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Btt Dem Kreisblatt für die Kreise Marbura und Kirchhain.
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bis jetzt freilich nicht gehabt, denn die geistige Dumpfheit lag noch allzusehr auf Fritz.
Eine um so größere Freude hatte der armen Mutter diese erste Frage bereitet, die ein ernstliches, geregeltes Nachdenken verriet.
„®o8 bezahlt alles Onkel Heinrich, mein lieber Junge! Er hat Deinen Aufenthalt hier im voraus für jeden Monat entrichtet, ebenso bezahlt er die Aerzte. Du hast Schragert und Comp. das Leben gerettet und Schragert und Comp. lassen sich nichts schenken, hat Onkel Deinem Vater geschrieben."
Das war eine HerzenSerleichterung für den armen Fritz.
Man hatte ihm schon ost gesagt, er habe Onkel Heinrich gerettet. Heute zum erstenmal ließ er sich erzählen, wie denn das alles gewesen sei. Für ihn war über dieses Ganze, seit dem vergangenen halben Jahr tiefe Nacht gebreitet.
Auch von den letzten Stunden vor der Katastrophe waren ihm nur verworrene Bilder im Gedächtnis geblieben. Nur eins war nach und nach immer klarer geworden: jene Scene zwischen ihm und Ulla.
„Es ist ja auch so, wie ich es ihr damals sagte," träumte er in der Gartenecke, wo ein blühender Schlehdorn das Gärtchen von der Straße abschloß. „Wir können uns ja doch nie heiraten! Und nun, wo ich vielleicht lebenslang ein gebrochener Mann bleibe —'
Das war doch ein furchtbarer Gedanke.
die Spanne zwischen Einfuhrzoll und Konsum- steuer, in keinem Falle höher als 6 Francs für Raffinade bezw. 5*/, Francs für Rohzucker betragen. Nun ist doch aber klar, wenn die Konsumsteuer für die Fruchtkonserven von dem allgemeinen Satz von 14 Mark auf, sagen wir, 4 Mark ermäßigt werden würde, daß dann der U.berzoll für diesen Zucker eben nicht mehr 6 Francs — rund 5 Mark, sondern 10 + 5 — 15 Mark betragen würde! Bei so klarem Wortlaut, wie ihn die oben zitierten Bestimmungen der Artikel 1 und 3 der Brüsseler Konvention aufweisen, handelt es fich wahrlich nicht mehr um die Möglichkeit verschiedener Interpretation, sondern um einfache Thatsachen, die niemandem zweifelhaft sein können, der Gedrucktes zu lesen vermag und logisch denken kann. Die Brüsseler Konvention gestattet eine beliebig hohe oder beliebig niedrige Konsumbesteuerung, einerseits bis zur vollständigen Prohibition, andererseits bis zur völligen ©teuer freiheit; beides aber immer nur für den gesamten Konsumverbrauch des Landes, niemals nur für einen Teil dieses Konsums. Wir find daher in erster Linie für die gänzliche Abschaffung, in zweiter Linie dann dafür ein getreten, daß die Steuer fe niedrig wie möglich angesetzt werde. Die Forderung der völligen Steuerfreiheit wurde außer von den Vertretern des Bundes der Landwirte nur von Sozialdemokraten unterstützt; der dann folgende Antrag aus Herabsetzung der Steuer auf 12 und 10 Mark fand die geschloffene Zustimmung der gesamten Rechten und der äußersten Linken (Sozialdemokraten mit Ausschluß der Freifinnigen). Dagegen und für die dann angenommenen 14 Mk. Konsumsteuer stimmten unter Paasches Leitung die Nationalliberalen und fie gaben so den Ausschlag gegen die Herabsetzung auf 12 bezw. 10 Mark. Wir fragen: Welche Logik beherrschte den Herrn Professor Paasche, als er, statt im Interesse der von ihm selber ja angeblich so sehnlich erstrebten Verbrauchssteigerung wenigstens für 10 und 12 Mk. zu votieren, die Steuer aus 14 Mk. hinaufschraubte, dabei aber den nach dem klaren Wortlaut der Konvention unmöglichen Antrag auf teilweise Steuerbefreiung vertrat? Zwei Möglichkeiten giebt's hier nur. Entweder: Herr Professor Paasche hat die Konvention, für deren Annahme er so lebhaft bemüht war, thatsächlich gelesen, und dann haben wir für seine Haltung keine sachliche Erklärung. Oder aber, er arbeitete und votierte für eine Konvention, die er selber nicht durchgelesen hatte! In diesem Falle werden es ihm seine ländlichen Wähler nicht zur Entschuldigung anrechnen, daß er nicht gewußt hat, was er that.
dem vielen Buschwerk, das den Kanal einsaßte. Dem armen Fritz that die Ruhe sehr wohl; er fühlte fich doch noch matter, als er selbst gedacht, und die Frage, ob er jemals wieder dienstfähig werden würde, trat ihm — nachdem fie schon oft genug an seinem Geist vorüber gehuscht war — heute plötzlich beängstigend vor die Seele.
Und was dann, wenn er — als Invalide — den Soldatenrock ausziehen mußte?
Als er noch im Krankenhause lag, war ihm eines Tages eingefallen, daß die Kosten für seine Herstellung einen ganzen Teil des Vermögens aufzehren würden, von dessen Zinsen Vater und Mutter leben mußten.
Das machte ihn für mehrere Nächte schlaflos und die Aerzte konstatierten einen Rückfall.
Endlich hatte er gewagt, seine Mutter zu fragen, die monatelang täglich gekommen war, ihn zu sehen und die er damals garnicht bemerk, oder wenigstens nicht erkannt hatte.
Sobald die Aerzte ihn dann außer Gefahr erklärten, hatte die Aermste die Pension verlassen, in welche fie fich einquartiert, und war nach Haselberg zurück gereist, wo der Oberstleutnant — wie er ihr schrieb — ein trauriges Leben ohne fie führte, obwohl Herr und Fräulein Burghausen und die ganze Familie von Kan- trupp ihn mit rührender Fürsorge umgaben.
Von dort war fie also gekommen, um ihren Sohn zu sehen; fie und ihr Gatte wechselten darin wöchentlich ab. Mel Trost hatten fie
„Aber, daß ich ansange zu denken, mir Sorge zu machen, Freude und Leid wieder ru fühlen, das — sagt der Doktor — sei ein sicheres Zeichen der baldigen völligen Genesung!" tröstete er sich dann selbst.
Ihm wurde unruhig zu Mute. Er ging im Garien umher, seine Geschwister und Hilde kehrten eben zurück.
Dann setzten fie fich im Hause wieder an ihren Tisch und ließen fich einen Imbiß bringen, „vom besten, was da sei," bestellte Anna.
Während fie dies sagte, lachte fie freudig auf: „Nein, ist es denn möglich ? Ulla, Mädchen, wie kommst denn Du hierher?" rief fie in höchstem Erstaunen.
Ulla gab Antwort, Hans und Hilde warm aufgesprungen und an ihnen vorüber drängte sich Fritz:
„Sie? Sie? O, Ulla!"
Er hielt ihre Hände, sein blasses, schmales Gesicht strahlte und seine Augen, diese krankhaft großen Augen leuchteten. Sie stand ihm gegenüber, sah ihn froh lächelnd an und stammelte eine ganz verworrene Erklärung. Das all s ging aber an den drei anderen ohne Eindruck vorüber, denn Ulla hatte aus einen etwas entfernteren Tisch gezeigt und ein einziger Blick belehrte Hans, daß dort der derzeitige Re- gierungkpräbdent von Brandenburg saß — persona grata bei Hofe und zum Minister designiert, wie neulich in der Zeitung gestanden.
(Fortsetzung folgt.)
Cefdptni täglich au Str an Werktagen nach Sonn- un6 Feiertag«. SonntagtzbeUaa,: 30ettritte» Souutagtzblatt.
Druck nnd vertag: Iah. >ng. liech, UniverfitLtS-Buchdruckm Marbnrg, Markt 21. — Telwhon S5.
im englischen Markt so überaus billigen Zuckerpreis ermöglicht. Es waren daher schon seit längerer Zeit bei den deutschen Zucker- und Obstinterestenten — unter lebhafter Förderung seitens preußischer Regierungsstellen — Bestrebungen im Gange, die darauf abzielten, den jetzt so überaus starken Import von englischen Fruchtkonserven, Marmelade u. s. w. nach Deutschland dadurch zu Gunsten des deutschen Zucker- und Obstverbrauches zu ersetzen, daß man den für diese Zwecke verwendeten Zucker in Deutschland ganz oder doch zum erheblichen Teil von der Konsumsteuer befreite. Ein dahin gehender Antrag war nun jetzt, bei der dritten Lesung der Zuckersteuernovelle, von den National- lieberalen gestellt worden. Der Zweck des Antrages war auch von den Vertretern des Bundes der Landwirte als selbstverständlich erwünscht betrachtet und deshalb grundsätzlich unterstützt worden; diese Mitunterzeichner hatten aber sofort daraus hingewiesen, daß ohne Aenderung einiger Bestimmungen der jetzt vorliegenden Brüsseler. Konvention der Antrag nicht durchgeführt werden kann. Als nun der Antrag zur Debatte kam und von einer Seite im Zusammenhang mit der vorliegenden Konvention die Unmöglichkeit der Durchführung dieses Antrages betont wurde, erklärte der Herr Profeffor Paasche, e§ sei einfach unverständlich, wie man behaupten könne, die Brüsseler Konvention verhindere diese Steuerbefreiung oder Steuer- Ermäßigung! Nach dieser Erklärung Paasches wurde die Debatte über diesen Antrag geschloffen; wir geben nun zur Beurteilung für unsere Leser nachstehend den Wortlaut der für diese Fragen in Betracht kommenden Stellen der Brüsseler Konvention. Der Artikel 1 der Konvention sagt unter Litera e: Es ist verboten „die vollständige oder teilweise Abgabenbefreiung für einen Teil der hergestellten Er- zeugniffe. Und darüber, was für Erzeugnisse unter diese Bestimmung fallen, sagt der Artikel ausdrücklich:
„Für die Anwendung dieser Bestimmung werden die zuckerhaltigen Erzeugnisse, tote Zuckertoerk, Schokolade, Cakes, eingedickte Milch und alle anderen ähnlichen Erzeugnisse, welche in erheblichem Verhältnisse künstlich zugesetzten Zucker enthalten, dem Zucker gleichgestellt."
Man sollte meinen, daß es wirklich keiner besonderen Jnterpretierungskunst bedürfe, um zu erkennen, daß Fruchtmarmeladen „Erzeugnisse find, die in erheblichem Verhältnis künstlich zugesetzten Zucker enthalten" und daß deshalb die „völlige oder teilweise Abgabenbefreiung" für diesen Zucker durch diese Konvention verboten ist. Ein Gleiches folgt aber zum Ueberfluß auch noch aus dem Artikel 3 der Konvention. Hiernach darf der Ueberzoll, also
Freitag, 20. Juni 1902.
heitskamps der Buren hat zu Ungunsten des tapferen KolkeS sein Ende gefunden, es mutzte der Uebermacht endlich erliegen und nun interessiert es natürlich im höchsten Grade, wie fich die Dinge in den Buren- «publiken unter britischer Herrschaft gestalten.
Man vermeide deshalb, datz in der Zustel lung der .Oberhesfischen Zeitung' eine Störung emtritt, denn wie bisher wird fie auch in Zukunft ihre Leser über alle wichtigen Tagesfragen kurz, aber schnell und erschöpfend informieren und des Ereignis von Bedeutung fo rasch ich melden.
Die Expedition der Oberhessischen Zeitung.
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Umschau
Das Kaiserpaar in Bonn.
Sofort nach dem Frühstück am Dienstag im Husarenkafino vertauschte der Kaiser die Uniform mit dem Zivilkleid und der Couleur der Borussen. Abends y210 Uhr defilierte der große Fackelzug der Studenten aller Korporationen an der vom Kaiser bewohnten Villa Schaumburg vorüber, dessen Führung dem „Wingolf" durchs Los zugefallen war! Sei« erster Chargierter war auch der Sprecher vor dem Kaiser. Der die Rheinpromenade entlang gehende Zug zauberte tausend glitzernde Reflexe auf den silbernen Spiegel des Rheins, den zahllose, lampiongeschmückte Boote belebten! Zusammen mit der Musik bei dem prächtigen Wetter ein venetia- nisches Bild .... Kurz vor der Villa verließen die sechs abgeordneten Chargierten mit dem Rektor der Universität ihren Wagen und begaben sich in das Zelt, wo die Majestäten, der Kronprinz und die übrigen Gäste den Zug erwartet hatten. Hielt hielt der 1. Chargierte des „Wingolf" Th. Meyer eine Ansprache, in der er dem Kaiser für die Annahme des Fackelzuges dankte, die Ergebenheit der Studenten für Kaiser und König versicherte und das Gelübde hinzufügte, nach der Mahnung des Kaisers „Männer sind eS, die wir brauchen mehr als je" bestrebt zu sein, treue, dem Herrscherhause und dem Daterlande ergebene Männer zu werden. Der Kaiser dankte darauf der Studentenschaft für die Huldigung und auch die Kaiserin bezeigte ihr lebhaftes Interesse für das bonner Studentenleben. — Gestern fand uw 3 Uhr nachmittags daS Festmahl zur Feier des 75jährigen Bestehens des Korps Borussia statt, dem der Kaiser in Couleur präsidierte. Der 1. Chargierte der Borussen,' v. Bentivegni, dankte Seiner Majestät für das Erscheinen und gelobte namens des Korps, Sorge zu tragen für die Ausbildung für König und Vaterland brauchbarer Männer! Der Kaiser antwortete in einem Trinkspruch, in dem er von Herzen für die Worte des 1. Chargierten dankte. Die Jugend solle aber bei allem Frohsinn stets eingedenk fein, fich vorzubereiten für die ernsten Anforderungen des Leben?. Vorbilder fänden sie ja zahlreich in den Männern, die aus ihrem Korps hervorgegangen wären. Auch sollten fie an ihrem Teil mitthun an der Vorbereitung der Fürstensöhne in ihren Reihen für den Ernst des Lebens. Er selbst freue fich einmal wieder unter der Jugend mit ihrem Wagemut und ihrer frischen Thatkrast zu weilen und er bringe mit den alten Herren ein donnerndes Hurra auS auf das Korps Borussia. — Arn Abend fand ein Festkommers der Borussen statt, das Präsidium übernahm der Kais er inHusarenuniform mit Stürmer und Band. Auch die Kaiserin
Die Sachkenntnis des Abgeordneten Paasche.
Einen sonderbaren Eindruck von der Sachkenntnis, von der sich der nationalliberale Abgeordnete Professor Paasche und mit ihm der größere Teil der nationalliberalen Partei bei der Abstimmung über die Zuckerkonvention leiten ließ, hinterläßt folgender Artikel der deutschen Agrakorrefpondenz:
Die Liste der namentlichen Abstimmung über die Brüsseler Konvention zeigt, daß nur ein Seiner Teil der Nationalliberalen die Konvention rckgelehnt hat. Die zustimmende Haltung des so überwiegend größten Teils der National- liberalen erklärt sich daraus, daß man dem Fraktionskollegen Professor Paasche ein besonders weit reichendes Sachverständnis für die Beurteilung der Konvention beigelegt hat und sich darum durch ihn zu der zustimmenden Haltung bewegen ließ. Dieser Umstand nötigt Ms, einen Vorgang zur Sprache zu bringen, [bet es auch dem Außenstehenden ermöglichen wird, den Grad der bei der Brüsseler Konvention bewiesenen spezifischenSachkenntniSdes Professors Paasche zu beurteilen. Be- k kenntlich beruht der gegenüber Deutschland fast [ dreifach höhere Zuckerverbrauch Englands vornehmlich auf der in England überaus stark entwickelten Fabrikation von Jam und Marmelade. Diese Fabrikation wurde dort durch den bisher
' Wichtige Beratungen auf innerpolitischem Gebiete iieb«nS ffrtb im Gange, die jeden Deutschen nahe hui*'!: berühren und die er deshalb kennen muß.
8WM Auf dem Gebiete der äutzeren Politik werden allenthalben neue Fäden geknüpft. Der Frei»
Machdruck verboten.)
Eine Geldheirat.
Roman von LlHaidheim.
erd . sein, wie sie selbst es wat — aber ein Unter« tflfeiw^djieb gegen sonst, kam ihr doch dunkel zum N'Z. Bewußtsein.
Briefträger oder dem nächsten Postamt sofort zu eb erneuern!
H'xM „Gott sei Dank, er söhnt fich mit dem Ge- ma»1 bauten an Hildes längeres Bleiben aus,"
Starteljährlicher Bezugspreis: M der Expedition S SRt, 119 bei alten Postämter» 2M ML (erd. Bestellgeld).
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ausea dachte sie.
'ÜLß Der vorzügliche Kaffee und die berühmten .»ZiT Spritzkuchen der Wirtin sanden ihren ganzen • hi Beifall.
?lCu» Es tarnen noch zwei oder drei Wagen und tCtt * ftn Boot mit anderen Gästen. Da letztere in #g ihrer Nähe Platz nahmen, hörten fie, daß von irgend einem in der Nähe liegenden Rittergut noch eine Gesellschaft erwartet wurde, aber das “ alles kümmerte fie ja nicht.
nritz war gegen die Teilnahme an einer farif Ö'inen Bootfahrt, er behauptete, das Spiegeln (J43 be§ Wassers noch nicht vertragen zu können, und bat, ihn fich selbst zu überlassen, er werde ft“** ein Weilchen spazieren gehen und fich dann künbt wieder in den Garten setzen.
*• . Hans mietete also ein Boot, Anna und
Hilde stiegen ein und verschwanden bald hinter
___ (Fortsetzung.)
hilf Anna war ganz glücklich über feine gute Stimmung. Nicht, daß fie eine solche bisher z an ihm vermißt hätte — denn fie nahm einfach TDrem er müsse ganz und vollkommen so befriebigt