Mit dem Kreisblatt für die Kreife Marbnra und Kirchhain.
Marburg
Mittwoch, 4 Juni 1902.
Eiirteljährlicher B«zugrpr»i«: hei der Expedition 8 ML.
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So«»ta»sbeilage: Jllullrtrtrd SouulagSblatt. Q7
Bntf «b Verlag: J»h. A»g. «ich, U»iderfitätS.B»chdr»ckere ■O***#*'»
Marburg. Markt 81. — Telephon 55.
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meinen Bemerkungen nahmen, sodaß man
»Nun komm, Heinz. Du darfst Dich nicht
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.Auf Deinen HanS bin ich riesig neugierig. Die Anna hat Schneid, ist ihre- Vaters richtige Tochter, die wird sich schon was Besonderes ausgesucht haben/ sagte er im Dahinschreiten.
.Sie liebt ihn allerdings mit vollster Hingebung; aber zu HanS Ehre muß ich Dir gleich erwidern, daß er sich nicht hat „auS- Wchen" lasten. Sie hat ihn lange schon angeschwärmt, ehe er sich entschloß, um sie zu werben."
»Aber sie hat ihn doch endlich »klein gekriegt". Gerade wie ihr Alter! WaS der will, das muß biegen oder brechen."
»Frau! Mutter! Mamachen! Herr Gott, ist die arme Seele in ihre Jungen vernarrt!" schalt der Oberstleutnant neben seiner Gattin, die mit großen Augen ihre beiden Söhne beobachtete, welche vorüber tanzten.
nicht ausstehen können, daß Fritz manchmal eine so „eigentümliche Geschmacksrichtung" bekundete und sich mit »inferioren Persönlichkeiten" anfreundete. Fritz dagegen behauptete, er sei noch nie dabei schlecht angekommen und er urteilte grundsätzlich nicht nach der Rangliste, wie HanS eS thue.
Darüber waren fie früher oft in Streit geraten; HanS ärgerte sich heute mehr denn je, weil er bei Anna dieselbe Tendenz zu erkennen glaubte.
Mit liebenswürdigen, aber inhaltslosen Redensarten verabschiedete sich Hans mit seiner Braut, um sich den Gästen zu widmen, wie er sagte. Schragert und Comp. blieb bei der Frau Oberstleutnant fitzen und behauptete, ihr Herr Gemahl sei dabei durchaus überflüssig.
Später lernte er auch die näheren Freunde der Seinen kennen. Er erwies fich als ein jovialer, trunkfester Mann beim Becher, und sein Humor sammelte nach und nach einen ganzen Kreis der nicht tanzenden Herren um ihn, die aus dem fröhlichen Lachen gar nicht heraus kamen.
Der Polterabend nahte fich schon seinem Ende und Hans, von der besorgten Mutter heimlich aufmerksam gemacht, hatte eben Fritz beiseite genommen, indem er ihn Ulla, natürlich nach den höflichsten Bitten um Entschuldigung, entsührte. (Fortsetzung folgt.)
iiUT dankbaren Anerkennung als vielmehr zum stutzigwerden veranlassen. Denn man braucht ich nur der geradezu leidenschaftlichen Parteinahme z. B. der „Franks. Ztg." für >ie belgischen Revolutionäre zu erinnern, um zu erkennen, auf welches Gleis die Demokraten mit ihren sozialistischen Verbündeten >en Staatswagen zu lenken beabsichtigen. Und >eShalb muß, so lange wir ein monarchistischer (Staat sind, ein jeder Minister fich hüten, der Politik der Linken Zugeständnisse zu machen.
Kontraktbruch ländlicher Arbeiter.
Die konservative Fraktion des Ajbgeordneten- >auses hat eine Interpellation eingebracht, worin die Staatsregierung um Auskunft darüber ersucht wird, weshalb die bereits seit geraumer Zeit gepflogenen Beratungen und Erwägungen über die Frage des Kontraktbruchs ländlicher Arbeiter fich noch nicht zu einem Gesetzentwürfe verdichtet haben. Die Bestrafung des Kontrakt- iruches, namentlich aber die Bestrafung solcher Unternehmer, die kontraktbrüchige Arbeiter anstellen, ist eine so notwendige und dringliche Maßregel, daß in der That eine Beschleunigung der Vorbereitung erforderlich erscheint.
Die Friedensbedingungen.
In der gestrigen Sitzung des englischen Unterhauses verkündigte Lord Balfour namens der Regierung offiziell die Nachricht von dem mit den Buren abgeschlossenen Friedensvertrag. Die wesentlichsten Punkte lauten:
Artikel 1: Die Burghers im Felde legen sofort die Waffen nieder. Sie stehen von weiterem Widerstande gegen die Autorität der Königs, den sie als gesetzlichen Souverän anerkennen, ab.
Artikel 2: Alle Burghers im Felde und außerhalb der Grenzen Transvaals und der Oranjekolonie, sowie alle Kriegsgefangenen, die jetzt außerhalb Südafrikas und Burghers find, werden, sobald sie fich als Untetthanen des Königs Eduard erklären, zurückgebracht.
Artikel 3: Die auf diese Weise sich ergebenden zurückkehrenden Burghers werden ihrer persönlichen Freiheit oder ihres Eigentums nicht beraubt.
Artikel 4: Weder ein Zivil- noch ein Strafverfahren wird gegen fich ergebende oder zurückkehrende Burghers eingeleitet für Handlungen, die im Zusammenhang mit dem Krieg begangen. Diese Klausel bezieht fich jedoch nicht auf gewisse Handlungen, welche den Kriegsgebräuchen widersprechen.
Balfour fährt fort: Die holländische Sprache wird in den öffentlichen Schulen Transvaals und der Orangekolonie gelehrt, wo die Eltern diel wünschen, und wird in Gerichtshöfen gestattet, wenn dieselbe für eine wirksamere Justizverwaltung nötig ist. Der Besitz von Ge-
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Miene aufsteckte und den Onkel mit verbindlicher Höflichkeit, aber größter Zurückhaltung begrüßte. Anna war sehr viel freundlicher.
„Ich erinnere mich Ihrer sehr gut," sagte fie. »Papa hat öfter von Ihnen gesprochen, aber er nannte Sie immer nur seinen Freund Heinz oder „Schragert und Comp!" Daher hat niemand an Sie als einen Verwandten gedacht."
Auf diese Weise erklärte fie zum erstenmal daS Ueberraschende der Situation.
Der neue Onkel lachte:
„Ich glaube, es giebt überhaupt wenige, die meinen richtigen Namen kennen. In Amerika war ich Vertreter von „Schragert u. Comp.", hier bin ich schließlich der Besitzer und zeichne den Namen der Firma."
Da kam Fritz heran — frisch, strahlend von Glück und Liebe und mit der ganzen Welt so unbeschreiblich zufrieden, daß er ohne weiteres den neuen Onkel umarmte, war dieser sehr vergnügt erwidette.
„Onkels find immer was Nettes! Ich kann noch heute nicht anders an MamaS Brüder denken, als in einer Lieferung vom Konditor —"
„Und ich wundere mich nicht, daß fie so einem Neffen gut waren," rief „Schragert und Comp."
Auf diese Weise war er mit Fritz gleich in bester Harmonie. HanS hatte eS von jeher
Umschau.
Die Regierungspartei saus phrase.
Die »Franks. Ztg." rühmt die »geradezu rührende, von jeder persönlichen Spitze oder Gereizt^ ft freie Sachlichkeit" der Linken. Sie schreibt:
„Ohne Dank und Anspruch auf solchen unterstützt diese den Reichskanzler gegen das Agrarier- tum und verzichtet auf jede politische Taktik, mit der fie ihm äußerst unbequem werden könnte. Wenn die Zuckerkonvention zu Stande kommt, hat Gras Bülow es zu einem guten Teil der Linken und ihrer erfahrenen parlamentarischen Strategie zu danken. Hat doch ein Freisinniger in der heutigen Sitzung der Zuckerkommission mit gutem Humor erklärt: „Wir sind in diesem Falle wieder einmal Regierungspartei sans phrase." Selbst die Sozialdemokraten find bereit, wenn ihr Antrag auf gänzliche Steuerfreiheit des Zuckers abgelehnt ist, doch für jede Zuckersteuer zu stimmen, die eine Ermäßigung bringt, und so zum Zustandekommen der Brüsseler Konvention mitzuwirken. DaS ist sachliche Politik im Gegensatz zu den Schachzügen, die die Agrarier gegen den besten aller Reichskanzler betreiben. Für die Linke ist er nicht der gute, aber wenn er dankbar wäre, müßte er anerkennen, daß fie die beste aller Oppo- fitionen ist."
Diese „geradezu rührende" Hilfe, welche die Linke einschließlich der Sozialdemokratie dem Reichskanzler anbietet, dürste diesen weniger
(Nachdruck verboten.)
Eine Geldheirat.
Roman von L. Haid heim.
(Fortsetzung.)
(Die Generalversammlung der Ham- hurg-Amerika-Linie und der Bund der Landwirte.
Politisch Lied ein garstig Lied. Auf dem Gebiete der Politik ist und bleibt nun einmal (der Kampf das eigentliche Lebenselement. Jede Mrtei sucht ihren Besitzstand nach Möglichkeit erweitern, der gegnerischen Partei Anhänger gdzutreiben und die Schwächen des Gegners »uszunützen, um über ihn den Sieg davonzu- nagen. Daß man dabei nicht immer Worte ^gesuchtester Höflichkeit gebraucht, daß man gud) manchmal Krastausdrücke anwendet, daß man Rücksichten nicht kennt, ist nur zu begreif- kich. Wenn man sonach nicht verlangen kann, daß die Parteien im Kampfe immer Rücksichten »nd Schonung walten lassen, kann man das «ne doch erwarten, daß der Kampf mit ehr- Wchen Waffen ausgetragen wird, daß man ohne Unterschied vor der Wahrheit die Waffen streckt. Hör uns liegt wiederum ein Fall, der da zeigt, Aie weit wir noch von diesem Zustande des Ehrlichen Kampfes entfernt sind. Wiederum srhen wir, daß der Patteihaß dort tadelt und fetfelt, wo er rückhaltlos Anerkennung zollen Mte, daß die Wahrheit verdreht wird und daß man Thatsachen entstellt, um dem unbequemen
tiuft zu halten.
Mit Spannung sah man der Generalver- , ' sammlung der Hamburg-Amerika Linie entgegen . 2.06 und erwartete von einer aussührlichen Be-
mit Recht behaupten kann, ohne das Er- cheinen Dr. Hahn's und ohne sein Eingreifen wäre die Klarstellung nicht erfolgt, die erzielt wurde. Der Vor- itzende des Auffichtsrats Gustav Tietgens eröffnete die Versammlung, ein Herr Hinrichsen nahm das Wott, um in der üblichen Weise dem Vorstand und Ausfichtsrat den Dank der Ver- ammlung für die vorzügliche Leitung der Ge- chäfte auszusprechen, dann sprach noch ein Herr Staeling, der nicht genug die glänzenden Verdienste und die geniale Tüchtigkeit des Herrn Generaldirektors Ballin betonen konnte. Das Ergebnis war dann die einstimmige Annahme >er Statutenänderung, und dabei Witte es gellieben, wäre nicht Dr. Hahn zugegen gewesen, um vom Vorstande und Ausfichtsrat ganz be- timmte Erklärungen über jene Frage zu fordern, >ie das deutsche Volk seit Monaten beunruhigt.
Die Anfrage und die Ausführungen des Abg. Dr. Hahn nötigten im Laufe der Debatte Herrn Ballin, fich auch über die sogenannte Tarifpolitik des neuen SchiffahttStrusts auszusprechen. Bei dieser Gelegenheit gab Herr (Ballin die Erklärung ab, die für alle Zeit estgehalten zu werden verdient, daß es eine Bemeinheit wäre, wenn die deutschen Schiffahrtsgesellschaften , ihre Hand dazu bieten vürden, die deutsche Produktion dadurch zu chädigen, daß man amerikanische Güter nach Deutschland billiger verfrachtet, als deutsche nach Amettka. Herr Ballin fügte hinzu, daß die Gesellschaften fich zu einer solchen Gemein- -eit, den deutschen Markt unter Aufopferung eigener Interessen mit amerikanischen Waren zu überschwemmen, niemals hergeben würden. Hiermit hat die Hamburg-Amettka Linie fich in Bezug auf ihre Frachtpolitik für alle Zeit festgelegt; das Verdienst aber, fie hierauf fest gelegt zu haben, gebührt demjenigen, der den vielfach bespöttelten Husarenritt nach Hamburg unternahm, dem Abg. Dr. Hahn.
Man wird nun vielleicht einwenden, eine solche Gefahr habe ja nie bestanden, und es sei niemals irgend einem Teil des Schiffahrtstrustes beigekommen, die amerikanische Einfuhr nach Deutschland zu begünstigen und umgekehrt die deutsche Ausfuhr nach Amettka zu ettchweren. Dem widerspricht eineAeußerung der „New" Yorker Handelsztg.", aus der deutlich genug hervorgeht, daß sowohl der Präsident des Stahltrusts, Mstr. Schwab, wie auch sein Bundesgenosse Morgan die ausgesprochene Absicht verfolgt haben, eine Verbilligung der Expott- frachten nach Europa herbeizuführen. Und zweitens die Thatsache, daß im vottgen Herbste die deutschen Linien die Fracht nach Amerika für deutsche Kartoffeln achtmal höher ansetzten pro Tonne als die Fracht für amerikanisch en Weizen nach Deutschland! Zwing Uri, das der Morgan - Trust vor den Thoren Europa» aufzurichten gedachte, war kein
Hans und Anna, das war ja selbstverständlich. Aber daß Fritz und Ulla immer nur zusammen tanzten und noch dazu mit einer Miene, als sei das völlig in der Ordnung — das ging doch wirklich ein bißchen zu weit. So ein kleiner harmloser Flirt — nun ja, warum nicht? Aber die beiden sahen so selig darein, daß ihr aus einmal eine heiße Angst zum Herzen stieg.
Da störte fie ihr Gatte.
Irgend jemand hatte vorhin davon gesprochen, daß der „kleine gewöhnliche Kerl" ein Intimus von Wolzin und ebenfalls ein Millionär sei. Dann war HanS gekommen und hatte gefragt, was da» sei — er höre, Papas toter Stiefbruder sei plötzlich wieder lebendig und hier. Die Mutter wußte nichts davon, brachte beide Nachttchten auch nicht miteinander in Verbindung und nun stand »der kleine gewöhnliche Kerl" plötzlich vor ihr und war ihres Gatten Stiefbruder.
Erst im Laufe des Gesprächs erfuhr fie, daß er auch WolzinS Intimus sei, und die Million nahm fie nun als glaubwürdig an.
Inzwischen kam ihr der ihr angeborene Herzenstakt zu Hilfe, den neuen Verwandten in ihrer freundlichen Liebenswürdigkeit zu begrüßen. Sie ließ durch den Vater die Söhne herbeirufen und sah mit peinlichem Mißfallen, daß HanS fosott seine bekannte vornehme
agrattsches Phantasiegebild. Wenn Dr. Hahn weiter keine Erklärung erzielt hätte als die eine, daß die deutschen Schiffahrtsgesellschaften ür eine solche „Gemeinheit" niemals zu haben ein werden, so genügt das allein, um seinen Husarenritt nach Hamburg zu rechtfettigen und ihm den Dank weiter Kreise zu sichern.
Bei dieser Sachlage kann man sich nicht weiter wundern, wenn die Herren Sozialdemoraten und die Manchestermänner im freisinnigen Lager ihrem Aerger über die Erfolge Dr. xmhn's Lust machten. Sie gingen ihnen wider >en Strich. Ein wittschastlicher Verband wie >erBund derLandwitte hat aber die Pflicht, ich um solche WirtschastSbewegungen, wie fie fier Vorlagen, zu kümmern, und fich ein Stimmrecht bei jener Gesellschaft zu sichern. Der Bund der Landwitte hat bewiesen, daß er nicht ,u den Parteien der verpaßten Ge- egenheit gehört, sondern daß er aus der pöhe der Zeit steht, daß er die wittschast- ichen Bewegungen genau verfolgt und deshalb n der Lage ist, in dem Augenblicke, wo die Entscheidung über hochwichtige wirtschaftliche Fragen fällt, sein Gewicht in die Wagschale zu werfen. Es zeugt von geradezu blindem Haffe, wenn Gegner (ries nicht anzuerkennen vermögen. W.
<•1® ^sprechung auf dieser eine völlige Klärung. Daß diese Klärung ersolgt ist, hat das deutsche Volk mit dem Abg. Dr. Hahn zu verdanken, und man sollte meinen, daß diese Thatsache auch der schärfste Gegner des Bundes der Land- Witte einräumen und fich jeder hämischen Kritik
>eg 4« enthalten sollte. Wenn wir nämlich einen Rückblick auf den Verlaus der Generalversammlung werfen, fo finden wir, daß außer demAbg. Dr. Hahn nur die Väter jenes Vertrages das Wort zu einigen allge-
M Segnet etwas anzuhängen.
K Aus der vor einigen Tagen abgehaltenen ' M Generalversammlung der Aktionäre der Hamburg-
M Amerika-Linie erschien, wie bekannt, auch der H Abgeordnete und Direktor des Bundes der Land- ■teirte, Dr. Hahn, um als Aktionär der Gesell- ^Mchast von seinem Stimm- und Mitberatungs- ^Ed)t Gebrauch zu machen. Auch der schärffte WmMGegner des Bundes der Landwirte muß, wenn der Parteihaß bei ihm nicht bereits bis zur MD Verblendung geführt hat, zugeben, daß dies 1ItiQee ‘ton dem Abg. Dr. Hahn sehr vernünftig war. ,ei»e» Seit Monaten schon bestand in den weitesten (Kreisen des deutschen Volkes eine große Unruhe darüber, ob es unseren Schiffahrtsgesellschaften gelingen werde, fich unabhängig von dem amerikanisch-englischen Schiffahrts-
| »Il| wundern, wenn meine Frau ein erstauntes Ge- 11 nM- ficht macht. Sie und die Jungen wissen ja so MU wenig von Dir! Das ist aber Deine eigne US Schuld!" — Mit dieser Aufforderung faßte er WfU leinen Arm und ging mit ihm den Fest-