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mit dem Krnsblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllnsteirtes Sonntagsblatt.

Jti 188 1

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Ml., Erscheint täglich außer <m Sonn- und Feiertagen,

bei allen Postämter« 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld). rkHUVUI IJ Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe.

Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg. ^nttttPrSfiTA J7 SMltmtfi 1 Qf>9 Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei Reelamen: die Zeile 25 Psg. Ä/UHWlöluy, »«. XUXJA. Marburg, Markt 21. - Telephon 65.

37. Jahrg.

Ist der Getreideterminhandel in Berlin unterdrückt?

Die Vorgänge im Haferterminhandel an der Berliner Börse tm Mai d. I., die den klassischen Beweis für die Fortexistenz des Getreidedifferenz­spiels in Berlin erbrachten, sind noch in aller Gedächtnis, und schon erbrachte der Julitermin bei Roggen eine erneute Bestätigung in gleicher Richtung. Wir folgen den gewiß unverdäch­tigen Bekundungen des »Berliner Tageblattes". In besten HandÄSteil war zu lesen:

Am 26. Juli: »Im Roggenmarkt machen sich Schwierigkeiten in der Regulierung der per Juli laufendenVerkaufSpverflichtungen bemerkbar. Ein Besuch, zwischen den Parteien eine Regu­lierung auf der Basis von j58 bis 160 Mark herbeizuführen, blieb heute vergeblich, indem von der einen Seite dieser Preis als zu hoch angesehen wurde, und die andere Partei es ab­lehnte, unter diesen Preis herabzugehen. Die heutige Notierung lautete ca. 163 Mark. Die obenerwähnten Schwierigkeiten sür den Juli­termin rühren im Wesentlichen daher, daß die Verkäufe in Roggen schon seit einiger Zeit von Mühlen effektiv abgenommen wurden und neuer­dings die Witterungsverhältniffe eine Verzögerung ber Roggenernte in Aussicht stellen."

Dann am 28. Juli: »Als nun auch Sachsen sich wieder aufnahmefähiger für Getreide zeigte, und die hiesigen Mühlen infolge des Mehlabsatzes ebenfalls einen sehr regen Verkehr nach greif­barer Ware bekundeten, lichteten sich die hiesigen Bestände schnell. Hierdurch war denjenigen, die im Hinblick auf die an sich günstigen Ernte­aussichten Vorverkäufe vorgenommen hatten, die Deckung ihrer Verkaufsverpflichtungen er­schwert."

Und endlich am 29. Juli: »Juli-Roggen wurde heute infolge des Bedürfniffes nach weiteren Deckungen ca. 4,75 Mk. höher. Nach Schluß der Börse wurden die schwebenden Engagements aus Basis von 160 Mk. glatt gestellt."

Mit anderen Worten: Wie seiner Zeit in Hafer, so halten die berufsmäßigen Spieler auch in Roggen Blanko-Verkäufe vorgenommen, in der Erwartung, der Bedarf nach effektiver Ware werde hinter dem späteren Effektiv- Dorrat zurückbleiben und es würden sonach die Spielpartner am Regulierungstermin nicht Ware verlangen, sondern auf Differenz regulieren. Wie damals im Hafergeschäft, so verlangten die Partner aber auch jetzt im Roggengeschäft zunächst Ware, trieben so die ungedeckten Ver­käufer in die Enge und damit den RegulierungS- preis bis auf 160 Mk. hinauf. Dann erfolgt die »Einigung". Die Käufer verzichteten end­lich auf die Ware und sackten statt des an-

geblich so dringend benötigten Roggens ruhig ihre hohen »Differenzen" ein. Die »Deutsche Agrarkorr." wirst diesen Tatsachen gegenüber die Frage auf:

Kann man solche Spieldifferenzen auch zu Brotmehl vermahlen? Kann man angeblich so stark gewesene Bedürfnis deö Haussiers nach Effektivgetreide wirklich durch Surrogat des Spiel­gewinnes volkswirtschaftlich befriedigen ? Offenbar ebensowenig, wie man, wenn zufällig die Trümpfe der blanko operierenden Baissiers sich als stärker erwiesen hätten, und so der Preis am Stichtage auf 150 oder 140 Mk. geworfen worden wäre, die dann zur Abwechselung für die Verkäufer resultierende Geminndifferenz als ein volkswirt- schaflich nützliches Surrogat für effektiven Ge­treideverbrauch hätten betrachten können.

Vielleicht hat der Börsensachverständige des »Berliner Tageblattes" die Güte klipp und Kar zu sagen:

Erstens: Welcher Unterschied besteht zwischen den Maivorgängen im Hafermarkt und den jetzt selber bekundeten Vorgänge im Juli Roggen­markt einerseits, und dem durch das Börsengesetz vom 12. Juni 1896 verbotenen »Getreidebörsen- termingeschäst?"

Zweitens: Warum behauptet die Börsen- preffe immerfort, es bestehe kein Terminhandel in Getreide mehr?

Drittens: Wie will dasBerl. Tageblatt" die Fortexistenz einer durch Reichsgesetz ver­botenen Handelsgeflogenheit rechtfertigen?

Umschau.

Vom deutschen Müllerbunde.

Am vergangenen Sonntag hielt der deutsche Müllerbund in Meißen eine starkbesuchte Ver­sammlung ab. Der Schriftführer des Bundes Th. Fritsch aus Leipzig, erstattete Bericht über die Tätigkeit und Ziele des Deutschen Müller- bundeS und erläuterte zuerst die Ursachen, welche die mißliche Lage in der Müllerei heraufbe­schworen haben. Schuld daran tragen zum Teil die Müller selbst, weil sie sich nicht um ihre Interessen gekümmert haben. Dagegen haben die Riesenmehlfabriken, die im Laufe der letzten 20 Jahre an den Hafenplätzen und schiff­baren Wasserstraßen entstanden sind, die Gesetz­gebung fortwährend zu ihren Gunsten beeinflußt. Nur in Folge dieser gesetzlichen Vergünstigungen und nicht etwa durch ihre angeblich technisch befferen Werke sei es den Riesenmehlfabriken möglich geworden, bereits ein Fünftel der Mehrproduktion im Reiche an sich zu reißen und dadurch eine er- drückendeKonkurrenz in derMüllerei hervorzurufen. So haben die großen Hafenmühlen in den Jahren 1896 bis 1900 jährlich etwa 2Vs Millionen Mark an

Zoll zurückvergütet erhalten. Dadurch waren sie in den Stand gesetzt, einen lähmenden Preisdruck auf dem Mehlmarkte auSzuüben, und hierdurch wurden auch die Getreidepreise in den betreffenden Jahren in unsinniger Weise niedergedrückt. Leider find die Landwirte in ihrer Not vielfach falsch vorgegangen, indem sie irrtümlich die Keinen und mittleren Müller als ihre Feinde ansehen und ihnen jeden Verdienst zu schmälern suchen. Die Landwirte sollten sich die mittleren und kleinen Mühlen als die natürlichen Abnehmer ihrer Produkte zu erhalten suchen. Müllerei und Landwirtschaft find aufeinander angewiesen, denn sie haben gemeinsame Feinde zu bekämpfen. Der Landwirt braucht dm Müller als Ab­nehmer seiner Produkte und der Müller wieder den Landwirt als Ab­nehmer seiner Fabrikate. Der deutsche Müllerbund ist nun feit seinem Bestehen eifrigst bemüht, die Jntereffm der Keinen und mitt­leren Mühlen vor der Oeffentlichkeit zu vertreten und Abhilfe zu schaffen. Es ist ihm dies auch schon in manchen Punkten gelungen. Aber noch bleibt vieles zu tun übrig, denn, waS in Jahrzehntm versäumt wurde, kann nicht in kurzer Zeit wieder eingeholt werdm. Die Pflicht aller Müller sei es aber, diese Arbeit des Bundes zu unterstützen. Um der schranken­losen Gewerbefreiheit mit der Zeit die Spitze abzubrechen, sei es nötig, daß überall Zwangsinnungen geschaffen und für künf­tige Zeit der Befähigungsnachweis er­strebt würde. Durch das Abkommen mit der Haftpflicht - Verficherungsgesellschast »Zürich" genießen die Mitgli-der des Bundes eine er­hebliche Prämien ernutßigung bei der Versicher­ung gegen Haft flicht, die bis 25 Prozent der Normalprämie beträgt. Auch strebe der Bund die Bildung von Ein- und Der- kaufsgenossenschaften an, durch die sich die Klein- und Mittel-Müller einerseits die Vorteile billigeren Einkaufs von Kleie und Mühlenbedarfsartikeln verschaffen können, andererseits aber auch eine bessere ein­heitlichere Preisregulierung ihrer Fabrikat» erreichen. Zum Schluß ermahnte Herr Fritsch die Müller, nicht zu verzagen und sich durch die mißlichm Zustände nicht ent­mutigen zu lassen, sondern treu zum Bunde zu halten und tätigen Anteil an der Gesundung der Müllerei zu nehmm.

Die Fahrt nach Reval.

Das Kaisergeschwader soll programmäßig heute morgen 9 Uhr in Reval ankommm. Ueber die Fahrt liegt ein Telegramm auS Memel vor, des Inhalts, daß die Kaiserhacht Hohenzollern" nebst den SchiffenPrinz

Heinrich",Nymphe" undSleipner" gestern Mb 9 Uhr in Memel in Sicht kamen. Die Schiffe fuhren sechs Seemeilen von der Küste entfernt bei ruhiger See und ziemlich Karem Wetter vorüber. Kaiser Nikolaus ist bereits gestern vormittag 11 Uhr an Bord feiner Dacht .Standart" auf der Rhede von Reval eingetroffen. Kaiser Wilhelm wird bei seiner bevorstehenden Anwesenheit auf der Rhede in Reval auch Gelegenheit nehmen, der rusfi- scheu Marine ein Geschenk zu überreichen. An Bord derHohenzollern" befindet sich ein prachtvoller Pokal, welchen der Monarch der nssfifchen Marine widmen wird. DaS Geschenk ist nach Angaben des Kaisers auS Silber ge­arbeitet, mit reichen Ciselierungen geschmückt und mit einer entsprechenden Widmung versehen.

Zu der heute bevorstehenden Zweikmser- zusammeukunst schreibt dieNordd. Allgem. Ztg." in offiziösen Lettern an erster Stelle M Folgende:

»Seine Majestät der Kaiser und tiuuiii u. während der nächsten Tage als Gast Seiner Majesw. des Kaisers Nikolaus in den russischen Gewaffern weilen. Durch diese neue Zusammenkunft der be­freundeten Herrscher wird der Besuch erwidert, deuKaiser Nikolaus im September v. I. unserm Kaiser bei dm Flottenmanövern in der danziger Bucht abgestattet hat. Im Laufe der damals gemeinsam verlebte« Tage haben beide Monarchen den Wunsch ausgedrückt, sich in diesem Jahre an der russischen Käste in gleicher Weise zu begegnen.

Zu unserer Befriedigung gehl der Wunsch nun­mehr in Erfüllung. Für Seine Majestät den Kaiser ist es eine besondere Freude, den edlm russisch« Herrscher, mit dem er sich durch Gesinnungen von wechselseitiger Herzlichkeit verbunden Weitz, begrüßen zu können. Die Beziehungen Deutschlands zu Rutzland haben sich feit dem letzten Beisammensein der Souveräne so günstig fortentwickelt, wie es der Abwesenheit jeder volttschen Reibungsfläche zwischen beidm Reichen ent­spricht. Die allgemeine Lage kann einen abermaligen vertraulichen Gedankenaustausch zweier mächtiger Monarchen, deren Politik für die Erhaltung des Friedens vor allem ins Gesicht fällt, nur willkommen erscheine» lasten. Diese Aussprache wird durch die Unterredungen eiflänjt, zu denen als Teilnehmer an der Begegnung ihrer Souveräne der deutsche Reichs­kanzler und der russische Minister des Aeutzeren ®e- legenheit haben werden. Graf Bülow folgt einer von Kaiser Nikolaus gegebenen Anregung, wenn er, wie im vorigen Jahr, mit dem Grafen Lamsdorff, dem bewährten Leiter der russischen Politik, in un­mittelbaren Verkehr tritt. Mr zweifeln nicht, daß diese persönlichen Berührungen der Herrscher und der Staatsmänner das durch keinerlei politische Streit» punkte verdunkelte sreundnachbarliche Einvernehmen zwischen Deutschland und Rußland befestigen und fördern werden."

Die abgeänderten Vorschrift»» übe» die Prüfung der Tierärzte.

Der Beschluß des Bundesrats betreffs Ab­änderung der Vorschriften über die Prüfuna der Tierärzte hat folgenden Wortlaut: Aus Grund der Bestimmungen in § 29 der Gewerbe­ordnung für das Deutsche Reich hat der Bundes­rat beschlossen: An Stelle der §§ 5, 27 und

82 (Nachdruck verboten.)

Eine Geldheirat.

Storno» von L. Haidheim.

Kortsehuug.)

Wer war daL?" hatte UHa erregt gefragt. ,88er saß neben Fräulein Serano?"

Der Marchese Belriva, Ulla. Kennst Du beim die junge Dame?" lautete seine geloffene Antwort, aber feine Augen hefteten fich forschend und gespannt auf die Ullas. Offenbar über­raschte eS ihn, daß fie die Existenz Anitas kannte, von der fie doch niemals gesprochen.

Anna sah, daß Ma sehr rot wurde. Um Fritz abzulenken, fragte sie »eitet: »Und wer waren die älteren Damen?"

Madame Serano und die Prinzesfin Mathilde von W. die Mutter des Marchese."

Er sah nachdenüich aus, aber keineswegs erregt durch den Anblick eines Rivalen.

»Kennst Du den Marchese, Fritz?" fragte Ma.

Er lachte. »O ja, fchr gut sogar. Wir waren in Metz zusammen, befreundeten uns innig und nahmen hier die herzlichen Bezieh­ungen wieder auf."

Wie seltsam, daß Du ihn nie erwähntest!"

Ach, daS hatte seine besonderen Gründe, die aber, wie mir scheint, jetzt Wegfällen. Uner­klärlich ist mir die Geschichte aber doch!" fetzte er dann wie zu fich sÄbst hinzu.

Damals hatte man nicht weiter über das heikle Thema gesprochen; hätte man es aber auch gethan, Frau Anna von Glaichen würde heute nicht Zett gefunden haben, darüber nach- äubenten, denn «ne Droschke rollte heran, st> Hhueü die Pferde lausen wollten.

Sie fuhr jäh herum. Der Wagen kam von der entgegengesetzten Seite.

Gewiß Nachricht! Ja! Der Wagen bog in den Garten ein er rollte die Rampe hinan.

Sie flog die Stufen herab ins Vestibül weiter, vor die Thür und gerade, als sie darin erschien, war ein Herr ans dem Wagen ge­sprungen aber nicht Schragett O Himmel daS war ja

»Hans? HanS? Du?"

Sie stauen voreinander, eine Sekunde wie erstarrt, scheu und bang aneinander vorbei sehend.

Aber gleich darauf hatte Anna schon gerufen: Du bringst mir Nachricht, Hans?"

Nicht schuldig! Freigesprochen!" rief er in ihre Wotte hinein und beiden hötte man daS HerzKopfen an.

»Wetter! Wetter! Wie geht es ihm? Wie nahm er eS auf?"

Weiß nicht! Ich hörte nur das eine Wort der Erlösung und stürme fort hierher wo ist Ma?"

Wie gut von Dir! Ich danke Dir, Hans! Und ich bin froh, Dir auch für des VaterS Rettung danken zu dürfen," sagte fie in der alten stürmischen Weise, die er nie,an ihr ge­mocht.

Damals freilich damals verband fie diese laute heftige Att zu reden, allemal mit stürmi­schen Zärtlichkeiten. Heute stand fie ihm fast als eine Fremde gegenüber. Diese hagere, große Gestalt mit dem groben Knochenbau er­innerte kaum noch au die jugendfrische Anna Wolziu, die einst sei« Brant wurde. Nur ihre Stimme war dieselbe, selbst ihre jetzt sehr tief» liegenden Augen waren ganz verändert.

Und doch

Er hatte ihre Hände geküßt, nicht wie ein galanter Herr, sondern wie ein demütiger Mann, der, obwohl reuig, kein Wott der Abbitte findet.

Wie er gealtert war! Wie grau sein Haar! Und er hatte ihren Vater gerettet! Hatte ge­sucht und gesucht, bis er alle allen Briefe und Papiere durchstöbert und dann endlich die wich­tigsten fand!

Sie hatte ihn ins Haus gezogen. SM folgte er ihr die Treppe hinauf, tote ein ver­irrtes Kind.

Dott im Zimmer sah er fich wie verloren um, seine Lippen bebten, er konnte nicht sprechen. Plötzlich lag er tot ihr auf den Knieen, barg sein Gesicht auf ihrer Hand und ries, außer sich vor Wehmut und Dankbarkeit immer nur: Anna! Anna! Anna!"

.Armer Hans!" sagte fie weich.Armer Mann!"

Sie zwang ihn, fich zu erheben, und schob ihm einen Seffel hin.

Wir wollen nicht an Vergangenes rühren, Hans! Erzähle mir von meinem Vater."

Ich kann nidjts erzählen", sagte er leise und furchtbar etschüttett.Ich habe nichts gesehen, auf nichts geachtet, als auf Deinen Vater. Wie ein aller König stand er da stolz und jeder Zoll der Mann, der er einst gewesen. So sieht die Rechtschaffenheit aus, die Ehtenhastigtoit, des Kaufmanns höchstes Gut! Und so toartete er stehend, hoch aufgerichtet, auf fein Urteil.Nicht schuldig!" hallte eS in die Totenstille. Da flog es Wer sein Gesicht wie Verüürung. Ein Schrei, ein Jubelruf ging durch den Saal, alles stürzte herzu, ihm die Hand zu drücken die ersten waren der Präfideut mrd die Richter und ich lief fort,

Anna, ich dachte an Dich ich hoffte, Ma Herausrusen kaffen zu können"

Es ist ja beffer so, HanS! Ich danke Dir tausend-, tausendmal!"

Ich habe soviel gut zu machen, Anna!"

Still, HanS! Nichts wecken! WaS tot ist ist tot. Du, Hans, warst mir auch tot! Mein Herz hat abgeschloffen mit allem Ver­gangenen tot ist mein Gatte tot der Schmerz tot Haß und Groll und Deine arme Hilde ist auch tot. Ich habe ihr das Glück nicht mehr fceneibet, Hans, und hätte ihr gegönnt, bei Dir zu bleiben! Denn sieh, Hans, fühlst Du nicht, daß ich Dir nicht mehr böse bin? Ich habe alles einsehen gelernt! ein guter, edler Mensch hat mich gelehtt, zu verstehen und zu vergeben. Du konntest ja nicht dafür, HanS, daß fie so schön und liebenswürdig war l Du mußtest fie lieben wegen der Sympathie, die euch zu einander zog, und ich ich war es ja selbst, die Euch zu einander zog, und ich war es ja selbst, die Euch trotz Eures Wieder­strebens zusammen zwang!"

Er sah fie scheu an, wie ein unbegreifliches Rätsel.

Wie fremd war fie ihm? War fie es ge­worden oder immer gewesen?

Du bist viel zu gut, Anna! Du darfst eS nicht fein, ich ertrage es nicht! Glaube mir, selbst Deine unendliche Güte nimmt mit die Last nicht vom Herzen," sagte er finster.

Laß es ruhen, Hans! Du bist der, welcher meinen armen Vater gerettet! Der alte Mann hätte die Schmach ja nicht ertragen können!"

(Fortsetzung folgt)