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Umschau.

Kaiser Wilhelm und der Papst.

Bei der Katholikenversammlung, die am vorigen Sonntage in Bonn aus Anlaß des 25 jährigen Regierungsjubiläums des Papstes stattfand, HM Generaloberst von Loö im An­schluß an die Aachener Kaiserrede gleichsam als Kommentar eine bedeutsame Ansprache, in der er bestätigte, daß in der Rede des Kaisers die Worte des Papstes finngemäß wiedergegeben worden seien. Er warnte vor engherzigen konfessionellen Streitereien und sprach sein leb­haftes Mißfallen über die Nörgeleien aus, die man an der Kaiserrede zu Aachen geübt habe. Das vielumstrittene Wort „allein" sei vom Kaiser nicht gebraucht worden. Thatsache sei aber, daß Preußen in Bezug auf die Elaubens- sreihert seinerBewohnerfast allen anderenStaaten voranstehe. Auch gläubige Franzosen bewun­derten rückhaltlos die Aachener Kaiserrede, Kardinal Rampolla selbst habe anerkannt, daß unsere kirchlichen Zustände über den französischen ständen. Los schloß mit einem begeistert aus­genommen Hoch aus den Kaiser. Später wurde folgendes Telegramm an Seine Majestät ab­gesandt: „Euer Kaiserlichen und Königlichen Maiestät sendet eine zahlreiche Versammlung hiesiger katholischer Bewohner, welche das 25- jährige Regierungsjubiläum des heiligen Vaters heute feiert, in dankbarer Erinnerung Aller- höchstderen erhabener Worte in Aachen ihren ehrenfurchtvollen Gruß. Mögen sie in ganz Deutschland denselben begeisterten Widerhall finden, wie bei den Zuhörern, mögen sie dazu beitragen, unter Euer Majestät weiser und gerechter Führung das Vaterland im Innern einig, nach außen stark zu erhalten.

Ministerialverfügung betreffend den Uebertritt von Beamten.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat die Eisenbahndirektion darauf aufmerksam ge­macht, daß, wenn früher eine Anordnung ge­troffen ist, wonach bei der Vergebung von Beamtenstellen auch die in anderen Dienstzweigen bereits angestellten Beamten aus ihren Wunsch nach Möglichkeit zu berücksichtigen find, dies sich nicht nur auf den Ueberträt von Bahn­steigschaffnern in denZugbegleitungsdienst, sondern auf alle Fälle bezieht, in denen Beamte nach dem Urteile der Dienstbehörde für die begehrte Stellung voll geeignet sind und die Anstellungs­fähigkeit besitzen oder in Ermangelung von Militäranwärtern genommen werden können. Der Umstand, daß der Beamte sich um die andere Stelle selbst beworben hat, schließt in solchen Fällen die Anerkennung eines dienst­lichen Bedürfnisses im Sinne der Besoldungs- grundfätze nicht aus. Der Wettbewerb mit anderen in Betracht kommenden Anwärtern regelt sich nach der Länge der Eisenbahndienstzeit.

Der Zusammenbruch der Leipziger Bank vor dem Schwurgericht.

Generalkonsul Schwabach sagt aus: Als Exner um Auskunft über die Treberengage- ments ersucht wurde, erklärte er, diese seien viel geringer, als behauptet würde, fie betrügen höchstens 6 bis 8 Millionen und für einen großen Teil seien gute Sicherheiten vorhanden. Sekretär Wuthe sagt aus, daß er für die Korrespondenzen des Sekretariats stets die Direktive der Direktion erhielt. Die Briefe seien gewöhnlich von Exner unterzeichnet worden. Bei Abwesenheit Exners sei die^von Gentzsch und ihm (Wuthe) geschehen. — Es kommen hierauf zwischen der Bank und Schmidt ge­wechselte Briefe zur Verlesung. Schmidt schreibt vertraulich an Exner, daß man sich sestgebohrt habe und sich wieder flottmachen müffe. Schmidt zeigt sich hier in seinen Auskünften der Zu­lassungsstelle gegenüber unehrlich, er drückt sich um die Angaben der Bankschulden und der Debitoren herum und schlägt eine Anzahl von Schiebungen vor. Schmidt schreibt am 8. Februar 1900 an Exner, er weist auf die Er­richtung eines Trustkontos hin und meint, daß es für die Gesellschaft in Caffel und für die Leipziger Bank eine Wohlthat wäre, daß das große Debetsaldo aus der Welt geschafft würde. Es kommt das Aufsichtsratsprotokoll vom 26. Februar 1900 zur Verlesung. In Verbindung mit dem Geschäftsbericht gelangte die Bilanz per Ende 1898 zur Verlesung. Bei der Be­ratung dieses genehmigten Berichts durch den Aufsichtsrat ist keinem Mitglieds desselben der Gedanke gekommen, daß bei dem Stand: des Werkes die Verteilung einer Dividende von 10 Prozent unzulässig sei., Exner war der festen Ueberzeugung, daß die Trebersache gut durchführbar sein werde. Gegenüber zweifel­haften Forderungen sagt er auf Befragen, seien doch genügende Reserven vorhanden gewesen. Der Vorsitzende bezweifelt dies, 1899 sei nun das Obligo der Trebergesellschast in Höhe von 47 Millionen um eine 1270000 Mk. betragende Treber-Reserve vorhanden gewesen. Nächste Sitzung morgen Vormittag 9 Uhr.

Die Solidarität der Sozial- Revolutionäre v

ist aus einer Resolution erkennbar, die kürzlich eine sozialdemokratische Versammlung zu Frei­burg i. B. gefaßt hat. In dieser heißt es: „Die Versammelten sprechen dem vorwärts-, strebenden Teil der russischen Arbeiterschaft und studierenden Jugend ihre vollste Sympathie aus und hoffen, daß ihr Kampf bald mit Erfolg gekrönt wird und in Rußland an Stelle von Elend und Unterdrückung Menschenwürde und Freiheft tritt. Die Versammlung erkennt an,

daß die Anwendung der Gewalt seitens der Freiheiskämpfer und -Kämpferinnen nur unter dem Druck.der rücksichtslosesten Tyrannei geschieht, geleitet von den edelsten Motiven und in Aus­übung einer hohen sittlichen Pflicht. * Diese Resolution charakterisiert sich als eine Zu­stimmung zu den bekannten begeisterten Ver­herrlich? u,en des letzten Meuchelmordes in Rußland und des wegen jener feigen Blutthat Hingerichteten jüdischen Studenten dar, die vor einiger Zeit im „Vorwärts" zu lesen waren. Der Sozialistenverehrer Barth hat bis jetzt über derartige „Mauserungsshmotome" der ganz „harmlosen" Sozialdemokratie noch kein Wort verloren.

Deutsches Reich

Berlin, 1. Juli.

Die Revision im Giftmordprozeß Thomaschke ist von der Staatsanwaltschaft beim Reichsgericht an» gemeldet worden. Der Agent Thomaschke, der eine sechsjährige Iuchthausstrase wegen Urkundenfälschung verbüßt, wurde bekanntlich von dem Schwurgericht nach zweiwöchiger Verhandlung von der Anklage des Giftmordes an dem Geldverleiher Löffler sreigesprochen.

— In Düffeldorf wurde am Sonntag der 9. internationale Schiffahrtskongreß eröffnet, aus dem fowohl der Kronprirz als auch der neue Eisenbahn­minister Budde eine Ansprache hielten.

— Die Nachrichten, die von der Errichtung einer päpstlichen Nuntiatur in Berlin zu melden wußten, werden als Erfindungen bezeichnet. Die .Germania" berichtet ferner aus Rom: .Am ver­flossenen Dienstag, den 24. Juni, wuroe Baron von Hertling vom Papste in Privataudienz empfangen. Namentlich sprach sich der Papst sehr eingehend und mit hoher Eenugthuung über Deutschland und Kaiser Wilhelm aus."

— Osfiziös verlautet, im preußischen Kultus- Ministerium wendet man der Fertigstellung des Ent­wurfs zu einem Volksfchuldotationsgesetz stetige und nachhaltige Aufmerkjamkeit zu.

— Die Einweihung des Hohensyburgdenkmals fand gestern in Gegenwart des Kronprinzen und der Minister 6tubi und Rheinbaben statt. Gutsbesitzer Everweg, der Vorsitzende des Denkmalskomites, hielt die Festrede. Beim Ehrentrunk trank der Kronprinz auf das Wohl Westfalens und der Grafschaft Mark.

— Wie aus Osnabrück gemeldet wird, ist das große Eiberger Moor auf eine Strecke von 800 bis 1000 Morgen in Brand geraten. Alle Löschversuche find vergeblich. Die benachbarten herzoglich Aren- berg'schen Forsten sind bedroht.

— Eine Ueberficht über die Thätigkeit der Schieds- männer in den 13 Bezirken der Oberlandesgerichte zu Berlin, Breslau, Cassel, Celle, Cöln, Frankfurt am Main, Hamm, Kiel, Königsberg, Marienwerder, Naumburg, Posen und Stettin führt in diesen Be­zirken im verflossenen Jahre 1901 insgesamt 18271 Schiedsmänner auf; von den in bürgerlichen Rechts- streitigkeiten anhängigen 10 355 Sachen kamen 6676 zur Entscheidung, wovon 4899 erledigt wurden. Weit größer, um das 19 fache, war die Zahl der Sachen wegen Beleidigungen und Körperverletzungen, die vor daS Forum der Schiedsmänner gelangten; fie be­trugen insgesamt 195 859, von denen 99v86 zur Ver­handlung gelangten und von denen 61282 durch Vergleich vor den Schiedsmännern beigelegt wurden.

Ausland

Oesterreich-Ungar«. Aus Wien wurden gestern Mitteilungen verbreitet, wonach eine Verständigung der österreichischen Regierung mit der ungarischen in der Ausgleichsfrage als nahe bevorstehend bezeichnet wurde. Aus Buda­pest schreibt man dagegen: Die Wiener Meld­ungen über eine Annäherung der beiderseitigen Premierminister in der Ausgleichsftage werden hier sehr skeptisch ausgenommen. Die Thatsache, daß heute Szell und Körber sich bei einem Kron­rate getroffen haben, beweist wohl, daß es der Intervention des Monarchen gelungen ist, den persönlichen Konflikt beider Premiers soweit zu mildern, daß diese die Verhandlungen fortsetzen werden, aber ob dies sachlich von Erfolg sein wird, gllt als fraglich, da Körber auch heute wieder in der offiziösen „Montagsrevue" nicht nur erklärt, Oesterreich müffe auf den bisherigen, von Ungarn als unannehmbar erklärten Forder­ungen bestehen, sondern den Ministerpräsidenten Szell und den Handelsminister persönlich an­greifen läßt.

Engla«v. Nach einer amtlichen Mitteilung hat König Eduard gestern auf einige Stunden das besonders für ihn hergerichtete Ruhebett verlaffen. Die Lageveränderung hat einen sehr wohlthätigen Einfluß auf sein Befinden ausge­übt. Er erledigt keinerlei Korrespondenz und beschäftigt sich auch nicht mit Staats- oder anderen Angelegenheiten. Die Geduld und der Mut, womit er seine Leiden erträgt, sind be­wundernswert. Die ziemlich tiefe Wunde muß mindestens zweimal täglich frisch verbunden werben. Die Behandlung der Wunde verursacht dem König erhebliche Schmerzen, die er mit größter Festigkeit erträgt. — Der Krankheits i bericht von heute abend 7 Uhr lautet: „Der König verbrachte den Tag befriedigend; bie Wunde bereitet weniger Schmerz."

Türkei. Der Beschluß des Ministerrates, welcher die Annahme des ursprünglichen Uni- fifierungsprojekts Rouviers empfiehlt, wird morgen unterzeichnet und dem Sultan vorgelegt werden. Die baldige Sanktionierung wird er­wartet. Türkische diplomatische und finanzielle Kreise halten gegenwärtig die Konversion, von unvorhergesehenen Zwischenfällen abgesehen, füv ziemlich gesichert.

Fittlattd. In hiesigen leitenden russischen Kreisen gilt die jetzige Lage als sehr ernst und wird recht pessimistisch beurteilt. Gerüchtweise verlautet in diesen Kreisen, in Petersburg werde bereits ein neues Manifest vorbereitet, das die jetzige Verwaltung FinlandS aufhebe und veröffemlrcht werden soll, wenn die Be­völkerung ihr bisheriges Verhalten gegen das: neue Wehrpflichtgesetz nicht ändere. Das Gerücht verdient Glauben. .?S 1 ? /

Marburg unv Umgegend ,

Marburg, 1. Juli.

* Personalien. Wie un« mitgeteilt wird, hat Herr Oberpostasfistent Pfleging vom hiefigen Postamt dieser Tage die Postsekretärprüsung bestanden.

§ Hessisches Sangerfest. Heute abend findet in Restaurant Blencke eine Sitzung des Gesamt- FestLusschuffes statt.

* Hessisches Sängerfest. Nach einer dem „Caff. Tgbl." gewordenen Mitteilung hat die König!. Eisenbahn-Direktion auf Antrag des Hessischen Sängerbundes in entgegenkommender Weise beschloffen, zu dem Sonntag den 6. Juli in Marburg stattfindenden V. Hessischen Sänger- bundesfsst Sonderzüge zu veranstalten und da­für ermäßigte Fahrpreise zu bewilligen. Der Sonderzug zur Hinfahrt wird Sonntag, vor­mittags 5 Uhr 50 Minuten, von Cassel, der zur Rückfahrt abends 11 Uhr 32 Minuten von Marburg abgehen.

(!) O. H. T. V. Jahresversammlung im 53er» einslokat Restaurant Seebode. Der Vorsitzende Haupt» lehrcr E. Schneider begrüßte die Erschienenen und eröffnete die Versammlung um 5 Uhr vorgestern nach­mittag. Nach Verlesung des Protokolls der letzt- jährigen Versammlung m Biedenkopf, welches ein­stimmig angenommen wurde, erstattete der Vorsitzende feinen Jahresbericht, aus welchem wir hervorheben, daß der untere Raum des Rimbergturmes von dem Zimmermann Mankel in Damshausen überdacht wurde für 200 Mark und wurde dessen Zweckmäßigkeit ge­legentlich des Rimbergsestes, tvo bei einem heftigen Gewitter über 200 Personen dadurch Obdach fanden, geprüft. Im letzten Jahre wurden 40 Anteilscheine tm Betrage von 400 Mk ausgelost und bezahlt, und war der Besuch des so schön Aussicht bietenden Turmes ein großer, sodaß sich eine Einnahme von 150 Mk. ergab. Der Turmwart hat eine Amtsmütze erhalten und ist die Vereinbarung mit demselben ge troffen, daß er statt Bezahlung einer Pachtsumme die Wegezeichen und Schilder in der Umgebung deS Rim­bergs zu unterhalten und auch das Anstreichen des Turmes zu besorgen hat. Die Sammelbüchsen sind bis auf einige an günstigen Plötzen eingezogen worden. Von der am 6. Mai l I. erschienenen Touristenkarte waren bis Ende dieses Jahres 750 Stück verkauft und ist anzunehmen, daß der Rest der Auflage in diesem Jahre verkauft wird und 1903 eine neue ver­besserte Ausgabe man wird ins Werk setzen können. Laut Vereinbarung mit dem Herausgeber erhält der Verein 150 Mk Tantieme von der ersten Auslage, zahlbar Pfingsten Für die zweite Auflage des vom Reichsgesundheitsamt h rausgegebenen Werkes .die Bäder und Luftkurorte Deutschlands" haben wir die nötigen Angaben über die Orte Biedenkopf, Rauschen­berg, Spiegelslust, Hansenhaus, Marbach und Frauen­berg eingesandt.

Von den Gesuchen des Vereins an die Eisenbahn- direklion Cassel fowie an das Betriebsamt Marburg wegen eines fpäteren Abendzuges von Brungershausen nach Marburg im Sommer, wegen Ausgabe diverser Sonntagskarten, wegen Errichtung einer Wartehalle an der Haltestelle Brungershausen sind einige abge- lehnt und letztere gar nicht beantwortet worden, doch wird es im Interesse Aller liegen, wieder neue An­strengungen nach dieser Seite hin zu machen. Aus­kunftsstellen sind an verschiedenen Orten un eres Be­zirks schon eingerichtet und an den anderen Orten im Begriff, eingerichtet zu werden, wo jede touristische Auskunft zu erlangen und Karten, Führer ec zum Verkauf aufliegen. Einladungen von verschiedenen befreundeten Vereinen zu Jahresversammlungen. Stiftungsfesten ec liefen ein. Der Gefamtausflug nach dem Rimberg am 14. Juli war gut besucht, doch hauptsächlich von Marburg. Von den einzelnen Ver­einen berichtete Marburg, daß 17 Wegestreck-n ge- zeichnet wurden und daß der Rest noch in diesem Jahre fertie gestellt würde, daß derselbe 14 Ausflüge mit stetig wachsender Teilnahme unternahm, von denen hauptsächlich die 4 tägige Tour nach der unteren Lahn, der Mosel und der Eifel mit 80 Teilnehmern zu erwähnen fei.

Berichte über die Touren feien von einer Anzahl Mitgliedern an die hiessen Zeitungen, an die .Tour. Mitteilungen", sowie an den .Tourist" geliefert worden. Der Wanderverein Frankenberg hat ver- sprachen, die Wegestrecke Rosenthal—Frankenberg zu bezeichnen Die Vereinsbücherei hat um 21 Nummern zu genommen. Wetter berichtet, daß die Zahl der Mitglieder jetzt 25 sei, daß zu allseitigem Bedauren der langjährige Vorsitzende, Forstmeister Wolf, fein Amt nievergelegt habe und der Vorstand jetzt aus Amtsrichter Steinhaus, Forstsekretär Vetter und Kaufmann G. Hausmann bestehe, daß sich die Thätigkeit des Vereins auf die Neubezeichnung der Wege Wetter—Herrensaustall—Christenberg und Wetter—Wollenberg—Wichtelhäuser—Brungershausen sowie auf die Anlage von Ruheplätzen auf dem Wollenberg, Tischen und Bänken in Thalhausen er­streckt habe. Biedenkopf berichtet, daß der stetig wachsende Verein fein Versprechen, die auf der Karte verzeichneten Wegestrecken zu bezeichnen, erfüllt habe, daß der Verein verschiedene Touren unternommen habe und daß es wünschenswert sei, wenn am Bahn­hof Biedenkopf eine große Orientirungstafel ähnlich der hiesigen ausgestellt würde.

Der Kassenbericht des Schatzmeisters zeigt eine» Bestand am 1. Juni 1901 von 310,86 Mk.

Einnahmen: 350,00 . Zusammen: 660,86 Mk. Ausgaben: 225.60__„

mithin einen Kastenbestand von 435,26 Mk.

Doch muß beigefügt werden, daß von den in diesem Frühjahr ausgelosten 50 Anteilscheinen noch 32 nicht erhoben sind (bis zum Schluß des Jahres bei dem Kassierer, Herrn Franz Frey, N. Casselerstr. 3 zu bewirken). Nachdem die Herren Burggraff (Bieden­kopf) und Schillinge:: (Gladenbach) die Rechnungen geprüft und für richtig befunden, wurde dem Kassierer Entlastung erteilt und der Dank des Vereins aus­gesprochen. _

Zum Verwendungsplan für 1902/03 lagen 2 An- träge vor Biedenkopf verlangt 150 Mk. für Aus­führung von Wegebezeichnungen, Aufstellung von Schildern ic Auf Antrag des Vorstands werden 60 Mark als erste Nate für dieses Jahr bewilligt und der Rest der Gelder wieder zur Löschung der Rim- bergturm-Schulden auf den Antrag von Marburg be­willigt.

Als Ort der nächstjährigen Versammlung wurde Wetter gewählt. Nachdem die Versammlung noch dem Vorstand für feine Mühewaltung drei kräftige .Frisch auf!" dargebracht, schloß der Vorsitzende gegen 7 Uhr die Versammlung.

§ Der heutige Kirschenmarkt hatte wie immer wieder eine große Anziehungskraft aus die Jugend unserer ländlichen Orte ausgeübt, denn zahlreich war fie in Begleitung ihrer Ange­hörigen erschienen. Schon von jeher war dies der Fall, da von alters her der Besuch des Marktes als Belohnung den Kindern für gutes Verhalten von feiten der Eltern gestattet wurde. Der Markt trug wegen des zahlreichen Besuches

auch ein recht lebhaftes Gepräge. Daß btt Kirschen billig waren, konnte man nicht sagen, denn heute morgen mußte man für das Pfund 40—45 Pfennige bezahlen. Z

* Falsche Fünfmarkscheine find tm Umlauf? Sie sind so vorzüglich gemacht und anscheinend^ künstlich „gealtert", daß man fie nur bei be-s sonderer Aufmerksamkeit erkennt. Die Faserns find ausgezeichnet und nicht inS Papier ein-H gepreßt. Jedenfalls ist Vorsicht bei der Annahme j der Fünfmarkscheine anzuraten. H

* Bäderverkehr. Zur Erleichterung des Be- ' fuchs von Ostseebädern ist die Einrichtung ge­troffen, daß die in Berlin aufliegenden Rück­fahrkarten nach Ahlbeck, Heringsdorf, B nsinn Camnien, Dievenow, Göhren, Sellin, Bing^ Saßnitz, Lohme, Misdroy, Perow, Swinemünde, Thießon. Zingst und Zinnowitz auch von bet Fahrkarten-Ausgabestelle Marburg ausgegeben werden, wenn zugleich eine einfache oder Rück­fahrkarte nach Berlin hinzugelöst wird. Gegen Vorzeigung der beiden Karten wird auf Wunsch das Gepäck auch direkt nach dem betreffenden Ostseebadeort abgefertigt. A

n. Bracht, 29. Juni. Bei dem herrlichsten Wetter fand am heutigen Tage die Fahnen­weihe unseres Kriegervereins statt. Die Kameraden von 10 Vereinen der Umgegend, sowie der Gesangverein Schwabendorf nahmen gegen 2 Uhr auf dem Festplatz Aufstellung und/ marschierten dann unter den Klängen der Kapelle Pauli-Marburg durch's Dorf und holten den Ehren - Vorsitzenden des Kriegervereins Bracht Herrn Hauptmann der Landwehr-F?ld-Arttllerie Oberförster Hartmann und bie Vereinssahne ab. Letztere wurde von 6 Ehrenjungfrauen bis zum Festplatz getragen. Hier begrüßte der Vorsitzende alle Kameraden und Gäste und sprach seinen Dank für ihr Erscheinen aus.' Hierauf wurde vom Herrn Ehren-Vorsitzenden in markiger Rede die Weihe der Fahne öott«' zogen. Drei alte Krieger stifteten hierauf dem Verein ein Ordenskiffen, die Jungfrauen BrachtS ein Fahnenband. Der Vorsitzende bankte für alle Gaben im Namen des Vereins. Herw Landrat v. Negelein, als Vorsitzender deS Kreis», kriegerverbands Marburg, dantte für die Ein­ladung und feierte in ausführlichen, klaren Zügen bie Entwickelung und Ausdehnung deS Krieger-Vereinswesens. Auch der Vorsitzende der Krieger-Kameradschaft Marburg, deren Mitglieder in stattlicher Anzahl erschienen waren/ hielt eine mit großem Beifall aufgenommene' Ansprache. Ein gemeinsames Lied „Deutschlands Deutschland rc." bildete den Schluß der offiziellen Feier und nahm das Volksfest hieraus seinen Anfang. Die Dekoration Bracht's war prächtig und kann nur den Einwohnern für die viele aufgewandte Mühe und für das opferwillige thätige Wesen an dieser Stelle ein besonderer Dank abgestattet werden. '

Kirchhai«, 1. Juli. Gestern abenb ging auf der Niederrheinischen Straße ein Pferd durch. Den Anwohnern gelang es nur unter Lebensgefahr ihre Kinder zu entfernen. Der Kutscher, welcher seine Geistesgegenwatt behielt, wurde am Kopfe schwer verletzt und mußte ärztliche Hülfe in Anspruch nehmen.

C Kirchhai«, 1. Juli. Der heute hier stattgefundene Rindviehmartt war mit 687 Stück Klein- und Großvieh befahren. Da der Handel im Vorverkauf sehr flott ging, war der Martt i gegen 8 Uhr geräumt. Die Preise waren sehr hohe, namentlich wurde Milchvieh sehr gesucht.! Fahrochsen wurden bis zu 700 Mk. da§ Paar bezahlt. Der Schweinemartt war mit 404; Stück befahren. Es kosteten Ferkel 30—55 Mk., Läufer 130 Mk. per Paar. Der Handel ging flott. H

— Nettstadt, 30. Juni. Unser Städtchens das wegen seiner hohen Lage mit der Ernte | etwas später wie andere Gegenden ist, hat mit ; der Heuernte jetzt begonnen. Dieselbe tst in­folge der in den letzten 14 Tagen häufig nieder­gegangenen Niederschläge sehr ertragreich.^ Namentlich liefern die höher gelegenen Wiesen, einen qualitativ als auch quantitativ reicheren Ertrag als die Wiesengrundstücke in den Nieder­ungen.

Hessen-Nassau und Nachbargebiete

Frankettberg, 30. Juni. Herr Kreis-, sekretär Thamer ist vom 1. Oktober b. I. ab nach Hersfeld versetzt worden. , J

Vow Burgwalde, 28. Juni. Das „Franken­berger Kreitzbl." schreibt: Wer ein stilles idyl­lisches Stückchen Erde und eine kleine roman­tische Gegend schauen will, der versäume nicht, das oberhessische Dornsröchen — den Christen­berg — zu besuchen. Gar schön hat dieses herrliche Fleckchen der verstorbene Supettntendent Kolbe geschildert.

O Treysa, 30. Juni. In Gegenwatt des Magistrates und der Stadtverordneten wurdet heute Vormittag der seithettge Stadtkämmerer Herr Heinrich Wiegand von dem Königlichen Landrate Herr von Schwertzzell aus Ziegenhain zum Bürgermeister der hiesigen Stadt vereidigt und in sein Amt eingeführt. — Unter unge-' wohnlich starker Beteiligung wurde heute der nach kurzem Krankenlager im Alter von 28 Jahren verstorbene Kaufmann Friedttch Heinrich Stoff zu Grabe geleitet. , r,

O Sttchfetttz-lttse« bei Treysa, 30. Juni. Heute vor acht Tagen entfernte sich der etwa 50 Jahre alte Ackermann Koch von hier, ohne wieder nach Hause zurückzukehren. Alle Nach­forschungen nach demselben blieben erfolglos. Heute wurde der Vermißte in einem Walde in der Nähe von Gllserberg an einem Bau»