Einzelbild herunterladen
 

mit Hm Kreisblatt für die Kreise Marburg uud Kirchhai«.

Vergesse niemand, das

3n

immer

irgend möglich, besonders wenn man erwägt, daß die Sozialdemokraten mit ihren Berbündeten unentwegt darauf hinarbeiten, das Zustande­kommen eines brauchbaren Zolltarifs und Zoll­tarifgesetzes als Grundlage für die zukünftigen Handelsvertragsverhandlungen zu verhindern und wenn man weiter beobachtet, daß seitens der Re­gierung kein Wort gegen die Verschleppungs­taktik der Linken fällt, daß die Herren des Handelsvertragsvereins, der Zentrale jener Ver­schleppungstaktik, nach wie vor gern gesehene Gäste in gewissen Reichsämtern der Wilhelm- straße find. Diese Thatsache nebst einer Anzahl von Begleitumständen ist natürlich nur geeignet, die Obstruktion zu stärken und die schutzzöll- nerische Mehrheit in ihrer Aktionskraft zu lähmen.

wird, brachen während der Beisetzung des Königs Albert in der Hofkirche fünf Grenadiere, welche dort Ehrendienst hatten, ohnmächtig zusammen.

Die Verschiebung derKrönung wegen Krankheit des Königs Eduard.

Die Gerüchte von einem ernsten Charakter der Krankheit des Königs Eduard haben sich jetzt leider bestätigt. Wie wir gestern bereit» meldeten, wurde die Krönung wegen der schweren Erkrankung des Königs an Perityphlitis (Ent­zündung des Blinddarmes und seiner Umgebung) und der rasch unvermeidlich werdenden Operation auf unbestimmte Zeit vertagt. Die Bestürzung in London, wo alles bereits im Festschmuck prangte, wo bereits alle Gäste zur Krönung eingetroffen find, und wo gestern die letzte Generalprobe der Krönungszermonie in der Westminister Abtei vor sich ging, wo man fich immer noch mit beschwichtigenden Meldungen über ein leichtes Unwohlsein des Königs tröstete, ist unbeschreiblich. Man wird in Deutsch­land dem leidenden Könige herzliche Sympathien und aufrichtiges Beileid nicht versagen, zumal er ja auch bei allen jenen politischen Vorgängen, die Verstimmung in den Kreisen des deutschen Volkes hervorgerufen haben, der geschobene und nicht der schiebende Teil gewesen ist.

In der Westminster-Abtei teilte der Bischof von London mit, der König leide an einem Eingeweide-Bruch. Obgleich er schon seit einer Woche leidend war, glaubte man doch nicht an eine ernste Krankheit, die nun plötzlich ihre dunklen Schatten in die Helle Krönungs­freude des englischen Volkes geworfen hat. Wann die Krönung nunmehr stattfinden wird, hängt natürlich ganz von der Schnelligkeit ab, mit der der König fich von den Folgen der Krankheit erholt. Im Unter- und Oberhause machten die Minister Mitteilung über die statt­gehabte Operation, bemerkten aber, daß trotz des Ernstes der Situation eine Vertagung nicht beabfichtigt sei, um die Panik im Volke nicht noch zu vermehren. Trotz der Krankheit des Königs hat der gestern angesetzte Empfang der fremden Abgesandten und Vertretungen im Palaste stattpefundeu. Jedoch macht sich in der Stadt die allgemeine Einstellung der Festlich­keiten überall bemerkbar. Die festtäglich ge­stimmten Menschenmengen, die fich in den Straßen drängten, wurden wahrhaft in Be­stürzung versetzt und von Entsetzen ergriffet., als die Abendblätter erschienen und große Plakate von den Ereignissen Kunde gaben, die volle Bedeutung der Schwere der Nachrichten kam jedermann sofort zum Bewußtsein. Jeder­mann hofft das Beste, aber es ist nicht zu viel behauptet, wenn man sagt, daß aller Herzen zittern.

Ueber die Abreise der ausländischen Gäste ist noch nichts entschieden, es heißt iicheffen, die

VIL Abschnitt enthaltenen Eisen- und Kupfer- zölle hervor, die zu sehr eingehenden Debatten führen und sehr erhebli^e Streitpunkte grund­sätzlicher Art Hervorrufen werden.

Den Abschluß des Tarifs bilden die Zölle auf Maschinen, elektrotechnische Erzeugnisse, Fahrräder, Feuerwaffen, Uhren und zum Schluß die Zölle auf Kinderspielzeuge. Es braucht nicht erst hervorgehoben zu werden, daß die Väter des Zolltarifs, wenn fie die Zölle auf Kinderspielzeuge ans Ende setzten, damit nicht ausdrücken wollten, daß die Beratung des Tarifs ein Kinderspiel sei, im Gegenteil, wir fürchten, daß es der Kommission beim besten Willen schwer werden wird, fich bis Anfang August durch alle diese Fragen hindurchzuarbeiten und die erste Lesung zum Abschluß zu bringen. Wir würden der Kommission dankend das Zeugnis ausstellen, diligentiam prästiert zu haben, wenn fie bis Ende August die erste Lesung fertig bringt und Anfang September in die zweite Lesung des Entwurfs tritt. Diese könnte dann sehr wohl bis zum Wiederzusammentritt des Reichstags am 14. Oktober zum Abschluß gebracht sein, wenn alle Teile den guten Willen dazu haben. Man braucht in der zweiten Lesung fich ja nur auf das zu beschränken, was in der ersten Lesung noch nicht spruchreif geworden war. An diesem guten Willen fehlt es aber nicht nur den Sozialdemokraten, sondern auch ihren Schrittmachern, den Freisinnigen, die bei jeder Gelegenheit als Interessenten des Spekulanten- tums und der Börse auf dem Platze erscheinen. Die Sozialdemokraten stellen bei jeder Position den Antrag auf Zollfreiheit und begründen ihn mit stundenlangen Reden, Herr Gothein wieder­um rühmt fich, in kurzer Frist mehr als hundert Verschleppungsanträge gestellt zu haben. So bemühen fich die Brüder des roten Kartells, Stadthagen, Baudert, Brömel und Gothein um die Wette, den Fortgang der Arbeiten zu ver­hindern und erfreuen fich dabei immer noch einer ausgesucht höflichen Behandlung vom Regierungstisch. Es wird daher Pflicht der zollpolitischen Mehrheit des Reichstags sein, zunächst einmal diesen Verschleppungsbrüdern das Handwerk zu legen und freie Bahn für einen sachgemäßen Fortgang der Arbeiten zu schaffen. Erst dann kann man darauf rechnen, den Arbeitsplan einigermaßen innehalten und die erste Lesung des Entwurfs rechtzeitig be­endigen zu können.

Der von zahlreichen Mitgliedern der Kommission bereits geäußerte Wunsch, bei der Lesung die eigentlichen Streitpunkte, also u. a. das Zollgesetz mit den Mindestzöllen für Ge­treide, Tranfitlägern, Zollkrediten u. s. w. erst am Schluß vorzunehmen, hat etwas für fich und würde wesentlich dazu beitragen, die zweite Lesung zu fördern und unnütze Redereien zu ersparen. Jedenfalls ist zur Zeit die Geschäfts­lage der Zolltarifkommisfion so unsicher wie

Bitterkeiten sagte, fand er weiter nicht zu tadeln, daß man ihm aber Ulla zum Weinen brachte und fie ängstigte, das ärgerte ihn über alle Maßen.

Was ist denn los? Was haben denn die beiden?" fragte Onkel Heinrich seinen vor­nehmen Neffen, der jetzt schon wieder seine reservierte Miene aufgezogen hatte.

Sie haben fich durch einen unglücklichen Zufall wiedergesehen und fich verlobt.'" lautete Hans' Erwiderung.

Na und was weiter?"

Ich meine, das wäre des Unfinns gerade genug!"

So? Und da wuschest Du ihm den Kops?" Ich machte ihm wenigstens Vorstellungen!" Was fehlt denn an dem Mädel? Hübsch ist sie und lieb hat fie ihn auch"

Das find freilich zwei sehr vortreffliche Eigenschaften für Fritz, aber fie hat nichts oder nur sehr wenig und er genau ebensoviel!"

Hm!" machte Schragert und Comp. und kratzte fich hinter den Ohren; das sah zu Hans' Verdruß nichts weniger alsfein" aus. Er schwieg jedoch.

Ja, was ist denn nun eigentlich Deine Ansicht?" fing der Onkel wieder an. .

Daß beide Vernunft annehmen und fich trennen sollen?"

Donnerwetter, das ist leicht gesagt! Ich hätte jeden umgebracht, der mir früher diesen Rat gegeben!"

Weißt Du vielleicht besseren Rat?" höhnte der vornehme Hans ziemlich unverhohlen.

Na so auf den Pfiff gleich nein! Aber der schlechteste, den es giebt, braucht doch nicht gleich angenommen zu werden! Und Dein Rat taugt nichts, Herr Neffe! Entschuldige, daß ich das sage. Es giebt für einen ordentlichen, richtigen Kerl keinen wärmeren Sonnenstrahl vom Himmel, als das Mädel, das er liebt, an seinen Herd, in sein Heim zu führen. Wenn er fich nachher auch plagen und schinden muß, so hat er doch mal das höchste Glück gekannt und seine Kinder find Kinder seiner Liebe. Für die ist kein Opfer zu groß, wenn fie nur ein­schlagen und nicht wie mein Sakramentsbengel in Hamburg das Geld scheffelweise auS dem Fenster werfen! Na, das nebenbei!"

Das find fteilich sehr hübsche Anfichten, Onkel Heinrich, aber fie passen leider nicht für die Lebensverhältniffe unserer Kreise und be­sonders nicht für einen Offizier."

Ei, so zieht er eben den bunten Rock aus!"

Und dann? Sei so gut mir darauf die richtige Antwort zu geben dann bescheide ich mich gern!"

Ra, natürlich werden die zwei keine Villa am Tiergarten haben und all das Drum und

Na, na, Fritz, mein alter Junge, chte! Onkel Heinrich meint es doch nicht imm mit Dir!" begütigte er.

de

(45 ett, 6e 3.

Dran, was einer kriegt, wenn er eine reiche yttiu nimmt! Aber all Deinen Glanz in Ehren, mein Herr Neffe der Fritz braucht zunächst Glück für sein Herz'"

Wieder wurde Hans glühend rot vor Aerger.

Da kamen Fritz und Ulla. Sie blaß und ängstlich, er sehr entschlossen. 3

Lieber Onkel, ich stelle Mr hier meine ge­liebte Braut, Ulla Burghausen, vor. Vielleicht erinnerst Du Dich ihrer?"

Erinnern? Und ob! Und ich will Euch beiden auch gleich sagen, daß ich auf Eure Seite trete! Ich finde, daß Ihr gar nicht so dumm seid! Und damit basta! Wie wirs an­stellen, daß Ihr nachher alle Mann hoch! satt werdet, das muß man fich übtwlegen. Einstweilen habt Euch lieb und seid glücklich, das ist meine Anficht! Und für einen ordent­lichen Kerl, der Herz und Kopf auf dem rechten Fleck hat, ist immer noch irgendwo Brod ge­backen."

Onkel.' Onkel Heinrich.' O, Herr Schragert!" rief das Liebespaar in seine herzlich ermutigen­den Worte hinein. Und dann umarmten fie ihn und er küßte Ulla und fand, fie fei gerade die Rechte für Fritz, und wenn alle Stricke reißen sollten, dann nähme er fie in seine Hut alle beide mit Sack und Pack.

(Fortsetzung folgt.)

pis die .Oberheffische Zeitung' bei seinem Briefträger oder dem nächsten Postamt sofort zu Steuern!

Wichtige Beratungen auf innerpolitifchem Gebiete ßü> im Gange, die jeden Deutschen nahe berühren und die er deshalb kennen muß.

Auf dem Gebiete der äußeren Politik werden Bmchalben neue Fäden geknüpft. Der Frei- seitskamps der Buren hat zu Ungunsten des tapferen Alkes sein Ende gefunden, es mußte der Uebermacht Mich erliegen und nun interessiert es natürlich im jßchsten Grade, wie fich die Dinge in den Buren» «mbliken unter britischer Herrschaft gestalten.

Man vermeide deshalb, daß in der Zustel [ans der .Oberhessischen Zeitung' eine Störung gstritt, denn wie bisher wird fie auch in Zukunft ihre jeser über alle wichtigen Tagesfragen kurz, Her schnell und erschöpfend informieren und |nen jedes Ereignis von Bedeutung so rasch W möglich melden.

Die Expedition der Oberhesstschen Zeitung.

Dann laß mich nun aber gefälligst in »Muhe! Ich habe gerade genug von Haus zu ''nen gekriegt!" rief Fritz, der fich nicht so cht besänftigen ließ.

Jungchen! Wer zornig wird, hat immer

~ »nrecht! Das soll ja aber nicht» schaden! 's A V kein Loch so schlimm, daß es nicht geflickt - derben könnte. Nun komm erst mal her und 100 ! Dich ansehen! Gott, was mir der Bengel

0(p)ie Geschäftslage in der Zolltarif- VT kommisfion.

kl I Wie uns aus dem Schoße der Zolltarif­kommission mitgeteilt wird, hofft der Vorsitzende, __der Abg. Rettich, bis Ende Juli bezw. Anfang ~ ügust die erste Lesung des Zolltarifs durch- W Uhren und den Mitgliedern sodann eine kleine, kwa vierzehntägige Pause Vorschlägen zu können. W fieselbe ist notwendig, um den Referenten Zeit um Abschluß ihrer Arbeiten zu geben, um die Beschlüsse erster Lesung zusammenstellen zu önnen. Außerdem sollen in dieser Zeit die 'xj Fraktionen in Berlin zusammentreten, um 'n Stellung zu den Beschlüssen erster Lesung zu «ehmen und die Kommisfionsmitglieder für die W weite Lesung mit Instruktionen zu versehen.

)b dieser Arbeitsplan wird innegehalten werden önnen, ist höchst zweifelhaft. Zur Zeit be- handelt die Kommisfion den Abschnitt 5 des Tarifs, AJj letr. den Zoll auf tierische, pflanzliche Spinnstoffe, saSeibe, Wollstoffe, Baumwolle, Linoleum und ^Ähnliche Stoffe, Watte, Kleider, künstliche ^-Mlumen, Schmuckfedern und bergt Man hofft Hei einiger Selbstbeschränkung in den Reden !^ent) einigem Fleiße bis zum Abschluß der l^lmchsten Woche den fünften Abschnitt beendigen (5Ml können. Dann bleibt aber noch ein Arbeits- htMld zu bewältigen, das sehr umfassend ist und iele Schwierigkeiten bieten dürfte. Wir er- hnen die Zölle auf Leder, Holz, Papier, on, GlaS und Edelmetall, die die Positionen 8776 umfassen. Wir heben sodann die im

UmschM

Beisetzung des Königs Albert.

Die feierliche Beisetzung des verewigten Königs von Sachsen hat Montag abend 9 llhr in der katholilschen Hofkirche stattgefunden. Zwischen bren.ienden Kandelabern und Wachs' fackeln war der mit rotem Sammet ausgeschlagene Sarg unter einem schwarzen Baldachin aufge­bahrt. Am Sarge hielten die Offiziere und Hofwürdenträger Leichenwacht. Die Kirche war schwarz ausgeschlagen. Im Schiff der Kirche versammelten sich das diplomatische Korps und die hier eingetroffenen außerordentlichen Gesandt­schaften, die Mitglieder des Bundesrates mit ihren Stellvertretern, der Präsident des Reichs­tags, die sächsischen Minister, die Hof- und Staatsbeamten, Offiziere, die Präsidenten und Mitglieder der sächsischen Kammer, die hier ein­getroffenen fremden Offiziersabordnungen der Regimenter des verewigten Königs, Vertreter der Stadt Dresden und der Dresdener Studenten­schaft. Um 9 Uhr erschienen unter großem Vortritt in langem Zuge die Fürstlichkeiten, König Georg und die sächsischen Prinzen, der Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Joses von Oesterreich, der Großherzog von Baden und die übrigen hier eingetroffenen Fürstlichkeiten. In zwei Logen innerhalb der Altarnische nahmen die Königin-Witwe, die Kaiserin und die Prin- zesfinen des königlichen Hauses Platz. Gleich­zeitig erschien in feierlichem Zuge von der anderen Seite unter Orgelspiel die Geistlichkeit. Es folgt der Gesang des Miserere und de Profundis. Hofprediger Brendler gab in längerer Rede ein Lebensbild des entschlafenen Herrschers. Nach Beendigung des Gottesdienstes wurde der Sarg langsam in die Gruft gesenkt, der Chor setzte mit dem Salve Regina ein, während die Ka­nonen donnerten und der Ehrensalut abgegeben wurde. Nach abermaligem Gesang und Orgel­spiel verließen die Fürstlichkeiten die Kirche. Wie von anderer Seite aus Dresden gemeldet

Fritz mußte, so gereizt er fich fühlte, wider iebt Willen lächeln. Dieser Schragert und Comp., yd «ls freudige Anregung betrachtet, war zu drollig.

Der ließ ihn jetzt auch gehen und Fritz eilte, Ma aufzusuchen. Daß Hans ihm die vielen

(Nachdruck verboten.)

Eine Geldheirat.

Roman von L. Haidheim.

(Fortsetzung.)

io» schlaflose Nächte gemacht hat! Aber famos # Du weiter gekommen in den letzten vier 101 «ochen. Ich besuchte eben Deinen Doftor und 95f iörte, daß Du nicht im Krankenhause lägest,

1

»terteljihrlicher BezngSprei»: hei )ti Isyitötttou 8 SL, Erscheint täglich nutzer an Lörrttagen nach Sonn- und deiertagei,

M -H7 bei aßen Postämtern LL» Mr. (erd. Bestellgeld-. WUIVUIB Soaatagtzbeilage: Jllustrirte» SmeutagSblatt. Q7

* 11* Me gefreite« 3etle *«t Um Äeme 18 «ft, Tinnnorfirrrr Cfcttti 1009 Dmck «d »erlag: 3»h. >»g. »och, UaiversttätS-B-chdruckere*>*** v

Äedaero: die Zeile « Pfa Ä)WUl«|lUg, 40. JUlll IWä. Marborg, Markt 21. - Telephon 55

>ndern hier wärest. Und der brave Mick- Jbuftet wollte sagen Doftor meint, Dir "A jetzt nur noch fieubige Anregung. Und iu > «arum kam ich her!"

103