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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Sonntagsbeilage: Jllnstrirtes Sonntagsblatt.

199

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Ml., bei allen Postämter» 2,26 Mk. (excl. Bestellgeld).

JusertiouSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg.

Reclamen: die Zelle 25 Psg.

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Marburg

Sonntag, 17. August 1902.

Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertage». Sonnabends in Morgen- und Abend-AuSgabe.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckers Marburg, Markt 21. Telephon 55.

37. Jahrg.

Deutschland und Rußland.

Das Organ der niederrheinischen katholischen Aristokratie, dieRheinische Volksstimme', et» hätt von .besonderer Seite", also Wohl von einem Mitgliede dieser Aristokratie, einen nicht Uninteressanten Epilog zu der Revaler Kaiser­zusammenkunft zugesandt. ES wird zunächst darin in zutreffender Weise festgestellt, daß die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland sich seit dem Jahre 1895 fortgesetzt verbessert haben. Dann aber wird Klage darüber geführt, daß von diesem guten Verhältnis nur Rußland Vorteile gehabt habe. Es habe dank der dent- schen Unterstützung Japan auS Korea verdrängen können, einen gewaltigen Einfluß auf China gewonnen, seine Position in Dorderafien und auf der Balkanhalbinsel erheblich verbessert. Demgegenüber befinde sich Deutschland in der Haltung des selbstlosen und leer ausgehenden Freundes.

Diese Ausführungen find in mehr als einer Richtung schief. Zunächst ist auch Deutschland nicht leer ausgegangen. Es hat seit dem von dem Blatte angegebenen Zeitpunkte der Wieder­annäherung zwischen beiden Ländern, 1895, Kiautschou besetzt und seine wirtschaftlichen Be­ziehungen, nicht nur zu China und Japan, sondern auch in Dorderafien, Mittelasien und Südasien ganz außerordentlich ausgedehnt. Andere Ansprüche aber, als einen Stützpunkt in China zu haben und im übrigen seine materiellen Interessen in Asien gedeihlich zu entwickeln, erhebt Deutschland nicht und man kann von Rußland wohl nicht verlangen, daß es nicht vorhandene Ansprüche fördere.

Selbst wenn man aber auch der Ansicht ist, daß in den letzten sieben Jahren Deutschlands Freund­schaft zu Rußland für den letzteren Staat nütz­licher gewesen ist, als für Deutschland selbst, so darf man die Politik desDo, ut des nicht auffaflen, als ob wie bei einem Krämer auf die Ausfolgung der Ware unmittelbar die Be­zahlung erfolgen müsse. Das läßt sich in der Politik denn doch nicht so einfach machen, weil es eben an der Gelegenheit fehlt, eine gleich­wertige Zahlung im Augenblicke zu leisten. Fürst Bismarck hat einmal erwähnt, wie sehr Preußen den Russen für 1813 zu Dank ver­pflichtet war, denn ohne die russische Hilfe wäre die Befreiung von dem napoleonischen Joche wohl kaum möglich gewesen. Die Bezahlung der Dankesschuld erfolgte während der Regierung des Kaisers Nikolaus, also Jahrzehnte später. Wie damals Rußland bei uns ein Guthaben hatte, so können wir heute eins bei ihm haben und daraus vertrauen, daß eS schon einmal be­zahlt werden wird.

Die Hauptsache aber ist, daß die von uns geforderte asiatische Politik Rußlands in einer

7 lRachdruck verboten.)

Die Kinder.

Novelle von Marie Bernhard.

Gortfehung.)

Wenn es schon die Mutter nicht sein konnte, ihre Freundin hätte sie hier haben mögen! Sie hatte nur eine einzige. Bekannte in Fülle! mit der sie zusammen das Seminar besucht, die in der benachbarten Provinz an einer größeren Mädchenschule eine Anstellung gefunden hatte. Ein sehr gediegenes,

tüchtiges Mädchen, ein paar Jahre älter als Käte und dieser mit rührender Treue ergeben.Ich lieb' Dich fanatisch, Du dummes, kleines Frauenzimmer, und ich begreife eS absolut nicht, wie es mir so lange Zeit hindurch möglich gewesen ist, getrennt von Dir zu leben", hatte sie in ihrem letzten Brief ge­schrieben und hinzugefügt, ihre nächsten Ferien müsse sie in H. zuöringen, koste es, was eS wolle, sie kratze jetzt schon jeden entbehrlichen Groschen dafür zusammen.

Was sie sagen toürb^ die energische brünette Ella Dorn, wenn sie ihre Käte hier so ver» träumt fitzen sähe, sie, die ihr Lebensprogramm so ganz unfehlbar auf die alte Jungfer einge­richtet hatte und alle Widerreden kurz abschnitt: .Ach was, verlieben, Unsinn! Heiraten, dummes Zeug!" Seine Schülerin! Lateinische Stunden bei ihm! Ach Gott, sie wußte ja so genau, weshalb er ihr das ange­boten hatte und daß ihreEhmnasialbildung", von der jetzt jeder britte Mensch sprach, bei ihm wenig ober gar nicht in» Gewicht fiel. Er brauchte keine Frau, bie Lateinisch verstand, er wußte selbst genug davon und würde sie

sehr wichtigen Hinsicht auch für uns von Wett ist. Als die Franzosen in den achtziger Jahren wieder anfingen, eine energischere Kolonial­politik zu tteiben, hat Fürst Bismarck dies gern gesehen, weil die expansiven Tendenzen Frankreichs dadurch außerhalb Europas Be­friedigung erlangten. Diese Tendenzen beruhen in Frankreich nicht sowohl auf einer sachlichen Notwendigkeit, wie auf dem Ehrgeize und der Unrast der Nation. In Rußland find sie eine Notwendigkeit, weil der Befitz an eisfreier Küste in gar keinem DerhäÜnisse zu dem Riesenkörper des Reiches steht. Je mehr Ruß­land nun dahin strebt, diesem Mangel durch Ausdehnung nach dem Sttllen Ozean im Osten und dem persischen Golfe im Süden abzuhelfen, desto mehr wird es mit seinem Interesse in Asien festgelegt und destoweniger kann es Neigung der Expansion nach Westen hin empfin­den. Wir kennen den Wortlaut des Bünd­nisses mit Frankreich nicht, aber so viel ist sicher, daß Rußland sich keinesfalls verpflichtet hat, in dem Falle, daß die Franzosen einen Angriffskrieg gegen Deutschland führen, ihnen zu Hilfe zu kommen. Natürlich könnte es sich aber auch, ohne dazu verpflichtet zu sein, in einen solchen Krieg zu Ungunsten Deutschlands ein­mischen. Es wird aber dazu um so weniger geneigt sein, je mehr seine ostafiatifchen Interessen zu seinen wirklichen LebenSintereflen werden, denn diese Interessen könnten durch einen Kampf mit Deutschland unter allen Umständen nur benachteiligt werden, da selbst ein besiegtes Deutschland die freie Entfaltung der russischen Kräfte nach Osten hin für ewige Zeiten un­möglich machen würde, während ein befreundetes Deutschland sie gestattet.

So wollen wir zwar gewiß zugeben, daß die augenfälligeren Vorteile der so wesentlich gebesserten Beziehungen zwischen beiden Ländern auf der Seite Rußlands liegen, aber wir können unter keinen Umständen zugeben, daß Deutsch­land dabei leer ausgeht. Eine Politik, bei der Deutschland, wie das rheinische Blatt behauptet, immer nur bet gebenbe Teil wäre, wäre nicht nur eine zu gutherzige, sondern eine eines kraftvollen Staates direkt unwürdige Politik. Wäre also bie Ansicht des rheinischen Blattes richttg, so müßten wir alsbald unsere Politik Rußland gegenüber ändern. Dazu aber liegt, wie hier ausgeführt ist, durchaus keine Ver­anlassung vor, wir haben vielmehr allen Grunb, mit unserer russischen Politik zufrieden zu sein.

Umschau.

Der Kaiser in Düsseldorf.

Zum Empfange des Kaisers in Düsseldorf, der begleitet war vom Oberhofmarschall Grafen Eulenburg, den Generalen v. Pleffen und von

um kein Jota lieber haben, wenn sie den Cäsar und den Cicero mit ihm lesen konnte! Er hatte sie lieb, über alles in der Welt lieb, auch ohne das, da8 fühlte sie tief in ihrem Herzen. Ein paar Thränen zittetten an den dunklen Wimpern und fielen dann blitzend auf bie roten Blumen der Stickerei, aber die Lippen lächelten, immer noch.

Fräuleinchen, ach Gott"

Was was ist denn, Karoline? Was wollen Sie?

Käte rückte sich zusammen, wischte mit dem Handrücken über die Augen, nahm hastig das Nähzeug wieder auf; sie hatte das Mädchen gar nicht kommen hören.

.Erschrecken sich Fräuleinchen man bloß nicht! Ich kam ja man bloß, damit sich Fräuleinchen nicht erschrecken sollen, und nun haben sich Fräuleinchen aber doch erschrocken! Ich wollt' bloß sagen: ich seh' zum Flursenster 'raus, denn gegenüber da prügelten sich zwei, und ich wollt' doch sehen, ob der Große den Kleinen untertriegte, und wie ich da so zu­fällig die Sttaß lang kuck', da seh ich zwei Jungens ankommen, und die bringen wen, und wie ich genau hinseh, wen sie denn da bringen, den denn ist es unser Watterchen!"

Mit einem Schreckenslaut sprang Käte auf. tim GotteSwillen! Was wie was ist mit ihm geschehen?"

Weiß ich nicht, Fräuleinchen, könnt' ich doch die halbe Straß' lang nicht sehen. Aber gehen könnt' er doch noch, und die beide Jungens, größer wie unserer hatten ihn so recht in bie Mitt' genommen unb jeber halt' ihm unter ben Arm gefaßt unb leiteten ihn so ganz langsam und mit Sorglich leit, aber gräßlich blaß sah

Löwenfelb, Hofmarschall v. Trotha, Oberstall­meister Grafen Webel, Leibarzt Dr. Jlberg unb Hauptmann v. Friedeburg, waren gestern auf bem Bahnhof bie Spitzen ber Zivil- unb Militär­behörden erschienen. Der Kaiser begab sich nach der Begrüßung in das Fürstenzimmer des Bahn­hofs, wo die städtischen Behörden Aufstellung genommen hatten. Oberbürgermeister 9Jlar* hielt alsdann eine Ansprache, in welcher er dem Kaiser untertänigen Gruß und ein freudig begeistertes Willkommen der Stadt entbot, die sich freue, heute ihren königlichen Schirmherrn zum Zeugen dafür zu gewinnen, daß sie rege teilnimmt am edlen Wettkampf für des Vater­landes kulturelle und wirtschaftliche Macht. Redner erwähnte dann bie Fortschritte, bie Düsselborf seit elf Jahren gemacht habe und dankte dem Kaiser für die Genehmigung, den Park, welcher auf der Fläche, die jetzt die Aus­stellung einnimmt, angelegt werden soll, Kaiser Wilhelm-Park nennen zu dürfen. Der Ober­bürgermeister schloß, nachdem er dem Kaiser auch für den heutigen Besuch gedankt hatte, mit den Motten:Gott schütze und segne den Kaiser, die Kaiserin und das kaiserliche Haus! Gott schütze das Vaterland!" Der Kaiser er- widette dem Oberbürgermeister, er spreche seine Freude darüber aus, daß e8 ihm möglich ge­wesen sei, den Besuch auszusühren. Schon einmal als junger Student in Bonn habe er im Auftrage seines hochseligen Herrn Groß­vaters zur Einweihung des CorneliuS-DenkmalS hier geweilt. Er habe damals die schönsten, unauslöschlichsten Eindrücke von der Stadt ge­wonnen und seinem Großvater darüber berichtet. Die Beziehungen zwischen Düsseldorf und ihm seien alte. Zum anderen habe er im Laufe seiner Regierungszeit unter vielen Planen von Erweiterungen auch Pläne von Düsseldorf ost auf seinem Tische gehabt. Er habe daraus er­kennen können, mit welchem Scharfblick, mit welcher tieberlegenheit bie Zukunft ins Auge gefaßt werbe, mit welcher rücksichtslosen Energie die Stadt Düsseldorf Erfolge erstrebe unb auch erreiche. Es sei ihm deshalb eine große Freude, baß er befehlen konnte, daß ber Stadt bas von ihr gewünschte Terrain überlassen werbe. Düsselborf sei eine von ben glücklichen Stäbten, bie ein Lied fingen könnten von der Nützlichkeit der Wasserstraßen und sei in der glücklichen Lage, sich ber Vorteile, bie ber Wasserverkehr biete, zu erfreuen. So habe bie Stadt sich einen neuen Rheinhafen gebaut, der ihr, so Gott wolle, manche Freude machen und viel Nutzen bringen werde. Indem er der Stadt und der Bürgerfchast herzlichen Dank dafür «usfpreche, daß fie ben neuen Park nach ihm nennen wolle, fügte er hinzu, wie schmerzlich bie Kaiserin es bebauest habe, am heutigen Tage nicht babei sein zu können. Leider habe

er aus unserer mein' ich, und warum mußt' er auch heut' in die Schul' gehen, wo er schon morgens so geistlich aussah, wiene un- ausgebackene Semmel, und Fräuleinchen wollten ihm zu Haus' behalten, und ber Herr wollt' toieber nicht!"

Schnell, schnell, Karoline! Walterchens Bett ansdecken unb bann zum Herrn Professor, nein, lieber noch nicht! Vielleicht kann ich selbst ohne Arzt, o Gott, Gott, ich hab' es gleich geahnt, als er so elenb aussah, unb er hat auch so unruhig geschlafen bie ganze Nacht!"

Nu sehen Freileinchen bloß nicht gleich so kümmerlich aus, ber Jung' ist ja schon, Gott soll's geklagt sein, so oft krank gewesen, unb wir haben ihn immer toieber in bie Höh' ge­kriegt ! Nu kommen Sie mal mit, ich deck' ihm sein Bett ab und Sie stellen alles zurecht, Zeit haben wir genug, bis fie ihn gebracht bringen, das ift manne langsame Reis' mit so was Krankes I"

Die derbe, gutmütige Person lief geschäftig voran, öffnete eine Thür zur Linken, die in ein langes, schmales Zimmer fühtte, in welchem an jeder Längswand ein weißbelegtes Bett stand. Karoline machte fich an das Bett zur linken Seite heran, zwischendurch eifrig redend.

Das sag' ich man, und das sag' ich man! Wie unser Herr auch bloß immer is! Wenn mit bem Walterchen was los is, benn giebt8 kein Einsehen unb kein Verständnis, unb je mehr daß einer dagegen stemmt, um so schlimmer wird das! Für Gewalt will der Herr 'nen forschen Mann aus dem Jungen machen, lieber Himmel, und das iS fon Mückchen, nicht mehr, wiene Handvoll, unb kein bißchen Waden und

fie ein Fußleiden diesmal verhindert. Sie habe aber einen künftigen Besuch in Aussig gestellt. Er wünsche von ganzem Herzen ben Segen Gottes zu ber wetteren glücklichen Ent­wickelung ber Stadt unter ben schönen fried­lichen Aussichten, die fich jetzt in Europa ent­spannen unb bie er lange zu erhalten hoffe. Unter Hurrarufen einer ungeheuren Menschen­menge unb ben Klängen ber Fanfaren fuhr ber Kaiser bann im offenen vierspännigen Wagen burch ein Spalier von Vereinen unb Schulen burch bie künstlerisch geschmückte Feststraße, e'tortieri von einer Eskadron des Husaren­regiments Nr. 11 nach der Ausstellung.

Am Ratinger Tore nahm der Kaiser ben Parademarsch ab. Hier waren Tribünen er- ttchtet, von denen das zahlreiche Publikum zu­schaute. Kurz nach 9 Uhr betrat der Kaiser die Ausstellung, wo er von den beiden Dor­fitzenden des Komitees, Geh. Kommerzienrat ßueg und Professor Fritz Roeber, empfangen wurde. Der Kaiser unternahm unter Führung ber genannten Herren sowie ber Dorfitzenben ber einzelnen Gruppen einen Rundgang, wobei er alle wesentlichen Teile ber Ausstellung ein» gehenb besichtigte, ganz besonbers ben industriellen Teil sowie die Ausstellung historischer und kirch­licher Kunstwerke. Der Kaiser ließ fich vielfach die in Betrieb befindlichen Maschinen erklären. Auf dem Wege zum Pavillon begrüßte bas zur Ausstellung zugelassene Publikum den Kaiser stürmisch, welcher freundlichst dankte. Mehre« ausgestellte Bergleute wurden vom Kaiser an- gesprochen. tim 1 Uhr verließ der Kaiser die Ausstellung und bewimpelten Dampfer, der zur Haroldstraße fuhr. Fanfaren und Gesänge deS Männerchors, Hurrahrufe und Böllerschüsse be» gleiteten den Kaiser auf ber kurzen Rheinfahrt Vom Landungsplatz begab fich der Kaiser zum Bahnhof und verließ kurz nach 1 Uhr mit Sonderzug die Stadt, um über Köln nach Coblenz zu fahren. Der kaiserliche Sonderzug traf gestern nachmittag gegen 2 tihr auf bem kölner Hauptbahnhof ein unb fuhr nachdem Maschinentoechsel stattgefunben hatte, nach Coblenz weiter. In Bonn traf ber Kaiser um 2 tihr 40 Min. ein. Offizieller Empfang war nicht vorgesehen, boch hatte fich Generaloberst v. LoS zur Begrüßung eingefunden. Nach kurzem Aufenthalte erfolgte bie Weiterreise nach Coblenz, wo er um 3 tihr 50 Min. ankam. Er würbe aus bem Bahnsteig von bem Erb» großherzog von Baben unb Gemahlin begrüßt. Der Kaiser unterhiett fich kurze Zett in bester Stimmung mit ben erbgroßherzoglichen Herr­schaften. Hierauf fuhr ber Kaiser in einem offenen Wagen mit bem Großherzog nach ber Rhein-Lanbungsbrücke. Auf bem ganzen Wege hatte fich eine unabsehbare Menschenmenge aus­gestellt, bie bett Kaiser mit stürmischen Hoch-

Fleisch aussm Körperchen! Die Libbh, bie kann fich Liebkinb beim Papa machen, immer lern« gefunb unb Appetit für zwei unb in einem Lachen! Na ja,s iSn hübsches Margellchen, aber was reißt bie auch für Sachen auf Stücker entzwei, unb unser Walterchen hat biel mehr Seele!"

Käthe kniete vor einem geöffneten Korn- rnobenschub unb nahm Flanellbinben, Leinenzeug unb einen langen Streifen Wachstuch heraus.

Laufen Sie in bie Küche, Karoline, und machen Sie Wasser heiß, er muß boch eine Taffe Thee haben!"

Heiß Wasser iS da, unser Mittag kocht doch aus'n Herd, und das bischen Thee is eins, zwei, drei ausgebrüht. Nein, ich geh' Ihnen hier zur Hand, Fräuleinchen, wenn unser Jungchen kommt, und heiss ihn ausziehen und ins Bett reinlegen. Da jetzt klingeln fie schon!"

Sie lief hinaus unb Käthe hinterher.

Gegen bie beiben kräftig emporgeschoffenen Knaben mit ben frischen Gesichtern stach ber kleine Junge, ben fie in ber Mitte führten, aHerbingS kläglich ab. Ein schmächtiges, bünneS Körperchen, ein völlig farbloses, kleines Gesicht mtt übergroßen, schwermütigen Augen, bie burch tiefgehende, dunkle Ränder noch ver- größett wurden.

Mein Watterchen! Mein Kleiner! WaS fehlt Dir? Käthe neigte fich nieder und nahm das Kind in ihre Arme.

Die Zähne schlugen ihm so heftig aneinander, baß er nicht antworten konnte; bafür ergriff einer von ben Mitschülern das Wort.

(Fortsetzung folgt)