mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
SonrrtagsbeUager Jllttftrtrtes Sonntagsblatt.
M 184
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Marburg
Sonnabend, 2. August 1902.
Erscheint täglich außer an Soun- und Feiertagen. Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe.
Druck trab Verlag: Joh. Aug. Koch, Univerfitats - Buchdruckers Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
37. Jahrg.
Mittag-Ausgabe.
Die Wuppertaler Schwebebahn.
Die elektrische Schwebebahn Vohwinkel- Elberfeld-Barmen, die fortgesetzt die größte Aufmerksamkeit nicht nur des großen Publikums, sondern insbesondere der Fachwelt hervorrust, Wa8 die vielen Exkursionen aus allen Gegenden des Inlandes und auch des Auslandes beweisen, rückt ihrer Vollendung immer näher. Auch Verbesserungen, die sich inzwischen auf der in Betrieb befindlichen Strecke als wünschenswert erwiesen haben, find vorgenommen worden. Einzelne nähere Angaben darüber werden weitere Kreise interesfieren.
Die ganze Strecke von Vohwinkel bis Barmen-Rittershausen hat eine Länge von 13 300 m. Davon wurde im März v. I. zuerst die 4500 m lange Teststrecke Elberfeld-Kluse bis Elberfeld-Zoologischer Garten eröffnet. Einige Monate später erfolgte die Eröffnung der Teilstrecke Zoologischer Garten-Sonnborn-Vohwinkel von rund 3000m Länge. Der Rest der Strecke von Elberfeld-Kluse bis Barmen-Rittershausen, rund 6000 m lang, ist bis auf rund 1300 m jetzt gleichfalls fertig. Von diesen 1300 m entfallen auf Unterbarmen ca. 200 m, auf Mittelbarmen ca 350 m und auf Barmen - Rittershausen 750 m. In Unterbarmen arbeitet die Dortmunder Union, in Mittelbarmen die Gesellschaft Harkort in Duisburg, in Rittershausen die Gutehoffnungshütte in Sterkrade. Da nach dem 1. November keine Pfähle (auf denen die Baugerüste errichtet werden) in die Wupper getrieben werden dürfen, wird die Gutehoffnungshütte die noch von ihr herzustellende Strecke von einem zweiten Punkt aus in Arbeit nehmen. So wird es gelingen, bis zum 1. November den gesamten Oberbau zu vollenden. Bis zum 1. Februar n. I. sollen dann auch die sämtlichen Haltestellen, die zum Teil schon in Angriff genommen find, fertiggestellt werden, sodaß danach die Betriebseröffnung der ganzen Strecke bis zum Endpunkte Barmen-Rittershausen erfolgen könnte, vielleicht schon am 1. März. Ein sehr empfundener Uebelstand, das starke Geräusch der Wagen während der Fahrt, ist fast ganz beseitigt. Ein weiterer Uebelstand, langsame Pendelschwingungen der Wagen, die bei vielen Personen Schwindel erregten wie bei einer Seefahrt, ist gleichfalls ziemlich beseitigt, bei Zu gen von mehr als einem Wagen durch eine Erfindung des Oberingenieurs Schmitz sogar völlig. Man hofft, daß es gelingen wird, auch bei Einzelwagen jede unangenehme Schwingung zu verhindern. Sobald der Betrieb auf der ganzen Strecke eröffnet sein wird, wird die
(Nachdruck verboten!
Nach Brasilien.
Reisebriefe von Tanera.
Rio de Janeiro.
Ich weiß nicht recht, warum ich mir von Rio so wenig erwartete. Ich stellte mir unwillkürlich eine Stadt vor, wie ich fie in Indien und in den östlichen Tropen kennen gelernt hatte, d. h. ein mehr oder minder elegantes Europäerviertel und ein recht schmutziges Natives Quarter. Da8 fand ich nicht. Dagegen aber eine recht intereffante Stadt, die ich in Beziehung aus das Straßenleben mit Neapel oder Lissabon vergleichen möchte. Vor ersterer hat jedoch Rio eine weit größere Reinlichkeit und vor beiden die unvergleichlich schönere nächste Umgebung voraus. Von der weiteren werde ich später sprechen.
Ich fuhr von der guten „Halle' an Land. Wie schön liegen verschiedene Inseln, besonders die das Kobras vor der Stadt. Man steigt beim großen Zollgebäude, der Alsandega auf einen festen Quai. Neger und Mulatten, brafilianische und fremde Weiße drängen fich ebenso herzu, um das Gepäck zu tragen, wie an der Macolatella in Neapel. Aber fie find in Rio de Janeiro nicht so unverschämt, wie ihre neapolitanischen Kollegen. Bon mir ließen fie bald ab, weil ich nichts bei mir hatte. Ich wandelte durch eine breite Straße, geführt von liebenswürdigen Landsleuten, die mich schon an Bord abgeholt hatten, nach der inneren Stadt. Welch' schöne Bauten erschienenl
„Was ist das für ein großartiger Palast, der hier fast fertig steht?'
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Schwebebahn-Gesellschaft bei der Eisenbahndirektion um die Erlaubnis einkommen, die Fahrgeschwindigkeit von 30 auf 50 km pro Stunde erhöhen zu dürfen. Daß der ruhige Lauf der Wagen durch eine Geschwindigkeit von 50 km pro Stunde nicht im geringsten beeinträchtigt wird, ergiebt fich aus einem Gutachten drei hervorragender Fachmänner, des Geh. Rats im königl. sächsischen Ministerium zu Dresden, dr. ing. K. Köpke, des Geh. Regierungsrats und Professors an der kgl. technischen Hochschule zu Berlin A. Goering, und des Regierungs- und Baurats bei der kgl. Eisen- bandirektion in Hannover v. Borries. Es heißt: „Am 18. April d. I. wurde im Beisein der Unterzeichneten mittels Durchfahrens einzelner Haltestellen die Geschwindigkeit, die sonst zwischen nahen Stationen 40 bis 37 km erreicht, auch in Krümmungen von 90 m Halbmesser auf 40 bis 50 km gesteigert, ohne daß eine Verschiedenheit der Bewegung zwischen Kurven und Geraden zu empfinden war. Ein auf dem Fußboden des Wagens stehendes Trinkglas, mit Wasser bis etwa 12 mm unter dem Rande gefüllt, hat auf der ganzen Rundfahrt nicht einen Tropfen verloren. Die Bewegungen der Oberfläche de8 Wassers waren vielmehr so unbedeutend, daß der Rand des Glases nicht einmal erreicht wurde. Dieser kleine Versuch zeigt deutlich die ruhige stoßfreie Bewegung der Wagen." Weiter sagen die drei Fachmänner, „daß die Ausführung der Bahn nicht nur allen billigen Ansprüchen vollauf genügt, sondern auch rasch ein bei der Bevölkerung beliebtes, vielbenutztes und durchaus leistungsfähiges Verkehrsmittel geworden ist." Der Wagenpark wird von 26 aus 60 Wagen vermehtt werden, auch sollen statt der bisherigen Züge bis zu zwei Wagen, Züge bis zu drei Wagen gefahren weü>en. Jeder Wagen faßt 46 Personen, die Züge aus zwei Wagen fassen 96, die aus drei Wagen 146 Personen. Da die Zugfolge bis auf 2i/z Minuten gemindert werden kann, so können event. (24X146=) 3504 Personen in der Stunde in jeder Richtung, zusammen also 7008 Personen befördert werden und zwar ohne Ueberfüllung der Züge. Diese Leistung wird für absehbare Zeit genügen. Die Kosten des Bans, auf 10 Millionen veranschlagt, werden voraussichtlich 131/, Millionen Mark erfordern. Somit kostet, da die ganze Bahn 13,3 Kilometer lang ist, jeder Kilometer 1 Million Mark.
Die Schwierigkeiten dieses umfangreichen Bahnbaues, der einschließlich Bahnhöfe und Wagenhallen eine Eisenkonstruktion von 18000 t Gewicht erfordert, lassen fich nach dem Umfange der Zeichnungen bemessen, die anzufertigen waren. Nicht weniger als 6000 Blatt Entwürfe und Winkelzeichnungen waren nötig. Darin find die Schablonen für die Werkstätten nicht einmal enthalten. Für die Kaiser Wilhelm-Brücke in
„Die neue Börse. Man baut erst seit 1889 daran."
.Wie, seit 1889?'
„Ja. Seit der Errichtung der Republik hat man verschiedene riefige Projekte in Angriff genommen. Dann ging das Geld zum Weiterbauen aus, man unterbrach die Arbeit und wird nun nie fertig werden. So baut man an dem größten Kriegsschiff, das Sie im Hafen sahen, seit 15 Jahren. Es kostet schon an 40 Millionen Mark, kann aber noch nicht laufen, denn die Maschinen taugen nichts. Bis jetzt hat es nur verschiedene Lieferanten reich gemacht, befitzt aber sonst gar keinen Wert. Allein die Brafilianer wollen nichts im Ausland bestellen, und selbst können fie es nicht fertig bringen. So geht eS mit Vielem." —
Run war ich klar. Neben der unfertigen Börse steht aber doch ein schöner, vollendeter Bau, die Post. Wir bogen jetzt in die wichtigste Verkehrsstraße ab, in die rua do Ouvidor. Sie ist wie alle Straßen der unteren Stadt sehr eng. Aber fie zeigt eine Menge hocheleganter, ja großartiger Geschäfte. So habe ich die Buchhandlung unseres deutschen Landsmannes Matt- seldt besucht und kann den Herren zu Hause sagen, daß ich in ganz Deutschland keinen Buchladen weiß, der diesem nur annähernd gleich käme. Dagegen kommt nicht einmal der größte Berliner Buchladen (Gsellius) auf. Ich sah Konfektionsgeschäfte, Konditoreien, Herrengar- derobeläoen, ja sogar Magazine mit kunstgewerblichen Gegenstängen, die in Berlin und Paris ebenbürtig bestehen könnten. Kurz ich befand mich in dieser Beziehung in einer echten Großstadt. Ehe ich weiter von ihr spreche, muß ich aber eine Sitte erwähnen, die gelinde gesagt.
Müngsten waren „nur" 700 Blatt Zeichnungen erforderlich. An der genannten Brücke haben nur 15 bis 20 Ingenieure gearbeitet, an der Elberfelder Schwebebahn dagegen ist seit Herbst 1897 fortwährend ein Stab von 35 bis 40 Ingenieuren thätig gewesen. „Rh. W. Z."
Umschau.
Eine französisch-russische Entfremdung.
Einem Korrespondenten des „Büreaus Laffan' erklärte eine hochgestellte russische Persönlichkeit, daß man in Petersburg mit wachsender Besorgnis den gegenwärtigen inneren politischen Zustand Frankreichs verfolge. Die Art, in welcher der neue französische Ministerpräsident Combes das Gesetz gegen die Kongregationen beziehungsweise die Schulschwestern durchführe, habe an maßgebender Stelle des Zarenreiches einen sehr üblen Eindruck gemacht. Man glaubt, daß die politischen Gegensätze, welche sich vor dem Fortgänge Waldeck-Rousseaus bereits zu mildern anfingen, jetzt eine derartige Steigerung erfahren werden, daß man auf alle Eventualitäten in Frankreich gefaßt sein müsse.
„Es ist wahr," so äußerte sich der betreffende hohe Herr, „die jetzige Regierung verfügt über eine Majorität von über 150 Mandaten. Diese Majorität ist aber dadurch entstanden, daß fich die äußersten Sozialisten mit den Republikanern der ministeriellen Richtung vereinigt haben und nun geschloffen vorgehen. Nachdem nun aber die Fusion der republikanischen Partei mit Sozialisten und Blanquisten einmal stattgefunden hat, ist es kaum noch zweifelhaft, daß die äußerste Linke alles daran setzen wird, die Führung an sich zu reißen. Das ist in Frankreich unter ähnlichen Umständen immer der Fall gewesen. Präsident Loubet scheint völlig in den Händen der extremsten Elemente zu sein und nicht mehr den Macht zu haben, die Hochflut der regierungsfreundlichen Sozialisten einzudämmen. Dem Treiben der Herren Combes, General Andre und Genossen sieht man in Rußland mit offenem Mißfallen zu, und nicht mit Unrecht befürchtet man für Frankreich eine zweite Perioee großer politischer Wirren. In Petersburg hat man dem Auftreten des Generals Gallifet große Beachtung geschenkt, weil Gallifet dem neuen Ministerium ganz unverholen seine Verachtung ausdrückte. Wenn man glaubt, daß die bedeutende Majorität des jetzigen Ministeriums von langer Dauer sein wird, so dürste man sich leicht täuschen. Diese Majorität von heute kann sehr leicht schon morgen zu einer Minorität zusammenschrumpfen. Jedenfalls haben selbst alte Freunde der rusfisch-ftanzöfischen Allianz in letzter Zeit wiederholt in lauter Weise ihr Mißbehagen und ihre Besorgnisse bezüglich Frankreichs zum Ausdruck gebracht."
an Verrücktheit grenzt. Denken Sie fich, liebe Leser in ein Tropenklima, wo es an einem Spätherbsttag — denn der Mai der südlichen Halbkugel entspricht unserem November — 26 Grad Reaumur Wärme int Schatten hat, wie hier heute am 16. Mai 1902. In einer solchen Stadt gehen die eleganten Herren in den östlichen Tropen z. B. in Indien in weißen Waschanzügen, Tropenhüten, weicher Krepp- oder Seidenwäsche, seidenen dünnen Schärpen oder Gürteln und selbstverständlich ohne Westen. Dies alles kennt man in Rio gar nicht. Hier kleiden fich die Herren genau wie bei uns zu Hause, manchmal noch toller. Geschlossene Wollweste zum europäischen Anzug von grauer, dunkler oder schwarzer Farbe, hoher, steifer Stehkragen, so unsinnig wie in England, Filzhut, sogar Cylinder. — Das ist der Tropenanzug von Rio. Aehnlich die Damen in geschlossenen, vielfach schwarzen Seidenkleidern mit unmenschlich hohen Krägen, Turmbauten von Hüten usw. Wenn ein solches Paar in Kairo, das viel weiter vom Aeguator entfernt liegt, oder in Bombay, Kalkutta, Rangoon von südlicheren Städten gar nicht zu reden, herumliefe, ich glaube, man würde nach dem nächsten Irrenarzt senden.
Und hier geht die ganze feine Welt ausnahmslos so. Da sollten wahrhaftig unsere deutschen Landsleute Bahn brechen und sich von einer solchen Modetyrannei frei machen. Freilich elegant ist das Straßenbild in der rua do Ouvidor, besonders Sonnabend nachmittags von 3—5 Uhr. In der Straße fahren keine Wagen.
Ich kam mit meinen Bekannten in ein Restaurant.
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Hinsichtlich des bevorstehenden Besuches deS Deutschen Kaisers in Rußland sprach der Gewährsmann sich dahin auS, daß diesem Besuche zweifelsohne eine politische Bedeutung beigelegt werden müsse. Die Entrevue beider Majestäten wird in Rußland, das steht fest, mit großer Sympathie und Genugtuung begrüßt.
Zur Beseitigung der militärischen Furcht
liefert der französische General Nägrier einige Beiträge in einem Aufsatze, betitelt „Zur Psychologie der Schlachten". Der mutige General, der nach dem plötzlichen Tode des Präsidenten Faure nahe daran war, mit den Straßenhelden Dßroulöde und Drümont durch einen Staatsstreich der französischen Republik ein jähes Ende zu bereiten, nennt die Furcht „eine noch heilbare Krankheit, die fich durch Ausbildung der physischen Fähigkeiten, des Willens und der Energie bei dem Kind und dem jungen Manne bekämpfen lasse. Wenn nur Vater, Mutter, der Schullehrer und Priester ihre Schuldigkeit täten, würden die Rekruten bei ihrer Einstellung schon die Nerven mitbringen, die das moderne Gefecht bei ihnen voraussetzt." Keine Frage, d-r Mensch ist zu einem nicht geringen Teil das Produkt der Erziehung; und durch fie kann ein furchtsam angelegter Junge noch so weit gebracht werden, daß er sich scheut, die ihn bedrückende Furcht offen zur Schau zu tragen. Aber wie groß ist die Zahl der alljährlich einzureihenden Rekruten und wie winzig die Zahl derer, die so wie es der General Negrier wünscht, ihre Kinder und Zöglinge zu erziehe« vermögen! Es wäre töricht, die wohltuenden Einwirkungen der jetzt in allen civilifirten Ländern betriebenen Uebungen des Sportes auf die Willenskraft leugnen zu wollen. In der Masse des einfachen Soldaten ist fie indessen nicht zu spüren, weil im Verhältnis zu ihr die in sportlichen Uebungen Erstarkten ein äußerst bescheidenes Häuflein bilden.
Gangbarer erscheint v. W. im „Reichsboten" der Weg, den die preußisch-deutsche Armee in der militärischen Erziehung früher mit so großem Erfolg betreten hat, und von dem sie nach dem Hinscheiden Kaiser Wilhelms I. leider immer mehr abzuweichen scheint. Vor allem mit Ausbildung und Gehorsam gegen die Pflicht haben wir unsere Siege errungen. Sie werden auch verhindern, daß unsere ihrer Führer beraubten Soldaten zu ftüh der moralischen Depression erliegen, der sie daS mörderische Feuer eines unsichtbaren Feindes aussetzt. Das Geheimnis der Ausbildung liegt in der Macht der Gewohnheit. In den Augenblicken, in denen der Verstand versagt, handelt der Mensch instinktiv. Den Instinkt aber giebt die Gewohnheit. So häufig und so eingehend hat im gftieden der Soldat das in den kritischen Lagen zu be-
„Guten Morgen, mein Herr!" So sagte der Wirt.
„Guten Tag", klang es von rechts und links. — Wie, bin ich denn in Brafiliev? „Ja, aber in einem deutschen Frühstückslokal. Hier finden Sie stets die deutschen Ksufherren, welche ihre Wohnhäuser in Petropolis, Silvestre oder anderen Nachbarorten und Vorstädten haben und nur tagsüber in ihren Geschäften in Rio weilen. Das war reizend. Ich lernte hier die Chefs der größten Häuser, der Deutschen Bank usw. kennen und wurde mit der gleichen herzlichen Freundlichkeit ausgenommen, wie fie unsere Landsleute im Ausland immer auszeichnet und von der wir zu Hause viel Kenten könnten.
Bald machte ich mich aber frei und wanderte durch verschiedene Straßen. Ueberall herrschte verhältnismäßige Reinlichkeit. Man darf natürlich nicht an die deutschen Heimatstädte denken, sondern muß Orte in gleichen klimatischen und ähnlichen Verhältnissen vergleichen. Von Rio könnten Neapel, Konstantinopel, Kairo und die indischen Städte in dieser Beziehung fich sehr viel aneignen, fie würden nur gewinnen. Bald lernt man Weiße, auch wenn fie noch so dunkel find, von den Mulatten und Negern selbst, wenn diese ganz helle Hautsarbe haben, unterscheiden. Augen und Haare verraten stets das Halbblut, welches in Rio sehr zahlreich ist, keineswegs aber mißachtet wird.
Ich fuhr von der Praza Carioca mit dem Bond d. h. mit der elektrischen Straßenbahn nach dem botanischen Garten. Die Fahrt dauerte eine Stunde und war hochinteressant. Ich kam in immer elegantere Stadtteile. Villen- artige Häuser lagen in herrlichen tropischen Gärten. (Schluß folgt.)