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; mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham.

Sonntagsbeilage: Mnftrirtes Sonntagsblatt.

..,a Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expeditto« 2 Mi., Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen.

g/fO j()2 bei alle» Postämtern 2.25 Mk. (excl. Bestellgeld). Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe. _ 37. Jahrg.

.Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg. . (StOtt rttTflPTth 1 9 1 Q09 Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, U:nver;itats-Buchdrnckerei

\\ R-clamen: di- Zeile 25 Pfg. S>umiUUt4lU, nJUU 1^, Marburg, Markt 21. - Telephon 55. ,

Deutsch-ManLische Telegraphen-- L Gesellschaft.

Dor einiger Zeit ist in Deutschland unter dem Namen .Deutsch-Atlantische Telegraphen- Gefellschaft" ein Finanzkonsortium zusammen­getreten. das sich die Ausgabe gestellt hat, .Kabellinien durch den atlantischen Ocean zu legen und zunächst eine Telegraphenverbindung mit Norchtzmerika" herzustelleu. Das erste Kabel ist bereits im Betrieb, ein zweites soll dem­nächst gelegt werden. Die Gesellschaft hat eine Anleihe von 20 Millionen ausgenommen, für diese Summe vierprozentige Teilschuldver­schreibungen auSgegeben und bei der Zulassungs­stelle den Antrag gestM, diese Papiere an der berliner Börse auslegen zu dürfen. Allem An­schein nach steht die Genehmigung des Antrages unmittelbar bevor, auch find berefts alle Vor­arbeiten getroffen worden, sodaß in kurzer Zeit die erste deutsche transozeanische Kabelverbindung zwischen Deutschland und Amerika eine Er­gänzung erhäll, die mit Rückficht auf den außer­ordentlich stark gewordenen Verkehr sehr wünschenswert ist.

Die Grundzüge des von der Gesellschaft mit dem Reichspostamt getroffenen Abkommens find im wesentlichen die folgenden:

Die Dauer der der Gesellschaft erteilten Konzession wird bis zum 31. Dezember 1944 verlängert. Das Reich zahlt an die Gesellschaft, vorausgesetzt, daß bis zum Beginne des Jahres 1904 ine Teilstrecke Borkum-Azoren des zweiten Kabel» betriebsfähig ist, sür das Jahr 1904 eine feste Vergütung von 750000 Mk., und vom Jahre 1905 ab bis zum Ablaufe des JahreS 1944, vorausgesetzt, daß bis zum Be­ginne des Jahres 1905 auch die zweite Teil- strecke und damit das ganze Kabel betriebs­fähig ist, eine feste Vergütung von 1710000 Mk.

Behufs Deckung des Zinsen- und Amortisa­tionsdienstes der neuen Anleihe ist mit dem ReichSpostamte vereinbart worden, daß dasselbe von den der Gesellschaft zu leistenden festen Vergütungen von 750000 Mk. bezw. 1710 000Mk. im Jahre 1904 einen Teilbetrag von 400 000 Mk., und in den folgenden 40 Jahren alljährlich einen Tellbetrag von 1010 470 Mark an einen Treuhänder zahll. DaS Amt eines solchen hat die Königliche General-Direktion der See- Han dlungS-Sozietät übernommen. Bis zum Eintritt der Zahlungspflicht des Reichs-Post­amtes find für die Sicherung des Zinsendienstes der Anleihe die Amortisation beginnt erst im Jahre 1906 seitens der Gesellschaft Staatspapiere zum Kurswerte von 1760 000 Mk. beim Treuhänder hinterlegt worden.

In der reichsosfiziösen Presse wird dieses neue Abkommen heute in einer sehr geräusch­vollen Art gelobt. Man preist den weit­gehenden Blick der Reichsregierung, die es ver-

60 Nachdruck verboten.)

Eine Geldheirat.

Storno» von 8. Haidheim.

fFortfriflMg4

.Ich verstehe aber nicht, daß fie Dir oder Deinem Vater nie schreiben ?"

.Sie fürchten Wohl in Fritz' Jntereffe, da- mit ein letztes schwaches Band zu erhalten, was mich noch hoffen ließe!"

.Arme Ma! Ich begreife Deine Bitterkeit!'

.Ach, Anna, ich schäme mich derselben. Aber ich kann es nicht ändern. Ich habe chn innig geliebt*

^Jch glaube, es liegt noch ein unbekanntes Etwas zwischen Euch. Fritz hat Dich so sehr lieb geerbt ich weiß es zu genau. Aber, was könnte e8 fein?'

Sie wußten es beide nicht.

«Laß mich eine Viertelstunde allein fort- gehen, Anna," bat Ulla mit zuckenden Lippen.

Geh, Liebste! Ach, Du Arme! Bei Dir liegt noch die Hoffnung'

Ma konnte nicht antworten, die Thränen wären sonst hervorgequollen, und fie kam sich so unwürdig vor mit ihrem Sehnen nach einem Manne, der sich nichts mehr aus ihr machte.

Ohne besonderes Ziel war Ma aus die Dorf­straße getreten. Vor dem Hause lag ein fteier Platz, auf dem ein immer laufender Brunnen mit einem uralten, steinernen Marienbild feit Jahrhunderten fein köstliches Wasser spendete. Der Ueberfluß ergoß sich in einen ebenso alten, großen Steintrog, an dem die Frauen des Dorfes ihre Wäsche spülten. Das einförmige

standen habe, einen von ausländischen Linien unabhängigen Kabelverkehr mit Nordamerika herzustellen und damit ein Werk zu schaffen, das vom nationalen wie vom verkehrspolitischen Standpunkte aus außerordentlich verdienstvoll zu werden geeignet sei. Man rühmt weiter die Sicherheit der neuen Anleihen, die als eine erstklassige bezeichnet werden müsse.

Beides ist zweifellos richtig. Es drängt

sich aber jedem Unbeteiligten die Frage auf: Weshalb baut das Reich .nicht

auS eigenen Mitteln feine Kabellinien,

weshalb macht es sich auch in diesen Fragen den Jntereffen des Großkapitals unterthünig? Die Finanzleute, die hinter der Deutsch- Atlantischen Telegraphengesellschaft stehen, sind Eeschäftsmänner; fie wollen verdienen, und sie suchen den Gewinn, den sie sich gesichert haben, dem Volke schmackhaft zu machen, indem fie ihm ein nationales Mäntelchen umhängen. Die Kabelverbindung mit Nordamerika ist doch nur eine Erweiterung des deutschen Telegraphen­netzes. So wie dieses Telegraphennetz zu Lande aus Reichsmitteln gebaut ist, um das Neichs- regal durchführen zu können, so müßte die Erweiterung des Netzes durch Kabellinien nach Amerika u. s. w. auch aus Reichmitteln gebaut werden. Wie lange wird es dauern, und die Reichspostverwaltung ist genötigt, diese Kabel­linie von der Gesellschaft anzukaufen und dabei erhebliche Opfer zu bringen. Auch bei dieser Gelegenheit machen wir die alte Erfahrung: man bekundet der Großfinanz gegenüber ein viel zu weitgehendes Entgegenkommen. Es macht sich bei uns ein Großfinanzkultus geltend, wie wir ihn zur Zeit der unglücklichen Gründer­jahre hatten, in jener Zeit, in der dem deutschen Volke unter der Aegide eines Lasker fast unheil­bare wirtschaftliche Wunden geschlagen wurden. Die Großfinanz findet heute überall offene Thüren, und man machte vor der Großfinanz Verbeugungen, als ob der persönliche Wert des Menschen erst mit dem Besitz einer Million anfängt. Dieses von höheren Stellen gegebene ungünstige Beispiel wird seine bedenklichen Rückschläge üben. Heute bereits macht sich in der höheren Beamtenwelt hier und da eine Sucht nach höherem Einkommen bemerkbar. Man ist nicht zufrieden mit einem mehr als zulänglichen Gehalt, man strebt nach höheren Einkünften, man hascht nach Stellen in großen Erwerbsgesellschaften, und diese wieder ziehen mit Vorliebe hohe Beamte heran, um durch sie Verbindungen nach oben hin zu gewinnen. Tas ist ein bedenklicher Zug ter Zeit und wir wünschen, daß, wie einst im Jahre 1877, auch jetzt wieder einmal aus Allerhöchstem Munde der Mahnruf ertönen möchte, daß man zurück kehre zur alten deutschen Bescheidenheit und Genügsamkeit, die mit wenigem auszukommen versteht und auch bei dem wenigen sich glück lich fühlt.

Plätschern des Wassers war in diesem Augen­blick das einzige Geräusch auf der Straße.

Achtlos schritt fie eine der drei Gaffen hin­ab, die aus den Platz mündeten.

Die kleinen Holzhäuschen, mit den stein­beschwerten Schindeldächern und den blumen­geschmückten Balkons machten trotz der Arm­seligkeit einen friedvollen Eindruck. Ulla hatte die Thränen zurückgedrängt und zwang sich, an anderes zu denkem Da war ein Bäckerladen, dort war die Post, weiterhin ein Schneider, ein Schuhladen, endlich auch ein Krämer Schnupftabak, Wichse, eine Zitrone, ein par marinierte Häringe und grüne Seife auf einem zerbrochenen Teller darüber hängend Band, bunte Tücher. Es war der Dorfdazar, sagte fie sich und mußte lächeln.

Dann fiel ihr ein, ein Stück Leinenband zu kaufen.

Eine alte freundliche Frau empfing fie zwischen einem Chaos von Waren, die ohne jeden leisesten Versuch der Ordnung haufenweise über- und durcheinander lagen.

Die Gnädige wünschte Band? Leinenband? Weißes? O, fie hatte vorzügliches Band, im Augenblick würde fie es finden.

Und dabei begann fie zwischen Filzpantoffeln, Butter, Schwefelfaden, Wollhemden und Zucker stangen umherzusuchen; dann vermutete sie das vortreffliche Band hinter großen Blechkannen voll Syrup und Oel und dabei plauderte fie in einer liebenswürdig - gutmütigen Art von einem neuen Laden, den ihr Sohn bauen muffe, da das Lokal zu klein werde.

Die Alte hatte so schöne dunkle Augen, und trotz der vielen Fältchen darin ein so liebes

Umschau.

Generalverbandstag der Raisftisen- Organisation.

Am 9. Juli sand in Neuwied zum ersten Male feit langer Zeit wieder ein Verbandstag der großen Raifferssnorganisation statt. Die ganze Tagung stand schon unter dem Zeichen der Einweihung des Denkmals für den Vater des ländlichen Genossenschaftswesens, die gestern unter dem Ehrenpräsidium des Fürsten zu Wied erfolgte. (Wir verweisen hierbei auf die in voriger Woche unserer Zeitung zur Ent­hüllung des Raiffeisen-Denkmals beigelegte Festnummer). Die Häuser prangten im Grün und Fahnenschmuck, in den Straßen herrschte lebhafter Verkehr und klangen Laute aller deutschen Dialekte. Aus allen Gauen Deutsch­lands waren Vertreter erschienen, ebenso solche aus Holland, Finnland, Oesterreich, Ena- land usw.

Die geschmackvoll dekorierte Riesenfesthalle, die über 2500 Menschen fassen konnte, war fast völlig besetzt. Das Hoch auf den Kaiser und die deutschen Bundesfürsten, mit dem der Generaldirektor Heller die Tagung eröffnete, brauste mächtig empor. Es war eine wahre Freude, den Ausführungen der einzelnen Redner zu lauschen und sich des einigen Kraftbewußtseins zu freuen, das allen Ausführungen aus Ost und West, Süd und Nord gemeinsam war.

Ein Mitglied brachte dann" einen Antrag ein, die sich gegen die Organisation Schulze- Delitzsch wandte, lieber diesen Antrag wurde einfach zur Tagesordnung übergegangen.

Der Geschäftsbericht des Generaldirektors weist die ruhige und stetige Aufwärtsentwicklung des länd­lichen Genossenschaftswesens Raifstisenscher Organi­sation auf. Die Zahl der angeschlossenen Genossen­schaften ist von 8713 im Vorjahre auf jetzt 3850 ge­stiegen. Der Jahresumschlag betrug im Geldverkehr 540 Millionen gegen 460 Millionen im Vorjahre, im Warenverkehre 38 Millionen gegen 28 Millionen im Vorjahr. Die Ze..traldarlehnSkasse ist wiederum im­stande, vermöge ihres Reingewinnes von 225000 Mk. ihren Aktionären, den Vereinen, eine Verzinsung von 4°/o zu bieten. Besonders bemerkenswert ist die Er­scheinung, dost Osten und Westen innerhalb des Zentralverbandes im Geldausgleich und gewinn­bringenden Warenverkehr sich glücklich ergänzen.

Die Einigungsbestrebungen zwischen Neuwied und Offenbach haben zu dem erwarteten Ergebnisse nicht geführt. Tie gemeinsam mit dem allgemeinen «Offen­bacher) Verbände geplante Gründung einer Reichs» genossenschaftsbank ist von letzterem Verbände allein ausgeführt worden, bevor es dem Auffichtsrate der Ra-ffeiftn-Organisation überhaupt möglich war, eine Entscheidung über diese Sache zu treffen. Schade, jammerschade; welch eine gewaltige Kraftzusammen­fassung hätte diese Einigung bedeutet!

Interessant war noch die Darlegung, daß und warum die Raiffeisenorganisation fich an dem Unter­nehmen der Erwerbung von Salpeterfeldern in Chile, in das der Offenbacher Verband, der Bund der Land- wirte und die christl. Bauernvereine eingetreten sind, nicht beteiligt hat. Es erschien der Verbandsleitung doch zu gewagt, die Erfolge jahrzehntelanger Arbeit auf eine Karte zu setzen, zumal die Sache, so aus-

Gesicht, daß Ulla gar keine Ungeduld verspürte und immer nur die Frau ansah, die jetzt er­zählte, sie hätten dies Jahr Glück, hätten heute früh auch schon Gäste bekommen; der Herr fei gleich auf und davon in die Berge, bi& gnädige Frau sei aber müde gewesen und habe sich niedergelegt, nachdem fie das Kind und das Mädchen in den Garten geschickt. Ein süß.s, kleines Mädelchen seis mit so schwarzen, großen Augen und bald werde auch wohl ein Brüderchen dazu kommen.

Da vernahm man vom ersten Oberstock herab Schritte, das leichte Aufschlagen der Ab­sätze verriet schon die Fremde. Und nun kam diese die Treppe herunter und rief:Frau. Selisch sind Sie im Laden?"

Ei gewiß, gnädige Frau, womit kann ich dienen?" antwortete die Alte, denn schon stand diese in dem großen gewölbten Zimmer, das als Laden und Warenmagazin diente.

Ulla hatte die Stimme im erste:- Moment schon seltsam bekannt geklungen, aber ehe sie Zeit zum Nachdenken gehabt, erschien in der offenen Thür eine junge Frau stutzte, starrte Ulla entsetzt an uns wankte.

Hcköe! Hilde, Du? Um Gottes willenDu?" Ulla! Ulla Burghausen!"

So stammelten sie berde und sahen einander in unbeschreiblichem Schrecken an. Dann sprang Ulla hilfreich zu ihr hin, Hilde lehnte ganz kraftlos am. Thürpfosten kreideweiß zeigte fie stumm auf das Wochenblättchen des Dorfes da stand es: Angekommene Fremde: Frau von Glaichen mit Dienerschaft, und dar­unter Fräulein Burghausen im Gasthaus zum Bären.

sichtsvoll sie erscheint, doch immerhin spekulativen Charakter trägt. !

Jedenfalls ging daraus, wie aus der späteren, sehr lebhaften Debatte über die einzufchlagende Zins- Politik hervor, wie vorsichtig die RarffeiMsche Organi- fation in ihrer Finanzverwaltung ist.

Mehr als je hat diese Tagung bewiesen, - daß der Raiffeisenverband kraftvoller und ge-^ einter als je dasteht. Davon wird auch jeden­falls die Denkmalsweihe, über die wir unfern Lesern weiter unten berichten werden, Zeugnis ab­legen. Der Festkommers, der gegen 8 Uhrp feinen Anfang nahm, verlief sehr schön. Aus! allen Filialen wurden Grüße überbracht, manches in sehr humoristischer Weise. Die Kapelle der! 68er konzertierte und in den Pausen sang der- -Geddersdvrfer Gesangverein.

Gestern Donnerstag vormittag um ioy2 Uhr fand in der Festhalle ein Festakt statt, der durch den Erbprinzen zu Wied eröffnet wurde. Anwesend waren u. a. der Oberpräsident ber! Rheinprovinz, Exzellenz Nasse, und Ministerial-, direkter im Landwirtschastsmiristerium, Geh. j Rat Hermes. Der Erbprinz hielt eine An-! spräche, worin er betonte, Laß das Fest einem! Manne gelte, der sich durch sein Werk einen! großen Namen auf geistigem und sozialem Ge-! biete geschaffen habe; er schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und die Bundesfürsten. Ge-, heimrat Hermes sprach seine Wünsche aus für, das Weiierbestehen des bisherigen gegenseitigen! Vertrauens zwischen Regierung und Genossen-! schäften. Exzellenz Nasse forderte zu energischem! Zusammenschluß und zur Pflege der Selbsthülfe! auf, damit die Landwirtschaft immer mehr aus ihrer heutigen bedrängten Lage hecauskomme. Nach weiteren Ansprachen begab sich die Ver­sammlung nach dem Denkmal, das, wie schon mitgeteilt wurde, den Bildhauer Arnold Künne-! Berlin zum Schöpfer hat. Um P/, Uhr fand! die Enthüllungsfeier statt. Nachdem die Hülle! gefallen war, gelobte der Fürst zu Wied! in der Weiherede, festzuhalten an den! Bestrebungen Raiffeisens und legte einen Kranz- nieder, der die Widmung trug:Meinem^ Freunde Raiffeisen." Zahlreiche Vertreter aus! deutschen Gauen, auch aus England, Frank-! reich, Holland 2c. legten ebenfalls Kränze am! Denkmal nieder. Generaldirektor Heller über-! nahm das Denkmal in seine Obhut. Nach bei; Denkmalsenthüllung fand ein Festessen statt, an dem über 2000 Personen teilnahmen.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz, betreffend den Servis-- tarif und die Klasseneinteilung der Orte, sowie. Abänderung des Gesetzes über die Bewilligung von Wohnungsgeldzuschüssen.

Die Vorschrift im § 3 des Gesetzes vom 26. Juli 1898 (Reichs-Gesetzbl. S. 619) tritt! außer Kraft. Die nächste Revision der Klassen­einteilung der Orte erfolgt spätestens mit Wirkung vom 1. April 1904 ab. Vom 1. April

Ulla erriet. Das hatte Hilde noch fragen wollen. Wie abgezehrt und verändert sie aus­sah, um zehn Jahre gealtert, tiefe, scharfe Züge vielleicht lag das zum Teil an ihrem Zu­stande aber, daß ihr Haar von vielen Silber» fäden durchzogen wurde ---

Mein Gott, sie war nicht viel über fünf­undzwanzig sie waren ja einst Schulge­fährtinnen gewesen.

Hilde verstand Ullas erschrockenen Blick.

Du siehst mich an, weil ich alt geworden, lange vor der Zeit! Ach Ulla! Ein Glück, er­baut auf Unrecht und dem Unglück anderer das ist kein ' Glück das ist ein Tantalus- elend ! Man könnte so glücklich sein! Wir liebten uns ja und lieben uns heute noch inniger, aber in jede frohe Stunde, in jedes Vergessen; hinein fiel uns 'bet Schatten der Anstalt, in welche man Anna gebracht. Und nun ist es also wahr? Sie ist genesen? Wir hörten es schon. Und Du bist bei ihr? Sage, Ulla, ist es wahr? Gönne mir das eine ersehnte Wort! Es ist der Wossertropsen in der Qual des ewigen Feuers, Ulla I Ist fie hier? Und ganz genesen? Ganz? O, mein Gott, welches ' Glück, welches Glück!" '

Sie ist auf bestem Wege! Aber eine tiefe Aufregung, eine Begegnung mit Euch Hilce, Hilde, das könnt Ihr der Unglücklichen nicht anthun wollen! Sie ist ruhig, sie soll fich langsam wieder an die Menschen gewöhnen. O Hilde! Welch unseliges Zusammentreffen!"

D:e Worte stürzten Ulla nur so von den Lippen. Die furchtbare Gefahr, welche Anna hier drohte, ließ sie jede andere Rücksicht vergessen.

tFortsetzung folgt.)