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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

L-Si

. Sonntagsbeilage: Jllnftrietes Sonntagsblatt.

M 214

Vierteljährlicher Bezugspreis: bd der Expedition L DA, bei allät Postämtern 2,25 DL (excl. Bestellgelds

ZnsertionSgebühr: die gesp<stte»e Zeil« oder deren Raum 10 Pf^

Reclameu: di« Zeil« 25 Pfg.

Marburg

Dienstag, 8. September 1902.

Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertage». Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgab«.

Druck und .Verlag: Joh. Ang. Loch, llrriverfitlltS-Buchdruckerri Marburg, Markt A. Telephon 55.

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o< * ^yuylß.

Die Schlange am Busen.

Die natroncckifiische Propaganda der Palm hat sich feit geraumer Zeit der hingebende» Unterstützung der Centrumspartei zu erfreuen gehabt. So augenscheinlich auch diese in unseren Ostprovinzen eifrig betriebene Agitation aitf immer stärkere Entfremdung zwischen der deutschen und der polnischen Bevölkeimng ohne Unterschied des Bekenntnisses hinarbeitäe, so offenkundig sie auch unter den Polen einen glühenden Haß gegen alle« Deutschtum ohne Ausnahme schürte, so blind war man im Lentrum gegenüber den vorauszusehenden Folgen einer solchen Verhetzung.

Wohl hatte die Centrumspreffe im Verlaufe der letzten Jahre mehrfach Anlaß über polnische Hetzblätter sich zu beklagen und sah sich in die Notwendigkeit versetzt, verschiedene recht scharfe Mahnungen an sie zu richten; aber ob­wohl sich dadurch die polnischen Agitatoren nicht im mindesten stören ließen, scheute daS Centrum vor einer klaren Auseinandersetzung zurück und lieh den Polm auch ferner seine Hilfe. Man ging eben in der Centrumspartei von der Fiktion aus, die Polenfrage sei eine katholische Frage; die Abwehrmaßregeln gegen die nationalistische Propaganda seien im Grunde alsGermanifierungs*-u.Protestantisierungs*= Maßregeln anzusehen.

Die Polen selbst haben diese Fiktion zerstört. Sie richten jetzt ihre Angriffe offen auch gegen die deutschen Katholiken und gegen deren Priester. Sie bekennen unzweideutig, daß Nicht konfessionelle, sondern ausschließlich nationale Gesichtspunkte für ihre Treibereien maßgebend find. Die deutschen Katholiken nicht nur des Ostens, sondern auch die in den westlichen Jndustriebezirken, wo das organifierte Polentum auch bereits erheb­liche Schwierigkeiten zu machen beginnt, find jetzt gegenüber ihren bisherigen Schützlingen auf den Abwehrstandpunkt zurückgedrängt. Sie werden sich nun entweder rühren oder in völlige Abhängigkeit der Polen begeben müffen.

Als Graf von Hoensbroech im preußischen Herrenhause als treuer Katholik seinen Glaubensgenossen und der Geistlichkeit gegen­über die dringende Mahnung aussprach, in den Kampf gegen die großpolnische, staat^eindliche Propaganda einzutreten, war er scharfen An­griffen aus der Centrumspreffe ausgesetzt. Mau stellte dort die Bedenken des Herrenhausmit­gliedes als übertrieben hin unb meinte, die aufrührerischen Zeitungsartikel seien Aus­schreitungen, die von den polnischen Führern nicht gebilligt würden. Neuerdings aber häufen sich diese Aufruhrkundgebungen; es zeigt sich also, daß entweder die polnischen Führer ein-

18 Nachdruck verboten.)

Die Kinder.

RÄrelle von Marie Bernhard.

lFortfednng.)

i Margot, in ihrem weißen Kleide überaus vorteilhaft und jugendlich auösehend, von der unterdrückten inneren Erregung belebt und verschönt, gefiel dem Hauptmann heute Abend .einmal wieder' fahr, und er stand nicht an, dies merken zu laffen. .Teufel auch', murmelte er, als er ihrer an­sichtig wurde, setzte das Monocle ein, zog fich die Uniform noch straffer und küßte ihr mit vielsagendem Bück die Hand, während er sich den Souperwalzer sicherte. Er wich kaum von ihrer Seite, hatte ihr beständig ettooS zu sagen, wußte sie sich mit Geschick zurückzuobern, wenn sie sich andern widmen wollte, kurz, er zog seine alten Register auf und konstaüette mit Vergnügen, daß .dieser Baumeister' in das ihm gestellte Garn lief, denn wohlwollend, wie des Hauptmanns Gesinnung war, gönnte er Margot von Reicher, die zu seinen zahl­reichen .alten Flammen' zählte, das soge­nannte Glück einen Mann zu bekommen, fand, daß es reichlich für sie Zett wäre, unter die Haube zu kommen, und gestand sich, dieser Herr Frehtag fei schließlichnoch gar nicht der schlechteste!'

Der Baumeister umkreiste das Paar, daS w ganz vertieft in seine Unterhaltung zu sein schien, wie ein Raubvogel, der seine Ringe immer enger zieht, und des Haupt­manns linkes Auge zwinkerte und mustette den .sogenannten Nebenbuhler' unter dem Einglas hettwr mit sarkastischem Behagen. .Komm' nur näher, ganz nahe heran!' schien dieser

flußlos find, oder daß sie ein derartiges Vor­gehen, wenn auch nur stillschweigend, billigen!

Wenn eS möglich ist, daß in einer zwei­tausendköpfigen Versammlung von Polen in der Reichshauptstadt für daS .künftige Polen­reich' Propaganda getrieben und Deutschen­haß geschürt wird, ohne daß auch nur ein polnischer Führer oder Abgeorimeter dagegen seine .loyale' ©timme erhebt, so muß wohl deren Einverständnis mit dem proklamierten Ziele angenommen werden. Und welchen Ein­druck von der gerühmtenLoyalität' der polnischen Führer empfängt man angesichts der von diesen veranlaßten demonstrativen Fern- haltuug ihrer Landsleute von den Posener Kaisertagen 1

Hat man bisher im Centrum trotz alledem den Polen noch immer parlamentarische und wahlpolitische Unterstützung gewähtt, so ist man dott jetzt auf dem Punkte angelangt, wo der erwartete Dank sich in schroffen Undank ver­wandest. Die polnische Bevölkerung Ober- schlefiens will in zehn Wahlkreisen eigene Kan­didaten aufstellen, also den bisherigen Mandat- besitz des Zentrums angreifen. DaS hat die Zentrumspartei davon, daß sie die natio­nalistischen Aspirationen der Polen hat großziehen Helsen! Wenn es vielleicht auch gelingt, durch einzelne Konzessionen noch diesmal die Polen zu beruhigen, so ist das doch nur ein HinauSschieben der unauf­haltsam drängenden Entwickelung. Die Schlange, die daS Zentrum so lange am Busen gewärmt hat, beginnt nun das Blut des Beschützers zu trinken.

Ebenso ergeht es der Sozialdemokratie. Auch sie hat mit Aufopferung ihrer Grundsätze und mit Verschwendung von Parteigeldern, die von deutschen Arbeitern aufgebracht worden find, so lange die nationalistische Propaganda des pol­nischenProletariats' gefördert, bis fie dieses dermaßen in die Höhe gezüchtet hatte, daß es nun ebenfalls glaubt, sichselbständig' machen und Mandate erobern zu können. Hier wie dott zeigt sich, daß für die Polen nicht kon­fessionelle oder soziale Gesichtspunkte irgendwie maßgebend find, sondern daß allein der natio­nalistische Gedanke die Agitation beherrscht. Es sprechen nunmehr also Tatsachen und diese Sprache wird wohl endlich in allen deutschen Kreisen verstanden werden.

Umjchau.

Neber die Abschiedsfeier für den Oberleutnant Hildebrand und die gemeldete Bestrafung ihrer Urheber gehen derTägl. Rundschau' von militättscher Seite Mitteilungen zu, die, wie das Blatt sagt,

Blick zu sagen,Du kannst sie haben! Ich will fie ja gar nicht! Ich laffe fie Dir!"

Und beim Souper, als Margot zwischen dem Baumeister und dem Hauptmann saß, wie geschickt benutzte fie da den asten Verehrer, um den neuen .vollends einzufangen und fest­zumachen", wie der unehrerbiettge Offizier in seinem Innern belustigt meinte! Er gab sich weiter willig zu dem Spiel her und benutzte jede Gelegenheit, der hübschen, koketten Margot in allernächster Nähe verständnisvoll in die auf­geregt glänzenden Augen zu scheu.

Als man beim vietteu, fünften Glas Sekt war, die Diener waren angewiesen, sehr rasch wieder nachzugießen, und Margot ihr Glas an das des Baumeisters anöingen liefe, löste sich eine feingliebrige Goldspange an ihrem Arm unb fiel zu Boden. Der Baumeister bückte sich hastig danach, hielt des Mädchens Hand zusammt der Spange fest und murmelte ein paar Worte, die in dem Stimmengewirr rund umher niemand weiter verstand, als die eine, für die fie bestimmt waren.

Eie schien verwirtt, antwortete nicht gleich, schlug aber die Augen voll zu ihm auf. Da sprach er noch einmal auf fie ein, dring­licher heftiger, und sie hauchte etwas als Antwort. Er legte die Spange wieder um den runden, weißen Arm, mit absichtlich zärtlicher Behutsamkeit, tauchte von neuem Blick in Blick, rühtte mit seinem Sektkelch an den ihrigen, ttank aus bis ans den letzten Tropfen, und daS geleerte Glas, wie er eS wieder auf den Tisch zurückstellte, zitterte in seiner Hand.

Mit einem sardonischen Lächeln strich sich der Hauptmann mit der Rechten fernen wohl- gepflegten Batt, drchte seine Enden ganz spitz, und dann ließ er mit einem raschen Zwrnwry

|bei voller Mißbilligung des Geschehene« doch 'manches Ausklärende bringen, das geeignet ist, jbie ganze Angelegenheit in etwa« anderem Lichte erscheinen zu laffen, als die durch die Zeitungen gegangenen Darstellungen: Leutnant Hildebrand, so heißt es da, war ein in den Kameradenkreisen ungemcn beliebter Offizier. Der Tod seines Gegners hatte ihn unter den bekannten Verhältnissen ins­besondere tief erschüttert. Hunderte von anonymen Briefen mit den infamsten Anschuldigungen und Beleidigungen hatten iljn lief erregt, auch soll ein ihn betreffender dienstlicher Schritt ihn sehr gekränkt haben. Unter diesen Umständen keimte der Gedanke, ihm einen besonderen Beweis der Liebe und des Der- ttauens seiner Kameraden zu geben und nahm in den Kopf eines oder zweier Kameraden, der Arrangeure jenes Auszuges, eine Gestalt an, die so unliebsames Aufsehen erregte. Die be­treffenden Offiziere haben allerdings kurz­sichtig genug für die heutige Konjunktur bte Folgen ihrer Handlungsweise nicht gehöttg er­wogen. ES find nun, nachdem die liberale und ultramontane Presse einen Ent- rüstungSsturm erregt hatte, der Regi­mentskommandeur Oberstleutnant Weiß, ber Bataillonskommandeur Major Dieckehofs sowie Leutnant Hildebrand verabschiedet, Hauptmann v. Frankenberg, Oberleutnant Rumbauer zur Disposition gestM und Leutnant George zum Train versetzt worden. Sechs Existenzen find so wegen eines vielleicht unbe­sonnenen, sicher aber nicht härter zu be- utteilenden Streiches einiger jungen Offiziere zerbrochen worden, wie man sagt, ohne Kriegs­und ohne Ehrengericht. Der Terrorismus der Demokraten hat einen neuen Triumpf errungen.

Die Unterhaltungskosten ber Volksschulen.

Seit dem Jahre 1886 sind die Aufwendungen sür die öffentlichen Volksschulen in Preußen von rund 115 Millionen auf rund 270 Millionen gestiegen. Es entfielen an Schulunterhaltungskosten

auf den Kopf

im auf je auf je aus je der Jahre 1 Schule 1 Schulklasse 1 Schulkind Bevölkerung

1886 3424 1551 24 4,

1891 4209 1767 30 4,M

1896 5145 2021 36 5,M

1901 7349 2594 48 7,.,

Die sich in diesen Zahlen aussprechende Steigerung hat sich in den Städten und auf dem Lande in ziem­lich gleichem Schritte vollzogen. In den Städten freilich find dir Ausgaben erheblich höher als auf dem Lande, nicht nur wegen der dott vorhandenen größeren Schulsysteme, sondern auch wegen der reicheren Aus­gestaltung des SchulbetttebeS und der höheren persön­liche« Aufwendungen. So wurden in den Städten für eine öffentliche Bolksfchule 1886 13574, 1901 29106 Mk. verausgabt, für eine Schulklaffe 2161 und

baL Monocle fallen. Er hatte genug gesehen. Die Sache war in Ordnung. Margot von Reicher würbe fich verheiraten.

Die Dame bes Hauses, bte nach Tisch zwei Minuten mit bem Baumeister neben einer Blattpflanzengruppe sprach, ließ es fich nicht nehmen, ifae lieben, wetten Gäste mit einer Ueberraschuug bekannt zu machen: ihre einzige Tochter Margot habe fich soeben mit Herrn Baumeister Freitag vettobt!

Große Sensatton! Neuer Sekt! Gläfer- geflirr, Handküsse, Sporenklang auf­geregte Stimmen! Das neue Brautpaar staub inmitten des Salons, Arm in Arm, unb nahm bie Glückwünsche entgegen,--er freudig

erregt, viel lachend, kaum eine Gratulation abwartend, ihre Hand fest in der seinen, fie stolz unb ruhig, mit viel Glanz in ben Augen,offiziell glücklich,' wie der Haupt­mann für fich bemerkte.

Frau von Reicher, ebenfalls sehr umringt, hielt Cour' in ber würdevollsten Haltung. Sie wirb eine pompöse Schwiegermutter! raunte ber Hauptmann einem ber .Einge­weihten' zu. Ich banke bloß Gott, baß sie nicht meine ist!"

Der Ausspruch hatte fich rasch verbreitet unb fand Anklang. Fortan hieß Frau von Reicher:Die pompöse Schwiegermutter!'

Käte Frehtag, an jeder Hand ein Kind haltend, ftanb im Wohnzimmer ihres Bruders zum Empfang der Braut und ihrer Mutter bereit.

In ihrem lichtblauen Kleide, es war ihr bestes! einen Schneeglöckchenstrauß im Gürtel, war fie besonders lieblich unb mädchen­haft anzusehen, und daß fie ein wenig blaß und befangen war, keß fie noch jugendlicher

3586 DL, und ei» Schulkind kostete 34 und 84 MU die VollAchuluuterhaltungskosten betrugen auf btt Kopf der städtischen Bevölkerung 4,78 und 8,63 DL Auf dem Laude dagegen kostete eme öffentliche VvlKi schule 1886 2178, 1901 4386 Mk., eine Schulklasse 1271 und 2075 Mk und ein Schulkind 20 und 39 Mk.; ad den Kops der Landbevölkerung ergab das 3,72 und 7,23 Mk. In diesen Kopfbetttigen find natürlich di» Staatsbeiträge und sonstigen Leistungen des Staate und die Deckungsmittel aus sonstigen Quellen rächt enthalten. _____________

Regelung des Geheimmittel wesen«.

Von einem Fachblatte wird die Aktton, bh gegenwärtig regierungsseitig zur Regelung bet Geheimmittelwesens unternommen wird, oft plötzlich aufgetauchte NeuerungSbestrebungen dav- gestellt. Dem ist nicht so, es handelt sich lediAich um die Feststellung der Geheimmittellisten, bie als notwendig angesehen werben müffen, nm bie in Ausfiast genommenen Ziele der Aus­schaltung von ärztlicherseits als schäblich bezttch- neten Geheimmitteln sowie von Schwindelmittim zu erreichen. Wenn von einigen Blättern baba auf bie etwaige Schädigung bereinigter Inter­essen hingewiesen wirb, so kann von eine» solchen Schädigung nicht ine Rede fein; dem» bie wirkliche pharmazeutische Großindustrie hat nicht das Müdeste gegen eine die genannten Ziele verfolgende Regelung einzuwenden gehabt. Man wird also auf Seiten dieser Blätter gut tun, bte pharmazeutische Großindustrie unb deren Interessen nicht mehr gegen bie Regelung des Geheimmitteiw es enS in's Feld zu führen. Daß burch bie Neuerung einzelne Kreise ge­schädigt werden, ist ficher, aber deren Interessen wird doch wohl niemand nach Offenlegung bee mit ber Neuerung verfolgten Ziele bertreten wollen. Auch bie Zeitungen, welche glauben, daß ihre eigenen Interessen im Juseratenwes« leiden tonnten, befinden sich im Irrtum«. Sobald die Geheimmittellisten ferttggestellt unb in Kraft gesetzt sein werden, wird jede Zeitung auf Grund dieser Listen jederzeit wissen, welches Seheimmittels Anpreisung durch Inserat ge­stattet ist. Die jetzt so vielfach auf diesem Gebiete vorommenden Schwierigkeiten werden dadurch mit einem Schlage beseitigt sein. ®a£ irgendwelche berechtigten Interessen durch dm Neuregttung des Geheimmittelwesens geschädigt werden, ist demgemäß ausgeschlossen.

DieEhrlichkeit" sozialdemokratische» Versicherungen

wird durch folgende Cftate, die wir derFrei­sinnigen Zeitung' entnehmen, drastisch beleuchtet. Auf dem sozulldemokrattschen Patteitage zn Breslau erklätte Kautsky im Jahre 1895:

Der Bauer ist ein Fanatiker bei Privateigentumes. Wir wollen die Persönlichkeit beS Bauern schützen, aber nicht

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erscheinen. Käte war Aweiundzwanzig Jahre alt, wie sie ba staub, hätte man ihr kaum achtzehn gegeben.

Ihr schlug baS Herz in Bangen und Unge­wißheit, aber fie machte fich Vorwürft deshalb. Wie durste fie an sich denken! Di» Kinder, die Kinder! Gewiß, es handelt» sich auch um ihres Bruders Glück, um ihr» eigene Zukunft, ach, das durste ihr, der eine sterbende Mutter ihre Lieblinge ans Herz gelegt hatte, nicht die Hauptsache sein! Die Kinder, die Kinder! Den ganzen Tag hindurch tönte die heisere, gebrochene Stimme, die unaufhörlich die beiden Wotte gemurmelt hatte, an ihr Ohr; fie sah den flehenden, angst­vollen Mick, der die Worte begleitete, fie fühlte den Händedruck, der die heiße Bitte unterstützt bette: Käte ach, Käte, verlaß meine Kinder nicht!' Die Erwachsenen, die denkenden, zielbewußten Menschen, die hatten fich zurecht- zufinden mit ihrem Schicksal, fie mußten bi« ßebenSlofe nehmen, wie fie fielen, wie fie fich dieselben oft sttbst bereitet hatten. Sie aber, die Unmündigen unb Hilflosen, denen noch feine Wahl gestellt werden konnte, die noch nicht zu entscheiden vermochten, was für fie kommendes Glück oder nahes Leid zu bedeuten hatte, fie mußten gehütet werden mit zärt­lichster Sorgfalt. Würde ihnen das hier ge­schehen?

Käte wußte nichts näheres von Margot von Reicher; fie hatte bie hübsche unb elegant» Dame kaum einmal hier unb da auf der Straße gesehen, befaß keinen näheren Bekannten, bet ihr hätte von ihr erzählen können. Einmal, vor kurzer Zeit, hatte Freunb Maas in seiner gutmütigen, leicht etwas plumpen Manier ihren Bruder in ihrer Gegenwatt mit der genannten Dame ^mfgezogen', man habe ihm gesagt