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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Donnerstag, 28. August 1902.
Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertag«. Sonnabends in Morgen- und Abend-AuSgab«. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, llniverfitäts - Buchdruckers Marburg. Markt 21. — Telephon 55.
37. Jahrg.
Bestellungm
für den Monat September auf die
»Oberheffifche Zeltnns" nebst ihren Beilagen werden von unserer ßxpebition (Markt 21) unseren Ausgabestellm in Kirchhain und Reustadt, sowie von allen Postanstalten mW Landbriestrügern entgegengenommen.
Deutschland und Italien.
(Zur Ankunft deS Königs von Italien, 27./2S. August.)
ES ist ein finniger Zufall, daß der jugendliche König von Italien seinen Einzug in Stettin gerade am Geburtstage Goethes haft, des größten, deutschen Dichters, der den Italienern erst jüngst durch das Geschenk einer Goethe-Statue an die Stadt Rom seitens deS Deutschen Kaisers nahegerückt worden ist und der der begeistertste Sänger italienischer Herrlichkeit gewesen ist. Auch die schwungvollsten Reklame-Artikel werden niemals in dem Umsange die Schritte von Zehntausenden aus allen Nationen nach der bella Italia lenken können, wie das Mignonlied, das Gemeingut aller zivilisierten Völker geworden ist. Dies Lied war gewiffermaßen die Bezahlung der großen Dankesschuld, die die 'germanischen Völker an Italien für die Beftuchtung durch Wissenschaft und Kunst abzutragen hatten. Hat doch kaum die Künstlerschaft irgend einer anderen Nation die Werke der italienischen Renaiffance mit solchem Eifer studiert und zur Grundlage der eigenen Kunst gemacht, wie eS die großen deutschen und niederländischen Künstler deL 16. Jahrhunderts getan haben.
So spinnen sich seit Jahrhunderten zwischen beiden Ländern die edelsten und vornehmsten Beziehungen fort, der Austausch geistiger und künstlerischer Kraft. Aber auch die politischen Geschehnisse und Entwicklungen weisen eine eigentümliche Kongruenz auf. Dieselben Ereignisse, die das meerumschlungene Schleswig- Holstein an Preußen brachten, gaben das Land an der Adria in italienische Hände zurück. Der ewig denkwürdige Tag von Sedan machte Berlin zur Hauptstadt des Deutschen Reichs — denn die Kaiserproklamation war nur die Beurkundung der durch Sedan geschaffenen Tatsache, — und eben derselbe Tag machte Rom zur Hauptstadt des italienischen Einheitsstaats, denn nur Dank dm Ereigniffm von Sedan konnten die Italiener drei Wochen später in Rom einziehen. Fast zu gleicher Zeit reichten dann daS neue Deutsche Reich und der neue italienische Einheitsstaat dem gemeinsamen
14 iRachdruck verboten)
Die Kinder.
Novelle von Marie Bernhard.
!Fottsetzn»g.)
„Also da hättm wir wieder mal ’n schönes öazaret im Hause!" begann er nach längerem Schweigen in unmutigem Ton. „Könnte man eigentlich schon gewohnt sein! Ist ja der normale Arstand bei uns! Erst kostet der Junge seiner armen Mutter beinahe das Lebm, dann macht er sie für die Jahre, die sie noch auf der Weft ist, zu '«er totkranken Frau, und er selbst ist nichts, wie so ’n Häufchen Unglück, mit einem Hauch umzublasen. Ich weiß genau, was Du sagen willst, Käthe! Die ewige, alte Leier, „er kann doch nichts dafür!" lernt’ ich aus- und inwendig! Aber bitte, sei so gut, und sag' mir, ob ich etwas dafür kann, solch 'n elmdes Wurm zu haben, . ... 'n Kerl,
wie ich!"
Einen Augenblick blieb er vor dem großen Pfeilerfpiegel stehen und musterte seine gutgewachsene, stattliche Gestatt von oben bis unten.
„Wer Dich rncht kmnt, Hermann, der müßte ganz irre an Dir werden!" rief Käthe entrüstet. „Du betonst so ost Dein gutes Herz, — und nicht mit Unrecht! — nur für dm armen Jungen hast Du nichts übrig!"
„Ach, wie werd' ich denn nicht! Natürlich bin ich dem Jungen gut, aber das wurmt einen doch und verletzt einen in seinem Vaterstolz, daß man so n kleinen Jammerlappen zum Sohn hat, — zumal jetzt gerade, wo--
— — ist wirklich zum....."
Gegner von 1866 die Harw nicht nur zur Freundschaft, sondern zum gemeinsamen Bunde, der seftdem die drei großen Stationen Mittel- Europas fest umschlingt, der dem europäischen Konttnente fest Jahrzehnten die Segnungen des Friedens erhalten hat und der allm gegen ihn gerichteten Jntrigum — und eS hat daran wahrlich nicht gefehlt — getrotzt hat und auch in Zukunft trofcen wird.
Eine solche Gemeinsamkeit geistiger Entwicklung und polittscher Geschehmffe kann niemals auf Zufall beruhen, sondern sie kann nur gegründet sein auf natürlicher gegenseittger Sympathie und auf Gemeinsamkeit der Jnter- effm. Und in der Tat stehen die Interessen Deutschlands und Italiens einander nirgends gegenüber, weder in Europa, noch bei den kolonialen Aspirationen beider Mächte. Wohl aber giebt das Bündnis beiden Mächten Gelegenheit, an der Fottentwicklung im Inneren und an der Ausdehnung der auswärtigen Jntereffen in sicherem Frieden und gestützt auf einander zu arbeiten.
Dies Mchtvorhandensein gegenteiliger Interessen und bte Gemeinsamkeit vieler Interessen ist die sicherste Gewähr für die Kittdauer des Bündnisses. Fürst Bismarck durfte in seiner großen Rede vom 6. Februar 1888 jagen: „Mit unseren Bundesgenossen in der Fttedens- liebe einigen uns nicht nut Stimmungen und Freundschaften, sondern die zwingendsten Interessen des europäischen Gleichgewichts und unserer eigenen Zukunft."
So ist also der Besuch, des italienischen Königs aus inneren Gründen, d. h. um der Festigung des Bündnisses willen, gewiß nicht nötig. Wohl aber ist es sehr wünschenswett und dankbar zu begrüßen, nicht nur weil es für uns natürlich eine Freude ist, den Herrscher des eng befreundeten und jedem Deutschen von jeher so sympathischen Landes als Gast des deutschen Reiches begrüßen zu können, sondern weil auch den offenen und heimlichen Gegnern des Bündnisses damit vor Augen geführt wird, daß ihre Spekulationen und Ränke verfehlt find. So heißen wir König Vittor Emanuel, den Sohn eines der nächsten Freunde des unvergeßlichen Kaisers Friedttch, herzlich willkommen und wünschen, daß er die erfreulichsten und freudigsten Eindrücke in fein schönes Vaterland hinübernimmt.
Umschau.
Polnische Hetzereien anläßlich des Kaiserbesuches in Posen.
Der bevorstehende Besuch des Kaisers in Posen gibt der großpolnischen Preffe fott- gesetzt Anlaß, ihre antideutsche Gesinnung zu bekunden und die Gegensätzlichkeit der deutschen und der polnisch sprechenden und fühlenden Bevölkerung nach Möglichkeit zu verschärfen.
„Weshalb denn jetzt gerade?"
Der Baumeister zuckte mit den Schultern. „Wird auch nicht gebessett, ob Du das nun weißt oder nicht. Mach’ mir nur rasch den Jungen gesund, hörst Du Käthchen? Ich bind' ihn Dir auf die Seele!"
„Das hast Du gar nicht nötig. Wenn fein Befinden von mir abhinge, wäre er überhaupt immer kerngesund!"
„Na ja, — ich weiß, ich weiß! Ich mein' ja auch nur, Du sollst ihn mitsamt seiner Krankheit ’n bischen energisch hochnehmen, nicht immer beklagen und bemitleiden, sondern ihn ermuntern, damit er selbst dabei Hilft, rasch aus dem Bett zu kommen. Und dann gieb ihm Portwein zu trinfen" —
„Das darf Watterchen nicht! Pottwein ist zu schwer für ihn!"
„Oder sonst so ’n Zeug's, Malzextrakt, und wie eS da heißt, um ihn in die Höhe zu kriegen, daß er etwas Farbe auf die Backen und Fleisch auf die Glieder bekommt. Man kann ja so ’n Milchsuppengesicht gar nicht präsentieren, — wer das zu sehen bekommt, der muß ja denken, der Baumeister Freytag giebt seinem Jungen nicht mal satt zu essen."
„Wem soll er denn präsentiert werden?",
„Käthchen, Du bist die ttchtige Evastochter mit Deinem ewigen: Wer — wo — wann?" Der Bruder blieb stehen und klopfte die junge Schwester sanft ans die Wange,---wieder
um mit einem Anflug von Verlegenheit, wie es ihr schien. „Mrd sich alles finden. Mit meinem Fräulein Tochter läßt sich schon eher Staat
In dieser Absicht sucht die durch ihre wütenden Ausfälle gegen das Deutschtum bekannte „Ptaca" darauf hrnznarbeiten, daß diejenigen Kreise der polnisch sprechenden Bewohnerschaft von Posen und Umgegend, deren Haltung während der Festlichkeiten noch ungewiß ist, ebenfalls an den Demonstrationen gegen das Deutschtum und seinen obersten Vertreter sich beteiligen. Das genannte Blatt betont, daß das „polnische Volk" mit preußischen Festtagen nichts zu tun habe, hätten doch die „Repräsentanten des Großherzogtums" sich für das Fernbleiben entschieden und so die nationale Wü^e gewahtt. Don der allgemeinen Befolgung dieser Taktik sollen auch diejenigen Polen nicht angenommen sein, die sich in amtlichen Stellungen befinden oder sonstwie mit dem Staate in Beziehungen stehen, und zwar wird diese Forderung mit folgendem Passus begründet, der mit erschreckender Deutlichkeit zeigt, wie die groß- polnische Presse das Hetzgefchäft versteht und betreibt. Etz heißt da: „Die Zeiten des Probierens und des Herumtastens im Finstern sind vorüber; heute muß man endlich stand- hast sein und nur einen Weg und ein Ziel vor Augen haben. Und nicht mehr kokettieren! Wir haben doch schon genug Gelegenheit gehabt, uns zu überzeugen, daß jed- toebe Orden, daß das Allerhöchste Lächeln und daß die kaiserlichen und königlichen Schwellen ein Spielzeug für kindisch gewordene Gemeinschaften find, aber keine Kost für ein Volk, das der Zukunft entgegenschreitet.....
Laßt uns zu Hause bleiben im Kreise unserer Familie. Wenn sich die Preußen auf den Straßen vergnügt halten werden, dann laßt uns zu Hause einen Eid für die Zukunft oblegen und einen nationalen Gottesdienst ab- hatten. Laßt uns die Kinder auf den Schoß nehmen und sie lehren, lehren! Arbeiten wir während der preußischen Feiertage für unser Volk." So wird systematisch in der polnisch sprechenden Bevölkerung der Glaube erhalten und gesteigert, daß die Polen noch immer eine einheitliche Nation bilden, ein eigenes, lebensfähiges Volkstum besitzen und daß die Wiederherstellung der ehemaligen Bedeutung Polens nur eine Frage der Zeit sei. Und das nennen die Polen immer noch eine defensive Haltung gegenüber Germanifierungsbestrebungen!
Der deutsche Katholikentag in Mannheim.
Montag um 10 Uhr begann die erste geschloffene Versammlung. Der Präsident des Lokalkomitees verlas ein Schreiben an den Papst und die Antwort darauf. Nach einem Hoch auf Papst, Kaiser und Großherzog wurden zahlreiche Begrüßungstttegramme, darunter auch vom Reichstagspräfidenten Grafen v. Ballestrem Detlefen. Hierauf erfolgte die Konstituierung der Generalversammlung. Chefredakteur Dr.
machen, — Du brauchst keine Stärkungsmittel und Exttafte, — wie, kleine Katze?"
Er toanbte sich von neuem Liddh zu, faßte sie bei beiden Händen und wirbelte sie im Kreise herum. Käte sah das wie gedankenlos mit an. Sie wußte nicht, wie es kam.....es war
ihr eigentümlich schwer und beklommen zu Sinn. Was bedeuteten Hermanns Worte: „Gerade jetzt" — „wenn man den Jungen präsentieren möchte" — „mit meinem Fräulein Tochter läßt sich schon eher Staat machen" ? Ein Argwohn, der sich feit einiger Zeit schon in ihr geregt hatte, dann aus Mangel an Nahrung ent- schlummett war, wurde von neuem in ihr wach, ließ ihr Herz schreckhaft rasch Hopfen.
Käte hob ihre fchöuen, sinnenden Augen wie bittend zu ihrem Bruder aus, — nein, nein, — das würde er doch ihr und den Kindern und dem Andenken Helenes nicht antun!
„Was siehst Du mich so an, Käte, — hm? So sragweis' oder so bittweis’, — möchtest Du was von mir? Neues Kleidchen oder Hütchen, — was? Runter damit vom Herzen — — ich bin gerad' in der Gebelaune, — mach Dir’L zu nutze!"
„Nein, Hermann, ich danke Dir, — ich brauche nichts!"
„Brauchst nichts! Ein exemplarisches Frauen- zimmerchen! Langst Du wirklich mit den paar Groschen Zinsen, die Du hast, für Deine gesamte ©arberobe?"
Käte lächelte.
„Du siehst es ja! Und Schulden werde ich doch wohl feine haben."
CardaunS wurde zum Präsidenten proklamiert' Er nahm die Wahl dankend an; wenn die ifen gewordene Ehre auch in erster Reihe der katholischen Presse gelte, so könne er doch den Herren der nicht katholischen Presse die Versicherung geben, daß seine Wahl eine Anerkennung um von Bedeutung für den ganzen Stand sei. Erster Vizepräsident wurde Graf Neippetg- Wütttemberg, zweiter Vizepräsident Landtags- abgeordneter Bürgermeister Siben- Deidesheim. Nachdem fo die Versammlung sich konstituiert hatte, wurde die Absendung der HuldigungS- telegramme an Papst, Kaiser und Eroßherzog beschlossen. DaS Tttegramm an den Kaiser hat folgenden Wottlaut:
„Euere Kaiferftche und Königliche Majestät bittet die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, den Ausdruck ehrerbietiger Huldigung und unwandelbarer Treue entgegen» nehmen zu wollen. Freudig stimmen wir den Motten zu, die Euere Majestät in Aachen ge» sprachen haben, daß Einfachheit, Gottesfurcht und hohe sittliche Anschauungen der Urgrund find, aus dem wir bauen müssen, und daß in keinem anderen Heil ist, als in Christus, dem Gekreuzigten. Treu dem Daterlande, wie dem Glauben unserer Väter, werden wir in friedlichem Wetteifer mit unseren andersgläubigen Mitbürgern dem großen Ziele nachstreben, dir Gottesfurcht und die Ehrfurcht vor der Religion, die mächtigsten Stützen der gesellschaftlichen Ordnung, zu erhalten und zu stärken."
Das Telegramm an den Papst lautet:
„Die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, heute zu Mannheim ihre Beratung beginnend, erfleht demütig den apostolischen Segen, damit ihre Reden und Befchlüssr zum Ruhme der heiligen katholischen Kirche und zum Wohle des Vaterlandes gereichen mögen. Mit der Versicherung der Ehrfurcht und des Gehorsams sieht sie dem glücklichen Tage mit größtem Jubel entgegen, an welchem Euere Heiligkeit die Jahre Petti schauen wird, und fleht inständig und zuversichtlich zum allmächtigen Gott, er möge seinen Statthalter, der die Kirche überaus ruhmreich regiert, noch viele Jahre erhalten."
An den Großherzog von Baden wurde folgendes Telegramm gesandt:
„Die 49. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, welche aus allen Ländern des Deutschen Reiches in der Haupthandelsstadt Badens sehr stark besucht ist, sendet Euerer Königlichen Hoheit den Ausdruck ehrfurchtsvollster Ergebenhett und untertänigster Huldigung mit dem Wunsche, daß, wie es dem badischen Volke in diesem Jahre vergönnt war, mit von Dank erfülltem Jubel unter der begeisterten Teilnahme von Deutschland das 50- jährige Regierungsjubiläum seines gütigen Landesvaters zu feiern, Euere Königliche Hoheit
Sein Blick ging an ihrer biegsamen Gestatt hinauf und hinab.
„Und dabei immer adrett und geschmackvoll geHeidet, — kann matt nicht anders sagen! Ja, wer's so heraus hat! Was man ’ne richtige Modedame, ’ne elegante, feine, nennt,--
die dürfte wohl das Drei- und Vierfache von dem verbrauchen, was Du jahrüber für Deine Toilette hast,---wie?"
„Ich glaube nicht, daß das reichen würde, Hermann. Die Schneiderin, bei der ich neulich mein Helles Gesellschaftskleid machen ließ, — das halbseidene, weißt Du, es gefiel Dir noch so! — die arbeitet auch für ein paar von diesen großen Damen und nannte mir da Preise, . . . mit wurde ganz schwindlig! Ich verstehe bloß nicht, wie die Damen es an- fangen, für Kleider so entsetzlich viel Geld auszugeben!"
Der Baumeister entgegnete nichts hierauf. Er fteäte sich mit einem nachdenklichen Gefichts- ausdruck ans Fenster, machte die Lippen spitz, als wenn er pftisen wollte, blieb aber stumm. Liddh faßte seine herabhängende Hand und spielte damst, — er lies es willenlos geschehen, ohne wetter Notiz von dem Kinde zu nehmen.
Karoline Hopfte an die Thür, und melbete das Mitageffen sei aufgetragen, — da gab sich der Hausherr einen energischen Ruck, bot seiner Schwester, wie seiner Züchter mtt lächelnder Miene und tiefer Verbeugung je einen Arm und schritt mtt „seinen beiden Damen" dem Speisezimmer yu
(Fortsetzung folgt.)