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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbura und Kirchhain.
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Die agrarischen Forderungen im Lichte der prattischen Erfahrung.
Die Gegner der Landwirtschaft können sich ____jt genug thun in Beschuldigungen der .begehrlichen Agrarier" und in schaudererregenden Schilderungen der Folgen, welche die Be- »rlligung der von diesen aufgestellten Forder
machen Sie ihr begreiflich, daß sie mit aller Energie dem jungen Mann klar machen muß, sie liebe ihn nicht. Denn sehen Sie, sonst dürste sich der arme Fritz einbilden, er müsse die Konsequenzen aus der heutigen, schwärmerischen Scene ziehen und Ulla seine Hand bieten. Damit würde er sich aber lebenslang zu einem um so elenderen Lose verurteilen, als sein Bruder, mein Schwiegersohn, ihm als schwer reicher Mann immer ein Bild dessen wäre, was er in der Aufwallung einer thörichten Verliebtheit aufgegeben hat. Ich berufe mich auf Ihren Herrn Verlobten! Herr von Wildling würde nie um Sie geworben haben, wenn er so arm wie Fritz von Glaichen wäre. Dazu würde er sicherlich zu klug und zu hochherzig gewesen sein."
Ja, freilich, so weltfremd Leontine von Kantrupp auch war, das letztere sah sie als völlig richtig ein. Denn Kurt hatte heute nachmittag dasselbe zu ihr gesagt und es .unvernünftig" von Fritz gefunden, Laß er nicht lieber ganz schwieg.
Sie waren also ganz einer Meinung: der ältere, zielbewußte Mann und das junge, unerfahrene Mädchen. Leontine versprack es Wolzin in die Hand, Ulla nach besten Kräften überzeugen zu wollen, daß diese Fritz von Glaichens Karriere, ja, seine ganze Existenz nicht zerstören dürfe.
Leontine fühlte die hohe Wichtigkeit ihrer Mission mit Befriedigung. Als sie und Wolzin das Zimmer verließen, hatte sich draußen im Flur die Szene geändert.
Die erregten Festteilnehmer hatten sich nach und nach in eine draußen am Wasser liegende Glasveranda begeben; dort saßen sie flüsternd
bedingung dieser Maßnahme für den Bereich der staatlichen, der vom Staat verwalteten nichtstaatlichen, der vom Staat und von Anderen gemeinschaftlich zu unterhaltenden und der vom
bei heißem Grog und Thee, und besprachen das Unglück, sich freuend, daß es sie selber nicht getroffen. Zu ihnen traten ab und zu die in8. Wasser Gestürzten, die Wirt und Wirtin mit trockenen Kleidern versorgt und die jetzt, nach ausgestandener Angst, fröstelnd und bleich aus- sehend, wissen wollten, wie sich denn das Unglück eigentlich zugetragen.
Drinnen in der einen Stube saß, aufgelöst in Thränen, Frau von Glaichen; Ulla, bleich und still mit trockenen Augen stand neben ihr; beiden gab der Oberstleutnant, der recht alt und krank aussah, sich aber energisch zusammen nahm, Bericht.
.Er lebt, Mütterchen, er atmet: Sieh, das ist ja schon die Hauptsache. Wo Leben ift, da ist auch Hoffnung! Nicht wahr, Wolzin, das meinen Sie doch auch? Der Doktor hat vor der Hand erst mal die Absicht, ihn hier ganz still liegen zu laffen — ein paar Tage wenigsten». Die Wirtin macht ihm da nach dem Walde hinaus eine Gartenstube zurecht, dahin wolle» sie ihn tragen —"
.Da will ich doch mal nach dem Rechten sehen," unterbrach ihn Wolzin, der froh war, hinaus zu kommen, denn er fühlte sich mit sich selbst im Unfrieden über die Gleichgiltigkeit, die er bei dem Schmerz der liebenswürdigen Eltern, wie dem Unglück des Sohnes empfand.
Nicht einmal ein Wort des Trostes fand er für die arme Mutter, er küßte ihr nur schweigend die Hand.
Draußen trat Burghausen zu ihm, der bei dem Verunglückten gewesen war.
(Fortsetzung folgt.)
garten, ifrifdjen weicher Leist.
-Seife
hat er ihr auch gesagt, er dürfe als Ehrenmann nicht um sie werben, aber sie solle wenigstens wissen, daß er nie eine andere lieben würde."
.So? Also der Roman ist fix und fertig?" knirschte Wolzin. Plötzlich bemerkte er Leontines maßlos erstaunten Blick. Und im Nu sich zusammen nehmend, zog er sie an ein noch entfernteres Fenster, ergriff ihre Hand und zwang sich zu einem ganz anderen, chm selbst fremd dünkenden Tone:
.Mein liebes, gnädiges Fräulein! Was Sie mir da sagen, thut mir herzlich leid, denn es bietet sich für Fräulein Ulla eine weitaus beffere Partie. Lassen Sie mich Ihnen die Geheimnis anvertrauen, ich bin überzeugt, daß Sie ge- wiffenhafter und verschwiegener find, als hundert andere junge Damen! Sie sagen ja selbst, ein vermögensloser Offizier kann nicht um ein arme» Mädchen werben, wenn er dessen Zukunftsaus- fichten nicht zu Grunde richten will!"
Sie wurden unterbrochen — die Stubenthür fiel ins Schloß. Als fie sich umsahen, war Ulla fort. Draußen aber rief man zu wiederholten Malen: .Erlebt!" Die erstenmale hatten fie es überhört.
Leontine war im Begriff hinter Ma her zu laufen, Wolzin hielt fie jedoch fest.
.Sie hören ja — er lebt, Fräulein Leontine," sagte er, ohne jede Freude darüber. Das merkte fie aber nicht, denn fie war himmelweit entfernt, die wahre Sachlage zu ahnen.
Jetzt fuhr Wolzin in geradezu herzlich bittendem, dringenden Tone fort: „Sie find aufrichtige Freundin von Fräulein Ulla, mein liebes Kind! Wollen Sie ihr dies beweisen, so
■ hat die „Korrespondenz des Handelsvertrags-
-—verschiedene „junge Doktoren der
„Ulla I Er wird nur bewußtlos sein! Aengstige Dich doch nicht so!"
Ein Wutblick Wolzins traf die Sprecherin. 6t trat von den beiden Mädchen weg ans Fenster, um seine Selbstbeherrschung wieder zu gewinnen.
Leontine, über seinen Blick erschrocken, ging ihm nach und sagte leise: .Herr Geheimrat, die beiden lieben fich — ich weiß es."
„Was reden Sie da für Unsinn! Lieben sich! Er hat nichts und fie ebensowenig. Kann da von Liebe die Rede sein?" flüsterte er mit heiserer Stimme. Am liebsten hätte er daS holde Mädchen, das fich einbi bete, ihre Nachricht werde ihn milder stimmen, fortgestoßen.
Seine funkelnden Augen schüchterten Leontine vumer mehr ein.
.Das ist'S ja grade — fie wissen es wohl, daß fie fich nie angehören können und da hat kr zu meinem Eurt gesagt, er dürfe Ulla nicht »n sich fesseln, ihr Lebe» nicht zerstören. Ich Außte die anderen Mädchen weglocken und da
Marburg
Freitag, 13. Juni 1902
Erscheint täglich aufjer an Wer-iugrrr aaa) 6omt* uno Aeierlag«r>. So«»tagSdeUa-e: JllsftrirtrS Sonutagsbkatt.
Drsck snb Verlag: Iah, Sag, Koch, llniverfitäts-Bnchdrucker«
Marburg, Markt 21. — Telephon 55
Umschau
Verkürzung der Aufsteigefrist der Lehrer höherer Lehranstalten zum
Höchstgehalt.
Der preußische Unterrichtsminister hat in einem Rundschreiben an die Provinzialschulkollegien der .Voss. Ztg." zufolge mitgeteilt, daß in Ausficht genommen ist, die Aufsteigefrist der fest angestellten wissenschaftlichen Lehrer der höheren Unterrichtsanstalten zum Höchstgehalt von 24 auf 21 Jahre abzukürzen, und zwar in der Weise, daß die nach drei Dienstjahren zu gewährende Alterszulage von 300 auf 500 Mk., die nach sechs Dienstjahren zu gewährende Alterszulage von 300 auf 400 Mk. erhöht und der Betrag der nach 9, 12, 15, 18 und 21 Dienstjahren zu gewährenden Alterszulagen wie bisher auf je 300 Mk. bemessen wird. Als Vor-
(Nachdruck verboten.)
Eine Geldheirat.
Roman von L. H a i d h e i m.
(Fortsetzung.)
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im agrarfeindlichen Lager groß. Nun sollte die, wo es gilt den „begehrlichen Agrariern" etwas anhängen, allzeit bereite Kommunalverwaltung von Berlin helfen, aus ihren Rieselfeldern eine Milchwirtschaft im großen Stile einrichten und den .Milchwucher" der Agrarier durch Lieferung von billiger Milch an die Berliner Händler zu Schanden machen. Der Magistrat berief denn auch eine Konferenz ein, welche über diesen Vorschlag beraten sollte. Das Ergebnis der Beratung liegt nunmehr vor. Die Konferenz ist zu folgendem Resultat gelangt:
1. Es ist unmöglich, soviel Kühe aufzustellen, um einen durchgreifenden Einfluß auf Berlins Milchversorgung oder aus den Milchpreis zu gewinnen.
2. Der von Milchpächtern gebotene Preis von 121/3 Pf. ist ungenügend.
3. Es ist zur Zeit unmöglich, auf den Rieselfeldern für Säuglinge einwandfreie Kindermilch zu gewinnen.
Darob großes Geschrei im freifinnigen Lager: „Wir trauten unseren Augen kaum", so ruft die „Voss. Ztg." aus, „als uns dieses Urteil zu Gesicht kam. Das ist nichts anderes, als was Herr Ring (B. d. L.) seit zwei Jahren der Stadt Berlin verkündet."
Sehr richtig! Aus dieser Erfahrung aber sollten die Gegner der agrarischen Forderungen die Lehre entnehmen, wie wenig Beachtung ihre auf aschgraue Theorie aufgebauten Angriffe gegen dieselben verdienen und wie berechtigt die agrarischen Forderungen überall da erscheinen, wo der Maßstab praktischer Erfahrung bei ihrer Prüfung angelegt wird.
Staat unterstützten nichtstaatlichen Anstalten wird aber bezeichnet, daß zur Deckung des Mehraufwandes die Schulgeldsätze um jährlich 10 Mark erhöht werden; nur in den Vorschulen soll es noch bei den derzeitigen Sätzen verbleiben. Zur Deckung etwaiger Fehlbeträge, welche aus dem vorliegenden Anlaß bei nicht- staatlichen Anstalten fich ergeben sollten, kann die Gewährung neuer Bedürfniszuschüffe Falle nachgewiesener Leistungsunfähigkeit Unterhaltungspflichtigen in Erwägung nommen werden.
zwingen, sich vorwiegend mit stärkemehlhaltigen Nahrungsmitteln zu ernähren; fie würden dadurch der genügenden Zufuhr von Eiweiß entbehren und somit in ihrer Arbeitsleistung erheblich zurückgehen. Dr. Kurella mag ein guter Theoretiker sein, von dem praktischen Leben aber hat er keine Ahnung; so war ihm auch unbekannt, daß die in Menge nach Deutschland und Oesterreich wandernden italienischen Arbeiter so gut wie ausschließlich von stärkemehlhaltigen Nahrungsmitteln leben und trotzdem gerade als Maurer und Erdarbeiter Arbeitsleistungen aufweisen, mit denen die deutschen i Arbeiter trotz reichlicherer Eiweißnahrung nur schwer konkurrieren können. Seit Herrn Kurella diese Thatsache entgegengehalten worden, hat die „Korresp. des Handelsvertragsvereins" von seiner Weisheit keinen weiteren Gebrauch mehr gemacht. Ein anderer junger Doktor der Nationalökonomie im Dienste des HandelS-
hleik. ketten. !
Mk.5. | „ 3. trinke.
internationalen Interessen der Großschiffer und Großhändler hintanzustellen. Im Vollgefühle seiner ersichtlichen Macht hat damals Herr Ballin, der Generaldirektor der Hamburg Amerika-Linie, eine fulminante Rede gehalten, in der er nach widerlichen Bhzantinereien den siegestrunkenen Ausspruch that: Die staatliche Subventionierung (Beihülfe) zur Unterhaltung gewisser Dampferlinien könne ihm gestohlen werden! Die deutsch gerichtete Presse nahm von diesem Ausspruch gebührend Kenntnis und bemerkte, daß Herrn Ballin dieser Wunsch sehr leicht und zur Freude der deutschen Steuerzahler auf dem Lande gewährt werden könne. Diese selbstverständliche Schlußfolgerung scheint nun dem Hamburger Generaldirektor einen nicht geringen Schrecken eingeflößt zu haben. Denn nach den „Hamb. Nachr." nahm er bei der jüngsten Probefahrt des Postdampfers „Blücher" Gelegenheit zu erklären, daß jener Ausspruch sich nicht gegen die deutschen Schiffahrtssubsidien, die ja zum Teil in die Tasche der Hamb. Amerika- Linie fließen, sondern gegen die englischen Subsidien gewandt habe, und in erster Linie an die Adresse der englischen „Times" gerichtet gewesen s-i! — Wer die erste Rede Herrn Ballins gelesen hat, wird über die Plumpheit dieser Ausrede sehr erstaunt sein, denn wie hätte Herr Ballin sagen können, daß „ihm" die Schiffahrtssubsidien gestohlen werden könnten, wenn er die englischen gemeint hat, die er ja gar nicht bekommt? Wir glauben vielmehr, daß der „Landwind", der ihm nach jener unbedachten Aeußerung aus den Kommentaren der deutschen Blätter entgegenwehte, ihm recht unangenehm in die Nase gefahren ist und er es für angezeigt hielt, daS Wehen des Seewindes in einer Sache zu inhibieren, bei der er wohl den Ruhm eines unabhängigen Mannes zu gewinnen, aber die durch die Subsidien hervorgerufene Steigerung der Dividende zu verlieren erwarten konnte.
Sozialistische Mauserung?!
Unter dieser Ueberschrist läßt fich die.Köln. Zeitung" folgende Auslassungen aus Brüssel depeschieren:
Die Sozialisten sehen jetzt selbst ein, daß fie mit den revolutionären Unruhen und dem Versuch des allgemeinen Ausstandeö einen großen Fehler begangen haben, der auch schon durch das Ergebnis der letzten Kammerwahlen gekennzeichnet ist. Der sozialistische Peuple veröffentlicht einen in dieser Hinsicht
Taffe Thee," sagte er in seiner heimlichen Aufregung in herrischem Tone. Die anderen jungen Damen waren fortgegangen, nur Leontine und Stella blieben. Die letztere lies sofort hinaus und Leo setzte fich neben Ma, rieb ihre kalten Hände und flüsterte ihr liebe Worte des Trostes zu.
Prozeß Sanden.
Die heutige Sitzung ist nur von ganz kurzer Dauer.
Mehrere Bausachverständige find auf die neuerdings erfolgte Vorladung zur Stelle. Sie sind dazu berufen, den Wert der vielen Grundstücke, die bei den Transaktionen der Angeklagten in Frage kommen, zu schätzen. Die Verteidigung steht auf dem Standpunkte, daß die Grundstücke bisher unterschätzt worden seien.
Der Sachverständige Geh. Rat Hecht erklärt, daß er einen Tag freie Zeit haben müsse, um noch eine Reihe von Buchprüfungen vorzunehmen.
Es wird beschloffen, mit Rücksicht auf die Erklärung des Geh. Rat Hecht heute in der Verhandlung nicht fortzufahren.
Der Vorsitzende verliest noch ein Anschreiben der Direktion der Neuen Bodengesellschaft, wodurch fie festgestellt sehen möchte, daß die in der Verhandlung durch die R.-A. Dr. Bollert und Bernstein gegebene Darstellung über ver-, weigerte Einsichtnahme der „sämtlichen der Liquidationsbilanz per 4. März 1901 zugrunde liegenden Unterlagen" nicht zutreffend sei. Nachdem R.-A. Dr. Bollert dazu das Wort ergriffen, wird die Verhandlung auf Donnerstag 9 Uhr vertagt.
„Landwind" contra „Seewind".
Seit der scharfen Erklärung des Reichskanzlers Graf Bülow gegen den Antrag der Konservativen und des Zentrums im Abgeordnetenhaus können fich die liberalen und demokratischen Blätter vor Freude nicht sassen, daß der von den Groß- rhedereien Hamburgs und Bremens ausgehende „Seewind" die Regierung anscheinend bewogen hat, die gerechten Ansprüche der produzierenden Bewohner Deutschlands den
arkt >1 f$ert hat, in ihren Spalten zu Worte kommen 'lassen." Da hat uns ein Dr. Kurella versichert, die von den Agrariern verlangten Zölle ---auf Getreide und Fleisch würden die Arbeiter
o.i- svertragsvereins, Dr. Pannwitz, machte Fritt« die Agrarier für die Zunahme der Tuberkulose
D;»tt«tjShrlich,r BizLgSprtiL: Sei der Expedition 2 Mk, bei c3tn Postämtern 2,25 Mk. (tgcL SesteLgeld).
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erprobt! verantwortlich, weil fie auch die Milch durch niirt, ms bie Manipulationen der berliner Milchzentrale in habgieriger Weise verteuerten. Dieser „Gelehrte" hatte indessen schon damals — es war im September vorigen Jahres — das Unglück, daß kein geringerer als der Vorsitz end e des Vereins, dem er feine Weisheit zur Verfügung gestellt hat, Dr. e. Siemens, ihn öffentlich desavouierte, indem er aus Grund der aus seinen Gütern gemachten Erfahrung erklärte, daß der von der Milchzentrale für ihre gute Milch geforderte Preis keineswegs zu hoch sei, vielmehr durchaus im richtigen Verhältnis zu den Produktionskosten stehe. Das war hart, und die Verlegenheit
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