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Abends 8 Uhr fand beim Kaiserpaar im Reuen Palais Familientafel statt. Der König »ött Italien führte die Kaiserin zu Tische, der Kaiser die Prinzessin Friedrich Leopold. Bei Tafel sah der König zwischen dem Kaiser und der Kaiserin, links vom Kaiser saßen Prinzessin Friedrich Leopold und Prinz Albert von Sachsen- Altenburg, rechts von der Kaiserin Prinz Friedrich Leopold und Prinz Albert von Schleswig-Holstein. Gegenüber dem König saß der Kronprinz, rechts von demselben Prinz Eitel Friedrich, Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, Prinz Albert von Schleswig- Holstein und Prinz Karl von Hohenzollern, links vom Kronprinzen Prinz Friedrich Heinrich von Preußen, Prinz Chlodwig von Heffen- Philippstal-Barchfüd und der Erbprinz von Hohenzollern. Für das Gefolge fand Marschalls­tafel statt. _____________

Der deutsche Katholikentag in Mannheim.

Der zweiten geschloffenen Generalver­sammlung des Katholikentages ging die Generalversammlung des Volksvereins für das katholische Deutschland voraus. Den Ver­handlungen, die in der Festhalle stattfanden, wohnten u. a. Erzbischof Rörber-Freiburg und der Erzbischof von Mecheln bei. Den Vorsitz führte Fabrikbesitzer Franz Brandts-München-Gladbach. Derselbe^ gedachte des Ablebens Dr. Liebers und teilte dann mit, daß der Volksverein zur Zeit 210000 Mitglieder zähle. Der Jahres­bericht wurde vom Generalsekretär Dr. Pieper- München-Gladbach erstattet. Der Verein habe, führte der Berichterstatter auS, im vergangenen Jahre heftige Kämpfe zu bestehen gehabt. Diese seien ganz besonders durch die Zolltarif­vorlage entstanden, gegen welche die Sozial­demokratie heftige Agitation entfaltet habe. Dieser Agitation sei der Volksverein mit aller Entschiedenheit entgegengetreten. Die Ein­nahmen des Verein« b^iffern sich auf 162 721 ML, die Gesamtausgaben auf 138 540 Mk. Der bis­herige Vorstand wurde wiedergewählt; neu in denselben berufen Reichsgerichtsrat Dr. Spahn- Leipzig, Cahenslh-Limburg, Pfarrer Graßmeyer- Münster und Seminarlehrer Scheffers-Paderborn. Justizrat Dr. Trimborn-Köln sprach in längerer Rede über die Bestrebungen des Volksvereins und betonte unter Anderem, der Volsverein habe die Ausgabe, dahin zu wirken, daß das gesamte katholische Volk wie ein Mann politisch zum Centrum stehe. Alsdann sprach Land- gerichtSrat Dr. Gröber-Heilbronn über Apologetik und verteidigte die katholische Lehre gegen alle Angriffe und Beschuldigungen, die gegen sie von gegnerischer Seite erhoben würden. Buch­händler Hutter-Freiburg bezeichnete es als not­wendig, daß alle Katholiken sich politisch zum Cemrum bekennen, damit dieses wisse, daß das deutsche katholische Volk hinter ihm stehe. Darauf wurde die Generaversammlung des Volksvereins mit dreifachem Hoch auf den Kaiser, den Papst und den Großherzog von Baden geschloffen. — In der zweiten geschloffenen Generalversamm­lung, die um 11 Uhr vormittags begann, wurde der BonifaziuS-Verein sowie die katholische kauf­männische Vereinigung der Werktätigen Unter­stützung empfohlen. Ferner wurde die Errichtung einer Annoncenexpedition möglichst in Ver­bindung mit der Zentralstelle des Volksver­eins beschloffen und ein Antrag Ries Ludwigs­hafen angenommen, der dem Wunsche Ausdruck gibt, daß redegewandte Männer aller Stände sich der Zentralstelle für die katholischen Ver­eine zur Verfügung stellen. Schließlich gelangte ein Antrag des Oberbürgermeisters Dr. Antoni- Fulda und des Justizrats Custodis-Köln zur Annahme, in dem der Eintritt in die Antiduell­liga empfohlen und die Erwartung ausgesprochen wird, daß dem Duell, besonders dem moralischen Duellzwange ein Ende bereitet werde. Darauf wurde die Versammlung geschloffen. In der nachmittags stattgehabten zweiten öffentlichen Generalversammlung wurde vom Vorsitzenden

gerade genug, um ihn immer mehr zu fesseln. Er hatte sich zu Anfang eben nur amüsieren wollen, — er gestand es sich ja innerlich zu, daß er gleich .ziemlich stark angesengt" worden war, — aber der Gedanke an eine zweüe Ehe lag ihm eigentlich fern. Seine Kinder — seine Häuslichkeit — er selbst — alles war so gut versorgt bei Käte, er hatte gar keine Ver­antwortung, sie richtete alles verständig ohne Verschwendung und doch hübsch und zweckent­sprechend ein, und er hatte seine volle Freiheit dabei, konnte kommen und gehen, wann und wie es ihm beliebte, ohne Rechenschaft ablegen oder sich selbst in seinem Innern irgend einen Vorwurf machen zu dürfen. Das war ihm sehr bequem, und Bequemlichkeit bedeutete für ihn das halbe Leben, — nur keine Scenen, keinen Aerger, keine Magen. Eine Frau macht immer Ansprüche an ihren Mann, — ach, und ihm tat eS so gut, daß zu Hause niemand etwas von ihm verlangte! Er hatte gemeint, das tonne für immer so wefter gehen, und wenn mal ein kleiner .Flirt' dazwischen fiele, — nun, so schadete daL am Ende auch nichts und wurde als angenehme Abwechslung mitgenommen. Aber nun war ihm die Sache ohne sein Zutun mit einemmal über den Kopf gewachsen, aus dem .kleinen Flirt' war eine Leidenschaft ge- wmchen, die fldj nicht mehr unterdrücken ließ, wnb selbst die nachträgliche Betrachtung: ,fie wird und muß doch jedenfalls Vermögen haben, denn Ansprüche macht sie bestimmt, und eine «spruchsvolle Frau ohne Vermögen ist für mich •in Ding der Unmöglichkeit,' konnte nichts »chr ändern und nützen, — der Würfel war

Rollens (Fortsetzung folgt.)

folgendes Antworttelegramm des Kaisers bekannt gegeben:

.Seine Majestät der Kaiser und König haben den Ausdruck der Treue seitens der dort ver­einten Katholiken Deutschlands huldvollst ent­gegenzunehmen und mich zu beauftragen geruht, der Generalversammlung allerhöchsten Dank auszusprechen.

v. Lucanus, Geh. Kabinettsrat.'

Nach Verlesung des Telegramms brachte die Versammlung ein stürmisch aufgenommenes Hoch auf den Kaiser ans.

Im weiteren Verlaufe der Versammlung hielt der Bischof Ehrler-Speyer eine Rede, in welcher er ausführte, daß gegen die katholische Kirche von allen Seiten ein Vernichtungskampf geführt werde; wenn man jedoch heute diese großartige Versammlung sehe, brauche man um die Zukunft der katholischen Kirche nicht besorgt zu fein. Hierauf verlas der Präsident ein Tele­gramm des Kardinal-StaatssekretärS Rampolla, in welchem es heißt: Der heilige Vater habe von der herzlichen Begrüßung vieler tausender deutscher Katholiken mit Freude und Genug­tuung Kenntnis genommen und erteile allen denen, die der Generalversammlung beiwohnen, gern und freudig den apostolischen Segen. Er gebe fich der Hoffnung hin, daß eS ihm im nächsten Jahre vergönnt sein weiche, eine große Zahl deutscher Katholiken in Rom zu segnen.

Professor Dr. Braig aus Freiburg sprach sodann Über das Thema .Der katholische Glaube und die wissenschaftliche Forschung'. Man sagt: katholischer Glaube und wissenschaft­liche Forschung vertragen fich mit einander nicht. Die Wissenschaft muß voraussetzungslos und frei sein. Der Katholik sei aber bei seinen wissenschaftlichen Forschungen an sein Glaubens­bekenntnis gebunden. Folglich könne der Katholik die reine Wissenschaft weder pflegen noch fördern. — So sagt man. Wer die Wissenschaft erstrebt, der will die Wahrheit. Will er nicht den Wahn eines Geisteskranken, das substantivierte Nichts, zum Ausgangspunkte nehmen, so muß er voraussehen, daß eine Wahr­heft sei und daß ste auffindbar sei. Diese Voraussetzung machen wir Katholiken, wir allein. Wir setzen die Welt und die Weltge­schichte voraus, sowie die Normen des Ver­nunftdenkens und Nachdenkens; also den Gegen­stand der Wissenschaft und die Werkzeuge. Diese Voraussetzungen teilen mit uns alle, die gesunden Sinnes und guten Willens find. Bei dieser Voraussetzung der Vernunft und Ver­nünftigkeit geben wir nicht allein zu, sondern verlangen nachdrücklich: soll der Forscher sein Ziel, die Wahrheit, erreichen, so muß er die ungeschmälerte, durch nichts beschränkte Freiheit haben. Es soll und muß dem Forscher ge­stattet sein, alle zweckdienlichen Mittel anzn- wenden: Hypothesen, Theorien, Systeme, die fich vor der Logik des Denkens ausweisen. Allerdings: die Freiheft meinen wir nicht, die jene meinen, die nicht wissen, was fie meinen. (Beifall.) Mit der Freiheit des bloßen Be­hauptens und Leugnens hat der Katholik und die katholische Wissenschaft nichts zu tun. Ein solches Wahnbild der Freiheit ist unkatholisch, ja unwissenschaftlich — weil unwissenschaftlich, darum unkatholisch! (Beifall.) Aber die echte Freiheit der echten Wissenschaft erkennen wir an als Palladium alles Geistesadels aller menschen­würdigen Bildung, des Fortschritts. Wir Katho­liken find nicht nur durch unser Wissen, sondern auch durch unser Gewissen gebunden, Wissen­schaft und Freiheit den heiligsten Gütern zuzu­zählen! (Beifall.) Man schaue in die Ge­schichte und man wird uns den Mut der Ueber- zeugung zugeben müssen. Nicht jeder akademische Lehrer ist auch ein Mann der Wissenschaft. (Beifall.) Die Mehrzahl meiner akademifchen und nichtakademischen Kollegen hat in den Chorus von der .Voraussetzungslosigkeit" einge­stimmt, in die Behauptung, daß wir Katholiken nicht frei forschen dürften. Ich wage es kühn hinauszusprecheu: die Wissenschaft der Laplace, Galilei, Kopernikus, Pasteur, Newton, deren Sätze Beweise und deren Worte weltgeschicht­liche Taten find: die echte, freie Wissenschaft hat dieses Lied nicht gegen uns gesungen! Die Wissenschaft des tiefen Herzens, des großen Geistes wußte und weiß, daß dieser ganz alte Sang nach ganz falschen Noten geht. Aus dem Spottliede gegen uns haben nicht nur wissen­schaftliche Argumente geklungen, sondern auch wissensfeindliche Affekte, ja Leidenschaft, Neid, Haß. Die Tendenz der katholischen Wissenschaft fern- und niederzuhalten: das versteht man heute unter Freiheit der Wissenschaft! — Die Vor­würfe, so legte der Redner dann dar, gegen unsere Stellung zu den wissenschaftlichen Auf­gaben der Gegenwart find also im Grunde zwar falsch und ungerecht; aber wir können vielleicht auch an ihnen lernen, aus Mißständen, die hier und da zu Tage getreten sind. Was find denn nun die Hauptanklagen gegen uns? Man sagt: ein gläubiger, dem Papste ergebener Katholik kann kein Geschichtsforscher sein. Der katholische Historiker müsse ja erst bei seiner Glaubensautorität anfragen, was bei seinen Forschungen herauskommen dürfe. Er müsse jedes wissenschaftliche Ergebnis zur Verteidigung der Kirche verwenden und das, was fich nicht verteidigen lasse, das dürfe er auch nicht sagen. Run, ich brauche für die katholischen Historiker keine Lanze zu brechen. Sie stehen ja in den vordersten Reihen. Das müssen wir aber sagen: mit einem gutgemeinten llebereiser ein­zelner Persönlichkeiten in unseren Kreisen hat der katholische Glaube nichts zu tun! Mit Irr­tümern kleiner Seelen hat die katholische Welt­anschauung die Institution der Kirche nichts zu schaffen. ES ist ja gerade die vornehme Ab­

gabe deS katholischen Historikers, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Unser glorreicher Leo XIII. hat eS ja ganz deuttich ausgesprochen: Das erste Gesetz der Geschichtschreibung ist: nichts Falsches sagen, nichts Wahres verschweigen. Also: reine Sachlichkeit ist die Parole! — Höhnisch sagt man auch: ein Katholik könne kein Naturforscher sein. Da müffe er fich ja an die heilige Schrift und ihre Auslage halten. Und erst recht dürfe er kein Philosoph fein, da er fich lediglich aus Formeln der Scholastik zu beschränken habe. Von Fortschritt des Erkennens könne keine Rede sein. Was antworten wir darauf? Richt viel! Diese Einwendungen find alle veraltet und fadenscheinig. Die­jenigen, die einst die Astronomie meistern wollten, aus falsch verstandenen Schriftworten, die haben geirrt! (Lebhafter Beifall!!) Die einen Galilei verurteilt haben (feine schlimmsten Gegner haben nicht einmal katholische Lust ge­atmet!), die haben geirrt alle miteinander! (Beifall.) Aber fie waren nicht die katholische Kirche! (Beifall.) Der katholische Glaube hat mit jenen beklagenswerten Geschichten nichts zu tun! (Beifall.) Der Glaube redet ja nur von dem Herrn der Welt; der große WeltmechanismuS ist dem Nachdenken des Forschers überlassen, dem freien, voraussetzungslosen! (Stürmischer Beifall.) — Wissen ist Macht. Seien wir nicht unwürdige Enkel großer Ahnen und be­herzigen wir das. Größeres Wissen ist größere Macht! Man wird die katholische Wissenschaft auf den Lehrstühlen mehr berücksichtigen, wenn wir ein besseres Angebot machen können! (Anh. Beifall.) Das wird unfete Aufgabe sein! . . . Und nun sagen wir es hinaus in die Welt: auf dem Katholikentag 1902 hat man sich nicht gescheut, in einem Atemzuge zu nennen die Worte: Gott und Wahrheit, Wissenschaft und Freiheit! (Stürm, anh. Beifall.) Sei es uns ein heiliges Gelöbnis vor den Gegnern, "die wir wissen, wer wir find und was wir wollen: Söhne des katholischen Glaubens und Schüler jeder echten Erkenntnis! Donnernder, an­haltender Beifall folgte. Hierauf hielt der prakttsche Arzt Dr. Geffert einen sehr langen Vortrag über den Weri der Männerklöster. Er behandelte die Frage im Anschluß an den badischen OrdenSstreit und bemühte, fich die Anklage gegen die Orden zu entkräften. In­tolerant seien fie lediglich in dogmatischer Hin­sicht, und das sei ja eine Notwendigkeit. Politisch könnten sie gar nicht gefährdet werden. Was z. B. die Jesuiten betrifft, so seien diese geradezu die Hüter deS Deutschtums im Auslande. (Stürm. Beifall.) Die Klöster seien auch absolut keine Bollwerke gegen den Protestantis­mus, sondern nur Punkte zur Verdrängung der christentumsfeindlichen Elemente usw. Zu­letzt sprach noch Rechtsanwalt Dr. Feigenwinter- Basel über: Der Katholik und das moderne Erwerbsleben. Er sprach die Gebote durch, um an ihnen die Pflichten des Katholiken im modernen Erwerbsleben klarzustellen. Lange Betrachtungen, die von vielen Heiterkeitsaus­brüchen unterbrochen wurden, stellte er an über Börsenjobberei, über Ringe, über den wirtschaftlichen Uebermenschen (Leipziger Bank­prozeß) usw. usw. An allen diesen Dingen könne fich ein katholischer Christ nicht beteiligen.

Deutsches Reich

Berli«, 28. August.

— Eine vom Kaiser dem italienischen Komponisten Leoncavallo in Auftrag gegebene Oper wird den Namen Roland tragen und wahrscheinlich im Anfang des Jahres 1903 zur ersten Aufführung gelangen.

— Der siamesische Gefandte in Berlin, Visut Kosa, überreichte gestern m feierlicher Audienz im Namen d«S König? von Siam dem Prinzen Eitel Friedrich den Maha-Chakokoi-Orden (Kronenorden).

Generaloberst Graf v. Haeseler, welcher be­kanntlich den Fuß gebrochen hatte, ist auf dem Wege ungestörter Genesung. Er bringt, wie die »Lothr. Ztg' berichtet, nun schon seit Wochen bei günstigem Wetter fast den ganzen Tag in dem kleinen Vorgarten zu, auf besten schmalem Hinteren Gang sein Kranken- fluhl und Schreibtisch hinter schützendem Gebüsch in bescheidenster Weise untergebracht find. Seit etwa zehn Tagen macht Graf Haeseler uuabläsfig Geh­übungen, wobei er jetzt, auf Stock und Krücke gestützt, schon bedeutendere Strecken zurücklegt. Es sei mit Eicherheü zu erwarten, daß Graf Haeseler binnen einigen Wochen vollständig wiederhergestellt fein und die Leitung der mit dem 23. September beginnenden Korpsmanover persönlich übernehmen werde.

— Staatsminister Möller weilt mit Gemahlin seit dem 21. d. Ms. in St. Blafieu (Schwarzwald), zur Sommerfrische. Ebenso Staatsminister v. Tirpitz mit Familie.

— Karl SimrockS 100. Geburtstag fällt auf den 28. August. Sein Hauptverdienst war bekanntlich, daß feine Uebertragungen mittelalterlicher Dichtungen ins Neuhochdeutsche den Sinn und das Jnterefle für dieselben im Volke weckten und nährten.

— Otto Gildemeister, bekannt durch seine geist­vollen Uebersetzungen Shakespeares, Byrons, Dantes, Ariosts re., ist Dienstag in Bremen an einer Lungen- lähmuug im 79. Lebensjahre gestorben. Vom Kaiser erhielt der bremer Senat, wie die .Weserztg.' berichtet, betreffend den Tod Gildemeisters folgende« Telegramm: Renes Palais! Se. Majestät der Kaiser, durch die Nachricht vom Hinscheiden des hochverdienten ehe­maligen Bürgermeisters von Bremen, Otto Gilde- meister, mit Teilnahme erfüllt, lasten dem Senat zu dem schweren Verluste, welchen die Freie und Hanse­stadt Bremen durch feinen Tod erlitten, allerhöchstihr Beileid aussprechen. Auf allerhöchsten Befehl von Lucanus.

— Der wirkliche Geheime Rat Dr. v. Levetzow ist schwerer erkrankt, als bisher bekannt geworden war.

— Die Gattin des bayerischen Generals Frei­herrn v. d. Tann ist in Tann a. d. Rhön gestorben.

— Präsident Krüger hat, nach dem »Hann. Cour/ durch seinen Vertreter i« Loschwitz zwei Dillen für den kommenden Sommer mieten lassen. Krüger wird von seinem projektierten Winteraufenthalt in San Remo Anfang Mai nächsten Jahres direkt in Dresden eiutreffen und mit seinem Gefolge in Loschwitz Woh­nung nehmen.

— Der Burengenrral Delarey wird zusammen mit Botha und be Wet nach Beendigung feiner Mission in England nach Gera kommen, em einen Vortrag ru halten.

— Die amerikanischen Generäle Torbin und S. B. Douug find in Begleitung des Obersten John Johnstone und des Kapitäns MacKinley zur Test, nähme au den Kaisermanövern heute aus Brüssel in Berlin eingetroffen und im Hotel Bristol abgestregen.

— Zum Münchener Brückeneinsturz wird weite, berichtet, daß als Ursache des Unglücks die Möglichkeit einer Senkung der aus Beton hergestellten Flußsohle zu betrachten ist. Der Bauletter, Ingenieur Grut dürste nach Auffaffuna des Geschäftsinhabers, Kom- merzienrat Wörner (Aschaffenburg) ebenso wie Ingenieur Gressel vollkommen ohne Schuld sein. Das Befinden der schwerer Verletzten giebt zu Befürchtungen kein« Anlaß. Bei den Aufräumungsarbeiten verunglüäfte ein weiterer Arbetter durch Sturz in den Schacht.

— Einen interesianten Fund machte dieser Tag, ein als eifriger Briefmarkensammler bekannter Schrift­setzer. In entern Müllkästchen entdeckte er, der .Str. Ztg.' zufolge, zufällig die — Privatkorrespondeuz bei einstigen Bürgermeisters von Straßburg, Baron von Türckheim! Die Korrespondenz ist gut erhalten und datirt von 1793—1840.

— Hebet das Eisenbahnunglück bei Schandelah berichtet die ,Br. L.-Ztg ' noch folgendes: 5hm den bei dem Unglüde verletzten Bahnbeamten find zwei hier ansässig, der Lokomotivführer Möcker und der Heizer Uhde. Ihre Verletzungen haben fich glücklicher- Wesse als leichter herausgestellt, all man ursprünglich anuahm. Möcker hat außer einer Kopfwunde nur eine Verbrühung der Hand erlitten, während Uhde nur unbedeutende Verletzungen davonaetragen hat. Der aus dem Wagen geschleudette Packmeister, der eine Verstauchung des rechten Fußes erlitten, ist inzwischen nach seiner Heimat Aachen befördert worden. Man nimmt an, daß er nach seinem ganzen Ver- hatten infolge des ausgestandeneu Schreckens ein« geistige Störung erlitten hat. Die übrigen nur unbe­deutend verletzten Zugbeamten find in Berlin ansässig. Von den vier leicht beschädigten Reisenden ist näheres nicht bekannt geworden, da fie ihre Reise ohne Unter­brechung fortgesetzt haben. Der entgleiste Zug ist einer der schnellsten deusschen Züge, da seine Fahr­geschwindigkeit die der v-Züge noch übertrifft. Glück­licherweise hatten die Maschiueuführer, als fie merkte», daß Unheil drohte, den Dampf abgestellt und ge­bremst, während mehrere Reisende die Notleine ge­zogen hatten: doch besaß der Zug an der Unglücks» Hätte immerhin noch eine bedeutende Fahrgeschwin­digkeit. Unter den leicht verletzten Passagieren be­fand fich auch Professor Josef Joachim (nicht Nicolai, wie zunächst irrtümlich berichtet war). Der greise Künstler erlitt eine Wunde au der Sttru, die stark blutete, aber ganz ungefährlich ist. Es war rühreiü» mitanzusehen, tote Professor Joachim den Zug verließ und dann auf dem Perron stand, den Geigenkasten mit seiner Violine fast zärtlich an die Brust drückend.

— Die »Voss. Ztg/ hört, der Kaiser habe de» deutschen Bosschaster m Rom, Wedel, den Schwarz« Adlerorden verliehen.

— Das ,Berl. Tagebl." meldet aus Essen: I» der Krupp'schen Fabrik löste fich ein Krahn, in dem eine Panzerplatte hing. Die Platte stürzte herab, zerdrückte einen Arbeiter und verletzte mehrere andere.

— Für die Auffindung der noch fehlend« acht Opfer der Primus-Katastrophe find 400 Mark Be­lohnung ausgesetzt worden.

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Ausland

Italien. Die .Jtalie' kündigt an, da­her KriegSrniuister Ottolenghi der Kammer iu der nächsten Session einen Gesetzentwurf über die Einführung der zweijährigen Dienstzeit vorlegen will. Es lägen im Kriegsministerium schon seit längerer Zeit Vorarbeiten für dies«, Gesetzentwurf, und der Minister - Präsdent Zanardelli fei damit ganz einverstanden, habe fich auch wiederholt unt den Generalen Pistoja und Sismondo darüber beraten. Für tue zweijährige Dienstzeit hat fich auch dieser Tage das militärische Hauptorgan Italien!, dal .Esercito'. ausgesprochen. An ihre Einführung knüpft die .Italic" die Hoffnung auf eine Herabsetzung des Kriegsbudgets.

HoUaad. Die Korrespondenz Nederland ist zur Verbreitung folgender Erklärung er­mächtigt. Die Generale Botha, Dewet und Delarey wünschen festzustellen, daß ihnen in englischen Blättern wiederholt angeblich tum Korrespondenten im Haag, Brüssel und anders­wo auf dem Festlands herstammende Berichte aufgefallen find, die den Zweck haben dal gegenseitige gute Einvernehmen und die Einig­keit zwischen den Generalen und dem Präfidenten Krüger, der Sondergesandtschaft oder Dr. LeydS durch völlig unbegründete Mitteilungen über Meinungsverschiedenheiten, die in ihren bet» schiedentlichen Konferenzen zu Tage getreten find, zu stören und als gestört hinzustelle«. Die Generale wünschen demgegenüber nach­drücklichst zur allgemeinen Kenntnis zu bringen, daß zwischen ihnen und den genannten Per­sönlichkeiten vollkommenste Harmonie herrscht und stets geherrscht hat. Jede gegenteilige Be­hauptung oder UnterfteHung ist von Grund auS wahrheitswidrig und hat nur böswillige oder schlecht unterrichtete und leichtgläubige Leute zu Urhebern. s'Gravenhage, 26. Aug. 1902, gezeichnet Brebner, Sekretär der Burengenerale.

Amerika. Nach einem Telegramm des .Generals Chaffee aus Manila fanden zahlreiche Erdbeben im Bezirke Lakelano im Lande der Moros auf Mindanao in der Nähe des LagerS des amerikanischen Hauptquartters statt. 50 bis 60 Eingeborene kamen um. Don den Amerikanern ist niemand zu Schaden gekommen.

Marburg und Urngegend

Mar dura. 28. August.

Siadtverordaeteafitzaa- vom 27. A«g«ft 1902.

Rach längerer Pause hiellen heute nachmittag die Stadtverordneten wieder eine Sitzung ab.

Der Stadtverordnetenvorsteher RechtSavwatt Dörffler eröffnete die Sitzung gegen 5 Uhr. Unter Mitteilungen zur Kenntnisnahme zirkulierten zunächst die Kassenüberfichte»; ferner wurde mitgetettt, daß der Magistrat auf die Eingabe der Stadtverordnete« bett, des Städteb undtheaterS zwar die Angv- legenhett für noch nicht genügend tot bereit et gehalten, aber dennoch die Mitglieder Geh. Rat Prof. Dr. Leh­mann und Bürgermeister Siebert, als Pcitglieder rrsp. letzteren als Vorsitzenden der betr. Kommission ge­wühlt habe.

Ein Pferd der Gasanstalt ist an Influenza be» endet und hat der Magistrat den AnkanfeimS andere« Pferdes für den Preis von 1058 SSL ge>