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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

UiirteljLhrlichrr Brzugspr«i»: bei der Expedition 2 ML, bei «llen Postämtern 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).

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Msrhurg

Mittwoch, 14. Mai 1902.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. SountaeSdrilage: JllsftrirtoS SosstagsLlatt.

Dort »nd Verlag: Jsh. Ang. Sich, Universitäts-Buchdrucker« Marbnrg, Markt 21. Telephon 55.

37. Jahrg.

Industrielle Logik mit doppeltem Boden.

In einer zur Düsseldorfer Ausstellung her­ausgegebenen Festzeitschrift veröffentlicht der industrielle Generalsekretär Bueck eine Abhand­lung, die den Zweck hat, die industriellen Kartelle gegen den Vorwurf unberechtigter Preistreiberei in Schutz zu nehmen. Uns interessiert aus der ganzen Verhandlung ein Fundamentalsatz, den Herr Bueck in den Worten giebt:

Der Vorwurf gegen die Kartelle ist unbe­rechtigt , solange die Kartellverteuerung ledig­lich den Ersatz der Herstellungskosten und die Erzielung eines angemeflenen Gewinnes bezweckt. Niemand ist berechtigt, zu verlangen, daß der Produzent ihm die Gegen­stände seines Gebrauches ohne Ge­winn oder gar mit Verlust liefert."

Wir unterschreiben diesen Satz vollkommen, und zwar für alle deutsche Arbeit. Herrn Lueck's Logik hat aber schon wiederholt einen doppelten Boden gezeigt, er hat den gleichartigen Anspruch der Landwirtschaft auf ausreichende Rentabilität aufs Schärfste bekämpft, sofern durch die Gewährung des dazu Erforder­lichen Zollschutzes der Abschluß von Handels­verträgen erschwert und so ein einseitiges Interesse der im inneren Markt bereits glänzend situierten Industrie vielleicht etwas geschmälert werden würde.

In der Abhandlung Bueck's erfordert auch der Schlußsatz Widerspruch. Er bestreitet die Möglichkeit, daß die Gesetzgebung den Aus­schreitungen des Trusts beikommen könne, mit dem Hinweis auf Amerika. Dort - bestehen scharfe Verbote gegen die Trustbildung und doch sieht man gerade dort die ungeheuerlichsten Mißbräuche. Herr Bueck sagt dazu: Dies ist natürlich: Die Erfolglosigkeit derartiger gesetz­geberischer Eingriffe hat darin ihren Grund, daß die Exaktheit der gesetzgeberischen Technik gegenüber der Mannigfaltigkeit und Wandel­barkeit der Formen des Kartells- und Trust­wesens vollkommen versagt."

Hierin irrt Herr Bueck gründlich. Die bis­herige Unwirksamkeit der amerikanischen Gesetze hat ihren alleinigen Grund in der Thatsache, daß drüben die stärkste Korruption herrscht, die die Welt jemals gesehen hat. Richter, Deputirte und Senatoren find mit dem Selbe der Trust- Herren bestochen und diese Kurruption langte, so lange Mc Kinley lebte, bis an den Präfidenten- stuhl hinan. Urteile unterer Instanzen, die von unbestochenen Richtern gegen die Trusts gefällt

11 lRachdruü verboten.)

Eine Geldheirat.

Roma« von L. H a i d h e i«.

(Fortsetzung.)

Während Ulla und Julchen im Hause her­um kramten, studierte die alte Dame mit sorgen­voller Miene die vielen Rezepte, grübelte über getrüffelte ausgeknöchelte Hähnchen" und räumte ihr Staatsservice, das seit Jahrzehnten nicht benutzt worden, aus dem Schranke, putzte ihr Silberzeug und war verzweifelt, daß die Fuß­böden ihrer Zimmer nicht mehr frisch gestrichen werden konnten.

Und dann war plötzlich eines Abends, als die beiden Alten eben zu Lett gehen wollten, Hans gekommen.

Er klopfte ans Fenster, um Einlaß zu be­gehren. Die Mutter hatte eben schon das Kreischen der Gartenpforte gehört, das ihr sonst stets Kummer machte, weil fie esungehörig" fand und trotz aller Mühe doch nicht ändern konnte.

Beim ersten Zeichen der Ankunft des Sohnes drehte fich schon der Schlüffe! im Schloß und die Thür flog auf.

Richtig, Vater, er ist es.'" jubelte die Mutter inS Haus zurück und schloß den Sohn m die Arme.

Hans! Mein Hans! Welche Freude! Gott segne Dich und Deine Braut."

Mutter, liebe Mutter!"

Roch nie hatte fie die Stimme ihres Sohnes so aus tiefstem Innern heraus klingen gehört. Sie erschrak fast, aber fie mochte nicht aus­

wurden, wurden von erkauften Obergerichten umgestoßen, und gab es einmal rechtliche Urteile oberer Gerichte, dann wurde ihre Exekution durch bestocheneParlamentsmehrheiten verhindert. Die amerikanische Trustgeschichte der letzten zehn Jahre hat für diese Thatsachen doch wahr­lich so viele und so kraffe Beispiele geliefert, daß auch Herr Bueck etwas davon wiffen sollte.

Umschau.

Die Kommunalkonferenz wider den Zolltarif

hat am Montag nun in Berlin getagt. Die Mitglieder des Berliner Magistrats und des Stadtverordneten-Kollegiums waren vollzählig erschienen und fie dürften einen unverhältnis­mäßig großen Teil der 700 Deputierten aus­gemacht haben, die ohne Mandat ihrer Städte zu der Versammlung erschienen waren. Mit großem Stolze verkünden die sreihänd- lerischen Blätter, daß 77 deutsche Städte auf dieser Heerschau, allerdings inoffiziell, vertreten gewesen seien, daß außer dem Oberbürgermeister Kirschner noch 2 Redner gesprochen hätten und folgende Resolution dem Reichstage, der Regierung und demdeutschen Volke zur Nachachtung empfohlen worden sei:

Die heute in Berlin versammelten Mit­glieder deutscher städtischer Gemeindebehörden sprechen fich, unbeschadet ihrer grundsätzlichen Stellungnahme zu den Zollfragen, gegen jede Erhöhung der Zölle auf unentbehrliche Lebens­mittel aus und erwarten gleichzeitig, daß die gesetzgebenden Faktoren auf die Fortsetzung und den Ausbau der bewährten Politik lang­fristiger Handelsverträge bedacht fein werden." Wenn wir erwägen, daß von 700 An­wesenden nur 3 fich bewogen fühlten, gegen die angebliche Lebensmittelverteuerung in einer Rede Stellung zu nehmen, und wenn wir außerdem bedenken, daß auf der großen frei­händlerisch-demokratischen Heerschau von co. 2476 deutschen Städten nur sage und schreibe nur 77 durch Deputierte vertreten waren, so vermögen wir weder die Resolution noch ihre Empfehlung an das deutsche Volk allzu tragisch zu nehmen. Die ganze liberale Kommunalkonferenz war an­gesichts dieses Resultats eine Blamage, wie wir sie unseren Gegnern größer gar nicht wünschen können.

Die Katastrophe aus Martinique.

Im Laufe des gestrigen Tages ist eine Fülle von weiteren Meldungen eingetroffen. Leider

denken es war auch jetzt keine Zeit dazu, denn da kam bereits der Vater und begrüßte Hans.

Nein!" dachte fie beruhigt,traurig ist er nicht!"

Seine Stimme klang dem Vater gegenüber ja schon so ganz anders, frisch, froh, lachend.

Als fie dann beim Schein der Lampe sein Gesicht sahen, fanden fie ihn blaß und etwas magerer,* und der Mutter wollte es scheinen, als glühten seine dunklen Augen sonderbar, ganz anders als sonst.

Na, Du Teuselsjunge, nun sage erst mal, wie es steht! Siehst wohl als verliebter Bräutigam den ganzen Himmel voller Geigen?" lachte der Vater ihn glücklich an. Und da Hans, der fich mechanisch das Haar bürstete, nur Natürlich! Aber natürlich!" erwiderte, wandte er fich schon an seine Frau:Na, Mutter, bist wohl ganz sündhaft stolz auf Deinen hübschen Jungen? Kann man es dem Mädchen nun verdenken, daß es fich in ihn verliebt hat? Du hast aber Glück, Bengel!"

Freilich! Glück muß einer haben, Alter­chen!" lachre Hans, stellte fich vor den Spiegel und bürstete seinen stattlichen dunklen Schnurrbart.

Mutter, hol' dem Jungen was zu effen und Wein! Komm HanS, nimm erstne Cigarre! Setz' Dich zu mir! Nun erzähle mal! Der alte Wolzin war's als», gleich zu­frieden? Hütte mit seinem Gelbe für die Anna einen Graftnwhn kriegen können! Aber das Mädel ist sicher auf Deiner Seite gewesen wie hättest Du e§ sonst auch riskieren sollen! Hast Du nicht ein Bild von ihr?"

ergiebt fich daraus, daß das verheerende Natur­ereignis noch weiter um fich gegriffen und noch mehr Menschenleben gefordert hat, als schon die ersten Schreckensmeldungen vermuten ließen. Nachfolgend stellen wir die neuen Telegramme, die das bisherige Bild der Lage vielfach er­gänzen, zusammen.

Die Stadt Pierre ist am 8. d. M. gegen 8 Uhr früh durch ein furchtbares Naturereignis vollständig zerstört worden. Bei einem Aus­bruch des einige Kilometer von der Stadt ge­legenen Vulkans Pelee verwandelte der von einem wahren Feuerregen begleitete glühende Lavastrom die Stadt in einigen Sekunden in ein ungeheures Feuermeer, das fich auch aus die St. Pierre benachbarte Küste erstreckte und so eine Feuerlinie vom Dorfe Barbet bis Bourg de Precheur bildete. Die Wirkungen dieses vulkanischen Ausbruchs machten sich bis Fort de France bemerkbar, wo ein Regen von Asche und nußglühenden Steinen im Gewichte von 710 Gramm niederfiel. Die ganze Insel wurde mit einer drei Millimeter hohen Ascheschicht bedeckt.

Genauere Nachrichten treffen ein, die Zahl der Opfer wird aus 30 000 geschätzt. Unten den Vermißten befinden fich der Gouverneur von Martinique mit Gemahlin, die am Tage vor dem Unglück in St. Pierre eingetroffen waren. Alle Schiffe, die in der Nähe von Barbet de Precheur liegen, find mit Flüchtlingen angefüllt, deren Zahl ungefähr 5000 beträgt; die Flücht­linge werden nach und nach hierher geschafft, die noch auf den Schiffen verbleibenden werden mit Lebensmitteln versehen. Die Regierung von Guyana hat einen Kredit von 25 000 Francs für die Opfer der Katastrophe bewilligt, in Cayenne und den übrigen Gemeinden werden Sammlungen veranstaltet. Ein weiteres Telegramm aus Fort de France von gestern meldet: Die Kabelgesellschaft hat ihren Mit­arbeiter Molina nach St. Pierre entsandt; der­selbe meldet, er habe unter den Trümmern zwar das Bureau der Gesellschaft, aber keine Spur von dem Direktor Jallabert und dem Personal aufgefunden. Die Stadt sei mit Leichen bedeckt, mit deren Verbrennung jetzt begonnen werde. Der DampferPouher Quertier", der jetzt dis­ponibel sei, werde die Reparierung des Nord­kabels in Angriff nehmen.

Temps" schreibt, offenbar anknüpfend an die heute beim Kolonialministerium eingetroffenen Depeschen: Wir glauben zu wiffen, daß die Katastrophe in Martinique alles übertrifft, was die Phantasie ersinnen könnte. Der Ausbruch des Berges Peläe hat den ganzen nordwestlichen Teil der Insel in eine Wüste verwandelt. Die vom Vulkan ausgespieenen Lavaströme haben

Ihre Bilder find sämtlich nicht gut Ich möchte lieber, Ihr sähet fie erst selbst. Hübsch ist sie nicht, Vater; darauf mache ich Euch gleich aufmerksam, damit Ihr Euch nicht enttäuscht fühlt."

Die Mutter brachte Wein herbei; für Abendeffen hatte Hans gedankt.

Wenn fie Dich liebt, mein Hans, und Du fie was sollten wir Alten mehr wünschen!"

Natürlich, natürlich, die Liebe ist das erste aller Gebote und Schönheit Nebensache. Wenn fie ein Weib nach Deinem Herzen ist, so genügt das! Ein Glückspilz bist Du aber doch!" Bei diesen Worten stieß der Oberstleutnant mit seinem Glas an das des Sohnes.

Meint Ihr?" Hans starrte in den roten Wein, als ob ihm daraus das Bild der Ge­liebten entgegenleuchtete. Dann reckte er fich ein wenig höher.Die Hochzeit soll so rasch wie möglich fein. Wolzin wünscht es, weil er für drei Monate nach Kleinasien muß Eisenbahnbau oder so was, wo er viel Geld hineingesteckt hat."

Na und Deine Anna sagt nicht nein? Es ist ein bischen rasch!" meinten die Eltern.

Anna? Die heiratet mich gleich morgen, wenn ich es wünsche!"

Der Ton, in dem Hans dies sagte, berührte die feinfühligen alten Leute nicht angenehm. Aber Hans fuhr schon fort:

Ein langer Brautstand ist ja auch eher Qual, als ein Vergnügen. Wir haben schon eine reizende Villa nach dem Grünewald hinaus ausgesucht, die Papa gekauft hat und jetzt ein­richten läßt ein wunderhübsches, mit allem

eine enorme Fläche bedeckt und find bis Carbot vorgedrungen. Drei große Niederlaffungen außer Saint Pierre find zerstört, unter den Opfern befinden fich der Gouverneur Moutet und feine Frau, Oberst Eerbaut, feine Frau, die beiden Kandidaten, die heute in Stichwahl kommen sollten, Perrin und Clerc, find gleich­falls tot.

Aus Fort de France wird über die Lage auf Martinique noch gemeldet: Die Meeres­küste vor St. Pierre und das Meer selbst bis auf eine Entfernung von einer Meile von der Küste find mit Schiffstrümmern bedeckt, Boote können nur schwer landen. Die Hitze ist er­drückend. Die Uhr am Hospital zeigt auf 7 Uhr 50 Minuten. Nichts Lebendes zeigt fich in der Stadt, alles liegt in Trümmern. Aschewolken verdunkeln den Horizont, andauernd ist unter­irdisches Rollen zu hören. Mehrere Stadtteile find vollständig in rauchende Aschehaufen ver­wandelt. Die Keller der Bank von Martinique find unversehrt geblieben, die Wertpapiere usw. im Betrage von zwei Millionen, die fich dort befanden, sind nach Fort de France gebracht worden. Nach den Gewölben, wo sich der öffentliche Schatz und die Depots der Groß­kaufleute befanden, wird noch gesucht. Der Kommandant des KreuzersSuchet" hat die Stadt und Umgegend durchforscht und berichtet, daß fich im nördlichen Theile der Insel große Spalten gebildet haben, daß das ganze Gelände fich in Bewegung befindet und daß sich plötzlich neue Thäler bilden.

Der Verwalter der Insel Dominica tele- graphirt: Tie Katastrophe von Martinique stellt sich als noch schrecklicher heraus, als die bisherigen Berichte darstellten. Flüchtlinge melden, daß fich neue Krater nach vielen Richtungen hin öffnen. Die Flüffe find aus­getreten, wodurch weite Landstrecken an der Nordseite der Insel unter Waffer gesetzt worden find. In anderen Bezirken drängt fich die überlebende Bevölkerung zusammen. Es herrscht fortwährend völlige Dunkelheit. Man glaubt nicht, daß Guadeloupe für die unsägliche Not genügend Hilfe bieten kann.

Kotau vor England.

Die demökratifche liberale Presse rühmt sich ihres Stolzes vor Königsthronen; sie knickt aber sofort zusammen, wenn vom Auslände her gedroht wird, das Geschäft zu schädigen. Der Geldbeutel ist die einzige Stelle, an der die Demokratiesterblich" ist. So ist auch jüngst im Kollegium der Nettesten der Berliner Kaufmannschaft lautes Wehegeschrei erschallt, das in der freisinnigen Presse z. B. der Frank-

Komfort der Neuzeit eingerichtetes Haus und nicht zu klein. Denn wir werden wohl ein HauS machen, wie es Anna gewohnt ist. Mir ist das auch recht; meine Karriere kann nur gewinnen, wenn es mir gelingt, mich nach allen Seiten angenehm bekannt zu machen. Als Wolzins Schwiegersohn steht mir sozusagen die ganze Welt offen! Und das ist ja, was ich schon als Knabe so glühend ersehnte!"

Ja, ein ehrgeiziger Racker war er von klein auf!" lachte der Vater.

Der große gesellige Haushalt wird Eurem jungen Eheglück aber nicht förderlich fein, Hans!" warf die Mutter ein.

O, das thut nichts! Jetzt ist die Haupt­sacheStellung!" Und darin ist mein Schwiegervater ganz mit mir einverstanden, Mama."

Aber was sagt Deine Braut dazu?"

Ein Zug des Unbehagens glitt über sein Gesicht.

Die möchte freilich am liebsten immerju kosen. Aber ich bin ein Mann, der in bet Welt auswärts will! Meine Mittel werben mir bas erlauben, denn bas Geheimnis des Gelbes liegt einfach in ben Worten:Mit Gelb kann man alles!" Ihr solltet Wolzin nut mal sprechen hören. Er ist ursprünglich der Erbe von etwa einem Hunderttausend gewesen, aber er hat mir erst neulich gesagt, seine ganze Klugheit habe darin bestanden, das Geld richtig zu gebrauchen. Er ist ein ganz famoser Mensch und mir kommt er in einer Weise entgegen, die fast keine Grenzen zu kennen scheint"

(Fortsetzung folgt.)