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Verwischtes

Zar Eutlvbnnz ee8 Herzogs Siegfried m Bayern erfährt der »Fränk. Kurier' folgendes: Ein Herzensbündnis' bestand zwischen den Verlobten nie, denn es war den Eingeweihten bekannt, daß die Erz­herzogin nur dem Drängen ihrer Verwandten, nament­lich ihres Stiefbruders, des österreichischen Thron­folgers, nachgab, als sie dem um sie werbenden Herzog Siegfried das Jawort gab. Erzherzogin Maria An- nunciata trug, wie am Wiener Hofe bekannt ist, seit Jahren ihr Ideal im Herzen. Bor acht Jahren lernte die Erzherzogin einen jungen deutschen Fürste«, der vorübergehend am Hofe zu Wien weilte, kennen und lieben. Dem Rang« nach hätte kein Hindernis bei der Eh« zwischen der Erzherzogin und dem jungen Fürsten, der zu den Lieblingen Kaiser Wilhelm- n. gehört, obgewaltet-, allein der Fürst ist — Protestant und die Erzherzogin strenggläubige Katholikin. Da aber das Herz der Erzherzogin mit allen Fasern ihrem Ideale nachstrebte, so hatte diese nach erlangter Majorennität die Absicht, dennoch dem Zuge des Herzens zu folgen. Kaiser Franz Josef schlug die Bitte der Richte aus Eewiflensskrupeln ab. Man hoffte, daß die Zeit die Öenswunde der Erzherzogin heilen werde, und der

*r verlieh seiner Ruhte die Würde einer Aebtissin des adeligen DamenstiftS auf dem Hradschin in Prag. Still ergeben ging die junge Erzherzogin ihren Pflichten nach, bis man im Februar d. I. die Erzherzogin aus Gründen der Vernunft mit Herzog Siegfried verbinden wollte. Die Prinzessin setzte dieser beabsichtigte« Ehe ein entschiedenes Rein entgegen, und nach unb nach erst gelang es, ine Erzherzogin zu überreden, daß sie Herzog Siegfried spreche Die Verlobung fand Mitte Ium statt, aber schon Ende desselben Monats erklärte dir Braut, daß sie nach eingehender Prüfung mit sich selbst dm Herzog bitte« werde, ihr das Jawort zurück- zugebm. Meder gelang es, die Braut zu überreden, den beabsichtigten Schritt nicht auszuführen. Für die Eingeweihten stand aber eine bevorstehmde Ent­lobung schon fest, als die 26 jährige Braut des Herzogs Siegfried sich in Begleitung der Ihren nach München begehen sollte, um sich dem Prrnzregenten und den Verwandten des Bräutigams als Braut vorzustellen. Damals mußte ein außerordentlicher Druck angewandt Werdm, um die Braut zu veranlassen, nach München zu reisen, um diese gesellschaftliche Pflicht zu erfüllen. Dieser Besuch wurde aber von Woche zu Woche auf» geschoben, da die Braut plötzlich von einer Art Platz- furcht vor der schönen Residenz an der Isar befallen wurde. Die Erzherzogin bildete sich ei«, es geschehe in München em Unglück. Als auch diese nervöse Er­regung endlich durch Zureden überwunden wurde, erschim die herzogliche Braut in Münchm und wurde mit herzlicher Freude sowohl von ©eiten des greisen Prinzregenten als auch von den Mitgliedern des Hofes und der herzoglichen Familie empfange«. Die Braut blieb all diesen Liebesbezmgungen gegenüber kalt. Wieder in Mm eingetroffen, erklärte die Erzherzogin, daß es nicht christlich fei, Herzog Siegfried zu ver­schweigen, daß sie sich an seiner Seite unglücklich fühlen würde. Sie wolle nicht die unglücklich«! Ehm nn Habsburger Herrscherhause vermehre«. Da man der Erzherzogin wieder ihre Skrupel auszureden ver­suchte, um einen Eklat zu vermeiden, wandte sich die Prinzessin vor der Abreise des Kaisers Franz Josef nach Ischl flehentlich an diesen mit der Bitte, ihr zu gestatten, den Herzog, dm sie um seiner liebms- würdigm Eigenschaften willm schätzen gelernt, aber nie lieben werde, zu bitten, ihr das Jawort zurück- zugebm. Der greise Herrscher gab dm flehentliche« Bitten seiner Richte Gehör, und die Prinzessin schrieb Ende hörigen Monats selbst dem Herzog im Sinne ihrer Bitte an dm Kaiser. Die Aufhebung der Ver­lobung erfolgte nach mehrtägigen mündlichen Ver­handlungen zwischen den Verwandten. Die Erzherzogin hat die Absicht, sich nun ganz in das adelige Damen- stift in Prag, dessen Aebtissin sie ist , zurückzuziehen.

Ei«e fast ««glaubliche Gespenstergeschichte beschäftigte die zweite Ferienstraskammer des Land­gerichts zu Braunschweig. Die Angelegenheit spiett bereits fett dem Jahre 1900 in der Ortschaft Opper­hausen bei Kreiensen und hat in der ganzen dortigen Gegend viel Aufsehen gemacht. Im Jahre 1900 glaubte der Ackermann Berner aus Opperhausen währerd mehrerer Rächte in feiner Kammer Gespenster zu sehen und kam schließlich zu der Ueberzeugung, daß der Geist seines unlängst verstorbenm Vaters »urngche*. In diesem Glauben wurde er auch durch seine inzwischen verheiratete Dienstmagd bestärkt, die gleichzeitig eine plausible Erklärung für den »Spuk' bei der Hand hatte. Der verstorbene Vater Bemers sollte nämlich

in feinen jüngeren Jahren einen Fehltritt begangen und die Folgen davon auf einen Unschuldigen ab» Cälzt haben, sodaß er mm nach seinem Tode keine

e im Grabe finden könne. Wenn Berner, so meinte die Magd in Uebereinftimmung mit ihrem hamaliaen Bräutigam, eine Summe Geldes opfere, so werde der Tote Ruhe finden und B. selbst unbehelligt bleiben. So wurde die Phantafie des Bedauernswertm immer mehr erhitzt und der »Spuk' nahm immer abenteuer- lichere Formen an, so daß schließlich ein Schwager Berners es unternahm, dm »Geist' zu bannen. Der Exorzismus wurde denn auch ans in der Geisterstunde zur Ausführung gebracht und hals auf die Dauer eines Jahres. Dann aber kam ein »im Namen der Dreieinigkeit' gefdjriebener Brief bei Berner an, der die Sache von neuem erörterte. Es hieß darin u. a., daß die Seele von Berners Vater in der Hölle schmachte, aber durch ein Löfegeld von 6000 Mk. befreit werdm könne. Das Geld solle Berner an eine Witwe zahlen, die ben Gruß eines fremden Herrn überbringen werde. Bald darauf erfchim nun die Witwe Heine aus Wolfs- hagen bei Berner und bestellte, nachdem fie ein Handels­geschäft mit V. abgewickelt, den ominösen Gruß deS fremden Mannes. Nunmehr aber wurde die Sache zur Anzeige gebracht und eine Untersuchung gegen die Witwe Heine und deren Sohn, der ben Brief ge­schrieben haben soll, wegen Erpreffung unb Betrugs eingeleitet. Die Angeklagten stellten jede Schulb in Abrede, obwohl bet junge Heine bereits während der Voruntersuchung ein schriftliches Geständnis abgelegt hat. Auch die Gutachten der Schreibsachverständigm gehen dahin, daß er zweifellos der Schreiber des Briefes sein müsse. Das Urteil lautete gegen die Frau Heine wegen Erpressung auf 1 Jahr Gefängnis, gegen ihren Sohn auf 8 Monate G.fängnis.

Amerikanischer ZeitnngShnmor. Ein Setten- stück zu einem Berichte eines deutschen Briefträgers, der auf einem Briefumschlag bemerkte: »Adressat ge­storben, gegenwärtiger Aufenthalt unbekannt', liefert, wie aus Rew-Aork berichtet wird, die »Amerika', die folgende köstliche Geschichte berichtet: Ein Zeitungs- Herausgeber vom Lande hatte es bei einem Besuch in der Großstadt den gelben Blättern abgeguckt, wie man das Volk durch Neuigkeitsbulletins anlockt. Den ersten Anlajj zur Erprobung der neuen Idee bot ihm die schwere Erkrankung eines wohlbekannten lokalen Kirchenlichts, Deakon Jones. Und so erschien denn mit einem Blaustift auf ein großes Blatt Papier ge­schrieben ein Bulletin des Inhalts, daß Deakon Jones »schwer im Sterben liege*. Es sammelte sich eine neugierige Menge, und bald konnte der unternehmende Zeitungsmann ein neues Bulletin in fein Fenster Längen: ,12.05 nachmittags: Deakon Jones ist zum Himmel ausgestiegen'. Ein Mtzbold hatte fich in­zwischen auch einen Bleistift und ein Blatt Papier verschafft, und als der Editor sein Vullett« von der Innenseite des Fensters wegnahm, trat er rasch hinzu unb klebte an bie Außenseite folgenbe Ankündigung: .12.06 nachmittags: Große Aufregung im Himmel. Deakon Jones ist noch nicht dort angetontmen". Das Gelächter und ben Hohn kann man sich beulen. Der unternehmungslustige Zeitungsmann hat feitbem nie mehr »Bulletins* ausgegeben.

Die Werbung durchs Telephon. »Hier Amt! Sie Wünschenr* — »Sie!* — So oder so ähnlich lautete, wie aus New-Kork berichtet wird, ein kurzes Gespräch, das mit einem .Telephonfräulein* in Pvugh- keepfie geführt wurde. Und die Telephonistin hängte etwas ärgerlich den Apparat wieder an. Ihr Er­staunen und nicht weniger chre Befriediguog waren jedoch sehr groß, als die unterbrochene Unterhaltung zuerst per Post, unter der Form eines Heiratsantrages, unb bann mündlich durch einen Besuch des Bewerbers wieder ausgenommen wurde, der seine Heiratsabfichten bestätigte. Mr. Albert Edward Tower, ein reicher amerikanischer Eisengroßhändler, war Miß Mary BogardrÄ, Telephonistin in Poughkeepsie, für die ihm geleisteten vorzüglichen Dienste so dankbar, daß er ihr tatsächlich seinen Namen und sein auch für ameri­kanische Verhältnisse nicht unbedeutendes Vermögen anbot. Miß Bogardus hat durch die Schnelligkeit, mit der fie Verbindungen zwischen der Kundschaft und dem Kaufmann herstellte, auf sehr wirksame Art dazu beigetragen, dieses Vermögen zu erwerbe«, denn dadurch wurde das entnervende lange Warten unb unnötige Klingelei vermieden. So haben gute Dienste ihren verdienten Lohn gefunden. Me wäre es, sollten unsere Telephonfräulein sich nicht diese Miß Bogardus in Poughkeepsie als leuchtendes Beispiel nehmen? Wer weiß, vielleicht kommt bann auch bald zu ihnen ein kleiner Millionär, der einen so nahen »Anschluß* wünscht. *

GtWaS vorn Kaffee. Der Europäer genießt seine Taffe Kaffee «ach der herkömmlichen Zubereitung: er trinkt be« Kaffee, gewisse Völker aber essen ihn, unb von Slnfaafi an ist der Kaffee wohl auch nur gegeben worden. Heutzutage, schreibt L. Coquet, werden bie Kaffeebohnen noch m Uganda gegeffen. Anderwärts verbraucht man aber auch die Schale der Kaffeebeere und die Mätter des Kaffeebaumes. Besonders letztere sind so reich an Kaffem wie die Theeblätter an Thein. In Sumatra werben bie Kaffeeblätter zu 1 Penny das Pfund verkauft, in Indien zu 2 Bence, die Ver­packung einbegriffen. Europäische Zungen wollen finden, daß bie Kaffeeblätter nach Sennes nnb Tabak schmecken. Mit Milch genoffe« geben fie aber ein ganz erträgliches, beruhigenbes Getränk ab, ohne Milch wirkt dieser Abguß von Kaffeeblättern bid er- regender auf das Nervensystem. Die Gallas in Abes- shnien haben die Gewohnhett, bie Kaffeebohnen mit ber Fruchtkapsel zu kochen tmb fie mit Butter und Salz zu gemeßen. Auch in Oberägyten ist dieser Ge­brauch verbreitet, und bie Soldaten ziehen diese Nah­rung ihrer sonstigen Ratto« besonders bei großen Märschen vor. Die Einwohner von Demen trocknen bie Schale ber Kaffeebeere und genießen bie Abkochung davon, welche sie »Kicher* nennen, in heißem Zustande. Das Getränk schmeckt süßlich, ist anregend nnb hat bas Aroma bes Kaffees. Daß man aus ber Schale ber Kaffeebeere auch Alkohol unb Liköre macht, ist bekannt

Der alte Schmied. Bei der Empfindlichkeit der Schweizer über bie Rede Vetters ist es nützlich, fich an das Stammesgefühl bebeutenber schweizer Männer zu erinnern. Adolf Frey schreibt in seinem lesens­werten Buche »Conrad Ferdinand Meyer, sein Leben und seine Werke* (Stuttgart bei Cotta) über den Dichter: . . . »Es war eine glückliche Zett*, erklärte Konrad Ferdinand Meyer zwanzig Jahre später. Der große Krieg weckte sein unmerklich gereiftes deuttches Stammesgefühl, er tat das französische Wesen ab und, innerlich genötigt, dieser Sinnesänderung Ausdruck zu geben, dichtete er den Hutten. Jetzt lebte und webte er in dem großen Geschichtlichen, wonach sich seine Seele sehnte, unb ber Hauch der mächtige« Welt- begebenheit, bie in ihrer Art auch eine entscheidende, umwälzende Begebenheit für ihn war, begann seine Kräfte zu entbinden. Die Wärme für die deutsche Sache zeitigte noch einige andere Gedichte. Wille hatte ihm erzählt, daß die Schmiede in Thüringen bas Tagewerk mit brei Spruchschlägen anbeben. Das verarbeitete er zum »Deutschen Schmied', ber, im Gewände einer leicht sangbaren Weise, zum deutschen Volkslied und später vom Dichter dem Huttencyllus einverleibt wurde.

Am Amboß steht der alte Schmied, Er schwingt den Hammer unb singt fein Lied. Er steht umlobcrt von Feuersglut, Die Funken spritzen wie rotes Blut.

Hell klingt der Amboß, kurz ber Spruch: »Drei Schläge tu’ ich mit Segen unb Fluch. Der erste schmiedet den Teufel fest, Daß er den Welschen nicht siegen läßt, Den Erbfeind trifft ber zweite Schlag, Daß er fich nimmer rühren mag, Der britte Schlag ertöne rein!

Er soll für die deutsche Krone sein!' Am Amboß steht ber alte Schmied, Er schwingt den Hammer und singt sein Lied. Untrem Stander. Der Stadtkaffenasfistent Fritz Klett in Koburg hat Unterschleife in Höhe von 2300 Mark begangen. Als er sich entdeckt sah, flüchtete er und erhängte sich in der Nähe von Eisfeld.

Ei» ganz originelles Bulleti» über den »Naturmenschen" Gustav Nagel bringt das .Schönbecker Tgbl.": »Nach gut verbrachter Nacht legte Nagel fich in den Regen, verzehrte drei rohe Gurken und trank Wasser dazu. DaS Allgemeinbefinden ist gut, der Kartenverkauf geht flott."

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Der Gebirgs-Arzt. »Nun, Herr Doktor, haben Sie den kranken Steinhof-Bauern wieder

gesund gekriegt?" — »Vollkommen, er hat mich bei Ueberreichung der Rechnung schon eigene händig verhauen."

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