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iAachdruck verboten.)
Derartig: R
vrrabfchcutc b'cfer.
Eine Geldheirat.
Roman von L. Haidheim.
iFortsetzung.)
»Muß doch so schlimm nicht sein, Andler!"
»Weil ich — na, mein Lieber, Not kennt kein Gebot! Sie müssen wissen, daß man Sie wegen Betrugs anklagen wird. Wie die politische Lage jetzt ist, kommt es der Regierung ganz gelegen, ein Exempel zu statuieren. Seit der arme Kerl, der Kassenbote, wegen llnter- schleifs vom Schwurgericht verurteilt wurde, geht ein Entrüstungsschrei um, daß man mehr als je die großen Diebe laufen lasse, um die kleinen zu hängen. Jetzt sollen wir ans Messer — wegen des Wehlstedener Bahnbaues. Sehen Sie her, diesen anonymen Brief bekam ich."
Wolzin las das ihm gereichte Blatt.
Es enthielt Anklagen, Beschimpfungen und Drohungen, die im beleidigendsten Ton gehalten waren.
„WaS meint der Schreiber denn mit den Wafferdurchlässen und Unterführungen? Verblendsteine statt Quadern?" fragte Wolzin im Lesen.
Andler sah ihn mit seinem unangenehmen Lachen schweigend an. Wolzin bemerkte es nicht und fuhr fort:
»Des geht an den Verwaltungsrat in pleno — wir reichen das Machwerk einfach der Staatsanwaltschaft ein und bitten um Untersuchung! Denn wenn —"
,,Smd Sie richt bei Trost, Wolzin?" fiel ihm Andler ins Wort.
Verbandes Marburg und Generalappell der Kriegs-Veteranen.
Cölbe, 20. Juli.
Anläßlich des 5. Kreiskriegerverbandsfestes, welches gestern abend bereits mit einem Festkonzert seinen Anfang genommen, prangte unser Ort im schönsten Festkleid. Sogar unser Bahnhof war in recht sinnreicher Weise geschmückt. Da Cölbe von allen Seiten bequem zu erreichen ist und gewissermaßen auch den Mittelpunkt des Kreises bildet, so entwickelte sich von den frühen Morgenstunden an eine reine Völkerwanderung nach hier. Zu Fuß, per Rad, mit festlich geschmückten Leiterwagen und mit den Eisenbahnzügen trafen fortwährend die Krieger und Festgäste ein. Kurz nach 11 Uhr begann dann unter dem Vorsitze des Herrn Kreis- sekretärS Voß als Vertreter des Herrn Landrats von Negelein im prächtig geschmückten Saale der Restauration Kranz die Delegierten-Versammlung des Kreiskriegerverbandes. Dieselbe wurde mit einem Hoch auf Kaiser Wilhelm II. eröffnet, worauf man in eingehender Weise die Verbandsangelegenheiten besprach. Nach Feststellung der Präsenzliste ergab sich, daß von den 38 Verbandsvereinen 37 durch Delegierte vertreten waren. Später vereinigten sich die Delegierten zu einem gemeinsamen Mittagsmahl:, das der Küche und dem Keller des Herrn Kranz alle Ehre machte.
Während nun bis jetzt das Wetter sich ziemlich gehalten, schien es jetzt, als wenn die Festesfreude doch nicht ganz ungetrübt genossen werden sollte, denn heftiger Platzregen veranlaßte jeden, das schützende Dach aufzusuchen. Glücklicherweise regnete es später nur ab und zu einmal und so konnte das Fest doch in programmmäßiger Weise von statten gehen.
Um il3 3 Uhr stellte sich in der Nähe der Kranz'schen Wirtschaft ein Festzug auf, wie ihn Cölbe noch nicht gesehen. Vorreiter eröffneten denselben, e8 folgten das Festkomitee und dann folgende Vereine: Cappel, Wetter (Kriegerverein), Marburg (Gardeverein), Oberrosphe, Münchhausen, Bürgeln, Ebsdorf, Wetter (Kriegerkameradschaft), Marburg (Kriegerkameradschaft), Bracht, Ockershausen (Kriegerverein), Sterzhausen, Roth, Beltershausen, Wittelsberg, Marburg (Kriegerverein), Goßfelden, Schönstadt, Niederweimar, Niederasphe, Ockershausen (Kameradschaft), Bauerbach, Wollmar, Niederwalgern, Schröck, Lohra, Nordeck, Betziesdorf, Haffenhausen, Hermershausen, Michelbach, Fronhaufen und der Krieger-, sowie die Gesangvereine von Cölbe. Im ganzen zählten wir 35 Vereine mit fast ebenso viel Fahnen. Nachdem der prächtige Zug mit seinen
er verhehlte auch sei M'ß'allen nicht und Uköler las es in jeder seiner Mienen.
zwei Mufikkorps wieder auf dem Festpatze angelangt war, hielt Herr Lehrer Georges von hier eine herzliche Begrüßungsansprache, die wie folgt lautet:
Hochverehrte Festversammlung! Werte Veteranen, Krieger und Gäste!
Als unser Cölber Kriegerverein in der diesjährigen Delegiertenversammlung des Kreis-Kriegerverbandes des Kreises Marburg das 5. Verbandsfest erhielt, da bewegte uns einesteils ein freudiges Gefühl, sahen wir doch es als eine hohe Ehre und Auszeichnung an, daß der 2. Verbandstag in diesem Jahre zwecks ernster Beratungen die Pflege des patriotischen Sinnes und die edle Begeisterung für Kaiser und Reich, sowie das Wohl und die Fürsorge für die Krieger und ihre Hinterbliebenen betreffend, in unserm Vereins» lokal tagen und das V. Verbandssest in unserm Orte, dem Mittelpunkt des Kreises Marburg, abgehalten werden sollte; andernteils ging aber auch wiederum ein banges, zagendes Gefühl durch unsere Brust, ob wir die zur würdigen Feier eines solchen Verbandsfestes nötigen Vorbereitungen zur allgemeinen Zufriedenheit deS Verbands rechtzeitig und gewissenhaft erfüllen würden.
Das Sprüchwort sagt: „Dem Mutigen muß es gelingen. Nun Krieger, die vor 32 Jahren selbst gegen den Feind gekämpft und Männer, die des Kaisers Rock getragen haben, müssen erst recht zeigen, daß ihnen keine Äufgabe zu schwer ist, wenn sie die Ehre des Vaterlandes gebeut. Und so sind wir denn auch mit frischem, freudigen Mut an die Erfüllung unserer Pflichten herangeteten. Sie sehen, geehrte Kameraden und werte Gäste, daß es uns in der Wahl des günstig gelegenen Fest- platzes und seiner geschmackvollen, herrlichen Ausschmückung, in der Sorge für geistige und leibliche Erquickung jedem Alter Rechnung tragend, unter der dankbar anerkennungswerten Mitwirkung des geehrten Verbandsvorstandes und in den erteilten Benachrichtigungen seitens der 4 Vereine, in dessen Orten bereits schon früher ein Verbandssest abgehalten wurde, nach besten Kräften gelungen ist, allen Ansprüchen seitens der Festteilnehmer gerecht zu werden und ihnen die wenigen Stunden, die sie hier verweilen, genuß- und freudenreich zu gestalten.
Wie der tüchtige Soldat gern seine Pflichten erfüllt, so haben auch wir diese Opfer bereitwillig gebracht und bringen sie heute noch nicht aus schnöder Gewinnsucht, sondern lediglich getrieben von patriotischer Begeisterung zur Ehre des Verbandes und somit zur Ehre des gesamten deutschen V.üerlandes.
Mir ist nun die Aufgabe geworden, Ihnen für Ihr Erscheinen und freundliche Teilnahme im Namen des hiesigen Kriegervereins den herzlichsten Dank aus- zusprecherr und Ihnen den freundlichsten Willkomm» grüß zu entbieten.
Ich erledige mich dieser Pflicht, indem ich Ihnen mit einer von patriotischer Begeisterung und Freude erfüllten Brust zurufe:
Willkommen all', Ihr werten Kameraden und geehrten Gäste,
Zu unserm heutigen Marburger Kreis-Krieger-Ver- bands feste
Euch grüßen die Guirlanden mit frischem Grün, Die Blumen, die im Garten und auf der Wiese erblühn. Jedes Wehen der Flaggen in Schwarz, Weiß und Rot, Ist ein Willkommengruß, so freundlich wie Abendrot. In dem einen Streben seid Ihr alle gleich, Fest und treu zu sichen für Kaiser und Reich!
Und diese edle Gesinnung zu erhalten und zu pflegen War unsres hochverehrten Herrn Landrats aufrichtiges Bestreben.
„Oeffentlich peitschen sollte man solche Kerle," fuhr Wolzin auf. „Dies Blatt ist ja eine Schmach, Andler! Es ist unsere Pflicht gegen uns selbst, diesen ehrabschneiderischen Verleumdungen den Boden zu entziehen —"
„Meine ich auch, aber nicht auf Ihre Manier, Wolzin! Sie haben doch lange genug gelebt, um zu wissen, daß das reinste Engelskleid einen Fleck kriegt, wenn man es mit Schmutz bewirft. Es bleibt eben immer WaS hängen, das ist die Geschichte!"
„Ja freiltch, das ist leider Gottes wahr! Und das Empörendste bleibt, daß man solche verleumderischen Schurken nicht gleich hat und sie auf offener Straße durchprügeln kann, sondern monatelang auf seine Rechtfertigung durch das Gericht warten muß,. während die gedankenlose Menge fick solcher Beschimpfungen freut, weil sie ein Zeitvertreib find."
„Alles ganz richtig, Wolzin. In unserem speziellen Falle bin ich aber entschieden anderer Meinung, als Sie."
„Warum, Andler?"
„Wir ignorieren diese aponhme Anzapfung und all das Gerede, wie bisher. Ehe die Geschichte in Fluß kommt, gehen Wochen hin und in der Zeit kann manches geschehen — manches wird totgeschwiegen —"
„Wielo, Andler? Ich meine, je energischer man der Schlange den Kopf zertritt, um so weniger sticht sie. Wir können nur gewinnen, wenn wir —*
Andler legte mit seinem fatalsten Lächeln die Hand vertraulich auf Wolzius Schulter.
„Machen Sie fm) doch erst mal einiges klar, mein Verehrter. Sie als oberster Derwaltungs- rat stehen mit, Ehre und Vermögen vorn in der Gefahr Wir alle find strafbar und regreß-
pflicktig — Sie geben aber der Sache den Namen. Man wird fie die „Affäre Wolzin" nennen."
„Mein Gott, Adler — da liegt aber doch nichts vor? Nichts Unehrenhaftes?"
„Nein! Liber wenn so eine Rotte sich darauf verbissen hat, so weist sie uns bei dem Bahnbau allerlei Unregelmäßigkeiten nach —"
„Ah? Wohl auch Verwendung schlechten Materials? Zurückgestellte Schienen?"
„Vielleicht auch das! Thatsache ist — wa8 hier geschrieben steht — wir haben ein famoses Geschäft mit dem Bau gemacht —"
„Drei Millionen! Aber dafür hatten wir auch die Gefahr —“
„Jawohl, Wolzin — und die Leiter des Baues nahmen teil an dem Gewinn! Machen Sie sich nur das klar: wird die Geschichte gerichtlich und der Geschäftsbrauch kollidiert mit dem Buchstaben des Gesetzes, so — — —"
Wolzin sprang wie von einer Feder emporgeschnellt auf und schrie in höchster Wut Andler an: „Und komme, was da wolle, ich werde sofort auf Untersuchung drängen! Ich habe also meinen Namen zu Gaunereien hergegeben? Meine Hände find rein — das will ich beweisen!"
„Mit Ihren reinen Händen haben Sie den Gewinn einwandlos eingesteckt!" entgegnete Andler wütend.
„Tas ist es ja gerade! Denken Sie, ich werd; den Hehler machen?"
Es klopfte bereits zum zweitenmal.
„Ein Depeschenbote, Herr Geheimrat!" rief Carl.
Wolzin ging ärgerlich, beschämt zur Thür. So laute Szenen kamen sonst nie bei ihm vor.
Er hatte Lust. die_DeveILe._mü den ,Tisch
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.
zu schleudern, besann sich aber anders und öffnete fie.
Und plötzlich wurde er sehr bestürzt, et starrte auf die Schriftzüge wie auf etwas Unglaubliches, dann sank er schwer keuchend au! einen Stuhl.
„Selidoff — Zahlung eingestellt!" rief et auf die Depesche deutend.
„Selidoff? Petersburg! Der Alexander Selidoff? ries Andler. „Geben Sie her! Da! ist nicht möglich — das ist ja gar nicht denkbar!"
Da stand es aber ganz unleugbar: „Selidoff — Zahlung eingestellt. Panik an der Börse.
„Aber find Sie denn dabei engagiert? riet er Wolzin zu, der immer bleicher wurde.
„Das giebt eine furchtbare Krise!" stöhnt« Wolzin, der sich schon wieder aufraffte, dabei aber so betroffen aussah, daß Andler keiv Zweifel blieb, Wolzin drohten daraus große Verluste. Dieser ging gedankenvoll hin uni her — faßte dies an und jenes und Üinaelt» dann feinem Diener.
„Wir sprechen später noch darüber, Wolzin Ich gehe — Sie werden zu thun haben! verabschiedete er sich und wurde nicht zurückgehalten
Als er aus der Thür ging, trat Carl eir und Wolzin rief ihm entgegen: Carl, sofort Koffer packen, wir reisen nach Petersburg — Du kommst mit — um drei Uhr geht der Zug." „Donnerwetter, das sieht ernst aus. Abe« auf die Weise werden wir die Hitzfliege hier einstweilen los", dachte Andler befriedigt. —
Am Abend dieses Tages erhielt Anna vor Gloichen eine Depesche ihres Vaters, welche ihr meldete, daß er in dringender Sache aus unbestimmte Zeit — Wochen vielleicht — verreiset müsse. Näheres morgen. Sie solle der liebet Ulla Nachricht ^eben. (Fortsetzung folgt.).
materiellen Jntereffe bedürftiger Vereinsmitglieder die alte Kameradschaft und den patriotischen Geist ij Volke zu pflegen, den Geist, der vor allem in der unbedingten Treue und Ergebenheit gegen unfern Kaisei und Kriegsherrn und in der unbegrenzten Opfev Willigkeit für das Wohl unseres teuren Vaterlandei zum Ausdruck kommen muß —
Und nun möchte ich mich noch ganz speziell a» Sie, meine alten Kriegsgefährten, wenden, wozu mit! der Umstand veranlaßt, daß Sie heute zum erstenmal als eine geschlossene befondere Abteilung hier vor uni stehen.
Für uns Veteranen haben die Kriegerfeste noch eine ganz besondere Bedeutung, indem fie uns bi« große Zeit wieder lebhaft in Erinnerung bringen, toi ton jetzt vor einem Menschenalter gen Frankreich zogen und nach gewaltigen Kämpfen mit ruhmbekränzten Fahnen umgeben von dem Jubel unseres ganzes Volkes wieder in die Heimat zurückkehren konnten
Ein großer Teil unserer Mitkämpfer schläft de» ewigen Schlaf in Frankreichs Erde und viele unserer Kameraden find nach dem Kriege bereits zu den lichten Höhen des Jenseits abberufen worden. Uns ist eß aber noch vergönnt, die herrlichen Früchte mit zu genießen, welche das damals in Strömen vergossene edle deutsche Blut gezeitigt hat, nämlich die Einheit, Macht und Größe unseres früher so ohnmächtigen Vaterlandes. Dafür können wir Gott im Herzen nicht dankbar genug sein.
Wie großartig hat fich seit dem siegreichen Kampfe unser deutsches Vaterland auf allen Lebensgebieten entwickelt, in wie hohem Ansehen bei allen Völkern der Erde steht das mit Blut und Eisen erkämvfte deutsche Reich!
Daß wir dies alles in erster Linie unserm alten Heldenkaiser Wilhelm I. zu verdanken haben, weiß ein jeder von un§.
Er hatte seine Armee zu eiserner Disziplin und treuester Pflichtersüllung erzogen, so daß fie in den Zeiten der Gefahr der hohen Aufgabe gewachsen war, nicht nur unsere deutschen Lande vor schmachvoller Invasion und Knechtschaft zu bewahren, sondern auch alte deutsche Grenzlande, welche vor 200 Jahren uns von Frankreich entrissen wurden, wieder zurückzuerobern.
Seiner mächtigen und Ehrfurcht gebietenden Per- fvnlichkeit ist es zu verdanken, daß die süddeutschen Stämme sich mit Begeisterung unter Seinen Obev- befehl stellten und mit den norddeutschen in Tapferkeit und Todesmut wetteiferten.
Er war die gewaltige Triebkraft des großen Räderwerkes der Armee. Sein Wille war stets der ent< scheidende, wenn es galt, schwerwiegende Entschlüsse zu fassen und durchzuführen. Trotz Seines damals schon hohen Alters von 73 Jahren setzte er fich allen Gefahren und Strapazen des Krieges aus und verließ niemals ein Schlachtfeld, ehe die fiegreiche Entscheidung für uns gefallen war.
Unser alter Heldenkaiser hatte aber auch die innerste Seele des ganzen deutschen Volkes für fich gewonnen, ja man kann fügen, Er war der Gegenstand der Bewunderung bei allen Völkern der Erde. Wo Er fich blicken ließ, brauste ihm begeisterter Jubel entgegen ; aber am glücklichsten suhlte er sich doch inmitten seiner tapferen Soldaten. Er liebte und ehrt« sie und manchem hat er in Herzensdankbarkeit au! dem Schlachtfelde Seine königliche Hand gereicht.
Jeder von uns hat wohl mindestens einmal das Glück gehabt, sei es aus dem Schlachtfeld von Gravelotte-St. Privat oder auf den blutigen Gefilden von Sedan oder während der Einschließung von Paris in Sein königliches, mildes und doch so festes, Mut, Kühnheit und Entschlossenheit wiederspiegelndes Äuge blicken zu können.
Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen.
»»4 "Ui Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe.
^tPttßflTrr 99 ^irfr 1Q09 Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei 4Ä. ^3Ull -Li7V4. Marburg, Markt 21. - Telephon 55.
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Vor fünf Jahren gab er den Vereinen feinen Willen kund
Und gründete den Marburger Kreis-Kriegerbund. Uns ist heute die besondere Freude beschert, Denn der Verband hat uns mit seinem Besuche geehrt. Drum nehmen Sie alle in edlem Sinn Den gebührenden wärmsten Dank dafür hin. Mögen die Stunden, die Sie hier verbleiben Stets zu den schönsten Ihres Lebens zählen.
Gott schütze einen jeden in seinem Stand, Insonderheit Euch, Kameraden int Marburger Land!
Es folgte jetzt der Generalappell der alten Krieger. Diese nahmen in 2 Reihen Aufstellung, worauf Se. Excellenz, Herr Generalleutnant Kleinhans, der in Begleitung der Herren Bezirkskommandeur Frhr. Röder v. Diersburg, des stellvertretenden Bataillonskommandeurs, Major v. Dewitz, sowie Offizieren des Bataillons auf dem Platze erschienen war, nach dem Abschreiten der Front folgende Ansprache hielt:
Kameraden!
Der Vorstand unseres Kreis-Kriegerverbandes hat mich ersucht, den heutigen Eeneralappell abzuhalten. Ich komme diesem Ersuchen mit umso größerer Bereit- Willigkeit nach, als fich heute eine stattliche Anzahl Veteranen hier eingefunden, welche Mitkämpfer waren aus den Schlachtfeldern des gewaltigen Krieges 1870/71 und zum Teil auch der kurz vorangegangenen Feldzüge.
Ich begrüße Sie alle, die alten und die jüngeren Kameraden, von Herzen und spreche Ihnen im Namen unseres Vorsitzenden, des Herrn Landrat von Negelein, der zu seinem lebhaften Bedauern verhindert ist, hier anwesend zu sein, kameradschaftlichen Dank dafür aus, daß Sie so zahlreich hier erschienen sind.
Insbesondere danke ich im Namen sämtlicher hier anwesenden Vereine dem Kriegerverein Cölbe und der ganzen Gemeinde, dem Herrn Bürgermeister an der Spitze, herzlich für die schöne Ausschmückung des Festplahes und des ganzen Ortes, wodurch die festliche Stimmung aller Teilnehmer wesentlich erhöht werden wird.
Zugleich aber auch dem Offizierkorps des Kurhess. Jäger-Bataillons, welches hier vertreten ist, dem Herrn Kommandeur deSLandwehrbezirks und den Herren Offizieren des Beurlaubtenstandes, welche durch ihre Anwesenheit beim heutigen Feste ein reges Interesse für die Kriegervereine zeigen.
Kameraden! Die Kriegervereine haben fich aus kleinen Anfängen im Laufe der Jahre zu einem ge» Waltigen Gemeinwesen des deutschen Volkes entwickelt. Auch unser Kreis-Kriegerderband hat sich unter der tätigen und sachgemäßen Leitung seines Vorstandes von Jahr zu Jahr vergrößert. So find in diesem Jahre die Kriegerkameradschaft Wetter und die Kriegervereine Oberrosphe und Caldern in denselben eingetreten, sodaß jetzt unserem Verbände 38 Vereine angeboren.
Ich bin überzeugt, daß gerade solche schönen kameradschaftlichen Feste, wie das heutige, mit dazu beitragen, daß mit der Zeit im hiesigen Kreise fich immer mehr Knegervereine bilden und fich unserm Verbände an» schließen werden.
Daß dem Gardeverein Marburg und dem Krieger» herein Bracht von Sr. Majestät dem Kaiser in diesem Jahre je eine Fahne verliehen und die Einweihung dieser Fahnen durch schöne Feste gefeiert worden ist, wird Ihnen allen bekannt sein.
Möge das Kriegervereinswesen in allen feinen Verbänden weiter blühen und wachsen wie bisher und jedes einzelne Mitglied sich stets der Aufgaben bewußt bleiben, welche der Gesamtheit der Kriegervereine gestellt sind, nämlich neben der Opferwilligkeit un