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Die Arbeiterbewegung
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Er wandte sich ganz gebrochen ab und horchte der Thür.
Wolzin sah ihm düster nach.
Wenn der da hinter jener Thür stürbe!
Die Wirtin lief soeben mit einigen Gläsern
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schastlichen Charakter abgestreift, sie ist eine mehr politische Bewegung geworden und unter Führung gewissenloser, aber zielbewußter Agitatoren hat das ehemals freundliche Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitern fast ganz aufgehört. An seine Stelle ist, glücklicherweise bei uns weniger als in andern Staaten, Erbitterung getreten, die fast immer sich bis zum persönlichen Haß des Arbeitenden gegen oen Arbeitgeber, oder, um im Tone der sozialistischen Theoretiker zu sprechen, des „Besitzlosen" gegen den Besitzenden zuspitzt.
AuS solchem Empfinden heraus brechen urplötzlich in Frankreich, in Belgien, in Oesterreich, in Rußland in Spanien, in Italien und
Branchen aus und breiten sich, wie Feuersbrünste blind und verheerend, auf Tausende, ja
Arbeiter-Aus- und Aufstände.
ES ist ein bemerkenswertes Zeichen, daß, wenn seit Jahr und Tag von Arbeitseinstellungen berichtet wird, zugleich auch Meldungen über Eewältthätigkeiten .inlausen, welche die Ausständigen sich haben zu Schulden kommen lassen. In den seltensten Fällen find es Lohnoder Arbeitszeitsragen, die ma gebend für di. Veranstaltung einer Arbeitseinstellung find; zumeist handelt es sich um Ansprüche der Arbeit.! auf das Recht der Mitbestimmung im A.beits- betriebe, mit anderen Worten, um Machtfragen.
Seiten.
„Leutnant von Glaichen, des Bräutigams Bruder."
Sie trugen ihn inS Haus, wohin man bereits einige andere geleitet hatte. Neben ihm ging Onkel Heinrich, triefend naß, immer dem Toten oder Bewußtlosen zärtlich zuredend: „Wach auf, lieber Fritz! Junge, Du darfst uns das nicht anthun!" Und dabei stürzten ihm die Thränen stromweise über die Wangen.
In einem Zimmer legten sie ihn auf einen Tisch. Zufällig waren zwei Aerzte zur Hand, deren einer zur Hochzeitsgesellschaft gehörte. Und jetzt kamen auch der Oberstleutnant mit seiner leichenblaffen Gattin, die in dem vordersten Boot geseflen und erst garnichts von der ganzen Geschichte gesehen hatten, sondern nur umgekehrt waren, weil die anderen Bote nicht nachkamen.
„Fritz! Mein Fritz! Barmherzigkeit, lieber Gott!" schrie die arme Frau in so verzweifelten Tönen, die jedem eisig durchs Herz gingen.
„Bringen Sie die gnädige Frau fort, mein Herr! Ihre Angst ist hoffentlich unnütz!" gebot der ältere der beiden Aerzte gebieterisch einem der Herren.
Da trat eben Wolzin ei». Blaß, ruhig — sehr erregt, aber sich streng beherrschend.
„Ich wiederhole meine Bitte an sämtliche
Die Hauptversammlung des Bundes der Landwirte zu Mannheim.
Die Sonntag in Mannheim abgehaltene Hauptversammlung des Bundes für das gesamte Südwestdeuschland im großen Saale des Apollotheaters war, wie gemeldet wird, von etwa 2000 Mitgliedern besucht. Das Hauptvorstandsmitglied Lucke-Patershausen, der auch die den Bund sürSüdwestdeutschland begründendeBersamwlung in Mainz am 23. März 1898 eröffnet hatte, leitete die Versammlung mit begrüßenden Worten ein. Den Vorsitz übernahm dann Graf Wilhelm Douglas, der Landesvorfitzende für Baden. Nach einstündigem Vortrage des Bundesvorfitzenden Dr. Röficke wurde nachstehende Resolution mit allen Stimmen angenommen:
„Die heute in Mannheim versammelten Bauern, Mitglieder des Bundes der Landwirte, erklären, daß fie von allen Abgeordneten, welche die Jntereffen der deutschen Landwirtschaft und des deutschen Mittelstandes vertreten wollen, erwarten, daß fie nur einen solchen Zolltarif ihre Zustimmung geben, welcher die Jntereffen aller Erwerbsstände ausreichend und gleichmäßig schützt. Sie erwarten, daß die Brüffeler Zuckerkonvention von dem deutschen Reichstage abgelehnt wird, da fie den deutschen Zuckerrübenbau zu vernichten geeignet ist."
König über Regierungsangelegenheiten Vortrag halten, und erledigte eine größere Anzahl Gnadengesuche.
Der König leidet, wie es in einer anderen Meldung heiß', an neuen Aufällen von Atemnot und fühlt sich schwächer. Dazu herrscht schwüle Witterung, und die Aerzte fürchten jede Wiederholung der Anfälle, und deshalb auch Aenderung des Wetters. Die Persönlichkeiten, welche in diretten Beziehungen zum Königspaar stehen, find sichtlich unruhig. Die Inspektionsreise des Prinzen Georg, die der Bruder des Königs bei Antritt seiner Reise nach Sibyllen- ort unterbrach, ist nun endgiltig ausgegeben.
Prozeß Sanden.
In der gestrigen Verhandlung be chloß der Gerichtshof zunächst, die Einwände der Verteidiger gegen die Sachverständigenqualit t der Herren Richter und Bollmann als unbegründet zu verwerfen. Der uerst vernommene Zeuge Jowandt, früherer Angestellter der Preußenbank, bekundet, daß er im Jahre 1894 vom Kommerzienrat Sanden damit betraut worden, statistische Unterlagen füi eine neue Wertschätzung der be- liehenen Grundstücke zu schaffen. Er erinnere
Die Frau, die ihn für de.. Vater zu halten schien, führte ihn in eine Stube zu ebener Erde. Dort lag Ulla auf den Knieen vor einem iüT sie be-nmmten Bett, die Hände vor das Gesicht geschlagen, den Oberkörper wie in unerträglichen Schmerzen hin ynb her wiegend. Leonti- e, Stella und einige andere junge Damen stande.i ratlos uru bleich ne. en ihr.
Keine hörte Wolzin eintr ten. Dieser : ahm auf die Mädchen gar keine Rücksicht. Rasch trat er auf Ulla zu, nahm sanft ihre Hände vom Gesicht und hob Ulla in die Höhe.
Sie sah schrecklich blaß und verstört aus; in ihren Augen lag ein so grenzenloser Kummer und eine so heiße Angst, daß ein Blinder es gewahrt hätte — geschweige denn das scharfe Auge der Eifersucht.
Wolzin wußte nur zu gut, wie eS um ihr Herz stand, hatte er doch neben ihr geseflen, als fie aus dem dicht vor dem ihrigen fahrenden Boot Fritz von Glaichen ins Wasser springen und nach Onkel Heinrich tauchen sah. Dann waren fie beide Zeugen gewesen, wie das Dampfschiff links steuerte und den Retter wie den Geretteten überfuhr. Und Ma hatte ihn aus glühenden, irrblickenden Augen angestarrt und so verzweiflungsvoll und gebieterisch, wie es nur die höchste Erregung hervorbrachte, gerufen: „Helfen Sie! So Helsen Sie doch!"
Als man Fritz dann yerausgezogen — welch' ein Glück, daß den Bewußtlosen die Wellen nicht forttragen konnten, weil seine Hand sich in den Rockkragen Onkel Heinrichs gekrampft! — da hatte das arme Kind einen Schrei ausgestoßen — leise nur, wie ersterbend, aber so
Eine Geldheirat.
Roman von L. Haidheim.
«Fortsetzung.)
Wer ist's? Wer?" rief man von
Berücksichtigung zuteil werden läßt, sehen wir auch bei uns immer und immer wieoer Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern entstehen und oft durch Ausstände, in denen beide Teile zu schwerem Schaden komme».,
dampfenden Grogs an ihm vorüber.
„Wohin haben Sie die ohnmächtige junge Dame gebracht?" fragte er.
Umschau.
Vom Krankenlager des Königs von Sachsen.
Das Befinden des greisen Königs von Sachsen ist nach wie vor sehr Besorgniserregend. Nach einem gestern beim Dresdener Oberhofmarschall aus Sybillenort eingegangenen Bericht empfing der König in den letzten Tagen wiederholt den präsumtiven Thronfolger, Prinzen Georg, der dann jedesmal längere Zeit im Gespräch nut seinem Bruder am Krankenlager verweilte. Heute in früher Morgenstunde ließ sich der
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sich, daß nach seinen Ermittelungen damals 14 Millionen Hypotheken fehlten, das heißt, es ergab sich für die Pfandbriefe eine Unterdeckung in dieser Höhe. Ihm wurde gesagt, daß die 14 Millionen durch Session von den anderen Instituten erworben würden.
Die Verhandlung geht dann zu den Grundstücksspekulationen über, die die Angeklagten Sanden und Puchmüller gemeinschaftlich gemacht haben. *ie beiden Angeklagten werden beschuldigt, daß fie Terrainspekulationen lediglich zu ihrem eigenen Nutzen vorgenommen und sehr große Gewinne erzielt haben, während die Bank geschädigt worden sei. Die zum Ankauf erforderlichen Kapitalien, welche sich aus Millionen belaufen, ließen fie sich aus der Kasse der Preußischen Hypotheken-Attienbank zahlen. Doch ließen fie fich dafür nicht bei der letzteren, sondern bei der Aktiengesellschaft für Grundbesitz und Hypothekenverkehr belasten, welche ihrerseits wieder von der Preußis r en Hypotheken- Aktienbank entsprechende Belastung erfuhr. Die Anklagebehörde glaubt, daß der Zweck dieser Manipulation der gewesen sei, die buchmäßige Feststellung zu unterdrücken, daß fie die Gelder ihrer eigenen Bank zu Privatspekulationen in Anspruch nahmen. Beide Angeklagte bestreiten, die Bank in bewußtey^Veise geschädigt zu haben.
Die Abrüstung der Buren.
Höchst malerisch wird eine Szene geschildert, die fich in der Nähe von Heidelberg abspielte. General Bruce Hamilton nahm die Uebergabe entgegen. Es war ein schöner heller Morgen. Aus der Richtung von MalanS Kraal sahen wir einen Strom dunkler Körper, die fich nur schwach von dem schwarzen Felde abhoben, herankommen. Einige Capkarren waren deutlicher fichtbar. General Botha wurde durch den Commandanten Alberts und den Adjutanten Jooste 'empfangen, die ihn zu den Buren geleiteten. Bald sah man dann eine lange Schlangenlinie von Pferden und Wagen in geordnetem Zuge vorrücken. Sie überschritten die Eisenbahn und behielten bei dieser Bewegung die Richtung mit einer Genauigkeit, wie ein Linienregiment. An der Spitze ritten die Commandanten und vor ihnen General Louis Botha. Auf ein Zeichen ihrer Führer hielt die ganze Colonne. Die Buren saßen ab und blieben neben ihren Pferden -stehen. Unter vollständiger Stille ritt GeneralDBotha vor und hatte eine einige Minuten dauernde Unterredung mit General SB tue Hamilton. Er wendete sich sodann den Buren wieder zu und befahl ihnen vorzurücken. Der Befehl wurde sofort befolgt
jammervoll klagend, wie Wolzin nie in seinem Leben einen ähnlichen gehört.
Noch jetzt tönte er in seinem Ohr nach. Er hörte ihn immer wieder und in seinem Herzen rief es: Sie liebt ihn! Sie liebt ihn!"
„Ulla," sagte er jetzt, fie emporziehend, „beherrschen Sie fich! Danken Sie Gott, daß es nicht Ihr Vater war der verunglückte."
„Vater?" Zum erstenmal seit dem Unglück dachte fie an ihn. „Wo ist mein Vater?" ftagte fie, über fich selbst erschrocken.
„Bei der Frau Oberstleutnant!"
Sie ergriff seine Hand.
„Er ist tot? Sagen Sie es mir nur!"
„Das ist noch nicht gewiß. Die Aerzte find bei ihm. Aber wenn es wäre, Ulla," flüsterte er jetzt dicht an ihrem Ohr, „so ist er Ihnen ein Fremder — hören Sie wohl? Sie haben kein Recht zu trauern. Ihre Mädchenwürde gestattet es nicht."
Seil» strenger Ton, seine Entschiedenheit machten Eindruck auf fie. Es war ihm, als hätte fie ein Wort des Widerspruchs entgegnen wollen, aber fie that es nicht. Sie renkte den Kopf und ließ fi wie gebrochen auf den Stuhl neben dem Bette fallen,
„Er" hatte fie nur gesagt — Wolzin verstand fie vollkommen, das fiel ihm jetzt selbst auf. Sie leugnete ja auch nicht — fie hätte ihm vielleicht gestanden, daß fie doch ein Recht —
Fort mit diesen Gedanken! Nie, nie wollte er ihn zu Ende denken.
(Fortsetzung folgt.)
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Anwesende! Wir müssen allein sein!" forderte der Doftor jetzt energisch.
„Mir gilt das nicht, ich bin der Vater! Aber schicken Sie die anderen hinaus."
„Heinrich, gieb mir Aufklärung!" Mit diesen Worten nahm Wolzin den Freund beim Arm. Auch die anderen verließen das Zimmer.
„Ist was aufzuklären! Wir ahnen nichts Böses, da ist der verwünschte Dampfer auch schon über uns — kam da um die Ecke herausgesaust. Ich wollte mich mit beiden Händen gegen die Schiffswand stemmen, aber infolge des heftigen Stoßes flog ich kopfüber inS Wasser. Mir ist, als hätte ich schreckliches Schreien vernommen. Als ich hoch kam, ist Fritz neben mir! Onkel, Onkel, Gott sei Dank — faß mich nicht an — laß mich nur machen! Und da packt er mich hinten beim Kragen — aber dieser gottverfluchte Dampfer — ich weiß nicht, wie es kam — er steuerte wohl seitwärts — fie schienen uns nicht zu sehen — aus einmal höre ich oder sehe ich, daß der arme Kerl einen Stoß ftnegt, daß es nur so knischte und krachte — und da fiel er vornüber — seine Hand hielt noch immer meinen Rockkragen — aber in dem Moment fühlte ich Grund unter den Füßen und dann kam jemand! — Großer Gott, wenn bet arme Junge dran glauben m-ßte!"
indlich^ Trotzdem die Gesetzgebung, ins esondere in gnete, j Deutschland, dem Arbeiter die w e i t e st g e h e n d e
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Zehntausende von Arbeitern anderer Branchen aus. Es ist eben überall der Zündstoff vorhanden, und e8 bedarf nur eines kleinen Funkens um die gewaltige Feuersbrunst anzuzünden. Die Zügellosigkeit jahrzehntelanger Agitationen vmMBt drückt fich dann in dem zügellosen Verhalten
der Ausständigen aus, die nur zu leicht und zu gern fich in Gewaltthätigkeiten Luft machen. Wenn dann die Staatsgewalt ihr machtvolles Wort spricht, wenn der Staat zum letzten Mittel greift, um Ruhe und Ordnung wieder herzustellen, dann zetern die gewissenlosen Agitatoren über die rückfichtslose Härte, mit welcher die Staatsgewalt dem Unheil steuert, und natürlich folgt die liberal-demokratische Presse den Spuren der sozialdemokratischen Führer. Wann hätte
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auch die bürgerliche Demokratie jemals ihre Zugehörigkeit zu dem politischen Radikalismus der Sozialdemokratie verleugnet! Sie l-ßt fich von der letzteren beschimpfen und mit Füßen treten, aber fie leistet ihr unentwegt Dorspanndienste. In der bürgerli^en Demokratie paaren fich Geschäftssinn und politischer Radikalismus zum schönen Verein, oder, wie seiner Zeit der verstorbene Abgeordnete Dr. Bamberger Herrn Leopold Sonnemann gegenüber bemerkte, diese Demokratie ist ein Gemisch von Petroleum und Pomade. Man hat fich bei uns daran gewöhnt, über diese Demokratie die Achsel zu zucken, weil fie eine Zeit lang mit dem parti- kularistischen Narrentum Süddeutschlands einen Begriff bildete, und nur der Sozialdemokratie das Augenmerk zuzuwenden. Und doch spielt in dem sozialen Kampfe der Gegenwart diese Demokratie eine große und unheilvolle Rolle. Sie bildet das Bindeglied zwischen dem demokratischen Sozalismus und dem bürget» lichen Liberalismus. Aus den Reihen des letzteren führt fie dem ersteren neue Kräfte und neue Intelligenzen zu und hilft an ihrem Teil, dasBollwerk der staatlichen Ordnung zu untergraben. Die letzten Auf- und Ausstände bei unseren Nachbarn zeigen, wie weit die Dchetzung der Arbeitermassen durch die sozialdemokratischen Führer fortgeschritten ist und wie gewiffenlos die Wortführer des sogenannten bürgerlichen Liberalismus gemeinsame Sache mit den Feinden der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung machen, wenn durch die Maßregeln, die zur Aufrechterhaltung der letzteren ergriffen werden müssen, den Aufständischen die staatliche Macht im vollen Ernste gezeigt wird. Wohl dem Staate und der gesellschaftlichen Ordnung, die noch die Macht und das klare Pflichtbewußtsein hat, die ihm zu Gebote stehenden Mittel zum Schutze des staatlichen Gemeinwesens zu gebrauchen! -s-
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