mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Illuftrirtes Sonntagsblatt.
JVl 195
Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der ExpedAon 2 3Wt, bei allen Postämtern 2,25 Mk. (erd. Bestellgeld).
Jusertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder beten Raum 10 Pfg.
Reclamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Dowerstag, 14. August 1902.
Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen. Sonnabends in Morgen- und Wend-Ausgabe.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
37. Jahrg.
Drahtlose Telegraphie.
Die neuesten Leistungen auf dem Gebiete der drahtlosen Telegraphie, wie sie in der Uebermittelung einer Meldung durch den Mar- conischen Apparat von der Westküste Englands nach der schwedischen Insel Gotland, d. h. über eine Wegstrecke von rund 1800 Kilometer vor- liegen, haben die Voraussetzungen Marconis durchaus bestätigt und dürsten den Nachweis erbracht haben, daß die drahtlose Telegraphie in der Tat befähigt sein wird, die hochgespannten Erwartungen zu erfüllen, die im Jntereffe einer außerordentlichen Förderung des internationalen Nachrichtenverkehrs bei den ersten bescheidenen Versuchen geäußert wurden. Das auf der Fahrt von Kronstadt nach England befindliche italienische Flaggschiff „Carlo Alberto" hat in Gotland auf dem Wege über England, Dänemark und Schweden, in Kiel aus London über eine Entfernung von rund 1800 Kilometer Nachrichten über Ereignisse der Krönungstage und sonstige Mitteilungen durch Anwendung der drahtlosen Telegraphie erhalten. Damit scheinen auch die nicht unerheblichen Schwierigkeiten überwunden zu sein, die fich bisher der Uebermittlung von Nachrichten auf größeren Landstrecken entgegenstellten. Marconi vergleicht die Verschiedenheit der Förderungsverhältnisse drahtloser Mitteilungen über Landstrecken und Wasserflächen mit der Verschiedenheit der Maschinenleistungen eines Motorwagens auf ebenem und coupierten oder sonstwie ungünstigem Terrain. Durch Anwendung stärkerer elektrischer Ströme ist es gelungen, die für Gotland bestimmten Nachrichten ungehindert über die weiten Landgebiete des südlichen England, von Jütland und Göto-Rike gelangen zu lassen. Die hohe politische und wirtschaftliche Bedeutuug der jetzt erzielten Erfolge liegt auf der Hand. Bis zu der bei dem letzten Versuche erreichten Entfernung erscheint, günstige Witterung vorausgesetzt , die Uebermittelung der Nachrichten ohne westeres gesichert. Bequem könnten also, da die in Frage kommende Entfernung wesentlich kürzer ist, die mittel- und nordeuropäischen Länder mit den Mittelmeerstaaten, mit dem Schiffahrtsverkehr des mittelländischen Meeres' auf drahtlosem Wege in Verbindung treten und so zu beliebiger Zeit, an beliebiger Stelle Nachrichten von den in Fahrt befindlichen Schiffen entgegennehmen und dorthin gelangen lassen. Besonders sür England, das durch seine maritime Stellung im Mittelmeer in erster Linie an einem schnellen und möglichst ausgedehnten Nachrichtendienst interessiert ist, dürste der Fortschritt auf diesem Gebiete der Telegraphie bedeutungsvoll werden. Bereits denkt Marconi an eine Verbindung zwischen England
4 «Nachdruck verboten.)
Die Kinder.
Novelle von Marie Bernhard.
(Fortsetzung.)
„Aber ist denn das nicht das Natürlichste für mich? Die Aufgabe, die das Leben für mich hat?" gab sie ihm ernst und verwundert zurück, und jetzt ließen die fleißigen Hände das Kinderkleid finken und die schönen „Perlaugen" sahen mit ehrlichem Vorwurf in des jungen Mannes Gesicht. „Ich bin doch der Kinder wegen hier im Hause, mein Bruder hat sie mir anvertraut, da ist es ja meine heilige Pflicht" —
„Himmel, ja — ja!" fiel der Doktor ungeduldig ein. „Aber der Mensch hat doch am Ende auch Pflichten gegen fich selbst und ebenso — ebenso — gegen — andere Leute! Ich finde, nicht 'mal Eltern sollen ganz und gar in ihren Kindern aufgeheu, sie stehen doch auch im Leben, sollen schaffen, aber auch genießen, Freude am Dasein haben... das kommt ja schließlich, so oder so, doch den Kindern alles zugut! Und wenn die leiblichen Eltern fich alles entziehen wollen um der Kinder willen ... schön istr nicht, aber es hat wenigstens Sinn, und sie selbst tun es mit Freuden, haben noch 'ne Art Genugtuung daran! Dagegen Sie, — jung, wie Sie sind, und eine Persönlichkeit, ganz dazu geschaffen, zu genießen, Glück zu verbreiten um sich her" . . .
„Und glauben Sie denn, ich genieße kein Glück, wenn ich sehe, wie die Kinder gedeihen, wie Liddy sich geistig wie körperlich so gut entwickelt, wie es mir doch hin und her gelingt, ihr kleine Unarten abzugewöhnen, schlimme Angewohnheiten zu beseitigen, — wie mein
und Amerika auf drahtlosem Wege. Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß auch dieser Versuch früher oder später zu brauchbaren Erfolgen führt, und da nicht nur der König von Italien, sondern auch besonders der russische Kaiser der Entwickelung der drahtlosen Telegraphie Marconischen Systems lebhaftes Interesse entgegenbringen, dürfte die Kostenfrage der Experimente und die Beschaffung der erforderlichen Mittel ein Hemmnis für die rasche Vervollkommnung der Verkehrsleistungen auf drahtlosem Wege nicht bilden. Uebrigens hat sich Marconi weder Italien noch Rußland gegenüber, wie verschiedentlich angenommen wird, seiner Rechte begeben, sodaß bislang weder diese Staaten noch sonst irgend ein Staat sich in dem ausschließlichen Besitze der Marconischen Erfindung befinden. Bekanntlich sind auch in Deutschland, und !zwar bei dem Landherr und der Flotte, wie auch auf den Fahrzeugen der Handelsmarine eingehende Versuche seit längerer Zeit im Gange; auf einer nicht geringen Zahl deutscher Schiffe sind bereits Apparate für drahtlose Telegraphie zur dauernden Benutzung installirt.
Umschau.
Eine interessante Reminiszenz wird in der „Dtsch. Ztg." veröffentlicht; sie lautet wie folgt: „Als Genera! Boulanger nicht mehr Kriegsminister war und von verschiedenen französischen Zeitungen wegen seiner Tätigkeit in dieser Stellung angegriffen wurde, zählte er seine Verdienste als Kriegsminister auf und erwähnte dabei unter anderem, daß er für den Kriegsfall Verbindungen mit deutschen Sozialdemokraten angeknüpft hätte. Diese Aeußerung wurde damals wenig beachtet: den Freunden der Sozialdemokratie war sie Wohl unbequem und wurde totgeschwiegen; andere Blätter mögen sie für etwas ungeheuerlich betrachtet haben. Nach der Kautskyschen Schrift erscheint aber Boulangers Behauptung über die Führer der Sozialdemokraten bei einer Mobilmachung zur Sprache gebracht; der Vorsitzende, Herr Singer, schnitt aber ein weiteres Eingehen auf diese Frage kurzerhand ab, wohl damit sich niemand verplappere."
Liberale Logik.
Rat und Stadtverordnete Dresdens haben an den Reichstag eine Eingabe gerichtet, er möge den von der Zollkommisfion beschlossenen Zusatz zum Zolltarifgesetze seine Zustimmung versagen, wonach die Erhebung indirekter Eingangsabgaben für Getreide, Mehl, Fleisch und
Bruder alles mir anvertraut, das ganze Behagen und Gedeihen seiner Häuslichkeit einzig und allein in meine Hand gelegt hat, — tote mein Walterchen mit dieser rührenden, ausschließlichen Liebe an mir hängt, wie ich ihm geradezu unentbehrlich bin . . . und das alles wäre kein Glück?"
„Gewiß, Fräulein Käte, gewiß, und ich bin der erste, den diese Ihre selbstlose Liebe und Hingabe mit Bewunderung erfüllt. Aber was sich so ein junges Mädchenherz träumt" —
„Dazu hab' ich nie so recht Zeit und Gelegenheit gehabt, Herr Doktor! Meine Kindheit war sehr trübe, meine ganz erste Jugendzeit hart und ernst. Wenn man bei fremden Leuten aufwächst, so halb aus Gnade und Barmherzigkeit geduldet, — Sie wissen, ich habe nur ein paar hundert Mark Zinsen jährlich von meinem kleinen Kapital, die natürlich sür meine Erziehung nicht ausreichten, und mein Bruder Hermann mußte Gott danken, daß er selbst sich zur Not durchhals, — dann lacht einem schon das Leben nicht so, wie den sorglosen, glücklichen Kindern, die wohlgeborgen im Elternhause leben. Solange ich denken kann, bekam ich es zu hören, ich sei arm und darauf angewiesen, mir einmal selbst durchs Leben zu helfen. Tas ist an fich nichts Schlimmes, und Tausende müssen es, — nur kommt es so sehr auf die Art und Weise an, wie einem Kinde diese Notwendigkeit vorgestellt wird. Meine sogenannten Pflegeeltern, — ach, warum noch mehr davon reden? Sie find tot und verstanden es nicht besser; auf ihre Art mögen sie es gut mit mir gemeint haben. Aber aufjubeln und mich harmlos etwas genießen lassen, wie ich es hundert Kinder um mich her thun sah, — Kinder, die noch ärmer waren als ich, — daS
Vreh durch die Gemeinden nicht mehr gestattet werden soll. Diese Eingabe bekämpft eine andere vom Allgemeinen dresoner Mieterverein an den Reichstag, welcher um Annahme dieses Zusatzes bittet und zur Verminderung erhöhter Steuern für die Allgemeinheit die Mehrbelastung des Grundbesitzes vorschlägt. Welche Summen der dresdener Stadtsäckel durch den Oktroi, die indirekte kommunale Besteuerung der Lebensmittel, bezieht, macht die Erklärung des dresdener Rates deutlich, daß durch den Wegfall des Oktrois eine Erhöhung der direkten Steuern um 3 5 % notwendig sein würden! Um diese 35 %, die die liberalen Stadtverwaltungen von den Lebensmitteln erheben, wird dem Arbeiter das tägliche Brot und Fleisch verteuert! Das nennen die „Liberalen", freilich nicht Brottoucher, weil das Geld in ihre eigenen Taschen fließt. Wenn aber der Bauer sich durch einen Zoll vor dem Ruine zu schützen sucht — ja, dann Bauer — ist es ganz etwas anderes!
Eine betrübende Entdeckung.
Dec „Vorwärts" veröffentlichte kürzlich einen Plan, wonach die sozialdemokratische Partei bei den nächsten preußischen Landtagswahlen in einer größeren Zahl von Wahlkreisen das Zustandekommen der Wahl erschweren wolle. Die Sozialdemokraten würden in 48 Wahlkreisen (mit 115 Abgeordneten) möglichst viele Wahlmänner von ihrer Partei durchbringen, und diese hätten nur auf ihrem Recht zu bestehen, einzeln eigenhändig den Namen ihres Kandidaten in das Wahlprotokoll zu schreiben, und bei Stichwahlen hätten sie die ganze umständlich Prozedur, die das Wahlreglement vorschreibt, durchzuführen, also eine Einigung der Parteien auf zwei Kandidaten zu verhindern. Die liberalen Zeitungen druckten diese Mitteilungen mit einer gewissen Schadenfreude schmunzelnd ab, da ihnen den ersten Blick alles gefällt, was dety preußischen Wahlsystem schaden kann oder will.
Wir faßten, so schreibt die „Kreuz Ztg.", die Sache nur als einen der Witze auf, mit denen die sozialdemokratischen Parlamentarier seit einiger Zeit auf den Bierphilister Eindruck zu machen suchen. Wäre der Plan ernst gemeint gewesen, so hätte man ihn nicht schon jetzt veröffentlicht, da es der Regierung doch nur ein paar Federstriche kostet, um das Wahl- reglement den bestehenden Gebräuchen anzupassen und die sozialdemokratische Obstruktion unmöglich zu machen. Nunmehr kommen aber auch die liberalen Blätter dahinter, daß ihre eigenen Wahlmänner die Kosten des Verfahrens würden tragen müssen. Jene 48 Wahlkreise find nämlich überwiegend
haben sie, die mich erzogen, mir nie gestattet, und ich war selbst noch Schulkind, als ich schon ganz kleinen Kindern den ersten Unterricht erteilen und dafür Geld nehmen mußte!"
„Mein armes, liebes, mein liebes Fräulein Käthchen!" murmelte der junge Lehrer mit bedeckter Stimme. Er hätte gern noch viel, viel mehr, etwas ganz anderes, weit wärmeres und tröstlicheres gesagt, aber wenn er das getan haben würde, so hätte er zugleich das Blondköpschen an sein Herz ziehen und die leise bebenden Lippen küssen müssen, — und dann wäre Käte Jrehtag seine Braut gewesen. Ach Gott, — Gott, — und dann warteten zwei auf die Anstellung, die nicht kommen wollte, und es wurde eine aussichtslose, von dem Bruder ungern geduldete Verlobung, und das zehrte an den Kräften und nahm die Hingabe und Liebe zum Beruf, er hatte das oft genug an Kollegen gesehen und getadelt; und sie hatte zu teilen zwischen ihm und den Kindern und dem Hans- halt, und das würde der Bruder nicht gestatten, nicht gestatten wollen, und sie, die schon so Frühgeprüfte, würde eine doppelte, ja dreifache Last auf die zarten Schultern nehmen müssen, — konnte Erwin Rothe das verantworten? — Und seine alte, arme Mutter, die er zu ernähren hatte ... Er dachte all' diese Gedanken zugleich, sie schwirrten ihm wie ein Schwarm aufgescheuchter Vögel durch den Sinn, während er die liebe, heißbegehrte Hand nahm und küßte, — küßte, — tote oft, das hätte er selbst hinterher nicht sagen könne«, und auch Käte Freytag würde es kaum gewußt haben.
„Es — es ist ja nun vorbei!" sagte sie endlich mit ihrem tapferen, lieblichen Lächeln und zog ihre Hand von den durstigen, heißen Lippen zurück. „Ich bin ja immer gesund ge
lt beral, und liberale Wahlmänner also würden mit den sozialdemokratischen dieNacht hindurch umdenSiegringe» müssen.
Unter dem deprimierenden Eindrun dieser etwas spät gekommenen Erkenntnisempfehlen die li beralen Blätter nun selbst die entsprechenden Aender- ungen im Wahlreglement und flehm die Sozialdemokraten an, auf ihr so witziges Vorhaben zu verzichten. Das gemütsweiche „Berliner Tageblatt" scheint nun von einer gemeinsamen Bekämpfung der Konservativm durch Freisinnige und Sozialdemokraten bei den Landtagswahlen überhaupt nicht mehr viel zu halte» und setzt seine ganze Hoffnung auf „eine starke Regierung"; Graf Bülow habe schon einmal den Konservativen im Landtage „kalt lächelnd seine Rückseite gezeigt", und dar gebe „einen Vorgeschmack der kommenden Lage". Bei diesem Trost mögen fich die Freisinnigen nur beruhigen und sich alle unnötige Wahlarbeit ersparen!
XVIII. Deutscher landwirischöstlicher Genossenschaftstag in Kiel.
In der letzten Sitzung des 18. deutschen lavdwirt» schastlichen Eenoffenschaftstages in Kiel referierte zunächst Hofbesitzer Meutert bei Hamburg über di« Milchversorgung der Großstädte durch genossenschaftliche Organisation. Dem folgte ein interessanter Vortrag des Dr. ing. Baldamus- Magdeburg über die Anw en d ung der Elektrizität in der Landwirtschaft, die besonders bei Vorbandensein billiger Wasserkraft als nutzbar hin- gestellt wurde. Besonderes Jntereffe bot der Vortrag des Dr. Rade »Halle über den Wechselverkehr der Zentralkaffen. Redner erklärte die Einführung des Wechselverkehrs in den ländlichen Spar- und Dar- lehnskaffen infolge der Kurzfristigkeit der Wechsel zur Befriedigung des ländlichen Personalkredits für ungeeignet und empfahl vielmehr den preußischen Verbandskassen, sich zwecks Beschaffung der von der Preußischen Zentral - Genoffenschastskasse geforderten Wechsel, soweit Kundenwechsel nicht ausreichten, in erster Linie an die größeren kaufmännisch geleiteten Genossenschaften zu wenden.
Nachdem noch Dr. K. Beerwald-Berlin in einem allgemeinen Vortrag über die Förderung der ländlichen Wohlfahrtspflege zum Beitritt zum deutsche« Verein für Volkshygiene aufgefordert hafte, konnte die Versammlung geschloffen werden.
Ein liberaler StammbuchverS.
Der linksnationalliberale „Hann. Cour.", der sich während der wirtschaftspolitischen Kämpfe der letzten Jahre mit allen Fasern seines liberalen Herzens zu dem Freisinn beider Observanzen hingezogen fühlte, scheint durch die Erörterungen, die Eugen Richter in seiner „Freis. Ztg." an das liberale bairische Kartell im allgemeinen und an die Vorbereitungen zur Reichstagswahl Forchheim-Kulmbach im besonderen knüpft, ein wenig verschnupft zu sein.
wesen und hab' gern gelernt, schwer ist mir's auch nicht geworden. Mein Examen ist sehr gut ausgefallen, darauf bin ich auch stolz gewesen, und die Stelle, die ich in der Prediger» samilie auf dem Lande annahm, war sehr gut, viel zu unterrichten freilich, — aber waS für prächtige Kinderchen, und die Eltern solch' gute Menschen! Ab und zu hieß es mal bei Hermann einspringen, der inzwischen geheiratet hatte, und die Frau war so sehr krank, da mußte ich alles Praktische lernen, was zur—Führung eine» Haushaltes und zur Krankerftiflege gehört, — eigentlich unnütz bin ich mir nie in meinem Leben vorgekommen —"
„Das glaube ich!" schaltete der Zuhörer aus tiefster Ueberzeugung ein.
„Aber voll und ganz an meinem Platz fühl' ich wich doch jetzt erst, seit ich die mutterlosen Kinder zu hüten und meinem Bruder daS Heim hübsch und gemütlich zu machen habe. Leicht ist das nicht immer, denn Hermann hat sehr feine eigene Ideen, die gar nicht immer meine find, und zumal in Bezug aus Walterchen gehen unsere Ansichten so ganz auseinander; aber schadet nichts! Zu gut muß es einem Menschenkinde auch nicht gehen, sonst wachsen die Bäume gleich in den Himmel. Jedenfalls--ich weiß, wo ich hingehöre,
ich habe ein. Heim, eine Häuslichkeit, viele liebe Pflichten, — ach, ich bin Hermann so furchtbar dankbar, daß er mich hierhergenommen hat, daß ich mich nicht mehr unter fremden Leuten herumzustoßen brauche. Meine Garderobe und ein paar Geschenke für die Kinder bestreite ich mit meinen zweihundert Mark Zinsen, dazu reicht es gerade, sür das übrige sorgt er, und das ist mir soviel wert!"
(Fortsetzung folgt.)