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eschmückt mit Flaggen uitb Wimpeln, Frstfprüche im duftigen Grün Der ragenden Ehrenpforten — so grüßt Euch, Ihr Sangesbrüder Marburg, die alte, die herrliche Perle im Heffcngau!
Wo rings in hessischen Landen sangfteudigc Herzen nur glühn. Da rüsten sich hurtigen Sinnes, wie ehdem, auch jetzund wieder Sänger zum friedlichen einenden Kampfe auf Festesau!
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Marburg
Sonntag, 6. Juli 1902
glückliche, die zu keinem jWort zu bewegen war, die immer nur lachte und sich nach dem zuckenden Herzen griff, auf ein Ruhebett in einem der unteren Räume.
Sie hatten sie in ihr Schlafzimmer trägem wollen, aber Ulla wehrte ihnen: „Nur nicht dahin!"
Stunden dauerte es, bis die Erschrockenen, hohläugig und bleich, sich in dem vorhin so - traulichen' Salon wieder zusammenfanden.
Die Unglückliche schlief, infolge einer Dosis Morphium. Ernst und grübelnd hatte der Arzt lange an ihrem Bette gestanden. Er wagte es nicht, seiner bangen Sorge Worte , zu geben, und beschloß abzuwarten. Wer wem eine so iyl Gleichgewicht ruhende Natur, wie ihm- die der jungen Frau von Ulla geschildert Derben, so ganz aus der gewohnten Bahn geschleudert wird — er hatte sehr trübe Gedanken. Einstweilen hatte er' getröstet, beruhigt'; der Hausarzt war dazu gekommen, beide waren gleicher Ansicht, aber beide ließen einstweilen daS Beste hoffen.
Und nun erst kam man dazu, nach Erklärungen zu suchen. Welche Pein!
Ulla hatte Anna in vollster Harmlosigkeit von sich gehen sehen, um Hans zurück zu holen.
Fast zu derselben Zeit aber sah Fritz sie mit allen Gebärden einer auf Ueberraschung Sinnenden durch den Eartensaal schleichen.
Offenbar hatte sie dort an der Thür durch eine Fingerbewegung das elektrische Licht entzündet. Daß dies Schleichen auf einen Verdacht hinauslief, schien klar. Aber Anna,' die von jedem Verdacht weltfern war? Wie wäre sie dazu gekommen?
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Eine Geldheirat.
Roman von L. H a i d h e i m.
sFortsehung.)
Aber sie —' die unglückliche Frau — noch immer das gellende, krampfhafte Lachen aus- stoßend, brach in die Kniee — und da war Wolzin — da waren Burghausen und Ulla — die ganze Dienerschaft! Das alles kam so blitzschnell, erklärte sich ohne jedes weitere Wort von selbst — an ein Vertuschen dachte so schnell niemand, denn alles drängte sich um die schauerlich lachende Unglückliche, die sprachlos auf Hans und Hilde wies und immer von neuem lachte. ~ 1
Man lief zum Arzt — man schrie nach Hilfe! Großer Gott, sie sah so furchtbar entstellt aus mit ihren starren Blicken.
Es war eine wilde, fürchterliche Szene, zu welcher Hans von Glaichens eisige Ruhe einen unbeschreiblich verletzenden Gegensatz bildete.
Er erkannte im ersten Moment, daß alles verloren war. Diese schreckliche Starrheit, die über ihn gekommen, war die Ruhe der tiefsten Verzweiflung — über sich selbst. Bei dem Anblick seines unglücklichen Weibes hatte ihn.seine ganze egoistische Philosophie verlassen. Keiner sagte ihm, daß er ein Elender sei — keiner, als er selbst. ' ' '
Es hielt ihn auch niemand zurück, als er Hilde hinaussührle. Sie gingen beide als die Schuldigen und die Paradieseethür schloß sich hinter ihnen. Und uriterdts trugen sie die Un
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Wolzin ging schweigend hinaus; nach einer kurzen Weile kam er, noch bleicher als vorher, zurück.
„Henke hat ihr verraten, daß sie schon lange betrogen wurde. Er hat ihr auch gesagt, sie solle sich leise ins Frühstückszimmer schleichen, da säßen „sie" beisammen — sie müsse aber gleich Licht machen. Der gnädige Herr sei aus den Garten durch den Gartensaal hineingeschlichen, das gnädige Fräulein durch die Bibliothek dahin gelangt." f
Henke war ein treues altes Faktotum und' aus Wolzins Haushalt der jungen Frau gefolgt.. Das ganz Personal habe schon seit ein paar Wochen gewußt, was ihnen allen feit längerer .Zeit verdächtig geschienen — hatte' der alte Diener Wolzin weinend gestanden.
Der reiche, stolze Wolzin tooc wie vernichtet. Und nicht minder vrnichtet fühlte sich Fritz um des Bruders willen!
Noch keiner hatte ihn gefragt: „Wie kommst du hierher?" Ihm war vom ersten Moment an zu Mute, als sei seine eigene Ehre von HanS mit vernichtet. War der noch fein Bruder nach dieser Stunde? Es gewährte ihm einen gewissen Trost, als Ulla in voller Ueberzeugung gegen die Annahme eines schon länger dauernden Liebesverhältniffes protestierte. Nein, so schlecht waren weder Hans noch Hilde — und letztere hatte ihr dies sogar erst neulich direkt gesägt.
Der scharfe, erstaunte Blick Burghausens und Wolzins Frage: „Aber wie fcnnte ein solches Gespräch zwischen Ihnen und — und .jener Person" aufkommen?" lockte daun auch
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tische politisierender Bürger herandrängten! Tiefe Verstimmung und große Bitterkeit begann die Herzen der Verfechter der Einheitsidee zu beschleichen, sie zogen sich von der Politik zurück, die politischen Vereine lösten sich auf und andere mit mehr geselligen Tendenzen traten an ihre Stelle. Schützen- und Turnvereine entstanden und Gesangvereine wurden allenthalben gegründet, in denen anfangs die Politik verpönt war. Aber, wo so viele Herzen nach einem Ziele schlugen, wo so viele Köpfe sich mit einem Gedanken trugen, konnten auch die strengsten Gebote der Regierungen und ihre schärfsten Maßregeln nicht hindern, daß zuerst unausgesprochen unter den Gleichgesinnten ein stilles Einverständnis Platz griff, was die Turner unablässig, antrieb, ihren Körper und ihrem Mut zu stahlen, damit man sie als tüchtige Männer fände in der Stunde der Gefahr und welches die Gesangvereine veranlaßte, durch patriotische Lieder das Nationalbewußtsein jedes einzelnen Sängers sorgsam vor jeder Schwächung zu hüten und die Sehnsucht des Volkes nach einem einigen, mächtigen Vaterlande immer von neuem anzufeuern und zu stärken! In den Vereinen lebte damals der deutsche Geist machtvoll dem Tage entgegen, an dem er sich wieder frei im Lande entfalten sollte, um mitzuwirken an der Verwirklichung der deutschen Einheit, des deutschen Kaiserreichs, das nicht aufgehört hatte, einen Platz zu haben in den Herzen der deutschen Sänger und Turner, als die deutschen Negierungen jeden Gedanken daran durch drakonische Maßregeln mit Stumpf und Stiel auszurotten bemüht waren! Ein solcher Pflanzgarten und eine solche Hegeschule des deütschnationalen Bewußtseins ist auch unser „Marburger Liedervein" gewesen dessen Mitglieder im Jahre 1842 sich den Wahlspruch erkiesten:
«In Freud und Leid zum Lied bereit".
hatte daS deutsche Volk den getoglttgen Gedanken der deutschen Einheit m -großer Zeit gedacht, und gleich der stürmischen Jugend drängte e§ — selbst wieder jung geworden durch die läuternden Flammen des Weltbrandes — auf dessen Erfüllung! Sie f o l l te ihm noch nicht werden, heute wiffen wir auch, sie konnte es nicht! Oesterreichs Ansehen hatte zwar Schaden gelitten bei den deutschen Stämme., während des Befreiungskrieges, aber es war noch stark genug, um ein wirksames Gegengewicht zu bilden gegen Preußen,' das den Anstoß gegeben hatte zu dem Volkskrieg gegen den Korsen, das als wesentlichster Faktor des endlichen Gelingens gefeiert wurde und das dadurch viel an Einfluß Angenommen hatte. Zu einer führenden Stellung unter den deutschen -Stämmen, reichte derselbe jedoch nicht hin, er trug nur dazu bei, dem Dualismus eine ausgeprägtere Form zu geben, die Eifersucht Oesterreichs auf Preußen und die Preußens auf Oesterreich zu verschärfen. Die Zustände, die dadurch geschaffen wurden, find traurig bekannt, wer von deutscher Einheit sprach oder die sog. deutschen Farben trug, erschien sofort einer der beiden Regierungen oder beiden zugleich verdächtig, und mit ihm die ganze gleichgerichtete Bewegung, weil keiner der beiden Staaten sich stark genug fühlte, bei der Verwirklichung des Einheitsgedankens die führende Stellung zu erlangen, sie aber auch dem anderen unter keinen Umständen gönnte! Da wurden zusammen mit den notorischen Demokraten auch-viele'der besten Männer, die ihre Lebensaufgabe darin erblickten, an der Verwirklichung der Hoffnung auf ein deutsches Kaiserreich mitzuwirken, zu Demagogen gestempelt und für lange unschädlich gemacht! Es wird gefährlich, überhaupt von Politik noch zu reden, vorsichtig mußten die Worte gewogen werden, denn zahlreich waren die Angeber, die sich unter allerlei Vorwänden an die Stamm-
. Ja, seid uns gegrüßt! Die alte Musenstadt , am Bergeshange, schon vor Urzeiten wahrfchein- ' lich ein Sammelpunkt * der ältesten Siedler im . Hessengau, .tzenn es galt, mit den Waffen dem Feinde zu wehren oder frohe Feste zu feiern, hat auch heuer wieder Sendboten geschickt, zu laden zur 60jährigen Jubelfeier des „Sieber- . Vereins" die Sänger aus Hessenstamme zwischen Werra, Rhein und Main! 60 Jahre! welch kurze Spanne Zeit, gemessen an der Unendlichkeit der Welt —*60 Jahre! welch drückende Bürde auf den Schultern des Kämpfers auf rauher Lebensbahn, 60 Jahre! welche Fülle - umwälzenden Schicksalswaltens schließen sie ein ■ für den einzelnen Menschen, für ein ganzes . Volk! Am 24. Oktober 1842 wurde der Mar- Bürger „Liederverein" im MarkeeS-' scheu - Saale- von ehemaligen Schülern des hervorragenden Gesangsmeisters Kantor Beck nach den Statuten des ehemaligen Liederkranzes gegründet! Das war die Zeit, in der die Begeisterung für die deutsche Einheit, für ein deutsches Kaiserreich machtvoll die Herzen der Besten unseres Volkes erregte, in dem die Sehnsucht nach dem alten Barbarossa tief drunten in finsterer BergeShöhle lebendig wurde in der Brust der Männer, die als Jünglinge in den Jahren 1813 —15 die welschen Raben vom Kyffhäuser gescheucht hatten mit deutschen Streichen, so daß sie 50 und etliche Jahre nicht mehr der Rückkehr gedachten! Das war aber auch die Zeit, in der das Volk nicht verstehen konnte, warum die deutschen Fürsten noch immer zögerten den Traum zur Wahrheit werden zu lassen, für den vom Greis hinab bis zum halbreifen Knaben zehntausende ihr Leben auf blutiger Walstatt gelassen, für den Jungfrauen ihr Haar, Bräute und Frauen den Treur-ing vom Finger geopfert auf dem Altar des Vaterlandes,. für dm die Aermsten der Armen ihr Scherflein freudig und willig dargebracht hatten! In flammender Begeisterung
möge eS bleiben und eS wirs gut stehen um unser Volk! Und Ihr, Ihr - Gäste auS dem Hrffenland, die Ihr zahlreich gekommen seid, mitzuwirken zum Gelingen deS Festes im friedlichen Wettstreit, laßt eS Tuch gut bei uns gefallen und nehmt ein freundlich Gedenken beim Scheiden von Marburg mit. Die alte Musenstadt aber ruft jedem von Euch zu: vivat, crescat, floreat! W.
den Bericht jener abendlichen Begegnung mit Hilde und deren Begleiter aus Ulla heraus.
„Nein, jener flüchtige Verdacht, das fei HanS gewesen, war ein Irrtum. Hilde hatte denselben erzürnt zurückgewiesen", beharrte Ulla überzeugt.
Wolzin fuhr sich wild durch die Haare und knirschte: „WaS hilft mir nun all mein Geld? Ich wollte mein Kind damit glücklich machen! Und wenn —"
Hier stockte er in feiner Wut, offenbar nur um Fritz' willen.
Und dem waren die ungesagten Worte, die seines undankbaren Bruders Ehrlosigkeit galten, schon wie ein Peitschenhieb. ..." '>
„Ich fühle, Herr Geheimrat, daß meine -’ Gegenwart Ihnen nicht angenehm sein kann. Ich bin der Bruder deS Manne» —"
So war er rasch auf Wolzin zugetreten, aber weiter konnte er nicht — die Stimme brach ihm vor grenzenloser Pein. Und da» alles mußte er erleben in Gegenwart Burghaufens — Ullas —!
„Und Sie werden heute den Mann entschuldigen, der nur als Vater für sein Kind, nicht — aber — für Sie empfinden tarnt," hatte Wolzin erwidert.
Mit keinem Wott hielt er Fritz zurück, und sä gerecht dieser auch urteilte, verletzte ihn dies doch.
Er war ja völlig unschuldig an diesem schrecklichen Trauerspiel. Er wußte ja nicht, daß Wolzin — dem heute nichts ferner lag, als jeder Gedanke an eigene Wünsche — ihn dennoch unbewußt den lange schon aufgespeicherten Haß empfinden ließ. (Forts, fgt)
Zum Lied bereit, d. h. zu« Liede, in de« da» Pflänzlein der Liede zu« einigen Daterlande gehegt wurde di» die Zeit gekommen war, eft auszupflanzen vor allen Leuten in dle BerghaldenI und weiten Wiebenmgeu zwischen der Memell und dem Rhein, zwischen Belt und Alpenwand!j Da ist e» dann gar rasch zum starken Saume; geworden und hat heräiche Frucht getragen! Und das danken wir mit unserem „Marburger Liederverein" und unseren Gästen, die sich' das gleiche Ziel gesetzt haben! Und deshalb bringen die Einwohner ganz Marburgs, gleich' welcher Partei sie angehören, weichh Standes und Geschlechts sie sind, dem „Marburger Liederverein" zu seiner Jubiläumsfeier ihren herzlichsten,' aus r i chtst gst en Glückwunsch dar und werden zu ihrem Teile mitwirken, daß die Jubelfeier den Verdiensten und den lobenswerten Bestrebungen deS Vereins entsprechend, durch Pflege de» deutschen Liedes bie Siebe zum Kaiser und Vaterlande und zu unseren Volksgenossen stets wach und rege zu halten, würdig und eindrucksvoll sich gestalten soll!
Ein deutsche« Lied, Ein freies Wort, Und deutsche Treu Qei uns er Hort!
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg «ad Kirchhain.
Sotmtagsberlagr: Illustriertes Soyntagsblatt-
p Der Jubelfeier die Weihe bringt Ihr, zum Feste dre Ehr, Das sorgsam von treuen Händen, bereitet, nach deutscher Werd H Eilen zu feiern die Hüter und Pfleger des deutschen Lieb»!
■ ..Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk.,
■aß a V bei allen Postämtern 2,25 Mk. (rxcl Bestellgeld).
»Tl=« • Lnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Vfg.
Reklame!!-, di« Zeile 25 Psg.
Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen./ Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe.
Dr«k und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniverfitätS-Bnchdmckerei, Marburg, Markt 91. — Telephon 58.
53 Schon harren Anger und Hallen, festftoher Volksmenge Heer M Möcht freudigen Willkomm bieten-! So seid denn gegrüßt, Ihr" Taste.
H Kündet im Lied uns ftoh keuschestes Fühlen des BolkSgemütS ki.
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