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Mit lern Kreisblatt für die Kreise Marburg «ad Kirchhain.
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„Sie sagen richtig, das Recht dazu! Man könnte Sie fast beneiden um ein solches Recht. Und der Gedanke liegt nahe, daß wir jungen Menschen uns eigentlich den Lohn der Arbeit vorweg nehmen wollen, indem wir durchaus
eine Wirklichkeit nach richten möchten."
Wolzin blickte das höchstem Interesse an.
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auch ohne Geld zu machen", unterbrach ihn Ulla.
„Nein, liebes Kind, sie steifen sich thörichter- weise gar zu ost auf ihre meist unerprobten idealistischen Anschauungen und weisen dem Glück die Thür! Ich fürchte, Sie haben auch zu viel Ideale! Sagen Sie mir, ob Sie schon viele ältere Männer und Frauen kennen gelernt, die ihren Jugendidealen treu geblieben, das heißt in der Praxis treu geblieben find? Sie sehen mich betroffen an! Ja, ja, alle diese Schwärmer für die idealen Güter des Lebens werden untreu, oder fie schließen mindestens Kompromiße! Und für das Leben ist dies letztere die richtige Politik. — Glauben Sie, wir Geldmenschen — wie man uns nennt — wir wendeten uns nicht mit innigem Behagen den Träumen unserer Jugend wieder zu, wenn wir unser Schäfchen ins Trockene gebracht haben?"
Er lachte fie liebenswürdig an.
„Wie Sie das sagen, Herr Geheimrat! So möchts ja leidlich scheinen", versetzte fie heiter, „steht aber doch immer schief darum!"
„Ei! Eine Kennerin des Faust? Und so jung! Da möchte man sich ja versucht fühlen, zu antworten:
„Mißhör mich nicht, Du holdes Angeficht!" „Jetzt ist das Erstaunen auf meiner Seite. Von einem Manne Ihres Berufs —"
„Ich sage Ihnen ja, Fräulein Ulla, wir kommen nur zu gern zurück zu den Träumen unserer Jugend. Und doppelt gern, wenn wir uns das Recht dazu durch ein Leben voller Arbeit erkauft haben."
Ein verunglückter Vorstoß der Linken.
Im preußischen Abgeordnetenhause hatten die beiden freisinnigen Fraktionen den Antrag gestellt, eine Aenderung des Gesetzes betreffend die Feststellung der Wahlkreise in die Wege zu leiten. Die Antragsteller hatten aber nicht eine so vollständige Niederlage erwartet, wie sie ihnen widerfahren ist, fie hatten immer noch auf einen kleinen Achtungserfolg gerechnet. Der Abgeordnete Dr. Wiemer vertrat den Antrag allerdings sehr ungeschickt, er gab unter anderem zu, daß es sich dabei darum handle, die Prä- ponderanz der Konservativen herabzumindern" — das heißt in einfaches Deutsch übertragen: den Einfluß des platten Landes auf die Gesetzgebung zu Gunsten der Großstädte möglichst herunterzudrücken. Aber die ungeschickte Befürwortung des Antrages war für dessen Ablehnung nicht ausschlaggebend; denn was die „rote Phalanx" im Schilde führt, kann ja ohnedies nirgends mehr zweifelhaft sein. Deshalb war auch zu erwarten, daß das Centrum sich geschloffen gegen den freisinnigen Vorstoß wenden werde. Das ist nun auch geschehen. Der Antrag ist gegen die Stimmen der Linken mit fast Dreiviertels - Mehrheit zurückgewiesen worden. Die Nationalliberalen stimmten unter der genialen Führung Dr. Sattlers für den Antrag, der auf „Wahlentrechtung" des platten Landes hinauSläuft. Ueber diese landwirtschaftsfeindliche Haltung der nationalliberalen Landtags- Fraftion darf man sich nicht wundern; denn diese segelt heute im Fahrwasser der börsenliberalen „Nationalzeitung". —
Am 9. August kaufte Ely Bernays durch Vermittelung der Firma Otto E. Lohrke u. Co. von dem Elevatorenbefitzer G. A. Seaverus in Chicago eine Ladung Weizen von 75 000 Buschel. Ausdrücklich ausbedungen war beim Abschluß des Geschäfts, daß nur Weizen neuerer Ernte geliefert werden dürfe und daß dem Käufer das Recht zustehen solle, die Waare bei der Verladung auf ihre Kontraftmäßigkeit zu prüfen. Bernays beauftragte mit dieser Prüfung einen gewissen Peter Reid in Chicago. Dieser fand, daß Seaoerus dem Weizen einen Teil Waare der alten Ernte beigemischt hatte und verweigerte infolgedessen die Annahme. Seaverus jr. ersuchte ihn darauf, am nächsten Morgen in sein Komptoir zu kommen. Als Reid sich dort eingefunden hatte, ließ Seaverus ihn in sein Privatzimmer eintreten und, nachdem er einen handfesten Arbeiter gerufen hatte, schloß er die Thüre ab. Darauf erklärte er dem Reid, daß er ihn in Stücke hauen lassen würde, wenn er ihm nicht zu Willen wäre. Dieser versuchte durch die Thür zu entkommen. Als er fie aber verschlossen fand, ließ er sich auf einen Lederstuhl nieder und sagte zu Seaverus, da er einmal in seiner Gewalt sei, möge er mit seinem Vorhaben beginnen. Und das nennt man nun Regelung der Getreidepreise durch Angebot und Nachfrage!
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überwiegenden Mehrheit als loyale deutsche Reichsbürger gezeigt hat. In den östlichen Provinzen Preußens liegen die Dinge aber gerade umgekehrt. Dort hat die großpolnische Verhetzung das loyale Empfinden der polnischen Bevölkerung zum Teil unterbrochen. Statt einer wachsenden Angliederung an die große deutsche Gemeinschaft macht sich dort eine steigende Absonderung der polnischen Elemente, ein künstlich hervorgerufener Deutschenhaß bemerkbar. Wenn also die Polen aus dem Vertrauensbeweise gegenüber den Reichslanden eine Nutzanwendung ziehen wollen, so kann es nur die sein, daß sie sich bestreben, ebenso in loyale Bahnen einzulenken wie die Elsaß-Lothringer es gethan, und auf diese Weise sich das Vertrauen der Staatsregierung und der deutschen Bevölkerung zu erringen.
an Nr. 2 zu stellenden Anforderungen voll entsprochen habe, dürfte der Weizen nachträglich verfälscht worden sein. Wo und von wem ist nicht festgestellt und wird wohl auch kaum festgestellt werden.
Daß wir es hier mit keinem vereinzelten Vorgänge zu thun haben, dafür liegen Beweise aus früherer Zeit genügend vor. Einer der stärksten befindet sich in einem Schreiben des staatlichen Inspektors R. H. Fergusow vom 30. August 1899, in welchem er dem Präsidenten der „Farmers Federation", Mr. Allen, über die von ihm beobachteten Betrügereien der Eleva- toren-Befitzer Mitteilungen macht. Er bezeichnet es darin als eine unbezweifelbare Thatsache, daß noch niemals eine englische Firma in Chicago eine Schiffsladung Weizen gekauft und in unverfälschter Qualität geliefert erhalten habe. Denn bevor das Getreide den Elevator verließe, werde stets ein starker Prozentsatz minderwertige Ware beigemischt. Er selbst habe wiederholt Abladungen aus den Elevatoren inspiriert und wegen der damit vorgenommenen unreellen Manipulationen zurückgewiesen. Das sei eines der Mittel, mit w«chem die Lagerhausgesellschaften sich Vermögen erwerben. Hätten nun diese Betrügereien nur diese eine Folge der Bereicherung der Lagerhausbesitzer, so wäre das Interesse der Produzenten an der Sache nicht beteiligt. Das ist aber keineswegs der Fall, vielmehr üben sie auf die Preisgestaltung für Getreide an der Börse einen für die Landwirte sehr nachteiligen Einfluß aus. Der Eingangs berichtete Vorgang aus St. Louis hat das deutlich bewiesen. Als nämlich der so unbefriedigende Ausfall der erwähnten Ablieferung bekannt wurde, beeilten sich sofort die Händler und Müller, welche in der Absicht, die Ware auch wirklich abzunehmen, gekauft hatten, ihre Engagements zu lösen, um nicht ebenfalls einem ähnlichen Betrüge zum Opfer zu fallen. E s entstand infolgedessen ein starkes V erkaufsangebot und die Preise wurden durch dasselbe erheblich herabgedrückt. Jene drei Müller hatten also mit ihrer Behauptung, daß die Getreidefälschung im Interesse der Baissiers erfolgt sei, durchaus Recht.
Uebrigens wenden die Börsenjobber gelegentlich auch noch drastischere Mittel an, wenn einmal das Gesetz von Angebot und Nachfrage nicht vollständig ihren Interessen entsprechend funktionieren will. Ueber einen amüsanten Fall dieser Art berichtete das Fachblatt „Cincinnati Polce Curant" vom 30. August 1900 folgendes:
(Nachdruck verboten.)
Eine Geldheirat.
Roman von L. Haidheim.
lFortsedung.)
mindestens ein halbes Dutzend haben, um sein Talent als Festgeber voll und ganz zur Geltung zu bringen."
Das wurde heute in allen Tonarten wiederholt und zwar mit vollem Recht. Der so Belobte suchte zwar die Anerkennung auf seinen Sekretär und den bewährten Haushofmeister, der viele Jahre in England einem vornehmen Haushalt vorgestanden hatte, abzulenken, davon wollte aber niemand hören.
In den reich geschmückten, hell erleuchteten Booten fuhr man unter Musik und Gesang, übermütigem Lachen und Scherzen ziemlich nahe am Ufer entlang, als plötzlich ein lautes, angstvolles Rufen und Schreien ertönte — ein furchtbarer Krach wurde gehört — man sah aus dem einen Boot jemand ins Wasser stürzen — und es entstand eine Scene der höchsten Verwirrung, begleitet von vielstimmigen Schreckensrusen und Angstschreien — denn mitten zwischen die festlichen Boote war um die von niemand bemerkte, fcharf vorspringende Ecke in voller Fahrt ein Dampfer gebogen.
Am Ufer, wo eine Kaffeewirtschaft lag, in der noch jetzt vereinzelte Gäste saßen, machte man ein großes Boot los und eilte den im Wasser zappelnden und den triefenden Geretteten zu Hilfe.
Eine geraume Zeit wurde er den wenigsten klar, waS eigentlich geschehen war. Einer fehlte noch — da — da brachten sie ihn — tot, wie es schien.
Ein namenloses Entsetzen bemächtigte sich der ganzen Gesellschaft.
(Fortsetzung folgt.)
Umschau
Elsaß-Lothringer und Polen.
In der Debatte über die Aufhebung des Diktaturparagraphen produzierte sich der Abgeordnete Bebel wieder als leidenschaftlicher Hetzredner. Er versuchte nicht nur die Bevölkerung der Reichslande aufzuwiegeln, weil außer dem nunmehr abgeschafften Diktaturparagraphen dort noch andere Ausnahmeverhältniffe herrschen, sondern er rief auch die Polen auf den Plan, indem er ihnen vorerzählte, daß fie schlechter behandelt würden als die Elsaß - Lothringer. Der sozialdemokratische Führer wurde vom Reichskanzler glänzend abgeführt; die Polen ergriffen aber die dargebotene Gelegenheit, ihren Schmerzen Ausdruck zu geben und fich wieder einmal als schwer bedrücktes Volk hinzustellen. Wie verkehrt das ist, wird man aber in der polnischen Bevölkerung unserer Monarchie hoffentlich nun auch bald begreifen. Der Verzicht auf die dem Statthalter von Elsaß- Lothringen verliehenen außerordentlichen Gewalten bedeutet einen verdienten Vertrauensbeweis an die Bevölkerung der Reichslande, die im Laufe eines Menschenalters fich in ihrer
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„Lenzen und ich zogen den Kürzeren und verloren viel Geld. Ich habe es mein Lehrgeld sein lassen und nachher den Schaden zehnfach gebracht — Lenzen jedoch hatte alles auf eine Karte gesetzt. An den Bürgen habe ich damals gar nicht gedacht — wer seine Haut zu Markte trägt, der hat auch die Folgen auf fich zu nehmen. Ganz zufällig erfuhr ich erst neulich, daß Baron Kantrupp jener Schwager Lenzens gewesen. Und um so glücklicher machte mich Wildlings Bitte, ihn zur Hochzeit einzuladen. Anna und er haben tagelang konspiriert; endlich hat er seine Tante geholt und diese hat mit Anna für Wildlings Geld den Staat der Mädchen gekauft, damit fie nur kommen konnten."
„Ah!" Ulla ging plötzlich ein Licht auf! Dieser kluge, junge Husar! Er hatte sogar bedacht, daß feine Tante die ganze Familie kennen lernen würde und daß alle Schwestern präsentabel sein mußten. „Ja, wer Geld hat!" setzte fie ein wenig bekümmert hinzu, als fie dem Hausherrn die Freude der jungen Mädchen über die Großmut ihrer Tante geschildert hatte.
Sie lachten über die „Verlobungsintrigue." Dann sagte Wolzin sehr eindringlich: „Ja, Fräulein Ulla, wer Geld hat, kann fich selbst und anderen manchen Stein aus dem Wege räumen! Das wollen aber die liebenswürdigen Idealisten meistens nicht glauben —'.
„Weil fie eben lernen müssen, ihren Weg
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Stirn sah man fast die Gedanken arbeiten. Ein tiefer, sehnsuchtsvoller Seufzer schwellte sein Herz.
O, dies Mädchen, dies kluge, gelehrige Mädchen, das seine Gedanken selbst dachte, statt sie fich von andern fertig in das schwache Köpfchen setzen zu lassen — dies Mädchen fein zu nennen, es an fein Herz ziehen zu dürfen!
Und in demselben Augenblick traf Ulla ein langer Blick aus Fritz von Glaichens Augen — so voller Angst und Qual!
* * ♦
Gegen Sonnenuntergang schwamm die ganze, sehr zahlreiche Gesellschaft in phantastisch ausgeputzten Barken und Booten auf einem der schönsten Havelseen. Außer den jugendlichen Teilnehmern an der Hochzeit hatten fich noch eine Reihe älterer wieder eingefunden. In dem schönen Walde, der fich bis an das Ufer zog, war der Nachmittag auf die fröhlichste Weise verlebt, Kaffee gekocht, Bowle und Champagner getrunken worden. Jetzt sollte es heimwärts gehen.
„Es ist ein Jammer, daß der Geheime Kommerzienrat nur diese einzige Tochter befitzt, deren Hochzeit er zu feiern hat. Er müßte
gemacht wird.
3R9ti Immer, wenn von agrarischer Seite be- 3? I hauptet wird, daß die Getreidepreise an den «roßen Getreidebörsen durch allerlei unreelle Manipulationen zu Ungunsten der Produzenten beeinflußt würden, begegnet diese Behauptung einem mitleidigen Achselzucken von Seiten der Spekulanten über die Unwissenheit der Agrarier, denen nicht einmal bekannt sei, daß der Preis des Getreides fich nach dem unwandelbaren Gesetz von Angebot und Nachfrage in durchaus natürlicher Weife regele. Es ist deshalb nützlich, hin und wieder gewisse Thatsachen hervor- ruheben, welche geeignet sind, das unabänderliche Walten jenes Naturgesetzes in das richtige Licht zu stellen.
Der „Getreidemarkt" bringt in ferner neuesten Nummer einen in dieser Beziehung höchst lehrreichen Fall. Drei Müller in St. Louis in Nordamerika, so berichtet die genannte Fachzeitschrift, haben bei dem dortigen Börsenvorstand Klage über die Beschaffenheit von Weizen eingereicht, der ihnen auf ihre Terminkäufe angedient worden war. Sie hatten im Verein mit mehreren anderen Müllern 50 000 Buschel Weizen zur Lieferung per Mai an der Börse gekauft und nahmen nun denselben im Liquidationsamt auch wirklich ab. Laut Certi- ficat sollte es Nr. 2 roter Winterweizen fein. Bis zu erfolgter Ablieferung hatte der Weizen im „Union Elevator", einem sogenannten öffentlichen unter staatlicher Inspektion stehenden Elevator, gelagert. Als die Müller nach Erhalt den Weizen selbst besichtigten, mußten fie zu ihrem Schaden gewahren, daß derselbe durchaus nicht dem, was man unter dem genannten Grade versteht, entsprach. Der Weizen war gemischt und teilweise dumpfig, sodaß er zur Erzeugung eines guten Mehles vollkommen unbrauchbar war. Die Müller behaupten in ihrer Beschwerde ferner, daß man den „Union Elevator" nur deshalb unter die Zahl der „öffentlichen" habe aufnehmen lassen, damit das in ihm lagernde Getreide „regulär", d. h. „an- dienungssähig" auf Börsenkontrakte würde. Dies sei geschehen, um den Maibaisfiers zu Hülfe zu kommen. Die eingeleitete Untersuchung hat vorläufig ergeben, daß der fragliche Weizen anfänglich in Chicago eingelagert war und dort vom Oberinspektor Davis der „Vereinigung der Waarenhaus - Kommisfionäre im Illinois" als Nr. 2 gradiert wurde. Da der genannte Beamte auf seine Pflicht versichert, daß der Weizen zur Zeit der Inspektion den
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