mit lern Kreisblatt für die Kreise Marbura und Kirchhain.
Zur industriellen Lage.
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die Lage aller derjenigen industriellen Unternehmungen, welche sich nicht in den Strudel der Spekulation hineinreißen, sondern sich auch zur Zeit der Hochkonjunktur von den Regeln solider Privatwirtschaft leiten ließen und sich nur aus sich selbst ohne Heranziehung fremden Kapitals nach Maßgabe des dauernden Bedürf- nifses fortentwickelten. Nicht nach den hypertrophisch, sondern nach solchen normal entwickelten Unternehmungen läßt sich die Lage unserer Industrie beurteilen. Unternehmungen solcher Art haben auch in der Zeit rückgängiger Konjunktur eine entsprechende Rente abgeworfen und sind durchaus im Stande, von der wenn auch langsam einsetzenden Wiederbelebung des heimischen Marktes vollen Nutzen zu ziehen. Wo nicht Fehler der oben bezeichneten Art begangen find, ist unsere Industrie daher durchaus gesund und spannkräftig. In wie hohem Maße dies der Fall ist, zeigt die Thatsache, daß der etwa vor Jahresirist erfolgte Zusammenbruch der Leipziger Bank und die dadurch herbeigeführte weitgehende Erschütterung des Vertrauens nicht entfernt die anfänglich befürchtete verheerende Wirkung auf unser Erwerbsleben ausgeübt, sondern nur lokale Bedeutung gehabt hat. Nicht nur find die übrigen deutschen Großbanken und die mit diesen zusammenhängenden Industrien von jenem Bankbruch ganz unberührt geblieben, auch die sächsische Industrie ist vor einer Katastrophe bewahrt, ja kaum nennenswert in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Erfolg hat gelehrt, wie Recht die amtlichen maßgebenden Stellen hatten, gegenüber der durch jenen Bankbruch in den weitesten Kreisen hervorgerufenen Beunruhigung auf die Gesundheit der deutschen Industrie hinzuweisen und zum Vertrauen aus deren Zukunst zu mahnen. So darf man sich auch jetzt durch die Rückschläge, mit denen manche industrielle Unternehmungen die Uebertreibungen aus der Zeit der Hochkonjunktur zu büßen haben, nicht in dem Vertrauen auf die Gesundheit und Kraft der deutschen Industrie im ganzen beirren lassen.
weiserhebung sei nicht nötig, denn es sei richtig, daß die sogenannten Normativbanken unter der Geltung der alten Normativbestimmungen schwer zu arbeiten hatten, jedoch gäbe dies einer Hypothekenbank kein Recht, riskante Geschäfte zu machen. Angekl. Heinr. Schmidt bemerkt hierzu: Nach dem Erscheinen der seinerzeit von ihm verfaßten Broschüre über dieses Thema habe ihn der Minister Dr. Lucius rufen laffen und ihm gesagt: Ich sehe ein und gebe zu, daß unter diesen Normativbestimmungen die Hypothekenbanken nicht arbeiten können, aber ich weiß zunächst nicht, was ich an deren Stelle setzen kann. Nachdem der Zeuge Liebert über die Verhältniffe des Märkischen Immobilien- Vereins und der Neuen Berliner Baugesellschaft vernommen, wendet sich die Verhandlung dem Anklagepunkte zu, welcher Eduard Sanden, Heinrich Schmidt als früherem zweiten Direktor, Eduard Schmidt als früherem Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Preußenbank unwahre Darstellungen in den Uebersichten über den Vermögensstand der Gesellschast in indealer Konkurrenz mit Untreue vorwirst. Angeklagter Puchmüller ist der Beihilfe dazu beschuldigt. Sämtliche beteiligten Angeklagten bestreiten, sich der Bilanzverschleierung schuldig gemacht zu haben. Der Sachverständige Hecht - Mannheim beschwert sich darüber, daß die Verteidigung ihn während der Begründung seiner Gutachten zu unterbrechen pflege. Rechtsanwalt Bernstein erklärt namens der Verteidigung, Hecht sei immer bemüht, nicht zur Anklage stehende Sachen zu längeren Vorträgen zu benutzen und zu Ungunsten der Angeklagten zu verwenden. Demgegenüber halte es die Verteidigung für angebracht, an deren Stelle einen Sachverständigen zu laden, der an der Spitze einer preußischen Hypothekenbank steht und kürzere Gutachten abzugeben geneigt sei. Rechtsanwalt Thurm schließt sich Bernstein an, beantragt die Ladung des Direktors Gerschel von der Rheinisch-westfälischen Bank als Sachverständigen und betont, daß Hecht kein Rügerecht habe. Der Gerichtshof beschließt, die Ladung weiterer Sachverständiger abzulehnen. Nach Erörterung verschiedener Punkte der Bilanz von 1896, wobei die Sachverständigen teilweise die bona fides nicht absprechen, wird die Verhandlung aus morgen vertagt.
Zum Friedensschlüsse mit den Buren.
"Im britischen Parlamente äußerten sich die Abgeordneten beider Parteien privatim dahin, daß die Burendelegirten in dem Vertrage als Vertreter der Regierung der Südafrikanischen Republik und des Oranje-Freistaates bezeichnet waren. Die englische Regierung hatte vorher immer die Anschauung vertreten, daß keine Burenrepubliken und keine Regierungen von solchen mehr existirten, seit dieselben durch England formell annektirt waren und daß die Burenführer lediglich Führer bewaffneter Schaaren in dem eroberten Lande waren. Dem Vertrage zufolge haben nun die Buren- republiken bis zum letzten Samstag doch noch existirt. Dann ist ferner aufgefallen, daß das früher so häufig gebrauchte Wort „Kronkolonie", das heißt Kolonie ohne repräsentative Verfassung, im Vertrage nicht vorkommt.
„Daily News" vergleicht die jetzigen Bedingungen mit den Middelburger Leding-
Die Ermordung des Oberleutnants Nolte.
Der Kommandeur der Schutztruppe inKamerun, Oberstleutnant Pawal, berichtet: Oberleutnant Nolte war am 25. Januar mit einem Teile seiner Kompagnie in Banho eingetroffen und hatte durch Tibatihäuptlinge die Warnung erhalten, daß die Station eines Tages von der dort bestehenden Kriegspartei überfallen und
Ericheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Sovatagsbetla-e: Jlluftrirtes Louatagsblatt.
Druck »ad Verlag: J»h. Lag. Loch, llaiverfitätS-Bnchdrucker« Marburg, Markt 21. — Telephon 65.
er selbst ermordet werden solle. Oberleutnant Nolte hatte nun die Abficht, um allen Treibereien ein Ende zu machen, das Haupt der KriegS- partei, Jerima Jhsa, zu verhaften. Er verlangte daher am 1. Februar mit dem Lamido und seinen Großen eine Beratung in der Königsfenz. Dazu nahm er zehn Soldaten mit in das Beratungszimmer hinein und ließ Leutnant Sandrock mit 30 Soldaten außerhalb der Fenz Aufftellung nehmen. Das Lager der Station selbst aber blieb durch den Sanitätssergeanten Hollenbeck und drei Soldaten besetzt. Genaue Instruktionen für alle Teile waren auS- gegeben worden. Als im Laufe der Beratung Jerima Jhsa für verhaftet erklärt wurde, und ihm dies durch Auflegen der Hand von Oberleutnant Nolte bemerkbar gemacht wurde, sprang der dem letzteren gegenüberfitzende Lamido Omarn auf und stieß seinen im Aermel verborgenen Dolch dem Oberleutnant Nolte ins Herz. Letzterer hatte noch die Kraft. „Feuer" zu rufen, und es entspann fich nun ein lebhaftes Gefecht in und vor der Königsfenz, bei dem Lamido Omarn, der zu fliehen versuchte, erschoffen wurde. Leutnant Sandrock wurde sehr bald Herr der Situation, nachdem eine Anzahl Fullahs gefallen und der Rest geflohen war. Zu letzteren gehörte auch Jerima Jhsa und einige andere Häupter der Kriegspartei, wie der Sarikin Saggi und Kaigama Pettepette. Gleichzeitig war das Lager überfallen worden, doch der Angriff durch Sergeant Hollenbeck abgewiesen. Bei diesem Gefecht ist sowohl die Königsfenz, wie die Moschee und ein großer Teil der Stadt in Flammen aufgegangen. Es wurden eine Menge Gewehre und Patronen, Pferde und Vieh erbeutet.
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Eine Geldheirat.
Roman von L. Haidheim.
(Fortsetzung.)
„So habe ich Dich an Deinem Polterabend doch auch eine Minute allein für mich," sagte Ma heiter zur Braut und zog sie mit fich in ein kleines, ganz aus Rosen gebildetes leeres Zelt. „Wie liegt das Leben doch sonnig vor Dir, Anna! Möge es stets so bleiben!"
„Darum hat Papa auch alles mit Rosen schmücken laffen. Die Zeit der Rosen ist zwar vorüber, aber auf die Kosten kam eS Papa bei dieser Gelegenheit nicht an. Er meinte, sein Geld könne wohl meinen Lebensweg glätten, aber die Rosen müßte mir der Himmel dazu lenden!" plauderte Anna, wie immer in aller Harmlofigkeit des Reichtums ihres VaterS gedenkend.
Ma wußte, daß fie »sich kaum etwas dabei dachte, aber heute hätte fie daS eigentlich nicht zu erwähnen brauchen. Trotzdem überhörte fie gern den Keinen Mißklang, hatte fie Anna doch wirklich lieb gewonnen.
Obgleich fie in diesen letzten Minuten des Alleinseins einander recht viel zu sagen gehabt hätten, saßen fie stumm beisammen, Hand in Hand, jede im Innern die große Frage an die Zukunft stellend: „WaS wirst Du mir bringen?"
Plötzlich schaute Anna aus.
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Umschau
Prozeß Sanden.
Der frühere Bankbeamte Göritz, der über das Verhältnis der Gesellschaft zur Aktiengesellschaft vernommen wird, ist der Ansicht, daß der Konkurs der Gesellschaft hätte vermieden werden können. Auf das Ersuchen des Rechtsanwalts Bernstein, die Geschäftsberichte der Preußischen Hypothenbank vorzulegen, um zu beweisen, daß in diesen Berichten fort und fort über die Schwierigkeit geklagt wurde, mit denen die Bank infolge der Normativbestimmungen bei ihrem Geschäftsbetriebe zu kämpfen hatte, erklärt Sachverständiger Geh. Rat Dr. Hecht, eine Be-
Dann fiel ihr ein, er könne den Brief gleich in ihres Vaters Zimmer tragen und fie rief ihn zurück.
AIS fie ihm denselben geben wollte, fiel ihr Blick zufällig auf die Rückseite, auf der die Worte standen: „Sei klug und lies."
Neugierig geworden, öffnete fie das kleine Couvert. Eine beschriebene Karte lag darin, die Schrift war eine männliche.
Kaum hatte fie jedoch die ersten Worte gelesen, als fie sehr bleich wurde. Mit zuckenden Lippen laS fie weiter, dann gab fie Ulla die Karte auf welcher stand:
„Noch ist es Zeit! Wie kannst Du Thörin Dir einbilden, er liebe Dich? Dein Geld liebt er — und statt Deiner eine andere!"
„Infam!" schrie Ulla auf, während Anna totenblaß da saß.
„ DaS ist ein starkes Wort, gnädiges Fräulein!" erklang plötzlich neben ihr des Bräutigams Stimme in großem Erstaunen.
„Aber nicht zu stark!" stammelte fie erschrocken.
Anna war aufgesprungen. Mit einem seltsam maskenhaften Lächeln und einem Blick, der Ma durch den wahnsinnigen Ausdruck sehr erschreckte, gab fie ihrem Verlobten den Brief.
Er laS — nicht eine Miene zuckte in seinem Geficht.
„Sie haben recht, gnädiges Fräulein, „infam" zu sagen", wandte er fich an Ulla, und
II wieder in eine gedeihliche Lage kommen können, 1 bis ihre Einrichtungen und -ihr Kapital wieder einigermaßen in richtiges Verhältnis zu dem Absatz gebracht sind. Es find z. B. aus Anlaß
I des außerordentlich starken und dringlichen H Bedarfs der deutschen Eisenbahnverwaltungen I neue Waggonfabriken wie Pilze aus der Erde | gewachsen, welche, nachdem die Wagenparks | unserer Bahnen auf die Höhe des Bedarfs ergänzt find, jetzt auf dem Trockenen fitzen, teils niedergebrochen find, teils mühsam und kümmerlich fortvegetieren und Hilfe vom Eisenbahnminister verlangen. Hier hat man es überall mit mißbräulicher Uebertreibung und lleberhastung der industriellen Entwicklung zu thun, auf die naturgemäß ein Rückschlag folgen mußte. Die mißliche Lage solcher industriellen Gebilde gestattet daher keinen Rückschluß auf
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„Vermissest Du heute niemand hier, Ulla? Wie findest Du es von Hilde, daß fie, meine beste Freundin, nicht gekommen ist?"
Ulla besann fich einen Augenblick, ehe fie antwortete:
„Anna, Hilde ist unglücklich — das weiß ich gewiß. Warum — weiß ich nicht. Sei ihr nicht böse. Ich vermute, daß die Aermste einen Mann liebt, der nicht in der Lage ist, fie zu heiraten. Sie scheint großen Kummer in fich zu tragen, denn „scheiden und meiden" ist doch gewiß —"
Auf einmal stockte fie, starrte sekundenlang in sichtlicher Verwirrung vor fich hin und sah dann Anna scheu an.
Ein sonderbarer Gedanke war ihr gekommen:
„Du und Fritz von Glaichen müßt auch scheiden und meiden."
Wie ein Blitzstrahl zuckte er in ihr auf — aber waS dieser Blitz ihr zeigte, konnte fie in diesem Moment nicht erkennen, denn ihre Aufmerksamkeit wurde aus Anna Wolzin gelenkt.
Ein Diener brachte dieser auf filberner Platte ein Briefchen.
„Gnädiges Fräulein werden dringend gebeten, sofort zu lesen!"
„Eine Bitte um Geld — ich habe heute schon eine ganze Menge solcher Briefe bekommen, Papa will fie von seinem Sekretär beantworten laffen und jedem der Bittenden etwas geben," sagte Anna gleichgiltig, ohne daS Schreiben zu öffnen. Dem Diener winkte fie ab.
jetzt sah diese, wie ein Zucken ihn überlief — vor Zorn natürlich.
Und dann schloß er seine Braut, herzlicher als Ulla eS von seiner Seite je gesehen, in die Arme.
„Mein Lieb, mein armeS Lieb!" flüsterte er ihr in einem Tone zu, der Wohl jedem liebenden Mädchen Trost und Gewißheit gegeben hätte.
Kein Wort der Verteidigung kam von seinen Lippen.
So wars auch recht. Anna hing an seinem Halse und Ulla fand eS für gut, beide allein zu laffen.
HanS hatte ihr noch nie so gut gefallen, wie eben jetzt, wo er ihr den Eindruck tiefsten Ernstes und aufrichtiger Neigung gemacht.
Als er später mit Anna wieder im Saal erschien — die Gäste empfahlen fich, daS Fest war zu Ende — lag noch die Zärtlichkeit der letzten Viertelstunde in beider Blicken.
„So glücklich, wie der elende Brief mich gemacht hat, war ich noch nie! Erst jetzt weiß ich, WaS ich an meinem Hans habe," sagte Anna zu Ulla. „An ihm liegt eS nicht, wenn wir nicht glücklich werden; er hat den vollen Ernst, mich zur glücklichsten Frau zu machen."
Die arme Anna, es war ihr förmlich ein Bedürfnis, ein bischen Staat mit der Liebe ihres HanS zu machen!
(Fortsetzung folgt.)
ifys, Mit Recht wird als ein beachtenswerter ” Gradmesser für den Stand eines Teiles des
■ fischen Erwerbslebens die Lage der heimischen Industrie angesehen. Dagegen setzt man fich [Ute der Gefahr eines Trugschluffes aus, wenn man »ä bei der Beurteilung der jetzigen Lage der lümtt I Industrie die Thatsache zum Ausgangspunkt (ttitl nimmt, daß die Dividenden zahlreicher Unter tot nehmungen sehr zurückgegangen, manche Unter nehmungen ganz niedergebrochen, andere nur Hb durch Zusammenlegung der Aktion oder andere otta Sanirungsmaßregeln über Wasser zu halten rH gewesen find, andere wieder nur mühsam ein 39’ kümmerliches Dasein fristen. Denn wenn man näher zusieht, so erkennt man, daß es fich dabei durchweg» um Unternehmungen handelt, welche unter dem Eindrücke der Hochkonjunktur unter Heranziehung von fremdem Kapital vergrößert oder neu errichtet worden find. Prüft man
'®T dann weiter, so stellt sich heraus, daß die Ver- rtt z größerung der Einrichtungen und des Betriebes, * sowie die Vermehrung des Anlagekapitals und die Reugründung von industriellen Unter i ti nehmungen allein zu dem Zwecke, von der Be- Ji98 ftiedigung der zeitweilig überaus starken Nach- i frage Nutzen zu ziehen, erfolgt ist, daß man F aber außer Betracht gelassen hat, daß jene Stärke der Nachfrage einen Ausnahmecharakter W hatte, mithin nicht die mindeste Gewähr der L Tauer in sich trug. In manchen Fällen wurde il dieses Bestreben, die augenblickliche Hochkonjunktur Mmöglichst auszunutzen, ohne an die Zukunft zu k denken, noch verstärkt durch die Aussicht auf E Emisfionsgewinn. Es liegt in der Natur der k Sache, daß, als die Nachfrage von der Hochflut Ubis zu dem regelmäßigen Stande und selbst Munter diesem zurückebbte, die auf die Hochflut I berechneten Unternehmungen schwer in Mit- | leidenschaft gezogen worden sind und auch, f soweit sie sich über Wasser halten, nicht eher
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’ Donnerstag, 5. Juni 1902.