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Mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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der Landwirte als richtig

Prozeß Sanden.

In der

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(Fortsetzung folgt)

gewählte Form ist sehr gut ausgesonnen. Sie wahrt den Schein, als ob die deutschen Schiff-

Bundes anerkennen!

Zolldebatte im Abgeordnetenhause.

Ein parlamentarischer Berichterstatter schreibt:

Im Abgeordnetenhause wird es in nächster Woche zu einer großen Zolltarifdebatte kommen. Wie zuverlässig verlautet, wollen die Konser­vativen daß der Antrag Graf Limburg-Stirum, nach welchem die verbündeten Regierungen er­sucht werden sollen, den Beschlüssen der Zoll- tarifkommisfion bezüglich der Erhöhung der Ge­treidezölle zuzustimmen, im Laufe der nächsten Woche auf die Tagesordnung gesetzt werde. In

wegen des Verdachts der Befangenheit von der Verteidigung abgelehnt mit dem Hinweis darauf, daß sie ehemalige Beamte der Preußenbanken seien und entlaffen worden wären, lieber den Antrag wird der Gerichtshof später entscheiden.

Sodann wurde Landgerichtsrat Müller ver­nommen, der den Angeklagten Sanden sogleich nach seiner Verhaftung verhört hat. Der Zeuge bekundete, daß Sanden die Frage, ob er sich schuldig bekenne, bejahend beanwortet habe.

Präsident: Angeklagter Sanden, wollen Sie dabei bleiben, daß Sie damals nicht gewußt haben, was Sie sagten?

Angeklagter Sanden: Jawohl, ich hatte meine Gedanken damals nicht zusammen, ich

. So viel fröhlicher Singen und Jubeln, wie sktzt, war bei Kantruppr und im Haselberg-

Der Vertrag zwischen Morgan und den deutschen Dampfergesellschasten.

Klatschet Beifall, so lautet heute die f ordre de bataille, die anläßlich des deutsch- ; amerikanischen Dampfschiffahrtsvertrages an die offiziöse Presse ausgegeben worden zu sein scheint, ! unb siehe, der gesamte Chor der Offiziösen ; stimmt ein in überlaute Loblieder auf die Herren I Iallin und Wiegand, die es angeblich verstanden | hätten, auch in diesem Falle wieder einmal das I deutsche Interesse so vortrefflich zu wahren, go schreibt z. B. der Chorführer der Offiziösen, | derHamb. Korresp.", die deutschen Gesell­schaften hätten sich in jeder Beziehung volle Freiheit und volle Selbständigkeit gewahrt, Deutschland könne stolz darauf sein, daß es seinen beiden großen Dampferlinien gelungen sei, sich eine so günstige und unabhängige Po- sition zu sichern. Auf diese Tonart sind auch alle Lobgesänge der übrigen Offiziösen gestimmt.

Wenn wir nun jene hochtrabenden Worte, mit denen der Vertrag an gekündigt wurde, ver­gleichen mit dem, was er jetzt bringt, so haben vir einen grellen Abstand zwischen Wort und That. Aeußerlich betrachtet ist es ja richtig, daß die beiden deutschen Schiffahrtsgesellschaften

Aufklärung, soweit sie nicht in der gestrigen Generalversammlung der Hamburg - Amerika- Linie bereits erfolgt sein sollte.

Verbindung mit diesem Anträge dürfte der ge­milderte Antrag Frhr. v. Zedlitz und Ge­noffen behandelt werden.

Hause nie gehört worden. Selbst die Frau Oberstleutnant sang mit und ihr Gatte schalt in letzter Zeit niemals mehr.

Fremdheit in diesem Berlin, das jahrelang ihre Heimat gewesen.

Sie waren froh, sich zur Kunst flüchten zu können und wanderten voller Freude und Ge­nuß durch die Säle, bis sie an die Abteilung kamen, welche die vielgerühmten Bilder ihres verstorbenen Freundes enthielt.

Im Betrachten der Gemälde hatte Burg- Haufen irgendwo gezögert, Ulla war allein weiter gegangen. So manches war ihr wohl­bekannt, anderes neu aber die meisten Werke zu ihrem Herzen sprechend.

Plötzlich stutzte sie.

An einem Seitenkabinett vorüber gehend, verscheuchte sie eine junge Dame, welche vor einem dort befindlichen Bilde stand und weinte. Doch weinen das sah Hilde nicht ähnlich!

Hilde! Du?" rief Ulla, sie erkennend und eilte ihr nach.

Wirklich, HUde von Sengen war es, deren Wangen und Augen noch feucht waren. Sie blieb auch sofort stehen und begrüßte Ulla, sogar erfreut und herzlich, und als sie deren unbe­wußt fragenden Blick in ihren Augen sah, drehte sie Ulla herum, dem Bilde zu, vor dem sie gestanden und sagte bewegt:Sieh, das er­schütterte mich so!"

Dabei stürzten ihr schon wieder Thränen auS den dunklen Augen.

ES war ein Ulla ganz fremder, ergreifender Bild, einen reichen, bürgerlichen Hochzeitszug darstellend, dem ein armes Mädchen traurig nachblickte und er lag eine erschütternde Ge­walt, dar ganze bittere Weh der Verlayenen in der Darstellung.

Berlin! Aussteigen!"

Die Hochzeitsgäste aus Haselberg hatten die Fahrt unter Lachen und Scherzen gemacht; jetzt, wo der Zug in die Halle fuhr, über- wältigte die beiden Baroneffen das Glück, wirklich in Berlin zu sein, vollständig.

Sie waren ganz blaß geworden, schmiegten sich eng aneinander, und sahen mit großen er­schrockenen Augen auf dar Gewimmel der mit ihnen angekommenen Reisenden. Was dann kam, ging alles traumhaft an ihnen vorüber; ein reich gallonietter Diener empfing den Oberstleutnant mit den drei Damen, führte sie zu der wattenden Equipage, und so entschwanden sie den Augen UllaS und ihres Vaters, die im Savoh-Hotel Zimmer bestellt hatten.

In jenen Tagen war von einer Spezial­ausstellung eines eben verstorbenen, großen Malers in allen Zeitungen die Rede gewesen.

Vater und Tochter benutzten die ihnen bleibenden Stunden, die Meisterwerke des ihnen befreundet gewesenen Künstlers zu besichtigen.

Es that ihnen doch wohl, einmal wieder die Linden zu passieren, und ganz wie Leute vom Lande, die Schaufenster zu besehen. Bekannte trafen sie nicht, dieselben waren meist in den Bädern oder an der See.

Nach kaum einem halben Jahre der Ab­wesenheit beschlich sie schon ein Gefühl der

Marburg

Freitag, 30. Mai 1902.

angeblich gewahrt haben, entbehrt nicht eines dmischen Anstrichs.

Umschau.

Aus den Kommissionen.

In der Zuckersteuerkommission ge­langte man heute bereits zum ersten Male auf den sogenannten toten Punkt, nämlich zu der Einsicht, daß die Vorlage noch nicht einmal für die Kommission zur Durchberatung reif ist, daß die große Zahl schwieriger Fragen eine viel gründlichere Vorbereitung braucht als die Ge­schäftslage dies gestattet und daß das beste eine Vertagung der Beratung bis zum Herbst wäre. Von verschiedenen Seiten wurde der Antrag auf Vorlegung weiteren Materials gestellt, um die Tragweite der einzelnen Be­stimmungen der Gesetzes beurteilen zu können. Von der Regierung wurde erklärt, daß die Beschaffung dieses Materials zur Zeit nicht thunlich sei. Der Abg. Müller-Fulda zog daraus die Konsequenz und stellte den Antrag, die Verhandlungen bis zum 1. Oktober zu ver­tagen, um der Regierung Gelegenheit zu geben, ihr Material vorzulegen. Dieser Antrag wurde von verschiedenen Seiten bekämpft und schließlich einstweilen zurückgezogen, um den Mit­gliedern Gelegenheit zu geben, mit ihren Fraktionen zu verhandeln, bezw. die Angelegen­heit dem Seniorenkonvent zu unterbreiten.

Den Mittelpunkt der heutigen Vormittags­verhandlung des Zolltarisausschusses bildete die Frage der Einführung eines Schutz­zolles für S ch w e s e l s ä u r e. Da ein Teil der Centrumsabgeordneten und Konservativen mit der Linken für Zollfreiheit stimmte, wurde die Einführung eines Schutzzolles für Schwefel­säure und Salzsäure abgelehnt und überhaupt die Regierungsvorlage für Salzsäure, Schwefel­säure, Salpetersäure, Borsäure, Oxalsäure, Milchsäure, Wein- und Citronensäure unver­ändert angenommen.

ülun heißt es ja allerdings, die deutschen Gesellschaften wären genötigt gewesen, sich dem Trustkönig Morgan anzuschließen, sie durften es auf einen Konkurrenzkampf auf Leben und Tod nicht ankommen laffen, Morgan hätte ein­fach mit seiner Handelsflotte den Gütertransport von Amerika nach Deutschland übernommen und hätte somit die beiden deutschen Schiffahrts­gesellschaften, die auf diese Frachten angewiesen seien, kalt gestellt. Da haben wir wiederum das alte Lied. Unsere viel gelobte Weltpolitik beruht nicht auf eigener Kraft, sondern auf dem guten Willen des Auslandes, das uns jeder Zeit, wenn wir nicht willig uns seinen Bedingungen unterwerfen, vom Welt­märkte ausschließt! Als der deutsch­russische Handelsvertrag auf der Tagesord­nung stand, hieß es, die Herabsetzung des Getreidezolles schädige allerdings in hohemMaße die Landwirtschaft, aber er muß angenommen werden, seine Ab­lehnung bedeute den Krieg mit Rußland. Die rettende That war der Ausfluß der Furcht vor dem Auslande, obwohl vor wenigen Jahren noch ein Bismarck sagen konnte:Wir Deutschen fürchtenGott, sonst nichts." Bei der Zuckerkonvention, die zugestandenermaßen die deutsche Zuckerindustrie vor eine schwere Krisis stellt, htß eS auch wieder: Wir mußten die Konvention abschließen, weil England uns sonst sein Absatzgebiet für unfern Zuckern versperrt hätte. Also wieder Furcht vor dem Auslande. Und jetzt heißt es: Wir mußten uns jenem Kartell anschließen, weil uns sonst die Existenzbedingungen für unsere Handelsflotte verloren ge­gangen wären. AlsoüberalldasAufgeben fester Positionen, nirgends eine Be­hauptung unserer Weltmachtstellung aus eigener Kraft, überall ein Zurückweichen vor den Wünschen des Auslandes mit der Begründung, daß uns dieses Zurückweichen zwar Schaden bringe, aber daß der Schaden andernfalls noch größer würde. Eine solche Weltpolitik muß auch dem loyalsten Staatsbürger etwas sonder­bar erscheinen. Jedenfalls thäte der Chor der Offiziösen gut, nicht Lorbeeren auf Vorschuß auszustreuen, sondern abzuwarten, bis die be­rufene Kritik die Verträge prüft und ihr fach­männisches Urteil gefällt hat. Der Chor der Offiziösen hat bekanntlich kein eigenes Urteil, er hat wohl ein Amt, aber keine Meinung.

Die Hauptbedenken des großen Schiffahtts kartells dürften aber nicht in dem liegen, was bekannt gegeben worden ist, sondern in dem, was verschwiegen wurde. Hoffentlich bringt da die Interpellation Kanitz im Reichstage weitere

heutigen Verhandlung wurden zu­nächst die dem ersten Angeklagten Sanden zur Last gelegten Fälle von Untreue verhandelt. Die von der Staatsanwaltschaft vorgeschlagenen Sachverständigen Bollmann und Richter wurden

Machdruck verboten.)

Eine Geldheirat.

Roman von L. H a i d h e i m.

(Fortsetzung.)

Die katholischen Bauern im Rhein­lande und der Zolltarif.

Eine am Sonntag in Düren stattgefundene gut besuchte Versammlung des katholischen Rheinischen Bauernvereins richtete eine Eingabe an den Reichstagsabgeordneten Grafen Hompesch in Sachen des Zolltarifs und der Zuckerfrage. Es wird darin gebeten, mit aller Ent­schiedenheit an den Zolltarif-Forder­ungen der christlichen Bauernvereine fest zuhalt en. Man bedauere, daß die Mehrheit der Zolltarif-Kommission diesen Forderungen der christlichen Bauernvereine ihre Zustimmung versagt hat. Ferner wünscht der Verein, daß der Abgeordnete einem Gesetzentwürfe nach Maßgabe der Beschlüsse der Brüsseler Zuckerkonserenz nicht seine Zu­stimmung geben soll, da dieser ein Verrat der deutschen Landwirtschaft an das Ausland bedeuten würde und den Ruin deS deutschen Rübenbaues unbedingt zur Folge haben müsse.

Wir konstatieren mit Genugtuung, daß mit der letzten Forderung die rheinischen Bauern ein starkes Solidaritätsgefühl mit ihren nord- und ostdeutschen Berufsgenossen bekunden und daß die katholischen Bauern durch ihre Resolution die Wirtschaftspolitik der

schäften find so eng verkoppelt, daß von einer Selbständigkeit der deutschen Schiffahrtsgesell- ' $tl schäften kaum noch die Rede sein kann. Die

sahrtsgesellschaften frei und unabhängig seien, in Wirklichkeit find fie, auf das engste mit den Amerikanern und den Engländern, die fich bereits

8 in die Leibeigenschaft Morgans begeben haben,

- verbunden. Die Herren Ballin und Wiegand er sichern dem englisch-amerikanischen Trust eine Gewinnbeteiligung von 25 pCt. ihres Vertrages

Freilich, so wie Hilde davon ergriffen war, das schien nach llllas Meinung doch eine per­sönliche Ursache zu haben.

Mein Gott, Hilde, liebe Hilde!" stammelte fie erschrocken, als diese ihr plötzlich um den Hals fiel und laut schluchzte.

Sie waren ganz allein, in den Sälen be­fanden sich nur wenige Besucher, dennoch peinigte Ulla die Angst, e§ könne jemand kommen. Während fie aber unruhige Blicke nach den Thüren warf, weinte Hilde fassungslos, und eS lag eine solche Wahrheit in ihrem wilden Schmerz, daß Ulla heiße Thränen mit ihr weinte.

Jene Begegnung am Abend vor ihrer Ab­reise von Berlin fiel ihr wieder ein. Hilde ahnte nichts davon, hatte fie damals gar nicht beachtet. Dieser Ausbruch ihrer Schmerzes war einfach der Rotschrei eines gemutterten Herzen», das war gar nicht zu verkennen.

Und jetzt faßte sich Hilde schon wieder.

Verzeih' mir, Ulla! Du thust eS, nicht wahr? Du warst immer so gut und milleidig. Und nicht wahr, Ulla, Du denkst auch nicht weiter darüber nach? Thu es nicht, bitte! Der- giß diesen Augenblick! Weißt Du, die Menschen lausen fast alle mit Masken durch die Welt und ich binde die meine auch wieder vor. Ich bin nur mol schwach geworden, Ulla! Da­hier war ein fo unerwarteter Anblich!"

Arme, liebe Hilde! So bist Du nicht glücklich?" stammelte Ulla.Wie leib Du mir thust!"

zu, wogegen der Trust fich versichert, V, des (Kapitals des Lloyd und der Amerikalinie mit

6 pCt. zu verzinsen. Diese gegenseitige Gewinn­beteiligung bedeutet nichts anderes als eine Verschmelzung der Linien, bei der jedem der vertragschließenden Teile ein ganz bestimmtes t Arbeitsgebiet, das nicht überschritten werden darf, zugewiesen ist. Der Chor der Offiziösen sollte seine Loblieder in etwas gedämpfterem hlreiib iTone anftimmen. Das Lob auf diegünstige (Ä und unabhängige Position" der deutschen Gesell­schaften, aus dievolle Freiheit", die sie fich

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertag«, Sonntagsbeilage: JllustrirteS Souutagödlatt. 07 cyrtt.rrt

Druck und Verlag: J,h. Lag, Koch, llnivrrsitätS-Bnchdrnckrrr "«. lOUtfly.

Marburg, Markt 21. Telephon 55

deutsch bleiben, in Wirklichkeit aber gehen fie -,1m dem großen Milliardentrust Morgan's und feiner Leute auf. Die Interessen beider Gesell-

Sierteljährlicher Bezugspreis: M der ExpLition 2 5RL, M 124 _ dri allen Postämtern 2,25 Mr. (sjd. Bestellgeld).

Zettle»»,»bühr: die gespaltene Zeile »der deren 8Ua* 10 BW

Reclannu: bi, Zeil, 25 Pfg.

ttdi Die Zwillinge schneiderten Tag und Nacht för Le» und Stella die beiden Glücklichen, zur Hochzeit reifen sollten. Sie empfanden «inen Neid; was hätten fie, die seit Jahren, ?Ber gelegentlichen Ausflügen in die Berge, aus dem Hause gekommen waren, auf «fem Feste gesollt?

Die beiden jüngsten Schwestern gehörten no$ nicht in die Gesellschaft; sie weinten zwar, und fanden eS schändlich, aber die neuen Kleider Meten sie.

' , Einmal kam ihr die Vermutung, daß viel-

[ leicht Anna dahinter stecke; die reiche Anna Dolzin konnte fich solche Extravaganzen schon erhüben, aber es war Ulla zu verschiedenen S Malen ausgefallen, daß Anna den armen Baroneffen zwar gern dies und jenes aus ihren _ reichen Vorräten geschenkt hätte, daß fie dann " »der fast jedesmal zu Ulla oder der Frau Oberst- M leutnont darüber gesprochen, wie über eine Wohlthat. Nein, ihr konnte man dieser über­aus hochherzige Geschenk nicht zutrauen.

I Das Rätsel blieb einstweilen ungelöst, die Kantrupps glaubten an den Lotteriegewinn der Tante, wem hätten fie auch eine solche Groß- »ut die ihnen überdies von jedem anderen unannehmbar oder peinlich gewesen wäre . zutrauen sollen?