TriumphgefM bte Auslassungen englischer, französischer und deutscher Blätter Ätzer Roosevelts Monroe-Rede ab nud konstatiert, daß nie eine ähnliche Anerkennung der amerika­

nischen Weltmachtstellung stattgefunden habe. Die englische Auslegung, daß die Rede gegen Deutschland gerichtet sei, wird namentlich von »en Rew YorkTimes' mit dem Hinweis zurückgewiesen, daß die kaiserliche Regierung bezüglich Venezuelas ei« ungemeine Rücksicht­nahme auf die Union gezeigt habe, obwohl fie zur zwangsweisen Eintreibung von Schulden Wohl berechtigt sei. ®aS Statt bemerkt, daß ne Rede gegen niemanden eine Spitze enthielt. Der Präsident müsse täglich ost viel Reden halten; kein Wunder, daß er um ein Tema verlegen, ein so beliebtes wie die Monroe- Doktnn wählte. Die New Jork .Sun' sagt, die Rede hatte keinerlei spezielle Absicht oder Bedeutung.

Südafrika. Ein Korrespondent desDaily Expreß' telegraphirt auS Kapstadt, daß dort immer mehr Einwanderer eintreffen, obgleich eS vollständig unmöglich ist, für diese Arbeit zu finden. Das einzige, waS die Ankömmlinge vorfinden, find Briefe von Freunden und Ver­wanden am Rand, durch die vor einer Weiter­reise dorthin gewarnt wird, weil die Zustände am Rand sozial und industriell durchaus unbe­friedigend seien. DaS ArbeitSbüreau der Regierung in Kapstadt hat bekannt gegeben, daß ganze Echaaren von Maurern, Zimmer­leuten und Handwerkern verschiedener Art arbeitslos find. Die Bettelei nimmt überhand und die Parks find mtt Obdachlosen angefüllt. Verbrechen und Gewalttätigkeit find au der Tagesordnung. Merkwürdigerweise sollen viele dieser Verbrechen von der Presse todtgeschwiegen werden. So find im Monat August mehr als 40 Fälle von lleberfall, verbunden mit Raub, nicht veröffentlicht worden und zwar, wie man annimmt, weil Soldaten die UebÄltäter waren. Am Donnerstag wurden drei dieser Straßen­räuber auf frischer Tat abgefaßt.

Marburg «ab Urugegend

Marburg, 3. Septbr.

Auf dem Motorbot:Ich gehe jetzt Mann, eS kommt ja nicht.'Aber wart' doch nur Mütterchen,'8 muß doch gleich da fein,' anwortet der Gatte, welcher vou weniger Unge­duld gepackt wie das schwache Geschlecht der bekannten Bequemlichkeit deL starken vor dem Heimweg von Wehrda nach Marburg ein gelindes Grausen hat. Und richtig, der Retter in der Not er­scheint. Mit stolzem Geläute meldet fich das kleine Ungetüm und nun ist eS schon ganz nahe und legt an. Wes drängt fich hinein, um einen guten Platz zu ergattern, wenngleich eigentlich der eine ebenso wie der andere ist. Indes man drängt fich doch. DaS ist immer so gewesen und wird immer so bleiben. Mer nein, einer hat Grund, mit seinem Sitz unzufrieden sein. Ein junger Herr ifPS, welcher mit gesetzter Ruhe in dem überlegenen Gedankenwas drängt das Volk?" ruhig wartete, bis alle anderen reingesprunge« waren, und nun nur noch hinter dem kleinen Petroleummotor ein freies Stellchen fand. Der eine von dem zweiköpfigen Per­sonal hat ihm den wenig angenehmen Platz abgetreten und fich mit kühnem Satze auf das schmale Hinterteil geschwungen. Triumphierend schaut er nun hinab aus daS Getümmel zu feinen Füßen und freut fich, einen billigen Edelmut bewiesen zu haben, in­dem er den heiklen Platz losgeworden ist, wo der Petroleumdunst einem nur zu sehr an eine qualmende Lampe erinnert. Man mag nicht denken an diese Lampe, wenn der Sommer noch lockt, den Mend im Freien zuzubringen und das muntere Fahrzeug die trägen Fluten durchschneidet. Könnte man doch immer so auf dem Wasser dahinschweben, über der halt­losen durchsichtigen Fläche wie von heimlicher, überirdischer Kraft fich forttragen lassen von der tätigen Maschine. Unwillkürlich steigt wohl dieser Gedanke in sämttichen Fahrgästen auf. Wie sollte matt ander» das zufrieden glückliche Lächeln deuten, welches auf aller Lippen ruht und in der Zeit der Sorgen und trüben Gesichter auf das melancholischte Antlitz einen leichten Sonnenschein zaubert. Schon viele Jahre legt nun das kleine Wasserpferdchen, wie der 5 jährige Fritz da das Ding nicht unpassend betitelt, uner­müdlich seinen Weg zwischen Lahnlust und Lahngarten zurück, aber immer noch bleibt er viele« was neues. Sitzt man aus einem großen Lloyddampfer oder einem Panzerkreuzer 1. Klasse, nun man merkt's kaum, vorausgesetzt, daß die See nicht ungemütlich wird und wie ein ungezogenes Füllen die Wellen fich auf= bäumen läßt, hier jedoch, wo man den Schirm oder Stock so hübsch im Wasser nachfchleifen lasse« kann, übt das balkenlose Element in seiner unmittelbaren Nähe einen geheimnis­vollen Reiz. Man blickt in die trübe Flut und denkt batan, wie mancher da unten schon ge­legen habe«, wieviel Lebenskampf, Schmerz und HerzenSgramm in dem Flüßchen begraben sein mag. Plötzlich schreckt man auf.Aber wo steuern fie den hin, zum Teufel? ruft ein Herr mit großen Augen dem Maschinensührer zu, als dieser in aller Gemütsruhe direkt au das User los fährt.Ja Herr, hier muß man sehr vorsichtig fein, einen halben Meter zu wett nadj recht« und wir fitzen fest', erzählt stolz bei Angerufene.Sie sehen, was für ein ver­antwortungsschweres Amt ich inne habe', liegt auf seinem verschmitzt lächelnden Geficht. Eine ängstliche Spannung folgt ES wäre bodj zu dumm, sollte man auf einmal da hülslos stundenlang sepliege«. Oder vielleicht kippt es gar um, denkt bo8 kleine Mädchen in der Mitte und schmiegt sich furchtsam an Mütterchen. Wir im ghs» find diese Gedanken durch die

Köpfe gehuscht, wie im Fluge ist and? das Boot an der angeblich so verhängnisrvllen Stelle vor­über. Alles atmet erleichtert auf. Rur bei ?err Tertianer da mit der bunten Mütze, chaut enttäuscht btein. Seit er beim Preis» chwimmen sich fo wacker gehalten hat trägt er sich energisch mit dem Gedanken, so bald wie möglich die Rettungsmedaille zn der» neuen.Immer noch nicht am Ziel,' feufgt er nun. Aber wir find am Ziel. Kling, kling und das Fahrzeug hält, hurtig steigen wir aul und fühlen mit innerer Genugtuung wieder festen Boden unter den Füßen.

* Der Srdankovmers unserer 3 Kriegerverrine. Der gestern abend im Restaurant Lederer von ?en hiesigen 3 Kriegervereinen veranstaltete Kommers nahm einen sehr würdigen und dem Tage entsprechenden Verlauf. Es waren nicht nur die alten Soldaten hier versammelt sondeöi auch eine Anzahl Offiziere vom hiesigen Jäger­bataillon erschienen, unter ihnen an der Spitze Herr Oberstleutnant v. Borries, wie auch eine Anzahl Offiziere des Beurlaubtenstandes. Auch der Bezirkskommandeur Herr Major Frei­herr v. Röder wie Herr Major Freiherr Treusch von Buttlar-BrandefelS hatten es fich nicht nehmen lassen einige Stunden bei den alten Soldaten zu verbringen. Der Kommers wurde geleitet von dem Vorsitzenden deS Verein« ehern. Gardisten, Kamerad WirgeS, der auch in zündenden Worten den Kaiser-Toast mit folgen­der Ansprache ausbrachte.

Verehrte Festgenossen, treue Kameraden!

Fast ein Menschenalter ist verflossen fett beeis unvergeßlichen Tage des Sieges bei Sedan. Warum-, feiern wir ein Sedanfest? Feiern wir den Tag von Sedan etwa, um uns eines Sieges zu freuen t Wahrlich nicht. Wir könnten dann mtt mehr Recht andere Ruhmestage ans der Geschichte des große« Krieges feiern, bereu äußerer Erfolg größer und ge­waltiger war. 68 ist nicht deutsche Art, mit Siegm zu prahlen und erstritteue Siege durch Prunkhaft« Feste immer und immer wieder zu verherrlichen. Nach dem Empfinden des deutschen Bolles vollzog sich an dem Tage von Sedan ein Gottesgericht. Em Napoleon hatte unser Vaterland schwer gedemütiM; er hatte die edelste der Fürstinnen, die unvergeßluhe Königin Luise, tief beleidigt. Ein Napoleon, de« korsischen Sippe des Ersten entstammend, hatte aus Uebermnt, Größenwahn und Ruhmessucht das deutsche Volk zum Kriege gezwungen. All' das Elend, all bte Klagen und Ächränen und all' der Jammer, so bee Krieg erzeugt, fie wurden dem frechen Korsen ms Schuldbuch geschrieben. Und bei Sedan ereilte chn Gottes strafende Hand. Als ein um Gnade bettelnder Gefangener stand der Abenteurer und Empottömmlma vor König Wilhelm, der herrlichen Königm Luis» großem Sohne 1

Und well daS deutsche Volk in dem Schicksal, daS den leichtsinnigen Friedensbrecher Napoleon bei Seda» erreichte, Gottes strafende Gerechtigkeit erkannte, da» um wählte es diesem Tag zum Fest- und Dankes, tage. Ja, ein Daukesfest soll der Sedanstag uni stets und immer bleiben: Danken wollen wir au diesem Tage Gott, daß Er den deutschen Waffen dm Sieg verliehen! Danken wollen wir Ihm, daß Er für solche schwere Prüfuugsstimde dem Volke eine» Wilhelm den Großen und diesem wieder weise 5Bunbe8« Sen gab. Danken wollen wir Ihm, der für groß»

labe dem deutschen Volke große Söhne schenkt« und an ihrer Spitze das Dreigestiru Bismark, Roon und Moltke. Danken wir Gott an diesem Tage, daß er aus Bösem, das der Freche uns zugedacht, daS Gute,ein einiges deutsches Vaterland' uns werden ließ. ,

An dem Allerbeutscheutag, das ist der 6ebanta& wollen wir aber auch bauten unfern lieben alten Karner oben, bie in dem großen Kriege chr Gut, ihr Blut, ihr Leben einsetzten, um mit Gottes Hilf« das einige Reich erftreüen und erkämpfen zu helfen. Und dieser Dank schließt ein unser Gelöbnis, stet» bereit zu sein, zu schirmen, zu bewahren, zu vev- tewigen, was Gott uns schenkte, was unsere Wter und alten Kameraden erftritten und erstegten. Dieses Gelöbnis bekräftigen wir mit dem Rufe:

Seine Majestät unser Allergnädigster Kaiser unb Herr und seine hohen Bundesgenossen Hurra» Hurrah, Hurrah!'

Hierauf nahm Herr Oberstleutnant v. BorriÄ» daS Wort und dankte in markigen Worten im Namen des Offizier-Korps für die Einladung zu der Feier, bei benen er auch ganz besonder» darauf hinwies, daß eS eine Pflicht der alten Soldaten fei, den Sedantag zu feiern. So blieb man noch lange in vergnügter Stimmung, zn der unsere städtische Kapelle mtt ihren schönen Weisen nicht wenig beitrug, zusammen. 61 hat dieser Kommers wieder gezeigt, daß die alten Soldaten sich die Feier ihres Sedantagel nicht nehmen lassen.

§ Srdanfruer. Gestern abend bemerkte man von unserer Stadt auS, daß bei verschiedene« um­liegenden Ortschaften zur Erinnerung an die - Schlacht bei Sedan mächttge Feuer empor- loderten.

* PreiSbrrKilnng. Im Magistratszimmer del Rathauses fand gestern nachmittag in Gegen­wart der Herren Oberbürgermeister Schüler^ Magistratsmitglied Döring und Oberrealschul­direkter Dr. Knabe, die Verteilung der Preise an diejenigen Schwimmschüler statt, welche wie bereits gemeldet, bei dem Wettschwimmen am Freitag als Sieger hervorgingen. Der Herr Oberbürgermeister verband damit eine kleine Ansprache an die Schüler, in der er aus die Bedeutung des Tages von Sedan hinwiel und auch des Stifters der Preise, des verstorbenen Herrn Prof. Dr. Hüter, gedachte. Es gelangten eine Uhr und 5 schöne Bücher zur Verteilung.

* Sonnkgsru-t. Der preußische Handels­minister hat, wie dieDeutsche Handelswacht schreibt, an die Regierungspräsidenten folgenden Erlaß gerichtet:Auf Grund der Vorschrift im zweiten Satz über Absatz 2 des 8 105 b der Gewerbeordnung kann die vom Gesetzgeber für Sonn- und Festtage nur in beschränktem Um­fange zugelassene Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern im Handelsgewerbe durch statutarische Bestimmung einer Gemeinde oder eines weiteren Kommunalverbandes sür alle oder einzelne Teile des HandÄSgewerbel noch mehr eingeschränkt, oder ganz untersagt Werden. Nachdem diese Vorschrift nunmehr