tag der Reservisten eintreffenden größten Transport, weil alsdann Arbeitsgelegenheit schwerer zu erlangen sein wird, als im Sommer und vor dem allgemeinen Entlaflungstermin der Reservisten. Cs treffen voraussichtlich ein: a) am 5. August 1902 Dampfer „Hamburg" (Auflösungsort Bremerhaven), b) am 19. August 1902 Dampfer „Prinz Heinrich" (Auflösungsort Bremmchaveu), c) am 2. September 1902 Dampfer „Sachsen" (Auflösungsort Bremerhaven), d) am 16. September 1902 Dampfer „Kiautschou" (Auflösungsort Bremerhaven), und e) am 7. Oktober 1902 Dampfer „Pisa" (Auflösungsort Truppenübungsplatz Munster in Hannover). Der Umstand, daß die zur Entlassung kommenden Mannschaften au8 allen Teilen des Reiches stammen, spricht dafür, daß die Ermittelung von Arbeitsgelegenheit auf die ganze Monarchie auSgebebnt wird. Seitens des Kriegsministeriums find die zuständigen Ministerien ersucht worden, eine Nachweisung etwa vorhandener Arbeitsgelegenheiten rechtzeitig den Auflösungskommandos zukommen zu lassen.
Der Aufklärung dringend bedürftige Mitteilungen aus Posen enthalten mehrere Blätter, denen zufolge der dortige Provinzialsteuerdirektor Geh. Oberfinanzrat Löhning zu seiner Penfionierung gezwungen worden sei, weil er sich mit der Tochter eines Regierungssekretärs, der früher Feldwebel war, verlobt habe.
Wir können zunächst nicht glauben, daß die Verlobung des Herrn Löhning wirklich der einzige Grund gewefen ist, der feine Pefionierung herbeigeführt hat. Die Vorgänge aber, wie fie von Herrn Löhning geschildert werden und besonders auch der Bescheid, der ihm durch den Oberpräfidenten v. Bitter gegeben wurde, find so eigenartig, daß fie das allgemeine Jntereffe wohl längere Zeit wach «halten werden.
Der Oberpräfident von Bitter soll fich danach auf den kommandierenden General be- rufen haben. Das erweckt den Anschein, als ob der Stand des Vaters der Braut, der jetzt Subaltern-Beamter ist, mrd früher Feldwebel war, nicht für gHellschastlich hinreichend angesehen worden wäre, um die Tochter unter die Damen des Referveoffizierkorps aufzunehmen! Daran können wir nicht glauben. Wir würden nicht verstehen können, warum die durchaus achtbare Tochter eines angesehenen preußischen Beamten nicht zum mindesten einer Dame der Finanz gleichstehen soll, die womöglich erst wenige Tage vor ihrer Hochzeit den Glauben wechselt. Daß dann aber noch dazu diese Heirat die Pensionierung eines Beamten nach fich ziehen sollte, der doch Zivilbeamter ist und in dieser Eigenschaft mit den Militär- behörden gar nichts zu tun hat, halten wir für ganz unmöglich. Es müssen daher wohl noch andere Gründe maßgebend gewesen fein, die die Penfionierung de» Provinzialsteuer- Direktors Löhning nötig machten.
Bismarck.
Heute vor vier Jahren verbreitete der Draht die Kunde über die Erde, daß der größte Sohn, der seit vielen Jahrhunderten von einer deutschen Mutter ihrem deutschen Volke geschenkt ward, die Augen für immer geschloffen habe. So weit die deutsche Zunge klang, krampften sich da Millionen Herzen in wehem, herbem Schmerze zusammen, weinten starke Männer bittere Tränen um den Schmied der deutschen Einheit, den einsamen Manne im Sachsenwald! Durch die ganze zivilisierte Welt, aus den großen Dolks- städten und dem verlorenen Blockhaus des Siedlers hallte der klagende Ruf: „Der große Pan ist tot!" Ja, er war tot! Ohne Amt und Einfluß, gebannt, geächtet, war er doch bis zu seinem letzten Atemzug der Riese geblieben, aus besten Schultern die modernen Staatsmänner aller Völker standen, mit dessen Worten Freund und Feind zu rechnen gezwungen war! Dann war er hinübergegangen! Und rasch waren die kleinen Totengräber bei der Hand, auch das Riesenwerk seines Lebens mit Erde zuzudecken. Es ist nicht gelungen! Gigantischer wie je steht eS heute vor uns und zeugt von seinem Schöpfer, Otto von Bismarck, dem großen Kanzler, dem Unvergeffenen und Unvergeßlichen ! ____________
Die Revolution auf agrarischer Basis.
Ein Herr Schneidewin veröffentlicht im „Tag" etliche Briefe, die ihm Graf Caprivi in überströmender Dankbarkeit geschrieben hat. Graf Caprivi äußerte fich also Herrn Schneidewin gegenüber wörtlich wie folgt:
„In Bezug auf die Agrarier sehe ich schwarz und scheint mir eine Revolution auf agrarischer ^asis nicht unmöglich und sür den Augenblick gefährlicher als eine sozialdemokratische. Geht die agrarische Agitation so weiter, wer will fie eindämmen? . . . Bedenklich ist auch die Rückwirkung der agrarischen Hetze auf unser Offizierkorps, das in erheblichen und einflußreichen Teilen mit dieser Bewegung zusammenhängt. Wenn unser Junker anfängt,, seine Ge- finnungen von seinen Einnahmen abhängig zu machen, und wenn er zur Bedingung seines RohaüsmuS macht, daß der Staat unmögliches für ihn tun soll, dann ist schon das beste in unserm kleinen Adel, seine staatliche Gefinnung, zerstört und sein Wert sür den Staat so reduziert, daß man sich fragen tarn: lohnt es dem Staate »roch, für diese Klasse Opfer zu bringen?"
Die „Dtsch. Tzsztg." schreibt dazu:
D«S ist ganz und gar der ©ebantengang, ist Wort für Wort die Ausdrvckrweise, welche den sozialdemokratischen Handelsvertragsver
bündeten des zweiten Reichskanzlers eignete. Nur daß fie em sozusagen geistiges Urheberrecht daraus hatten, während Graf Caprivi ihre Wendungen einfach nachsprach. Wenn em Staatsmann den Verzweiflungskampf der deutschen Landwirte um ihre Existenz allen Ernstes auf die Formel bringt, der Junker fange an, seine Gesinnungen von feinen Einnahmen abhängig zu machen, und Bedingung seine» Rohalismus sei eS, daß der Staat unmögliches für ihn tue; wenn ein verantwortlicher Staatsmann fich dieses Börsen-Jargons bedient, dann ist jede Diskussion vom Uebel. Es ist der deutschen Landwirtschaft gar nicht eingefallen, vom Staat Opfer zu verlangen. Der Staat verlangte vielmehr Opfer von ihr; dem Handel und der Industrie gab er mit vollen Händen! Wer außer den Leitartikeln des „Vorwärts" und der berliner Burgenstraßen-Presse preußische Geschichte liest, der weiß, daß „diese Klasse" fich alleweil für das Wohl des Staates geopfert, freudig Gut und Blut für ihn hin- gegeben hat.
Parlamentarisches.
Aus der ZolltarifkormniMou.
Die Zolltarifkommiffion des Reichstags beriet in ihrer gestrigen 92. Sitzung die Eisenzölle. Die Kommission schlägt in Position 777 sür Roheisen, das nach den geltenden Handelsverträgen zollfrei einging, einen Zoll von einer Mark pro Doppelzentner vor. Die Debatte drehte fich hauptsächlich um das Verhältnis Mischen den landwirtschaftlichen und Jndustriezöllen. Mit den Vertretern der Industrie traten der Staatssekretär Graf Posadowskh und Minister Möller sehr eifrig sür den vorgeschlagenen Zoll ein. Insbesondere feierte der Minister Möller den Einfluß der Industrie auf das gesamte wirtschaftliche Leben und meinte, die Eisen» und Kohlenindustrie sei die Grundlage der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung. Die Freisinnigen forderten Herabsetzung des Zolls um 50 Prozent und die Sozialdemokraten Steuerfreiheit.
Abg. Dr. Hahn Wund der Landw.) betonte, daß sich die Lage der Landwirtschaft weit mehr verschlechtert habe, als die der Eisenindustrie, trotzdem werde diese bei den Zöllen be- vorzugt. Im Jahre 1879 habe man den Fehler gemacht, die landwirtschaftlichen Zölle niedriger einzusehen, als die Industrie» z ö l l e Das beste Mittel gegen bii Mißbräuche der Syndikate sei die Ermäßigung der Frachttarife und die vorübergehende Aufhebung der Zölle. Die Eisen- fhndikate hätten mit Hilfe des hohen Zolles den inländischen Verbrauch geschröpft. Solange nicht volle Parität in der Zollbehandlung für Land- wirtfchaftundJndustrie herbeigeführt werde, stimme er für Zollfreiheit des Roheisens edentl Herabsetzung des Zolles.
Abg. Gras Kanitz <kons.) erklärte, einstweilen sür seine Person, nicht sür feine Fraktion, für den vor- geschlagenen Zoll stimmen zu wollen, sich aber die endgiltrge Stellung vorzubehalten, bis die Entscheidung über die landwirtschaftlichen Zölle gefallen sei. — Bei der Abstimmung wurde die Regierungsvorlage angenommen. — Nächste Sitzung: Mittwoch 9 Ahr.
Deutsches Reich
Bertt«. 30. Juli.
— Die „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord ist gestern abend vor Emden eingetroffen.
— Der Kaiser hat an den Hamburger Bürgermeister Mönckeberg heute von Brunsbüttelkoog aus folgendes Telegramm gerichtet: „Von Norden zurückgekehrt, spreche Ich Ihnen von hier aus angesichts der Elbe Mein herzlichstes Beileid für das schwere Unglück aus, das die Stadt Hamburg jüngst durch den Untergang des Dampfers „Primus" betroffen hat; das beklagenswerte Schicksal der zahlreichen Verunglückten hat Mich tief erschüttert. Möge diese traurige Katastrophe erneuten Anlaß geben, daß alles getan werde, um einem ähnlichen Unglück auf der Elbe für die Zukunft vorzubeugen. — Durch das Eintreffen dieser Depesche ist manchem monarchisch gesinnten Mann ein Stein vom Herien gefallen.
— Wie man aus Emden meldet, find der Minister der öffentlichen Arbeiten Budde und der stellvertretende Ehef des Zivilkabinets Geh Oberrrgierungs- rat Valentini, gestern nachmittag dort eingetroffen. Vormittags ist die Stationshacht .Alice Roosevelt" mit dem Ehef der Marinestation der Nordsee, Admiral Thomsen, eingetroffen. Die .Württemberg" ist um 5«/« Uhr nachmittags eingelaufen. Stadt und Hafen find für den heutigen Empfang des Kaisers festlich geschmückt. Die im Hafen liegenden Schiffe haben über den Toppen geflaggt. In den Straßen herrscht ein bewegtes Leben infolge starken Fremden- znfluffes.
— Die Reichstagsersatzwahl im Lieberschen Wahl- kreise hat das vorauszusehende Ergebnis gehabt. Der Zentrumskandidat Dahlem ist im ersten Wahlgange gewählt.
— Der Kampf des baherifchen Zentrums gegen die Regierung hat dadurch eine intereffante Wendung erfahren, daß die Erste Kammer die van den Ultramontanen der Zwecken Kammer gestrichenen Positionen für Wiffenschaft und Kunst wieder in den Etat eingefetzt hat.
— Der von den Polen feines Wahlkreises aufs Schärfste angegriffene Zeutrumsabgeordnete Letocha ist mandatsmüde. Er läßt erklären, daß er bei den nächsten Wahlen nicht wieder kanditieren würde. — Die Polen haben also in diesem Wahlkreis ein fast gewonnenes Spiel gegenüber dem Zentrum bei den nächsten Wahlen.
— Der diesjährige sozialdemokratische Parteitag ist auf den 14. September nach München einberufen; auf der Tagesordnung stehen: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes, Berichterstatter I Auer und A. Gerisch; 2. Bericht der Kontrolleure, Berichterstatter H. Meister; 3. Bericht über die parlamentarische Tätigkeit. Berichterstatter E Rosenow; 4. die bevorstehende Reichs- tagswahl, Berichterstatter A. Bebel; 5 Arbeiterversicherung, Berichterstatter H. Molkenbuhr; 6. Kommunalpolitik, Berichterstatter Dr. Lindemann; 7. Maifeier, Berichterstatter R. Fischer; 8. Anträge zum Programm und Organisation; 9 Sonstige Anträge ; 10. Wahl des Vorstandes und Kontrolleure
— Der Staatssekretär der Marine, Admiral v. Tirpitz, hat seinen Urlaub unterbrochen und ist nach Berlin zurückgekehrt, um auf Befehl des Kaisers bei deffen Eintreffen in Emden zugegen zu sein. Auch der Reichskanzler Graf v. Bülow begiebt fich dorthin
— Wie das .Bureau Laffan" erfährt, beruhen alle Blättermeldungen über Aenderungen des «r- fprünglichen Programms bei den Posener Kaisertagen aus reiner Erfindung. Ein Programm sei bisher noch gar nicht sestgestellt, so daß alle diesbezüglichen Kombinationen hinfällig feien.
— Aufgrund der Ausführungsverordnung zum Naturalleistungsgesetz ist vom Kriegsministerium an- geordnet worden, daß die Vergütung für verabreichtes Pferdefutter von den Truppen grundsätzlich sofort har an die Gemeinden zu entrichten ist.
— Der Staatssekretär des Reichspostamts Kraetke hat fich nach Emden und Westfalen begeben.
— Ein römischer Brief der „Polck. Korresp." mit Bezug auf das Werk des Profesior Ehrhardt .Der Katholizismus und das 20. Jahrhundert" meinte, man müffe fich darauf gefaßt machen, daß das Ehr- hardtsche Buch fettens der Index-Kommission mit einem Verdammungsurteil belegt werde. Dazu bemerkt die .Germania": .Wir können allen Gegnern Ehrhardts die Versicherung geben, daß nach unseren Informationen bei der Kurie von sehr zuständiger Seite Schritte gethan find, welche eine Verurteüung des Buches ausschließen.'
— Die evangelische Geistlichkeck in Württemberg ist der Volksschulvorlage gegenüber gespalten. Ein Teil steht dem Grundgedanken, der Heranziehung des Laienelements zur Schulaufsicht, nicht ablehnend gegenüber. Ein anderer Teil will umgekehrt nichts davon wiffen daß das Konsistorium aufhören foll, oberste evangelische Volksschulbehörde zu sein, und be. absichtigt, unmittelbar an den König als obersten Bischof der evangelische Kirche zu appellieren.
— In Wilhelmshaven ereignete fich gestern ein Zusammenstoß des im Bau befindlichen Linienschiffes .Wittelsboch" und des Panzerschiffes „Baden". Die „Wittel-bach" wurde von der „Baden" an der Back- bordseite unterhalb der Wafferlinie getroffen und bekam ein !>/- m langes Leck
- Oberbürgermeister Witting von Pofen hat seinen Vertrag mit der Nationalbank in Berlin, in deren Direktorium er eintritt, nunmehr unterzeichnet. So m-lden die .Pos. Reuest. Rachr." mit dem Bemerken, daß ihnen diese Mitteilung aus allerbester Quelle zugegangen sei. Somit steht Pofen nächstes Jahr vor einer Oberbürgermeisterwahl.
Die 6. Versammlung der Führer und Aerzte deutscher fteiwilliger Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz wurde heute in Hamburg mit einem Besuche des Eppendorfer Krankenhauses geschloffen. Vorher hatte eine Vorführung sämtlicher technischen Hilfsmittel für den Sanitäts» und Krankentransportdienst stattgefundeu, auch waren verfchiedene Sehenswürdigkeiten in Augenschein genommen.
Ausland
Oesterreich-Ungar«. Gestern Nachmittag fand in Graz die 2.GesangS-Hauptaufführung statt, die sehr beifällig ausgenommen wurde. Die Einzelvorträge vom Stuttgarter Liederkranz, dem preußischen Provinzial-Sängerbund, dem Frankfurter und dem schwäbischen Sängerbund fanden lebhaften Beifall. Am Schluffe der Aufführung sand für die Gesamtchöre, sowie sür deren Dirigenten Kremser (Wien), Orthner (Graz) und Wohlgemuth (Leipzig) eine enthufiastische Kundgebung statt. Abends wurde ein Kommers abgehalten, der ebenso wie das am Nachmittage bei prachtvollem Wetteer veranstaltete Parkfest überaus zahlreich besucht war.
Niederlande. Präsident Steijn wird, am nicht englisches Gebiet betreten zu müffen, in Southampton, ohne zu landen, auf einen anderen Dampfer übergehen, der ihn direkt nach Hoek van Holland bringt.
Belgien. Mehrere hervorragende belgische katholische Familien haben fich erboten, den aus Frankreich ausgewiesenen Ordensschwestern vorläufig eine Unterkunft zu gewähren. Die Familie deS Fürsten Chimah hat bereits dreißig Schwestern auf ihrem Schloß in Beaumont ausgenommen. Die Familie des früheren Kammerpräfidenten Beernaert hat ebenfalls ihre Villa den Schwestern zur Verfügung gestellt; andere Familien find diesem Beispiel gefolgt.
Frankreich. Die Regierung befolgt bei der Durchführung ihrer Dekrete gegen die Ordensschulen, in denen das „Echo de Paris" eine neue „Aufhebung des Edikt von Nantes" erblickt, in der Hauptstadt und in der Provinz eine ganz verschiedene Taktik. In Paris überläßt sie die Bekämpfung ihrer gegen die ausbrechende Religionsverfolgung Einspruch erhebenden Gegner den Sozialisten, auf die fie fich nunmehr nicht bloß im Parlament, sondern auch in der Straße stützt, in der Bretagne und in anderen noch nicht von den Liberalen beherrschten Provinzen dagegen, wo sie auf ihre eigenen Kräfte angewiesen ist, sieht sie vom offenen Kampfe mutig ab. ES würde in der That auch einen schlechten Eindruck machen, wenn sie gegen die die Freiheit der Schule verteidigenden Frauen Gewalt brauchen wollte. Sie hat es daher vorgezogen, den ganzen Orden für den Widerstand, den einzelne seiner Mitglieder bei Schließung der Schulen leisten, verantwortlich zu machen, und ihn für jenen Fall mit seiner Auslösung bedroht. Nach welchem Gesetz, das ist indessen unerfindlich.
England. Gestern ist ein Blaubuch mit den Akten über die Ereignisse nach dem Kriege erschienen. In Beantwortung eiyer Anfrage Chamberlains, ob 10 pCt. der höchste Satz sei, den die ärmeren Minen (als Steuer zur Neueinrichtung der Verwaltung) leisten und ob die reicheren Minen nicht im Verhältnis zu ihrem größeren Gewinn mehr zusteuern könnten, erklärte Milner, er sei mit einem Sah von 10 pCt. schon ganz zuftieden. Einer staffel- förmigen Taxe sei er nicht abgeneigt, doch werde fich dies schwer durchführen lassen. — Am 2. Juni suchte Milner um die sofortige Ermächtigung nach, außer der Zeit eine halbe Million aufwenden zu dürfen. Dies sei erforderlich auf Grund der letzten Klausel der Uebergabebedingungen. Die Sache sei von solcher Bedeutung, daß, wenn nicht die grundlegenden Finanzfragen sofort geregelt würden, ein Zusammenbruch unvermeidlich sei. Daraus gab Chamberlain am 13. Juni die Ermächtigung.
- Ein öffentlicher Dankgottesdienst für die Genesung König Eduards ist für den der Krönung folgenden Tag (10. August) in der St. Pauls Kathedrale angeordnet worden. Die Predigt wird von dem Bischof von London gehalten werden, und da an diesem Tage keine DorzugSbilletS zur Ausgabe gelangen, dürfte der Zuspruch von Seiten des Publikums ein reger fein.
— Bei einer Operation, der Lord Methuen jüngst in London sich unterzog wurden ver
schiedene Knochensplitter auS der Wunde entfernt. Wie eS heißt, ist der chirurgische griff glänzend gelungen, und eS liegt nunmeU bte begründete Hoffnung vor, daß der englische General nach mehrmonatlicher Krankheit endlich glücklich genesen wird, wobei aber immerhin fraglich bleibt, ob die leidige Steifheit deS verwundeten Beines gänzlich behoben werden kann.
— Die Blätter widersprechen den vielfach herrschenden Befürchtungen, daß die Krönung infolge der Verzögerung in der Genesung deS Königs noch einmal vertagt werden könnte. Der Sekretär des Königs bezeichnet alle derartigen Nachrichten als durchaus grundlos. Die „Daily Mail" meint, wenn der König bis zu dem für die Krönung festgesetzten Tage den Gebrauch seiner Glieder noch nicht wiedergewonnen habe, könnte er in einem Sessel zur Krönung getragen werden. Der „Standard* sagt, obgleich die Besserung im Befinden des Königs stetig fortschreite, sei er doch noch nicht im Stande gewesen, die Füße zum Gehen aufzusetzen.
Rußland. Ein Erlaß des Zaren ordnet an, daß in Zukunft die Absolventen römisch- katholischer Seminare in Polen nur in dem Falle zur Bekleidung eines geistlichen Amtezugelassen werden dürfen, wenn fie in einer Prüfung vor den Gouverneuren oder Vertretern des Unterrichtsamtes genügende Kenntnis in der rusfischen Sprache, Litteratur und Geschichte nachweisen. Hierbei hat als Grandlage davon dem llnterrichtsminister bestätigte Programm für die römisch-katholischen Seminare zu dienen. — Die wiener Polit. Korr. meldet auS Petersburg, daß der Unterrichtsminister eine Reform der rusfischen Uuiverfitäten beabsichtige und hervorragende Fachmänner inL Ausland entsandt habe, um daS Unterrichtswesen zu studieren. Nach Oesterreich, Deutschland und der Schweiz wurde Professor Budflowitsch entsandt.
Amerika. Auf den Eisenbahnen der Ber- einigten Staaten find im 1. Vierteljahr 1902 laut amtlicher Statistik bei Zusammenstößen und anderen Unfällen 53 Passagiere getötet und 1259 verletzt worden. Der „New-Iorker Herold" weist demgegenüber darauf hin, daß auf den Eisenbahnen Großbritanniens ftn Jahre 1901 nicht ein einziger (?) Reifender getötet wurde. — Im Golf von Californien richteten Erdbeben große Verheerungen an. Auch Menschenleben gingen verloren.
China. Der Kaiser hat versprochen, zu der amerikanischen Weltausstellung in St. Louis einen amtlichen Vertreter zu entsenden; auch sollen Mfttel für eine Beteiligung der chinesischen Regierung an der Ausstellung bewilligt werden. Der Tron erklärte gleichzeitig, daß die frühere Exklusivität des Hofes gänzlich aufgegeben fei, und daß der Hof wünsche, mit Fremden aller Klaffen in Berührung zu kommen. — Aus französischen Quellen wird berichtet, daß die mandschufeindliche Partei in Tschengtu einen Aufruhr angeftiftet hat.
Südafrika. Wie die „Central News" au» Kapstadt melden, tourbe dort in der Groote Kerk eine Tochter des Generals Delareh mit dem Kommandanten Ferreira getraut. General Louis Botha war Brautführer. Als die versammelte Gemeinde den General Dewet bemerkte, begann fie mit beinahe wahnfinnigem Enthusiasmus zu jubeln. Der holländische reformierte Pastor Dr. Stehtler, der früher einmal erklärte, er sei nur loyal unter dem Zwang, tadelte die Demonstration ernstlich und drohte die Ceremonie zu schließen und die Kirche zu verlassen. Daraus wurde die Gemeinde ruhig und die Ceremonie vollzog fich ohne weiteren Zwischenfall. Als aber Dewet mit der Hochzeitsgesellschaft die Kirche verließ, jubelte die fast allein aus Afrikandern bestehende Volksmenge lebhaft und riß ihm beinahe die Kleidung vom Leibe.
Marburg und Umgegend
Marburg, 30. Juli.
§ Universität. Die Entlassung der Stipendiaten findet Sonnabend, den 2. August, nachmittags 4 Uhr, im theologischen Seminar statt. — Die Vorlesungen in der theologischen Fakultät nehmen für da» Wintersemester am Donnerstag, den 23. Oktober, ihren Anfang.
§ Pfarr-Keustrntz. Im Seebode'schen Saal fand heute morgen eine Pfarr-Konferenz statt.
* Eruennmtg. Der bisherige Landmesser, Dermeffungs-Revisor Joachim Heinrich Feißel in Kassel ist zum Königlichen Ober-Landmesser ernannt worden.
* Fernsprechverkehr. Der Sprechverkehr mit Balduinstein, Blankenau, Lenderscheid, Schloß Schaumburg und Verna ist heute eröffnet worden. Me Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von 3 Minuten beträgt nach Lenderscheid und Verna je 25 Pfg., nach den übrigen Orten je 50 Pfg.
* Handwerkskammer. Zum Besuche bei Düsseldorfer Gewerbe- Ausstellung find, wie wir der „Hersf. Ztg." entnehmen, von feiten der HandwerMammer in Kassel 200 Mark au8ge> warfen, welche mit je 50 Mark als Reisebei- hülfe den folgenden 4 Herren gewährt werden: Schlossermeister Auri in Kassel, Schloffermeister Güth in Kassel, Sattlermeister Hempler in Borken und Uhrmacher Strube in Rotenburg. Ferner wurden der Königlichen Regierung außer vorgenannten Handwerksmeistern noch zur Berücksichtigung empfohlen: Schreinermeister Voigt in Witzenhausen, Schreinermeister M. Dickharck in Homberg und Schmiedemeister Wege in