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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbura und Kirchhain.

Ein parlamentarischer Rückblick.

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schwindlig geworden, denn Millionen spielten gar keine Rolle, ein Posten von 23 Millionen sei beispielsweise in einer Zeile gebucht usw.

Puchmüller bestreitet den ihm gemachten Borwurf, daß er Hypothekengeschäfte für eigene Rechnung gemacht habe, die aus diesen Geschäften entstandenen Verluste jedoch auf die Tochter­gesellschaften abgeschoben habe.

Nach weiteren Auseinandersetzungen der Ver­teidiger und Sachverständigen faßt die Anklage­behörde das Ergebnis der Feststellungen dahin zusammen: Das Risiko der Spekulationen trugen die Preußenbank und die Grundschuldbank. Die Angeklagten beliehen die Grundstücke auf Grund von unrichtigen Taxen weit über die statuten­mäßige Grenze hinaus und zwar gegen ver­hältnismäßig geringe Zinssätze, zahlten die Zinsen nicht in bar und Provisionen überhaupt nicht. Dagegen erlitten die Banken dadurch, daß ihnen die unsolvente Aktiengesellschaft für Grundbesitz und Hhpothekenverkehr als Schuld­nerin überwiesen wurde, ein erheblichen Ausfall.

Giftmordprozeß Thomaschke.

Zur heutigen Verhandlung wird Thomaschke auf einer Tragbahre von drei Gefangenen in den Saal getragen. Sein Gesicht ist leichen­blaß. Er ist auf der Bahre festgeschnallt, und diese wird so in den Anklageraum gestellt. Wie der Gefängnisarzt begutachtet, ist Thomaschke trotz seiner Schwäche« im Stande, der Verhand­lung zu folgen. Rechtsanwalt Dr. Werthauer bringt zur Sprache, daß Löffler in den Diensten der politischen Polizei gestanden haben soll, und es deshalb nicht ausgeschloffen sei, daß auch andere Personen ein Interesse daran hatten, Löffler aus dem Wege zu räumen. ^.as Gericht beschließt, den Kriminalkommiffar Schöne sofort als Zeugen zu laden und ihm aufzugeben, vom Polizeipräsidenten die Erlaubnis einzuholen, über den Löffler'schen Mord Auskunft zu geben, damit festgestellt werde, ob Löffler etwa einem politischen Morde zum Opfer gefallen sein könne. Verteidiger Justizrat Dr. Sello richtet an die Zeugin Kretzschmar noch einmal die Frage, ob sie sich nicht entsinnen könne, daß am Nach­mittag oder Abend des 30. September ein Fremder bei Löffler gewesen sei. Die Zeugin verneint dies. Es gelangen darauf die Akten über die Vergangenheit der Zeugin Kretzschmar zur Verlesung. Durch die Verlesung der Akten wird ein schlechtes Licht auf das sittliche Ver­halten der Zeugin Kretzschmar in ihrer Jugend geworfen, ein Bild grenzenloser sittlicher Ver­wahrlosung. Bei ihrer Jugend seien ihr aber mildernde Umstände zugebilligt worden, und das Gericht habe es für angezeigt erhalten, sie einer Zwangserziehungsanstalt zu überweisen. Die

günftigi kauft.

Umschau

Freisinnige Regierungsversuche.

Mit berechtigtem Hohn schreibt unter dieser Aufschrift derVorwärts":

«AJ?1 Kommission hätte in dem neuen Arbeitsabschnitt 1 lofoitii , im nächsten Herbst von vorn anfangen muffen, rteigers. : g;n parlamentarischer Rückblick auf die nun-

debatte gab den Parteien Gelegenheit, sich mit >er Regierung über die Wirtschaftspolitik aus­einanderzusetzen und ließ Hoffnung auf eine Verständigung, d. h. aus eine Erhöhung der von der Regierung eingestellten Mindest- zölle. Bekanntlich ist diese Hoffnung in letzter Zeit sehr gesunken.

Die zweite Ärbeitsperiode, die Zeit vom 8. Januar bis zum 13. März, war der Fertig­stellung des Etats Vorbehalten. Obwohl auch in diesem Jahre die Sozialdemokraten wieder die Etat­debatten ins Uferlose ausdehnten, gelang es doch noch, den Etat rechtzeitig fertig zu stellen und daneben noch einige Initiativanträge zu verab­schieden, so denJesuitenantrag", denToleranz­antrag", den Rickert'schen Gesetzentwurf behufs größerer Sicherung des Wahlgeheimnisses und einen Antrag über den kaufmännischen Dienst­vertrag. Der Versuch, in dieser Periode auch das Branntweinsteuergesetz zum Abschluß zu bringen, mißlang. Die dritte Lesung wurde allerdings am 30. Januar ausgenommen, wo sie vor Jahresfrist ins Stocken geraten war, scheiterte aber an der Obstruktion der Linken.

In d r dritten Arbeitsperiode zwischen Ostern und Pfingsten, vom 15. April bis 6. Mai gelang es, die Seemannsordnung durchzuberaten, die gesetzlichen Grundlagen für das Weiter­arbeiten der Zollkommission, während der Parla­mentsferien Zeit zu schaffen und einige sozial­politische Gesetze zu verabschieden. Anfang Mai legte die Regierung die Brüsseler Zuckerkonvention und die dazu gehörige Novelle zum Zuckersteuer­gesetz dem Reichstage vor, in der Hoffnung, daß dieser beide Vorlagen durchpeitschen werde, und daß dann noch 'vor Pfingsten die große Ver­tagung eintreten könne. Diese Absicht scheiterte an dem Widerstande der Renten, die eine Vor­lage von dieser wirtschaftlichen Tragweite nicht übers Knie zu brechen vermochte. Jnfolgedefsen wurde die Session am 10. Mai vertagt, nach­dem der Reichstag die Zuckerkonvention in erster Lesung durchberaten hatte. Im letzten, am 3. d. M. begonnenen Arbeitsabschnitt wurden, wie üblich, die Arbeiten am schnellsten gefördert. Der zur Ueberraschung der politischen Welt eingegangene Gesetzentwurf auf Aufhebung des Diktaturparagraphen war schnell erledigt, ebenso die Brüsseler Konvention und das Zuckersteuer­gesetz. Ob diese Ueberstürzung im letzten Augen­blick dem Lande zum Segen gereichen wird, er­scheint freilich zweifelhaft.

inmfl Was den Verlauf der letzten Session im ulllul einzelnen betrifft, so haben wir vier Arbeits- ' Perioden zu unterscheiden. Die erste Periode dauerte vom 26. November bis zum 12. De- zember. Der Reichstag versuchte zunächst die Seemannsordnung unter Dach und Fach zu bringen, mußte aber diesen Plan aufgeben, um wenigstens noch die erste Lesung des Zolltarif- gesetzes, die vom 2. bis 12. Dezember dauerte, beenden und die Vorlage an die Kommission verweisen zu können. Jene zollpolitische General-

Jedesmal, wenn die Regierung mit ihren geliebten Junkern einen kleinen häuslichen Streit auszufechten hat, besonders aber, wenn Gerüchte im Schwange find, daß mein"oben" sehr un­gnädig über die Konservativen sei, laufen die Vertreter des freisinnigen Bürgertums herbei und bringen sich in empfehlende Erinnerung eine Aufdringlichkeit, die freilich niemals be­lohnt wird. Im Gegenteil, es geschieht ihnen wie Leuten, die sich ungebeten in einen Zwist von Eheleuten mischen; die Hadernden wenden sich gemeinsam gegen den Dritten.

Bisher war es die Eigentümlichkeit der Freisinnigen Vereinigung", diese schlaue und charaktervolle Politik zu betreiben. Neuerdings aber wandelt auch die Freisinnige Volkspartei auf den Spuren Rickerts. Ja, diese hat sogar letzthin einen ernsthaften Gehversuch unter­nommen, um zu zeigen, daß auch sie fähig sei, als regierende Partei zu wirken. Dabei find aber die Wafferstiefler auf dem ungewohnten diplomatischen Parkett schmählich und lächerlich ausgelitten".

In ähnlichem Sinne läßt sich dieLeipziger Volkszeitung" aus, indem sie anläßlich des Auf­tretens des Ministerpräsidenten, Grasen von Bülow, im Abgeordnetenhause schreibt:

Die gedankenlose liberale Presse schwelgt in eitel Jubel und Wonne über den weisen Richter, den Salomo, der an zuständiger Stelle genau das Sprüchlein wiederholt habe, das sie ihm wie einem Starmatz tagelang vorgesagt hatte, und sie sieht bereits das junge Morgenrot eines neuen Tags in Preußen und in Deutschland heraufdämmern, da die Regierung sich auf die neue Handelsvertragsmehrheit" stützen und mit Richter, Barth und Bebel Gesetze machen werde."

Die Sache sieht allerdings sehr spaßhaft aus; aber die Sozialdemokraten wissen doch trotz ihres Hohnes aus der freifinnig-liberalen Hetze gegen die Konservativen Vorteil zu ziehen. Auf dieneue Handelsvertragsmehrheit", die hier verspottet wird, arbeiten bekanntlich auch die Sozialdemokraten hin.

Prozeß Sanden.

Die Verhandlung wird bei dem Teil der Anklage wieder ausgenommen, der von den Terrainspekulationen der Angeklagten Ed. Sanden und Puchmüller und der Art, wie diese verbucht worden find, handelt. Es finden hierbei lange Erörterungen statt, wobei die Sachverständigen Geh. Rat Dr. Hecht und Kommerzienrat Lucas ausklärende Erläuterungen zu geben suchen. Ersterer erklärt, daß Geschäfte, wie fie von den Angeklagten abgeschlossen worden seien, bei Hypothekenbanken nicht vorkommen sollten. Ihm sei bei der Prüfung dieser Buchungen manchmal

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ir AürM Die größte Enttäuschung hat der Reichstag ftiwwS! dem deutschen Volke dadurch bereitet, daß er ch, Km nicht im Stande gewesen ist, den Zolltarif in M I dieser Session zur Verabschiedung zu bringen . , und damit die Grundlagen für den Abschluß Marbm, nützlicher Handelsverträge zu schaffen. Die rnnindi Schuld daran liegt allerdings weniger beim twuv Reichstag als bei den verbündeten Regierungen, bei denen der dringende Wunsch nach recht-

jetzige Abschluß der Arbeiten kommt dem Schluß 2 $ einer Session gleich, die an Stelle desSesfions-

_ schluffes gewählte Form der Vertagung erfolgte nur aus Rücksicht auf die zollpolitischen Vor- Hy. lagen, die in der Kommission ber.its einer ., j fünfmonatigen Arbeit unterzogen worden sind; ich z hätte man die Session geschloffen, so wären die zweiten unter den Tisch gefallen und die

. ----- Ein parlamentarischer Rückblick auf die nun- mehr zum Abschluß gelangte Arbeitsperiode ist '4$ F nicht geeignet, volle Befriedigung zu gewähren. Ganz abgesehen davon, daß das parlamentarische . Niveau des Reichstages infolge des Absentismus ., Na, der bürgerlichen Parteien und oer Vorherrschaft ' der Sozialdemokratie erheblich gesunken ist, item st lehrt oer Rechenschaftsbericht der Session, daß der Reichstag arg im Defizit steckt. Die Zahl der zum Abschluß gebrachten Arbeiten ist ver­schwindend klein im Verhältnis zu der langen Verlustliste, zu dem Verzeichnis der Vorlagen und Beratungsmaterialien, die als Ballast in nächste Session hinübergeschleppt werden ...i. Das aber, was zur Verabschiedung gelangte, ist zum Teil recht zweifelhafter Natur . MtA, . und geeignet, den Mittelstand mit Sorge zu erfüllen.

Uhr: Bei Denen oer onngenoe «i>un|ty nuuj ilnut ii zeitiger Fertigstellung des Zolltarifs in keinem llokal. r ' ' ' i-----

ä^cnr,! Der Reichstag ist, nachdem er in zwei aus- 1 kinanderfolgenden Sitzungen den noch zu er- Vrrsti^ ledigenden Arbeitsstoff zur Verabschiedung ge- Johan^ bracht hatte, in die großen Ferien eingetreten, der bie bis zum 14. Oktober dauern werden. Der

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87 (Nachdruck verboten.)

Eine Geldheirat.

Roman von L. Haidheim.

(Fortsetzung.)

Lebt er wirklich? Was sagen die Aerzte?"

Schwere Gehirnerschütterung! Einige Hoff­nung," sagt der ältere, der jüngere Arzt zuckte nur die Achseln.

Wo ist Schragert und"

Er hat das Zimmer dort nicht verlassen ist sehr erschüttert."

Burghausen wollte gehen, Wolzin hielt ihn jedoch zurück.

Burghausen!" sagte er. Als der Ober­regierungsrat ihn etwas verlegen anblickte, nahm er dessen Arm und führte ihn weiter von den Stuben fort.

Es ist freilich kein gut gewählter Ort, Lurghausen, in der Nähe eines sterbenden Neben­buhlers mit Ihnen von von meinen Wünschen zu sprechen. Aber ich kann nicht anders. Sie haben mir gesagt, Ullas Herz sei völlig frei Sie irrten! Ich sagte Ihnen schon, daß ich fürchtete, Sie seien im Irrtum. Ulla und der Unglückliche -"

Es wollte ihm nicht über die Lippen, daß die beiden sich liebten. Nach einer kleinen Pause fuhr er fort:

Genug! Es ist jetzt an Ihnen, Ulla be­greiflich zu machen, daß ein Mann in seiner Lage nur in der momentanen Erregung durch Wein und Musik und allenfalls auch der

Verliebtheit eine Neigung kund thut, der er keine Folge geben tarnt. Und Ulla muß fühlen, daß es ihre Pflicht ist, die Worte zu ignorieren, die beide zu einem elenden Lose verurteilen würden."

Burghausen sah sehr betroffen aus.

Sollten Sie sich nicht irren, Wolzin? Und auf alle Fälle es ist ja gar kein Gedanke an Heirat, selbst wenn er wieder gesund und dienstfähig würd-.!"

Gut! Handeln Sie also danach. Aber ich bitte Sie, ohne jeden Zwang, ohne Ueberredung. Ulla ist ein kluges, vernünftiges Mädchen darauf rechne ich."

Sie drückten sich die Hände und trennten sich. Wolzin ging zu Fritz und den Aerzten.

Als er eintrat, hörte er Schragert und Eomp. sagen:

Das Geld ist Nebensache ich zahle alles nur retten Sie mir den Jungen! Mein Leben ist ja doch sein junges blühendes Leben nicht teert!"

Einen Blick nur warf Wolzin auf den Ver­unglückten. Das starre, bleiche Gesicht hatte einen seltsam finsteren ober schmerzentstellten Ausdruck. Die Züge waren wie zusammen gezogen. Er atmete, jedoch nur schwach.

Auf feinen fragenden Blick.antwortete einer der Aerzte:

Keine Spur von Bewußtsein, Herr Ge­heimrat."

Ich hörte, es fei starke Gehirnerschütterung?"

Sehr starke." Der Arzt erklärte die Symptome.

Aber doch Hoffnung? Er ist ja jung und kräftig!"

Das find auch die Fattoren, die wir in Rechnung ziehen."

Und was denken Sie? Wird die Geschichte langwierig fein?"

Wahrscheinlich hoffentlich sogar! Denn das ist erforderlich für feine Genesung."

Schragert und Comp. hatte mit Spannung zugehört. Als er vernahm, daß die Aerzte Wolzin dasselbe sagten, was fie ihm gesagt, atmete er erleichtert auf.

Man hat fein bischen Leben doch schrecklich lieb!" höh. te er sich selbst.Ich bin dem armen Kerl so furchtbar dankbar und kann ihm das vielleicht nie beweisen. Weißt Du, Wolzin, wenn man sich im Leven so gequält hat, wie ich, und man fitzt bann so recht auf einem grünen Zweig, ba will man vom Leben auch gern noch was haben! Als ich ba im Wasser lag, ba arbeitete mein Hirn so fieberhaft, wie kaum je zuvor, unb ein gräßliches Bedauern erfüllte mich, daß ich nun sterben sollte jetzt grobe! Unb ba packt mich ber liebe Junge seine Stimme klang mir wie Himmelsmusik Unb ich lebe nun um biefen hohen Preis!" Die Augen stauben ihm voll Thränen.

Jener wünscht seine Genesung unb ich" Wolzin mochte biefen Gedanken gar nicht aus­denken. In feinem bisherigen Leben hatte es nur selten seelische Konflikte gegeben unb toar

dies je ber Fall gewesen, so hatte er fie einfach niebergetreten unb nicht bem Gemüt, sondern ber »erftänbigen Berechnung zum Siege verhalfen.

Heute zum erstenmal mahnte ihn eine angst­volle Stimme in seinem Jnern:Bleib ein Ehrenmann!"

Ja sicher!" sagte r zu «ich selbst.Aber banach thue, was Dich zum Ziele führt!"

Die Aerzte hatten telegraphisch einen Kranken­pfleger und eine barmherzige Schwester aus bem Hospital, bem ber ältere Arzt Vorstand, herbei- gerufen. Bis diese kamen, sollte der jüngere Arzt bei Fritz bleiben und bann sollte auch erst ber Kranke umgebet« et werben.

Schragert rnb Comp. ließ sich auf keine Weise bebeuten, daß er völlig überflüssig neben dem Lager seines Neffen sei. Nur zuletzt, bem biretten Befehl des Arztes gab er nach.

Aber ich bleibe hier irn Haufe! Ich werde für Ruhe sorgen Ruhe lautlose Stille!" versicherte er.

Das gestattete man und er war beruhigt.

Der Vater und die Mutter blieber felbji= verständlich. Jetzt hatte Wolzin dafür zu sorgen, seine anderen Gäste nach Hause zu bringen.

Ma ging wie eine Nachtwandlerin neben dem Vater her, dem Boote zu. Lolzin hielt sich an ihrer anderen Seite. Sie hatte Fritz von Glaichen nicht mehr gesehen.

Ob fie es Wolzin häufte, daß er fie scharf an ihre Mädchenwürde erinnerte? Jedenfalls hatte er fie zur Besinnung darauf gebracht.

(Fortsetzung folgt.)