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mit lern Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.

Marburg

M 114

HM**.Somabmd, 17. Mai 1902.

8i»rteljihrlich«r Bezugspreis: bei btt Erpedittou S DL, bei allen Postämtern 2,25 Mk. (ejeL Bestell,eld).

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- uns Feiertag«. Sauutagsbeilage: JüuftrirtrS Soautagöblatt.

Druck und Verlag: Joh. >»g. «och, UaiverfitätS-Buchdrackere Marburg. Markt 21. Tüephon 55.

Allerlei Polnisches.

Zu der bereits mehrfach erörterten Frage, in wie weit die katholischen polnischsprechenden Geistlichen den großpolnifchen Agitatoren nahe stehen, liefert dieGazeta grudziondzka" einen bemerkenswerten Beitrag. Unter der Ueber- schristEine fröhliche Neuigkeit" teilt dieses Organ der deutschfeindlichen Hetzpreffe seinen Lesern mit, daß sieals Mitarbeiter einige ehr­würdige Geistliche gewonnen habe, welche einer Gemeinschaft angehören, die wegen ihrer Sorge um das Wohl der heiligen römisch-katholischen Kirche berühmt ist".Don ihnen," heißt eS weiter,erhalten wir und werden wir erhalten Ratschläge und Weisungen sowie Arbeiten, welche sich auf kirchliche und religiöse Angelegenheiten beziehen. Ihr seht also wiederum, Brüder, daß wir unausgesetzt auS allen Kräften bestrebt find, Eure Gazeta grudziondzka immer wirksamer für daS Wohl der ganzen polnischen Nation und zum Nutzen für unsere heilige katholische Kirche arbeiten zu machen." Die vorhergehende Nummer deS Blattes enthält den« auch bereits eine recht erbauliche Probe dieserehrwürdigen" Mitarbeit in einem von fanatischem Eifer und erbittertem Deutschenhaß überstießenden Artikel, der daS Vordringen deS Deutschtum» in derpolnischen" Kirche zum Gegenstand der Erörterung macht. Da wirdProtestantifieren, Verdeutschen und Derpreußen" als eine durchaus identische Thätig- keit derpreußischen Polenfreffer" bezeichnet. Der Satan, der sich auch mit dem Vater der preußischen Polensresser beraten habe, dem auS Anlaß seine» großen Hasses gegen die Polen nur drei Haare auf dem Kopfe verblieben seien, wird als ein spezieller Liebhaber polnischen Seelen vorgeführt und de» Näheren dargelegt, daß daS Ergebnis der Be­ratung zwischen dem deutschen Staatsmanne und dem Höllenfürsten der Gedanke war,in die polnischen Kirchen um jeden Preis da» Deutschtum hineinzudrängen und auf diese Weise mit Hilfe der Kirche die Polen zu verdeutschen und zu protestantifieren und ihre Seelen in die Hölle zu stoßen. Diesen Einfall griffen die preußischen Polenfreffer mit satanischer Freude auf und fie machten fich eifrig an die Arbeit." Rach einem Rückblick auf den Kampf der katho­lischen Kirche mit dem Protestantismus, in dem eS von dendeutschen Abtrünnlingen" v. Queiß und v. Pohlenz heißt, daß fie diearmen Ma­suren betrogen und zum Uebergang zum Luther­tum bewogen haben", folgt dann die übliche Ermahnung an daspolnische Volk", fich mit allen Kräften der Einführung der Deutschtums in diepolnischen" Kirchen und den Feinden der Kirche zu widersetzen. Diese Proben dürften genügen, um von der Mitarbeiterschaft der ehrwürdigen" Geistlichen, von der Art ihrer Ratschläge und Weisungen" eine Vorstellung zu geben. Ls scheint, daß die sog. Kaplan»-

14 (Nachdruck verboten.)

Eine Geldheirat.

Roma« von S. HaidHei«.

(Fortsetzung.)

Vater, dar Mädchen hat eine liebevolle Seele da» sieht man ja ihren treuen Augen sofort an! Und Hans ist ein Mann, er muß wiffen, wa» er thut. Dor allem muß er doch den festen Willen haben, Anna glücklich zu mache», sonst würde er den ernsten Schritt gewiß nicht thun!"

Mutter, Gott gebe, daß fie's beide nicht bereuen!"

.Da» denken treue Eltern gewiß allemal, wenn die Kinder heiraten, Väterchen. In meinem Herzen spricht eine Stimme für Anna. Weißt Du, die Größe und'

Na, das Aeußere soll Nebensache sein heißt's in der Theorie. Aber weißt Du, das Kind ist so so hast Du ihre Handgele«ke gesehen? Knochen wie ein und Bewegungen so ohne jede Anmut! Wie ist es nur möglich, daß ein Mädchen von solcher Erziehung so wenig Grazie hat? Aber fie hat Geld! Daß Hans darauf so viel Gewicht legt, das erschreckt mich denn doch! Und ich alter Esel habe mich so über die glänzende Partie gefreut!"

Ja, ja, das hatte er gethan, das war nicht zu leugnen.

preffe, die allerdings auf irgend welche Rück­sichten seitens des ersten Reichskanzler» nicht zu rechnen hatte, vielmehr recht oft und deutlich zu fühlen bekam, wer Herr im Hause war, in einer an Absurdität und zelotischem Haß noch krafferen Gestalt wieder aufleben soll. Nur gut, daß solche Kundgebungen, wie die vorstehende, den Priestern, die unter dem Vor­wand der Wahrung religiöser Jntereffen eine verhetzende und zersetzende Thätigkeit schlimmster Art entfalten, die heuchlerische Maske schonungs­los herunterreißen. Wenn in der großpolnischen Preffe die Derhältniffe auf kirchlichem und religiösem Gebiete zur Sprache gebracht werden, ist überwiegend von einerpolnischen" Kirche, vonpolnischen" Priestern undpolnischen" Gebeten die Rede. DaS zeigt denn doch wohl, daß e» fich bei allen solchen Veröffentlichungen weit weniger um seitens der Bevölkerung empfundene Mißstände u. s. w. in der römisch- katholischen Kirche als vielmehr darum handelt, den Kampf gegen das Deutschtum zu predigen und zum Widerstande gegen die angeblichen Feinde und Unterdrücker derpolnischen" Volkes aufzufordern. Das geschieht gewiß in dem Glauben, daß solche Taktik unauffälliger und wirksamer geübt werde unter dem Deckmantel der Gefährdung der Religion, der Kirche, aber allmälich wird auch dieser fadenscheinig, und die wahre Natur der großpolnischen Agitation scheint au» allen Löchern hervor.

Umschau. -

Vorbereitung für die Reichstags- Wahlen.

DieDeutsche Tageszeitung" fordert die Vertrauensmänner des Bundes der Landwirte auf, schon jetzt Vorbereitungen zu treffen für die Reichstagkwahlen, die spätestens im Früh­sommer des nächsten Jahres stattfinden werden. Es sei aber auch nicht auSgeschloffen, daß die Wähler wesentlich früher an die Urne gerufen würden. DaS Blatt sagt:

Selbst wenn es gelingen sollte, den Zoll­tarif vorher zu erledigen, so würde doch die Entscheidung über die Handelsverträge und damit über das thatsächliche Schicksal der Land­wirtschaft dem nächsten Reichstage Vorbehalten bleiben. Deshalb muß die Landwirtschaft ge­rüstet sein und aus ihren berechtigten Forder­ungen an die Kandidaten unbedingt bestehen, wenn fie fich nicht an der Pflicht der Selbst­erhaltung versündigen will."

Zur Diätensrage.

Der bayerische Landtag vermag mit seinem Arbeitspensum in der ihm vorgeschrieben Zeit nicht fertig zu werden. Die Diätenzahlung hat von der bayerischen Landesvertretung die Viel­rederei also nicht abwenden können. Wie man

"Aber nun rege Dich nicht nutzlos aus, Ma«n," bat die Frau Oberstleutnant. .Unser Hans weiß, was jetzt seine Pflicht ist. Er muß eben alle» daran setzen, Anna glücklich zu machen. Nun komm, erzähle mir, was Du mit dem Geheimen Kommerzienrat gesprochen hast."

So kamen fie endlich auf andere Gedanken und am Ende doch wieder zu dem Schluß, daß alles, was der Millionär gesprochen, den Stempel hoher Intelligenz und Bildung trug.

Daß er ein Geldmensch war, der wirklich wie HanS schon angedeutet, von dem Grund­satz auSging: .es ist alles käuflich i» der Welt jedes hat seinen Preis" nun, derartige An­schauungen, die den alten Leuten tiesinnerlich widerstrebten, mochten doch wohl ihre auf Er­fahrung begründete Berechtigung haben. War nicht ihr HanS vielleicht auch eins der zahl­losen Beispiele?

In gegenseitiger Aussprache fanden fie gleich­wohl ihren Mut und ihre Ruhe wieder, und der Oberstleutnant erzählte seiner Frau, Wolzin möchte Hans gern ein Reitpferd schenken, er wage aber nicht, eS ihm anzubiete»', denn Hans habe fich sogar schroff gesträubt, von Anna Geschenke, die über eine Handarbeit hinauS- gingen, anzunehmen.

Das Diner zu Ehren des Brautpaares verlief am anderen Tage über alle Erwartungen nett.

also dort über Diäten denkt, ist aus folgender Auslastung des Organs des süddeutschen Bauern­bundes, der .Bayerischen Landeszeitung" er­sichtlich :

.Der Landtag vertrödelt Zeit und Geld i« einer Weise, daß die dümmsten Leute sich fragen, wie eine Regierung solche Ungehör noch länger dulden könne. Eine ganze Reihe von Rechnungen und Voranschlägen könnte ohne weiteres im Plenum behandelt werden. Wozu opfert man z. B. für d«S Forstgesetz eine ganze Woche für langweilige und unnötige Ausschuß­sitzungen? Forstwesen, Militär, Landesökonomien, Post, Auswärtige» u. f. w. könnten innerhalb acht Tagen erledigt werden, wenn man täglich im Plenum fünf Stunden tagen würde. Würde man den Ab- geordneten statt der Diäten ein jährliches Pausch­quantum von 600 Mk. zahlen, würden die Sitzungen nicht so lange dauern und vielleicht befleres erzielt werden als heute."

Dieser Notschrei, der nicht vonreaktionärer" Seite stammt, dürfte für die Freunde allge­meiner Reichstagkdiäten sehr lehrreich sein.

Vernünftige wirtschaftliche Anschau­ungen bei einer Handelskammer!

Der Jahresbericht der Handelskammer zu Worms konstatiert, daß die auf Handel, Industrie und Verkehr bezüglichen Verhält­nisse am dortigen Platze zu der im allge­meinen unleugbar schlechten Geschäftslage in Deutschland einen recht erfreulichen Kontrast bildeten. Dank einer guten Ernte blieb das für da» Wormser Platzgeschäst in erster Linie maßgebende Landpubli­kum kaufkräftig, wie in den letzten Jahren. Die Wormser Großindustrie habe seit lange» Jahren sich bemüht, trotz der Ungunst der Ver- hältniffe, ihrer Arbeiterschaft gerecht zu werden, ein Beispiel, dem fich auch kleinere Betriebe i« sehr anerkennenswerter Weise anschloffen. Im Zusammenhang hiermit sei Worms selbst im Gegensatz zu anderen Städten mit hochentwickelter Industrie von der wirtschaftlichen Depression de» Berichtsjahres fast vollständig ver­schont geblieben. Ueber den Abschluß einiger Handelsverträge wird u. a. bemerkt, der Standpunkt der Handelskammer Worms bleibe nach wie vor der gleiche. .Sie tritt ein in erster Linie für alle Maßregeln, welche den Wettbewerb Deutschlands auf dem Welt­markt fördern und erhalten, wozu auch eine rationelle Handelsvertragspolitik gehört; fie verlangt ferner genügenden Schutz deutscher Arbeit aus allen Gebieten, ins­besondere auch auf demjenigen der Landwirtschaft, die fie als untrennbar von den Jntereffen von Handel und Industrie an- fieht und sie erblickt in de» Zolltarifentwurfe ein wertvolles Mittel, der heimischen Arbeit auf allen Gebieten de» Erwerbslebens den er­forderlichen Schutz zu fichern, der es Deutsch­land ermöglichen wird, auf dem Boden einer gesunden nationalen Heimatspolitik auch eine vernünftige Weltpolitik zu treiben!" j---- . --------- >........ .

Ulla sah in ihrem weißen Kleide reizend auS, und so gleichgiltig Anna Wolzin bei der Erwähnung de» Wiedersehens mit der einstigen Schulkameradin auch gewesen, jetzt, wo fie Ulla gegenüber saß, sand fie dieselbe entzückend, und nannte eS unbegreiflich, daß fie sich seit der Schule so wenig gesehen hatten.

Ebenso sehr schien Ulla Annas Vater zu gefallen. Der Geheime Kommerzienrat machte heute gar nicht den Eindruck eines liebevollen Brautvaters, vielmehr den eines wohlkon­servierten, stattlichen Mannes, der fich jünger fühlt, als seine Jahre. Hatte er anfangs viel mit Burghausen und dem Oberstleutnant ge­sprochen, so widmete er fich später ganz seinen beiden Damen. Der Frau Oberstleutnant der er mit einer gewiffen Jugendlichkeit huldigte, als sei er in der That erheblich jünger als fie und Ulla, seiner Nachbarin zur Linken, mit der er scherzte und sich neckte, wie ein alter Freund. Beider kleidete ihn vortrefflich und die allge­meine Heiterkeit bewies den Wirten, daß ihre kleine Räume und die geringe Prunkentfaltung, die fie hatten aufwenden können, diesen Gästen nicht so wichtig war, wie der hohe Frohsinn, der heute die Stimmung so hell aufflammen ließ.

Sie fühlten fich alle ungemein wohl. Die Frau Oberstleutnant atmete erleichtert aus, als fie ihren Hans so frisch und herzlich mit seiner Braut und Ulla plaudern sah.

Ein Beleg für die Not der Land- wirtschaft.

Die Stadt Breslau hat vor Jahren das Kämmereigut Riemberg in Selbstbewirtschaftung genommen. Die Selbstbewirtschaftung hat in der Zeit vom 1. Juli 1901 bis 31. März 1902 Ausgaben in Höhe von fast 70 000 Mark verursacht, während die Einnnhmen knapp 7000 Mark betrugen. Durch nachträgliche Einnahmen erhöht fich die Summe auf etwa» über 9 000 Mark. Wenn nun auch in Be­tracht zu ziehen ist, daß die Verhältniffe de» Gutes und deS Rechnungsjahres ganz besonders ungünstig waren, so wird doch die Breslauer Stadtverwaltung und ihr freifinniges Oberhaupt einigermaßen einsehen, daß die Not der Land­wirtschaft kein leerer Wahn ist.

Den freihändlerischenvauernsreunden" wäre hier einmal Gelegenheit geboten, ihren weisen Rat zum Besten ihrer eigenen GefinnungSgenoffen zu verwenden. Vielleicht versuchen eS die demo­kratischen breSlauer Stadtväter, das Defizit daSKämmereigute»durch intensive Bienen- und Hühnerzucht wieder auszu- gleichen. Auf das Resultat find wird gespannt l

Zur internationalen Streikbewegung.

Auf die Streik» von Italien Frankreich, Spanien und Belgien folgt jetzt der schwedische Streik al» Kampfmittel für das allgemeine Stimmrecht. Der allgemeine Ausstand in Schweden hat heute in der Landeshauptstadt Stockholm seinen Anfang genommen. Erhebliche Verkehrsstockungen find bereits eingetreten, und das öffentliche Leben wird bald ein Bild zeigen, als sei die Stadt im schwersten Belagerungs­zustand. Droschken, Omnibus, Pferdebahn und die Dampfboote auf dem Strom haben den Betrieb eingestellt. Da auch die Setzer sich dem Ausstande anschließen wollen, werden die Zeitungen nicht erscheine» können. Wie ferner auS Stockholm telegraphirt wird, haben die Behörden schon gestern angefichts des bevor­stehenden Ausstandes die Absperrung einiger innerer Stadtteile für den Verkehr an geordnet. Ferner wurde dem Publikum der Aufenthalt unmittelbar an der Absperrungsgrenze unter­sagt. Die Stockholmer Gasanstalt hat erklärt, in den nächsten Tagen kein Gas liefern zu können. Die Regierung hat Truppenver­stärkungen aus den Provinzgarnisonen heran­gezogen. ___________

Weitere Einzelheiten über die Katastrophe auf den Antillen.

Nach einer Meldung derDaily Mail" au» Kingston auf Jamaica, sagte in der gesetz­gebenden Versammlung der Kolonialsekretär Olivier gestern, es sei wahrscheinlich, daß Eng­land in Folge der verschiedenen Katastrophen St. Vincent aufgeben und die Bevölkerung nach

Nur einmal schien Anna etwas gesagt zu haben, was ihm sehr mißfiel; die alte Dame hatte aber nicht genau gehört, was fie sprachen, und als fie aufmerksam hinhorchte, erschien ihr die Unterhaltung der drei so harmlos, daß fie fich geirrt zu haben meinte.

Sie sprachen von gemeinsamen Schul­freundinnen der beiden Damen.

So, hat Hilde in Eurem Hause verkehrt?" fragte Ulla und setzte dann hinzu:Schön fand ich fie schon in der Schule. Und wenn fie, wie Du sagst, sogar einen Künstler ersten Range» begeistert'

O, nicht wahr, Han», Ulla hätte fie in den lebenden Bildern bei uns sehen müffen! Wunderschön sah fie au»! Schade, daß fie so arm ist! Leutnant von Grumbow von den Gardedragonern liebte fie doch daran war kein Gedanke. Aber, weißt Du, HanS, Werner Redingius soll fich um fie bewerben"

HanS stieß einen scharfen Laut des Zorns oder Mißfallens aus, worauf ihn Anna er­staunt ansah.

Ich bitte, verzeih'" stieß er herau» und nahm fich zusammen.

Ja, ich weiß, Du kannst ihn nicht" leiden! Er ist nämlich immer wütend, Ulla, wenn er hört, daß ein armes Mädchen einen reichen"

(Fortsetzung folgt.)