und Kirchhain.
37. Jahkg.
Eine Denunziation.
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daß die freie theologische Forschung an dem Fundament unseres christlichen Glaubens, der Offenbarung Gottes rüttle, wir halten fest an dem, was uns die Bibel darüber mitteilt, wir wollen keine neue Religion durch den Witz menschlicher Forschung, da wir Gottes Wort haben, und —das Wort sie sollen lasten stahn! - W.
zog sich'unser früherer Artikel auf Brandenburg! Trotzdem nun findunsere Ausführungen über „die Grenzen der freien theologischen
Damen hätten jeden Artikel selbst gewählt, alles sofort bar bezahlt und die Adreffe schriftlich zurückgelasten." Die Klostertante äußerte sich sehr beleidigt - sie sei fteilich früher mcht in der Lage gewesen, eine solche Sendung abgehen zu lasten, nachdem sie aber durch ihren Lotteriegewiyn i» diese Möglichkeit versetzt worden, solle der liebe Bruder ihr nun mcht die Freude verderben, sondern die sämtlichen Stoste sofort zu Kleidern für Mutter und alle sechs Töchter verwenden lasten. Uebrigens sei sie jetzt damit beschäftigt, die noch fehlende Fußbekleidung zu besorgen — die Kiste werde m diesen Tagen ankommen.
Das Reisegeld zur Hochzeit werde sie seiner Zeit auch schicken.
„Sie hat ohne Zweifel ein Vermögen gewonnen ! Kinder freut Euch, und nehmt hin, was Tante Rose Euch schickt," bestimmte der Baron.
Ulla, die natürlich sofort herüber geholt wurde, war auch fehr erstaunt, denn bei diesen Einkäufen war sicherlich der KostenpreiS für die Käufer Nebensache gewesen. Da waren ihrer sieben Damen und für jede enthielt die Kiste sozusagen eine kleine Ausstattung.
| (Fortsetzung folgt.)
hatte.
Wir wisten, daß diese Kampfesweise nicht nach dem Geschmacks des beurlaubten verantwortlichen Leiters unserer Kollegin von der anderen Fakultät ist, und seinem Stellvertreter möchten wir jene Ferienübung nicht auf's Kerbholz schreiben. Wenn wir deshalb überhaupt aus diese Anrempelung antworten, so geschieht es nur, um die unlautere Art, wie der Bersaffer des Artikels „ein Angriff auf die Marburger theologische Fakultät" einen politischen Gegner zu bekämpfen beliebt, einmal öffentlich sestzu- nageln.
Wir kennen den Herrn gut genug, um beim Läuten der Glocken alsobald zu merken, wo sie hängen. Was er vorträgt, ist ja der bekannte Senf, den der Herr schon bei zahlreichen Synoden serviert und mit dem er manches schöne Blatt Papier verschmiert hat. Aber immerhin würden wir seine von den unseren abweichenden Anschauungen mit Aufmerksamkeit gelesen, sie des Nachdenkens für wert
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Erschrint täglich außer cm Werttagen nach Sonn- unü Feiertag«». SonntagSbeilas»: Jünstrirte» Sounlagsblatt.
Dnuf utb »«lag: Iah. Big. Sach, Universitäts-Buchdrucker« Marburg. Markt 21. — Telephon 55.
und einer ernsten sachlichen Antwort erheischend befunden haben — denn jede ehrliche Ansicht eines Mannes, sie sei so radikal und der unseren so entgegengesetzt tote immer, ist »ns heilig — wenn er nicht in inniger Verquickung mit ihnen eine, Gott sei Dank, in der heutigen Journalistik unerhörte verleumderische Unterstellung bezüglich unserer Ausführungen in Nr. 120 unserer Zeitung
(Nachdruck verboten.)
Eiue Geldheirat.
Roman von L. H a i d h e i m.
(Fortsetzung.)
(3876
Umschau.
Aus der Zuckersteuerkommission.
Die Zuckersteuerkommisfion trat gestern Mittag zu ihrer ersten Beratung zusammen. Der Kommission find die Protokolle der Brüffeler Konferenz, die Protokolle über die Vernehmung von Sachverständigen und anderes mehr zugegangen. Die Abgg. v. Richthofen, Ramsdorf, Graf Limburg-Stirum und Speck führen auS, daß die Konvention England einen einseitigen Vorteil gewährt, indem England fich indirefte Prämien Vorbehalten habe.
Auch die Zolltariskommission deS Reichstags nahm gestern ihre Beratungen wieder auf. Die Positionen 245 bis 251 werden gemeinschaftlich verhandelt; fie betreffen Wachs, Stearin-, Palmatin-, Paraffin- und Margarin- säure, Weichparaffin, Lichte, Wachswaaren. Die Sätze der Vorlage bleiben unverändert, nur für die genannten Säurearten statt 15, 10 Mk., und für Parafinpapier statt 10, 6 Mk. einge- i stellt. Die Positionen 252 bis 254 werden ge- meinsarn besprochen. Sie legen auf Schmierseife, feste Seife, feine weiche Seife, Zollsätze von 5, bezw. 10, bezw. 30 Mark tote bisher. Die Vorlage bleibt unverändert, ebenso in den Positionen 255 bis 260.
I Die Ernennung desBarons de Schmid I zum Rittmeister.
Die militärische Auszeichnung, die der Kaiser I dem Reichstagsabgeordneten für Saargemünd- I Forbach Baron de Schmid hat zuteil werden I laffen, wird im „Mil.-Wochenbl." in folgender I Form veröffentlicht:
I „Baron Xavier von Schmid, zuletzt in I französischen Diensten, der Charakter als Rittm. I verliehen und ihm gleichzeitig die Genehmigung I zum Tragen der Uniform der Res.-Osfiziere des Kür.-RegtS. Graf Geßler (Rhein.) Nr. 8 mtt I den für Verabschiedete vorgeschriebenen Abzeichen erteilt."
I Aus dem Herrn de Schmtd, als welcher er | noch im Reichstagsalmanach steht, ist also nun- I mehr wieder ein einfacher v. Schmid geworden. I Verschiedene Zeitungen glossieren diese einzig- I artige Ernennung höchst vorsichtig und selbst I die „Köln. Ztg." die sonst niemals einen der I Initiative unseres Kaisers entsprungenen Akt kommentiert, bemerkt, daß die Verleihung der Uniform I eines altpreußischen Regiments an einen früheren französischen Offizier, der nicht in der deutschen I Armee gedient hat, u n g e w ö h n lichist.
Forschung" mißbraucht worden, um uns 1) b ei den Universitätsbehörden, um uns 2) bei den Studierenden der Theologie und um uns 3. bei der hiesigen Bürgerschaft zu denunzieren! Hätte der Verfaffer des Artikels- „Ein Angriff auf die Marburger theologische Fakultät" unsere Ausführungen bekämpft so scharf er wollte und hätte er seine eigenen Ansichten in ein so verführerisches Licht gesetzt tote er nur irgend konnte, wir würden, wie schon gesagt, nicht den Hauch eines Vorwurfes geaen ihn ausgestoßen haben. So aber liegt die Sache anders. Er hat nicht feine Ansichten verfochten, die er vielleicht für nicht mehr zugkräftig genug hält, um einen nicht aus seinen Hörern bestehenden Leserkreis zu interessieren — nein, er hat eine Denunziation gegen uns aus den Fingern gesogen, um unsere Zeitung und unseren Verlag geschäftlich zu schädigen! Es kam ihm bei seinen Ausführungen nicht darauf an, durch die zwingende Richtigkeit und einleuchtende Wahrheit derselben, Leute mit anderen Ansichten zu seinen eigenen zu bekehren und auch als Jurnalist ein Lehrer deS Volkes zu sein, nein, er setzte die Denunziönchen in die Welt um uns geschäftlich Abbruch zu thun! Und deshalb ist das Vorgehen jenes Herrn so ver-
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Um so hingebender konnte Ulla fich dem Genuß deS Landlebens, der Freude am Garten und dem Verkehr mit den beiden Nachbarfamilien widmen. , .
Die überreiche Blütenpracht rings um das HauS her, die schöne Gegend, die zu weiteren Ausflügen lockte, alles machte ihr Leben so reich und hell, tote es nie zuvor gewesen.
Oder — ? War eS wirklich all dies Neußer- liche, was fie so fröhlich fingen und jubeln ließ? War es nicht vielmehr eine geheime Stimme in ihr, die im Wachen und Träumen ein paar Zeilen aus einem Liede zurief, Worte so voll freudiger Hoffnung:
„Warte nur, warte nur, balde
Ist Deine Kammer voll Sonnenschein."
Woher ihr das Lied kam, wußte fie nicht, fie machte fich auch nicht klar, was es meinte. Nur das eine war wie eine feste Ueberzeugung in ihr: Bei Anna Wolzins Hochzeit kam auch ihr das Glück!
Wie? Woher? Darüber grübelte fie mcht.
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pr. 17.
Aber fie freute fich auf dies herannahende I Ein Schrei namenlosen Entsetzens — aus Fest, wie fie fich noch nie auf etwas im Leben vier jungen Kehlen zugleich — antwortete aus
I die letztere Vermutung, bte der Wahrheit vielleicht
„Ganz natürlich", sagte Julchen in ihrer am nächsten kam
ruhigen Nüchternheit. „Du hast mal eine Zeit- Ganz vernichtet starten bte armen Kinder lang keine Vergnügungen gehabt, da ist Dir auf die entzückenden kostbaren Seidengewebe die Blasiertheit vergangen." I in ben zartesten Farben, bte ihnen als Fest-
Nun gut! Ulla rüstete ihre Hochzeitstoilette I fletber so gut gestanden haben wurden — aus unb das Ballkleid zum Polterabend. I diese duftigen Ballstoff; — und dann wieder
Eine grenzenlose Ueberraschung bereitete der I mit Entsetzen auf jene Packete schwerer dunkler Familie Kantrupp in dieser Zeit die Ankunft einer und schwarzer Seiden- und Wollzeuge, aus ganze großen Kiste, welche die Klostertante sandte. Stücke zum Füttern von Kleidern von Besätzen
„Ich habe in der Lotterie gewonnen," schrieb I modernster Art. Jetzt wurde auch ein Kasten fie, „und da Ihr mir schriebt, Ihr wäret zu mit Handschuhen herausgeholt - mein Gott, Anna Wolzins Hochzeit eingeladen, deren ein paar Dutzende in weiß, gelb und anderen Mutter meine Schulfreundin war, so bin ich modernen Farben. Und ganz unten m der Kiste nach Berlin gefahren und schicke Euch, was Ihr lag fertige Damenwäsche in vielen Packeten! dazu braucht, denn ich möchte gern, daß Ihr I Da blieb ja gar kem Zweifel die Kiste dort gesehen werdet." I war aus irgend einem Engros-Geschäft für em
Die Tante mußte unbedingt das große Los | Kaufmannshaus bestimmt und irrtümlich an i gewonnen haben, denn was jetzt aus der Kiste die Adreffe deS Barons geschickt.
zum Vorschein kam, daS spottete, nach den Be-1 Wer vermöchte die Aufregung seiner Tochter griffen der Baroneffen, jeder Beschreibung, das zu schildern! _
war derartig kostbar, daß daS Jubeln der Er schrieb sofort an den Absender der Kiste Mädchen und das Lächeln der Eltern fich in I und einen anderen Bnes an ferne Schwester, ein beklommenes Staunen verwandelte. War um Nachfrage zu halten. .
Tante Rose am Ende übergeschnappt? Oder! Von dem Berliner Geschäft kam die im hos- war die Kiste gar falsch adressiert? I lichsten Ton gehaltene Antwort: „Die beiden
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- 10.
der Sonntags-Nummer unserer Zeitung batten wir u. a. einen kleinen Artikel ver- ,, stch,' Mutlicht, der fich mit dem jüngsten Vorgehen ir B-i Freiherrn von Durant im Herren- I . (381$ Aus beschäftigte, der dort mit dankenswerter I™ Offenheit eine Frage anschnitt, deren ausfuhr- iftc 1$ fifbe Erörterung und Klärung für unsere I "-^ evangelische Kirche nachgerade eine nicht mehr zu umgehende bittere Notwendigkeit geworden ist. Ebenso allgemein wie Frhr. von Durant bte Sache «faßte, haben wir zu seinen Ausführungen und zu bei sich daran knüpfenden Diskussion Stellung genommen unb betont, daß nach unserer Ansicht das Vorgehen des Freiherrn W von Durant nach jeder Richtung hin richtig und verdienstlich sei. Bei der ungeheuren Wichtigkeit, die jene Fragen für jeden evangelischen Christen, für unsere Kirche und für unseren Staat haben, war diese Stellungnahme unsere Wicht; und wir glauben, daß wir ihr völlig sachlich und mit Vermeidung jeder Spitze vachgekommen find, wovon fich unsere Leser jederzeit in der betreffenden Nummer unserer Zeitung überzeugen können. Wir waren bei Mcht, baß bas Thema bei freien theologischen Forschung unb ihrer grenzen zunächst prinzipiell in bei Form __ einer akademischen Diskussion erörtert werden M müßte und baß babei jebes Bezugnehmen auf ,, : bestehende Verhältnisse an irgend einer Hoch- ' schule zu vermeiden fei. Zu unserem großen i Erstaunen unb zu unserem Bedauern mußten vir nun gestern bei der Lektüre der hiesigen h. . nationalsozialen Zeitung erkennen, baß ein U, flinker unb gewissenloser Skrizifax unsere ganz allgemein unb sachlich gehaltene Notiz zu einer schlechten unb rechten Deirrrnziattorr gegen unsere Zeitung benutzt
verbunben hätte!
Wir haben bort im Anschluß an die Besprechung einer Herrenhausbebatte unsere Zustimmung zu ben Ausführungen des Frhrn. von Durant ausgebrückt unb darauf hingewiesen, daß schon die nächste Provinzial-Synode sich mit demselben Gegenstand zu beschäftigen haben werde und daß dort jene Herren, bte im Zweifel an bie Kompetenz beS Herrenhauses, bei toeiteien Erörter- ung bei vom Fihin. v. Duiant auf» geworfenen Fiage Siebenten entgegensetzten, sich hieiübei deutlicher aussprechen könnten! — Herr Doktor, wo ist nun in diesen Ausführungen ein Angriff auf die Marburger theologische Fakultät enthalten, den Sie herauszu- finden so glücklich waren? Wir vermögen ihn nicht zu entdecken! Jeder unbefangene Leser unserer Notiz wird aus ihr erkennen können, I daß ihr Schwerpunkt einmal in der Erörterung der Kompetenz des Land- SS 35SI MM- -5« I die in sicherer Aussicht stehende Verhandlung Denunziation.
der Provinzial-Shnode Über den von Dr. Bark- Von den übrigen Ausführungen des Hausen und Dr. Dryander erhobenen Kom-I Schreibers jener Brandartikels ist uns nur vetenz-Einwand! Aus diesem Sach- die intereffant, daß er behauptet, die hiesigen verhalt einen Angriff auf die Marburger theologischen Universitätslehrer gehörten alle zu theologische Fakultät zu konstruieren, ist rund der von Frhr. von Durant und Gen. bekämpften heraus gesagt eine Verleumdung wider besseres Richtung! Wir wissen eS nicht, da uns die Ver- Wiffen! - Wenn wir nebenbei den Frhrn. hältniffe bei der hiesigen theologischen Fakultät v Durant des Dankes aller positiv gerichteten gänzlich unbekannt find. Aber wir können bis Evangelischen für seine Ausführungen ver- auf weiteres kern Mißtrauen m diese Bekundung sicherten unb aussprachen, daß er bie Berufung setzen, da jener Herr feini Kiffen ja offenbar moderner evangelischer Theologen zu Hoch- aus denkbar bester Quelle schöpft! Wir mochten schullehrern mit Recht getadelt und die fich uns nur bte durch Betonung jenei That- daraus ergebenden Mißstände in verdienstlicher fache naheliegende Frage erlauben, ob der I Weise zur Sprache gebracht habe, so haben wir I Artikel „Ein Angriff auf die Marburger lediglich unseren prinzipiellen Standpunkt theologische Fakultät" vielleicht im Auftrage I zu erkennen gegeben und zwar irn Hinblick aus! der theologischen Fakultät versaßt i e n e A r t der modernen evangelischen Theologen, ist? Wir wollen gleich hinzusetzen, daß wir I die He r v. Durant bei seiner Herrenhausrede I dies nicht glauben! Aber durch jene eben im Auge hatte, und haben uns streng gehütet, zitierte Behauptung wird der Anschein er- irgendwie weiter zu spezialisieren oder zu exem- weckt, als ob es so Ware!
plifizieren. Auch hieraus einen „Angriff aus Zum Schluffe wollen wir uns noch zu dem die Marburger theologische Fakultät" zu kon- Satze äußern, daß die konservative Partei be- struieren, dürfte für jeden anderen als für den strebt sei, ihre Macht dahm geltend zu machen, Verfasser jenes Artikels moralisch unmöglich daß auch rn der Kirche nach Moglich- fein noch dazu, da in dem letzten Absatz des k eit alles beim Alten bleibe! -Ge- fraalichen Artikels selbst bemerkt wird, wiß, wir wollen, was unseren eigentlichen baß die Notiz Nicht auf H e s s e n christlich en Glaub en betrifft an dem fest- Bezug haben kann, da hier ja keine halten, was uns durchi den Heiland ge- Provinzial-Shnode besteht. Und thatsächlich be- offenbart worden ist! Wir wollen nicht,