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Mtt dem Kreisölatt für die Kreise Marbura «nd Kirchhain.
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3s*setieo9gtbäbr: di« gcfcetient Zelle sdrr krea ßexe 10 Vf«.
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Freitag, 16. Mai 1902.
Ein Ausblick auf das nächste Finanzjahr.
Der Ausblick auf dar nächste Finanzjahr ist weder im Reich noch in Preußen erfreulich. Da? Reich hat schon den Etat der lausenden Jahres nur durch Ausschreibung von 25000000 Aark ungedeckter Matrikularumlagen bei gleichzeitiger Zurückstellung einer ganzen Anzahl von minder dringlichen Ausgaben und unter Zuhilfenahme von nichtunbedenklichen finanziellen I Manipulationen, wie der Erhöhung des EtatS- solls der Zölle über den auf der Grundlage des Durchschnitts aufgestellten Voranschlag hin- f aus, zu balancieren vermocht. Abgesehen davon, daß die Ursachen, welche zu der ungünstigen Gestaltung der Einnahmen bei Reichs in den letzten Jahren geführt haben, noch sortwirken, kommt für 1903 in Betracht, daß in diesem Jahre der hohe Fehlbetrag anS dem Rechnungsjahre 1901 zu decken sein wird. Während dem Etat der laufenden Jahrei auS 1900 nur em Fehlbetrag von etwas über 2 Millionen Mark zur Last liegt, wird man sich für 1903 auf die Notwendigkeit der Deckung eines Fehlbetrages .tum etwa 50 Millionen Mark gefaßt machen »Wen. Diese Zahl genügt allein schon, um erkennen zu lasten, um wieviel das Verhältnis zwischen Ausgaben und Einnahmen im Jahre 1903 gegenüber dem laufenden Etat sich ver- fchlechtern wird. Es liegt auf der Hand, daß, wenn man zur Herstellung des Gleichgewichts im ReichShaushaltsetat nicht zu außerordentlichen Hilfsmitteln greifen will, wie sie von den verbündeten Regierungen für 1902 in Aussicht l genommen waren, aber nicht die Zustimmung des Reichstages gefunden haben, diese Verschlechterung des Verhältnisses der eigenen Einahmen des Reichs zu seinen Ausgaben zu einer beträchtlichen Mehrbelastung der Bundesstaaten mit Matrikularumlagen führen muß. Schon die Summe von 25 Millionen Mark durch Ueberweisungen nicht gedeckter Matrikularumlagen, welche für 1902 ausgeschrieben werden mußte, dient den meisten Bundesstaaten zum schweren Bedruck, und eine weitere beträchtliche Erhöhung derselben würde für die Finanzen einer ganzen Reihe von Bundesstaaten eine geradezu unerträgliche Last bilden. , _
In Preußen find aus der erheblichen Der- schlechterung des finanziellen Verhältnisse» zum Reiche noch keine finanziellen Schwierigkeiten erwachsen, weil es möglich war, trotz des Rückganges der Verkehrseinnahmen immer noch einen recht beträchtlichen Ueberschuß auS den Eisenbahnen im Etat vorzusehen. Für 1903 dürste aber die Veranschlagung der Eisenbahneinnahmen und des Eisenbahnüberschusses sich voraussichtlich
1g (Nachdruck verboten.)
Eine Geldheirat.
Roma« von 8. Haidheim.
Kortsetznn«.)
Derartige Walkürengestalten waren nie deS Oberstleutnants Geschmack gewesen. Außerdem kleidete sich Anna, wie es ihm schien, nicht vorteilhaft. DaS Kleid kam ihm überladen vor, und dazu diese Unmenge nickender Blumen auf ihrem Hut! Schöne Augen hatte sie ja und auch herrliches Haar, wie et jetzt entdeckte, als sie den Hut abnahm. Aber hübsch? Nein, hübsch war sie nicht — und er hatte sich die Braut feines HanS, trotz besten .Warnung', _ anders vorgestellt.
Der alte Herr fühlte sich unbeschreiblich ernüchtert; aber da war der Millionär, den man t unterhalten und bewirten mußte mit Wein, Kuchen, Zigarren, wie es auf dem Lande Brauch ist.
Die beiden Männer waren binnen fünf Minuten in lebhafter Unterhaltung und fanden Gefallen an einander.
Der Besuch dehnte sich auf zwei Stunden aus. Man fühlte offenbar Sympathie für einander; Hans blieb ziemlich schweigsam, aber daß seine Mutter und Ann« sich gleich so herzlich zu einander sanden, beglückte ihn, wie wie Mutter an dem wärmeren Licht seiner Augen sah.
Die zierliche, kleine alte Dame in dem fernen schwarzen WollUeid, machte neben der mehr als
erheblich ungünstiger gestalten, denn dieser Veranschlagung wird das überaus ungünstige Jst- ergebnis des Jahres 1901 in Verbindung mit der Entwickelung des Verkehrs in den bis zur Etatsaufstellung verflossenen Monaten deS laufenden Rechnungsjahres zu Grunde gelegt. Wenn daher, wozu bis jetzt keine Aussicht vorhanden ist, der Verkehr in den nächsten Monaten sich nicht sehr beträchtlich hebt, so wird der Etat der Eisenbahnverwaltung, sowohl was die Einnahmen als auch den Ueberschluß anlangt, sich erheblich ungünstiger gestalten, als für daS laufende Jahr. Wenn dann noch eine beträchtliche Steigerung des Betrages der durch Ueberweisungen nicht gedeckten Matrikularumlagen hinzukommt, so wird es auch in Preußen eine schwierige Aufgabe werden, das Gleichgewicht im Staatshaushalt ohne eine unerwünschte Kürzung der Ausgaben, aufrecht zu erhalten. Bei dieser finanziellen Lage ist neben strenger Sparsamkeit und sorgsamer Vermeidung aller nicht unbedingt notwendigen und dringlichen Mehrausgaben eine pflegliche Behandlung der Einnahmen sowohl im Reiche wie in Preußen ein unabweisbare! Gesetz solider Finanzwirtschaft.
Umschau
Sam kaiserlichen Hoflager.
Der Kaiser nahm gestern in Wiesbaden die Vorträge des Kriegsministers v. Goßler und des Chefs deS CivilkabinetS Dr. v. LucanuS entgegen, und begab sich sodann um 1 Uhr nach Homburg v. d. H. Am Morgen waren bereits in Wiesbaden die Minister Frhr. v. Rheinbaben und v. PodbielSky eingetroffen, die vor der Abreise des Monarchen nach der Saalburg bezw. Homburg v. d. H. in Gemeinschaft mit dem Oberpräfidenten Grasen Zedlitz-Trützschler eine Audienz beim Kaiser hatten, bei der eS sich um eine Wiesbadener Angelegenheit gehandelt hat. Um 230 Nachm. traf der Kaiser mittels SonderzngeS von Wiesbaden in Hamburg ein. In seiner Begleitung befand sich der Eisenbahnminister v. Thielen, der gleich nach der Ankunft im Kaiserpavillon des Bahnhofs dem Kaiser einen Dortrag über die Homburger BahnhofS- anlage hielt. Der Konferenz wohnte u. a. bei Eisenbahnpräfident Thom«, Landrat Dr. von Meister, der Minister des Innern von Hammerstein, Bürgermeister Ritter v. Marx, Baurat Jakobi. An die Besprechung schloß sich eine Lokalbefichtigung der drei durch Fahnen abgesteckten Bahnhofsprojekte in der Richtung Oberursel. Von hier aus erfolgt die Fahrt nach der Saalburg, wo unter Führung des Baurats Jakobi die RestaurationSarbeiten in Augenschein genommen werden wird.
junonischen Mädchengestalt zuerst den Eindruck eines verschüchterten Vögelchens, sehr bald kam aber die natürliche sanfte Würde ihres Wesens wieder zur Geltung und zugleich die liebevolle Mütterlichkeit, die Ulla schon so beglückt hatte und deren Zauber Anna Wolzin ebenso beglückend empfand.
„£), HanS, wie schön ist es doch, eine Mutter zu haben!' rief sie mehrmals, dann sah sie sich halb neugierig, halb verwundert in der kleinen Stube um.
»Wie in einem Nest, so warm und mittig! Hier möchte ich immer bleiben!'
HanS lachte ein wenig sarkastisch: .Wie wenig sich mein Bräutchen doch kennt! Du würdest schon nach einer halben Stunde den Plan fassen, die Zwischenwände einzureißen, das Dach zu erhöhen, und morgen beschlössest Dn» lieber gleich ein moderner Hau» zu bauen.'
.Du Spötter!' lachte auch sie und küßte ihn. .Warum auch nicht? Aber Deine süße, kleine Mama paßt so hübsch in diese kleinen Räume! Bei uns, Mamachen, da» heißt, bei Hans und mir, wirst Du e» hoffentlich auch behaglich finden. Wir wollen einmal zeigen, daß wir nicht nur Geld, sondern auch Geschmack haben. Und da Hans eine sehr gesellige Natur ist, so habe ich mir vorgenommen, unser Hau» zum Mittelpunkt eines großen Kreise» zu machen.'
.DaS ist aber nicht so leicht gethan, fürchte ich!' meinte die Mutter, die über Anna lächeln mußte.
Fürst Birmarck unb'bie polnische Domänenvorlage.
Die beabfichtigte Bereitstellung eines Fonds von 100 Millionen zum Ankauf polnischer Latifundien in Posen und Westpreußen, die zu Domänen geeignet find, entspricht, wie offiziös mitgeteilt wurde, der weitsichtigen Domänenpolitik, die rem ersten Reichskanzler ursprünglich vor- chwebte, als er die AnfiedelungSkommisfion begründete. Jr der That hat sich Fürst Bismarck am 16. September 1894 in Varzin zu den ihn besuchenden Posenern und Westpreußen wie folgt geäußert:
„Die Klagen darüber, daß durch die Ansiedlung auch die kleinen polnischen Landwirte gestärkt und vermehrt werden, kann ich nicht für berechtigt halten, obgleich ich mir freilich die Ausführung de! Anfiedlungsgesetzes anders gedacht habe, als eS gekommen ist. Es sollte nicht der kleine polnische Besitzer expropriirt werden, der sich ja in die staatlichen Verhältnisse hineinlebt, sondern die adligen Güter und Latifundien. Außerdem war es nicht meine Absicht, daß diese sofort zerschlagen und besiedelt werden sollten, sondern ich hatte ihr Weiterbestehen als königliche Domänen im Auge, die die Regierung mit geeigneten ihr freundlichen Persönlichkeiten besetzen sollte. DaS Gesetz ging auS meiner Jntiative hervor, aber ich habe, durch andere Amtsgeschäfte verhindert, die Ausführungen desselben weder leiten noch überwachen können.'
Die Thatsache, daß die praktische Polen- Politik der Regierung jetzt an die Bismarcksche Tradition und an die eigenste Willensmeinung des Gründers de» Reiches wieder anknüpft scheint in jedem Falle außer Zweifel zu stehen. Allerdings muß von vornherein der Gefahr vorgebeugt werden, daß die neuen Domänen nur mit Hilfe polnischer Saisonarbeiter betrieben werden; ein deutscher Arbeiterstand ist die Lebensbedingung dieser Art Landpolitik.
Zur Katastrophe auf Martinique.
Es liegen heute einige ausführlichere Nachrichten vor über das furchtbare Naturereignis, von Männern, denen eS gelungen ist, da» vernichtete St. Pierre selbst zu betreten.
Der von der amerikanischen „Associated Preß' in Guadeloupe gecharterte Dampfer kam am Sonntag vor Martiniqe an. Die Insel war hinter einem gewaltigen Schleier von violettem und bleifarbigem Dunste verborgen. Der Dampfer stieß auf gewaltige Mengen Wracktrümmer, auf Trümmer von Häusern, auf schwimmende große Bäume und Leichen. Don jenseits des vulkanischen Schleiers her kamen heiße Windstöße, untermischt mit
„Pah! Mit Geld kann man alles, Mama! Man muß es nur zu gebrauchen wissen,' erwiderte sie leichthin.
Der reiche Wolzin hatte offenbar an Tochter «nd Schwiegersohn gelehrige Schüler!
Ueber all dem, was man sich gegenseitig zu sagen hatte, war die Zeit unglaublich rasch vergangen. Burghausens wurde einmal nur ganz flüchtig erwähnt und Anna sagte bei dieser Gelegenheit gleichgiltig: „Mit Ulla bin ich in der Schule bekannt gewesen.'
Es schien ihr kein besonderes Interesse, aber auch nicht unangenehm zu sein, daß sie mit Ulla morgen zusammentreffen sollte. Die vollkommenste Gleichgiltigkeit gegen alle», was nicht ihren Hans betraf, beherrschte sie.
Han» fuhr wieder mit hinauf in die FlinS- bergsvilla; die Eltern sollten in einigen Tagen dorthin kommen, da gleich am anderen Tage zu kommen, wie e» Anna wünschte, der Mama zu viel wurde. Aber jedenfalls mußte Mama Anna erlauben, sie täglich mindesten» für eine Stande zu besuchen.
Als der kerzengerade auf dem Bock fitzende Kutscher, der — die Peitsche aufgeftemmt, in tadellos korrekter Haltung wie ein Steinbild auf feinem hohen Sitz thronend -V verächtlich auf die gänzlich unzivilisierte Straßenjugend herabgesehen, endlich feine Herrschaft wieder entführt hatte, blickten der Oberstleutnant und feine Gattin dem Wagen und der mit lautem Geschrei nachlaufenden Jungenschar gedankenvoll nach.
eiskalten. Das ganze Nordende der Insel war mit filbergrauer Asche überzogen, die wie schmutziger Schnee auSsah. Feuer, Asche und Schlamm wurde von heftigen Windstößen über den Dampfer geblasen, aber endlich erreichte er doch St. Pierre. Die Ruinen brannten noch immer, und an vielen Stellen roch e» furchtbar nach verbranntem Fleisch. Mit großer Mühe wurde die Landung aurgefühtt. Nicht ein Haus war unversehrt, überall sah man breiige Schlammhaufen, Aschenhausen ober Hausen vulkanischer Steine. Straßen waren Saum zu entdecken. Hier und da sah man unter 3en Ruinen Hansen von Leichen, alle mit dem Gesichte nach unten. In einem Winkel sah man 22 Männer, Frauen und Kinder in einer schrecklichen Masse, auS der Arme und Seine hervorragten, daliegen. Mitten durch die bisherige Place Berlin rann ein winziger Lach, der Rest des Gohave- Flusses. Große, entwurzelte und vom Feuer versengte Bäume waren nach allen Seiten zerstreut. Große Felsblöcke und noch heiße Steine lagen überall umher. Am meisten fiel die völlige Ruhe auf und der furchtbare überwältigende üble Geruch. Der feurige Strom, der vom Vulkan herabkam, muß aus giftigen Gasen bestanden haben, die sofort Jeden, der sie einatmete, erstickten, und auS anderen heftig brennenden Gasen, denn fast alle Opfer hielten ihre Hände vor den Mund ober zeigten auf anbere Weise, daß sie sich vor Erstickung zu retten gesucht hatten. Alle Leichen waren verkohlt ober geröstet.
Nur 12 Ucberlebende sind im Militär- lazareth von Fort be France, während 30000 Leichen umherliegen oder unter den Ruinen begraben find oder im Meere schwimmen, 28 halbtote verkohlte Menschenleiber wurden hierher (nach Fort de France) gebracht, 16 davon find schon gestorben, und nur vier hofft man am Leben zu erhalten.
Da» Dorf Jrrine, südlich von St. Pierre, verbrannte fast ganz, und fast alle Einwohner wurden getötet. Einer der lleberlebenden, der sich nicht mehr erholen wird, sagte, da! Meer fei kochend heiß gewesen und sei auf das Land gekommen.
Dom Schiff „Teresa Lovico' wurden verschiedene Männer gerettet. Einer derselben sagte: „Erst gab es ein furchtbares Getöse wie von einer Explosfion, und sofort darauf kam der Wirbelsturm von Rauch und Feuer. Der Rauch war so furchtbar und giftig, daß er mehr noch al» Feier verbrannte. Wer ihn einatmete, fiel tot hin. Feuer verbrannte die Stadt überall. Nahe bei mir sah ich nur tote Menfchen, aber am Ufer bemerkte ich Männer und Frauen, die mitten zwischen Flammen hin- und herliefen. Sie liefen nicht
Ebenso schweigsam und nachdenklich gingen fie in» Haus zurück, und dort begann der Hausherr wie in großen Sorgen durch die zwei kleinen Stuben hin und her zu wandern.
Seine Frau saß auf ihrem erhöhten Sitz am Fenster und fingerte an ihrem Strickstrumpf herum, aber fie begann nicht zu stricken.
Endlich blieb ihr Mann vor ihr stehen.
„Mutter — nun red' doch mal einen Ton 1 Wie gefällt fie Dir?' fragte er ungeduldig.
„Sie ist ein liebe» Gemüt, Vater, voller Aufrichtigkeit — unb fie liebt unfern HanS von ganzer Seele.'
Er war nicht befriedigt von dieser Antwort, sondern ging wieder auf unb ab.
Sie blickte ihm mtt tiefernsten Augen noch unb konnte keine Spur von Freude empfinden — nur Sorge.
Da stand ihr Mann abermals vor ihr still.
„Glaubst Du, HanS würde fie nehmen, wenn fie nicht reich wäre?' flüsterte er ihr grimmig lächelnd zu.
„Nein, das glaube ich nicht, Vater.'
„Ich auch nicht!'
_ Wieder schwiegen fie mehrere Minuten.
' „Und daß unser Han! daS thun kann, Mutter! Da haben wir nun den Jungen mtt Liebe unb Sorge aufgezogen, uns ben Bissen vom Munde abgespart und nun — wenn'S wenigstens zu seinem Glück wäre:'
(Fovtsetzung folgt)