mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg uud Kirchhain.
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Sonntagsbeilage: Jllnftrirtes Sonntagsblatt.
JVi. 182
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Reclamra: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Sonntag, 10. August 1902.
Erscheint täglich außer mt Som- und Feiertage».
Sonnabends in Marge»- und Abend-AuSgabe.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universität;- Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
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37. Jahrg,
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Die Kündigung der Handelsverträge.
Unser Händlertum, namentlich die Getrttde- spekulantev, befinden sich unter den Fittichen der Caprivi'schen Handelsverträge so wohl, wie die Kinder Israels bei den Fleischtöpfen Egyptens. Die in jenen Verträgen erfolgte Heimbsetzung der GetwdezSlle hat die deutsche Landwittschaft um den Ertrag ihrer Arbeit gebracht, das Brot aber keineswegs verbilligt, den Vorteil hatten lediglich die Getreidespekulante«, die Millionen aus dem Schweiß und Blut der deutschen Landwirtschaft und aus den Taschen der Bwtefler gezogen haben. DaS Jutereffe dieser Herren Millionäre, die auch den größten Teil der liberalen Preffe beherrschen, geht nun dahin, daß die geltenden Handelsverträge einfach verlängert werden. ES ist nun recht bezeichnend für den Einfluß, den das Händlertum auf die öffentliche Meinung und auch auf maßgebende Kreise ausübt, daß, während vor ganz kurzer Zeit noch an allen maßgebenden Stellen kein Zweifel darüber bestand, daß die Handelsverträge mit dem Ablauf des Jahres 1903 außer Kraft treten und daß mit diesem Zeitpunkte neue Verträge an deren Stelle kommen, in denen das Wirtschastsintereffe Deutschlands bester gewahrt wird, heute allen Ernstes die offiziöse Presse uns einzuredeu sucht, daß es selbstverständlich sei, die Verträge zu verlängern und baß der Kaiser das unumschränkte, an nichts gebundene Recht habe, darüber zu bestimmen, ob die Verträge verlängert werden sollen oder nicht. Man sieht aus diesem Umschwünge der Austastung, welchen Einfluß .heute das Großkapital auf die öffentliche Meinung und bestimmte Teile der regierenden Kreise befitzt.
Welches ist nun eigentlich die Rechtslage? In dem zwischen Deutschland und Oesterrerch- Ungarn im Dezember 1891 abgeschloffenen Vertrage lautet der in Frage kommende Paragraph dahin:
.Der Vertrag soll am 1. Februar 1892 in „<raft treten und bis zum 31. Dezember 1903 in Wirksamkeit bleiben. Im Falle keiner der vertragsschließende» Teile 12 Monate vor dem gedachwn Zeitpunkte seine Abficht, die Wirksamkeit des Vertrages aufhöreu zu laffen, kundgegeben haben wird, bleibt derselbe iu Geltung bis zum Ablauf eines Jahres ton dem Tage ab, an welchem der eine oder der andere der vertragsschließenden Teile ihn gekündigt haben wird."
Derselbe Paffus befindet sich auch in dem zwei Jahre später abgeschloffenen Vertrage mit Rußland, bei dem eine zehnjährige Geltungsdauer sestgesetzt worden ist, sodaß auch dieser Vertrag mit dem 31. Dezember 1903 abläuft. Die Händlerpreffe möchte nun aus obiger Bestimmung folgern, daß unser Kaiser allerdings
da» Recht, aber nicht die Pflicht habe, die geltenden Verträge mit Ablauf dieses Jahres aufzukündigen, daß er also auch ohne vorherige Zustimmung des Reichstages ton seinem Kündigunsrecht keinen Gebrauch machen, also den Vertrag von Jahr zu Jahr verlängern könne.
Zunächst muß gegen die Methot» Einspruch erhoben werden, die Person des Kaisers hier in den Vordergrund zu stellen, darin liegt ein staatsrechtlicher Irrtum und eine dem monarchischen Gefühl abträgliche Tendenz. Der Kaiser scheidet in derartigen Fragen aus, au seine Stelle tritt der Reichskanzler, der die Regierungsakte des Kaisers gegenzeichuet und damit die Verantwottung für dieselbm übernimmt. Die Frage ist also so zu stellen, ob der Reichskanzler befugt sei, von der ihm erteilten Vollmacht zur Endigung der Verträge keine« Gebrauch zu machen und somtt die Verträge, die nur auf 12 bezw. 10 Jahre geschloffen wurden, zu verlängern. Das formelle Recht hierzu wollen wir dem Reichskanzler nicht absprechen, selbstverständlich mit der Einschränkung, daß er nicht auf eigene Faust handeln darf, sondern nach Zustimmung des Bundesrats. Der Bundesrat aber wird fich sehr genau ben Inhalt des Vertrages und die Abficht der Gesetzgeber ansehen muffen. Die Verträge find von vornherein auf eine bestimmte Reihe von Jahren zu dem Zweck geschloffen worden, daß mit dieser Frist daL alte Verkehrsverhältnis aufhört. Die Vollmacht zur stillschweigenden Verlängerung der Verträge um ein Jahr ist lediglich eine Eventualvollmacht, erteitt zu dem Zweck, im Notsalle, d. h. um ein handelspolitisches Vakuum zu verhindern, das alte Der- tragsverhältnis einstweilen noch bestehen zu laßen. Diese Eventualvollmacht darf aber nicht mißbraucht werden, um die verfallenen Verträge dauernd w e iterb esteh en zu lass en. Wollte der Reichskanzler den Freihändlern folgen und diese Eventualvollmacht dazu benutzen, die allen Detträge zu einer ständigen Einrichtung zu machen, so wäre das der Konflikt mit dem Reichstage. Der Kanzler muß dem Reichstage Rechenschaft dafür ablegen, aus welchen Gründen er ton der Eventualvollmacht Gebrauch gemacht hat, und stellt fich heraus, daß die Gründe nicht ausreichen, so darf er die Vetträge nicht verlängern, sondern muß ste aufkündigen, andernfalls würbe er fich der Heraufbeschwörung eines Konflikts schuldig machen.
Die Rechtslage ist heute also die, daß unsere Regierung die Wicht hat, au ihrem Teile alles zu tun, um das rechtzeitige Zustandekommen neuer Verträge zu fio-eru und die alten am 31. Dezember cmfzukündigen. Diese Aufkündigung - muß auch finngemäß erfolgen, wenn bis zum
31. Dezember neue Verträge nicht abgeschlossen find. Der Einwand, daß es möglicheweife nicht gelingt, im Laufe des nächsten Jahres neue Verträge zu vereinbaren und daß dann ein Vakuum eintreten könnte, ist hftrfällig. Es bliebe dann immer noch Zeit, ein HandelS- provisorium zu erlaffen, wonach mit Zustimmung des Reichstags die alten Vetträge um ein Jahr verlängert werden. Diesen Weg haben wir England gegenüber gewählt, und er ist der einzig konstitutionelle.
Umschau.
Die Kaiserzusammevknnft vor Reval.
Wir meldeten gestern, daß die Deutschen Revals au den deutschen und rusfischen Kaiser Huldigungstelegramme gerietet hatten. Darauf gingen beim Präsidenten des deutschen Wohl- tätigkeitSvereins in Reval folgende Antworten ein: „Se. Mas. der Kaiser und König lasten Ihnen und dem deutschen Verein in Reval herzlich danken für das freundliche Begrüßungstelegramm und senden beste Wünsche für das Wohlergehen und Gedeihen der deutschen Kolonie. Das Sr. Majestät zum Geschenk gemachte künstlettsch ausgestattete Album mit vortrefflichen Annahmen der Stadt bereitete Aller- höchstdernselben besondere Freude. Se. Majestät beauftragten mich, auch dafür der Kolonie besonders zu danken. Reichskanzler Graf Bülow." „Sietoi, Rhede. Se. Majestät der Kaiser ist gerühtt durch die Begrüßung der in Reval wohnenden deutschen Reichsangehörigen und befahl, in ihrer Person der ganzem Kolonie für die ausgedrückten Gefühle herzlich zu danken. Minister des kaiserlichen Hofes Baron FredettkS." Die Schießübungen der Flotte, der beide Kaiser beiwohnten, dauerten bis gestern morgen 1 Uhr. Die Offizieivmeffen der dienstfreien rusfischen Kriegsschiffe hatten abends die deutschen Kameraden an Bord ihrer Schiffe geladen. VormtttagS 10 Uhr statteten Kaiser Nikolaus und Großfürst Alexis der „Hohenzollern" einen Besuch ab und wurden vom Kaiser Wilhelm am Fallreep empfangen. Sodann begaben fich die Majestäten zur Offizier sm esse der „Hohenzollern", wo der erste Offizier, Kapitän v. Holleben, dem Kaiser Nikolaus für das kostbare Geschenk danlle und ein Hurra auf ihn ausbrachte. Der Kaiser von Rußland erwidette in deutscher Sprache und schloß seinen Trinkspruch mit Hurrarufen auf den deutschen Kaiser. Die Monarchen und Pttnzen begaben fich hierauf an Bord der Jacht „Polarstern" und wohnten von da aus einer Ruderegatta von Booten der rusfischen Kriegsschiffe bei. Nach Beendigung derselben geleitete Kaiser Nikolaus unter einem Ehrensalut von 33 Schuß und den Klängen der preußischen Nationalhymne den hohen Gast
vom „Polarstern" an Bord der „Hohenzollern" zurück und ftrhr selbst sodann nach dem „Standatt" hinüber. Um 1 Uhr fand an Bott» des „Standatt" ein Frühstück statt.
Dabei überreichte der Kaiser von Rußfond dem deutschen Kaiser einen etwa dreiviettel Meter hohen, in Silber getriebenen, reich mit allen in Rußland torkommende» Edelsteinen und kostbaren Petten verzietten Bojarenhelm, deffen Innere- als Rauchservice in Gold gedacht ist, während Kaiser Wilhelm dem Kaiser Nikolaus zur Ettnnerung an die Zusammenkunft in Reval ein Schreibzeug in Gold schenkte.
Nach Beendigung des Frühstücks auf dem „Standatt" hatten die Monarchen eine längere eingehende Besprechung miteinander, sodann geleitete Kaiser Nikolaus den Kaiser Wilhelm nach der „Hohernzollern" und verweilte noch eine halbe Stunde daselbst. Nachdem Kaiser Nikolaus fich auf da« herzlichste vom deutschen Kaiser verabschiedet hatte, befahl Kaiser Wilhelm ein dreimaliges Hurrah für den Kaiser von Rußland. Alle an Bord Anwesenden stimmten begeistett ein. Um 3 Uhr 45 Minuten lichtete, die „Hohenzollern" die Anker. Der Kaiser von Rußland gab seinem hohen Gaste mit dem „Standatt" und dem „Polarstern" bis über die Insel Nargm hinaus vaL ©eleit Beide Kaiserjachten fuhren beim Berlaffen der Rhede nebeneinander. Die anderen Schiße folgten. Die Mannschaften auf allen deutsche» und rusfischen Schiffen standen in Paradeaufstellung, die Kapellen spielten die russische und die preußische Hhmne. Kaiser Wilhelm nahm von der „Hohenzollern" die Flotteuparade ab, wobei alle rusfischen Schiffe einen Ehrensaltut 33 Schuß feuerten. Kaiser Nikolaus begab fich sodann nach Kronstadt.
Die Kaiserzusammenkunst war vom herrlichsten Wetter begünstigt. Diel bernertt wurde, daß die Monarchen ohne Zeugen mehrmals längere lebhafte Unterredungen hatten, und auch mit dem Grasen Bülow und dem rusfischen Minister des AuSwättigen wiederholt konferierten. Es ist zu erwarten, daß die Kaiserzusammenkunft eine völlige Klärung über alle wichttgen politischen und wirtschaftlichen Fragen zwischen den beiden mächtigen Reichen herbeigesühtt hat, und wir hoffen, daß auS ihr für uns günstige Folgen für die Zukunft resultieren werden.
Die Krönung des Königs Eduard.
Die Feiettichkeit, die heute in der Westminster- Abtei, einem einzigen Rahmen für geschichtliche Schauspiele, vorgegangen ist, hat durch ihre Verschiebung nach ben gewaltigen Vorbereitungen, die ein Wettreich dafür getroffen hatte, an Zugkraft und Bedeutung verloren. Sie kann nur mehr in dem Maße stattfinden.
Nachdruck verboten!
D i e K i n d e r.
ß Novelle ton Marie Ber » harfo
Sie, — Kollege! Laufen Sie doch nicht so! Watten Sie! Nehmen Sie mich mit!"
Der Zuruf war nicht zu überhören, gelegen aber schien er dem Dr. Phil. Rothe mcht zu kommen. Er blieb zwar stehen, ruuzette aber die Sttrn und verzog ärgerlich ben Mund. Das konnte der, der ihn» nachkam freilich nicht sehen.
Obettehrer Wenk war fett kaum vier Wochen an das Gymnasium zu H. gekommen. Man hatte ihn aus Westpreußen hergeschickt, ihm die vierte Oberlehrerstelle zugeteilt, er sollte eine tüchtige Lehrkraft fein. Dies zu beweisen, war bisher noch nicht genügenb Zett und Gelegenheit gewesen, doch war es ihm in der kurzen Frist bereits gelungen, fich bei seinen Kollegen einigermaßen unbelteht zu machen. Er fragte Diel, raisonnierte noch mehr, wollte in alle Verhältnisse eingeweiht werden — knr^ man nannte ihn einen unbequemen Nörgler, der seine Nase in alles stecke.
Erwin Rothe, vorläufig noch ohne feste Anstellung, dem Gymnasium zu H, als Hilfslehrer beigegeben, schloß fich der Meinung des Kollegiums an: ihm war Obettehrer Wenk vom ersten Tage an unsympathisch gewesen. Das bürste er fich, als höflicher und gebilbeter Mann, natürlich nicht merken laffeu, aber er behandttte den neuen Kollegen, entgegen feiner sonstigen offenen und liebenswürdigen Att, so kurz und kühl, daß er fich innerlich fragte, ob es denn wirklich möglich sei, ihm feine innere Abneigung nicht anzumerken»
Jetzt machte er fich absichtlich mit einem schmächtigen Bücherpacktt, das er in der Hand trug, zu schaffen, um zu verhindern, daß der Oberlehrer ihn unter den Arm faßte, was et mit Vorliebe tat
„Es fängt an, tüchttg warm zu werden, die Märzsonne wirft schon; uud dabei können Sie so laufen! Na, Sie find ja so dünn wie'n Windhund; wenn Sie erst 'n biffel Fett auf den Rippen werden angefetzt haben, dann wird es mit dem Trabrennen auch anders werden! Uebrigens haben Sie ja garnicht Ihren gewöhnlichen Heimweg eingefchlagen, ftmdern gehen in entgegengefetzter Richtung, — wohin wollen Sie denn?"
„Ich — ach, — ich dachte so, sth könnte noch etwas besorgen, aber jetzt weiß ich doch nicht ob ich's tun werde!"
„Laffen Sie fich durch mich nicht znrück- halten, Bester!" meinte Wenk in gönnerhaftem Ton. „Menn Sie etwa Visite schneiden wollen, . . . k^nah' scheu Sie übttgens so aus. Sie haben ja einen ganz nagelneuen Hut auf; und ben hochmodernen Shlips und die feinen Handschuhe hab ich auch noch nie an Ihnen gesehen. Kollege, Kollege, was ^rt das zu bedeuten?"
Mit einer sehr entschiedenen und raschen Geste knöpfte sich Dr. Roche den offenen Heber* rock zu.
.Garnichts!" entgegnete er kurzweg. „Der Mensch kann doch nicht immer dieselben Sachen an fich tragen!"
„Sie ziehen fich aber sehr patent an, . . . nein, nein, streiten Sie das nicht ab, Kollege, ich hab es bemerkt Ich beobachte alle Kollegen in der Stille schr genau, — und Sie aucht"
„Viel Ehre!"
„Ja, was wollen Sie, — der denkende Mensch muß mit offenen Augen durch die Welt gehen, er kann nur dabei profitieren!" Der Oberlehrer schob nun doch seinen Arm durch den des jüngeren Mannes und schlendette ge- müttich mit ihm die Straße entlang. „Was aber Ihre Vorliebe für moderne Kleidung betrifft, — sehen Sie, ich bin doch älter wie Sie, ich kann es Ihnen ja sagen: ich möchte sie nicht billigen. Wer wie Sie nur so provisorisch als Hilfslehrer beschäftigt wird, noch ohne Anstellung ist und, wie ich gehött habe, auch ohne Vermögen..."
„Bitte, Herr Oberlehrer, — das find doch meine Pttvatverhältniffe!"
„Natürlich find sie das, und Sie müßen fich allein darin zurechtfinden, — ich werde Ihnen nichts schenkend Wenk lachte in sich hinein über feinen tormeintlichen Witz. „Sie brauchen übrigens nicht so förmlich Herr Obettehrer zu mir zu sagen, wenn Sie auch ein halb Dutzend Jahre, oder so, jünger sind, wie ich; nennen Sie mich nur ruhig Kollege. Wir älteren Leute, die wir schon längere Zett im Amt festfitzen, habe» ja die Wicht andern mit gutem Rat unter die Arme zu greifen, und da meine ich: wer für solch' äußerlichen Kram sovitt Geld hinauswirst, der soll fich'S doch zweimal überlegen, ob er fein ferner Erworbenes nicht besser anwenden kann!"
Der junge Philologe schwieg zu btefer im lehrhaftesten Tone torgetragenen Weisheit
„Es tarn noch anderthalb. . . . es kann auch noch zwei bis drei Jahre dauern, ehe Sie die Anstellung fest haben!" ließ fich Wenk weiter totnefonen. „Bis Sie fich da seßhaft mgchx» könnmt — Sie haben zwar immer
meine Frage, ob Sie verlobt find, mit Nein beantwortet —"
„Mit Fug und Recht? Ich bin nicht verlobt!"
„Und wenn Sie auf mich hören, so bleiben Sie fürs erste frei! Die Anfangsgehälter find nicht derattig, — zumal, wenn jemand die Torheit begeht, ein armes Mädchen zu wählen — doch man einen Hausstand gründen könnte. Heutzutage da gehött recht Vitt zum Leben, ba8 tonnen Sie mir dreist glauben."
„Ich glaub' es schon!" warf Rothe etwa» ungeduldig hin.
Die beiden Herren waren inzwifchen in die Schützenstraße eingebogen. Hier standen hübsche, neue Häuser, die meisten waren in einem gefälligen Dillenstil erbaut und hatten Beine Dorgättchen unter den Fenstern. Dr. Rothe wußte eS ganz genau: da drüben lag Nummer achtzehn, und am dritten Fenster, Hochparterre, dott, wo die schöngewachsene Phönix steht — da sitzt um diese Zett immer jemand am Fenster, — jemand, ben man sehr genau kennt und folglich auch grüßen muß. Aber lärm man denn das jetzt tun, — eben jetzt, da der liebe Kollege Wenk einem zur Seite geht und so wohlmeinende Dotträge über leichtsinnige Verlobungen unbemittelter, unan gestellter Lehrer Hütt?
Erwin wollte ben Kopf wegdrehen, wollte garnicht hinschen. Aber wenn sie da nun wirklich saß — und es war zehn gegen eins zu wetten, daß sie es tat! — was sollte sie von ihm denken? Es war ihm nicht gleichgültig, was sie von ihm tochte, sie sollte die allerbeste Meinung von ihm haben, die ein sterblicher Mensch nur fassen formte!
(Fortsetzung folgt)