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mit lern Kreisblatt für die Kreise Marbnra und Kirchkai«.
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37. Jahrg.
Gesinnungstüchtigkeit freisinniger und sozialdemokrattscher Stadtväter
Die von den Führern der berliner Kommunal- fteifinns vorbereitete Kundgebung von Mitgliedern städtischer Körperschaften gegen die geplante Erhöhung der Getreidezölle hat, wie vorauszusehen war, nicht den geringsten Eindruck gemacht. Im Gegenteil. Hatte sich schon der im Jahre 1879 von dem damaligen Oberbürgermeister von Berlin, von Forckenbeck, in Szene gesetzte Städtetag mit seiner Voraussagung der furchtbarsten Folgen, welche über das deutsche Reich und Volk hereinbrechen würden, wenn die in Aussicht genommenen Getreidezölle zur Wirklichkeit werden sollten, gründlich blamiert, so ist besten neueste Auflage, die „Kommunalkonferenz", wie die freisinnige Reklametrommel eine Versammlung von auS ganzen 77 Städten zusammengekommenen Männern ohne amtlichen Auftrag zu nennen beliebt, vollends dem Fluch der Lächerlichkeit verfallen. Was im Jahre 1879 auf dem Städtetäge gegen die Zölle vorgebracht wurde, war wenigstens noch einigermaßen neu, jedenfalls nicht so völlig verbraucht, wie die hundertmal wiederlegten Redensarten, welche die Redner der „Kommunalkonferenz" jüngst zu Tage gefördert haben. Und die „einstimmig" gefaßte Resolution steht in ihrem Inhalte hinter den gehaltenen Reden auch nicht zurück. Man hätte deshalb nicht den geringsten Grund gehabt sich mit der ganzen Angelegenheit zu beschäftigen, wenn nicht die soeben dem Reistage zugegangene Nachweisung über die im Rechnungsjahr 1900 erhobenen Gemeindeabgaben von Getreide, Hülsenfrüchten, Mehl und Backwerk, sowie von Vieh, Fleisch, Fleischware« und Fett in höchst interestanter Weise die von den Mitgliedern der freisinnig-sozialdemokratischen „Kommunalkonferenz" bei ihrem Kampf gegen die Lebensmittelzölle an den Tag gelegte Gefinnungstüchtigkeit beleuchtete.
AuS dieser Nachweisung geht nämlich hervor, daß im deutschen Reich nicht weniger als 1392 Gemeinden Abgaben von Getreide, Vieh u. s. w. erheben und zwar in einem Jahresgesamtbetrage von 15 605173 Mk. Geht man nux auf die Nachweisung für die einzelnen Gemeinden näher ein, so zeigt sich zunächst, daß allein im Königreich Preußen 101 Gemeinden — das find zweifellos ausschließlich Stadtgemeinden — derartige Abgaben in Höhe von jährlich 4716084 Mark erheben. Dabei find die Überschüsse, welche ein Teil dieser Gemeinden aus ihren Schlacht- und Diehhofeinrichtungen erzielen —
17 (Nachdruck verboten.)
Eine Geldheirat.
Roman von L. H a i d h e i m.
(Fortsetzung.)
„Vielleicht ist ihm Deine Freundschaft für sie ein Anlaß zur Eifersucht?" meinte Ulla. „Oder mißfällt ihm Hilde etwa persönlich?"
Annas Gesicht leuchtete ganz verklärt auf.
„Das könnte ei sein — er ist eifersüchtig auf Hilde! Ja, ja, denn wie könnte sie ihm mißfallen? Im Gegenteil, er tanzte sehr oft mit ihr, als er mich noch nicht kannte. Ich bin Dir wirklich herzlich dankbar, Ulla! ES ist aber doch recht fatal, daß er — weißt Du, Hilde hätte ohne Papa und mich gar nichts von ihrem Leben gehabt! PapaS Güte und Freigebigkeit gegen sie war mir immer ein Beweis seiner Hochherzigkeit, denn Hildes Vater hat Papa früher mal um eine große Geldsumme gebracht, eS waren viele Tausende. Ein Teil ist ihm dann allerdings ersetzt worden; aber damals traf der schwere Verlust meinen Papa sehr empfindlich, denn er fing eben erst an, seine Geschäfte großartig auSzudehnen. Na, wie gesagt, Langens find darüber arm geworden, sehr arm. Die Kantrupps scheinen freilich noch ärmer zu sein. Papa sah es deshalb gern, wenn ich Hilde — doch das gehört nicht hierher. Wie froh bin ich, daß Du mir die Abneigung meines Hans gegen Hilde so erklärt hast!"
„Ihr spracht neulich von einer Verlobung Hildes?" suchte Ulla vorsichtig zu forschen.
„Gott, ja, einen Offizier kann sie ja doch nicht heiraten, ich glaube auch, daß er ihr trotz
und Berlin erzielt davon bekanntlich rund 2 Millionen jährlichen Gewinn — noch nicht mit« gerechnet. Um zu zeigen bis zu welcher Höhe diese Abgaben zum Teil erhoben werden, wollen wir nur ansühren, daß u. a. in Potsdam die Abgabe für einen Ochsen oder Stier 31,50 Mark, für eine Kuh oder Färse 20,25 Mk., in Posen für einen Ochsen oder Stier 20,25 Mk., für eine Kuh oder Färse 12,38 Mk., in Breslau für einen Ochsen oder Stier 27,00 Mk., für eine Kuh oder Färse 20,25 Mk. beträgt. Vergleicht man damit die im neuen Zolltarisentwurf vorgeschlagenen Zollsätze, welche für einen Ochsen oder Stier nur mit 25 Mk. angesetzt find, so kann man den entrüsteten Sturmlauf der freisinnigen Stadtväter gegen die Lebensmittelzölle nicht wohl anders als Heuchelei bezeichnen.
Don besonderem Jntereffe find noch die bezüglichen Gemeindeabgaben der bayerischen Stadt Fürth. Es find dort im Jahre 1900 an Abgaben für Getreide, Vieh und Fleisch oder Fleischfabrikate im Ganzen 111000 Mark erhoben, dar heißt, fast 3 Mark aus den Kopf der Bevölkerung. Die Stadtverwaltung von Fürth aber ist ganz in den Händen der Sozialdemokraten. Diese „Genoffen" scheuen fich also nicht, im Interesse ihre» Stadtsäckels der fünfköpfigen Familie der dortigen zahlreichen Industriearbeiter die notwendigsten Lebensmittel um 15 Mark jährlich zu verteuern, das heißt, nach dem in ihren Reden und Flugblättern gebräuchlichen Jargon, den schnödesten „Brot- und Fleischwucher" zu treiben. Und da haben eine beträchtliche Anzahl sozialdemokratischer Stadtväter — vielleicht waren die Genoffen auS Fürth selbst darunter — die Kühnheit, auf der „Kommunalkonferenz" zu erscheinen und gegen jede Erhöhung der Getreidezölle lauten Protest zu erheben. Erinnert man fich noch dazu der Thatsache, daß die sozialdemokratischen Mitglieder der Zolltarifkommisfion sogar die völlige Zollfreiheit aller Lebensmittel für eine Forderung der Gerechtigkeit und Sittlichkeit zu erklären nicht müde werden, dann erscheint die Ehrlichkeit der Gesinnung der „Genoffen" in der That in einem sonderbaren Lichte.
Umschau
Die „Vernehmung" der Zuckersachverständigen im Reichsschatzamte.
Bei der vom Reichskanzler angeordneten Vernehmung von Sachverständigen über die Bedeutung der Bestimmungen der Brüsseler Zuckerkonvention und der Novelle zum Zuckersteuer
seiner glühenden Verehrung gleichgiltig blieb. Den andern, — Hans ist wütend, wenn ich sage, Hilde sollte doch zugreifen, wenn eine gute Partie sich bietet — den anderen also, könnte sie alle Tage haben. Er ist reich, flott — aber dumm und ein wenig schief — Sohn eines reich gewordenen Bauunternehmers oder richtiger, Maurers. Aber, Du lieber Gott, für ein armes Mädchen ist doch nun mal die Hauptsache, daß sie eine gute Partie macht! Hilde hat obendrein die Passionen einer vornehmen Dame, sie ist sehr geneigt, fich verwöhnen zu lassen.
Ulla hörte kaum noch zu. Wer war also der Herr, mit dem Hilde an jenem Abend ging? Die Figur erinnerte sehr an HanS von GlaichenS Erscheinung — mehr hatte Ulla nicht gesehen.
Die arme Hilde! Sie hatte also eine heimliche Liebe? Wie unrecht von ihr und von jenem Manne, den bösen Schein sc gar nicht zu meiden!
Daß Hilde leichtfinnig sein könnte, kam Ulla überhaupt nicht in den Sinn. Dafür kannte fie deren Charakter, wie sie meinte von der Schule her, gut genug.
Die Einladung zum Sonntag brachte noch ein Ereignis mit fich.
Die vier Schwester wurden feierlich zum Diner in die FlinSbergvilla eingeladen und der Oberstleutnant sah fich mit der diplomatischen Aufgabe betraut, die Eltern derselben um ihre Erlaubnis dazu zu bitten.
Er spielte überhaupt, seit Burghausens zwischen den beiden Familien wohnten, die Vermittlerrolle und hatte demzufolge den Ober
gesetz für die vaterländische Zuckerindustrie hat der Reichsschatzsekretär Frhr. v. Thielmann eine ganz eigenartige Methode eingeschlagen. Sonst ist bei solchen Befragungen ein kontradiktorische- Verfahren in einer gemeinsamen Konferenz üblich. Ebenso hat man e8 für selbstverständlich erachtet, die Sachverständigen rechtzeitig davon zu benachrichtigen, worüber fie vernommen werden sollen, um ihnen Gelegenheit zur Vorbereitung zu geben. Diesmal kam alles anders. Man beliebte Einzelvernehmnng, auch wurde der Sachverständige mit dem Thema seiner Vernehmung erst im Termin selbst bekannt gemacht und genötigt, aus dem Stegreif zu gutachten. Diese Sachverständigenkonferenz erhielt damit mehr den Charakter eines mündlichen Examens und unterliegt deshalb in politischen Kreisen mannigfacher Kritik. Wenn es dem Reichsschatzsekretär darum zu thun gewesen wäre, fich durch Vernehmung der Sachverständigen über die einschlägigen Fragen zu informieren, so hat er die Sache just am verkehrten Ende angefangen. Diese Art der Vernehmung wird mehr als eine Belästigung der Zuckerintereffenten empfunden. Wer vom Wohlwollen für einen so bedeutsamen heimischen Erwerbszweig getragen ist und das Für und Gegen sorgfältig abwägen will, wird die Sache in der Regel anders anfangen.
Die Einnahmen der preußischen Staatseisenbahnen
betrugen im April, dem ersten Monat de8 neuen Etatsjahres auS dem Personenverkehr 30422000 Mk., was gegen den gleichen Monat im Vorjahr ein Minus von 2453000 Mk. er- giebt; die Einnahmen aus dem Güterverkehr beliefen fich im April 1902 auf 72426000 Mk., d. h. 2 013 000 Mk. mehr als im April 1901. Die auffällige Erscheinung, daß die Einnahmen aus dem Personenverkehr einen Rückgang, dagegen die Einnahmen auS dem Güterverkehr einen Zuwachs aufweisen, ist ohne Zweifel auf die khatsache zurückzuführen, daß daS Osterfest in diesem Jahre nicht in den April fiel wie im vorigen Jahre. Die sonstigen Einnahmen beliefen fich im April noch auf 6458000 (— 8000) Mk., so daß die Gesamteinnahme der preußischen Staatsbahnen im April 1902 auf 109306000 (— 448000) Mk. betrugen. — Die Ungunst des WetterS am Pfingstfeste selbst und in der voraufgegangenen Woche dürfte für die preußischen Staatsbahnen ein Ausfall an Einnahmen von gut 2000000 Mk. bedeuten.
regierungsrat im Auftrage des Barons von Kantrupp bitten müssen, von dem üblichen Nachbarbesuch absehe» zu wollen, da das Befinden der Baronin die äußerste Schonung und Einsamkeit verlangte.
„Die Sache spricht für fich selbst, lieber Herr Nachbar," begütigte der Oberstleutnant den ziemlich erstaunt dreinblickenden Burghausen. „Der Baron verträgt eS nun einmal nicht, daß Fremde in die Armseligkeit da drüben hineinblicken."
„Großer Gott, wenn es das ist! Wie gerne würde man die Unglücklichen durch vollständige Nichtbeachtung schonen — wie gerne aber auch ihre Lage zu erleichtern suchen!"
„Das ist er eben! Sein Stolz läßt das nicht zu und es ist ein würdiger, ehrlicher Stolz, der schweigend den schrecklichen Kampf mit dem Unglück führt," hatte der Oberstleutnant geantwortet und dann noch berichtet, welche Mühe eS ihn gekostet, den vier „Kleinen", wie fie in der Familie heißen, den Verkehr mit Ulla auszuwirken.
„Ich habe getobt, sage ich Ihnen, und dem dickköpfigen Alten vorgestellt, wie verrückt e» von ihm ist, den Kindern jede LebenSfteude abzuschneiden."
Der brave alte Herr sah bei diesen Worten ganz kriegerisch auS.
Jetzt war die diplomatische Aufgabe ungleich schwieriger. Und wenn wirklich die Eltern einwilligten — was sollten die armen Mädchen anziehen?
„Das lassen Sie nur meine Sorge fein! Ich gebe Ihnen, was ich habe; Leo »nd Stella
Die Buren am Scheidewege.
In Vereeniging find, nach einer „ Times Meldung, 160 Buren versammelt, welche fast alle wohlbekannt sind.
Ueber den Verlauf der Verhandlungen ist aber bislang noch keine aufklärende Meldung eingetroffen. Während die „Times" der Anficht find, daß wahrscheinlich die bedingungslose Uebergabe der meisten Burenkommandos die Folge der Beratungen zu Vereeniging fein wird, verbreitet das wiener Burenhilfskomitee die alarmierende Nachricht, daß die Verhandlungen zu Vereenigung vollständig gescheitert seien und der Krieg mit erneuten Kräften wieder ausgenommen werden würde. In Amsterdam war bis heute morgen ebenfalls keine Meldung über den Verlauf der Versammlung eingetroffen, was den Verdacht bestärkt, daß die Hauptforderungen der Buren, namentlich die, mit Krüger in ungestörten telegraphischen Verkehr treten zu dürfen, abgelehnt wurden. Ein Vertrauter SteijnS teilt mit, daß allerdings beiderseits etn ernstliches FriedenSbedürfniS vorhanden fei, daß aber mit der Amnestiefrage jegliche Aussicht auf Einstellung der Kriegsoperationen stehe und falle. Nimmermehr würden die Buren zu Verrätern an ihren Mitkämpfern werden. Jedenfalls sei eS entschieden zurückzuweisen, daß einzelne Kommandos die englischen Forderungen acceptieren. In londoner Regierungskreisen verlautet, da» bisherige Ergebnis der Burenberatung in Der- eeniging fei für England unanbringbar. Vollständiger Stillstand oder Abbruch der Verhandlungen wird bestimmt befürchtet. Die hiesige hoffnungsvolle Stimmung ist gänzlich umgeschlagen. — Londoner Blätter teilen mit, daß während des gestrigen TageS Lord Milner in ständiger telegraphischer Verbindung mit der Regierung gestanden hat. Es heißt, daß sowohl Milner wie die Buren-Delegirten von der englischen Regierung eine endgültige Festsetzung der Friedensbedingungen verlangten.
Ein neuer Ausbruch des Mont Pelöe auf Martiniqe.
Es scheint, als ob mit dem furchtbaren Unglück, das durch den AuSbruch der Vulkane Mont Pelöe und Soufrisre über einige der kleinen Antillen hereingebrochen ist, auch zugleich nicht das Ende der Schrecken verbunden gewesen ist. Der Mont Pelöe hat von neuem seine Thätigkeit ausgenommen. Wie auS New-Pork gemeldet wird, gerieten die Mannschaften des amerikanischen Kriegsschiffs
sind von meiner Größe und die beiden Jüngste« etwas kleiner," sagte Ulla mit leuchtenden Augen.
Sie war Anna so dankbar für die Einladung der armen Kinder.
Drüben hatte e» eine« großen Kamps gegeben und der Oberstleutnant hatte nur teilweise einen Sieg errungen. So wurden wenigsten» Leontine und Stella mit der Erlaubnis beglückt, nachdem eine längere Beratung der Kantruppschen Damen festgestellt, daß Leo ein Weißes gesticktes Kleid au» Mama» Jugendzeit — einen oft angestaunten und bisher heilig gehaltenen Schatz — anziehen durste; für Stella war ein rosarotes Battistkleid der Klostertante zu brauchen.
Der Baron und die Baronin dursten gar nicht ahnen, daß Ulla und Julchen die glücklichen Mädchen in Ulla» Turmzimmer erst »och modernisierten, für beide allerlei hübsche Zu- thaten zu den leidlich fitzenden unmodernen Kleidern bereit hielten und ihnen vor allem das Haar vernünftig frisierten.
Leontine kämpfte freilich erstfürihre „Mähne" wie Tante Julchen e» nannte, da aber Stella sehr verständig meinte, die Großstadtdarnen würden doch besser wissen, was fich schicke, so überließ fie ihr schöne» Haar Ullas geschickten Händen und wollte fich zuletzt vor dem Spiegel halb totlachen vor Freude über ihre Frisur, die allerdings die schöne zierliche Kopfform erst zur vollen Geltung brachte.
Stella sah sehr richtig ein, daß auch sie viel vorteilhafter aursah.
(Fortsetzung folgt)