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wußte sie genau, die Tante hatte sie sehr lieb. Auch der kleine Walter,das Jammermännchen", wie chn sein Vater halb mitleidig, halb spöttisch nannte, lächelte matt, wenn die junge Tante ihn aus die Arme hob, mit ihm spielte und scherzte, und sein Klagen und Winseln verstummte, wenn sie ihm ihre hübschen Kinderliedchen sang. Die ganze Häuslichkeit bekam während der Ferien ein anderes Gesicht, die Dienstboten konnten Fräulein Kätchen, die immer so freund­lich bat, wenn sie etwas haben wollte, und selbst tüchtig mit zugriff, gut leiden und ließen sie manches Kochkunftstück, manchen praktischen Handgriff lernen. Sogar der Baumeister blieb des Abends zuweilen daheim, wenn Käte ihm seine Lieblingsspeisen vorsetzte und nach Tisch musizierte, er tat dann wohl die Aeußerung: Jetzt merkt mau doch mal, daß man ein Zuhause hat!" Ihm kam von Zeit zu Zett der Ge­danke:Könnte man das Mädel ganz im Hause behalten!" Aber freilich, mitten aus ihren Studien durste mau sie nicht herausreißen, sie mußte durchaus erstdas verwünschte Examen" hinter sich haben, um eine Gewähr für die Zu­kunft zu gewinnen, uud als das endlich ge­schehen war, da wünschte Käte selbst dringend, sofort eiue Stelle anzunehmsu, um etwas zu verdienen. Fast zwei Jahre hindurch übte das Mädchen im Predigerhaufe ihren segensreichen, aber schweren Beruf aus, dann traf eines Tages ein Telegramm ihres Bruders bei ihr ein: Stelle sofort kündigen, hierherkommeu, An- wesenheü dringend notwendig!"

Ja, das war unerbittliche Notwendigkeit, sie mußte es in der ersten Stunde, da sie das Haus betrat, einsehen! Die Schwägerin war schwerkrank, hoffnungslos, der Arzt machte ei» bedenkliches Gesicht, die Kinder waren vernachlässigt uud unartig, die Dieustleute

^Fortsetzung.)

Käthe beobachtete gut, sie durchschaute die Zustände im Hause ihres Bruders und deren Ursachen wie Wirkungen sehr bald. Ihr erstes Empfinden war gewesen:Arme Helene!" Immer ist sie krank, sie hat nichts vom Leben!" Dann regte sich das Bedauern mit dem Bruder, deffen zum heitern Genuß neigenden Sinn sie gut genug kannte. Die Kinder waren noch sehr klein, aber freilich, Liddh hatte schon sehr ihren eigenen Willen, sie war ein kleiner Thrann und wußte sehr genau, daß sie durch lautes Schreien und Toben oder durch die bloße Drohung damit alles durchsetzte, denn die kranke Mutter konnte keinen Lärm vertrage», die Dienstboten kümmerten sich so wenig wie mög­lich um sie, und ihr Papa lachte, weun sie wie eine kleine Furie mit den Füßen trampÄte und dazu schrie. Da§ war keine richtige Erziehung, das schadete dem Kind, und Käthe fmg an, darüber zu sinnen, wie man es machen könne, die Kleine an diesen Wutausbrüchen zu hindern, ohne ihr immer den Willen zu tun. Sie teilte diese Ansicht ihrer kranken Schwägerin mst und begegnete aufleuchtenden Augen und einer bei­nahe leidenschaftlich geäußerten Zustimmung: Ach ja, Käthe, ach ja! Ich wünsche mir das lange schon so sehr! Wenn Du das versuchen wolltest!" Nun, Käthe versuchte es und setzte, nachdem sie sich deS Kindes Zuneigung gesichert, mit unendlicher Mühe uud sanfter Festigkeit wenigstens zuweilen ihr Stück durch. Liddh lernte es allgemach begreifen: wenn Tante Käthe kam und in einem ganz bestimmten Ton etwas verlangte, dann mußte sie gehorchen, uud dabei

Amt als Revisor nötigt ihn zu beständigen Reisen. Seine Tüchtigkeit und seine Arbeits­kraft sind bewundernswert, aber er konnte sie bei seiner starken Ueberlast wohl nicht ttt Berlin verwerten. Herr Dr. Crüger, der An­walt der deutschen Genoffenschasten, würde als solcher an und für sich überreich beschäftigt sein. Er ist zudem Stadtverordneter in Charlottenburg geworden, dann Landtags-Abge­ordneter sür Bromberg; und als in Wiesbaden das Reichstagsmandat frei wurde, war wiederum er der gegebene Mann. Herr Dr. Crüger, der übrigens neuerdings auch als Bürgermeister- Kandidat genannt worden war, und überdies noch stellvertretender Vorsitzender des Handels- vertragsvereins geworden ist, bemüht sich sicht­lich, allen seinen Bürden und Würden vollauf gerecht zu werden; allein die Menschenkrast hat ihre natürlichen Grenzen.

Weiter kommt für den Aussichlsrat in Be­tracht der greise LangerhanS, dem, von vorn­herein mildernde Umstände zugebilligt sind. Ferner Herr Hugo Hermes, der früher zu den Unersetzlichsten der Unersetzlichen in den Parla­menten gehörte, dann aber doch plötzlich ganz ersetzbar gesunden wurde, und jetzt dermaßen mit Ausfichtsratsstellungen überbürdet ist, daß er offenbar nicht allen gerecht werden kann. Weiter Herr Reicheragsabgeordneter Blell, Ab­geordneter für Hirschberg, Handelskammer- Präfident zu Brandenburg, der viel zu reisen hat, an Arbeitspflichten keinen Mangel leidet, und doch eben auch nicht alles machen kann."

Die Methode, daß man möglichst viele Aemrer und Ehren auf einzelne in besonderer Gunst stehende Persönlichkeiten häuft, ist so bemerkt mit einem Seitenhiebe aus diese frei­sinnige Gepflogenheit dieBerliner Zeitung" niemals einer Sache von Vorteil." Aber auch der Umstand, daß es nicht angeht, Männer in den Auffichtsrat von Aktiengesellschaften zu wählen, die gar nicht fähig find, ihr verant­wortungsreiches Amt in einer ersprießlichen Weise auszuüben, wird durch die neueste Schädigung der Genoffenschaster grell beleuchtet. Gerade dieser Fall schreit gewiffermaffen nach einer Aenderung unserer Aktiengesetzgebung. Wie lange will man damit noch zögern? Soll durch das Walten überlasteter Auffichtsräte noch mehr Kapital verloren gehen?

Daß der Freisinn, der dieOpferwilligkeit" seinerbewährtesten" Parteigänger durch Ueber- tragung vonmöglichst vielen Aemtern und Ehren" zu belohnen pflegt, die Hauptschuld an dem Krach der Genoffenschastsbank trägt, ist der Humor bei dieser Sache. Sehr humoristisch wird frellich weder der Parteileitung noch den von derBerliner Zettuug" gekennzeichneten Auffichtsrats-Mstgliedern zu Mute sein.

«Nachdruck verboten.)

Die Kinder.

Novelle von Marie Bernhard.

Zur Abänderung unserer Aktien- gesetzgebung.

Kaum ist von liberaler Seite berichtet worden, daß in leitenden Kreisen nicht dara» gedacht werde, in eine Revision unserer längst als mangelhaft erkannten Aktiengesetzgebung einzutreten, so tritt schon wieder eine neue MÄnung an die gesetzgebenden Faktoren heran, so rasch wie möglich dieses Reformwerk in die Hand zu nehmen. Diesmal ist eL eine Ge­noffenschaftsbank die von Soergel, Parrifius u. Co., welche sich gezwungen gesehen hat, ihren Aktionären kund zu tun, daß sie infolge leichtfertiger Geschäftsführung einen Verlust von über drei Millionen zu beklagen haben.

Die Leichtfertigkeit der Geschäftsführung ist in dem betreffenden Bericht direkt hervorge­hoben, indem bemerkt wird, es sei dem per­sönlich haftenden Leiter der Gesellschaft zuviel freie Hand geloffen worden. Wird aber auf diese Weife versucht, so ziemlich die alleinige Verantwortung aus diese Persönlichkeit abzu­laden und chn, der bereitsausgeschieden", als alleinigen Sündenbock in die Wüste zu jagen, so ist das ein verfehltes Unternehmen. Die. Hauptschuld trifft hier, wo es sich nicht um Betrügereien, sondern um leichtfertiges Schalten mit dem Eenofsenschafts-Vermögen handelt, den Auffichtsrat. Wozu ist der Auffichtsrat da, als um solche Mißstände rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern?

Ein ganzunverdächtiges" Blatt, die demo­kratischeBerliner Zeitung", läßt sich über den betreffenden Aufsichtsrat, der meist aus freisinnigen Parteigrößen besteht, folgender­maßen aus:

Zwei der Aussichtsratsmitglieder waren gewissermaßen kraft ihrer Berufsstellung ver­pflichtet, mit der größten Strenge den Tempel des Genoffenschaftswesen zu hüten und sorg­fältig darüber zu wachen, daß das geschäftliche Anfehen der Genoffenschastsbank auch nicht durch den leisesten Hauch getrübt wurde. Sie find beide Autoritäten und oberste Großwürdenträger im Genossenschaftswesen und sollten auchun­entwegte" Wahrer der Ueberlieserung von Schulze-Delitzsch fein. Es find die Herren Dr. Schneider und Dr. Crüger. Aber beide Herren find offenbar stark überlastet, Herrn Dr. Schneider, den früheren R-ichstagsabge- ordneten für Nordhaufen, hat man zwar mit einer in bestimmten, aber nur in ganz be­stimmten Fällen üblichenZuvorkommenheit" von der Bürde seines Mandats befreit, um es auf jüngere Schultern zu legen; aber im Ge- noffenfchaftswesen ist Herr Dr. Schneider immer noch sehr stark in Anspruch genommen. Sein

widerwillig, das ganze Hauswesen aus den Fugen, der Herr des Hauses befand sich in ratloser Verzweiflung:ES ist, um rasend zu werden! Ich ertrag baß nicht länger! Du darfst nicht mehr fort, Käte, Du gehörst hierher!"

Da hatte sie ihm mit feuchten Augen versprochen:Ich will alles tun, was ich kann!" Und, wahrlich, sie hatte ihr Wort gehalten! Es war keine Kleinigkeit gewesen, die Kranke zu pflegen, die vernach­lässigte Wirtschaft in Gang zu bringen, die Kinder zu beschäftigen, auf die Dienstboten durch gutes Beispiel zu wirken und de» gänzlich rat- und hilflosen Bruder emporzurichten, ihm seine Häuslichkeit, die er in letzter Zeit nur als eine Art Absteigequartier angesehen hatte, wieder lieb und heimisch zu machen. ES kamen Stunden tiefer Verzagtheit über Käte, Stunden, da sie dachte, unter der schweren Last, die man ihr auf die jungen Schultern gelegt, zvsammen- zubrechen. Sie fühlte tief die Verantwortlich­keit, die auf ihr lag, aber daß sie sie fühlte, machte sie wiederum stark und mutig.Kät­chen!" rief die Kranke, wenn sie Medizin be­kommen, wenn sie umgebettet, emporgerichtet sein wollte;Tante Käte!" riefen die Kinder, sobald eS sich um An- oder Ausziehen, um Arbett und Spiel, um Strett oder Versöhnung handelte. NachFräulein Kätchen" fragten selbstverständlich die Dienstboten, fragte der Hausarzt, fragten die Leute, die im Hause ein- und ausgingen.

Käte, wo bist Du? Wann kommst Du?" hieß es bei ihrem Bruder, sie hatte kaum eine halbe Stunde des Tages für sich; an ihre eigenen Studien und Beschäftigungen durfte sie nicht mehr denke», und des abends war sie so müde, daß sie ost noch in ihren Kleidern, auf dem Stuhl fitzend, einschlief. Aber gab Käte

dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagöblatt._________________

Umschau.

DieEnthüllung deS Kaiserin Friebrich- Denkmals in Homburg.

Auf den speciellen Wunsch des Keifers trug die Feier lediglich einen lokalen Charakter. Obschon der offizielle Beginn derselben erst auf 11 Uhr festgesetzt war, hatte der Straßenverkehr schon um die neunte Stunde riesige Dimensionen angenommen. Der Kaiser trag, wie wir schon gestern unter unseren neuesträ Telegramme» berichtet hatten, die Uniform der. Leibgarde- Husaren und den Marschallstab. Die Kaiserin erschien in einer helllila Robe mit dem breiten Band vom Schwarzen Adler. Das Kaiserpasr trat, nachdem der Kaiser unter den Klängen des Präsentiermarsches die Ehrenkompagnie ab­geschritten, ins Kaiserzelt.

In Begleitung des Kaiserpaares befanden sich u. a.: der Kronprinz, Prinz Christian von Schleswig-Holstein, Prinz und Prinzessin Fried­rich Karl von Hessen, das Erbprinzenpaar von Meiningen und das Prinzenpaar von Schaum­burg. Neben dem Kaiserzelt saßen die Ehren­gäste, darunter Prof. Esmarch mit Gemahlin, geb. Prinzessin von Schleswig-Holstein, der öster­reichisch-ungarische Botschafter L. v. Szöghenh- Marich, der englische Botschafter Sir F. C. Las­celles, der amerikanische Botschafter White, der Herzog von Cambridge, eine Deputation der schwarzen Husaren, der Oberpräsident v. Zed- litz-Trützschler, Regierungspräsident Dr. Wentzel.

Stadtverordnetenvorfleher Dr. Rüdiger hielt die Begrüßungsansprache.

Als am 5. August vorigen Jahres die Purpur­standarte auf Schloß Friedrichshof aus Halbmast ge­sunken und der Telegraph nach allen Welten ver­kündet, daß die Kaiserin Friedrich hinübergegangen sei in jenes Land des Jenseits, aus dem es keine Wieder­kehr gibt, da habe überall bitteres Weh geherrscht. Ihr ganzes Leben sei ihr Ruhm gewesen. Sie war, so suhr der Redner fort, eine zärtliche Tochter, Schwester Gattin, Mutter uud Großmutter, ein poetisches Gemüt, die Beschützerin von Kunst und Wissenschaft und in beiden selbst Hervorragendes leistend. Menschenglück und Menschenwohl waren die Ziele ihres Strebens, und unvergleichlich groß find im besonderen die Verdienste, die sie sich um die Hebung ihres eigenen Geschlechts, um die Förderung des deutschen Frauenlebens erworben hat. Vieler ge­meinnütziger Anstatten Protektorin ist die Kaiserin gewesen, viele andere verdanken ihrer Jnttiative ihr Entstehen. In ihnen sinken Taufende junger Menschen­kinder früheste sorgsame Pflege, Tausende fördernde Beihilfe für den spateren Lebenskampf, Abertausende ein Arbeitsfeld, aus dem sie in ehrlicher Weise ihr eigenes Brot verdrenen können. Wir Homburger denken besonders lebhaft an die aufopfernde Tätigkeit der Kaiserin zurück, die sie in den Homburger Lazaretten während des großen Krieges entfaltete. Gerade damals trat neben ihrem erbarmenden, hilf­reichen Wesen auch ihr prattlscher Blick, ihr orgam- fatorisches Talent scharf hervor. Sie war es, die den Plan für eine geradezu ideale Lazarett-Einrichtung entwarf und unter großen persönlichen Opfer« durch»

..... m .... n an» , Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen.

" Marburg

Jujertiousgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Psg. Donnerstag, 21. August '1902. M mt> Marburg, Markt 2L Telephon 56.

Reclamen: tue Zelle 2d Psg. ___________________________________________________________

führte. Die von ihr geschaffene und nach ihr be­nannte .Kronprinzessin-Baracke' ist settdem wiederholl zu Weltausstellungen gesandt und preisgekrönt worden. Der Redner schloß: Sie hat Liebe gesäet in ihrem Leben und bat Liebe geerntet. Ein äußeres Zeichen unserer Lu.. zur teueren Entschlafenen ist dieses Denkmal, das wrr ihr errichtet haben. Wir danken in ihm für die zahlreichen Wohltaten, die die Kaiserin uns erwiesen hat. Wir find stolz darauf, daß wir als die Ersten biefeS öffentliche Denkmal der Fürstin in Deutschland errichten dursten, und .be­sonders dankbar find wir, daß Eure Majestäten durch die allerhöchste Gegenwart der Enthüllungsfeier die wahre Weihe verlechen."

Nach dieser Rede fiel die Hülle vom Denk­mal. DaS Kaiserpaar trat darauf an das Denkmal heran. Der Kaiser legte einen Kranz nieder, und der Kronprinz geleitete seine Mutter in daS Kaiserzelt zurück. Sodann hielt der Kaiser vom Denkmal aus eine Ansprache. Die einleitenden Worte sprach er-frei, dann verlas er stehend folgende Rede:

.Zum elften Male fällt heute die Hülle von einem Denkmale, welches die Züge der teuerm ver­blichenen Mutter und Kaiserin der Nachwelt be- sonders dieser ihrer lieben Stadt und Bürgerschaft erhalte« soll. Da ziemt es fich zugleich, ein m wenigen Strichen gezeichnetes Charatterbud der hohen Fürstin zu entwerfen, welches in de« Herzen deS deutsche» Volkes die Erinnerung an seine Kaiferm wachhalten soll.

Alsdann verlas der Kaiser Folgend^: Am 5. Augull 1901 verschied z« Schloß Friedrichshof be, Cronbe! die Kaiserin und Königin Viktoria, Witwe des hoch Öligen Kaisers Friedrich, Prinzeß Royal von Großbritannien und Jrlaud, meine erlauchte Mutter, nach langem, mtt Lebensmut und standhafter Aus­dauer getragenem Leiden. Hochbegabt, von starker geistiger Willenskraft, erfüllt von hohem kulturelle« Streben, dem ein seltenes Wiffen zu Gebote stand, stolz aus ihre königliche und nationale Abstammung, stets bemüht, chre tiefen Jugendeindrücke und Er­fahrungen auch in chrer zweiten deutschen Heimat zur Geltung zu bringen, eine zielbewußte Förderi« der Entwicklungswege des Schönen in der Kunst und im Kunstgewerbe, die wiffenschafttiche Forschung und deren Ergebnifle mit Wärme ergreifend, für die Aus­dehnung der weiblichen Bildung und Erwerbsfähig» leit, sür die Ausgestaltung weiblicher Krankenpflege erfolgreich wirkend, endlich die liebende Gattin und Gefährtin des Kronprinzen, an der Spitze eines glück­lichen Familienhauses, an allen großen Ereignissen wie an allen Begebenheiten seines reichgestaltete« Lebensganges beteiligt, die sorgende Gemahlin des Kaisers trab Königs in bangen trüben Tagen, die würdevoll trauernde Witwe am frühen Schluß ihrer eigenen,. über lichte Höhen und dunkle Todes- fchatte« führenden Laufbahn, so hat diese Fürstin unter uns gewellt und so fügt fich ihr Bild ein w die Annalen des hohenzollernfchen Hanfes in Preuße« und Deutschland,

Die Kaiserin war geboren am 21. November 1840 als das älteste Kind der Königin Vittoria und des Prinzgemahls Albert von Sachsen^oburg und genoß inmitten der vielfachen Anregungen, welche das Leben am englischen Hofe dem früh entwickelte« Geist der Prinzessin gewährte, eine sorgfältige Er- ziehung. Erst siebzehnjährig folgte sie dem ihr am 25. Januar 1858 angetranten Gatten, dem fich ihre ganze Neigung erschlaffen hatte, nach Preußen und verließ einen zahlreichen Geschwisterkreis, ein Vater­haus und eine Heimat, denen ihre innigste Zuneigung viel in dieser schweren Zeit, so empfing sie doch auch. ES hob sie nicht nur bas Gefühl ihrer zweifellosen Unentbehrlichkeit, nicht nur das Bewußtsein, allmählich immer mehr in ihre vielfachen Pflichten hiueinzuwachsen, es hob und trug sie vor allem die grenzenlose Liebe und Dankbarkeit HelenenS, ihrer Schwägerin.

Die kranke Frau sah in Käte ihren gute» (Singet Sie war ein fröhliches, sorgloses Mädchen, eine glückliche Braut gewesen, die Fremwinnen hatten sie um den hübschen, ge­wandten und liebenswürdigen Mann beneidet. Aber wenn Kummer uud Sorgen ins Leben treten, genügen solche Eigenschaften nicht allein. Wäre Frau Helene Frehtag gesund geblieben, so hätte sie eine ganz zufriedene Allerweltsehe führen können, sie würde mit ihrer feinen und reichen Natur innerlich gedarbt haben, aber sie hätte sich, wie so viele Frauen es tun müssen, manche Surrogat geschaffen, das ihr Leben immerhin angenehm gestalten konnte. Das rosige Licht, in dem ihr gläubiges und liebevolles Gemüt den Mann ihrer Wahl ge­sehen, war bald, sehr bald geschwunden und hatte der klaren, unerbittlichen Beleuchtung Platz gemacht, die das Leid so oft im Gefolge hat.

Die kranke Frau hatte dies Leid fchweigerü» getragen, ihre Kinber waren noch zu Üein, um ihr wirklich Trost zu bieten, und von den Damen, dre ihre» Umgang in H. bildeten, war ihr keine so nahe getreten, um fich ihre Freundin nennen zu können. Auch dachte sie viel zu ernst von der Ehe, um einem Fremden Einblick in ei» Verhältnis zu gestatten, das, ihrer Meinung nach, einzig und allein die beiden ^Beteiligten zu gestalten hatten.

(Fortsetzung folgt)