Einzelbild herunterladen
 

Wegfall infolge Tod oder Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit verhältnismäßig bei dieser Rentenart bedeutend ist. Jedenfalls nimmt die Gesamtzahl der auf Grund des Jnvalidenver- ficherungsgesetzes laufenden Renten stetig und beträchtlich zu. Im letzten Vierteljahre hat die Steigerung 23000 betragen. Es ist nicht an­zunehmen. daß sich in dieser Entwickelung bald eine starke Aenberung vollziehen wird. Dem­gemäß ist Vorauszusehen, daß innerhalb etwa dreier Jahre die Zahl der auf Grund des Jn- validenversicherungsgesetzes laufenden Renten die erste Million überstiegen haben wird.

Deutsches Reich

Berli«, 12. August.

- Ihre Mas. die Kaiserin wird wahrscheinlich heute abend von Kabinen abreisen; die Kaiserin be- giebt sich dann nach Düsseldorf, wo sie mit Sr. Maj. dem Kaiser zusammentrifft. ,

— In der oberschlefischen Sozialdemokratie ist es zwischen den Deutschen und den Polen zum Bruche gekommen. Aus Kaudrzin wird darüber berichtet:

Die aus allen Teilen Oberschlesiens beschickte sozialdemoLcatische Parteikonserenz, an der auch Ver­treter des polnisch-sozialistischen Parteivorstandes teil» «ahmen, erzielte keine Einigung zwischen den deutschen «ab polnischen Sozialdemokraten. Nach erregten Aus­einandersetzungen wurde eine Resolution gegen die Polen angenommen, keinen Kandidaten der Polen zu «ceptieren, sondern für sämtliche zwölf oberschlefischen Wahlkreise eigene Kandidaten aufzustellen.

Diese oberschlefischen Wahlkreise find bisher im Reichstage von elf Zentrumsleuten und einem Konser- vativen vertreten.

— Einen berechtigten Wunsch des Zentrums, für die Seelsorge an Bord der Geschwaderschiffe unserer Marine einen katholischen Geistlichen zu ernennen, hat die Reichsregieruna erfüllt. Das erfreulich ge­stiegene Interesse der Süddeutschen an der Flotte hat die Zahl der Katholiken in den Schiffsbesatzunaen vermehrt Nach der Vermehrung der Stellen für Marin^rfarrer ist jetzt der katholische Geistliche Keil zum Stabe des Linienschiffs .Kaiser Wilhelm der «roße' kommandiert worden. Im UebungSgeschwader werden künftig zwei protestantische und ein katho­lischer Psarrer wirken.

— In Verfolg des Beschluffes der letzten Maurer­versammlung ist gestern in Köln ein partieller Maurerstreik ausgebrochen. Einzelne Unternehmer bewilligten die Forderung der Maurer, eine große Anzahl weigert sich aber, in Unterhandlungen emzu- treten. Eine für heute Abend augelündigte Ver­sammlung der Maurer und der Meister wird Stellnng zu dem gegenwärtigen Stande der Bewegungen nehmen.

— In de» stillen Herrensitze Bennigsen, wo der verstorbene Rudolf von Bennigsen die letzten Jahre seines Lebens, nachdem er sich aus dem politischen Leben zurückgezogen hatte, zubrachte und am Donners­tag so unerwartet aus dem Leben schied, vollzog sich gestern nachmittag die feierliche Beisetzung des Ver­storbenen unter außerordeullich großer Beteiligung aller Bevölkerungsklaffen.

— Der Reichskanzler hat auf der Durchreise Berlin eine Reihe von Vorträgen aus den verschiedenen Refforts entgeaengenommeu und mehrfache Rücksprachen abgehalten. Graf Bülow begibt sich zu zweitägigem Aufenthalt nach Bayreuth, von wo er nach Norderney zurückzukehren gedenkt.

— Der Prinzregent von Bayern hat ä.4. 10. August aus Vorderriß dos vom Kultusminister v Landmann eingereichte Entlaffungsgefuch unter wärmster Aner- knnung seiner mit regstem Pstichteifer und Hingebung geleisteten treuen Dienste genehmigt und den Minister unter Einreihung in die Zahl der Staatsräte im außerordentlichen Dienst bis auf Weiteres in den Ruhestand versetzt. Gleichzeitig wurde der bayerische Gesandte in Wien, Frhr. v. Podewils - Düring, zum Staatsrat im ordentlichen Dienst und zum Kultus­minister ernannt.

— Die Münchener .Corresp. Hoffmann' meldet: Nachdem am 26. v. Mts der einverlangte Recht- fertiguugsbericht des Senates der Universität Würz- bürg beim Kultusminister eingetroffen war, wurde in der Ministerialentschließung vom 9. d. Mts. die vom Rektor und 9 Mtgliedern des Senats abgegebene Protesterklärung nach Form und Inhalt als ungehörig erkannt und ebenso wie die Veröffentlichung, für welche der Senat ausdrücklich die Verantwortung übernommen hat, ernstlich gemißbilligt Bezüglich des Enthebungs­gesuches des Rektors und der beteiligten Senatsmit­glieder wurde in gleicher Entschließung ausgesprochen, daß daffelbe aus dienstlichen Gründen sich zur Ver­tretung an allerhöchster Stelle nicht eigne.

— Die Auswanderung über Hamburg ist in diesem Jahre bedeutend stärler als im Vorjahre. Dom 1. Januar bis Ende Juli haben 80 222 Aus­wanderer, darunter 9 940 Deutsche, ihren Weg über Hamburg genommen, während für den gleichen Zeit­raum des Vorjahres die betr. Ziffer sich nur auf 53 842 bezw. 7179 beliefen.

— Wie nunmehr feftsteht, wird Paul Lindau die Leitung des deutschen Theaters in Berlin übernehmen. Die reichshauptstädtische Preffe verhält sich dazu zustimmend.

— Die sachliche Beratung des Zolltarifentwurss in der Kommission ist nunmehr in erster Lesung be­endet. Heute sollen die sogenannten Verwendungs­anträge beraten werden. Dann tritt die in Aussicht genommene Pause ein, worauf voraussichtlich am 16. September die zweite Lesung in der Kommission beginnt.

— Man schreibt der .Berl. Volksztg.': Bei einer öffentlichen Doktorpromotion, die am 7. d. Mts. au der berliner Universität stattfand, äußerte sich der derzeüige Dekan der juristischen Fakultät über zwei Tatsachen, die über den Kreis der zunächst Beteiligten hinaus Interesse erregen dürsten. Er wies darauf hin, daß Studirende, die mit einem nicht humanistischen Reifezeugniß versehen find, doch zum Jurastudium zugelassen werden müßten; die Berliner juriftistische Fakultät fei aber übereingekommen, solche Herren zum Doktor­examen nicht zuzulassen. Außerdem wies Prof. Echollmeher darauf hin, wie besonders wertvoll der Berliner Doktortittel sei. (?) Andere Universitäten hätten ihre Ansprüche herabgesetzt; es fei vor­gekommen, daß Bewerbern um die Hadilitirung diese versagt worden sei mit dem Bemerken: .JhrDoktor genügt uns nicht.' — Na, na!

— In München verlautet, daß Freiherr von Cramer-Clett der Reichsrat ist, der die vom Centrum im Kultusbudget abgelehnten Mk. 109000 für Kunst­ankäufe des. Staates ans seiner Tasche augeboten haben soll.

— Im Monat Juni b. Js. find auf deutfchen Eisenbahnen — ausschließlich ber bayerischen — 11 Entgleisungen auf freier Bahn (davon 6 bei Personen- zchgen), 11 Entgleisungen in Stationen (davon 3 bei Personenzügen) und 8 Zusammenstöße in Stationen ldavon 2 bei Personenzügen) vorgekommen. Dabei wurden 1 Bahnbediensteter getötet, 9 Reisende und v Bahnbedienstete verletzt.

— Die Frau eines Telegraphenbeamten aus Köln spazierte Vormittags 11 Uhr mit zwei kleinen Kindern 1» Koblenz am Moselufer. Hierbei wurde sie von einew Manne überfallen, der ihr mit einem Stilet

Parlamentarisches.

Aus der Zolltarifkommisfio«.

Die Zolltarifiomrnisfion, in der wieder eickWechsel von 5 Mitgliedern dorgekommen ist, setzte gestern ihre Beratungen mit gemeinschaftlicher Besprechung der Pos. 916, 919 und 920, die Fahrräder und Fahr- radteile umfaffen, fort und nahm diese Pofitronen unverändert an. Zu Pos. 917 wird ein Antrag Herolo angenommen. Pos. 918 und 921 wurden un­verändert angenommen. Unverändert werden ferner angenommen die Pos. 922 bis 925. Damit ist Ab­schnitt 18 erledigt.

In dem nun folgenden neunzehnten letzten W- fchnitt Feuerwaffen, Uhren, Tonwerkzeuge, Kinder­spielzeug werden zunächst die Pos. 926 bis 928 Feuer­waffen nach der Vorlage angenommen. Bei Pos. 929 bis 936, die Uhren umfaffen und gemeinsam be­sprochen werden, beantragen die Sozialdemokraten Allgemein Zollsteiheit.

Staatssekretär Graf Posadowsky und Regierurgs- rat v. Schönebeck verteidigte die Vorlage.

Hierauf werden die Sätze der Vorlage angenommen. Die Pof. 939 und 940, Klaviere, gelangen unver­ändert zur Annahme, ebenso die Pos. 937, 938, 941 bis 945, die weitere Musikinstrumente behandeln, sowie Pos. 946, Kinderspielzeug, die letzte Position der Vorlage.

Es folgt die Beratung des Antrages der Abgg. Bernstein (Soz.) und Gen., dem Tarif einen Abschnitt 20 hinzuzufügen. (Orden, Pos. 947.) Orden find, auch wenn sie von Souveränen verliehen find, nach Beschaffenheit des Materials ohne Rücksicht auf das Gewicht, keinesfalls unter 1000 Mk. das Stück zu verzollen. Abg. Stadthagen (Soz.) begründet den Antrag. Er erklärt, er sei im Zweifel, ob nicht der Zollsatz in diesem Antrag zu niedrig bemeffen sei. Die Zollsteiheit für Orden habe sich contra legem entwickelt. Er wünsche hohe Zölle für ausländische Orden im Interesse der nationalen Produktion und Konsumtion. Nachdem der Redner noch längere Aus- führungen über das Ordenswesen und die Melkest der Ordensträger gemacht hat, schließt er unter stür­mischer Heiterkeit, indem er sich verspricht, mit der Aufforderung, in diesem Falle endlich einmal — Zollfreiheit zu gewähren. Die Debatte wird hierauf geschloffen, ohne daß ein weiterer Redner zum Woxte gelangen konnte.

Hierauf werden die zurückgestellten Positionen beraten. Zu Pos. 174 (Roh-, Rüben- und sonstigen Zucker) beantragt Abg. Dr. Spahn (Centr) eine dem neuem Zuckersteuergesetz entsprechende Gliederung bei der der Zollsatz von 40 Mk. unverändert bleibt. Reichs-Schatzsekretär Frhr. v. Thielmann: Eine solche Bezugnahme auf die Brüsseler Konvention sei keines­wegs geboten. Die Konvention sei ja auch noch gar nicht ratifiziert.

Die Regierungsvorlage totrb dem Anträge Spahn entsprechend abgeändert.

Zu Pos. 175 (Stärkezucker u. s. w.) beantragt Abg. Graf Kanitz (kons.) für Milchzucker einen besonderen Zollsatz von 80 Mk., um die heimische Milchzucker­industrie zu schützen. Der Antrag wird angenommen, im Uebrigen für Pof. 178 die Vorlage Pos. 200 (Zuckerwerk) 70 Mk- wird unverändert nach der Vor­lage angenommen. Pos. 382 Saccharin und andere künstliche Süßstoffe wird auf Antrag Spahn gestrichen. Zu Pos. 383 (Süßholzsaft) begründet Abg. Spahn einen Antrag, in dem er im Allgemeinen den jetzigen Zu­stand austecht erhält. Schatzfekretär Frhr. v. Thiel-

ein? 6 Millimeter breite Wunde in den Unterleib beibrachie. Die Frau wurde zu ihren hier wohnen­den Eltern gebracht. Der Thäter ist noch nicht ge- faßt. Er ist 25—30 Jahre alt, hat ein fahles Gesicht und trug einen grauen Anzug und schmutzigen Sstohhut.

— Aus Hamburg wird gemeldet: Der Unter­suchungsrichter hat nach der Prüfung des Akten­materials Anklage gegen beide Schiffsführer von der Primuskatastrophe erhoben. Termin findet binnen ttirzern beim Altonaer Landgericht statt.

— Ein Soldat des 5. Füsilier - Regiments in Danzig erhielt 10 Tage strengen Arrest, weil er während feines Urlaubs an einem polnischen Vereins- vergnügen teilgenommen.

— Üeber die Reisedispofitionen des Kaisers wird berichtet: Heute am 12. er. wird der Kaiser in Stettin eintreffen und sich nach Neugattersleben und Alten-Grabow begeben, wo Mittwoch und Donners­tag Kavalerie-Exerzieren stattfindet; am Freitag wird der Kaiser in Düffeldorf erwartet. Von dort erfolgte die Weiterreise nach Homburg, später nach Koblenz unK Mainz, wo er im großherzoglichen Palais Wohnung nimmt. Der Großherzog von Hessen wird mit dem Kaiser zusammen eine Truppenschau abhalten. Am 19. findet die Enthüllung des Denkmals der Kaiserin Friedrich in Homburg und am 20. das des Kaisers in Friedrich inCronberg statt. Am 24. wird der Kaiser in Potsdam zurückerwartet Am 25. August vormittags wird der Kaiser der Enthüllung des Rolandbrunnens auf dem Kemperplatz in Berlin bei­wohnen. Nach dem Besuch des Königs von Italien (27.—30.) erfolgt bald die Abreise nach Posen zu den Manövern. Reichskanzler Graf Bülow wird den Kaiser nach Posen begleiten.

— Auf einem Gute in der Nähe von Mettmann geriet der Besitzer mit seinen Knechten infolge von Lohndifferenzen in Worwechsel. Von den Leuten tätlich bedroht, griff der Landwirt zum Jagdgewehr und schoß einen der Knechte nieder. Der Unglückliche war sofort tot Der Gutsherr befindet sich auf freiem Fuße, da die Tat als in Notwehr begangen, ange­sehen wird.

— Die Ankunft des Königs von Italien in Berlin wird am 27. d. Mts., nachmittags 6 Uhr, im Wild­park erfolgen. Zum Empfang des Monarchen werden die sämtlichen in Potsdam und Berlin anwesenden Prinzen souveräner Häuser und die Generalität kom­mandiert. Ans dem Bahnhof Wildpark wird eine Ehrenkompagnie des 1. Garde-Regiments zu Fuß Aufftellung nehmen, während aus der Fahrt vom Bahnhof nach dem Schlosse eine Eskadron Garde- Ulanen die Eskorte abgeben wird. Bei dem am 28. d. Mts., vormittags 10 Uhr, stattfindenden Einzug des Monarchen in Berlin werden die Mannschaften der dortigen Garnison auf der Strecke vom Branden­burger Thor dis zum ZeughauZ Spalier bilden.

— Die Lustjacht des Königs der Belgier .Alberta' ist Sturmes halber in die Weser eingelaufen. Der König besichtigte gestern mittag den Fischereihafen und setzte um 3 Uhr nachmittags die Reise nut der Eisen­bahn nach Bremen fort.

— Der Brüsseler Berichterstatter des .Daily Telegraph' will aus bester Quelle erfahren haben, alle Signaturmächte der Brüsseler Zuckerkonvention würden den Vorschlag Rußlands, eine neue Konferenz einzuberufeu, ablehnen. Zwischen Frankreich, Deutsch­land und Oesterreich-Ungarn schwebten Unterhand­lungen zur Vereinbarung gemeinsamer Maßregeln gegen Rußland, wenn die russische Regierung die An- erkennung der brüffeter Neuregelungen endgiltig verweigert. — Diese Meldung bedarf unserer Ansicht «ach denn doch recht sehr der Bestättgung.

— Der zum ordentlichen Honorarprofessor der berliner Universität ernannte Professor Schiemann war, wie erinnerlich, im Dezember vorigen Jahres gelegentlich feiner Vorlesungen über .die polnische Frage im 19. Jahrhundert' der Gegenstand polnischer Angriffe, die schließlich in einen Krawall im Hörsaal gipfelten und zahlreiche Maßregelungen der beteiligten polnischen Studenten zur Folge hatten.

mann macht vertrauliche handelsPolitischeMitteilungen. Der Antrag Spahn wird angenommen.

Heute ist die erste Lesung des Zolltarifs erledigt. Morgen sollen die Verwendungsanträge sowie der Rest des § 12 des Zolltarifgesetzes beraten werden.

Ausland

Niederlande. Der frühere Staatssekretär Reitz ist mit zwei Söhnen, Lhs und Arthur, die, wie er selbst, den ganzen Krieg mitmachten, im Haag eingetroffen und heute von Krüger empfangen worden, der morgen nach Utrecht zurückkehren wird. Frau Reitz mit ihren übrigen Kindern begrübe sie herzlich. Präsident Krüger wohnte vorgestern dem Gottesdieustin der Dorfkirche zu Scheveningen bei und empfing später Frau Steijn und die Maler H. W. Mesdag und Josef Israels. — Das Allge­meinbefinden Steijns ist zufriedenstellend.

Frankreich. Um einer Bersöhnung die Bahn zu ebnen, hatte der Präfekt des Departe­ment Finistere eine Versammlung der Organi­satoren des Wiederstandes gegen die Schließung der geistlichen Schulen von Lesneven, Plou- daniel, Saint Meen und Lefoloet einberufen, an welcher etwa 400 Personen teilnahmen. In seiner Ansprache erinnerte der Präfekt daran, daß es die erste Pflicht der Franzosen sei, dem Gesetze zu gehorchen. Er wurde ost durch Hochruse auf die Freiheit und die Nonnen unterbrochen. Der Deputierte Abbe Gahraud und Admiral Cuvesville sprachen sich für die Aufrechterhaltung der geistlichen Schulen aus. Am Schluffe der Versammlung erklangen wiederum Hochrufe auf die Schwestern und die Freiheit.

— Der französische Gesandte in Siam, Klobukowski, ist mit dem Dampfer „Australien"' in Marseille eingetrvffen. Derselbe erklärte, die Beziehungen Frankreichs zu Siam seinen keineswegs abgebrochen. Die Schwierigkeiten, die sich Bet den Verhandlungen über gewisse Angelegenheiten herausgestellt hättm, seien durchaus nicht unüberwindbar.

— Der Präfekt hat vier Maires des De­partements Saöne-et-Loire wegen ihrer Haltung in der Frage der Kongregationen ihres Amtes enthoben. -- Der Gerichtshof in Cholet hat zwei Pvtaster, welche die an die Schulen ge­legte Siegel abgebrochen hatten, in conto« mätiam zu 8 Sagen bezw. 1 Monat Gefängnis verurteilt

Belgier». Die Studienreise des Königs der Belgier ngH deutschen und hollänschen Seehäfen in BeAtttmgbes Ministerpräfidenteu hängt, wie bestimmt tofrfcutet, mit dem von dem Könige geplanten Umbau des Antwerpener Hafens zusammen.

— Per in Brüffel Plötzlich verstorbene GörftriÜ Metze» hat sich im Beginne des Krieges einen Namen gemacht, indem er bei dem ersten Einmärsche 8er Buren in Natal und in den Kämpfen am Tugela sich so hervortat, daß die Berichte seine Tätigkeit wiederholt er­wähnten. Ebenso war er auf dem Platze, als es bei der unglücklichen Lage Cronjes am PaaMberge sich um Herbeiführung des Er­satzes handelt». Hier griff der General ebenso energisch tote erfolgreich ein. Wenn es ihm auch nicht geläng, das eingeschloffene Kommando aus her schlimmen Situation zu retten, so ver- daE man doch das Wiederaufleben des Widerstandes zum Teil der Tatkraft des Generals Weyer. Seit jener Zeit ist er in den Hintergrund getreten, möglicher Weise be- einflMt dutch das Leiden, dem er jetzt auf der Reise nach Dresden zum Opfer gefallen ist.

Dituemark. Der dänische Friedensverein hat auf eine an den Konseilpräfidenten Denntzer gerichtete Wreffe, die Regierung möge dafür sorgen, daß Dänemark möglichst gleichzeitig mit Schweden vnd Norwegen sich den übrigen Mächten gegenüber prinzipiell und dauernd neutral erkläre, die Antwort erhalten, daß das Ministerium seine Aufmerksamkeit der An­gelegenheit zuwenden und die erste günstige Gelegenheit nir Lösung dieser Frage benutzen werde. — Wie indessen aus früheren Vorgängen bekannt ist, find die Schweden-Norweger keines­wegs zur Einnahme solch einer neutralen Stell­ung geneigt, und zwar aus guten Gründen. Denn ihr Nachbar, Rußland, würde sich im Ernstfälle sicher blutwenig um die Neutralität Skandinaviens kümmern, zumal wenn keine Soldaten da sind, um sie zu schützen.

England. Der König hielt gestern nach­mittag im Buckhinghampalaste eine Sitzung des Geheimen Rates ab, an der die zurück- treteuden Minister und ihre Nachfolger teil­nahmen. Nach der Sitzung nahm der König eine Investitur vor. Eine zahlreiche Menschen­menge sammelte sich in der Nähe des Palastes.

— Die britische Krönungs-Paradeflotte ist jetzt vollzählig bei Spithead versammelt. 21 Schlachtschiffe, 24 Kreuzer, 23 Torpedoboots­zerstörer und 10 Schulschiffe liegen in 4 Reihen hinter einander verankert. In einer 5. Linie dahinter werden die fremden Schiffe Aufstellung nehmen, von denen jedoch bis jetzt nur die japanischen Kreuzer angekommen find.

— Nach dem letzten Bulletin überstand der König die Krönung sehr gut. Er zeigte wenig Ermüdung und verbrachte die Nacht gut. Das Allgemeinbefinden ist in jeder Hinsicht zufrieden­stellend. Die Veröffentlichung von Bulletins Wied nunmehr eingestellt. — Sämtliche fürst­liche Gäste nahmen am Sonntage am Gottes­dienste und abends am Galadiner Teil.

Rntzland. Amtlich wird bekannt gegeben, daß die fünf Personen, die in Odessa unter pestver­dächtigen Erscheinungen erkrankt waren, genesen find. Zwei neue Erkrankungsfälle waren am 2. und 3. August in Odessa zu verzeichnen.

verzeichnen. Die Krankheft verläuft auch in diesen Fällen befriedigend.

Amerika. Der amerikanische Gesandte Bowen in Caracas telegraphiert nach New- Aork, daß die Deutschen beabsichtigen, Truppen bei Porto Cabello zu landen, da dort deutsche Interessen gefährdet seien. Das Kabinet wies darauf den Kom­mandeur des Kreuzers „Topeka" ebenfalls an, Truppen zu landen. — Der Kommandeur des Kanonenboots „Machias" telegraphiert, daß die Insurgenten über Kap Haitien die Blockade ver­hängten und durchführen.

Marburg und Umgegend

Marburg, 12. August.

* Prrsenalnachrichte«. Ueberwiesen: der Kgl. Regierungsbaumeister Lehmann der Betriebs­inspektion Marburg. — In den Ruhestand ver­setzt: der Zugführer Riechers in Marburg.

* Die 47. Serfammltutg der deutschen geologi­schen Gesellschaft tagte am 10. d. Mts. im Lese- wuseum zu Kassel. Unter anderen waren auch marburger Geologen wie dieHerren Professor Dr. Kayser und Konsul Dr. OchseniuS er­schienen. Dieser begrüßte die Versammelten mit herzlichem Glückauf und wünschte ihnen beste Erfolge für ihre Verhandlungen und guteS Wetter zu den für Montag, Dienstag und Mittwoch in dem geologisch hochinteressanten Hwbichtswald geplanten Excurfionen. Die eigent­lichen Verhandlungen begannen dann am nächsten Vormittage im oberen Saale der Gesellschaft „ßefemufeum" am Ständeplatz. Nach einer längeren Ansprache des Geschäftsführers der Gesellschaft, Geh. Bergrat Herr Pros. Deyschlag- Berlin, wurde als erster Punkt der Tages­ordnung die Wahl des Vorstandes erledigt. Zum Vorsitzenden und Leiter der Verhandlungen wählte man Herrn Geh. Oberbergrift Prof. Dr. Credner-Leipzig, zu Schriftführern die Herren Assistent Drevermann vom geologischen Jnstittft Marburg, Geologe Dr. Stille-Berlin und Geologe Weißermel-Berlin. Sodann wurde die Versammlung von Herrn Bürgermeister Jochmus im Namen der Stadt Kassel, von Herrn Prof. Dr. Hornstein im Namen des Vereins für Naturkunde und des Vereins für naturwissenschaftliche Unterhaltung aufs wärmste begrüßt. Nachdem noch Herr Geh. Oberbergrat Credner den Rednern für ihre herzlichen Worte gedankt hatte, folgten auf eine kurze Pause mehrere wissenschaftliche Vorträge, in denen Prof. Hornstein über Tierfährten im Buntsand­steingebirge, Privatdozent Dr. Blankenhorv» Kassel über die Excurfionen in dem Habichts­wald, Dr. Stille-Berlin über „Das Liegende der unteren Kreide am südlichen Eggegebirge" und schließlich Direktor Dr. Naumann-Frankfurt a. M. über „Kupferschiefer vom Kyffhänser" unter allgemeinem Beifall interessante wissenschaftliche Darlegungen machten. Gegen 1 Uhr erfolgte alsdann der Schluß der Versammlung.

* Führung deS Meistertttels. In einzel-ren Zeitungen wird darüber Klage geführt, daß sich viele Handwerker unberechtigter Weise auf Geschäftsformularen, Reklamen u. s. w. Meister titulieren. Ob dies zutrifft, läßt sich natürlich nur auf Grund praktischer Erfahrungen ent­scheiden. Jedenfalls find die Bestimmungen gerade auf diesem Gebiete so klar, daß Irr­tümer kaum vorkommen können. Wer beim Inkrafttreten der gesetzlichen Vorschriften über den Meistertitel persönlich ein Handwerk selbst­ständig ausübte, ist befugt, den Titel zu führen, wenn er in diesem Gewerbe die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen besaß. Diese Be­fugnis wiederum steht nur denjenigen Personen zu, welche das 24. Lebensjahr vollendet haben, und in dem Gewerbe oder in dem Zweige deS Gewerbes, in welchem die Anleitung der Lehr­linge erfolgen soll, entweder die von der Hm.ch- werkskammer vorgeschriebene oder eine mindestens dreijährige Lehrzeit zurückgelegt und die Gesellen­prüfung bestanden haben oder fünf Jahre lang persönlich das Handwerk selbständig ausgeübt haben oder als Werkmeister oder in ähnlicher Stellung tätig gewesen find. Sonst steht btt Führung des Meistertttels nur denjenigen zu, welche die Meisterprüfung bestanden haben. Es ist demnach kaum möglich, daß Irrtümer Vorkommen.

* Befitzwrchsel. Da Herr Gundlach uns gegen­über erklärt, daß die Nottz betr. den Verkauf seines Hauses nicht wahr fei, so widerrufen wir sie hiermit.

§ Strafkammer. Am 30. Apttl b. I. gerieten in der Wettergasse zwei junge Leute mit einem Studenten in Wortwechsel und schließlich entspann sich eine Schlägerei daraus. Das Schöffengericht ver­urteilte den einen Angeklagten zu 2 Monaten und den anderen zu 14 Tagen Gefängnis. Die Straf­kammer ermäßigte auf eingelegte Berufung hin btt dem elfteren die Strafe auf 1 Monat, während es bei seinem Genossen bei den 14 Sagen verblieb. — Unter der Anklae der Urkundenfälschung stand heute zunächst der 24 Jahre alte Hüttenarbeiter Adam Happel aus Sichertshausen. Ihm wurde zur Last gelegt, unter dem Namen Heinrich Matthäi eine Eingabe an die Staatsanwattschaft gerichtet zu haben, in der er einige Zeugen, die in einen Prozesse gegen ihn zu seinen Ungunsten ausgesagl hatten, des Meineids beschuldigte. Happel war mit noch einigen jungen Leuten zunächst vom Schöffengericht in Fronhausen und später in der Berufungsinstanz am hie» figenLandgerichtwegenKörperverletzungbestraft worden Er kam dabei am schlechtesten weg denn das Urteil gegen ihn lautete auf zwei Monate Gefängnis. Außer einer Eingabe, die mit seinem Namen unter­schrieben war, lies nun aber auch, wie oben erwähnt, ein größeres mit dem Namen Matthäi^ unterzeich­netes Schreiben ein, in dem ausführlich ge­schildert wurde, wie die Zeugen zu Ungunften des Happel besonders die Unwahrheft gesagt hätten. Es folgten natürlich umfangreiche Vernehmungen und das Ende war, daß die Geschichte auf Happel, all den mutmaßlichen Briefschreiber bänaen blieb. Ei»